Sammlung inspirierender Frauen

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  • Angelic Phoebe Molen (geboren 1991), erste griechisch-orthodoxe Diakonin der Neuzeit.

    Am 2. Mai 2024 (dem orthodoxen Gründonnerstag voriges Jahr) ist Angelic Molen in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe, durch den Metropoliten Erzbischof Serafim zur Diakonin geweiht worden. Ihr Weihename lautet Phoebe, nach dem Vorbild der Diakonin Phoebe aus dem Neuen Testament. Die sakramentale Weihe erfolgte nach dem gleichen Ritus wie bei einem männlichen Diakon und Angelic Molen trug die gleiche liturgische Kleidung wie ein männlicher Diakon und wurde ausdrücklich mit den gleichen pastoralen und liturgischen Aufgaben betraut. Zwei Tage nach der Weihe beförderte Serafim sie außerdem zur Erzdiakonin.

    Bemerkenswert ist, dass Angelic Molen zum Zeitpunkt der Weihe eine verheiratete Mutter von zwei Kindern und erst 33 Jahre alt war. In der Orthodoxie gibt es eine lange Tradition von Diakoninnen, auch wenn seit dem Mittelalter fast keine Frauen mehr geweiht wurden (außer in der armenischen Kirche, dort gab es bis zum Genozid 1915/16 durchgehend Diakoninnen). Allerdings galt bisher die Regel, dass Frauen bei der Weihe mindestens 40 Jahre alt sein müssen, während für Männer ein Mindestalter von 30 Jahren gilt. Außerdem waren Diakoninnen im Unterschied zu Diakonen üblicherweise unverheiratet und meistens Ordensschwestern. Es ist auch umstritten, ob die früheren Diakoninnen tatsächlich mit den gleichen Aufgaben betraut waren wie ihre männlichen Kollegen und ob ihre Weihe sakramentalen Charakter hatte. In allen diesen Punkten hat Metropolit Serafim nun Fakten geschaffen.

    Angelic Molen kam im Alter von 11 Jahren durch eine Freundin in Kontakt mit der griechisch-orthodoxen Kirche und überzeugte daraufhin ihre ganze Familie davon, zum orthodoxen Glauben zu konvertieren. Seitdem hat sie sich vielfältig in ihrer Kirche engagiert, unter anderem in einer Kooperative für arme Familien und in einer Müttergruppe, die sie selbst gegründet hat. Außerdem gründete sie ökologische Initiativen. Sie ist Studentin der Geographie und der Umweltwissenschaften und berät seit ihrer Weihe orthodoxe Gemeinden vor allem in ökologischen Fragen.

    Orthodoxe Christen sind eine kleine Minderheit in Afrika, haben aber ihr eigenes, sehr altes Patriarchat (das von Alexandria), das sich bis auf den Evangelisten Markus zurückführt. Simbabwe ist besonders stark vom Klimawandel betroffen durch schwere Dürren.


    Netzwerk Afrika Deutschland e.V. - Patriarchat von Alexandria weiht erste Frau zur Diakonin


    Reflections on the Ordination of Deaconess Angelic
    Image Credit: St. Phoebe Center for the Deaconess On Holy Thursday, May 2, 2024, Angelic Molen (pronounced “angelic”) was ordained to the diaconate in Ha
    publicorthodoxy.org

    Das Leben ist schön. Von "einfach" war nie die Rede.

  • Grete Hermann (1901 - 1984), NS-Gegnerin, Philosophin, Mathematikerin, Physikerin, Pädagogin, Hochschulrektorin und Gewerkschafterin.

    Sie studierte Mathematik, Physik und Philosophie in Göttingen und Freiburg im Breisgau und wurde 1925 von der Mathematikerin Emmy Noether (siehe Schnucks Beitrag vom 27.3.) promoviert. Danach arbeitete sie als Privatassistentin des Philosophen Leonard Nelson.

