„Wissenschaftlicher Mitarbeiter“ in der Klinik

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  • Huhu,


    vielleicht kennt sich eine hier mit dem Krankenhaus Fachjargon aus: was bedeutet es, wenn jemand als wissenschaftlicher Mitarbeiter genannt wird?


    Also konkret in der Psychiatrie, ist es normal, dass mit dieser Bezeichnung als Therapeut Patienten behandelt werden?


    Für mich klingt das irgendwie nach „in Ausbildung“, aber als ich mal vorsichtig nachgefragt habe, wurde mir gesagt, er wäre „Arzt“. Mich hat das schon gewundert, weil ich eigentlich dachte, nur Psycholog:innen sind Therapeuten?!

    Und auf dem Namensschild steht aber nicht „Arzt“, sondern „wiss.Mitarbeiter“ #weissnicht


    Es geht um einen Angehörigen von mir, deswegen möchte ich nicht weiter nachhaken und mich eventuell unbeliebt machen. Aber ich check es einfach nicht wirklich. Und manche Empfehlungen sind halt schon widersprüchlich zu denen der ambulanten Psychotherapeutin, und das würde mir beim einordnen helfen.

  • Bei uns würde das bedeuten, dass die Person in der Forschung tätig ist und somit hauptsächlich wissenschaftlich arbeitet. Das ginge auch parallel. Ob das für die Psychiatrie auch gilt, weiß ich aber nicht.

  • Zum wiss. Mitarbeiter weiß ich nichts bei zu steuern, aber doch, auch Ärzte können Psychotherapeuten sein.

  • Bei uns würde das bedeuten, dass die Person in der Forschung tätig ist und somit hauptsächlich wissenschaftlich arbeitet. Das ginge auch parallel. Ob das für die Psychiatrie auch gilt, weiß ich aber nicht.

    So kenn ich das auch.

    Kann schon auch sein dass der Studien durchführt oder neue Behandlungsansätze einführt. Sollte man als Patient aber schon informiert sein drüber find ich.


    Was der von seiner Ausbildung her ist ob Arzt oder was Anderes ist da nicht rauszulesen

    So take courage, hold on, be strong, remember where your help comes from.

  • Ja, Ärzte können auch Psychotherapeuten sein. In der Klinik ist es mir aber noch nie begegnet, dass ein Arzt, auch einer mit entsprechender Ausbildung, eine Psychotherapeutenstelle besetzt hätte (heißt nicht, dass es nicht vorkommt). Ist weniger gut bezahlt.

    Empfehlungen und Herangehensweisen können auch unter Psycholog:innen sehr sehr unterschiedlich sein, je nach Verfahren, in dem sie ausgebildet sind, wo sie ausgebildet wurden und vor wieviel Jahren.

  • Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen in Kliniken sind aus meiner Sicht vor allem ein Abrechnungs-Alptraum :D


    Über Ausbildung und Qualifikation sagt das erst mal nix aus; idR sind es Medizinerinnen und / oder Therapeutinnen der jeweiligen Fachrichtung, es können aber auch zB. Statistikerinnen sein. Der eigentliche Punkt ist, dass sie nicht in die Hierarchie des Stammpersonals eingebunden sind, sondern wissenschaftlich arbeiten und aus einem anderen Topf abzurechnen sind.

    Die beste Vergeltung ist, nicht zu werden wie dein Feind (Marcus Aurelius)

  • An der Uniklinik hat die Bezeichnung was mit den Anstellungsbedingungen zu tun.

    Also ein bisschen, wie Kerstin_Pfalz schreibt.

    Da war es so, dass alle Ärzte als wissenschaftliche Mitarbeiter angestellt waren, befristet. Eine Entfristung oder Vertragsverlängerung gab es nur, wenn man entsprechend wissenschaftlich gearbeitet hat. Natürlich zusätzlich und nebenbei.

