Eigeninitiative, Motivation, Hilfsbereitschaft -kommen Eure Kinder auch oft nicht "aus'm Quark*

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  • Liebe Raben,


    ich brauche mal ein Stimmungsbild und ein paar Erfahrungswerte, weil ich mich gerade frage, ob ich alles zur Zeit etwas zu eng und kritisch sehe und die Vergangenheit vielleicht ein wenig idealisiere und das alles (heutzutage?) normal ist, Pubertät gar, mit 12 -17'ist man da ja prädetiniert, oder ob ich mir etwas überlegen muss, wie die Kinder etwas weniger lätschert sind.😉

    Die Kinder, insbesondere die Jüngeren, würden von sich aus ziemlich viel zu Hause sein und nicht rausgehen. Sie haben zwar alle jeweils einen Sport, den sie machen, an den restlichen Tagen gehen sie aber nur raus, weil sie wissen dass ich das möchte, mal mehr mal weniger gern. In der Schule gehen sie in den Pausen und Freistunden eigentlich immer raus und spielen Fußball oder Tischtennis. Wenn hier jemand klingelt und fragt, ob sie mitkommen irgendwohin sind sie sofort mit dabei, das passiert aber je älter sie werden umso seltener.

    Ich durfte mir vom Mittelkind schon Vorträge anhören, dass das heutzutage nicht mehr so sei, dass die Kinder so viel rausgingen oder irgendwie draußen herumststromerten und wenn man seiner Argumentation folgt geht eigentlich niemand raus, trifft sich niemand, macht niemand was von selbst und alle spielen nur videospiele oder schauen YouTube-Videos, außerdem muss selbstverständlich niemand im Haushalt helfen.:P

    Medienkonsum ist hier inzwischen mehr Thema als ich es eigentlich gern hätte manchmal frage ich mich schon welches Ausmaß normal ist, letztens habe ich eine Studie gesehen nach der Jugendliche im Schnitt sechs bis zwölf Stunden am Tag Medien nutzen und dass sich das massiv erhöht hat.

    Es kommt ja auch immer drauf an in welcher Form man Medien nutzt man kann ja sehr produktive Dinge mit Medien tun sich sehr viel Wissen aneignen, sehr kreativ Dinge gestalten und erstellen, man kann aber natürlich auch rein passiv konsumieren und auch da kommt es immer sehr darauf an, was.

    Das Mittelkind interessiert sich tatsächlich sehr für Videospiele und träumt davon, Profi Gamer zu werden. Hat eines von euren Kindern auch solche Ambitionen? Ich bin nicht gegen Videospiele generell, aber für eine ausgewogene Interessenverteilung.

    Ich glaube das Mittelkind würde sich schon auch gerne für Playdates verabreden, ist aber einerseits absolut schüchtern und würde sich das überhaupt nicht trauen, selbst zu fragen, andererseits sagt es auch ganz klar, dass die anderen nicht rausgehen oder sich treffen angeblich.


    Sie verabreden sich aber zum gemeinsamen Videospielen und da ich nicht möchte, dass das Mittelkind außen vor ist lasse ich deutlich mehr Spielzeit zu als ich eigentlich gern würde.


    Das jüngste Kind trifft sich ab und zu mal, ist aber mit Schule und einer kurzen Mittagsbetreuung gefühlt schon immer bedient, nicht vom Anspruch her, sondern sozial,da es generell sehr viel Ruhe und Zeit für sich braucht, seit einiger Zeit macht es sogar viermal die Woche Sport, und da bleiben dann auch gar nicht so viele Möglichkeiten. Wenn aber die Zeiten frei sind, Ferien und Wochenende oder das Training ausfällt, ist nichts angesagt.


    Insgesamt fällt mir so eine gewisse Lethargie auf bei Eigeninitiative, bei der Erfindung von Ideen , möglichen Tätigkeiten dem Suchen von Hobbys, ich kann mich nicht erinnern, dass ich so gewesen wäre als Kind, wobei vergleichen natürlich immer problematisch ist. Irgendwie mache ich mir halt ein wenig Sorgen und frage mich, ob das vielleicht einfach der Geist der Zeit ist :( vielleicht ist es aber auch einfach Genügsamkeit, es reicht ihnen oft einfach draußen auf einer Liege in der Sonne zu liegen, ein Buch zu lesen Musik zu hören oder ein Hörspiel zu hören das könnten sie stundenlang tun.