    Als Physikerin arbeitete sie unter anderem mit Werner Heisenberg und Niels Bohr zusammen und leistete bedeutende Beiträge zur Quantenmechanik und Quantenfeldtheorie - die aber zum Teil erst 30 Jahre später anerkannt wurden, als männliche Kollegen begannen, ähnlich zu argumentieren wie sie.

    Zur Bekämpfung des Nationalsozialismus trat sie Anfang der 1930er-Jahre in die Redaktion der Tageszeitung „Der Funke“ ein, deren zentrales Anliegen es war, die Bildung einer Einheitsfront aller gegen den Nationalsozialismus eingestellten Kräfte zu unterstützen. Nach der Machtübernahme Hitlers hielt Grete Hermann philosophische Kurse ab, in denen über die verteidigenswerten politischen und ethischen Werte und den Sinn des Widerstandes gegen das NS-Regime diskutiert wurde. Im Herbst 1934 musste sie ins Exil gehen, zunächst nach Dänemark und dann nach England.

    1946 kehrte sie nach Deutschland zurück und leitete bis 1950 die im Aufbau befindliche Pädagogische Hochschule Bremen (die später in die Uni Bremen integriert wurde). Von 1950 - 1966 war sie stellvertretende Leiterin der Pädagogischen Hochschule, und Professorin für Philosophie und Physik.

    Außerdem war sie Leiterin der pädagogischen Hauptstelle der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und entwarf Richtlinien für die Zukunftsentwicklung des Schulwesens.


    Grete Hermann: Streit in der Quantenphysik
    Es ist die Zeit der großen Quantenphysiker: Einstein, Schrödinger, Bohr und Co. Und dazwischen eine Frau: Grete Hermann.
    www.spektrum.de


    Grete Hermann – Wikipedia

    Das Leben ist schön. Von "einfach" war nie die Rede.

  • Beau Greaves, Darts-Talent aus England

    Sie war 2023 und 2024 sowohl für die PDC-Weltmeisterschaft als auch für die Lakeside-WM der WDF qualifiziert gewesen. Die PDC hat die Regel aufgestellt, dass Teilnehmende der WDF-WM nicht an der PDC-WM teilnehmen dürfen. Greaves entschied sich in beiden Jahren gegen die weltweit bekannte PDC-WM und für die WDF-WM, die sie beide Male gewann.

    Führung in 3 Ranglisten: Diese Frau kann die Darts-Welt erobern!
    Beau Greaves sorgt mit ihren aktuellen Auftritten für mächtig Furore - und führt gleich drei Darts-Ranglisten an. Eine Frage bleibt: Spielt sie wieder eine…
    www.sport1.de

    Wenn man schon nicht die Fresse halten kann, dann einfach mal Ahnung haben!

    (Frl. Heiligenscheiß)

  • Edith Stein (1891 - 1942), Philosophin und Ordensschwester.

    Sie studierte Philosophie, Psychologie, Germanistik und Geschichte und promovierte 1916 "summa cum laude" in Philosophie, bei Edmund Husserl in Freiburg. Mit ihrer Arbeit leistete sie bedeutende Beiträge zur philosophischen Richtung der Phänomenologie. Trotzdem scheiterten alle ihre Versuche zu habilitieren. Ihre Habilitationsschrift wurde 4x abgelehnt: 2x in Freiburg, 1x in Göttingen und 1x in Breslau. Immer mit der Begründung, ihre Habilitation sei nicht möglich, weil sie eine Frau ist.

    Daher sah sie sich gezwungen, eine Stelle als Lehrerin anzunehmen. Daneben hielt sie Vorträge zur Frauenfrage.

