Afghanistan

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  • Wie sieht es eigentlich aus bei den anderen Nato-Partnern? Haben die vor dem Abzug etwas für die Ortskräfte getan?

    Weiß da jemand was davon?

    Kanada hat mWn versucht noch auszufliegen und hat sich bereiterklärt 20t der Menschen aufzunehmen die es in Nachbarländer geschafft haben.

  • Dass der Abzug stattfand, darüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein.


    Aber darüber wie er stattfand...


    Ich meine jeder vernünftige Mensch, hätte zuerst die Familien der Ortskräfte, NGOS, Botachaftspersonal, deutsche Staatsbürger ... rausgebracht. Und dann mit den jeweiligen Einheiten zusammen die Ortskräfte.


    Und nicht vor zwei Wochen noch Leute hinbringen wollen.

  • Wie sieht es eigentlich aus bei den anderen Nato-Partnern? Haben die vor dem Abzug etwas für die Ortskräfte getan?

    Weiß da jemand was davon?

    Kanada hat mWn versucht noch auszufliegen und hat sich bereiterklärt 20t der Menschen aufzunehmen die es in Nachbarländer geschafft haben.

    Deutschland hatte ein paar auch schon rausgebracht. Ich meine 1200 Personen, aber da mag ich falsch liegen.


    Die Niederlande hatten auch schon welche draußen.


    Es gibt auch Leute, die zufällig außer Landes sind. Eine Menschrechtlerin aus Kabul ist grade zufällig in den USA.

  • Hier kann man seinem Abgeordneten schreiben und für die Rettung von Menschen spenden


    https://www.kabulluftbruecke.d…zhBsd1hALzoG8BNpwHUm3RJVQ

    Danke, Liddy. Ich finde das alles so furchtbar. Wie FrauMahlzahn schreibt, der Abzug der Truppen ist das eine. Aber so die Menschen zurück zu lassen? Nach zwanzig Jahren liess sich das nicht besser organisieren, die Menschen nicht ins offene Messer laufen zu lassen? Unsäglich.

  • Ich erlaube mir mal, einen Beitrag von Facebook hier hineinzukopieren. Er kommt von Geo Messmer, den ich vor sechs Jahren in der Flüchtlingshilfe kennengelernt habe. Moria, Türkei, Balkan - Geo ist ganz oft vor Ort, hat Unglaubliches für viele Familien erreicht und ist für mich einer der Deutschen, die sich am meisten Ahnung überhaupt von Syrien, dem Irak, dem Iran und Afghanistan angeeignet haben. Er war als Fotograf auch oft genug da.

    Er schreibt (und vor allem interessant ist der zweite Absatz, in dem es um die Frage geht, was "wir aus dem Westen" da überhaupt gemacht haben):


    Da die Experten am Ende doch Fragen hatten, und dass an einen Unwissenden wie mich, möchte ich kurz die typischen Fragen erklären.
    Zur Frage, warum sich die anfangs zahlenmäßig überlegene Armee nicht gegen die Taliban gewehrt hat und abhaut wie die Feiglinge?
    Dazu muss man sagen. Nicht jeder ist so ein Internet-Rambo, welcher sich tapfer wie er ist breitbeinig auf die Straße stellt und die Meute stoppt.
    Der andere Grund ist folgender, dass die Streitkräfte eh schon gespalten waren. Das liegt zum Einen an dem knappen Sold. Für so wenig Geld begibt sich halt nur der typische Internet-Rambo in Lebensgefahr.
    Wenn in so einer Situation dann die Amerikaner über Nacht ihre Basen räumen und ohne Rücksprache wichtige militärische Stellungen aufgeben, dann steigt auch der Unmut bei den eigenen Streitkräften.
    Wenn Sie dann noch mitbekommen, dass die Amerikaner ihre Ausrüstung, Panzer, Panzerfahrzeuge, Waffen und Munition brav den Taliban zurückgelassen haben, dann schwindet der letzte Rest Vaterlandsliebe.
    Am Ende wurden die wichtigen Knackpunkte wie die Ring-Road durch die abgezogen US-Einheiten, die wirklich über Nacht verschwunden waren, verloren und damit notwendige Nachschubwege abgeschnitten. Die Führungskräfte konnten also nicht mal ihre Eliteeinheiten zur Verstärkung rufen. Dieses Gesamtpaket lässt alle fliehen. Ausser vielleicht den Internet-Rambo, der das höchstwahrscheinlich alleine geklärt hätte.
    Immer leicht von einem Sofa aus ein Kriegsgebiet zu erklären.
    Ein anderer Punkt sind die vielen Warlords, die nur solange gemeinsame Sache gemacht haben, bis ihnen der Arsch auf Grundeis ging.
    Dass man dann schnell die Seite wechselt, um sich selber, seine Familie und seine Lieben zu schützen, ist in vielen vergleichbaren Fällen zu sehen gewesen, auch z.B. im Syrien... Wo heute übrigens die sogenannten "moderaten Rebellen" in Idlib, die wir seit Jahren finanziell unterstützen und die in Wirklichkeit nichts anderes als Djihadis der ersten Stunde sind, zur Feier des Tages und dem Erfolg ihrer Al-Qaida-Brüder zur Übernahme Afghanistans kostenlos Früchte und Kekse unter der Bevölkerung verteilt haben. Aber anderes Thema.


