Keine Lust auf Ausbildung - Ideen?

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  • Ja, das trifft es für mich auch sehr gut. Wobei ich den "Hotel" Gedanken schon ablehne, also ich fordere schon auch Unterstützung ein. Aber ich bin doch sehr darum bemüht, einen sicheren, unterstützenden Rahmen zu bieten und vermeide sicher aus dem Grund auch viele Konfrontationen. Zum Beispiel ist mir der Gedanke, zu Hause Geld abzugeben/Miete zu zahlen sehr fremd.

    Räubermutter mit Räubersohn (01/2006), Rumpelkind (06/2013) und Räuberhund (09/2011)


    “We don’t stop playing because we grow old; we grow old because we stop playing.” (G.B. Shaw)
    G.B. Shaw
  • Ich grübel die ganze Zeit schon nach und ja, die Sozialisierung trägt bestimmt dazu bei, wie man das Ganze betrachtet. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, wo jeder schon ziemlich früh seinen Teil betragen musste, sonst hätte es schlicht nicht funktioniert. Es war sicherlich nicht immer angenehm, aber keiner von uns 5 wäre auf die Idee gekommen, sich gross zu weigern (im Sinne von "ne, diese Woche wasche ich keine Wäsche", nicht im Sinne von "der Tisch wird eine Stunde später abgeräumt"), weil wir alle wussten, dass die zusätzliche Arbeit dann am Rest der Familie hängen bleibt. Wichtig an diesem Konzept war auch, dass sich jeder um bestimmte Bereiche gekümmert hat, ohne dass einer in der Familie dafür zuständig war, die Bereiche immer wieder neu zuzuweisen und permanent dran zu erinnern, dass dies und jenes gemacht werden soll.

    Mein Mann ist mit "Mama macht alles und die anderen helfen höchstens mal mit" aufgewachsen.

    Da sind dann Welten aufeinander geprallt und es hat lange gedauert, war ein hartes Stück Arbeit und wird immer noch je nach Belastung geändert, wer wie wofür zuständig ist. Im Moment versuche ich wieder, ihm mehr Verantwortung zuzuschieben, da ich mehr arbeite als früher und sich der Trend weiter in diese Richtung verschieben wird. Und bei den Kindern war es mir wichtig, dass sie eben nicht dieses "Mama macht das schon" übernehmen, weil ich das auf keinen Fall vorleben wollte. Never ever. Genau deswegen tu ich mich wohl echt schwer mit "erwachsenes Kind wohnt hier, jobbt ein bisschen und tut sonst nix", weil hier nun mal 4 Leute wohnen und wenn einer sich komplett rauszieht und zwar Dreck macht, aber nicht aufräumt, bleibt mehr an den anderen hängen, die ja deswegen nicht mehr Kapazitäten haben. Ich hab recht früh bestimmte Sachen ausgelagert - für die Wäsche ist jeder selbst zuständig, für das eigene Zimmer (im Fall von J. Ist es inzwischen ein Stockwerk mit Bad, mein Mann putzt sein Arbeitszimmer selbst) ebenfalls. Ich beziehe ihre Betten schon lange nicht mehr uswusf. Wer die Küche benutzt hat, bringt sie nachher in einen weiterhin benutzbaren Zustand und da werde ich sehr deutlich, wenn das nicht gemacht ist. Hatten wir gestern erst, ich kam um 17 Uhr heim, Küchenchaos. Eine halbe Stunde später war aufgeräumt, weil die Mädels von sich aus ein schlechtes Gewissen hatten, da sie ja genau wissen, dass es so nicht geht.

    Wer gerade frei hat (Ferien, Urlaub) kocht zumindest alle paar Tage mal für den arbeitenden Rest der Familie oder geht mal Unkraut zupfen oder was auch immer.

    Wir sind also definitiv kein Hotel mit Vollverpflegung und Zimmerservice, sondern eher eine WG und das nicht erst mit der Volljährigkeit/Schulabschluss. Dafür drücke ich in Klausurenphasen schon mal ein Auge zu, springe je nach sonstiger Belastung hier und dort ein, fahre die Kids bei Bedarf hierhin und dorthin, organisiere auf Wunsch Arzttermine und bringe das Lieblingsessen mit (wobei prinzipiell beide alle paar Wochen mal zum einkaufen mitkommen und ohne Einkaufsliste kann keiner damit rechnen, dass ich bzw. Mann an alles denken). Ich supporte also definitiv, fordere aber auch.