    Edith Stein war das jüngste von 11 Kindern einer frommen orthodox-jüdischen Familie. Als junge Frau wandte sie sich zunächst vom Glauben ab und bezeichnete sich einige Jahre lang als Atheistin. Nachdem sie die Schriften der Heiligen Teresa von Ávila (siehe Beitrag vom 17. April) gelesen hatte, ließ sie sich 1922 katholisch taufen. 1933 trat sie in den Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen ein, das ist der Orden, den Teresa von Ávila gegründet hat.

    1934 wandte sie sich in einem Brief an Papst Pius XI. mit der Bitte, gegen den Nationalsozialismus deutlich Stellung zu beziehen. Es ist dokumentiert, dass Pius XI. den Brief erhalten hat. Da er aber das Konkordat mit dem NS-Regime nicht gefährden wollte, vermied er eine deutlichere Kritik. 1938 wurde Edith Stein wegen ihrer jüdischen Herkunft von ihrem Orden in ein niederländisches Kloster versetzt. Als die Niederlande 1940 von Deutschland besetzt wurden, bemühte Edith Stein sich um eine Einreisegenehmigung für die Schweiz, um in ein Kloster dort zu fliehen. Da sie diese Einreiseerlaubnis nicht bekam, wurde sie im August 1942 nach Auschwitz deportiert und starb unmittelbar in der Gaskammer.

    1998 sprach Johannes Paul II. sie heilig.


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    Edith Stein – Wikipedia
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    Das Leben ist schön. Von "einfach" war nie die Rede.

  • Fanny Bullock Workman (1859 - 1925), Geografin, Kartografin, Fahrradweltreisende, Reiseschriftstellerin, und die erste Bergsteigerin, die im 19. Jahrhundert Gipfel im Himalaya bestieg. Unter anderem gelang ihr mit 47 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann die Erstbesteigung des 6930 Meter hohen Pinnacle Peak. Sie setzte sich für eine funktionale Kleidung für weibliche Bergsteigerinnen ein und warb für das Frauenwahlrecht.

    Annie Smith Peck (1850 - 1935), Archäologin, Frauenrechtlerin, und Bergsteigerin in den Alpen und in den Anden. Im Alter von 57 Jahren war sie zusammen mit zwei Bergführern der erste Mensch auf dem Huascarán Norte (6664 m). Mit 61 Jahren war sie nochmals als Erstbesteigerin erfolgreich; sie erreichte den Gipfel des Coropunas (6425 m). Auf dem Gipfel angekommen präsentierte sie ein Banner mit der Aufschrift "Frauenwahlrecht".


    Annie Smith Peck – Wikipedia
    de.m.wikipedia.org


    Das Leben ist schön. Von "einfach" war nie die Rede.

  • Sophie Blanchard (1778 - 1819), Ballonfahrerin und Artistin.

    Mit 26 Jahren hatte sie einen Ballonfahrer geheiratet, der 5 Jahre später bei einem Absturz ums Leben kam. Er hinterließ ihr nichts als die Ballone. Verarmt und auf sich gestellt, begann sie selbst, gewerbsmäßig mit Kunststücken am Ballon aufzutreten: Unterhalb des Korbes hatte sie eine Schaukel befestigt, auf der sie saß und im Flug Kunststücke vorführte. Einmal überquerte sie den Taunus auf dieser Schaukel sitzend und zog sich dabei schwere Erfrierungen zu.

    Napoleon Bonaparte ernannte sie zur "Kaiserlichen Aeronautin". Sie trat sowohl bei seiner Hochzeit mit Marie-Louise von Östereich, als auch bei der Geburtsfeier seines Sohnes mit ihrem Ballon auf.

    Sie starb bei dem Versuch, von ihrem Ballon aus in 300 Metern Höhe über dem Vergnügungspark Tivoli in Paris ein Feuerwerk zu zünden - der Ballon fing Feuer und stürzte ab. Ihr zu Ehren sammelte die Bevölkerung von Paris Geld, um ihr ein Denkmal zu errichten, das heute noch in Paris zu sehen ist.