    Ich als Kind war z.b natürlich nicht immer aber oft doch sehr intrinsisch motiviert ich wollte die Sachen verstehen ich wollte es können und wenn ich es nicht konnte, wollte ich es lernen, ich war immer recht hilfsbereit und wenn ich gesehen habe, dass jemand was getan hat, habe ich ihm geholfen. Das fehlt mir heutzutage ein wenig.

    Ich habe eine zeitlang in einer Schule gearbeitet und dort über die Jahre auch miterlebt, dass sich vieles geändert hat, was Anstrengungsbereitschaft anbelangt.

    Ich kenne ganze Klassen, die keine Abschlussfahrten, Abschlussfeiern, Abschlussgags, Abschlusstanzkurse gemacht haben, nicht deswegen, weil sie nicht wollten, sondern weil sie einfach nicht die Initiative hatten etwas zu organisieren.

    Meine Kinder sind teilweise auch so, manche Dinge würden sie schon machen, aber man müsste sie quasi anschieben und es für sie organisieren.

    Auch beim Helfen ist es jetzt nicht so, dass sie von selbst das Bedürfnis hätten, sich um die Haustiere zu kümmern, etwas rund um Haus und Garten zu machen, wovon ich jetzt zumidest letzteres ehrlich gesagt relativ normal finde, in meinem Umfeld höre ich aber auch kritische Stimmen darüber. Aber auch wenn jemand etwas tut, also die Garage aufräumt, im Garten werkelt, in der Küche werkelt würde ich mir ein bisschen eigenes Bedürfnis wünschen zu helfen. Gerade wenn jemand unter Druck ist und im Stress noch sehr viel zu tun hat und sie daneben bestehen und etwas erzählen aber nicht mithelfen. Man könnte ja auch mithelfen die Spülmaschine einzuräumen und dabei erzählen. Wie ist das denn bei Euch?

    Ich habe im Bekanntenkreis auch schon von Kindern gehört, die die Bügelwäsche für die ganze Familie erledigen oder eigeninitiativ die Garage aufräumen, weiß aber nicht ob das nicht nur die goldenen Momente sind.

    Das klingt jetzt relativ negativ, so ist es gar nicht gemeint, die Kinder haben viele wundervolle Eigenschaften, außerdem sind sie sehr sensibel und ich habe oft das Gefühl, dass sie viel mit such selbstbeschäftigt sind weil sie generell viel Ruhe brauchen. Das per se finde ich auch nicht schlimm. Aber natürlich hinterfrage ich mich kritisch, ob das einfach die Tendenz allgemein so ist oder ob man etwas ändern sollte, um ihnen am Ende einen guten Start in das Leben zu ermöglichen im Sinne von Initiative, Verantwortungsübernahme, Reflexion Selbstbewusstsein und growth mindset usw.


    Vielen Dank für Eure Meinungen

    "Es ist nur ein Phase, es geht vorbei, es ist nur eine Phase..." :)

  • Meine Teeniejungen - fast 14 - haben nicht wirklich Bock sich mit Freunden zu treffen oder rauszugehen. Sie finden das einfach überflüssig. Sie sind per Internet mit ihren Freunden vernetzt, spielen und chatten online. Sich im RL zu treffen, gibt für sie - mein Eindruck- keinen Mehrwert.

    Sie sind damit glücklich und zufrieden. Wir hatten deswegen oft Stress. Jetzt nicht mehr. Ich lass sie, solange sie ihre Pflichten erledigen. Das tun sie und damit ist das für mich gut so.

  • Oh, das sind aber viele Themen. Faulheit und mangelnde Selbstinitiative find ich recht normal.