    Das war über insgesamt 7 Jahre möglich. Die KollegInnen, die in der Zeit weder abgehauen sind noch wissenschaftlich gearbeitet haben und bleiben wollten und gebraucht wurden, die sind im Anschluss dann als "Arzt" angestellt worden. Unbefristet 🤪

    großer Sohn (1/08) und kleiner Sohn (6/15)

  • „Psychotherapeut*in“ ist ein Beruf, für den sich vor allem Psycholog*innen, aber auch Ärzt*innen (und unter bestimmten Voraussetzungen auch Pädagog*innen) ausbilden lassen können.

    Aus meiner Klinikerfahrung werden Ärzt*innen (und oft auch Psycholog*innen) als wissenschaftliche Mitarbeiter*in eingestellt, wenn sie noch in Psychotherapieausbildung sind.


    Bevor man die Psychotherapieausbildung beginnen kann, muss man komplett fertig studiert haben, also Psycholog*in oder Ärzt*in sein. Und die Psychotherapieausbildung dauert oft sehr lang, 3 bis 9 Jahre. In der Regel arbeitet man ab dem zweiten Ausbildungsjahr berufsqualifiziert, also macht Psychotherapien mit Patient*innen unter Supervision.


    Dass die betreffende Person und Deine Psychotherapeutin unterschiedliche oder gar widersprüchliche Empfehlungen geben, hat vielleicht gar nichts mit dem Ausbildungsstand zu tun.

    Es gibt zudem nicht „den richtigen Rat“ in der Psychotherapie. Alle Empfehlungen haben nur Gültigkeit im ganz spezifischen Bezugsfeldern.

    They made you think that what you need is what they're selling, made you think that buying is rebelling
    (Zack de la Rocha)

  • Geht es denn um Psychotherapie? Medikamentöse Therapie darf nur ein Arzt verordnen und auch ein Psychiater therapiert. Allerdings kenne ich es auch so, dass die Psychiater die körperliche Untersuchung machen, über die Erkrankung aufklären und Medikamente verordnen. Längere Therapiegespäche und Gruppen machen meist die Psycholog:innen. Aber grundsätzlich kann das auch ein Arzt machen.

    Wenn jemand wissenschaftlicher Mitarbeiter ist, hätte ich die Hoffnung, dass er eine moderne Therapieform anbietet, z. B. über die er forscht.

    Du könntest nachfragen, ob der Arzt Psychiater ist oder in der entsprechenden Facharztausbildung und an was er als wissenschaftlicher Mitarbeiter forscht. Wenn er noch in der Facharztausbildung ist, muss das aber nicht heißen, dass er weniger kompetent ist. Er ist fertiger Arzt und hat nur die Spezialisierung noch nicht.

  • Wissenschaftliche Mitarbeiter (meine eigene Jobbezeichnung, aber nicht Klinik) sind nicht in Ausbildung, sondern fertig damit, oft schon längstens, oder bewegen sich höchstens in einer akademischen Form der Ausbildung. In einer Klinik sind das dann studierte Ärzte ohne zusätzliche Therapieausbildung zb, oder Leute, die nicht an den Patienten arbeiten, sondern in der klinischen Forschung (gibt es hier an unserer Uniklinik viel). Sie sind studierte Mediziner, aber arbeiten nicht im Klinikalltag, sondern forschen. Ein Freund von mir forscht zb am hiesigen Uniklinikum zu neuregenerativen Erkrankungen, der ist Arzt, auch mit Praxiserfahrung, aber seine Hauptarbeit ist Forschung nicht Alltagsarbeit an der Klinik.

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12


    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.


    #rose 49,7

  • Verstehe, es ist also nicht einheitlich. Besagter Arzt ist erst Mitte 20, „längstens“ mit der Ausbildung fertig glaube ich eher nicht. Und er macht alles, also Blutabnahmen, Medikamente verordnen (das wird allerdings immer noch mit einem Oberarzt rückversichert, der da „drüber guckt“) und Psychotherapie und wird offiziell als „Therapeut“ bezeichnet.