    Die Kunst und das Schicksal von Sophie Blanchard inspirierte Mozart, Jules Verne, Dostojewski und Charles Dickens.


    Sophie Blanchard: Tragische Ikone der Ballonfahrt
    Sophie Blanchard war die erste professionelle Ballonfahrerin, mit ihren spektakulären Shows in luftigen Höhen hat sie auch Napoleon Bonaparte begeistert. Vor…
    orf.at


    Sophie Blanchard – Wikipedia
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    Das Leben ist schön. Von "einfach" war nie die Rede.

  • Élise Deroche / "Baronin Raymonde de Laroche" (1882 - 1919) war 1910 die erste Frau der Welt, die einen Pilotenschein machte.

    Bessie Coleman (1892 - 1926) war 1921 die erste Afroamerikanerin mit Flugschein und 1922 die erste Frau der Welt mit internationalem Flugschein (noch vor Amelia Earhart!).

    Da keine Flugschule in den USA eine Schwarze als Schülerin aufnehmen wollte, besuchte Bessie Coleman Französisch-Kurse und ging dann für die Flugausbildung nach Frankreich. Mehrere Geldgeber aus der schwarzen Community hatten zu diesem Zweck für sie gesammelt. Nach ihrer Rückkehr in die USA war sie eine gefragte Interviewpartnerin und ihre Flugshows waren ein Publikumsmagnet. Sie sparte ihr Geld, um davon eine Flugschule für Schwarze zu gründen, denn nach wie vor gab es für Schwarze in den USA keine Möglichkeit, einen Flugschein zu erwerben. Bevor sie ihr Projekt verwirklichen konnte, starb sie bei einem Flugzeugabsturz.


    Élise Deroche – Wikipedia
    de.m.wikipedia.org


    Bessie Coleman – Wikipedia
    de.m.wikipedia.org

    Das Leben ist schön. Von "einfach" war nie die Rede.

  • Sabriye Tenberken. Sie ist als Kind erblindet und hat trotzdem die Welt bereist. In Tibet hat sie eine Schule für Blinde aufgebaut, dazu gibt es das Buch "Mein Weg führt nach Tibet". 2018 wurde die Schule von der chinesischen Regierung geschlossen, jetzt lebt Sabriye Tenberken in Indien und "aktiviert" weiter.

    Ein relativ aktueller Zeitungsartikel: https://ga.de/bonn/stadt-bon…en_aid-65673997

    die Website ihrer Organisation: https://kanthari.de/

  • Mae Jemison (geboren 1956), Ärztin, Ingenieurin, Entwicklungshelferin, Umweltwissenschaftlerin und Astronautin.

    1992 führte sie 8 Tage lang an Bord der Raumfähre Endeavour wissenschaftliche Experimente in der Schwerelosigkeit durch, und war damit die erste Afroamerikanerin im All.

    Als Kind hatte sie die Serie Star Trek geliebt und sich mit der Figur der "Uhura" identifiziert. So war sie auf die Idee gekommen, eine Laufbahn bei der NASA anzustreben. 1993 hatte sie einen Gastauftritt in einer Folge der Serie Star Trek - Next Generation. Sie engagiert sich auch in sozialen Projekten und in der Entwicklungshilfe.


    Ellen Ochoa (geboren 1958), Ingenieurin, Pilotin, Astronautin, und Managerin bei der NASA.

    1993 war sie die erste lateinamerikanische Frau im All. In den Jahren 1994, 1999 und 2002 folgten weitere Einsätze an Bord von Raumfähren und auf der ISS (sie arbeitete als Ingenieurin am Aufbau der ISS).

    Im Jahr 2007 wurde sie stellvertretende Leiterin des Raumfahrtzentrums Lyndon B. Johnson Space Center in Houston. Ab Ende 2012 bis Mai 2018 hatte sie als erste Frau die Leitung des Raumfahrtzentrums inne.