    Ich hab keine hohen Ansprüche an die Haushaltsführung, das hilft sicherlich auch. Und J. hat ADHS und noch paar chronische Sachen obendrauf, ich hab auch das ein oder andere, keine volle Belastbarkeit ist hier also prinzipiell gut bekannt.

    Würde jetzt jemand hier länger als paar Wochen max paar h am Tag arbeiten gehen und den Rest der Zeit chillen, Müll liegen lassen, den Kühlschrank leer essen und sich somit komplett aus dem Familienkonstrukt rausziehen, würde das hier sehr viel durcheinander bringen, weil dann eben Küchenchaos, wenn man gerade mal 30min Pause fürs Mittagessen hat und Sachen weggegessen sind, die eingeplant waren.

    Und unser Ziel ist definitiv, den Kids Selbstständigkeit beizubringen. Im Alltag, aber auch im Leben insgesamt. Und dazu gehört eigentlich schon auch eine Ausbildung und Zukunftspläne, doch, damit man in der Lage ist, selbst für sich zu sorgen. Einfach mal paar Jahre zuhause wohnen und sich treiben lassen - ich tu mich unheimlich schwer mit sowas. Wir versuchen schon, im machbaren Rahmen alles zu ermöglichen, incl. Führerschein usw. Aber wir müssen auch an unsere Altersvorsorge denken und werden nicht jünger. Braucht Kind 10 Jahre, um irgendwie auf einen grünen Zweig zu kommen, dann sind das Summen, die später woanders fehlen (und mit 2 Kids muss man eben auch beiden eine Ausbildung/Studium ermöglichen). Dafür werde ich hier niemanden aus dem Haus schmeißen, nur weil alt genug/ausgelernt, aber eben über eine angemessene finanzielle und sonstige Beteiligung an den Familienausgaben/aufgaben reden.

    Bisher funktioniert das Prinzip gut. Manchmal kracht es, manchmal müssen wir neu verhandeln, bleibt nicht aus. Mag sein, dass ich damit bei einem "ich mach da aber nicht mit" - Kind gegen die Wand fahren würde, keine Ahnung...

    LG H. mit J. (volljährig) und S. (Teenie)

  • Spannendes Thema, ich lese interessiert mit. Meine Kinder sind noch jünger, unmittelbar bin ich noch nicht betroffen. Ich merke allerdings jetzt schon, dass unsere beiden älteren (mit 11 und 13) relativ selbstständig sind im Vergleich zu Gleichaltrigen. So, wie asreileeth es beschrieben hat, wünsche ich es mir in ein paar Jahren auch.

    Räubermutter , warum ist dir der Gedanke, zuhause Geld abzugeben so fremd? Das Leben kostet nun einmal Geld... Klar, die Wohnkosten steigen nicht, wenn einer mehr da wohnt, aber Strom, Wasser und vor allem Lebensmittel machen ja schon eine Menge aus. Ich würde deshalb schon einen Anteil zum Lebensunterhalt haben wollen, auch deshalb, weil ich es falsch finde, wenn sich das "Kind" daran gewöhnt, dass sein ganzes Einkommen zur freien Verfügung steht. Ich hätte da Angst, dass sich an einen Lebensstandard gewöhnt wird, der alleine nicht zu halten ist. Die wenigstens Menschen haben einfach so mehrere 100 Euro oder mehr im Monat zur freien Verfügung.

    Aber am Ende ist wahrscheinlich jede Familie und vor allem auch jede junge Erwachsene so unterschiedlich, dass es da ganz bestimmt kein Pauschalrezept gibt...

  • Sie wären (und sind es tatsächlich) EIGENTLICH mit allem ausgestattet, was sie bräuchten, um auch ohne elterlichen Support zu überleben. Sie mussten und müssen es nur nicht. Wenn sie müssten, könnten sie's. Wenn sie sich in anderen Umständen befänden, würden sie sich anders bewegen im Sinne von, die Verantwortung für sich, ihre Situation, ihr Zukunft übernehmen.

    Danke für deinen ganzen Beitrag, Arnoli74 und insbesondere diesen Abschnitt!

    Wir steuern mit unserem 19Jährigen auch ein wenig in die Richtung, bzw schon sehr abgeschwächt - aber eben keine Berufsidee, großes Phlegma. Aber schon die Bereitschaft, hier mitzuhelfen, wenn auch mit großem Trägheitsmoment.

