Strafmündigkeit ab 12

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  • Ich finde, dass das ein ganz schwieriges Thema. Im Grunde sehe ich es wie fibula . Man müsste diese ganzen Baustellen abarbeiten, es müsste für Stabilität, Bildung und finanzielle Sicherheit usw. sorgen, um präventiv arbeiten zu können.

    Aber ich denke auch oft: was ist mit den Opfern? Am Freitag wurde auf dem Schulgelände einem Freund meines Bonussohnes von schulfremden Jugendlichen aufgelauert. Der Junge wurde verprügelt, so heftig, dass er jetzt mit Kopf- und Leberschäden im Krankenhaus liegt.

    Die Polizei hat den Vorfall aufgenommen, die Täter sind identifiziert, aber es ist jetzt schon klar, dass sie - in den Augen des Opfers - nicht bestraft werden. Zumindest laufen sie weiterhin draußen rum. Das hat zur Folge, dass nun die Freunde sich zusammentun wollen, um das "zu regeln". Sowas darf einfach nicht ein.

    Oder die 12 jährigen Mädchen, die eine Mitschülerin getötet haben. Ja, das Jugendamt wurde eingeschaltet, sie sind weggezogen usw. Aber wenn ich die Mutter des getöteten Kindes wäre... ob ich damit leben könnte? Ich habe zum Glück keine Ahnung über Details und die Gefühle und Gedanken der Betroffenen, aber wenn sie diejenigen sind, die die Strafmündigkeit runtersetzen wollen, kann ich sie verstehen.

    Wisst ihr, was ich sagen will?

    Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.

    (Mahatma Ghandi)

  • Die Polizei hat den Vorfall aufgenommen, die Täter sind identifiziert, aber es ist jetzt schon klar, dass sie - in den Augen des Opfers - nicht bestraft werden. Zumindest laufen sie weiterhin draußen rum. Das hat zur Folge, dass nun die Freunde sich zusammentun wollen, um das "zu regeln". Sowas darf einfach nicht ein.

    Genau dafür gibt es ein staatliches Justizsystem, damit das nicht - wie zu alten Zeiten - die Sippe regelt. Und Dein Beispiel zeigt, wie gefährlich es wird, wenn der Staat sich weitesgehend raushält und es scheinbar keine Konsequenzen mehr gibt.

  • Justiz müsste viel schneller arbeiten, dafür braucht es Personal und einiges Abbau an Bürokratie.


    Fairy***tale das ist schlimm. Bin mir sicher, dass diese Jugendliche bekannt sind. Jetzt schon musste sofort ein helfersystem eingreifen, um den Betroffenen und seine Familie zu unterstützen, die angreifenden Jugendliche unter die Lupe zu nehmen, zu begleiten, in der Schule den Vorfall zu thematisieren, SuS Konsequenzen, Handlungsoptionen Unterstützungsangebote aufzeigen. Ich weiß , utopisch.

    #sonneige Grüße von Fibula mit drei Juli-Männern #kerze #kerze #kerze #kerze
    Vorurteile sind menschenfreundlich. Sie passen sich dem Niveau ihrer Benutzer bedingungslos an.
    Ernst Ferstl

  • Die Polizei hat den Vorfall aufgenommen, die Täter sind identifiziert, aber es ist jetzt schon klar, dass sie - in den Augen des Opfers - nicht bestraft werden. Zumindest laufen sie weiterhin draußen rum. Das hat zur Folge, dass nun die Freunde sich zusammentun wollen, um das "zu regeln". Sowas darf einfach nicht ein.

    Genau dafür gibt es ein staatliches Justizsystem, damit das nicht - wie zu alten Zeiten - die Sippe regelt. Und Dein Beispiel zeigt, wie gefährlich es wird, wenn der Staat sich weitesgehend raushält und es scheinbar keine Konsequenzen mehr gibt.

    Aber auch Erwachsene oder Strafmündige würden u.U. Bis zu einer Verurteilung (im besten Fall nach einigen Monaten) frei herumlaufen - solange die Bedingungen für Untersuchungshaft nicht erfüllt sind.

