Kurze Fragen, Kinder und Erziehung

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  • Hier hilft es, schwierige Dinge mal in Ruhe zu besprechen, wenn die Stimmung gut ist.

    Wir haben viel über die unterschiedlichen Gefühle geredet, die man so haben kann. In eurem Fall würde ich vor allem von Hilflosigkeit ausgehen. Oder von Genervt sein oder Wut. Und dann mal besprechen, wie sich das anfühlt, was es mit einem macht (also, dass man z.B. keine Wörter mehr findet), und was man sich wünschen würde. So irgendwas. Vielleicht findet dein Kind dann selbst eine Lösung.

    Verlasse die Welt ein bisschen besser, als du sie vorgefunden hast (B.P)

  • Hmm, vielleicht könnt ihr euch kurze und knappe Formulierungen überlegen, die auf die meisten Situationen passen. Z.B. "Lass mich!" für wütend und genervt sein

    Das werde ich versuchen, das könnte funktionieren.

    "Hilf mir" für Schmerzen oder Angst.

    Das klappt leider nicht so, das schreien war bis jetzt eindeutig genug, aber wir hatten bei einem Wespenstich beispielsweise Probleme, weil sie nur ihre Hand hielt und ich dachte schon, sie hätte sich die Hand gebrochen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich dahinterkam, dass es eine Wespe ist und dann konnte ich ja direkt helfen. Im Kindergarten hatten sie einmal völlig Panik, sie hätten Eichenprozessionsspinner oder so, dabei hatte sie sich "nur" die Haut an so einem Schleuderbild-Ding abgerieben. Ich musste zum Kindergarten (sie schrie die ganze Zeit), konnte es durch Fragen mit Nicken und Kopfschütteln herausbekommen. Aber sie schrie dauerhaft, bestimmt 15 Minuten. Bis sie daheim auf der Couch war und ich es verarztet hatte.

    "Du guckst böse!" - "Du wirkst genervt?" - "Hm, ich laß dich mal lieber in Ruhe, du siehst so aus, als würde ich dich stören..." - oder wenn das Kind (vor Schmerzen) schreit: wortlos in den Arm nehmen oder sich danebensetzen und warten, bis es etwas ruhiger wird, und dann nur sagen "Puh, du hast aber starke Schmerzen..."

    Beim ersten funktioniert eigentlich okay, aber das machen halt nur Erwachsene. Kinder verstehen nicht, dass ihr böse gucken und weglaufen heißt "lass mich in Ruhe", die laufen ihr dann hinterher #hmpf und dann kann es passieren, dass sie aggressiv wird (weil "ist doch völlig klar, dass ich Ruhe will und die lassen mich nicht in Ruhe!").

    Hier hilft es, schwierige Dinge mal in Ruhe zu besprechen, wenn die Stimmung gut ist.

    Leider werden bei solchen Themen die Ohren zugehalten... Aber vielleicht hilft es, wenn ich es abstrahiere, also jemand anderem passiert etwas ähnliches und wie der darauf reagieren sollte.

  • abstrahiere

    Rollenspiele? - zwei Püppchen spielen diese Situation ziemlich überzeichnet (oder möglichst genau, manche mögen das überzeichnete gerade nicht) nach. Mit vielen ausgesprochenen Gedanken der Püppchen. Und dein Kind braucht die Chance (auch wenn es sie nicht nutzen mag), rettend einzugreifen.

    Mit möglichst viel kuscheln und kichern.

  • Leider werden bei solchen Themen die Ohren zugehalten... Aber vielleicht hilft es, wenn ich es abstrahiere, also jemand anderem passiert etwas ähnliches und wie der darauf reagieren sollte.

    Bei uns gibt es auch viel Abwehr bei ungeliebten Themen. Das Kind weiss ja, dass es sein Verhalten ändern sollte bzw. die Erwachsenen wünschen, es würde sich anders verhalten. Das ist ein wichtiger Punkt, wie ich finde. Also es würde vielleicht sogar gerne anders reagieren.

    Wir haben uns mal grundsätzlich über Gefühle unterhalten. Wir haben sie mal alle aus dem Kopf genommen, in Gläser gepackt und angeschaut. Manche mussten wir in schalldichte Räume schliessen, weil sie wirklich sehr anstrengend waren :D.

    Und dann kamen wir in unserem Fall z.B. auch zum Vermissen. Das ist es nämlich, das die Mama so schrecklich vermisst, wenn man im Kindergarten ist. Wie es aussieht, was ihm hilft, etc. Und ab dem Zeitpunkt habe ich das immer an der Türe mitgenommen und schön warm bei mir eingepackt, bis das Kind am Nachmittag wieder kam. Das Kind hat ihm sogar mal einen Garten gemalt, damit es sich bei mir nicht langweilt.

    Verlasse die Welt ein bisschen besser, als du sie vorgefunden hast (B.P)

  • Rollenspiele? - zwei Püppchen spielen diese Situation ziemlich überzeichnet (oder möglichst genau, manche mögen das überzeichnete gerade nicht) nach. Mit vielen ausgesprochenen Gedanken der Püppchen.