    Daher schaue ich natürlich seit Längerem, wie es in anderen Familien läuft. Ehrlich gesagt sehe ich diese langen Gammelphasen nur in Familien, die eben immer sehr viel auf den Wegen ihrer Kinder geglättet haben. Wo immer sehr viel Verständnis war, warum dieses und jenes gerade nicht geht.

    In Familien, wo z B wegen einer größeren Geschwisterzahl schon sehr früh aktive Mithilfe im Haushalt gefordert wurde oder wo das Kind sich aus zeitlichen Gründen früh selbständig ums eigene Hobby oder den Schulkram kümmern musste, habe ich diese Problematik mit dem Verhalten, in der familiären Gemeinschaft nur zu nehmen und nicht zu geben, persönlich nicht erlebt.

    Und fasse mir selbst an die Nase. Bei ein paar Dingen würde ich heute rückblickend anders entscheiden, aber das gehört vermutlich in jede Biographie.

    Wir hatten das Glück, dass mir aus beruflichen Gründen irgendwann die Zeit fehlte, mich um alles zu kümmern und die Jungs gezwungen waren, etwas eigenverantwortlicher zu werden und auch mal zu scheitern. Das müssen wir als Eltern auch erstmal lernen, auszuhalten .


    In der beschriebenen Situation der TS würde ich meine Hauptenergie in Richtung Auszug des Kindes investieren. Möglichst im Konsens, vielleicht auch das Jugendamt um Rat fragen. Wie ist denn seine Argumentstion, warum er Zuhause wohnen möchte ohne sich einzubringen?

  • Das Geld Thema finde ich auch sehr spannend und auch da, denke ich, spielt sehr viel eigene Geschichte rein und die Frage, ob das irgendwie emotional besetzt ist.

    Ich musste z.B. sehr früh selbst arbeiten und meinem Vater Geld, das er mir geliehen hat immer zurück zahlen (er hatte genug und hat sehr gut verdient). Für mich hat sich das als Jugendliche falsch angefüllt und ich habe mich sehr allein gefühlt. Heute würde ich niemals auf die Idee kommen, von meinen Kindern Geld zu verlangen, wenn es mir nicht direkt und spürbar so fehlt, dass das ein Problem ist. Es ist aber auch emotional besetzt das Thema.

    Mein großer Sohn arbeitet auch gerade und spart das Geld für Reise und Auszug und ich habe den Eindruck, er hat sehr wohl verstanden, wie teuer das Leben ist, auch ohne dass er was abgeben muss.

  • Daher schaue ich natürlich seit Längerem, wie es in anderen Familien läuft. Ehrlich gesagt sehe ich diese langen Gammelphasen nur in Familien, die eben immer sehr viel auf den Wegen ihrer Kinder geglättet haben. Wo immer sehr viel Verständnis war, warum dieses und jenes gerade nicht geht.

    In Familien, wo z B wegen einer größeren Geschwisterzahl schon sehr früh aktive Mithilfe im Haushalt gefordert wurde oder wo das Kind sich aus zeitlichen Gründen früh selbständig ums eigene Hobby oder den Schulkram kümmern musste, habe ich diese Problematik mit dem Verhalten, in der familiären Gemeinschaft nur zu nehmen und nicht zu geben, persönlich nicht erlebt.

    Das kann ich hier null bestätigen. Ich hab mich nie um den Schulkram gekümmert. Wurde ich hier im Forum tatsächlich oft für angegangen. Ich hab aber oft fassungslos gelesen, was hier andere für einen Aufwand für die Schule ihrer Kinder machen incl. die Hausaufgaben und Referate für ihre Kinder herstellen. Auch zu ihren Hobbies sind meine Kinder alleine gegangen und ich habe da nur den Beitrag gezahlt.

    Ich habe auch nichts auf den Wegen geglättet.

    Ich empfinde es so zu einfach. Besonders für die Jugendlichen, die in der Phase hängen.

    Aber passt zum typischen: Die Mutter oder vielleicht noch die Eltern sind Schuld...

