Ich bin nur Krimi-gebildet, deshalb war ich heute beim Zeitunglesen echt von den Socken.
Vor dem hiesigen Amtsgericht wurde vor ein paar Tagen ein Fall von vor zwei Jahren verhandelt: Ein Mann hatte einen anderen Mann auf einem Parkplatz mit einer Machete bedroht und damit 10 Euro erpresst. Kurze Zeit später wurde er in der Nähe ebenfalls mit der Machete gesehen, und ein Zeuge rief deshalb die Polizei, die aber nicht unmittelbar einen Täter fand. Der Mann, der bedroht worden war, ist der Polizei wohl auch bekannt, war aber an dem Verhandlungstag nicht im Gericht.
Dem Angeklagten wird zusätzlich zur Macheten-Aktion noch das Anbringen von zwei illegalen Graffitis vorgeworfen (was er zugibt).
Was mich fassungslos macht: Er ist der Verdächtige, weil er ein rotes Fahrrad fährt. So wie der Macheten-Typ.
Die Stadt hier ist mit gut 20 Tsd Einwohner*innen nicht groß. Aber so klein, dass es hier nur ein einziges rotes Fahrrad gäbe, nun auch wieder nicht.
Und der Oberhammer: Der Zeuge, der die Polizei gerufen hatte, sah den Angeklagten, und sagte: Das ist er nicht. Und als er Fotos vom Fahrrad sah, sagte er ebenfalls, dass das nicht das Fahrrad das Macheten-Mannes ist.
Wie kann das sein, dass ein Mann angeklagt wird und vor Gericht steht, bei so einer mehr als dünnen Beweislage, und entgegen dem, was Zeugen sagen? Werden die nicht erst mal gefragt? Aus den Krimis kenne ich das mit der Gegenüberstellung durch den Zwei-Wege-Spiegel. Gibt es das nicht in echt?