    Medienkonsum - da sehe ich Eltern absolut in der Verantwortung, das nicht in ein ungesundes Maß ausufern zu lassen. Wer außer der Eltern soll das machen?

    Bügelwäsche machen und automatische Hilfsbereitschaft - ist glaub ich eher die totale Ausnahme.

    Es geht dir doch sicher um Bedürfnisorientierung? Ich denke Kinder haben ein Bedürfnis nach Erwachsenen, die in ihrem Sinne positiv agieren. Das kann auch heißen sie aus der Comfortzone zu bugsieren. Nicht jedes Wollen ist ein Bedürfnis. Dass sie da nicht von sich aus rausgehen find ich aber auch normal.

  • Also meine Kinder erledigen jetzt nicht voll Begeisterung und aus Eigeninitiative Haushaltspflichten aber sie tun es, wenn ich frage (meistens). Für grössere Sachen (Rasen mähen, der Oma den Receiver installieren, Auto Innenreinigung, mein Handy synchronisieren etc.) gebe ich Ihnen Geld, so dass sie ihr Taschengeld aufbessern können.

  • Also, ehrlich gesagt, ich finde es gibt Pflichten. Und wenn man die erledigt hat, ist chillen und abhängen total ok. Das mache ich als Erwachsene auch nicht anders. Ich liege auch öfter auf dem Sofa in meiner Freizeit als tolle neue Projekte anzugehen oder neue Sprachen zu lernen oder irgendwas anderes sinnvolles.

  • Ich erkenne mich (und meine Kinder) in vielen deiner Schilderungen wieder.

    Insbesondere auch in dem "die Kinder gehen so wenig raus/machen so wenig mit anderen" und der Sorge darum, ob ihnen dadurch nicht ganz schön viel an potenziellen Erlebnissen durch die Lappen geht.

    Auch (?) hier hat das erst mit Computerstart angefangen (oder eigentlich etwas später, anfangs hatte der Computer noch nicht sooo die Bedeutung).

    Insbesondere wegen der Gesundheit gab es dann hier die Regel: Großzügige Medienzeit gibt es nur, wenn sie 1-2x/Woche zum Sport gehen. Sie haben einige Sportarten durchprobiert, eine zeitlang haben wir gemeinsam als Familie denselben Sport gemacht. So richtig verfangen hat davon aber nichts. Beide sind aber im Prinzip recht sportlich und können das leicht reaktivieren, wenn z. B. Wanderungen anstehen.

    Hinsichtlich Hobbies, die nichts mit Computer zu tun haben, ist T noch deutlich aktiver als Q. T hat beispielsweise mit 12 den Fischereischein gemacht, seit letztem Jahr hat er Bienen, er hat eine Freundin, mit der er Dinge unternimmt, einen Job neben dem Studium, usw.

    Q hat zwar ein paar gute Freunde, und auch ein paar Online-Freund*innen, mit denen er sich gelegentlich trifft, z. B. wenn wir Weihnachten in der Heimat von uns Eltern sind, denn zwei davon kommen von dort. Aber allgemein steht er nicht so auf viele Leute. Beispielsweise kommt er auch nicht mit zum ACDC-Konzert, obwohl er die Musik mag und T mitkommt, weil er so viele Leute auf einen Haufen dafür nicht in Kauf nehmen will. Vor über einem Jahr hat er begonnen, ein Buch zu schreiben, so dass er nicht mehr nur spielt.

    Meine Einstellung zum Computerspielen hat sich in den letzten Jahren geändert. Früher war das eher so: "Naja, kann man mal machen, aber bei *richtigen* Hobbies macht man was, am besten draußen und/oder mit anderen zusammen im RL". Inzwischen denke ich: Auch Computerspielen ist ein richtiges Hobby, und ich möchte mir nicht mehr anmaßen, zu bewerten, was meinen Kindern Spaß machen soll (wobei nur das in die "gute" Kategorie fällt, was mir auch Spaß macht). Und soweit ich das sehen kann, haben sie auch dabei intensive Erlebnisse (erst recht, wenn man die akustische Kulisse als Maßstab nimmt...).