    Ich schreibe meine persönlichen Erfahrungen und über mein persönliches Umfeld. Manchmal schreibe ich auch davon, was mir Familie oder Freunde so berichten, das steht dann aber dabei.
    Ich schreibe nicht über ein anderes Umfeld oder andere Erahrungen und tatsächlich nicht über ein ganzes Land oder die ganze Welt.
    Dafür bin ich viel zu klein und unwissend, als dass ich der Meinung sein könnte, dass ich weiß, wie es überall so funktioniert. #herzen

  • Hier lief es so ähnlich wie bei asreileeth , meine Pflichten als Teenie im Haushalt waren einfach festgelegt, meine Mutter war krankheitsbedingt oft wochenlang in der Klinik, Vater Vollzeit arbeitend und es war völlig klar, dass wir das nur als Team alles zusammen stemmen konnten. Später kamen noch "Dienste" bei meiner Oma dazu, die zunehmend pflegebedürftiger wurde. Klar hatte ich da als Teenie und später junge Erwachsene keine große Lust zu, andererseits war völlig klar, das ist meine Verantwortung und fertig. Das Geld-Thema wurde in meiner Familie wiederum sehr großzügig gehandhabt, ich habe von meinem Ausbildungsgehalt nie etwas abgeben müssen und im Studium hat meine Oma mich finanziell unterstützt - es war einfach ein Geben und Nehmen. Ich versuche das auch so zu handhaben und es funktioniert mal besser mal schlechter, dann muss neu verhandelt werden.

    Mein großer Sohn arbeitet auch gerade und spart das Geld für Reise und Auszug und ich habe den Eindruck, er hat sehr wohl verstanden, wie teuer das Leben ist, auch ohne dass er was abgeben muss.

    Das ist hier auch so, darum haben wir aktuell die Vereinbarung dass er nichts abgeben muss. Er übernimmt alle 4 Wochen einen Wocheneinkauf, das war auch beim ersten Mal ein Aha-Moment und ein Schritt hin zu: was kostet das Leben als 6-köpfige Familie eigentlich.

    Grundsätzlich finde ich es übrigens gut und wichtig immer mal wieder mit den Kindern über Geld zu sprechen. Ich bin in einem Bänker-Haushalt aufgewachsen und habe erst ziemlich spät kapiert, dass es in anderen Familien nicht so selbstverständlich ist, dass am Abendbrottisch gesprochen wird über Einkommen, Budgets, Vermögensaufbau etc.

  • Ich hab hier so einen 19jährigen, da kann ich machen, was ich will, Mithilfe ist nicht zu bekommen, schon gar nicht von sich aus, aber auch zigmal Aufforderung, Bitten, Drohen, Sanktionen machen nichts besser

    Ich hab es aufgegeben.

    Und ich kann nicht sagen, dass ich da was versäumt hätte in Sachen Zusammenleben oder dem Kind vermitteln, dass manche Dinge einfach getan werden müssen.

    Ist auch nicht so, dass ich unbedingt die harmonische Beziehung an erste Stelle setze, hatten oft genug tagelang Eiszeit wegen solcher Themen, aber es ändert sich auf lange Sicht einfach null.

    Ansonsten ist er durchaus sehr selbstständig, jobbt auch schon lange, spart Geld fürs spätere Studium (hat noch 1 Jahr bis zum Abi) und für den Führerschein, zumindest das ist nicht das Problem.

    Es nützt mir auch gar nix, das als mangelnde Wertschätzung mir gegenüber zu sehen. Klar empfinde ich das manchmal durchaus so. Aber es ändert halt nix, von daher bin ich auch bei alles selber machen gelandet. Und bei hoffen, dass er bald auszieht.

    Aber wirklich was machen kann ich tatsächlich nicht, ich hab ja alles versucht...

  • Spannendes Thema, ich lese interessiert mit. Meine Kinder sind noch jünger, unmittelbar bin ich noch nicht betroffen. Ich merke allerdings jetzt schon, dass unsere beiden älteren (mit 11 und 13) relativ selbstständig sind im Vergleich zu Gleichaltrigen. So, wie asreileeth es beschrieben hat, wünsche ich es mir in ein paar Jahren auch.

    Räubermutter , warum ist dir der Gedanke, zuhause Geld abzugeben so fremd? Das Leben kostet nun einmal Geld... Klar, die Wohnkosten steigen nicht, wenn einer mehr da wohnt, aber Strom, Wasser und vor allem Lebensmittel machen ja schon eine Menge aus. Ich würde deshalb schon einen Anteil zum Lebensunterhalt haben wollen, auch deshalb, weil ich es falsch finde, wenn sich das "Kind" daran gewöhnt, dass sein ganzes Einkommen zur freien Verfügung steht. Ich hätte da Angst, dass sich an einen Lebensstandard gewöhnt wird, der alleine nicht zu halten ist. Die wenigstens Menschen haben einfach so mehrere 100 Euro oder mehr im Monat zur freien Verfügung.

    Aber am Ende ist wahrscheinlich jede Familie und vor allem auch jede junge Erwachsene so unterschiedlich, dass es da ganz bestimmt kein Pauschalrezept gibt...