    Die nächste Frage war, was wir überhaupt in Afghanistan gemacht haben. Und da sieht man am deutlichsten die Ignoranz, denn was sich dort bis die letzten Tage alles zum positiven geändert hat, wäre definitiv Wert gewesen es zu verteidigen, und zwar mit allen Mitteln. Ob nun Frauen-Sport-Teams, Frauen in Führungspositionen, Schulen oder Infrastruktur. Das Leben in den Städten wurde unglaublich positiv vorangetrieben. Musik, Museen, Ausstellungen, Events, Sport und Spiel.. Das alles wird es nun nicht mehr geben und der Wandel wird immens sein.
    Und nein, der Großteil der Bevölkerung feiert auch nicht die Übernahme der Taliban, sondern wissen ganz genau, was das für ihre Zukunft bedeutet. Vor allem für die Zukunft der Mädchen und Frauen, aber auch denjenigen, die dort das Land weiter aufbauen wollten.
    Und nein, die Taliban kann man nicht an einem Verhandlungstisch beruhigen oder überzeugen, das funktioniert ausschließlich über einen bewaffneten Kampf.
    Zur Frage über den Bubdeswehreinsatz. Wir hatten zu keiner Zeit einen Schiessbefehl, wir waren dort wie viele andere eine Schutztruppe, die sehr gute Beziehungen zu den Einheimischen aufgebaut hatten. Wir sorgten dafür, dass Heroinbauern nicht mehr Drogen anbauen mussten, da die Taliban 10-15% der Erträge für ihrer Finanzierung nutzten, sonder halfen beim umplanen der Felder, bei Brunnen und Brückenbau, bei Schulen und Bildungseinrichtungen. Schwer vorstellbar, und leider wird wie so oft falsches behauptet und verbreitet.
    Natürlich ist nicht alles glatt gelaufen. Natürlich gab es Defizite, wo gibt es die nicht?
    Dass wir am Ende dort schlussendlich nichtmal die Personen in Sicherheit bringen können, die uns jahrelang wie Brüder geholfen haben, ist ein fetter Schlag in die Magengrube, und ich hoffe jeder Politiker, der diese Beschlüsse immer und immer wieder ausbremste, weiß, dass er Blut an seinen Fingern hat.
    Wer nun glaubt "Ach die sollen da einfach schauen wie sie das regeln", der wird in Zukunft noch überrascht sein, wie weitreichend die Taliban agieren. Das Al-Qaida-Netzwerk hat nun ein eigenes Land. Das hat der IS nicht geschafft. Und ich bin froh darüber, und stolz darauf, Leute zu kennen, die es nicht kampflos aufgeben werden.
    Die anderen Fragen spare ich mir, die waren mehr als lächerlich. So wie die Fragesteller.
    Ich bin gerade mit wundervollen Menschen aus Afghanistan in Griechenland und höre ihre Sorgen, ihre Ängste. Vor allem die Kinder, Mädchen und Frauen hier sind der lebende Beweis, wie sehr man etwas ändern kann. Und wie wertvoll es ist, etwas zu ändern. Wie wertvoll ein Mensch ist.

  • Abgesehen von den entsetzlichen Ereignissen, die da jetzt vor Ort passieren und die in dem Moment absehbar waren, als die USA gesagt haben, sie ziehen sich aus Afghanistan zurück und de Leute vor Ort sofort sagten "dann übernehmen die Taliban" und ich mich frage, wie man DAS ignorieren konnte all die Zeit, frage ich mich jetzt folgendes:

    Ich bin da nicht so kompetent in dem Thema, habe aber heute gelesen, dass die USA wieder Soldaten hinschicken wollen.