    Ich bin mir trotzdem nicht zu schade, meine Kinder dazu zu nötigen, mit mir in den Wald zu gehen oder Brettspiele zu spielen. Aber nur, weil es mir Spaß macht, das mit ihnen zu machen, nicht weil ich ihre Hobbys Scheiße finde.

    Neulich war lustig: Q war übers Wochenende allein zu Hause. Ich habe ihn gefragt, was er gemacht hat, und er meinte: "Nichts". Ich sagte, dass ich ihm das nicht glaube, und dann kam, dass er ein neues Computerspiel ausprobiert hat, mit sehr ausführlicher Schilderung, was bei diesem Spiel anders ist als bei anderen, welche Aspekte besonders gut waren, was genervt hat, usw. War interessant.

    Youtuber oder Spieletester wollten beide so bis etwa 12/14 werden. T hat sich dann etwas realistischeres rausgesucht (er studiert Informatik ;)), Q ist noch am sich-orientieren.

    Das mit der Mitarbeit in Haus und Garten läuft hier für mich OK. Beide machen auf Zuruf das, worum man sie bittet, ohne Gemecker oder Gestöhne, und in den letzten Jahren sogar ohne: "Aber ich habe doch heute schon XY gemacht, und T/Q hat heute noch gar nichts gemacht".

    Was aber praktisch gar nicht funktioniert: Von selber drauf kommen. Q räumt praktisch *immer* die Spülmaschine aus. Dass er die fertig gespülte Spülmaschine sieht und spontan ausräumt kam bisher genau 1x vor (und zwar gestern).

    Ach, doch: Kochen tun beide ziemlich oft (und dann natürlich ggf. gleich für alle).

    Das nicht freudestrahlend aus eigenem Antrieb mitarbeiten ist - zumindest aus meiner Erfahrung heraus (vielleicht haben sie das geerbt?) - nicht typisch für die heutige Zeit, das war bei meinen Schwestern und mir schon so. Besonders beliebt war bei uns das Trödeln/doof Anstellen, bis unsere Mutter sagte: "Lass' mal, da mache ich das lieber selber" #pfeif.

    Was bei T und Q auch sehr schlecht funktioniert hat: Sie spontan bitten, etwas genau *jetzt* zu machen. Da kam nämlich meistens "bin gerade in 'ner Runde". Seitdem schicken wir Arbeitsaufträge per WhatsApp raus, und dann werden die bei der nächsten Gelegenheit erledigt, das klappt gut. Wenn klar ist, dass sie z. B. in einer halben Stunde gebraucht werden (z. B. fürs Tischdecken) gibt es eine Vorwarnung.

    Wenn du magst, kannst du auch in den "Wer pubertiert mit uns" (oder so ähnlich) Thread reinschauen, da gibt es einen bunten Strauß an Erfahrungen :D

    Liebe Grüße

    Sabine mit T. 10/02 und Q. 11/05

  • Ich glaube das Mittelkind würde sich schon auch gerne für Playdates verabreden...

    ... Sie verabreden sich aber zum gemeinsamen Videospielen und da ich nicht möchte, dass das Mittelkind außen vor ist lasse ich deutlich mehr Spielzeit zu als ich eigentlich gern würde.

    Das heißt doch, dass Mittelkind oft Playdates hat! Mittelkind und seine Freunde spielen nur nicht das, was du willst.

  • Ich bin mir trotzdem nicht zu schade, meine Kinder dazu zu nötigen, mit mir in den Wald zu gehen oder Brettspiele zu spielen. Aber nur, weil es mir Spaß macht, das mit ihnen zu machen, nicht weil ich ihre Hobbys Scheiße finde.

    Ich feiere gerade Dein o.g. Zitat.

    Hier spielen die Kinder auch mit mir Brettspiele oder gehen spazieren, um MIR eine Freude zu machen. Ich finde das ja richtig süss aber komme mir auch vor wie eine Oma, wenn die Enkel zu Besuch sind und Oma eine Freude machen wollen #zwinker Also richtig altmodisch mit meinen Bedürfnissen.

