Was kommt nach dem 9€ Ticket?

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  • Kein*e Entscheider*in traut sich, zu sagen, dass die Klimaziele nur durch massive Veränderungen erzielt werden können. (Diese Veränderungen werden die meisten als Verlust erleben). Und es will auch fast keine*r hören

    Genau das. Niemand will sich verändern und sich einschränken. Man will lieber glauben, dass die Klimaziele ohne einschneidende Veränderungen und Verzicht erreicht werden können. Das wird nicht gehen. Beides wird uns kosten, Klimaziele verfolgen oder nicht, die Frage ist nur, wen was wieviel mehr kosten wird auf Dauer.

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    Eigentlich bin ich ganz anders. Ich komme nur so selten dazu.


    Lass die Hoffnungswaschmaschine laufen!


    Whatever you want, it isn't me.

    Other people's ambitions are not my specialty.

    Sometimes I can see from here clear to the ocean.

    Sometimes I'm blind.

    Als die Vielfalt ging, entzündete die Einfalt ein Freudenfeuer.

  • Ich habe große Hoffnung, dass Gerichte das regeln werden, was Politik und Individuen nicht hinbekommen.


    Nachdem letztes Jahr schon aufgrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichts die Klimaziele nachgeschärft wurden, die jetzt dafür vorgelegten Maßnahmen insbesondere des Verkehrssektors als absolut mangelhaft durch den Klimarat bewertet wurden, plant die Deutsche Umwelthilfe Klage gegen die Bundesrepuplik. Es wird insbesondere darum gehen, dass die gesetzten Klimaziele ohne Abschaffung des Dienstwagenprivilegs, Einführung eines Tempolimits (100 - 80 -30), Einführung eines 365€ Tickets, etc. schlichtweg nicht erreichbar sind und deshalb durch Gerichte erzwungen werden müssen.


    Hier noch zwei Links für weitere Infos https://www.duh.de/presse/pres…zprogramm-fuer-den-verke/


  • Da stimmen wir in vielen Dingen überein, auch wenn wir beim 9-Euro-Ticket unterschiedlicher Meinung sind #ja

  • Man muss ja auch noch nicht die komplette Lösung haben. Aber man kann dort, wo man eine Idee hat, einfach mal anfangen.

    Das können auch ganz einfache Dinge sein wie "Gehbusse" fur Grundschüler.

    Machen ist halt wichtig.

  • Aber das sterben der kleinen Läden und der Landarztpraxen ist doch noch in vollem Gange. Die Menschen wollen im Massenmarkt auf der grünen Wiese einkaufen oder am Amazonas weil es dort mehr Auswahl gibt. Auch wenn sie den gleichen Erdbeerjoghurt kaufen den der dorfedeka auch hat.

    Ich weiß ehrlich nicht wie man das steuern kann

    Man könnte Dorfläden und Landarztpraxen aus Steuermitteln subventionieren, ebenso wie das 9 € Ticket aus Steuermitteln subventioniert war. DAS wäre eine sehr sinnvolle Subvention. Alternativ gibt es auch das Konzept, Dorfläden genossenschaftlich zu betreiben: Die Dorfbewohner bezahlen einen monatlichen Mitgliedsbeitrag für den Laden - und sind dadurch auch motiviert, ihn zu nutzen.


    Mehr Dorfläden, Dorfschulen, Dorfapotheken etc. hätten auch den Nebeneffekt, dass Arbeitsplätze im Dorf entstehen. Dann müssen auch nicht mehr so viele Menschen zur Arbeit pendeln.

  • Wichtiger Punkt bleibt halt: Vorhandene Infrastruktur muss man nutzen! Sonst ist sie weg.

    Vor ca. 5 Jahren hat hier der Postbetreiber aus gesundheitlichen Gründen zu gemacht. Es gab erstmal keine Nachfolge. Darüber konnte sich das ganze Dorf redlich beschweren.

    Dann hat die Post aus der Nachbarstadt die Filiale mit übernommen. Nach einem Jahr weitergegeben. Nun, zwei Jahre später, steht wieder die Schließung im Raum. Es lohnt sich nicht. Und keinen interessiert es. Unsre Hauptstraße wurde saniert - fast ein Jahr eingeschränkte Parkplätze, viel umgeleiteter One Way Verkehr (nur Dorf rein an der Post vorbei). Gemeinde zuckt die Schultern, Kreis zuckt die Schultern. Keine Sau interessiert sich für den Verlust. Ab Februar gibt´s die Dienstleistung halt nicht mehr. Nochmal einen Nachfolger finden ist sehr unwahrscheinlich. Wir Angestellten, die es könnten werden es lassen bei den Zahlen...

