Geschlechtergetrenntes Lernen

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  • Nachtkerze Ich bin noch nicht dazu gekommen, mir alle Studien näher anzuschauen (und werde dies sicher auch in den nächsten Tagen nicht). Studie https://link.springer.com/article/10.1007/ hinterläs10212-025-01052-3 hinterlässt bei mir aber allein methodisch schon sehr große Fragezeichen. Man hat offenbar nur junge studierende Frauen (bzw. Nicht-Männer) für die Studie betrachtet und dort heute noch Unterschiede sowohl in den mathematischen Fähigkeiten als auch in der Einstellung zu Mathematik zwischen jungen Frauen gefunden, die auf den Gebieten der ehemaligen DDR bzw. BRD aufgewachsen sind. Man kann also ganz explizit gar keinen Unterschied zu ihren jeweils männlichen Altersgenossen sehen, mit denen sie aufgewachsen sind.

    Mein Eindruck ist aber: das gesellschaftliche Verhältnis zu Mathematik & co. dürfte auch abhängig sein von der Region und den sozio-ökonomischen Verhältnissen in der Region. Ich erlebe das bayerische Gymnasium als sehr wenig ausgerichtet auf Mathematik und Naturwissenschaften, vor allem nicht in der Breite, so dass es alle SuS in dieser Richtung vernünftig schult. Es ist hier gesellschaftlich völlig akzeptiert, nur gut in Sprachen und aus meiner Sicht eher weicheren Fächern zu sein und Naturwissenschaften eher am Rande zu machen. Ich sehe hier z.B. eher eine Benachteiligung von Kindern, die sich mit Sprachen schwer tun. Ich weiss nicht, wie das heute auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ist - zu meiner Zeit war der Fokus der DDR Schule deutlich mehr im Naturwissenschaftlich technischen Bereich als ich es auch kurz nach der Wende z.B. von Studierenden aus SH gehört habe, wie es bei ihnen war. Ich könnte mir vorstellen, dass sich davon etwas bis heute gehalten hat - dazu müsste man aber die männlichen Studenten genauso in eine solche Studie einbeziehen um dazu sinnvolle Aussagen treffen zu können.

  • Ich möchte anmerken, dass es auch andere Gründe gibt, warum junge Frauen andere Studiengänge wählen als junge Männer, als ich kann keine Naturwissenschaft. Junge Frauen wählen eher etwas Bezug zu Gesellschaft oder Umwelt im weitesten Sinne. Als ich studiert habe, lag z.B der Frauenanteil bei Physik bei 20% ( eingeschrieben, Real weniger) und bei Meterologie, was sehr in den ersten Semestern sehr ähnlich ist von den Inhalten und definitiv nicht weniger hardcore naturwissenschaftlich, bei 50%.

  • Ich möchte anmerken, dass es auch andere Gründe gibt, warum junge Frauen andere Studiengänge wählen als junge Männer, als ich kann keine Naturwissenschaft. Junge Frauen wählen eher etwas Bezug zu Gesellschaft oder Umwelt im weitesten Sinne. Als ich studiert habe, lag z.B der Frauenanteil bei Physik bei 20% ( eingeschrieben, Real weniger) und bei Meterologie, was sehr in den ersten Semestern sehr ähnlich ist von den Inhalten und definitiv nicht weniger hardcore naturwissenschaftlich, bei 50%.

    Sowas kann ich bestätigen. Ozeanographie hatte auch sehr viel mehr Frauen als Physik, was ich ziemlich überraschend fand. Ich sehe in diesem Thread aber gar nicht, dass es darum geht, was Frauen studieren. Das ist aus meiner Sicht nochmal eine ganz andere Diskussion als ob Frauen das Gefühl haben, die können Mathe & co. schlechter als ihre männlichen Altersgenossen.

  • Tikaani - ich habe mit meinen Töchtern anekdotische, aber für mich etwas erstaunliche Erfahrungen gemacht. Ich wollte von mir aus nie, dass sie auf Mädchenschulen gehen. Ich habe nur Töchter, sie hatten von sich aus nach der Grundschule hauptsächlich Freundinnen, sortierten sich selbst automatisch ab dem Grundschulalter als "zu den Mädchen gehörig" zu. Ich wollte, dass die Jungen als "normale Menschen" in ihrem Alltag erleben.

    Aber was war? Eine wollte "nie wieder was mit Jungs zu tun haben" nach der Grundschulzeit. Nicht erstaunlich, sie war dort sehr bedrängt und geärgert worden von Jungen und führte das auf das "Jungssein" zurück. Nur die Mädchenschule kam in Frage. Aber auch die, die ich als sehr offene Person in alle Richtungen einschätzte und die sich für eine gemischte Schule entschied, lebte nach kurzer Zeit so, als hätte sie nur eine halbe Klasse. Jungs waren hauptsächlich die, über die man sich ärgerte. Der Schulwechsel an eine Mädchenschule (aus Gründen, die nicht mit Mädchen und Jungen zu tun haben) eröffnete eine Klasse voller möglicher Freundinnen. Nicht mehr nur eine halbe, weil die andere Hälfte von vornherein nicht in Frage kam.