    Mae Jemison – Wikipedia
    de.m.wikipedia.org


    Ellen Ochoa – Wikipedia
    de.m.wikipedia.org

    Das Leben ist schön. Von "einfach" war nie die Rede.

  • Noch eine Frau, die hoch hinaus wollte:

    Junko Tabei (1939 - 2016) aus Japan war 1975 die erste Frau und der 36. Mensch auf dem Mount Everest. Außerdem war sie auch 1992 die erste Frau, die die höchsten Gipfel aller sieben Weltregionen (die Seven Summits) erreicht hat.

    Einige Männer in den japanischen Bergsteigerclubs weigerten sich damals, mit einer Frau in die Berge zu gehen (weil das für Frauen zu gefährlich sei, und weil Bergsteigen nicht der gesellschaftlichen Rolle von Frauen entspricht). Junko Tabei gründete deshalb den ersten Bergsteigerclub nur für Frauen. Sie hatte aber im Unterschied zu den Männern Schwierigkeiten, Sponsoren für ihre Expedition zu finden. Deshalb waren die Frauen gezwungen, an der Ausrüstung zu sparen. So mussten sie zum Beispiel ihre Schlafsäcke selbst nähen. Um Geld für Sauerstoffflaschen zu sparen, erlaubten sie sich Sauerstoff erst ab 7500 Metern Höhe (die Todeszone beginnt schon bei 7000 Metern).

    Damals erhielt pro Saison nur eine einzige Expedition die Erlaubnis, den Mount Everest zu besteigen. Deshalb war es großes Glück, dass Junko Tabei für ihre Frauenexpedition (14 japanische Frauen und 9 männliche Sherpas) die Genehmigung bekam. Zu dem Zeitpunkt war sie erst vor wenigen Monaten Mutter geworden.

    Im Unterschied zu ihren männlichen Vorgängern gab sie nach der Expedition unumwunden zu, dass sie es ohne die Hilfe der Sherpas nicht geschafft hätte. So war sie im Schlaf von einer Lawine verschüttet worden und 6 Minuten lang bewusstlos, bevor ein Sherpa sie mit bloßen Händen ausgrub. Danach dauerte es 2 Tage, bevor sie überhaupt wieder stehen konnte. Den Gipfel erreichte sie auf allen Vieren kriechend an der Seite eines Sherpas.

    Später kämpfte sie gegen die Vermüllung der Berge und gründete hierfür einen Fonds. Im Jahr 2000 wurde ein Asteroid nach ihr benannt: (6897) Tabei.


    FrauenGeschichte - Frauen schreiben Geschichte: Junko Tabei besteigt als erste Frau den Mount Everest | BR.de
    Die japanische Bergsteigerin Junko Tabei hat als erste Frau den Mount Everest am 16. Mai 1975 bestiegen - und dies nur mit Glück überlebt.
    www.ardalpha.de

    Das Leben ist schön. Von "einfach" war nie die Rede.

  • "Wenn mir einer sagt, ich könnte etwas nicht, dann tu' ich es erst recht" (Gertrude Ederle)

    Sie bezwang den Mount Everest der Schwimmer:

    Gertrude "Trudy" Ederle (1905 - 2003) war 1926 im Ater von 20 Jahren die erste Frau (und der sechste Mensch), die den Ärmelkanal durchschwamm. Dafür brauchte sie sogar 2 Stunden weniger Zeit als der bisherige männliche Rekordhalter - obwohl sie eine viel längere Strecke geschwommen war: Der Ärmelkanal ist an der schmalsten Stelle 34 Kilometer breit. Weil sie von der an diesem Tag stürmischen See mit 2 Meter hohen Wellen und starker Strömung von ihrem Kurs abgebracht wurde, schwamm sie aber am Ende ca. 56 Kilometer. Dafür benötigte sie 14 Stunden 32 Minuten.

