Lesen lernen klappt nicht

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  • Hallo zusammen,


    mein Siebenjähriger ist heute Nachmittag verzweifelt.

    Er geht in die erste Klasse und ist eigentlich ein pfiffiges Kind - aber - er tut sich sehr schwer mit dem Lesen.

    Bisher lernt er einfach auswendig, wir hatten immer nur kleine Texte/Wörter, welche in der Schule wohl bereits mal angesprochen wurden und so konnte er es zur Hausaufgabe bereits auswendig aufsagen.

    Heute war es ein unbekannter kleiner Text.

    Er hat 30 Minuten geweint, weil er nichts kann - danach haben wir gemeinsam versucht uns den Text Silbe für Silbe zu erschließen.

    Mir fällt dabei auf, dass er sich nicht dem Textblatt zuwendet, sondern meist meine Lippen liest.

    Nach der ersten Runde konnte er die Wörter "auswendig"


    Wie können wir helfen, das Lesen zu lernen ?

    Habt ihr Tipps für uns?

    Die meisten Buchstaben des Alphabets erkennt er schon länger, er kann diese aber nicht 'zusammenziehen'. Außerdem ist er sich bzgl. der Buchstaben - Laut- Zuordnung nicht sicher: das "a" immer "a" ist etc.


    Mit seiner Lehrerin hatte ich bereits vor 14 Tagen ein längeres Gespräch, sie sieht kleine Fortschritte bei ihm und riet zu Geduld.

    "Irgendwann macht es klick"

    Ich habe das Gefühl, er steht noch komplett am Anfang und kommt keinen Schritt weiter, verliert aber langsam Motivation und auch Glauben an sich.


    Macht eine ärztliche Abklärung Sinn ? Augenarzt / Ohrencheck ?

    Ich habe ein bisschen im Netz quer gelesen zum Thema Legasthenie und erkenne da doch manches wieder.

  • Ich kenne auch Kinder, die einfach etwas länger brauchen.

    Wwenn die Lehrerin das auch so sieht, ist es ja erstmal gut.

    Ich könnte mir auch vorstellen, dass es durch die Masken schwerer ist.


    Eine Abklärung von Augen und Ohren halte ich immer für sinnvoll.

    Haben wir von klein auf regelmäßig gemacht und machen es noch immer.

    Ich schreibe meine persönlichen Erfahrungen und über mein persönliches Umfeld. Manchmal schreibe ich auch davon, was mir Familie oder Freunde so berichten, das steht dann aber dabei.
    Ich schreibe nicht über ein anderes Umfeld oder andere Erahrungen und tatsächlich nicht über ein ganzes Land oder die ganze Welt.
    Dafür bin ich viel zu klein und unwissend, als dass ich der Meinung sein könnte, dass ich weiß, wie es überall so funktioniert. #herzen

  • Das war bei meinem Sohn sehr ähnlich - dazu kam, dass er der Meinung war, alle anderen können längst lesen...das hat ihn zusätzlich blockiert. Druck rausnehmen und viel Geduld haben geholfen. Plötzlich konnte er es dann.


    Bei seinem Freund war es so, dass er die Buchstaben nicht sehen konnte. Beide Augen hatten separate Bilder, war die Erklärung, glaube ich; da hat eine Prismenbrille geholfen, bis dahin wusste der arme Kerl gar nicht, was alle von ihm wollten. Das würde ich evtl. checken lassen, wenn Du sehr beunruhigt bist.

  • Schau doch gern mal in meinem Thread aus dem Frühjahr:
    Lernverhalten Grundschüler - für Rabinnen mit Fachwissen


    Vielleicht hilft dir da was weiter.

    Nun ist bei euch aber die Schule auch erst gestartet, von daher würde ich annehmen, dass das noch völlig normal ist. Von unseren Erstis (Bobby ist inzwischen zurückgestellt und jetzt wieder ein Ersti) können nur ganz wenige schon halbwegs lesen.

    Von daher würde ich der Sache wohl noch Zeit geben und schauen, was davon im Frühjahr überhaupt noch von Belang ist.


    Meiner kann immer noch nicht besser lesen #contra

  • Eine Idee wäre, Karteikarten mit Silben.

    Also einzelne Silben wir Mu, Mi, Ma, Lu, Li, La usw. auf Karteikarten schreiben und diese üben.

    Kann man immer schnell variieren und ein auswendig lernen geht nicht.

    Das mit dem auswendig lernen hatten wir hier auch oder wahlweise raten wenn beim Text Bilder dabei waren. 🙄

  • Meine Erfahrung ist auch, dass das flüssige Lesen bei vielen Kindern erst gegen Ende der ersten Klasse kommt. Bei meinem Großen und meiner Nichte war es so, und in beiden Fällen fanden die Lehrinnen das ganz normal bis eher schnell.