  • Die Polizei hat den Vorfall aufgenommen, die Täter sind identifiziert, aber es ist jetzt schon klar, dass sie - in den Augen des Opfers - nicht bestraft werden. Zumindest laufen sie weiterhin draußen rum. Das hat zur Folge, dass nun die Freunde sich zusammentun wollen, um das "zu regeln". Sowas darf einfach nicht ein.

    Genau dafür gibt es ein staatliches Justizsystem, damit das nicht - wie zu alten Zeiten - die Sippe regelt. Und Dein Beispiel zeigt, wie gefährlich es wird, wenn der Staat sich weitesgehend raushält und es scheinbar keine Konsequenzen mehr gibt.

    Aber auch Erwachsene oder Strafmündige würden u.U. Bis zu einer Verurteilung (im besten Fall nach einigen Monaten) frei herumlaufen - solange die Bedingungen für Untersuchungshaft nicht erfüllt sind.

    Ich habe das auch mehr allgemein gemeint, nicht auf eine bestimmte Altersgruppe bezogen.

  • Die Polizei hat den Vorfall aufgenommen, die Täter sind identifiziert, aber es ist jetzt schon klar, dass sie - in den Augen des Opfers - nicht bestraft werden. Zumindest laufen sie weiterhin draußen rum. Das hat zur Folge, dass nun die Freunde sich zusammentun wollen, um das "zu regeln". Sowas darf einfach nicht ein.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass das schwer zu ertragen ist, aber da stecken auch viele Missverständnisse dahinter, wie ein rechtsstaatlichen Justizsystem funktioniert.

    Natürlich laufen die Täter weiterhin draußen herum - sie sind ja noch nicht verurteilt und können das auch noch gar nicht sein, wenn die Tat am Freitag geschehen ist. Auch unter optimalen Bedingungen vergeht zwischen Tat und Prozess einige Zeit - das Opfer und die Zeugen und die Täter müssen vernommen werden, die Verletzungsfolgen müssen dokumentiert werden. Die Akte muss zur Staatsanwaltschaft, die eine Anklage verfassen muss und es wird noch die Jugendgerichtshilfe eingeschaltet, die nach Kontakt mit den Tätern einen Vorschlag unterbreiten soll, welche Bestrafung am zielführendsten wäre und etwaige Strafverteidiger müssen auch noch Akteneinsicht erhalten und Stellung nehmen können - das alles dauert halt ein wenig.

    Dass Täter schon vor dem Gerichtsprozess und einer rechtskräftigen (!) Verurteilung (es gibt ja noch die Möglichkeit eines Rechtsmittels) eingesperrt werden, also in Untersuchungshaft kommen, ist der Ausnahmefall, denn sie gelten ja vorher noch als unschuldig. U-Haft ergeht nur unter besonderen Umständen, nämlich bei Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr oder Wiederholungsgefahr und bei besonders schweren Straftaten.

    Wenn dann der Prozess stattfindet, wird für die Täter - je nach Vorstrafenregister - auch nicht unbedingt eine Haftstrafe herauskommen, möglicherweise gibt es auch abzuleistende Sozialstunden, ein Anti-Agressionstraining oder einen Wochenend-/Freizeitarrest. Da solche Verfahren zum Schutz der Jugendlichen nicht öffentlich sind, erfährt man das Ergebnis auch evt nie. Haftstrafen bei Jugendlichen werden nur bei quasi hoffnungslosen Fällen oder allerschwersten Straftaten verhängt; das Risiko ist größer, dass die Jugendlichen in der Haftanstalt unter lauter Straftätern erst recht unter schlechten Einfluss geraten als die Chance, dass sie durch Haft "gebessert" werden.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass vieles davon sowohl bei Opfern als auch bei Tätern falsch ankommt, und es könnte bei besserer personeller Ausstattung der Justiz auch sicher einiges schneller gehen, aber vieles, was oft als "Bürokratie" und Verzögerung angesehen wird, sind einfach die Folgen eines rechtsstaatlichen Verfahrens im Gegensatz zu einem System mit Schnellverfahren.