    Kann ich versuchen, muss ich aber geschickt machen. Weil

    Das Kind weiss ja, dass es sein Verhalten ändern sollte bzw. die Erwachsenen wünschen, es würde sich anders verhalten.

    Sie macht dann schnell dicht, wenn es zu direkt um das Thema geht. Weil sie weiß, dass sie es anders machen sollte und es nicht schafft. In Geschichten setze ich deswegen etwas Hoffnung, weil es einige gibt, ohne dass es einen direkten Bezug zu ihr hat. Aber doch genug, dass sie die Verbindung (ggf. mit einem Hinweis) herstellt. Es darf nur nicht zu direkt sein.

    Wir haben uns mal grundsätzlich über Gefühle unterhalten. Wir haben sie mal alle aus dem Kopf genommen, in Gläser gepackt und angeschaut. Manche mussten wir in schalldichte Räume schliessen, weil sie wirklich sehr anstrengend waren :D .

    Das hört sich toll an! Dafür muss ich die richtige Stimmung bei ihr abwarten. Gefühle sind für sie schwierig, daher braucht sie genug Ressource, um sich damit auseinander zu setzen.

  • Sie macht dann schnell dicht, wenn es zu direkt um das Thema geht. Weil sie weiß, dass sie es anders machen sollte und es nicht schafft.

    Ich finde es super, dass du das so erkennst und anerkennst. Denn wir alle fühlen uns schlecht, wenn wir Erwartungen nicht erfüllen können, obwohl wir doch so gerne würden. So geht es den Kindern auch. Und klar ist es da super unangenehm darüber zu reden.

    Wir waren übrigens beim Wäsche aufhängen. Also ja, es muss sich ergeben.

    Verlasse die Welt ein bisschen besser, als du sie vorgefunden hast (B.P)

  • Ich find die Gefühle in Gläser-Idee total toll!

    Ich glaub, ich würde die Technik zunächst mit positiven Situationen etablieren. Sooo ein schöner Ausflug, auf dem Heimweg Rekapitulation besonders schöner Momente. „Am liebsten würd ich den Spaß einpacken! Moment, die Brotdose ist leer, komm, wir versuchen das mal!“ Dann ein paar Worte rein sprechen, zu machen, und später zu Hause wieder auf. Und mal gucken, ob wir das schöne Gefühl, die Situation wieder holen können.

    Die kleineren Kinder bekommt man über die Magie da ran, die verkopfteren oder größeren mit einem Augenzwinkern.
    Wenn das gut klappt, auf ein Marmeladenglas umstellen, weil man da besser reingucken kann als in eine Brotdose. Damit kann man auch Sachen machen: Schmücken, zudecken, in die Spülmaschine geben, Sachen dazu rein tun, oder ins Altglas schmeißen.

    Ich merk, grad hätt ich Lust auf ein kleines Kind ^^

  • Sie macht dann schnell dicht, wenn es zu direkt um das Thema geht. Weil sie weiß, dass sie es anders machen sollte und es nicht schafft.

    Das ist ja auch unfair!

    Solche Rätsel konnte ich bei meinen Kindern immer nur andersherum lösen: das Kind ist gut so wie es ist, es verhält sich so angepasst wie möglich. Die Umwelt kann es nur ohne Worte nicht verstehen. Die Erwachsenen sind zuerst in der Pflicht, das Kind ist in Not und braucht Hilfe - nur welche? Ich bitte das Kind, mir beim Übersetzen zu helfen, damit ich den zuständigen Erwachsenen erklären kann, was gemeint ist - erst dann haben diese eine Chance, besser zu reagieren und meinem Kind in seiner Not zu helfen.

    Viele Verhaltensänderungen bei uns wurden möglich, weil ein Kind im Gespräch mit mir herausfand, dass es die entscheidenden Worte oder Gesten nicht nur mir, sondern auch anderen mitteilen könnte, damit die anderen es besser verstehen. Auf solche Gespräche mit meinen Kindern folgte immer ein Gespräch mit den zuständigen Erwachsenen (meist ging ein solches auch dem Gespräch mit dem Kind voraus), so dass diese auch auf kleine Mitteilungsversuche meiner Kinder sorgfältiger eingingen.

    Es gibt in Deutschland mehr Frauen als Männer. Andernfalls wäre unser Staat längst zusammengebrochen.

  • Eiche danke! Das hilft mir, wie ich die Idee gut umsetzen kann und es hört sich wirklich passend an für mein Kind.

    Silbermöwe so mache ich es auch bisher, nur wir sind noch nicht bei dem Punkt, dass sie es auch jemand anderem als mir sagen kann und das macht es wirklich schwierig, wenn ich nicht dabei bin. Wenn es etwas größeres ist, wird es im Nachgang besprochen, aber diese unendlich vielen Missverständnisse im Alltag tun mir einfach für mein Kind leid - es versteht einfach nicht, dass die anderen Menschen nicht ihre Gedanken lesen können und somit die ausgesprochenen Worte benötigt. Oder sie versteht es vom Kopf her, aber nicht vom Herzen her und auf sich bezogen.