    Bei konkreten Zweifeln ist es sicher nützlich, Augen und Ohren checken zu lassen, ansonsten würde ich noch abwarten (wenn du kein riesiges Störgefühl hast).

  • Es sind doch grad mal wenige Monate Schule! Das wird noch. #knuddel Womit arbeitet die Klasse? Gibt es eine Anlauttabelle? Die Verbindung Laut - Buchstabe ist total wichtig, das lässt sich auch gut üben, indem du ihm ein Wort vorsagst und er soll die einzelnen Laute in der Tabelle raussuchen. Also z.B. du sagst PALME, ganz langsam und immer wieder, gedehnt wie Kaugummi, und er muss die einzelnen Laute in der Tabelle suchen / aufschreiben. Nur Mut! #blume

    mit Sohn groß (2007) und Sohn klein (2010)

  • Suche mal das Intra-Act-Plus Konzept an. Da gibt es auch bei A ma zon ein Buch bzw. Ordner dazu. Damit habe ich meinem LRS-Sohn Lesen beigebracht. Da wird auch ganz stupide mit den Silben gearbeitet. Dafür dass er eine diagnostizierte Lese-Rechtschreibschwäche hat, liest er relativ gut.

    holly mit großer Tochter (07/03) und kleinem Sohn (06/06)

  • Ich würde erst nochmal an der Laut-Buchstabe-Zuordnung ansetzen, wenn diese noch nicht sicher ist.

    In dem Intra-Act wird das sehr auswendig gelernt; das funktioniert bei sehr vielen Kindern.

    Dann geht es mit den gelernten Buchstaben um einzelne Silben. Das Material ist recht gleichbleibend.


    Wenn die Augen überprüfen lässt, sollte der Augenarzt eine Orthoptik/Opthometrie dabei haben, damit die von Coccinella beschriebenen Fehler auch geprüft werden - viele tun dies nicht.


    Ansonsten brauchen nicht wenige Kinder bis zu den Sommerferien.

  • Wir haben auch diesen IntravAct Ordner gekauft und letztes Jahr in Lockdown der zwischen Dez und Mai ging damit lesen geübt. Mein Sohn hat ganz klar die ersten Anzeichen einer Legasthenie gezeigt. Da war ganz lange b, p, d , g alles ein einziger Buchstabe. Silben Bilden und lesen nach Silben haben hier den Durchbruch gebracht, er liest mit 7 jetzt super gut.

  • Falls es dich beruhigt, hier lesen die wenigsten Erstklässler schon richtig. Die Lehrerin meinte, dass ist völlig normal. Sie lernen mit der Silbenmethode und bis zu den Weihnachtsferien ist wohl das erfassen einzelner Wörter zu erwarten. Richtiges lesen dauert noch viel länger.

    • Offizieller Beitrag

    Augen abklären ist immer gut, aber gucken, dass die sich mit Kindern auskennen.


    Es kann normal sein, aber weil dein Kind verzweifelst und du auch ein komisches Bauchgeühl hast, würde ich dir raten, eher früher nach Unterstützung zu suchen. Die Schulen warten meist viel zu lange (meiner Erfahrung nach).


    Meine Tips wären in kürze gucken, dass er die Buchstaben wirklich kennt, auch besprechen, dass in verschiedenen Schriften, die Buchstaben anders aussehen, dass in manchen Wörtern a und e etc anders klingen.

    Gucken, dass Reimen, silbennklatdghen gut klappt, mit der silbenmethode nur einfache Silben lesen, manche Kinder kommen mit einer klassischen Fibel besser zur recht, eventuell Schrift für legastheniker ausprobieren - selbst am Computer ausdrucken, oder mit ereader.Texte groß ausdrucken.


    Alles Gute!

  • Habt Ihr vernünftiges Material zum Lesen üben? An unserer GS wird das Piri-Buch verwendet, was ich z.B. zum Lesenlernen ohne Vorkenntnisse für ziemlich ungeeignet halte. Bei K2 haben wir uns privat die Fibel aus dem Verlag Volk und Wissen besorgt (mit den Katzen Mimi und Mo) und damit lesen geübt - das Buch ist wirklich sehr sehr gut aufgebaut und man kann sehr kleinschrittig vorgehen. Das Kind hat das Buch auch sehr geliebt.

  • Meine Meinung: Viele Eltern machen sehr viel Frühförderung und somit können die Kinder den Stoff der ersten Klasse schon bevor die Schule beginnt.

    Vermutlich ist Dein Kind einfach normal und ohne Helikoptereltern aufgewachsen und wie ein normales Kind braucht er halt Zeit und Übung zum Lesen.


    Lest einfach täglich zusammen. Kauf oder Leih die Supereinfachen Bücher, so dass er ein Erfolgserlebnis hat.