    Ganz nebenbei erfand sie dabei auch den Bikini:

    Weil sie die damals üblichen einteiligen Badeanzüge als unbequem empfand, schneiderte sie sich extra für die Ärmelkanaldurchquerung kurzerhand selbst einen Zweiteiler. Leider versäumte sie es, sich diese damals "anstößige" Badebekleidung patentieren zu lassen - das tat dann 20 Jahre später ein Mann.

    Gertrude Ederle war seit einer Maserninfektion im Alter von 5 Jahren schwerhörig. Durch das Schwimmen verschlechterte sich ihr Gehör weiter. Spätestens mit 35 Jahren war sie vollständig ertaubt. Mit 28 Jahren verletzte sie sich bei einem Sturz die Wirbelsäule und war lange Zeit gelähmt. Mit unermüdlichem Training gelang es ihr jedoch bis zu ihrem 34. Lebensjahr, wieder laufen zu lernen, auch das Schwimmen gelang ihr später wieder.

    Nach ihrem Rekord wurde sie in den USA als Nationalheldin gefeiert - es gab in New York eine Konfettiparade für sie mit 2 Millionen Zuschauern. Reich wurde sie aber nie. Später arbeitete sie einige Jahre als Showschwimmerin im Varieté und die meiste Zeit ihres Lebens als Schwimmlehrerin für gehörlose Kinder.


    Gertrude Ederle und ihre Ärmelkanal-Durchquerung 1926
    Trudy Superstar! Am 6. August 1926 kraulte Gertrude Ederle durch den Ärmelkanal, schneller als je ein Mann zuvor. Doch den Ruhm musste sie teuer bezahlen - am…
    www.spiegel.de


    FrauenGeschichte - Frauen schreiben Geschichte: Gertrude Ederle bezwingt den Ärmelkanal | BR.de
    Gertrude Ederle ist die erste Frau, die den Ärmelkanal durchschwimmt. Die Amerikanerin ist dabei auch noch zwei Stunden schneller als jeder Mann zuvor!
    www.ardalpha.de

    Das Leben ist schön. Von "einfach" war nie die Rede.

  • "Ich habe nur meine Arbeit gemacht." (Jana Stobinsky)

    Die Sachbearbeiterin Jana Stobinsky (geboren 1981) vom Bundeszentralamt für Steuern in Bonn, sowie die Juristin Anne Brorhilker (geboren 1973), damals Oberstaatsanwältin bei der Staatsanwaltschaft Köln, haben fast im Alleingang den Cum-Ex-Skandal aufgedeckt.

    Die Finanzbeamtin Jana Stobinsky sammelte ab 2011 Indizien. Ab 2013 übernahm die Staatsanwältin Anne Brorhilker den Fall. Dabei setzten die beiden Frauen trotz massiver Drohungen und Einschüchterungsversuche ihre Arbeit fort.

    Am 14. Oktober 2014 ließ Anne Brorhilker mit großem Fahndungserfolg eine weltweite Razzia durchführen. Dabei wurden 130 Gebäude in 14 Ländern durchsucht. Im April 2024 beantragte sie wegen ihrer Zweifel am politischen Willen zur Aufklärung des Steuerskandals die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis. Seither ist sie Co-Geschäftsführerin der Bürgerbewegung Finanzwende.

    Der deutsche Staat wurde durch Cum-Ex nachweislich um mindestens 31,8 Milliarden Euro betrogen. Die fünf am stärksten betroffenen europäischen Länder zusammen verloren mehr als 62,9 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Die Bundesagentur für Arbeit teilt auf Anfrage mit, dass für 2022 der durch Bürgergeldbetrug/ Leistungsmissbrauch verursachte Vermögensschaden näherungsweise mit etwa 272,5 Millionen Euro benannt werden konnte.


    die story: Der Milliardenraub: Eine Staatsanwältin jagt die Steuer-Mafia - hier anschauen
    Als die Staatsanwältin Anne Brorhilker den ersten Fall auf den Schreibtisch bekommt, ahnt sie nicht, dass es sich um den größten Steuerraub der deutschen…
    www.ardmediathek.de