  • Aussage meines Kindes, inzwischen 16, dazu dass wir irgendwann mit 12 ihm sein Zocken(auch immer ganz viel mit Freunden getroffen und nebeneinander gezockt) sehr eingeschränkt haben ist, dass er sich noch wie heute an die verrückten Aktionen mit seinem Kumpel draußen erinnern kann mit Einkausfwagen herumfahren und ähnliches, aber ob er irgendeine Fortnite Runnde damals gut gespielt hat weiß er noch nicht mal mehr, komplett unwichtig. Er findet es tatsächlich richtig, dass wir interveniert haben, hatte aber auch wirklich sehr eindeutiges Suchtverhalten gezeigt.

    Ich glaube euch, dass es für eure Kinder eine gute Beschäftigung ist, aber es gibt auch die anderen.

  • Meine Teeniejungen - fast 14 - haben nicht wirklich Bock sich mit Freunden zu treffen oder rauszugehen. Sie finden das einfach überflüssig. Sie sind per Internet mit ihren Freunden vernetzt, spielen und chatten online. Sich im RL zu treffen, gibt für sie - mein Eindruck- keinen Mehrwert.

    Sie sind damit glücklich und zufrieden. Wir hatten deswegen oft Stress. Jetzt nicht mehr. Ich lass sie, solange sie ihre Pflichten erledigen. Das tun sie und damit ist das für mich gut so.

    Das trifft es tatsächlich, sie sehen darin keinen Mehrwert. Mein Eindruck war eben auch, dass sie damit nicht so allein sind und trotzdem ebenfalls, dass, wenn sie sich nur oder größtenteils darauf fixieren und gegen das Reallife entscheiden ihnen viel durch die Lappen geht und eben vor allem Dinge, die hängen bleiben. Da geht es gar nicht zwingend darum, dass das Spielen nicht auch EINES ihrer Hobbies sein dürfte oder nicht nach meinem Geschmack ist. Mir geht es eher um die Einseitigkeit und die Oportunitätakosten. Und ganz allgemein um die Opfer- und Anstrengungsbereitschaft. Auf etwas hinarbeiten. Warten..sich anstrengen.

    "Es ist nur ein Phase, es geht vorbei, es ist nur eine Phase..." :)

  • Die Bereitschaft etwas schwieriges oder anstrengendes oder auch nur was, was ein bisschen dauert, zu machen, geht hier gegen null. Treibt mich in den Wahnsinn..

    Der Gamer spielt ja nicht mal ein Videospiel komplett durch, weil man irgendwann halt ein Level 20 mal wiederholen müsste..

  • Nun, sie werden es schon lernen. Mein einer Sohn will eine Ausbildung machen. Das ist in 2 Jahren.

    Der Andere ist auf dem Gymnasium und will Abi machen und das kriegen die auch nicht geschenkt. Er muss viel dafür tun.

    Dann dürfen sie wenigstens in der Freizeit tun, was sie wollen.

    Es ist eine andere Generation. Sie sind digital natives. Ihre Zukunft wird eine Andere sein. Eine Welt, die wir uns heute noch nicht vorstellen können und die wir teilweise nicht erleben werden. Sie haben ein Recht, ihren eigenen Weg zu gehen.

  • Aussage meines Kindes, inzwischen 16, dazu dass wir irgendwann mit 12 ihm sein Zocken(auch immer ganz viel mit Freunden getroffen und nebeneinander gezockt) sehr eingeschränkt haben ist, dass er sich noch wie heute an die verrückten Aktionen mit seinem Kumpel draußen erinnern kann mit Einkausfwagen herumfahren und ähnliches, aber ob er irgendeine Fortnite Runnde damals gut gespielt hat weiß er noch nicht mal mehr, komplett unwichtig. Er findet es tatsächlich richtig, dass wir interveniert haben, hatte aber auch wirklich sehr eindeutiges Suchtverhalten gezeigt.

    Ich glaube euch, dass es für eure Kinder eine gute Beschäftigung ist, aber es gibt auch die anderen.

    Das finde ich einen so wichtigen Hinweis!

