Dr. Gabor Maté

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  • Manchmal wird selbst der glücklichste Mensch der Welt einfach schwer krank, weil er am falschen Ort lebt, den falschen Job hat (mit Gefahrstoffen), mit dem falschen Typen geknutscht hat (eigene Erfahrung) oder sonst was.

    Diese Einstellung, das Mindset habe damit zu tun, unterstellt eben schon, dass man dieses ändern könnte, um gesund zu sein. Und dieses ist, mit Verlaub gesagt, Bullshit.

    Nichts anderes habe ich geschrieben. Das ist das, was ich mit Umfeld(Umwelt) und damit auch Umstände meinte. Du hast mich ja sogar zitiert ;)

    Das "mindset" spielt auch eine Rolle - so wie andere Faktoren auch. Das kann man schlecht isoliert betrachten. So "einfach" kann das nicht geändert werden.

    „Der Sinn des Lebens besteht darin, seine Individualität in Übereinstimmung mit der Umwelt zu leben.“


    Remo Largo

  • Meine Mutter ist krank geworden, weil sie ihr Leben nicht gelebt hat und stets im Schatten meines Vaters stand/steht.

    Da hast Du das so geschrieben. Eingeschränkt hast Du es erst später

    Sorry, das macht mich so sauer, ich habe schon etliche Menschen erlebt, die im Umkehrschluss "wenn ich hart genug an mir arbeite, dann geht die Krankheit, der Krebs, wieder weg" andere Behandlungen abgelehnt haben und am Ende gestorben sind

    Manchmal wird selbst der glücklichste Mensch der Welt einfach schwer krank, weil er am falschen Ort lebt, den falschen Job hat (mit Gefahrstoffen), mit dem falschen Typen geknutscht hat (eigene Erfahrung) oder sonst was.

    Diese Einstellung, das Mindset habe damit zu tun, unterstellt eben schon, dass man dieses ändern könnte, um gesund zu sein. Und dieses ist, mit Verlaub gesagt, Bullshit.

    Das mag ich so unterschreiben.

  • Oh wow.

    Diese Thesen von der "Krebspersönlichkeit" etc. sind für mich eins der gefährlichsten und miesesten Dinge überhaupt im Umgang mit Erkrankten oder anderweitig Betroffenen.


    Erinnert mich an die stark esoterisch ausgerichtete psychosomatische Klinik in der man mir einreden wollte, meine Tochter hat kein ADHS, sie ist nur "so", weil ich mit meinem "inneren Kind" nicht gut umgehe #stumm

    In was für Krisen mich das gestürzt hat, das wünsche ich niemandem.

    Und der Entwicklung meiner Tochter hat es zudem massiv geschadet durch Unterlassung echter Hilfsmaßnahmen.

  • ich habe schon etliche Menschen erlebt, die im Umkehrschluss "wenn ich hart genug an mir arbeite, dann geht die Krankheit, der Krebs, wieder weg" andere Behandlungen abgelehnt haben und am Ende gestorben sind

    das finde ich auch ganz schlimm :(

    „Der Sinn des Lebens besteht darin, seine Individualität in Übereinstimmung mit der Umwelt zu leben.“


    Remo Largo

  • Oh wow.

    Diese Thesen von der "Krebspersönlichkeit" etc. sind für mich eins der gefährlichsten und miesesten Dinge überhaupt im Umgang mit Erkrankten oder anderweitig Betroffenen.

    Diese Aussagen sind - Vermutung meinerseits - nicht für Betroffene.

    Sie sind da, um Vorträge und Bücher zu verkaufen, denn für Leute, die das hören, birgt das eine riesen Chance.

    "Wenn ich alles richtig mache, passiert mir das nicht - ich muss mehr darüber erfahren, damit mir nichts passiert."

    Das ist schlichte Manipulation im eleganten Mäntelchen von Psychologie.

  • Diese Theorie macht durchaus Sinn, ist der Mensch doch oft empfänglich fur These die in Richtung "jeder ist seines Glückes Schmied und die anderen haben nur nicht hart genug probiert/gearbeitet" gehen.

  • Ich bin hier nur Mitleserin, kann zum Thema nicht wirklich etwas sagen. Aber ich hatte ganz am Anfang des Threads genau dieses diffuse, ungute Gefuehl - er will Geld machen (gut, wer will das nicht ;0 ), haelt Vortraege, es gibt "Fans" usw. Vielleicht tue ich ihm hier komplett Unrecht, aber das war mein allerestes Bauchgefuehl ganz am Anfang des Threads.

  • Ja und noch mehr.

    Wer Angst hat, sucht nach Werkzeugen oder Waffen gegen das Angstmachende.

  • Bei der Krebsaussage denke ich mir auch: Die Wahrscheinlichkeit, im Leben einmal Krebs zu bekommen, ist nicht niedrig, sondern um Einiges hoeher als man denken koennte (z.B. um die 40% aller amerikanischen Maenner werden im Laufe ihres Lebens Krebs bekommen laut einigen Studien, das individuelle Risiko kann man daraus aber nicht ableiten). Das sind mir viel zu viel Betroffene, als das da z.B. ein innerliches Nein-Sagen ausschlaggebender waere (und ich finde diese Aussage auch einfach falsch und hart).


