Warum gibt es Kindergartenferien?

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  • Ich kenne Montessori Schulen und Kitas, dort wurde trotz der verschiedenen gleichzeitig stattfindenden Aktivitäten, sehr auf Ruhe (flüstern, leises gehen und sich bewegen) geachtet.

    "C'est ici que l'aventure se mêle au vent de la mer."

    Pierre Marc Orlan

  • Ich kenne Montessori Schulen und Kitas, dort wurde trotz der verschiedenen gleichzeitig stattfindenden Aktivitäten, sehr auf Ruhe (flüstern, leises gehen und sich bewegen) geachtet.

    Ja eben. Warum sollte das in anderen Schulen nicht gehen?


    Natürlich nicht mit über 30 SuS, die in einem Klassenraum sitzen, der für 25 ausgelegt ist...

  • Gute, echte Montessori Schulen sind meiner Erfahrung nach sehr sehr teuer, Material, und viele Lehrkräfte kosten vor l. Damit haben sie reiches Klientel mit dementsprechend vorsortierten Eltern und Kindern. Ich sehe nicht, dass man in meinem Umfeld bereit ist, dies für Schule zu bezahlen. und man sortiert schon wieder nach elterlichen Einkommen.


    Die Frage ist doch aber, wie kann man das an staatlichen Schulen umsetzen?

    "C'est ici que l'aventure se mêle au vent de la mer."

    Pierre Marc Orlan

  • Auch das Churer Modell (von dem Namen ich vorher noch nie gehört habe, dass aber nicht gross anders klingt als das, was an der hiesigen pädagogischen Hochschule gelehrt wird) setzt Phasen des Stillsitzens und gemeinsamen Einsteigens voraus - halt in vernünftigem Rhythmus.


    Ich habe ein Kind hier, dass diese Konzepte tatsächlich sehr fordern bzw überfordern - und nein, mit einem Gehörschutz ist das nicht getan ;) Aber dennoch halte ich diese Unterrichtsform für eine der besten Möglichkeiten, eine Gruppe Kinder halbwegs gleichzeitig dasselbe zu lehren.


    Ich kann eigentlich fast bei allen Klassen voraussetzen, dass sie das Konzept "Gruppenarbeitslautstärke" verstehen. Ich habe den Eindruck, dass sehr viele Lehrpersonen versuchen, so zu arbeiten.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • halt in vernünftigem Rhythmus.

    War das nicht was, dass durchschnittliche Erstklässler eine Konzentrationsspanne von 10-15 Minuten haben?


    Ein guter Rhythmus ist wirklich viel wert.

    "C'est ici que l'aventure se mêle au vent de la mer."

    Pierre Marc Orlan

  • Warum/wie das in staatlichen Schulen klappen kann?

    Ich fürchte, es braucht in erster Linie den politischen Willen: kleinere Klassen, genug Personal, gute Weiterbildungsmöglichkeiten...


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Egal welches Modell des Lernens, ob "in der Gruppe bearbeiten alle das gleiche Arbeitsblatt" oder "jeder arbeitet mot seinem Material" setzt voraus, dass ein Kind seine Aufgabe zu Ende bringt. Egal, ob im Sitzen, Liegen oder Gehen.

    Wenn ein Kind ständig, mitten drin unterbricht, kann es ja gar nicht in eine konzentrierte Arbeitsstimmung kommen. Erwachsene auch nicht. Ich kann nur sehr schwer oder gar nicht komplexe Aufgaben, die eine hohe Konzentration fordern erledigen, wenn die Kinder ständig was wollen, Kollegen anrufen oder Nachrichten schreiben etc. Tatsächlich stelle ich manchmal alles aus, weil ich sonst nicht voran komme.

    Wenn ich mich selbst ständig unterbreche (nur mal kurz aufs Smartphone schauen...), dann klappt es auch nicht. Aus dem Fenster gucken oder Tee kochen geht, aber nicht ständig. Sonst kommt ja auch nichts rum.

    Die Kinder machen aber hochkonzentrierte Arbeiten, wenn sie neue Rechenmethoden lernen oder einen neuen Buchstaben. Da ist eine gewisse Ruhe und Ungestörtheit wichtig. Klar, kann man auch mal einen Bleistift anspitzen. Aber wenn man nach jedem Buchstaben den Bleistift anspitzt, aufs Klo geht, einen Radiergummi sucht oder intensiv den Vogel anstarrt... ja dann wird man ja nie fertig.


    Das ist umso wichtiger, wenn man selbstständig mit arbeiten soll.


    All das freie Lernen, Montessori,... stellt sehr viel höhere Anforderungen an die Kinder als der "klassische" Grundschulunterricht, der zumindest hier deutlich besser ist als sein Ruf.

    Schwächere Kinder fallen in freieren Systemen hinten runter, weil nicht genug Personal da ist diese so eng zu begleiten, wie es notwendig wäre.

  • halt in vernünftigem Rhythmus.