    Mir tun die Omas leid die dann 6km Weg haben ohne direkten ÖNV vor der anderen Post. Aber hier war der Komfort der Autofahrer deutlich wichtiger als die lokalen Einzelhändler (die Straße war bitter nötig....aber so ganz ohne Ausgleich ewig sperren ist halt echt der Todesstoß).


    Also wenn ihr Infrastruktur habt auf dem Dorf - benutzen! Nicht online, nicht in der Nachbarstadt - vor Ort. Sonst ist der Service nämlich weg.

  • Was ist aus eurer Sicht eigentlich ein Dorf?

    Ich kann nur für Südbaden sprechen...alles so zwischen 10 und 6000 Einwohnern :D . Wobei natürlich die drei Einsiedlerhöfe weniger Infrastruktur brauchen als die x-tausend. Aber auch erstere kriegen hier zumindest eine Bushaltestelle.

  • Aber das sterben der kleinen Läden und der Landarztpraxen ist doch noch in vollem Gange. Die Menschen wollen im Massenmarkt auf der grünen Wiese einkaufen oder am Amazonas weil es dort mehr Auswahl gibt. Auch wenn sie den gleichen Erdbeerjoghurt kaufen den der dorfedeka auch hat.

    Ich weiß ehrlich nicht wie man das steuern kann

    Man könnte Dorfläden und Landarztpraxen aus Steuermitteln subventionieren, ebenso wie das 9 € Ticket aus Steuermitteln subventioniert war. DAS wäre eine sehr sinnvolle Subvention. Alternativ gibt es auch das Konzept, Dorfläden genossenschaftlich zu betreiben: Die Dorfbewohner bezahlen einen monatlichen Mitgliedsbeitrag für den Laden - und sind dadurch auch motiviert, ihn zu nutzen.


    Mehr Dorfläden, Dorfschulen, Dorfapotheken etc. hätten auch den Nebeneffekt, dass Arbeitsplätze im Dorf entstehen. Dann müssen auch nicht mehr so viele Menschen zur Arbeit pendeln.

    Nur mal als Rückfrage.

    Du siehst es nicht ein den Stadtbewohnern aus Steuermitteln das 9-Euroticket zu finanzieren.

    Möchtest aber, dass die Stadtbewohner (die ja in den Städten einkaufen) dir Dorfladen und Ärzte subventionieren?


    Das finde ich wirklich spannend.

  • Was ist aus eurer Sicht eigentlich ein Dorf?

    Ich kann nur für Südbaden sprechen...alles so zwischen 10 und 6000 Einwohnern :D . Wobei natürlich die drei Einsiedlerhöfe weniger Infrastruktur brauchen als die x-tausend. Aber auch erstere kriegen hier zumindest eine Bushaltestelle.

    Danke, so ungefähr würde ich das auch sehen, habe aber den Eindruck, dass es teils durcheinandergeht in solchen Diskussionen.

  • Weiter vorne frage jemand, wie man das in gewachsenen Stadtvierteln mit MFH-Bebauung mit dem Stellplatznachweis macht. Hier gibt es öffentliche Parkhäuse, da kann man Dauerstellplätze mieten. Ein solcher Stellplatz wäre dann ja auch einer. Das ist dann halt nicht vor der Haustüre, sondern je nach Lage 3-10 Gehminuten entfernt. Finden viele halt unbequem.

  • Ich möchte in erster Linie eine klimapolitisch sinnvolle Politik. Und zweitens möchte ich, dass die ärgsten sozialen Härten abgefedert werden. Dorfläden sind ökologisch sinnvoll, weil dadurch Verkehr eingespart wird. Wo ein Dorfladen sich marktwirtschaftlich nicht rechnet, muss er deshalb subventioniert werden. In der (Groß-)Stadt tragen Geschäfte sich normalerweise von selbst, brauchen also keine Subventionen. Und weil es die Infrastruktur bereits vor Ort gibt, haben die meisten Stadtbewohner eigentlich keinen zwingenden Grund, weshalb sie quer durchs ganze Land fahren sollten. Eine Flatrate für die deutschlandweite Nutzung von welchem Verkehrsmittel auch immer ist also ökologisch nicht sinnvoll. Um soziale Härten zu mildern, sollten meiner Meinung nach aber Geringverdiener und Erwerbslose ein für sie komplett kostenloses ÖPNV Ticket subventioniert bekommen.

  • Ich glaube du vergisst dabei, dass es jetzt jahrelang so war, dass hohe Mobilität und Flexibilität am Arbeitsplatz gefordert wurde.