    Oder einfach mal Bildermaus lesen. Das findet er bestimmt total pupi nach kurzer Zeit und freut sich, was er kann.


    Es ist völlig egal, wie krass gefördert die anderen Kinder sind. Dein Kind ist ok. Mach einfach jeden Tag ein bisschen, so dass es noch Spass macht.


    Habe alleine meinen Zwillingen lesen beibringen müssen, die haben sich jedesmal nur gekloppt, wenn das Buch kam und sie haben es auch gelernt.


    Nur Mut.

  • Es ist wichtiger Zeit mit dem Kind und dem Lesen zu verbringen als Zeit mit Ärzten, Diagnosen oder der Suche nach Fördermaterial zu verbringen.


    Nicht Lesen mit 7 ist ja total im normalen Rahmen. Kein Grund zur Panik.


    Das ist meine persönliche Meinung dazu.

  • Und ganz ganz viel Geduld und loben.


    Auch wenn es furchtbar lange dauert: sich über jedes Wort, das gelesen wird freuen und loben.


    Am besten vorher Schokolade oder dabei und nachher Rotwein für die Nerven. Wenn es schwer fällt.


    Und das täglich #freu

  • Ich war bei beiden Jungs in der Grundschule Lesepatin für die Klassen.

    In beiden Klassen gab es Kinder, die schon lesend in die Schule kamen, aber die meisten sind bei fast Null gestartet.

    Da wurde auch lange viel geraten, auswendig vorgesagt....nach den Weihnachtsferien gab es den ersten Kick und viele

    konnten nun die Silben zusammenziehen, um Ostern rum konnten die meisten recht gut lesen .Und das war wie gesagt in beiden Klassen so...

    Ein Freund kleinen Sohnes konnte erst Mitte der zweiten Klasse ganz ordentlich lesen...heute geht er zum Gymnasium und niemand würde drauf kommen, dass

    er einer von denen war,die sich mit dem Lesenlernen so schwer getan haben.

    Ich erinnere mich an meinen geplatzten Leseknoten sehr gut....es muss auch um Weihnachten gewesen sein...denn

    ich konnte plötzlich die Aufschrift auf der Lebkuchenpackung lesen.

    Das war so eine Erkenntnis...JETZT kann ich alles lesen...muss ich heute noch drüber schmunzeln, wenn meine Mutter erzählt, wie ich lesend durchs Haus gegangen bin.

  • Ich habe jetzt nicht alles gelesen.


    Für die Lernstufe sind wir sehr gut mit IntraAct Plus gefahren.

    Dabei wird erst mal die Laut-Buchstaben-Beziehung gefestigt.

    Danach geht es im Programm mit den passenden Silben weiter.

    Wichtig für uns war, dass es optisch stark reduziert ist, also nur ein Buchstabe auf weißem Untergrund.


    Danach habe ich das ganze um Karteikarten (selbstgemacht und auch gekauft) mit "kleinen" häufigen Wörtern (der, die, das, Hose, Dose etc.) erweitert.


    Nachdem das alles noch nicht ganz den erwünschten Erfolg brachte, waren wir noch im Blicklabor.

  • Ich kann mich soweit den anderen anschließen - jetzt ist das Leseverhalten noch völlig normal.

    Wenn dein Bauchgefühl aber mies ist, dann nimm es ernst.

    Ich habe erst um Ostern herum angefangen, langsam mal was in Bewegung zu setzen - und wir sind immer noch in Diagnostik; dabei hatten wir den Ersttermin schon in den Sommerferien, was echt flott war, uU wartet man da auch mal 6-9 Monate drauf. Abgeschlossen wird die Diagnostik dann erst im Februar sein. #yoga

    Derweil hat mein Kind die Sache lange aufgegeben und Schule als "zu schwer" abgehakt. Ab der zweiten Klasse läuft halt leider gar nichts mehr, ohne lesen zu können #kreischen

    • Offizieller Beitrag

    Kajak es soll ja auch Kinder geben, die ganz von alleine lesen lernen. Es gibt da einen großen Spielraum was normal ist - manche lesen mit 3 andere erst mit 10. nur das mit 10 geht in unserem Schulsystem nicht gut, da Lesen in vielen Fächern Grundvoraussetzung ist.


    Und ich stimme dir zu - regelmäßig Lesen, zusammen, mit Spaß, auch vorlesen, hilft viel. Ist aber bei manchen Kinder nicht ausreichend.


    Dennoch würde ich wachsam sein, auf Grund meiner Erfahrungen. Es kann so viel leid geschehen, weil man zuwartet, anstatt einfach gleich zu Anfang dem Kind etwas mehr Unterstützung gut geben. Das geht auch diagnosemarathon und Ärzte. Hinzukommt - Diagnostik und Termine dazu brauchen viiiiiieeel Zeit, da vergeht zT mehr als ein Jahr.