    Ich habe nachgefragt, ob er die Facharztausbildung zum Psychiater macht, aber das hat er verneint. Und irgendwie war die Stimmung nicht so, dass ich mich getraut hätte, weiter nachzufragen.


    Das mit den prekären Arbeitsbedingungen ist ja zum davon laufen! #nein


    Ach ja, er arbeitet in der Regel von 8-17:00, aber manchmal auch so einen grässlichen 24-Stunden Dienst (sowas finde ich eh unmöglich, das ist nicht gesund)

    Und es ist eine Uniklinik.

  • Das hat mit dem Anstellungsverhälniss bzw der Finanzierung der Stelle zu tun.

    Die Person ist möglicherweise über Drittmittel bezahlt und forscht zusätzlich zur klinischen Arbeit. An Unikliniken nicht unüblich

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Dass er Medikation verordnet und alle anderen ärztlichen Aufgaben übernimmt, ist normal als fertig studierter Arzt.


    Aber ohne (laufende) Therapieausbildung bzw. Facharztausbildung Psychiatrie oder Psychosomatik als Therapeut bezeichnet zu werden oder zu agieren, ist mir fremd.

    They made you think that what you need is what they're selling, made you think that buying is rebelling
    (Zack de la Rocha)

  • Auch in der Facharztausbildung Neurologie gibt es ein psychiatrische Jahr. Möglicherweise will er auch Allgemeinmediziner werden, und macht eine Weile psychiatrie um da firm zu werden.

    Schokojunkie mit Töchtern (5/07 und7/09)

  • Auch in der Facharztausbildung Neurologie gibt es ein psychiatrische Jahr. Möglicherweise will er auch Allgemeinmediziner werden, und macht eine Weile psychiatrie um da firm zu werden.

    Möglich. Aber er würde dann wohl eher nicht über sich sagen und gesagt bekommen, dass er Therapeut sei?

    They made you think that what you need is what they're selling, made you think that buying is rebelling
    (Zack de la Rocha)

  • So richtig verstehe ich das Konstrukt nicht. Bei uns ist es so, dass ein fertig studierte Arzt selbstverständlich Patienten betreut und Medikamente verordnet. Je nach Fachrichtung kann dieser dann natürlich schon an Teilen der Psychotherapie-Ausbildung teilnehmen, und eigene Patienten psychotherapeutisch betreuen. Der ist dann quasi Therapeut in Ausbildung. Ob dann das Schild wissenschaftlicher Mitarbeiter dazu kommt, hängt bei uns an dem Topf, aus dem die Vergütung kommt. Mitarbeiter, die aus Drittmitteln bezahlt werden, werden teilweise als wissenschaftliche Mitarbeiter bezeichnet, auch wenn sie 50 % ihrer Zeit ärztlich/am Patienten tätig sind.

  • Mir scheint das Problem auf einer anderen Ebene zu liegen. Wenn nicht irgendeine Irritation in der Zusammenarbeit entstanden wäre, dann wäre die Frage nach der Qualifikation gar nicht so deutlich aufgetaucht. Vielleicht ist ein Gespräch sinnvoll über das was da Zweifel oder Ärger ausgelöst hat.


    Auch das hier

    Und irgendwie war die Stimmung nicht so, dass ich mich getraut hätte, weiter nachzufragen.

    weist evtl. darauf hin, dass es Klärungsbedarf geben könnte.

  • Ja, das stimmt natürlich, ohne Irritation hätte ich nicht nachgefragt.


    Aber davon unabhängig interessiert mich auch einfach, warum das so geregelt ist. In einer anderen Klinik ist das klar getrennt, die Ärzt:innen sind für Gespräche rund um den Körper da und die Psycholog:innen für die Therapiegespräche.

    Das versteht man als Angehörige leichter ;)

  • Aber davon unabhängig interessiert mich auch einfach, warum das so geregelt ist. In einer anderen Klinik ist das klar getrennt, die Ärzt:innen sind für Gespräche rund um den Körper da und die Psycholog:innen für die Therapiegespräche.