    Dadurch haben viele einen weiten Weg zur Arbeit.

    Und nein, ein Umzug war und ist da nicht immer sinnvoll gewesen.


    Und ja, für genau diese Menschen ist das sinnvoll.

  • Ich glaube, was hier vermischt werden in der Diskussion und bei den Argumenten, sind Dinge, die man in den naechsten Monaten erreichen sollte, vs Dinge, die es in 2, 5 oder 10, 20 Jahren zu erreichen gilt. Selbst wenn die Ziele fern sind, so sollte man dennoch daraufhinarbeiten, selbst wenn die Ziele jetzt so gar nicht zu passen scheinen.

    "C'est ici que l'aventure se mêle au vent de la mer."

    Pierre Marc Orlan


    If something won't matter in 5 years, don't waste more than 5 minutes worrying about it now.

  • Ich vergesse gar nichts. Ich selbst und mein Mann wir sind auch Pendler. Ja, genau deswegen weil ein Umzug nicht möglich ist. Ich möchte gerne die Möglichkeit haben, die Pendelstrecke, die ja nunmal ein notwendiger Weg ist, mit ÖPNV zurück legen zu können. Dafür zahle ich dann auch gerne einen angemessenen Preis, denn ich bin zwar nicht reich, aber auch nicht arm. Eine superbillige Flatrate, die es mir ermöglicht, nicht nur den Arbeitsweg, sondern ohne Aufpreis auch jede beliebige andere Strecke in ganz Deutschland zurück zu legen (und damit einen Anreiz schafft, von dieser Option auch Gebrauch zu machen): Das wäre natürlich praktisch für mich, aber ökologisch nicht sinnvoll, und deshalb möchte ich das nicht.

  • Leider ist die Infrastruktur in vielen Stadtteilen der Großstädte auch oft miserabel. Keine Bank, keine Post, oft kein Supermarkt erreichbar. Manchmal werden so kleine Läden "politisch" gefordert und zunächst auch gefördert, sind dann aber doch zu winzig und zu teuer bei zu geringer Auswahl, so dass die Leute dann doch mit dem Auto in die großen Supermärkte auf die grüne Wiese fahren für den Großeinkauf. je nach Stadtteile leben da sehr viele Menschen,die nicht von Jobticket profitieren, denen bringt ein 9€ Ticket natürlich sehr viel, weil sie damit tatsächlich auch Mal in die Innenstadt kommen können.

    Und diese kleinen Stadtteilläden dann pleite gehen und wieder leer stehen. Ein Riesenproblem, ich weiß da auch keine optimale Lösung. Läden künstlich am Leben zu halten, in denen dann in der Woche nur 3 ältere Menschen ihre Milch holen, ist wahrscheinlich auch nicht sinnvoll. ich fürchte, auf vielen Dörfern würde es solchen Läden nicht besser gehen. Ein selbst organisierter, genossenschaftlicher Ansatz mag da vielleicht hilfreich sein.

    Liebe Grüße von Kris (1974) mit großem Sohn (1/2002) und kleinem Sohn (5/2007)

  • Weiter vorne frage jemand, wie man das in gewachsenen Stadtvierteln mit MFH-Bebauung mit dem Stellplatznachweis macht. Hier gibt es öffentliche Parkhäuse, da kann man Dauerstellplätze mieten. Ein solcher Stellplatz wäre dann ja auch einer. Das ist dann halt nicht vor der Haustüre, sondern je nach Lage 3-10 Gehminuten entfernt. Finden viele halt unbequem.

    Genau. Es gibt eine Grafik, ich finde sie nur gerade nicht, da ist dargestellt, wie die Parkhäuser in Stuttgart ausgelastet sind. Tagsüber sind zu wenige Parkplätze da, nachts ist die große Mehrzahl unbelegt.

    Im Grunde sollte kein Auto am Straßenrand parken dürfen, ohne dass es richtig was kostet.

    Oder halt gleiches Recht für alle und ich richte mir 15qm am Straßenrand häuslich ein, stelle eine Bank hin, ein Hochbeet oder was ich halt da haben möchte. Zahle ich auch gern 30€ pro Jahr für...


    Ich habe als Kind in einer Plattenbausiedlung gewohnt, 20.000 EW auf engem Raum. Da gab es ein paar Parkplätze entlang der Straßen und große Parkplätze etwa 5 bis 10 Gehminuten von einem Block entfernt. Das war halt einfach völlig normal, da hat jeder eine Tüte getragen und dann sind wir gelaufen. Ich meine die Bushaltestelle ist ja auch nicht vor meiner Haustür, da laufe ich ja auch 6 Minuten hin.