    Zocken ist (falls freigegeben), bis zu 8 Stunden am Tag auf einem Stuhl sitzen, nur die Hand und die Augen bewegen, und im besten Fall dabei noch mit Freunden im Chat gegenseitig anfeuern.

    Danach kriechen sie halbblind aus ihrem Zimmer, haben Rückenschmerzen, schlafen schlecht und sind aufgekratzt/schlecht gelaunt. - Tolles Hobby. Freie Tage gehen ohne irgendein nachhaltiges Erlebnis vorbei - außer "habe gezockt, wie es gelaufen ist, weiss ich nicht mehr".

    Solange ich es irgendwie schaffe, das Zocken einzuschränken, tue ich das. Jeder Ausflug, jede Sportaktivität, jede halbe Stunde, die außerhalb der digitalen Welt verbracht werden, sind superwichtig.

    Mein 15 Jähriger weiss, wenn Grundsätzliches in der analogen Welt nicht mehr klappt (zum Essen runterkommen, Haushaltspflichten, regelmäßige Teilnahme am selbstgewählten Sporttraining, Kümmern um den eigenen, heiß gewünschten Hund), dann wird der Stecker gezogen. Normalerweise ist das alles kein Thema, und solange es in diesem Rahmen gut klappt, hat er ziemlich viel freie Zeit zu verzocken, und er findet es in Ordnung, dass wir da Hilfestellung geben (ich respektiere es, wenn ein Bosskampf noch 5 Minuten dauert usw., und ich rufe ihn immer freundlich runter, wenn der Hund seine Gassi-Runde braucht.....).

    Aber niemals werde ich akzeptieren, dass Games und soziale Medien die gleiche Bedeutung wie die reale Welt und der direkte Kontakt mit Menschen haben dürfen.

  • Kunderella ich teile dein Befremden und deine Sorgen tatsächlich auch.

    Gleichzeitig bin ich mir bewusst, dass der Unterschied zwischen meiner Kindheit und Jugend und die meiner Kinder, im Prinzip genausogroß ist, wie zwischen der Kindheit und Jugend meiner Nachkriegs-Generation-Eltern und mir.

    Für mich ist es wirklich nicht normal, soviel Zeit zum "chillen" zu benötigen, so wenig selbst zu organisieren und auf die Beine zu stellen, soviel über die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu wissen - dabei aber so wenig aktiv zu werden, dafür einzustehen, sondern zu erwarten, dass das andere übernehmen. - andererseits ist das ja insgesamt ein Trend nicht nur bei der jungen Generation: Wieviele Energie bringen wir dafür auf, über Missstände zu klagen, und wie wenig wird daraus konkretes Anpacken? - Dafür sind wir dann alle zu erschöpft.

  • Das war meiner Meinung nach früher nicht anders oder besser.

    Ich sass als Teenie stundenlang auf dem Zimmer und habe gelesen, MTV geguckt oder Musik gehört, die Welt gehasst, habe mich von Erwachsenen nicht verstanden gefühlt, fand Eltern und Schule ätzend. War der Meinung alle Älteren kapieren nix und sind eh uncool.

    Und das war damals ziemlich normales Teenie-verhalten.

    Ich finde dagegen meine Kinder, ihre Muffeligkeit und ihre Zockerei noch recht human. Immerhin laufen sie nicht mit seltsamen Klamotten und gefärbten Haaren durchs Leben wie ich früher.

  • Ich war als Teenie auch so. Viel zurückgezogen, alles unwichtig gefunden außer meiner Bücher und Musik, und wenn ich mich mit Freunden getroffen habe, haben wir geklaut, geraucht und getrunken. Nichts was ich für meine Kinder wünschen würde.