  • nur wir sind noch nicht bei dem Punkt, dass sie es auch jemand anderem als mir sagen kann und das macht es wirklich schwierig, wenn ich nicht dabei bin.

    Ich find ja die Idee mit den Gläsern dermaßen phänomenal!

    Weil: Gläser müssen ja auch beschriftet werden. Auch Kindergartenkinder, die noch nicht lesen können, verstehen ja den Sinn von Beschriftung. Über den Umweg kann man Gefühlen und Bedürfnissen Namen und Worte geben.

    Wie gesagt, ich würde das über positive Beispiele als Familientradition/Familienspiel einführen, und wenn die Technik eingewöhnt ist, auch auf die schwierigen Sachen übertragen (im Idealfall kommt das Kindchen dann selbst auf die Idee).

  • Hallo,

    Ja, es ist eine normale Phase in der Sprachentwicklung, die einen Kinder machen sie früher durch, die anderen etwas später.

    Sprache ist einfach eine sehr komplexe Sache, man muss die Worte kennen, sie in die richtige Reihenfolge bekommen und manche Sachen heißen einfach immer wieder anders. Die gleiche Person kann Du, Ich, Sie/Er, Mama/Papa, Kerstin/Alex sein, je nach dem wer spricht. Oder eben Du, Ich, Paul, Spatz...

    Einige Kinder sprechen eine Weile über sich selbst auch als "Du", weil sie es so hören "Du (Das Kind selber) bekommst gleich ein Essen" also ist für sie die logische Frage beim nächsten Mal: "Du (Ich selber) bekomm jetzt essen?"

    Du kannst ja im Alltag mal beobachten, wie du über dich und das Kind sprichst. "Komm Paulchen, die Mama (ich) hilft dir" oder "Das Paulchen ist wohl müde?"... Das ist überhaupt nicht schlimm, aber es ist dann nur logisch, wenn das Kind das so übernimmt.

    So lange die emotionale Entwicklung und die Sprachentwicklung ansonsten altersgerecht ist, würde ich mir keine sorgen machen. Ist das Kind gerade erst drei geworden oder schon bald vier? Spricht das Kind nie in der Ich-Form von sich oder nur nicht immer? Das wäre für mich auch ein Kriterium.

  • Ist es normal™, dass Dreijährige viel in der dritten Person über sich/ihr Tun reden?

    Kurz nach dem dritten Geburtstag ist das noch normal, kurz vor dem vierten nicht mehr.

    Es gibt in Deutschland mehr Frauen als Männer. Andernfalls wäre unser Staat längst zusammengebrochen.

  • Danke euch! Er ist gerade drei geworden. Er spricht auch schon viel in der Ich-Form. Vielleicht kommt es mir deshalb dann komisch vor, wenn er dann wechselt.

    So lange die emotionale Entwicklung und die Sprachentwicklung ansonsten altersgerecht ist, würde ich mir keine sorgen machen.

    Da machen ich mir absolut keine Sorgen.

    Du kannst ja im Alltag mal beobachten, wie du über dich und das Kind sprichst.

    Das werde ich mal machen. Ich sage auch oft nicht "Ich" sondern "Papa" wenn ich über mein Handeln/Befinden rede. Dann sollte ich mich eigentlich nicht wundern, wenn er es mir gleich tut. #rolleyes

  • Er spricht auch schon viel in der Ich-Form. Vielleicht kommt es mir deshalb dann komisch vor, wenn er dann wechselt.

    Ist er kürzlich in den Kindergarten gekommen? Da hat mein Kind, das sich schon immer sehr gewählt ausgedrückt hat, nämlich Kleinkind Sprache gelernt - eben auch sowas, wie in der dritten Person sprechen oder unvollständige Sätze.

    the nature of this flower is to bloom

    (alice walker)

  • Hallo,

    Du kannst ja im Alltag mal beobachten, wie du über dich und das Kind sprichst.

    Das werde ich mal machen. Ich sage auch oft nicht "Ich" sondern "Papa" wenn ich über mein Handeln/Befinden rede. Dann sollte ich mich eigentlich nicht wundern, wenn er es mir gleich tut. #rolleyes


    Das ist auch völlig in Ordnung. Es ist ganz normal, das Menschen ihre Sprache an sehr keine Kinder anpassen. Oft sprechen sie höher, manchmal mit einem leichten Singsang (leicht überhöhte Sprachmelodie), mit einfacherer Grammatik, Satzwiederholungen und eben Sachen wie sich selbst in der dritten Person zu benennen. Eine Zeit lang wurde das oft massiv kritisiert, weil man Sorge hatte, das es die Sprachentwicklung stört.

    Heutzutage geht man davon aus, das es nicht nötig ist, aber auch keinen Schaden anrichtet, wenn man es dosiert macht. Es hilft Kindern, erst mal durchzublicken: "Ah, das ist Mama/Papa/Lene...", "Aha, SO funktioniert Sprache".

    Man sollte es nur nicht übertreiben (Papa macht dem Wauwau eia..." statt "Ich streichle den Hund") und auch mit seinem Kind wachsen und nach und nach immer mehr "richtig" mit ihm reden.