    Hm, spannende Frage. Ich denke bei mir ist es ein wenig wie Ana es beschreibt. Ich musste sehr früh erwachsen und selbstständig sein, mich um alles kümmern (inklusive meiner Geschwister). Geld war nie da und für alles was ich wollte, musste ich arbeiten Das ist natürlich nicht nur schlecht, denn der Übergang ins Erwachsenenleben war für mich schon viel früher abgeschlossen und es stellte sich nie die Frage nach solchen "Orientierungszeiten". Aber ich möchte das in der Form für meine Kinder nicht. Ich hätte mir gewünscht, dass da jemand ist, der einen sicheren Rahmen gibt, unterstützt wenn notwendig. Mein Großer arbeitet z.B. um Reisen zu können und das finde ich toll und gönne es ihm. Natürlich geht das nur, weil wir ein entsprechendes Einkommen haben. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass mein Großer da realitätsfern ist. Er weiß sehr genau, was wieviel kostet, hat ja (im Ausland) auch bereits ein halbes jahr alleine klarkommen müssen.

    Also kurz gefasst: ist wohl stark biografisch geprägt 😁

    Räubermutter mit Räubersohn (01/2006), Rumpelkind (06/2013) und Räuberhund (09/2011)


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  • Ich finde die Geldsache auch interessant. Es wird ja oft damit argumentiert, dass das Kind dann den Umgang besser lernt. Den Eindruck habe ich in meinem Umfeld so garnicht. Ich habe nicht das Gefühl, dass Erwachsene, die Geld abgeben mussten besser damit umgehen, als Kinder, die das nicht mussten.

    Ich habe auch heute Freundinnen, die regelmäßig Geld oder andere Dinge von ihren Eltern bekommen, obwohl es finanziell nicht nötig ist. Die wissen auch, was das Leben kostet.

    Und dann kommt noch etwas anderes dazu und ich vermute, dass ist auch bei vielen hier der Fall.

    Da wird dann Geld zum Führerschein dazu gegeben, zur ersten Wohnungseinrichtung, zu Reisen, zum Hobby, für ein Auto usw.

    Aber natürlich gibt das Kind was vom Gehalt ab, damit es lernt, was das Leben kostet.

    Mein Kind hat einen Teil gespart, ob es das für eine Reise, einen Teil der Wohnungseinrichtung oder ein neues Rad ausgibt, geht mich nichts an. Und damit lernt es dann was das Leben so kostet.

    Ich schreibe meine persönlichen Erfahrungen und über mein persönliches Umfeld. Manchmal schreibe ich auch davon, was mir Familie oder Freunde so berichten, das steht dann aber dabei.
    Ich schreibe nicht über ein anderes Umfeld oder andere Erahrungen und tatsächlich nicht über ein ganzes Land oder die ganze Welt.
    Dafür bin ich viel zu klein und unwissend, als dass ich der Meinung sein könnte, dass ich weiß, wie es überall so funktioniert. #herzen

  • Wir haben hier beides: Ein erwachsenes Kind das noch zu Hause wohnt und eines das zu Studienbeginn ausgezogen ist. Ich bekomme wegen des zu Hause wohnenden Kindes immer mal wieder Sprüche zu hören. Nachvollziehen kann ich das nicht. Es gibt Kulturen da ist es völlig normal, dass Kinder Mitte 20 noch zu Hause wohnen. Nach manchen Meinungen müssten die ja alle unselbständige Looser werden. Ist aber nicht so.

    Was definitiv eine Herausforderung ist: Mir fiel es schwer einen Umgang damit zu finden wie das erwachsene Kind hier sich einbringen kann und muss und was ich fordere und was ich einfach so von ihm erwarte usw. Da haben sich die Rollen ja ganz schön verändert in kurzer Zeit und da auszuloten was für alle Beteiligten gut ist, das war schwierig. Schwieriger als wenn er ausgezogen wäre.