    Systemfehler: Der Cum-Ex Skandal
    Mit Cum-Ex verbindet man den wohl größten Steuerraub der Geschichte. Er blieb unentdeckt, bis einige mutige Menschen die Wahrheit ans Licht brachten.
    www.zdf.de


    Anne Brorhilker – Wikipedia
    de.m.wikipedia.org
    Ein Filter gegen Cum/Ex-Abflüsse
    Investoren wollen mit Klagen Druck gegen Steueramt ausüben
    www.das-parlament.de

    Das Leben ist schön. Von "einfach" war nie die Rede.

  • Danke Spinosa

    Frau Brorhilker wollte ich auch schon vorschlagen.

    Sie ist in der aktuellen Folge des Podcasts "Lage der Nation" im Interview, das ist wirklich extrem hörenswert! #super

    Wenn man schon nicht die Fresse halten kann, dann einfach mal Ahnung haben!

    (Frl. Heiligenscheiß)

  • Ja, Frau Brorhilker und die Steuerbeamtin Frau Stobinsky sind wirklich echte Heldinnen!

    Und im ZDF gibt es dazu eine 8-teilige Spielfilmserie, die zwar mit fiktiven Charakteren arbeitet, aber doch sehr nah dran ist an diesem größten Steuerbetrug in der deutschen Geschichte:

    Die Affäre Cum-Ex | deutsch-dänische Comedy-Dramaserie
    Die Cum-Ex-Deals sind der größte Steuerraub der europäischen Geschichte. Inspiriert von wahren Ereignissen wollen zwei Frauen dem ein Ende setzen.
    www.zdf.de

    Und eine Doku gibt es auch dazu (die habe ich aber noch nicht ganz gesehen):

    Systemfehler: Der Cum-Ex Skandal
    Mit Cum-Ex verbindet man den wohl größten Steuerraub der Geschichte. Er blieb unentdeckt, bis einige mutige Menschen die Wahrheit ans Licht brachten.
    www.zdf.de

    Sorry, für das leichte OT, aber gerade Frau Brorhilker hat es geschafft, diese diffuse und auch geheim gehaltene Geflecht dieser Geschäfte zu durchdringen. Da allein verdient schon eine besondere Erwähnung, finde ich.

    LG,
    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

  • Elisabeth Schwarzhaupt (1901 - 1986) war 1961 bis 1966 Bundesgesundheitsministerin und damit das erste weibliche Kabinettsmitglied einer deutschen Bundesregierung.

    1930 hatte sie in Jura promoviert und ab 1932 als beauftragte Richterin in Dortmund und Frankfurt am Main gearbeitet. Politisiert wurde sie schon davor durch die Lektüre von Mein Kampf von Adolf Hitler: Schockiert vom Frauenbild, das von den Nationalsozialisten propagiert wurde, begann sie öffentlich vor dem Nationalsozialismus zu warnen. So publizierte sie 1932 mehrere Schriften zum Thema "Die Stellung der Frau im Nationalsozialismus". Im März 1933 wurde sie als Richterin entlassen, weil nach einem Erlass des NS-Regimes Frauen nicht länger das Richteramt bekleiden durften.

    Ab 1953 war sie CDU Mitglied und ab 1957 stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU- Bundestagsfraktion.

    Ihre Ernennung zur Ministerin war 1961 gegen den Widerstand von Konrad Adenauer von den CDU-Frauen, angeführt von Helene Weber und Aenne Brauksiepe, durchgesetzt worden. Die Frauen waren nicht bereit, erneut ein Kabinett ohne weibliche Beteiligung hinzunehmen, und führten eine Sitzblockade vor dem Kabinettssaal im Bundeskanzleramt durch. Daraufhin wurde das neue Gesundheitsministerium überhaupt erst geschaffen.

