17jährige tochter will schule abbrechen bzw. abitur im fernstudium machen... hat jemand erfahrungen?!

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  • hey ihr lieben,

    meine 17jährige und ihre beste freundin haben kein bock mehr auf schule. sie haben jetzt die 11. fast geschafft, inkl. erweiterten mittleren schulabschluss mit prüfungen und so.

    jetzt haben sie zusammen die idee entwickelt, ihr abitur per fernstudium zu machen. das dauert auch 2 jahre und soll angeblich in 15 wochenstunden möglich sein. natürlich erfordert das ein superhohes maß an selbstdisziplin und -organisation. die mädels träumen und schwärmen davon, die enge schulstruktur und die nervigen lehrer*innen loszusein.

    frage: hat jemand von euch hier erfahrungen mit sowas gemacht?!? auch bei den eigenen kids vielleicht??

    dann wäre ich superdankbar für berichte, tipps, ideen, hinweise.

    merci im voraus!! :)

  • Ein Fachabi würse nicht reichen? Wenn man nicht Medizin oder Jura studieren will, reicht das doch.

    Hat meine Tochter auch gemacht und studiert jetzt.

    Zur eigentlichen Frage weiß ich leider ichts.

  • Das ist bestimmt machbar. Was ich so von der Oberstufe mitkriege ist sehr viel Unterrichtsausfall, viel Selbststudium usw. Ich denke, daher kommt das mit dem Zeitaufwand knapp hin, wenn die beiden wirklich motiviert sind. Eher eine stunde mehr pro Tag. Aber es kostet halt Gebühren, oder? Ich finde das cool, habe aber keine direkten Erfahrungen zu bieten.

  • Würde das nochmal genau überprüfen, weil ich glaube (wenn ihr in Deutschland seid), man muss älter sein und auch schon gearbeitet (oder ein Kind ) haben.

    Wenn es geht, dann warum nicht, aber man darf nicht unterschätzen, wie viel Selbstmotivation nötig ist und dass man viel weniger Rückmeldung und Austausch hat, als in einem Präsenzkurs.

    15 Wochenstunden ist wahrscheinlich für disziplinierte Blitzkneisser. Also möglich, aber die meisten werden wohl eher mehr Zeit für gute Noten benötigen.

    the nature of this flower is to bloom

    (alice walker)

  • Ich glaube, "wir haben keine Lust auf Schule" ist nicht die richtige Motivation für Fernabi. Das endet in "ups, doch zu viel und keine Lust mehr".

    Ich hab mir das vor langer Zeit in Bayern für eine Freundin angesehen und es war wesentlich zeitaufwendiger als 15h pro Woche.

    Vielleicht sollten die beiden mal eine Berufsberatung machen, es gibt sicherlich auch Optionen vor Ort, was man nach der mittleren Reife machen könnte. Vielleicht finden sie ja eine Ausbildung, die Ihnen Spaß machen könnte, vielleicht erstmal FSJ und dann eine Fachoberstufe,, vielleicht gibt es noch ganz andere Möglichkeiten.

    LG H. mit J. (volljährig) und S. (Teenie)

  • Ich glaube, "wir haben keine Lust auf Schule" ist nicht die richtige Motivation für Fernabi. Das endet in "ups, doch zu viel und keine Lust mehr".

    Kann man so pauschal echt nicht sagen, kommt drauf an, warum sie keinen Bock mehr haben. Bei mir war der Grund, dass ich das Gefühl hatte, meine Zeit zu verschwenden. So ein Fernstudium, wie es heute möglich ist, wäre ideal für mich gewesen.

    Und wenn sie 17 sind, dann handelt es sich doch bloß um ein Jahr? Dafür wird die Motivation schon ausreichen.

    the nature of this flower is to bloom

    (alice walker)

  • Gibt es einen triftigen Grund warum sie keinen Bock mehr hat?

    Ansonsten würde ich es "verbieten" und vom durchhalten überzeugen.

    Ich halte gar nichts davon alles im "Homeoffice" zu erledigen, der soziale Aspekt geht total flöten. Menschen müssen auch mal raus, nur im Zimmer geht es den meisten nicht gut

  • Und wenn sie 17 sind, dann handelt es sich doch bloß um ein Jahr? Dafür wird die Motivation schon ausreichen.

    Mit der Logik könnte sie auch an der Schule in Präsenz noch reichen.

    Ich glaube nicht an einen "wird-schon"-Automatismus und halte das so wie oben beschrieben eher für den Anfang eines Lebens ohne Abi.

  • Und wenn sie 17 sind, dann handelt es sich doch bloß um ein Jahr? Dafür wird die Motivation schon ausreichen.