    Nun moechte ich aber nicht seine Aussagen zerpfluecken, denn ich kenne seine Buecher ja auch gar nicht. Vielleicht gibt es auch Uebersetzungsfehler ins Deutsche, keine Ahnung.


    Das Buch "Hold on to your kids" hat allerdings mein Interesse geweckt, danke dafuer, ich glaube, das werde ich mir einmal ausleihen.

  • Entschuldige, aber das ist eine weder besonders seriöse noch fachlich besonders versierte Quelle.

    Den von mir verlinkte Artikel gab es schon bevor es Corona gab. Jeder kann auf den falschen Pfad gelangen. ;)

    Warum mir aber in neuester Welt Anarchie gar so gut gefällt? Ein jeder lebt nach seinem Sinn, das ist nun also auch mein Gewinn! Ich laß´ einem jeden sein Bestreben, um auch nach meinem Sinn zu leben.

    Johann Wolfgang v. Goethe



  • darf ich noch weiter fragen, inwiefern dann seine drei Kinder betroffen sind - ist er durch sein eigenes Trauma nicht in der Lage gewesen, ihnen die Bindung zu ermöglichen, die das verhindert hätte?

    Ich springe hier kurz rein, weil ich nicht gesehen habe, ob du hierauf schon Antwort bekommen hast: In der Holocaust Traumaforschung gibt es tatsächlich den Begriff des vererbten Traumas bzw. spricht man auch von Holocaust-Überlebenden der zweiten Generation, also Menschen, die selbst nach dem Holocaust geboren sind, aber dennoch durch das sekundäre Erleben der Traumata in der Elterngeneration teils schwer psychisch belastet sind/waren. Ich kenne den genauen Forschungsstand dazu nicht, aber wenn dich das Thema interessiert, findest du z.B. unter den Suchbegriffen “zweite Generation Holocaust”, “vererbtes Trauma Holocaust” oder auf Englisch “second generation Holocaust survivors” viele Einstiegspunkte dazu.

    "That's how we're gonna win. Not fighting what we hate, saving what we love." - Rose Tico
    Blog

  • darf ich noch weiter fragen, inwiefern dann seine drei Kinder betroffen sind - ist er durch sein eigenes Trauma nicht in der Lage gewesen, ihnen die Bindung zu ermöglichen, die das verhindert hätte?

    Ich springe hier kurz rein, weil ich nicht gesehen habe, ob du hierauf schon Antwort bekommen hast: In der Holocaust Traumaforschung gibt es tatsächlich den Begriff des vererbten Traumas bzw. spricht man auch von Holocaust-Überlebenden der zweiten Generation, also Menschen, die selbst nach dem Holocaust geboren sind, aber dennoch durch das sekundäre Erleben der Traumata in der Elterngeneration teils schwer psychisch belastet sind/waren. Ich kenne den genauen Forschungsstand dazu nicht, aber wenn dich das Thema interessiert, findest du z.B. unter den Suchbegriffen “zweite Generation Holocaust”, “vererbtes Trauma Holocaust” oder auf Englisch “second generation Holocaust survivors” viele Einstiegspunkte dazu.

    Danke Dir. Das kenne ich alles und habe mich auch schon damit beschäftigt.

    Gerade weil das hier aber nicht so explizit erwähnt wurde, habe ich nachgefragt.


    Ist aber ein interessanter Hinweis auch für andere hier Lesende, denke ich.


    Gruß,

    F

    Mal geht es dir schlecht. Dann geht's dir wieder gut. Ich jedenfalls trag jetzt immer einen Hut.

  • Diese Aussagen sind - Vermutung meinerseits - nicht für Betroffene.

    Sie sind da, um Vorträge und Bücher zu verkaufen, denn für Leute, die das hören, birgt das eine riesen Chance.

    Mag sein, nur haben ich und meine Mitpatienten diese Aussagen ja von Therapeuten und Ärzten zu hören bekommen. Das war die Basis eines Großteils des therapeutischen Ansatzes dieser Klinik. Und ich bin da voll mitgegangen. Die Auswirkungen sind mir erst viel später bewusst geworden.

  • Für mich hört sich das eher nach lebensberatung, käuflich auf Veranstaltungen, Seminaren und durch Bücher an.

    Für mich nicht seriös und eher schädlich als nützlich.

  • Ich glaube nicht, dass es grundsätzlich eher schädlich ist, einem Glauben anzugehören, der dir einen gewisses "Mitbestimmungsrecht" deiner Gesundheit zugesteht. Sei es "Wenn du deinem Gott dienst, belohnt er dich mit Gesundheit" oder eben "Wenn du deine Seele glücklich machst, bleibt auch dein Körper gesund."

    Das ist ja dasselbe: Um gesund zu sein, musst du XY tun.