  • In der Süddeutschen ist allerdings ein Artikel, dass Jugendkriminalität sich vom Alter her nach hinten verschiebt. Besonders in den USA, aber auch bei uns und in anderen Industriestaaten. Von 2022 auf 2023 weist die Statistik bei uns allerdings einen leichten Anstieg an Gewaltkriminalität bei Kindern ab 8 Jahren und Jugendlichen auf.

    Ich verstehe allerdings im Moment nicht ganz, ob nur dieser Anstieg für die aktuellen Meldungen, dass die Jugendkriminalität gestiegen sei, Verantwortliche ist. Dann wäre es jedenfalls wohl nicht ein genereller Trend zu mehr Jugendkriminalität, sondern womöglich eher eine Normalisierung nach einem Rückgang etwa durch Corona. Das wird aber leider in dem Artikel nicht so ganz klar.

    Ach so, hier ist der Link dazu

    Jugendkriminalität geht zurück – woran liegt das?
    Daten aus den USA legen nahe, dass Jugendliche heute im Schnitt später straffällig werden als noch vor einigen Jahrzehnten. Der Trend gilt auch für Deutschland.
    www.sueddeutsche.de
  • Das ist mir bewusst. Aber als Mutter ist es schwer zu ertragen, die Kinder zur Schule gehen zu lassen, nachdem das passiert ist und die Täter es jederzeit wiederholen könnten. Und ich glaube, eben diese Ängste sorgen dafür, dass immer wieder diese Diskussion um die Strafmündigkeit aufkommen. In der irrationalen Hoffnung, daß könne irgendwas ändern.

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    (Mahatma Ghandi)

  • Deswegen wäre ein Unterstützungssystem, das möglichst direkt vor Ort ins Spiel kommt, eine gute Idee und würde sowohl der Polizei als auch der Justiz (zukünftig) Arbeit ersparen. Während Justiz ihre Arbeit aufnimmt und zu ende bringt.

    Es ist nunmal so, dass die Verfahren zu lange dauern, so dass die täter*innen sich sicher wähnen und Betroffene mit ihrem Leid alleine bleiben.

    Da müssten an allen Stellen Inkl. JA und Sozialarbeit weichen anders gestellt werden und auch mehr Personal wäre notwendig.

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    Ernst Ferstl

  • Die Debatte zielt meines Erachtens nicht darauf ab, Stellen für Schulsozialarbeit zu streichen sowie Gelder für Gewaltprävention einzusparen und stattdessen das Strafmündigkeitsalter zu senken, sondern Gewaltschutz zu betreiben und das Strafmündigkeitsalter zu senken. Zumindest hier in der Region gibt es eine enge Zusammenarbeit von Justiz, Polizei, Jugendämtern, Beratungsstellen, Quartiersarbeit, Schulsozialarbeit usw., die personelle Ausstattung ist nicht schlecht (mehr ginge immer), Fachkompetenz und Erfahrung sind sehr hoch (bis auf die Jugendämter mit ständig fluktuierendem, größtenteils sehr unerfahrenem Personal). Im beruflichen Kontext höre ich selten Forderungen nach mehr Personal, denn zahlreiche Angebote mit freiwilliger Teilnahme werden von denjenigen, die es nötig hätten, kaum nachgefragt, und selbst wenn es Auflagen gibt, wird vieles abgesessen und über sich ergehen gelassen ohne nennenswerten Effekt. Insofern nehme ich eher Zweifel wahr, wenn es um die Frage geht, noch mehr davon zu tun, und höre viele Stimmen, die sich für eine Senkung des Strafbarkeitsalters aussprechen, letzteres primär als Signal an Eltern, als klaren Hinweis, dass Eltern zu einer Erziehung und einem Umgang miteinander ohne psychische und körperliche Gewalt verpflichtet sind, um ebendies ihren Kindern als Kompass vorzugeben. Ja, es gibt auch Familien, in denen keine Gewalt stattfindet und deren Kinder gewalttätig werden, aber weit überwiegend haben Kinder und Jugendliche, die Gewalt ausüben, selbst Gewalt erfahren.

  • Das leuchtet mir nun gar nicht ein.

    Warum sollte eine Senkung des Strafmündigkeitsalters dazu führen, dass Eltern ihre Kinder eher gewaltfrei erziehen, wozu sie ja bislang auch schon verpflichtet sind?