    Während ihrer Amtszeit führte Elisabeth Schwarzhaupt einige wichtige Neuerungen ein, so zum Beispiel das Mindesthaltbarkeitsdatum und die Kennzeichnung von Fremdstoffen in Lebensmitteln. Auch Umweltfragen waren Teil des neugegründeten Ministeriums, und so wurden die ersten Umweltschutzverordnungen zur Reinhaltung des Wassers und der Luft unter Elisabeth Schwarzhaupt erlassen. Direkt in den Beginn ihrer Amtszeit fiel der Contergan-Skandal, aufgrund dessen sie eine Reform des Arzneimittelgesetzes durchsetzte.

    Nach Ende ihrer Amtszeit setzte sie sich ab 1967 als einfache Abgeordnete im Bundestag entschlossen für eine Reform des Unehelichenrechts ein, sodass die Position unehelicher Kinder weitgehend an die der ehelichen Kinder angepasst wurde.


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  • Annemarie Renger (1919 - 2008) von der SPD war 1972 die erste Bundestagspräsidentin und damit auch die weltweit (!) erste Präsidentin eines demokratisch gewählten Parlaments. Protokollarisch ist der:die Bundestagspräsident:in die Nr. 2 im deutschen Staat (nach dem Bundespräsidenten und noch vor dem Bundeskanzler).

    Sie war von 1953 bis 1990 ununterbrochen Mitglied des deutschen Bundestages. Zu ihrer Wahl zur Parlamentspräsidentin 1972 sagte Renger später: „Ich habe mich in der Fraktion selber für das Amt des Bundestagspräsidenten vorgeschlagen. Glauben Sie, man hätte mich sonst genommen?“ 1979 war sie auch die Kandidatin der SPD für die Wahl des Bundespräsidenten, unterlag aber Karl Carstens von der Union. Von 1985 bis zu ihrem Tod war sie Präsidentin des Arbeiter-Samariter-Bundes.


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    Annemarie Renger – Wikipedia
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    Das Leben ist schön. Von "einfach" war nie die Rede.

  • Marie Juchacz (1879 - 1956) war die erste Frau, die in der Weimarer Nationalversammlung eine Rede gehalten hat. Das war am 19. Februar 1919. Nach der Einführung des aktiven und passiven Wahlrechts für Frauen war sie im Januar 1919 eine von 37 Politikerinnen gewesen, die in die Nationalversammlung gewählt wurden. Sie war die einzige Frau, die dem Ausschuss angehörte, der die Weimarer Verfassung vom 14. August 1919 vorbereitete. Von 1920 bis 1933 war sie Mitglied des Reichstages. Danach musste sie ins Exil gehen.

    Marie Juchacz hatte mit 14 Jahren zunächst als Dienstmädchen, später als Fabrikarbeiterin, dann in der Krankenpflege, und dann als Schneiderin gearbeitet. 1908 war sie in die SPD eingetreten und ab 1913 dann war sie hauptberuflich Parteifunktionärin.

    1919 gründete Marie Juchacz die Arbeiterwohlfahrt (AWO), und leitete diese bis 1933. (Von den Nationalsozialisten wurde die AWO verboten und aufgelöst.) Nach der Neugründung 1946 war Marie Juchacz Ehrenvorsitzende. Die AWO ist bis heute einer der 6 Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege und hat ca. 210 000 Mitarbeiter.


    Wayback Machine


    Marie Juchacz – Wikipedia
    de.m.wikipedia.org

    Das Leben ist schön. Von "einfach" war nie die Rede.

  • Wurde die Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek schon genannt? Trotz ihrer Jugend hatte sie einen ganz starken inneren Kompass, der sie in den Widerstand hat gehen lassen und für den sie ihr Leben lassen musste:

    Merksatz für heute: Ich will nicht so hart zu mir sein und mich mit Wohlwollen anschauen.