    War das nicht was, dass durchschnittliche Erstklässler eine Konzentrationsspanne von 10-15 Minuten haben?


    Ein guter Rhythmus ist wirklich viel wert.

    Ich kann zumindest hier berichten, dass darauf Rücksicht genommen wird.

    Die "Kleinen", wir haben ja gerade hier, machen inhaltlich echt nicht viel. Deutsch/ Mathe morgens wenn sie noch frisch sind. Danach Sport, Kunst etc.

    Das Fräulein kommt meist mit einer bearbeiteten Seite pro Stunde nach Hause. Das ist am Anfang z.B. eine Seite Schwungübungen. Also etwas, das mein schlaues konzentriertes Kind in maximal 5 Minuten reiner Arbeitszeit erledigt und das in 45 Minuten. Da ist schon noch viel anderes dabei.

  • Das Churer Modell ist etwas mehr als nur Phasen des Stillsitzens und gemeinsamen Einsteigens.

    Ich durfte dieses Modell schon in diversen Schulbesuchen beobachten und es ist ein himmelweiter Unterschied zu herkömmlichem Unterricht, auch wenn dieser gut rhythmisiert ist. Und selbstverständlich ist es nicht damit getan, dass Kinder einen Gehörschutz erhalten, wenn sie in Ruhe arbeiten möchten. Da gehört noch viel mehr dazu.

  • Gute, echte Montessori Schulen sind meiner Erfahrung nach sehr sehr teuer, Material, und viele Lehrkräfte kosten vor l. Damit haben sie reiches Klientel mit dementsprechend vorsortierten Eltern und Kindern. Ich sehe nicht, dass man in meinem Umfeld bereit ist, dies für Schule zu bezahlen. und man sortiert schon wieder nach elterlichen Einkommen.


    Die Frage ist doch aber, wie kann man das an staatlichen Schulen umsetzen?

    Unsere Kinder waren in einem Montessorihaus und die Schuleingangsphase hatten sie eine Montessoripädagogin und entsprechendes Material zur Verfügung. In der Tat war es immer sehr ruhig und aufgeräumt (ich war öfter mal da, auch im laufenden Betrieb). Die Regeln gehören ja fest dazu. Also draußen war dann natürlich schon auch getobt (großer Garten bzw. vielfältiges Außengelände). Beides staatliche Einrichtungen: wir mussten nur das Essensgeld bzw. einen minimalen Hortbetrag zahlen. Schulmaterial waren 20 Euro für 2 Jahre (Stifte, Hefte und so - hat alles die Lehrerin besorgt).

    Wenn wir einen Menschen glücklicher und heiterer machen können, so sollten wir es in jedem Fall tun, mag er uns darum bitten oder nicht.


    - Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel -

  • Egal welches Modell des Lernens, ob "in der Gruppe bearbeiten alle das gleiche Arbeitsblatt" oder "jeder arbeitet mot seinem Material" setzt voraus, dass ein Kind seine Aufgabe zu Ende bringt. Egal, ob im Sitzen, Liegen oder Gehen.

    Wenn ein Kind ständig, mitten drin unterbricht, kann es ja gar nicht in eine konzentrierte Arbeitsstimmung kommen.

    Aber da ist eben jeder Mensch anders.

    Du kannst das nicht, andere eben schon.

    Einer muss Dinge hören, um sie zu verstehen, ein nächster lesen und wieder ein anderer muss sie in Bildern sehen.


    Ich kenne sehr begabte Menschen, die sich bewegen müssen, um ihre Gedanken zu ordnen.

    Andere müssen still sitzen und Ruhe haben.

    Dann gibt es Menschen,cdie können Geräusche wegfiltern, andere hören alles um sie herum.


    Daher ist es doch etwas einseitig zu sagen: Wer unterbricht kommt nicht in konzentrierte Arbeitsstimmung...

  • Irgendwann muss der kreativste, bewegte Mensch sich hinsetzen und seine Gedanken geordnet zu Papier bringen.


    Ich mache das auch, wenn ich einen komplexen Sachverhalt aufschreiben muss, spazieren gehen. Das ist aber keine Unterbrechung der Tätigkeit: Erst sitzend lesen, Infos sammeln, grob sortieren,... spazierend nachdenken, Ergebnis sitzend hinschreiben. Das gehört zusammen.


    Aber bei "Schreibe eine Reihe As" bringt einen Aufstehen und rum rennen nicht weiter. Auch nicht beim Rechnen 3+4.

    Da hilft es eher nach einem 5er Block kurz durchzuschnaufen und meinetwegen dann aufzustehen bevor man Block 2 macht.

  • Schreibe eine Reihe Als oder rechne einen 5er Block gehört ja eh zu den Dingen die abgeschafft gehören.

    Das sind halt so typische Beispiele, wie Kindern der Spaß genommen werden kann...

    Und ja, mir ist bewusst, dass es Kinder gibt, für die das Sinn macht.

  • Aber egal wie die Aufgabe lautet und egal wie oft man zwischendurch xyz macht. Am Ende muss sie fertig sein.