    Jetzt hat eine zur Oberstufe von der Mädchenschule auf eine gemischte Schule gewechselt - und ich bin heilfroh. Ich habe es gegen Ende der Mittelstufe als sehr künstlich erlebt - anekdotisch: Die Mädchen waren alle sehr interessiert an Liebesbeziehungen. Und aus Mangel an einem gemischten Pool verliebten sie sich dann ineinander. Also - alles gut, sollen sie nur - nur dass die Zahl der gleichgeschlechtlichen Beziehungen in meinen Augen schon deswegen besonders hoch war.
    Deswegen ist es mir nicht unlieb, dass das Verhältnis in der gemischten Schule jetzt halt doch mehr der Realität entspricht. Jungs sind nicht mehr Trophäen, an die man nicht so leicht rankommt. Sondern es ist halt das ganze Spektrum da - einfach Menschen und die sind weiblich, männlich, divers. Zum Arbeiten tun sie sich in gemischten Gruppen zusammen und es stehen inhaltliche Kriterien im Vordergrund (mit wem kann man gut arbeiten, wer schmarotzt bei der Gruppenarbeit, wer spielt sich zu sehr auf, wer kann gut erklären) - und nicht mehr nur, ob das Mädchen oder Jungs sind.

  • OT: Jette : ist dein Kind evtl. auf einem sprachlichen Gymnasium gelandet? Im naturwissenschaftlich-technischen Zweig ist die Gewichtung schon deutlich. Allerdings wird es in höheren Klassen immer wichtiger, auch in Physik und Mathe sich schriftlich einigermaßen in korrekten Sätzen ausdrücken zu können. (Was ich bei dir vor allem immer rauslese: du magst die Schule deines jüngeren Kindes nicht. Fühlt er sich dort denn wohl? Falls nicht, solltet ihr nach Alternativen schauen.)

  • Es spielt auch Strömungen in die Hände, die die Unterschiede zwischen den Geschlechtern festhämmern wollen

    Danke! Ich finde es so rückständig und gruselig, dass das hier im Thread schon befürwortet wurde…

    Ich denke jetzt mal, dass Tikaani jetzt nicht in diese Befürchtung aufgenommen ist? Von mir würde ich ziemlich überzeugt sagen, dass das nicht meine Beweggründe sind, das dürfte hier eigentlich halbwegs bekannt sein.

    Das mag ja sein - aber wir müssen mit der Realität anfangen, mit der wir derzeit konfrontiert sind,

    Jep. Die Frage startete ja aus dem Kontext ausserschulisches Lernen - mit Gruppen, zu denen wir noch keine Beziehung aufbauen konnten und denen wir trotzdem so viel wie möglich mitgeben möchten.

    Und da hat Tikaani wie ich eine Beobachtung gemacht, die unsere jetzige Lebensrealität spiegelt. Klar, ich würde ja auch lieber in einer Welt leben, in der die Klassendynamik nicht in erster Linie von Dominanzgegockel getrieben ist... Ist aber halt leider oft so. Und nochmal: ich habe diese Dynamiken nicht erfunden und ich weiss auch, dass Kinder individuell ganz anders sein können. Klassen sind aber eben leider sehr wenig individuell sondern in ihren Dynamiken erschreckend klischeehaft.

    Mich würde es ja sehr interessieren, wie es andere Kolleginnen sehen, die auch in solchen Gruppenkontexten arbeiten. Habt Ihr das schon mal getestet? Ich schlage das übrigens nie von selber vor, das macht die Lehrperson.

  • OT: Jette : ist dein Kind evtl. auf einem sprachlichen Gymnasium gelandet? Im naturwissenschaftlich-technischen Zweig ist die Gewichtung schon deutlich. Allerdings wird es in höheren Klassen immer wichtiger, auch in Physik und Mathe sich schriftlich einigermaßen in korrekten Sätzen ausdrücken zu können. (Was ich bei dir vor allem immer rauslese: du magst die Schule deines jüngeren Kindes nicht. Fühlt er sich dort denn wohl? Falls nicht, solltet ihr nach Alternativen schauen.)