    Ich glaube, dass es vielen Menschen hilft, wenn sie einen Leitfaden bekommen, von dem sie denken, dass sie so gesund durchs Leben kommen, weil es natürlich schon eine ziemlich gruselige Vorstellung ist, dass schwere Krankheiten beinah jeden treffen können, einfach so aus dem nichts, ohne Schuld und Fehler.


    Es schlägt natürlich massiv ins Gegenteil um, wenn es diese Leute dann doch erwischt, denn dann "müssen sie ja etwas falsch gemacht haben".



    Was ganz anderes. Was ich bei vielen Traumatheorien (diese oder jede psychische Erkrankung Folge eines Traumas) ja seltsam finde: Warum finden sich solche Traumafolgen in Gesellschaften, die in Wohlstand und Frieden leben, eigentlich genau so oft, wie in Gesellschaften, in denen die Menschen tagtäglich sehr ernsten Traumata ausgesetzt sind. Durch Kriege, Hunger, Gewalt, lebensgefährliche Umstände?

    So wirklich geht mir das nicht in den Kopf, zumal die Traumata, die dann manchmal aufgedeckt werden, oft auch recht "banal" sind. Nicht im Sinne von: Stell dich nicht so an, das war nicht schlimm. Sondern eher im Sinne: Sowas passiert nahezu jedem Menschen früher oder später, kein Leben der Welt verläuft perfekt.

    Wenn letztlich alles ein ursächliches Trauma sein könnte - bis hin zu ererbten Traumata - woher weiß man dann überhaupt, dass die Annahme des Zusammenhangs korrekt ist? Du müsstest bei jeder Person irgendwo so ein Trauma finden, bei ausnahmslos jeder.

    Damit will ich keineswegs negieren, dass es Spätfolgen von Traumata gibt. Oft liegen sie ja auch total auf der Hand.

    Aber wenn ich zB meine aktuelle mangelnde Frustrationstoleranz mit einem Trauma aus der Kindheit meiner Oma verbinde, um sie mir besser zu erklären ... ist das dann nicht viellleicht einfach nur eine bequeme Lösung für mich, die keine Lust hat, sich heute zu sagen: Verdammt, jetzt reiß dich einfach mal zusammen?


    Versteht man, was ich meine?

    Warum muss man für jeden Makel eine Ursache finden - und zwar grundsätzlich eine schlechte?


    Mal das ADS als Beispiel (auch wenn es nichts mit Traumata zu tun hat).
    Meins ist ziemlich cool ;) ich bin froh, dass ich es hab.

    Es reduziert gewisse meiner Fähigkeiten runter, das ist richtig. Andere dreht es dafür hoch. Die Kunst ist es, ein Umfeld zu finden, in dem man mehr von den Stärken profitiert, statt unter den Schwächen zu leiden.

  • Die Kunst ist es, ein Umfeld zu finden, in dem man mehr von den Stärken profitiert, statt unter den Schwächen zu leiden.

    #blume Welch ein schöner Satz. Genau das wünschen wir doch alle fuer und unsere Kinder.

    "C'est ici que l'aventure se mêle au vent de la mer."

    Pierre Marc Orlan

  • Die Kunst ist es, ein Umfeld zu finden, in dem man mehr von den Stärken profitiert, statt unter den Schwächen zu leiden.

    #blume Welch ein schöner Satz. Genau das wünschen wir doch alle fuer und unsere Kinder.

    Ja, und ich finde es schrecklich, dass ich meinem Kind das nicht bieten kann.

    Abr langfristig ist es vermutlich auch nicht meine Aufgabe, sondern seine eigene.


    Wir nehmen uns manchmal als Eltern zu wichtig.

  • Ja, das ist schrecklich für uns Eltern, aber da muss wohl jeder Mensch selber durch und seinen Weg finden.

    Zu der anderen Frage: da gibt es ja die Theorie der Ressilienz. Dass nicht jeder Mensch unter Folgen von Traumatisierung leiden muss. Je nach dem wie gut man in der Lage ist sich selbst zu regulieren. Aber ob das alles ist?

    „Der Sinn des Lebens besteht darin, seine Individualität in Übereinstimmung mit der Umwelt zu leben.“


    Remo Largo

  • Die Frage ist für mich eher: Wie bekommt man Ressilienz, bzw warum haben manche Leute so wenig und andere so viel.

    Muss man die vielleicht lernen? Üben? Trainieren?

    Schaffen feindliche Lebenssituatuationen vielleicht höhere Ressilienz bei Menschen?

    (Muss ja eigentlich so sein, sonst wäre die Menschheit in verschiedenen Phasen wohl zugrunde gegangen.)


    Ich frage mich sehr oft, warum es in unserem Kulturkreis den Menschen so schlecht geht, wenn es ihnen aktuell doch vergleichsweise hervorragend geht: keie Hungersnot, kein Krieg, in den wir involviert sind, keine ständige Bedrohung.

    Vielleicht bauen wir Ressilienz ab, wenn wir sie nicht unmittelbar zum Überleben brauchen.

    Über sowas wüsste ich gern mehr, aber irgendwie scheint das niemand zu erforschen und in verständliche Texte zu übersetzen.