    Verstanden habe ich das nicht.


    Könnt Ihr etwas dazu sagen?


    LG,

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

  • luzy ich glaube du hast geschrieben, dass dein Sohn Soldat ist, oder? Ich kann mir vorstellen dass es da jetzt auch große Diskussion gibt..

    holly mit großer Tochter (07/03) und kleinem Sohn (06/06)

  • Ja. Es sind alle völlig entsetzt. Wurde ja hier auch schon gesagt. Man ist auf die Menschen vor Ort angewiesen. Das schadet dem Ruf der BW im Ausland so dermaßen. Das sind auch wirklich konservative Stimmen die das nicht nachvollziehen können was da passiert ist.

  • So wie ich das verstanden habe, sollen die nur den Flughafen sichern.

  • Ja. Es sind alle völlig entsetzt. Wurde ja hier auch schon gesagt. Man ist auf die Menschen vor Ort angewiesen. Das schadet dem Ruf der BW im Ausland so dermaßen. Das sind auch wirklich konservative Stimmen die das nicht nachvollziehen können was da passiert ist.

    Im Militär ist es ja auch einfach so, dass sich das Fußvolk auf die "oberen" verlassen können muss. Das ist Teil der Unternehmenskultur. Und wer mit einem gemeinsam arbeiten, gehört "zur Truppe". Loyalität ist ein muss in dem Beruf und wenn die verraten wird, dann geht das gegen die eigenen Werte und man fragt sich unterbewusst auch "werde auch verraten, wenn es den oberen in den Kram passt?"


    Auch die Frage: Was passiert denn beim nächsten Einsatz?


    Es ist ja auch immer noch die Bundeswehr, Soldaten sind Beamte und keine Söldnertruppe.

  • Also die Bundeswehr sagt, dass gut 500 Ortskräfte der Bundeswehr eine Gefährdungsanzeige gestellt haben. Sprich nach Deutschland wollten. Inkl. Familienangehörige ca. 2500 Personen. Davon sind knapp 1500 Personen bereits in Deutschland.


    https://www.bundeswehr.de/de/a…t-gefaehrdete-aus-5209216


    Das kann sogar so sein. Es gibt allerdings ja noch weitere Ortskräfte, die für deutsche Ministerien gearbeitet haben. Das Verteidigungsministerium war da wohl das Ministerium, was noch am meisten für die Ortskräfte getan hat.

  • Es geht auch um diejenigen, die für (deutsche/ausländische) NGOs gearbeitet haben sowie um Journalist*innen, Lehrer*innen, Bürgermeister*innen, Frauenrechtler*innen usw.

    Es wollen ja auch gar nicht alle nach Deutschland. Ich habe gerade von einem Journalisten gelesen, der nach Indien wollte. Der Kontakt ist abgerissen.

    Wichtig wäre die Menschen rauszuholen.

  • Es geht auch um diejenigen, die für (deutsche/ausländische) NGOs gearbeitet haben sowie um Journalist*innen, Lehrer*innen, Bürgermeister*innen, Frauenrechtler*innen usw.

    Es wollen ja auch gar nicht alle nach Deutschland. Ich habe gerade von einem Journalisten gelesen, der nach Indien wollte. Der Kontakt ist abgerissen.

    Wichtig wäre die Menschen rauszuholen.

    Ja, ich weiß das. Das war bloß eine Unterstützung von luzy , dass die BW sich doch deutlich mehr um ihre Ortskräfte gekümmert hat und im Wesentlichen von Herrn Seehofer ausgebremst wurde.

    Die anderen Ministerien haben das mehr als "Wieso? Wir bleiben doch vor Ort?" behandelt.


    Wie kann eigentlich ein Mensch wie Herr Seehofer noch ruhig schlafen?

  • Ah okay, FrauMahlzahn

    Versagen auf ganzer Linie.

    Wie einer von denen noch ruhig schlafen kann, frage ich mich.

    Ich habe unfreiwillig das Video von der startenden Maschine mit den Menschen auf den Tragflächen gesehen. Ich weiß auch nicht, ob ich jemals wieder ruhig schlafen kann #kerze


  • Hier sind weitere Möglichkeiten für Spenden (auch im Thread).