    Das versteht man als Angehörige leichter ;)

    Je nachdem welche Klinik das betrifft, kann diese Regelung auch mit dem psychiatrisch-psychotherapeutischen Selbstverständnis und der Weiterbildungshaltung zu tun haben, die in einer psychiatrischen Klinik herrscht. In der Klinik, in der ich arbeite (relativ großes psychiatrisches Landeskrankenhaus, keine Uniklinik), gibt es eine ganz klare Haltung dazu, dass alle Ärzt:innen (insb. die Weiterbildungsassistent:innen, aber auch die Oberärzt:innen) auch immer psychotherapeutisch arbeiten, weil das die Hälfte des Facharztes Psychiatrie und Psychotherapie ausmacht. Wie Kliniken, in denen die Weiterbildungsassistent:innen nur „körperärztlich“ arbeiten, inhaltlich zielführend zum Psychiater und Psychotherapeuten ausbilden, finde ich immer eine spannende Frage…

    Aber für Angehörige ist das System tatsächlich manchmal schwierig zu durchschauen :)

  • Nicht alles gelesen. Nur die Uni-Perspektive: wiss. Mit. ist einfach eine Frage des universitären Angestelltenverhältnisses. Bei uns sind das z.B. diejenigen, die mindestens (!) den staatlich universitären Teil des Studiums abgeschlossen haben (also mindestens ein Staatsexamen haben) oder auch schon ihr Referendariat (eine Art praktischer Teil) und zweites Staatsexamen absolviert haben. Also oft sogar sog. Volljuristen (was gewissermaßen dem voll examinierten Mediziner entspricht).

    Vor allem mit beiden Examina kann man ja versch. anfangen: Man die Zulassung als Arzt/Anwalt etc. beantragen und sich niederlassen, bei Juristen die Laufbahn im Staatsdienst antreten man kann aber z.B. auch beschließen, noch zu promovieren - was ja gerade bei Mediziner*innen nach wie vor absolut üblich ist und bei Juristen immer üblicher wird (der wiss. Nutzen, wenn jemand nur seinen Dr.-Titel aufs Kanzleischild tackern möchte, sei mal dahingestellt). Wer promoviert - also wissenschaftlich forscht - ist in der Zeit idR weniger in der Praxis, er möchte aber irgendwie bezahlt werden. Und da kommen die wiss.Mit.-Stellen ins Spiel - da kann ein Lehrstuhlinhaber solch eine Stelle voll oder geteilt vergeben, es entsteht ein Dienstverhältnis (Angestelltenverhältnis) mit der forschenden Klinik/Institut/Lehrstuhl etc. Häufig sind das Drittmittelstellen, wie oben irgendwo stand. Manchmal sogar selbst eingeworbene, das ist akademisch sehr angesehen, weil derjenige dann ja eine richtig gute Forschungsidee gehabt haben muss (und ein bißchen Glück).

    Auch wenn bei uns z.B. wiss.Mit.-Stellen häufig der Anstellung während der Promotionsphase dienen, ist es außerdem nicht selten, dass PostDocs solche Stellen besetzen (entweder während der Habilitation oder mit Leitungsfunktion in Drittmittelprojekten, weil es da Erfahrung braucht - wer selbst nie wissenschaftlich gearbeitet, kann andere schlecht dazu anleiten).

    Kurz: Es sind zwei versch. Bereiche - Die wissenschaftliche Mitarbeiterstelle ist ein wissenschaftliches Anstellungsmodell, das keine Aussage darüber trifft, wie weit jemand praktisch qualifiziert ist bzw. nebenbei praktiziert. Das kann nebeneinander treten, muss aber nicht. Ohne die Grundvoraussetzungen, die je nach Fach zur Promotion berechtigen, kann aber niemand als wiss.Mit. eingestellt werden (Promotionsberechtigung ist gewissermaßen die Untergrenze für Einstellungen). Derjenige, um den es hier geht, wird also definitiv wenigstens diese Grundvoraussetzungen erworben haben.