    Wir haben auch auf der Elternebene beides hier: Ein Elternteil das früh selbständig werden musste. Das war nicht immer schön, aber ich sehe durchaus die Vorteile die ich als junge Erwachsene dadurch hatte. Ich hatte da einen gewissen Erfahrungsvorsprung. Das gleicht sich aber mit steigendem Alter an, ich sehe da jetzt für mich keine Vorteile mehr drin. Und ein Elternteil das völlig im System "Hotel Mama" großgeworden ist. Mein Mann ist das typische verwöhnte Gör. Als junger Erwachsener hat er dadurch sicher auch Nachteile gehabt, ist bei Dingen auf die Schnauze gefallen bei denen ich nur verwundert den Kopf schütteln konnte ob seiner Naivität. Aber er hat halt etwas erfahren was ihm heute noch nutzt: das Gefühl immer Rückhalt zu haben und immer unterstützt zu werden, egal was kommt. Es steht immer was warmes zu Essen auf dem Tisch wenn er kommt und das Bett ist gemacht. Davon zehrt er sein Leben lang. Dass ich mit 14 schon wusste, wie ich mit dem Energieversorger verhandeln muss, damit uns der Strom nicht abgestellt wird, das bringt mir heute nichts mehr. Aber dieses Gefühl des immer willkommen seins, das könnte ich durchaus heute noch brauchen.

    Und wir finden es übrigens beide okay wie es mit unseren Söhnen läuft: Wir freuen uns über den der ausgezogen ist und unterstützen den der gerne noch hier bleiben mag.

  • Ich glaube, da gibt es viele Möglichkeiten, wie man das handhabt und auch die Motivation für die ein oder andere Variante ist unterschiedlich. Es gibt Familien, da muss Kind was abgeben, weil es sonst schlicht nicht reicht. Und bei anderen geht es ums Prinzip. Und dann gibt's viel dazwischen.

    Führerschein - ja, haben wir bezahlt. Da waren/sind die Kids aber noch lang nicht in einem Alter, wo sie ausreichend verdienen könnten und mir ist es deutlich lieber, sie konzentrieren sich auf die Schule. Laptop für Schule/Uni - zahlen wir, da Arbeitsgerät. Mittelpreisiges Smartphone alle paar Jahre - zahlen wir. Das neueste IPhone - zahlen wir nicht. Urlaub mit uns oder was vergleichbares ohne uns - zahlen wir. 6 Monate Rundreise - zahlen wir nicht.

    Solange die Kids in der Ausbildung sind oder studieren, zahlen wir halt in einem realistischen Rahmen. Wer in der Ausbildung 1200 Euro verdient, braucht kein Taschengeld mehr und kann die üblichen Sachen wie Kleidung, ausgehen usw. Selbst zahlen. Je nach aktueller finanziellen Situation der Familie kann man ja gucken, ob man einen Teil der Lebensmittel/Nebenkosten besteuert. Ansonsten ist eine Ausbildung oder Studium für mich eine Investition in die Zukunft. Wer danach mit einem vollen Einkommen noch ne Weile zuhause bleibt, beteiligt sich halt in einem angemessen Rahmen an den vorhandenen Kosten. Aber wir würden einem erwachsenen Kind mit Job nach der Ausbildung keine Reisen oder was auch immer finanzieren, warum auch?

    Auto ist so ein Grenzfall... Kommt Kind sonst gar nicht zur Ausbildungsstelle, dann muss wohl ein Auto her. Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ein Auto hier zumindest deutlich günstiger ist als ein WG-Zimmer auswärts. Geht es brauchbar mit anderen Verkehrtsmitteln, dann gibt's kein Auto, auch klar bzw. Kann Kind bei Bedarf das vorhandene nutzen, wenn wir es gerade nicht benötigen. Ist Kind fertig mit Studium und erwerbstätig, würden wir vielleicht einen zinsfreien Kredit geben, aber kein Auto bezahlen, warum auch?

    Und weil das jemand schrieb - bei mir zuhause waren Geldthemen kein Geheimnis, weil eh oft knapp. Bei uns wissen die Kids auch, was wir verdienen, was dies und jenes kostet, auch kein Geheimnis.

    LG H. mit J. (volljährig) und S. (Teenie)

  • Ich glaube fast, bei selbständigen Jugendlichen ist es ganz egal, wie man das macht. Ich könnte mit sparen für Möbel, die erste eigene Wohnung oder den Urlaub deutlich besser umgehen als mit in meinen Augen sinnloser Geldausgabe für zu viele Klamotten oder üppige Freizeitgestaltung. Aber das ist letztendlich ja meine Wertung...

    Und dass man, wenn man selbst das Gefühl hat, abrupt aus dem Nest gestoßen worden zu sein, es selbst anders machen möchte, finde ich sehr verständlich.

    Bei mir war es so, dass Geld durchaus knapp war und ich immer gearbeitet habe. Gleichzeitig war aber auch immer klar, dass ich jederzeit nach Hause kommen kann (tatsächlich habe ich aus finanziellen Gründen ziemlich lange bei meiner Mutter gewohnt) und auf emotionale Unterstützung zählen kann.

  • Es ist sicherlich alles sehr komplex und individuell. Und ein einfaches: dies und das muss man so machen in der Erziehung und dann klappt das alles schon, natürlich eine Mär.

    Ich wäre als Junge Erwachsende heutzutage überfordert ob der 8 Millionen Möglichkeiten, zwischen denen (und gegen 79999999) ich mich entscheiden möchte.

    Beneidenswert sind die Menschen, die schon früh aus intrinsischer Motivation heraus ein Themengebiet erschließen. Mir selbst ging es glücklicherweise bis heute immer so und so habe ich mir, nach Ausbildung und Berufsjahren im Lehrumfeld, einen ganz neuen Bereich komplett ohne anerkannte Ausbildung erschlossen und bin da recht erfolgreich.

    Aber wie bekommt man junge Menschen, die so ein Thema noch nicht gefunden haben, dahin? Dass dein Sohn, Prillan , jetzt jobt und sich da über Möglichkeiten, und seien es Luftschlösser, austauscht, finde ich einen ganz wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Ich könnte mir vorstellen, dass euer Verhältnis bei getrennten Haushalten sehr schnell wieder so viel besser werden würde, dass auch ein fruchtbarer Dialog wieder möglich wäre. Zugegeben, ich speche da sehr aus meiner eigenen Erwähnung aus der Zeit. Ich war nämlich auch ein nicht sehr hilfsbereites Familienmitglied...#hmpf

  • @homunkulus und ich weiss leider nimmer, wer das war - aber selbstständig sein und schon sehr jung die Aufgaben der Eltern zu übernehmen ist nicht das Gleiche. Ich kenn den Unterschied, da ich durch den Umzug nach Deutschland plötzlich mit 16 vieles machen musste, was meine Eltern in dem Moment nicht konnten, gerade die Behördensachen. Das ist nochmal was anderes als Wäsche waschen und kochen, das ist eine Verantwortung, die in dem Alter zu viel ist.

    Meine Kids können kochen und auch Möbel zusammenbauen und Wände streichen. Aber sie müssen eben nicht mit dem Stromversorger verhandeln oder zig komplizierte Anträge ausfüllen, von denen sehr viel abhängt, weil die Eltern damit sprachlich komplett überfordert sind.

    P. S. Und man kann sich zuhause willkommen fühlen, ohne sehr bemuttert zu werden, find ich.

    LG H. mit J. (volljährig) und S. (Teenie)

  • Ja, aber ich bin mir sicher, dass wenn ich meinen Großen jetzt drängen würde, auszuziehen. Dann würde er sich nicht mehr willkommen fühlen. Deshalb wohnt er noch hier (und wird von außen betrachtet eben verwöhnt)


    Und ich kann ganz allgemeint mit dem "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr." nichts anfangen.

  • @homunkulus und ich weiss leider nimmer, wer das war - aber selbstständig sein und schon sehr jung die Aufgaben der Eltern zu übernehmen ist nicht das Gleiche. Ich kenn den Unterschied, da ich durch den Umzug nach Deutschland plötzlich mit 16 vieles machen musste, was meine Eltern in dem Moment nicht konnten, gerade die Behördensachen. Das ist nochmal was anderes als Wäsche waschen und kochen, das ist eine Verantwortung, die in dem Alter zu viel ist.

    Meine Kids können kochen und auch Möbel zusammenbauen und Wände streichen. Aber sie müssen eben nicht mit dem Stromversorger verhandeln oder zig komplizierte Anträge ausfüllen, von denen sehr viel abhängt, weil die Eltern damit sprachlich komplett überfordert sind.

    P. S. Und man kann sich zuhause willkommen fühlen, ohne sehr bemuttert zu werden, find ich.

    Aber selbständig sein oder nicht hat eben auch nicht unbedingt etwas damit zu tun, ob man zu Hause Geld abgeben muss und Aufgaben wie Müll rausbringen übernehmen muss.

    Mein Kind ist zum Beispiel sehr früh (auf eigenen Wunsch) nicht mehr mit in den Urlaub gefahren und hat sich in der Zeit selbst versorgt. Das konnten und durften andere in älterem Alter noch lange nicht.

    Mein Kind muss durchaus diverse Dinge alleine erledigen und kann eben auch kochen, Möbel zusammen bauen und selbstständig Arzttermine usw. erledigen.

    Ich schreibe meine persönlichen Erfahrungen und über mein persönliches Umfeld. Manchmal schreibe ich auch davon, was mir Familie oder Freunde so berichten, das steht dann aber dabei.
    Ich schreibe nicht über ein anderes Umfeld oder andere Erahrungen und tatsächlich nicht über ein ganzes Land oder die ganze Welt.
    Dafür bin ich viel zu klein und unwissend, als dass ich der Meinung sein könnte, dass ich weiß, wie es überall so funktioniert. #herzen

  • Meine Kinder musste hier nie Geld abgeben, ich musste auch nie Geld abgeben.

    Auch als mein Sohn schon für ein volles Gehalt gearbeitet hat, konnte er hier wohnen und essen. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, Geld zu nehmen.

    Natürlich hat das auch etwas damit zutun, dass wir uns das finanziell leisten konnten.

    Beide Kinder sind mit Anfang 20 ausgezogen, und bekommen ihr Leben auf die Reihe.


    Ach ja, im Haushalt helfen mussten sie auch nicht, allerdings haben wir ihnen auch nicht alles geebnet.

    dann wird der letzte Mensch, mit zerfetzten Gedärmen und verpesteter Lunge, antwortlos und einsam unter der giftig glühenden Sonne und unter wankenden Gestirnen umherirren, (.......)

    ungehört, antwortlos, letzter Tierschrei des letzten Tieres Mensch

    – all dieses wird eintreffen, morgen, morgen vielleicht, vielleicht heute nacht schon, vielleicht heute nacht, wenn – wenn – wenn ihr nicht NEIN sagt.

    (Wolfgang Borchert)

  • asreileeth ich finde mich sehr in deinen Gedanken wieder!

    Ich habe meine Älteste sehr strapaziert mit der Wahl eines Ausbildungsplatzes, direkt nach ihrem Schulabschluss war Corona und sie war ein Jahr zuhause. Danach wollte ich, dass sie sich irgendwie informiert, Praktika macht o.ä. Sie wollte jobben. Als ich ihr sagte, dass sie sich dann auch an Wohnkosten etc. beteiligen müsse, zog sie aus. Da war schon kurzzeitig schlechte Stimmung, aber nach ein paar Wochen war unsere Beziehung besser als je zuvor.

    Sie hat in einem Fast Food Restaurant gearbeitet, an der Kasse eines Ladens, einem Restaurant… und ich hab mich schon leise weinend darauf eingestellt, dass sie nie eine Ausbildung machen wird. Das ging dann 3 Jahre so und so nach und nach wurde es ihr doch ein bisschen unangenehm, wenn sie alte Schulfreundinnen traf oder neue Leute kennen lernte, die alle irgend eine Idee hatten, was sie machen wollen. Mit 21 hat sie dann eine Ausbildung begonnen (hüstel, exakt die, die ich ihr schon mit 17 vorgeschlagen hatte) und gehört immer noch zu den Jüngsten in ihrer Klasse.
    Finanziell ist das natürlich enger, aber natürlich unterstützen wir sie.

    Also es ist alles so ein bisschen zusammen: Corona wirkt noch nach, die Kids brauchen mittlerweile vielleicht ein bisschen länger, trotzdem darf ich auf die Wichtigkeit einer Ausbildung hinweisen, trotzdem habe ich auch als Mutter, Hausfrau und Zahlungspflichtige begrenzte Ressourcen und darf auf meine Grenzen achten. Und ich weiß, wie schwer das ist, da seinen Weg zu finden- sowohl als Kind, als auch als Mutter

  • Puh. Das hört sich wirklich auch schwierig an. Meine Eltern hätten mich bis heute lieber in einer Ausbildung gesehen. Am Ende schlägt man wahrscheinlich den Weg vor, den man kennt. Mir war unbewusst klar, dass ich nicht deren finanzielle Ressourcen nutzen kann. Aber wie macht man so was den eigenen Kindern klar?? Keine Ahnung. Ich lag als junge Erwachsene mit so vielen Sachen falsch, aber am Ende hätte ich das in dem Alter auch niemanden geglaubt. Vielleicht kannst Du ja Mal nachfragen, welche externe Prüfung der Chef deines Sohnes da wirklich gemacht hat. Meines Wissens ist so was wirklich selten, daher wundere ich mich (und interessiert mich auch, vielleicht denk ich an was ganz anderes?).

    Extere Prüfung hat ein Arbeitskollege gemacht. Der hatte aber davor schon eine Ausbildung als KFZ Mechaniker. War trotzdem nicht einfach

    Hebt man den Blick sieht man keine Grenzen #rose