    Die Infrastruktur muss auch nicht im Dorf sein, sie kann ja kommen. Nach der Plattenbausiedlung sind wir aufs Dorf ohne alles gezogen. Da kam Mittwoch und Samstag der Bäcker und dann noch der Büchereibus und der rollende Tante Emma-Laden kam genauso wie der Kartoffelmann alle paar Wochen. Auch Gesundheitsdienste können mobil angeboten werden, der Friseur, whatever.

    Es könnte auch einen Wochenmarkt auf dem Dorf geben. Mir wird auch wöchentlich eine Gemüsekiste gebracht, warum nutzen das nicht mehr Leute? Getränke lassen wir uns seit Jahren liefern, das kostet pro Kasten 1€ mehr. Oder warum nicht Kleinbusse, die zum nächsten (Super)Markt fahren? Eine App, in der man sagen kann, wann man wohin fährt und dann nimmt man darüber Kontakt auf und fährt halt mit? Usw.


    Ich empfinde das alles alles sehr fantasielos, was da oft gesagt wird. Das Auto ist halt einfach die bequemste Lösung von allen.


    Und dennoch denke ich, werden wir noch einen Zeitenwandel erleben. Es wird so nicht weitergehen, weil immer weniger es sich so leisten können (und gesellschaftlich können wir uns das schon lange nicht mehr leisten).

    Ich bin eher zufällig zu diesem Thema gekommen und das erste, was ich jetzt gemacht habe, ist unser großes Auto zu verkaufen. Und fast keiner versteht das.

    Dabei ist es ja allein schon ökonomisch logisch so wenig Auto wie möglich zu haben und zu fahren. Ich habe jetzt mindestens 3.000 nicht ans Auto gebundene Euro mehr pro Jahr für Mobilität oder was auch immer zur Verfügung. Und mein Dacia war ein sehr günstiges Auto.

    (Und Pendlerpauschale krieg ich trotzdem in voller Höhe, obwohl ich es jetzt mit dem Fahrrad fahre)


    Meine Nachbarin arbeitet im gleichen Ort wie ich, aber verdient als Arzthelferin in Teilzeit einen Bruchteil. Sie wird pro Jahr zwei bis drei Monatsgehälter allein für ihr Auto ausgeben. Ich habe sie neulich gefragt, warum sie ihren Arbeitsweg nicht verkürze, würden doch überall, sogar in unserem Dorf (1.500 EW), Arzthelfer*innen gesucht. Ach sie arbeite doch schon 15 Jahre dort und die Kolleg*innen seien so toll. Ja gut...

    Ich versuche jetzt mich versetzen zu lassen, um anstatt 10km mit dem Rad (bzw 16 mit dem Auto) nur noch 5km zu haben und auch den Bus bequem nehmen zu können. Ich mag meine Kolleg*innen auch, aber meine Priorität ist eine andere.

  • Kris Ja, vielleicht ist da wirklich der genossenschaftliche Ansatz zielführend. Vielleicht auch eine Kombination aus Genossenschaft und Subventionen. Das 9 € Ticket bekam man ja auch nicht einfach frei Haus und auch nicht ganz für umme. Wer dann einmal die 9 Euro bezahlt hatte, wollte dann auch etwas davon haben. Wenn man nun anbieten würde, 9 € monatlich zu bezahlen, um den Dorfladen oder den kleinen Stadtteilladen* nutzen zu dürfen, dann würden die Leute den auch eher mal nutzen, weil sie von ihrem Mitgliedsbeitrag ja was haben wollen.


    *Es geht mir wirklich gar nicht darum, Stadt gegen Dorf auszuspielen und ich fühle mich in der Hinsicht ziemlich missverstanden.

  • Was findest du einen angemessenen Preis? Ich gebe fürs Pendeln von mir zur Arbeit (kein Home-Office möglich) und für den Schulweg meiner Tochter über ein viertel meines Lohnes aus. Wir legen alle Wege die möglich sind zu Fuß und mit dem Fahrrad zurück und was nicht so zurückgelegt werden kann, wird mit dem ÖPNV gemacht. Und alleine das kostet über ein viertel von meinem Lohn.

    Umziehen kommt für meinen Partner und mich nicht in Frage, weil dann muss der andere die selbe Strecke pendeln (auch da kein Homeoffice möglich). Und meine Tochter sucht seit Anfang Mai ein WG Zimmer an ihrem Schulort und ist bis heute nicht fündig geworden.