    "Unser wahres Zuhause ist der gegenwärtige Augenblick. Wenn wir wirklich
    im gegenwärtigen Augenblick leben, verschwinden unsere Sorgen und Nöte
    und wir entdecken das Leben mit all seinen Wundern." Thich Nhat Hanh

  • Und was war das früher eine Miesepeter-Stimmung. Ich sag mal "saurer Regen" "3. Weltkrieg" "Kalter Krieg" und die Texte der Grungemusik sind auch nicht gerade froh und heiter #zwinker#freu

    Falls jemand den Song raten mag:

    Alles, was ich sagen kann, ist, dass mein Leben so langweilig ist, dass ich gerne zuschaue, wie sich die Pfützen mit Regen füllen.

    Alles, was ich machen kann, ist ein Buch lesen. Das zerreißt mich zwar innerlich aber immerhin bin ich abgelenkt.

    So voller Elan war meine Jugend.

  • Es hängt doch extrem von den Umständen ab: von den Wohnbedingungen, den Kindern im Umfeld, den Interessen der Kinder, den Angeboten, Unterstützungsmöglichkeiten etc.

    Meine Mädchen sind definitiv viel mehr draußen, als ich es als Kind war.

    Ich hatte ein Drinnen-Hobby, habe mitten in der Innenstadt gelebt, habe viel gelesen, mich für Computer interessiert und war selten mit Freunden "an der frischen Luft" unterwegs.

    Meine Töchter haben ein Outdoor-Hobby, wo sie bei jedem Wetter draußen trainieren und im Sommerhalbjahr damit auch die Wochenenden draußen verbringen. Wir haben hier zu Hause einen grünen Innenhof und Parks in der Nähe. Dazu Kinder im Haus, mit denen sich zumindest die Kleine gerne draußen trifft und spielt. Jetzt gibt es da z.B. auch eine Tischtennisplatte, die attraktiv für die Kinder ist.

    Für Lesen ist da wenig Zeit, Computer und Fernsehen interessieren sie auch nicht besonders. Klar, sie nutzen ihre Handys recht viel, aber am Ende bleibt dafür gar nicht so viel Zeit. Ich lese ihnen, wenn wir Zeit haben, auch immer noch gerne abends vor. Ja, auch die 16-jährige genießt diese gemeinsame Zeit.

    Sie spielen total gerne Gesellschaftsspiele, auch mit Freunden und es sind eher wir Eltern, die dann öfter keine Lust dazu haben.

    Gerrade am Wochenende waren wir in einer Gruppe von 12 Personen unterwegs und irgendwie kamen wir nach dem Abendbrot auf das Thema "Stille Post". Da hatten wir echt alle viel Spaß dran und auch alle Kinder haben in der Zeit überhaupt nicht an ihre Handys gedacht.

    Für Mithilfe im Haushalt bleibt leider oft wenig Zeit, aber sie tun das, was nötig ist (z.B. Mittagessen kochen, Zimmer in Ordnung halten, ihr Bad sauber machen).

    Mein Großer ist da anders. Er hängt schon viel an Geräten, hat ein Indoor-Hobby und für ihn ist Gamen auch viel Socializing. Aber es ist schon faszinierend, dass auch er immer mehr wieder aus seiner Höhle rauskommt und rausgeht, sowohl mit Freunden, als auch mit seiner Freundin.

  • Aber niemals werde ich akzeptieren, dass Games und soziale Medien die gleiche Bedeutung wie die reale Welt und der direkte Kontakt mit Menschen haben dürfen.

    oh ja.

    da finde ich "ist halt eine andere zeit" auch absolut kein gutes Argument.

    Auch verhindert ein solcher Satz, dass man sich auf der gesellschaftlichen ebene auch mal Gedanken macht.

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12

    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.

    #rose 49,7

  • Ich kenne von beiden Kindern diese "Verpuppungsphase" auch total gut. Eben, dass sie sehr viel drin hängen und kaum Geselligkeit suchen (von Schule und Sport und Internet-Kontakten mal abgesehen). Ich war auch so in der Teenie-Zeit.

    Und irgendwann ist diese Verpuppungsphase zu Ende und sie beginnen, auf Parties zu gehen, haben viele Freunde und sind völlig neugierig und offen anderen gegenüber, quasi völlig andere Menschen, wunderschöne Schmetterlinge, die rausfliegen in die große, weite Welt.

    LG,
    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe