Atlas zur deutschen Alltagssprache: neue Runde

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  • Ich habe mich gerade auch durch die Fragen gelesen. Für die Zeit meiner Jugend in OWL kann ich die meisten Ausdrücke gut zuordnen, auch wenn ich jetzt nach diversen Umzügen nicht mehr so rede. Die eine oder andere Redewendung haben auch meine Eltern aus anderen Regionen natürlich mitgebracht.


    Mein Mann kommt aus dem Schwäbischen, wir wohnen jetzt in Baden, wo ich in Form von Arbeitskollegen doch gutes Sprachtraining bekomme ^^

    Eine Freundin von früher hat schon geschimpft, dass ich nicht mehr "richtig" rede.

    kleiner Chinesischkurs: grosse Schwester - jie jie; kleine Schwester - mei mei

  • Vielen Dank fürs Einstellen! Ich finde so etwas ja wahnsinnig interessant und habe mich auch direkt durch die ganzen Ergebnisse der letzten Runde geklickt und gelesen.

    Ich habe übrigens einfach die PLZ meines Heimatortes eingetragen, weil ich dort (noch) mit Abstand die längste Zeit gelebt habe und recht gut abschätzen kann, was sich an meiner Sprache in den Jahren danach verändert hat und ich hier trotz größerer Entfernung in einem ähnlichen Sprachgebiet lebe.

  • Ich hatte zwar die Email bekommen, aber ganz vergessen mitzumachen, also danke für die Erinnerung.


    Bei mir hat sich durch viele Umzüge auch einiges vermischt, aber da ich wieder in der Gegend lebe in der ich das erste Jahrzehnt aufgewachsen bin und wo die gesamte Familie väterlicherseits herkommt, traue ich mir doch Aussagen darüber zu. Ich selber spreche aber mehr hochdeutsch als jemand, der komplett hier sozialisiert und nie rausgekommen ist. Z.B. sage ich mittlerweile Samstag und viertel vor 7 statt Sonnabend und dreiviertel 7 so wie es meine Herkunftsfamilie tut und die meisten, die hier aufgewachsen sind.

  • Aber ist ja toll, wenn das bei anderen besser klappt!

    Oder sie es nicht so merken.

    Ich glaube auch, die meisten ausdrücke gut zuordnen zu können, war aber auch ein paar mal schon überrascht, wenn ich feststellte, dass ein Ausdruck entweder doch woanders herkam oder nicht so regional begrenzt war.

  • Habe ich die Umfrage jetzt falsch verstanden? Es ging doch um die Frage, wie man in der Region/Stadt üblicherweise spricht. Da ist es doch nicht wichtig, welches Wort man selber verwendet? Insofern ist es doch auch egal, wie viel Herkunftssprachen sich in einem "vermischen". Dachte ich jedenfalls. In meinem Fall deckt es sich weitgehend, da alteingesessen :)


    Wenn ich in Schwaben lebe, und dort sagt man "es hebt", ich selber sage aber "es hält", dann kreuze ich Ersteres an. #gruebel


    Gruß,

    F

    Mal geht es dir schlecht. Dann geht's dir wieder gut. Ich jedenfalls trag jetzt immer einen Hut.

  • Man kann auch mehrere Möglichkeiten ankreuzen, wenn sich Sprachgegebenheiten vermischen wie bei dem Beispiel Sonnabend und Samstag.

  • Ja, das habe ich auch so gemacht. Hier ist beides üblich inzwischen. Aber ich frage mich nicht: Was sage ich? Sondern: Was sagt man hier?

    Und da ist die Antwort in ganz vielen Fällen eindeutig.


    Aber ich verstehe, dass es unmöglich, das jeweils zu wissen, wenn man noch nicht lange irgendwo wohnt und selber andere Wendungen nutzt.


    Aber womöglich habe ich es tatsächlich nicht richtig verstanden, und es geht darum, wie man selbst spricht? Das würde ja eine ganz andere Abbildung ergeben und die Vermischung, die sicherlich immer weiter voranschreitet, darstellen. Andererseits ergibt sich dieses Bild auch, wenn ich so antworte, wie es getan habe. Früher hat man hier nur Sonnabend gesagt, inzwischen sagt man auch Samstag (so als Beispiel).


    Eigentlich wollte ich nur den Leuten hier Mut zusprechen, die das Gefühl hatten, die Umfrage nicht mitmachen zu können ...


    Gruß,

    F

    Mal geht es dir schlecht. Dann geht's dir wieder gut. Ich jedenfalls trag jetzt immer einen Hut.

    • Offizieller Beitrag

    Durch die Vermischung verändern sich aber auch die lokalen Ausdrücke.

    So kann es sein, dass zwar Begriff XY "ursprünglicher" wäre, aber irgendwann nur noch von wenigen Leutchen im Altersheim benutzt wird.


    Diese schleichenden veränderungen sind ja auch spannend.

    Ich bin eher regional geblieben, alles Nordostschweiz. Aber trotzdem unterscheidet sich mein Wortschatz von dem meiner grossmutter und auch wiederum von dem meiner Kinder.


    Dazu kommen halt auch begriffe, die nicht mehr häufig genutzt werden.

    Meine Mädchen haben in der Handarbeit kein "Gufechüssi" mehr herstellen müssen und da sie auch niemals in ihrem Leben jemals sowas gebraucht haben, bin ich mir wirklich nicht sicher, ob sie diesen Begriff aktiv in ihrem Wortschatz benutzen könnten.

    Ausserdem ist ihr Wortschatz nicht nur von Anglizismen sondern auch von Wörtern aus dem Standarddeutsch angereichert. Sie sagen, zb. eher mal Pferd als Ross.

  • Genau das meinte ich, oft sind mehrere Begriffe gängig geworden und man hört beides. Da mag es Unterschiede in der Herkunft der Sprechenden geben, aber Berlin ist ja eh ein melting pot und daher ist vieles geläufig.

  • Frisch: ja, genau - wie wird da gesprochen, wo du wohnst.

    Aber je nachdem, wie lange man da wohnt und wieviel Kontakt man hat und wie gut man sprachlich ist, fällt einem vielleicht gar nicht auf, was da wirklich üblich ist. Viele der Begriffe kann ich für "hier" gar nicht beurteilen, weil ich die Begriffe aus früheren Wohnorten verwende. Die sind so ähnlich, dass es hier im Alltag gut geht, aber ob es hier "pik" oder "pieks" oder "Pieker" heisst, kann ich im Einzelfall gar nicht sagen.

    Und wenn jemand sagt, er füllt das für den herkunftsort aus, wohnt da aber schon lange nicht mehr, hat auch zwischendrin woanders gewohnt, dann erwarte ich erhebliche Verfälschungen.

    • Offizieller Beitrag

    Deshalb muss man die Angabe zum Zeitpunkt ja auch machen.


    Ich lebe in einem eher dialektsensiblen Umfeld und kann deshalb schonnrecht genau sagen, woher meine Wörter kommen - und ich spreche auch, trotz Einfärbung, nicht den Dialekt meines Wohnortes. Darauf werde ich auch regelmässig angesprochen, inkl. der Lehrpersonen meiner Kinder.


    Und bei dem Survey geht es ja eben genau auch um die Veränderungen. Die alten Karten gibt es ja schon, jetzt wird verglichen.


    Manche Wörter sterben aus - wie Daroan schicke ich meine Kinder schon meist Nadeln holen, nicht Guffen. Sie würden es evt noch verstehen, viele ihrer Klassenkamerad.innen nicht mehr.


    Das ist ja das Coole an Sprache! Sie bewegt sich! Mit den Menschen, aber auch am Ort selber.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Ich finde es total spannend.....



    Ich lebe seit meiner Geburt in der gleichen Stadt....

    Meine Sprache und die meines Umfeldes ändert sich stetig.


    Ich kann den Fragebogen nur für jetzt und für meinen Sprachgebrauch ausfüllen.... alles andere ist unscharf.



    Ich bin übrigens gefühlt die einzige, die hier den Genitiv korrekt anwendet

    "Wenn Dein Leben schwerer geworden ist, bist Du vielleicht ein Level aufgestiegen?!"

    • Offizieller Beitrag

    Ich bin übrigens gefühlt die einzige, die hier den Genitiv korrekt anwendet

    Genitiv? Das ist doch so Schnickschnack wie mehr als zwei Zeitformen #nägel#zwinker


    "Im Schweizerdeutschen existieren lediglich zwei Zeitformen: die Vorvergangenheit (Perfekt) und die Gegenwart (Präsens). Es existiert keine einfache Vergangenheit (Präteritum).

    Auch das Futur kennen wir nicht. Für alles was in der Zukunft liegt, verwenden wir die Gegenwart. Trotzdem ist allen klar, dass es sich hier um eine zukünftige Aktivität handelt."


    Quelle: https://www.schweizerdeutsch-l…chregeln-machen-dich-fit/

  • Moooment, Genitivformen gibt es doch sehr schöne im Schweizerdeutschen. S Müllers Anna. S Vrenelisgärtli. Oder steht ich auf dem Schlauch?


    *edit* wohl nur bei Namen, wenn ich darüber nachdenke #weissnicht

  • Auch das Präteritum benutze ich, wenn ich spreche.


    Ich höre oft aus meinem Mund: "ich sagte - 'komm bitte her'

    "Wenn Dein Leben schwerer geworden ist, bist Du vielleicht ein Level aufgestiegen?!"

    • Offizieller Beitrag

    @daraon auch im Hochdeutschen wird doch das Präteritum fast ausschließlich im schriftlichen verwendet. Oder ist das noch extremer? und auch das mit dem Futur ist zumindest ähnlich. Vielleicht seid ihr da einfach ein Stückchen weiter.

    Extremer kann man schon sagen: es existiert einfach nicht, auch mündlich nicht.


    Wir würden nie sagen: Gestern war es kalt - das heisst: Gescht is as kalt gsi (bei mir, bei Daroan isch äs chaalt gsi :D).

    Morgen ist es übrigens auch kalt.


    Liebe Grüsse


    Talpa