    Bei Kindern wie bei Erwachsenen.

    Ja, aber ich wuerde hier differenzieren. Ich glaube, Du hast eine typische erste Klasse in Deutschland (und auch hoehere Klassen vermutlich) mit deren Anspruch vor Augen. Ich gehe da ein bisschen in Mondschein s Richtung und hinterfrage das "Muss". In der amerikanischen Grundschule meiner Kleinen (Eingangsstufe, so etwas wie erste Klasse in Deutschland aber ein Jahr juenger) liefen die Kinder letztes Jahr staendig durch die Gegend. Es war sehr laut. Es gab keinen festen Plaetze. Kinder sassen entweder auf dem Boden bei Gruppensachen oder suchten sich irgendeinen Platz zum Arbeitsblaetter bearbeiten; die haben nie Schwunguebungen gemacht und auch nie das Stiftehalten gelernt. Der Anspruch dort war einfach 'schreiben'; egal wie laut, egal wie fertig das Ergebnis war. Die Lehrerin hielt den Stift selbst falsch. In spaeteren Jahren wird dann einfach auch oft der iPad hergenommen, z.B. bei Mathematik. Dieses Modell hinterfrage ich auch stark (fuer mein Kind ist das auch eher nichts) aber es zeigt auf, dass die Grundhaltung einfach eine ganz Andere ist.


    Soll heissen: Die schreiben keine Reihe Aas. Und rechnen machen sie teilweise schon ueber das iPad. Nochmal, ich finde das auch nicht durchgehend gut. Am Liebsten waere mir ein Mix aus Allem.

  • Wahrscheinlich bin ich zu altmodisch: Ich vertraue da einfach den Lehrpersonen meiner Kinder.

    In Klasse 4 kann ich sagen: Die Frau hatte von Tag 1 an ein Konzept, wo sie mit den Kindern hin will und wie sie das macht. Sehr beeindruckend.

    Ja, sie haben As geschrieben, aber ja sie haben auch bereits im ersten Halbjahr 1. Klasse Plakate zum Thema Haustiere in Gruppenarbeit erstellt, sie haben Buchstaben in Sandgeschrieben, Schleichdiktate gemacht.

    Und das alles in einem "klassischen" Setting. Das eine schließt das andere nicht aus.

    Es geht mit mehr Ressourcen sicher immer besser. Aber es stimmt einfach nicht, das Grundschulinterricht Frontalberieselung mit Arbeitsblättern ist.

    Und es stimmt auch nicht, dass Montessori und co, immer erstrebenswerter sind. Klassischer Unterricht aber auch nicht.

  • Aber egal wie die Aufgabe lautet und egal wie oft man zwischendurch xyz macht. Am Ende muss sie fertig sein.

    Bei Kindern wie bei Erwachsenen.

    Ich habe nie was anderes behauptet. Im Gegenteil.

    Doch, Du hast vorhin gefragen, warum ein Kind zu Schulbeginn eine Aufgabe zu Ende bringen können muss


    Klang für mich so als wärst Du der Meinung es wäre nebensächlich und wann sie fertig ist, wäre auch egal.


    Wenn dem nicht so ist, sind wir uns ja einig. Abgesehen davon, dass ich der Meinung bin, dass ständiges herumgerenne nicht dazu beträgt zügig fertig zu werden (sofern es sich um irgendwas handelt was man aufschreiben sollte).

  • Kein Kind hat Lust stupide eine Reihe Buchstaben zu schreiben weil ihm das als „du musst das jetzt“ aufgegeben wird. Aber rin Kind kann motiviert sein, das selbst zu wollen. Der Hauptgrund, warum die Kinder ständig aufstehen, rumlaufen etc ist Lustlosigkeit bezüglich der zu tätigenden Aufgaben- dieselben Kinder können nämlich oft hochkonzentriert mit ihren Bausteinen spielen oder anderes tun, was ihnen Freude macht.

    Die Lust am Lernen und die Neugierde auf Wissen- das sind für mich die Dinge, die den Kindern vermittelt werden müsste in der Grundschule, nicht der Lehrplan mit Wissen XY.

    Inovative Schulen oder solche die bereits Schulpreise gewonnen haben sind übrigens fast alle darauf ausgerichtet, dass die Kinder ihre Lernplätze frei wählen können- und nicht klassisch am Tisch sitzen müssen.

    4 Jungs 2006-2013, 4 Hühner, 4 Hunde und 4 Schildis
    Cry a River, build a bridge, get over it #herz



  • Ich habe hier mehrfach geschrieben, dass es nicht darum geht eine Aufgabe zu Ende zu bringen oder nicht. Sondern um das wie und wann.


    Es ist übrigens hier in den Grundschulen schon jetzt so, dass viel individuell gearbeitet wird.

    Da rechnet nicht jedes Kind jede Aufgabe zur gleichen Zeit.


    Das ist ein wirklich großer Fortschritt