    Mit der Logik könnte sie auch an der Schule in Präsenz noch reichen.

    Ich glaube nicht an einen "wird-schon"-Automatismus und halte das so wie oben beschrieben eher für den Anfang eines Lebens ohne Abi.

    Nicht unbedingt, weil in der Schule ist sie ja schon recht lange und offenbar frustriert. Der Reiz des Neuen kann schon ein ganz guter Motivator sein.

    Aber klar, ich sage meinem bald 17-jährigen, der keinen Bock mehr hat, auch, er soll das Jahr halt noch durchziehen. Aber wir wissen halt schon, dass Fernschule nichts für ihn ist.

    Ich persönlich habe dann, mangels Fernschulalternativen, tatsächlich ein Leben ohne Abi verbracht. Es kommt wirklich drauf an.

    the nature of this flower is to bloom

    (alice walker)

  • Ich war in der 11. Klasse kurz davor, wegen "das ist alles doof und langweilig!" die Schule abzubrechen.

    Meine Eltern waren klug genug, es mir nicht zu verbieten, sondern zu sagen: "Wir unterstützen dich bei allem, was dir wirklich wichtig ist. Wir sehen, dass es dir an der Schule nicht gut geht, aber bitte gehe weiter dorthin, bis du uns sagen kannst, was du stattdessen machen willst. Das unterstützen wir dann!" Damit fiel Schulabbruch aus Opposition zu den Eltern schon mal weg.

    Parallel dazu kam eine entfernte Verwandte zu Besuch. Sie schaute entsetzt und sagte, sie habe genau das getan und dann mühsam parallel zur Erwerbsarbeit in Abendschule den Schulabschluss nachgeholt. Das solle ich mir nicht antun! Wenn ich einfach noch für zwei Jährchen die langweilige Veranstaltung aushalten würde, dann hätte ich mein Abi und alle Freiheiten bei der Berufswahl, die sie selbst sich so mühsam über viel mehr Zeit erkämpfen musste.

    Das leuchtete mir ein und ich ging weiter zur Schule.

  • Also wenn die 11. fast geschafft ist würde ich auch sagen: zum Durchhalten motivieren. Aus aktueller Erfahrung kann ich auch sagen, das nie der Ausfall so groß war wie in der 11. und 12., mein Sohn macht gerade Abi und ich würde sagen gefühlt 30% der Präsenzstunden fielen eh aus und dann haben sie ja ab April sowieso keine Präsenzpflicht mehr und können auch gerne zu hause lernen. Wenn sie konkrete Pläne hätten und z.B. eine Ausbildung anfangen wollen oder so würde ich sagen okay, go for it. Aber einfach "Kein Bock" wäre mir zu wenig.

    Ich kann diese Schulmüdigkeit durchaus verstehen, ich wollte nach dem Abi auch so schnell wie möglich raus aus diesem Korsett. Dann in der Ausbildung wurde mir aber klar, dass das Erwerbsleben einem noch viel weniger Freiheiten lässt, das hat mich total motiviert dann doch noch ein Studium anzuhängen. :)

  • Ich habe mich im Fernstudium auf eine Prüfung vorbereitet (kein Schulabschluss).
    Nochmal herausfordernder als die Disziplin aufzubringen fand ich, dass niemand da ist und Dinge erklärt, ich keine Fragen stellen oder sonstwie sicherstellen kann, dass ich es auch wirklich (richtig) verstanden habe.
    Hat im Endeffekt dazu geführt, dass das Wissen wesentlich fester saß, war aber auch deutlich zeitaufwändig und hat mich verunsichert.
    Ich glaube, man sollte auch nicht unterschätzen, wie viel mental load es einem abnimmt, dass die Schule eine feste Struktur vorgibt, und sei es nur, wann was gelernt werden muss.

  • Ich habe mich im Fernstudium auf eine Prüfung vorbereitet (kein Schulabschluss).
    Nochmal herausfordernder als die Disziplin aufzubringen fand ich, dass niemand da ist und Dinge erklärt, ich keine Fragen stellen oder sonstwie sicherstellen kann, dass ich es auch wirklich (richtig) verstanden habe.
    Hat im Endeffekt dazu geführt, dass das Wissen wesentlich fester saß, war aber auch deutlich zeitaufwändig und hat mich verunsichert.
    Ich glaube, man sollte auch nicht unterschätzen, wie viel mental load es einem abnimmt, dass die Schule eine feste Struktur vorgibt, und sei es nur, wann was gelernt werden muss.

    Das kann ich faul unterschreiben.

    Ich habe eine berufliche Weiterbildung als Fernschule berufsbegleitend gemacht, der angegebene Stundenumfang war schon sehr optimistisch, zumal ich berufsbedingt deutlich Vorkenntnisse hatte und mir - in meinem Fall - juristische Themen nicht von Null aus erarbeiten musste.

  • Ich habe mich im Fernstudium auf eine Prüfung vorbereitet (kein Schulabschluss).
    Nochmal herausfordernder als die Disziplin aufzubringen fand ich, dass niemand da ist und Dinge erklärt, ich keine Fragen stellen oder sonstwie sicherstellen kann, dass ich es auch wirklich (richtig) verstanden habe.

    Ich bin früher auch gescheitert an dem Fernkursdings.

    Aber gerade mache ich ein Fernstudium an einer Uni, und das ist ganz anders, als früher: es gibt Foren, wo man sich mit Mitstudis und Lehrenden austauschen kann, es gibt regelmäßig Videokonferenzen um Dinge durchzusprechen und Fragen zu stellen und ich finde es so wirklich ideal: alle, die da sind, wollen echt was lernen, man kann Feedback bekommen, wenn man es braucht und ansonsten sein Süppchen kochen. Und das meiste an sozialer Ablenkung fällt weg. Hätte ich das mit 17 gehabt, wäre vielleicht doch etwas aus mir geworden.

    the nature of this flower is to bloom

    (alice walker)

  • Madrone, es gibt sicherlich Menschen, die mit komplett eigenständigem Lernen und Fernstudium gut klar kommen. Aber das sind gefühlt eher wenige, der Großteil ist nicht diszipliniert genug dafür.

    Wo ich mir gerade nicht sicher bin - die Mädels sind noch nicht in der Oberstufe oder? Machen also gerade den Abschluss, mit dem man auf die Oberstufe kann? Geht die Oberstufe bei Euch 2 oder 3 Jahre? J. Fand die Oberstufe (obwohl mitten in Corona) wesentlich angenehmer als die Jahre davor. Und ich kann mir vorstellen, dass eine andere Oberstufe (vielleicht eine fachbezogene) auch dazu beitragen könnte, dass man nicht mehr so genervt ist von den gleichen Leuten, weil kompletter Wechsel.

    Sollte ich aufm Schlauch stehen und sie haben schon das halbe Abi, gibt es die Fachabioption? Hier wäre das 12. Klasse fertig (Q1+Q2 abgeschlossen) + 1 Jahrespraktikum, FSJ zählt auch.

    LG H. mit J. (volljährig) und S. (Teenie)

  • Aber das sind gefühlt eher wenige, der Großteil ist nicht diszipliniert genug dafür.

    Ja, das sage ich ja auch die ganze Zeit, dass es darauf ankommt. Ich weiß, dass das für die meisten Leute eher schwieriger als leichter ist, deshalb hört man auch weniger positive Meinungen. Aber man sollte trotzdem nicht vergessen, dass es die, für die sowas super ist, halt auch gibt.

    Und wenn sie zu zweit sind und sich gegenseitig motivieren, ist es auch noch mal anders, als ganz solo.

    the nature of this flower is to bloom

    (alice walker)

  • Ich wäre da überhaupt nicht dafür.

    Solche Kurse kosten doch Geld.

    Und, willst Du, dass dein Kind die ganze Zeit zu Hause abhängt? Das kann ja durchaus auch zu Konflikten führen.

    Kurssystem ist finde ich viel weniger feste Sozialstruktur als im Klassenverband in der 11.

    Wenn sie Bock auf andere Leute haben können sie die Schule wechseln, eventuell auch zu einem OSZ, dort ist es sicher noch mal anonymer und halt andere Gesichter, das kann schon helfen vielleicht?

  • Hey Ihr,

    danke für die Meinungen und Perspektiven.
    Geld: Sie geht/gehen jetzt schon aufne Waldorf-Schule und das kostet ehrlich gesagt sogar mehr Geld. ;)
    Oberstufe: Richtig, die fängt jetzt an.
    Bundesland: Hamburg

    Das mit dem Kurssystem ist dann auch so relativ dort, weil ihre Schule nur einzügig ist. Daher keine neuen Leute. Und viele ihrer best-Buddys gehen jetzt scheinbar ab.

    Schule wechseln will sie aber auf keinen Fall (so sind sie die...).

    Wir diskutieren mal ein bisschen weiter, hier zuhause.

    Liebe Grüße!

  • D.h., Waldorf-Abi nach der 12. Klasse und dann noch ein Jahr Vorbereitung auf die externe Prüfung für das staatliche Abi?