    Es ist ein Gymnasium mit sprachlichem und naturwissenschaftlichem Zweig und er wird ab nächste Klasse (8. Klasse) in den naturwissenschaftlichen Zweig gehen. Seit der 5. Klasse ist er in einer Forscherklasse. Vordergründig sieht es also so aus, als wenn Naturwissenschaften da durchaus eine Rolle spielen. Aber: ich halte ziemlich viel dessen, was da gemacht wird, für ziemlichen Quatsch. Forschen ist nicht nur, zu beobachten sondern auch daraus sinnvolle Schlüsse zu ziehen und dazu braucht man Verständnis und Begriffe, was beides überhaupt nicht gelehrt werden. Die Kinder sollen an Wettbewerben teilnehmen - aber auch da ist das nur eine vordergründige Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen Phänomen, die aber zu überhaupt keinen sinnvollen Erkenntnissen führt. Der Physikunterricht in diesem Schuljahr ist ein wildes Sammelsurium verschiedenster Themen, von denen nichts richtig verstanden wird und hängen bleibt. So sieht kein nachhaltiger naturwissenschaftlicher Unterricht aus.

    Im Vergleich zu meiner Kindheit: Bio ab Klasse 5, Physik ab Klasse 6 und Chemie ab Klasse 7. Alles ab da durchgängig bis mind. zur 10. Klasse und von Anfang an auf die Vermittlung von Wissen und nicht nur auf spielerisches "Kennlernen von Phänomenen" ausgelegt.

    Dagegen wird in den Fremdsprachen ein sagenhaftes Tempo vorgelegt, dass mich schon vom Zuschauen kirre macht.... 2. Fremdsprache ab 6. Klasse halte ich ehrlich gesagt auch nicht für sinnvoll und geht zulasten von Basics und Naturwissenschaften.

    Und bzgl. sich ausdrücken können: auch da halte ich den heutigen Ansatz des D-Unterrichts, dass die allermeisten Schulaufgaben (Klassenarbeiten) schon ab Grundschule nur noch Aufsätze schreiben sind, für ziemlich dämlich. Es fehlen massiv die Basics. Rechtschreibung und Grammatik ist ein Graus und kommt viel zu wenig vor. Aber auch die Auseinandersetzung mit Literatur und fremden Texten empfinde ich als zu gering. Wir haben auch Aufsätze schreiben gelernt - aber der Fokus darauf begann viel viel später.

  • Meine Erfarungen von "junge Menschen in Gruppen" stammen aus Vereinen als Übungsleterin ooder Tutorin. Sport jüngere, ab 5 bis 12, NaWi-Club ab 10 bis Abialter.

    Und da ist der Kontext ja anders als Schule; die kommen freiwillig und sind grundsätzlich interessiiert (abgesehen von den Veralstaltungen in Schul-Projektwochen).
    Da entmischt sich das beim Teilen von Gruppen (was ich eher den Teilnehmenden selbstorganisiert überlasse) eigentlich nie nach Geschlechtern. Eher nach Freundschaften und, ja, auch nach Temperamenten. Dann bildet z.B. sich aus 20 eine eher stillere, ernsthaftere Gruppe und eine laute, chaotischere.

    Ich habe im NaWi-Club bei Veranstaltungen für Schulklassen schon beobachtet dass gerade Lehrpersonen versuchen, die Chaosgruppe nicht zustande kommen zu lassen und nachmischen. Der Schuß geht aber meistens nach hinten los. Chaoten und Clowns unter sich balancieren sich mehr aus, in anderen Gruppen sind sie stärker disruptiv, und die Ruhigen verschwinden dann mehr.

    Die beste Vergeltung ist, nicht zu werden wie dein Feind (Marcus Aurelius)

  • Mein Kind empfand LK Physik dieses Jahr als "sehr merkwürdig"- er hat mehr geschrieben als im Aufsatz Deutsch. Zu rechnen etc. war fast nichts. Auch der Lehrer war nachhaltig irritiert. Am Ende ist es überall dasselbe - wer viele Worte macht, ist oft im Vorteil. Inhalt wird unwichtiger. Nervt im täglichen Leben unendlich und die Kinder können in den Klassen sehr genau einordnen, wer Dampfplauderer ist und wer Wissen dahinter hat.

  • Mein Kind empfand LK Physik dieses Jahr als "sehr merkwürdig"- er hat mehr geschrieben als im Aufsatz Deutsch. Zu rechnen etc. war fast nichts. Auch der Lehrer war nachhaltig irritiert. Am Ende ist es überall dasselbe - wer viele Worte macht, ist oft im Vorteil. Inhalt wird unwichtiger. Nervt im täglichen Leben unendlich und die Kinder können in den Klassen sehr genau einordnen, wer Dampfplauderer ist und wer Wissen dahinter hat.

    Wow.

    Aber warum war auch der Lehrer irritiert? Der hat doch den Unterricht und die Leistungskontrollen gemacht? Oder meinst Du die Abi-Prüfung in Physik?

  • Hallo,

    Was ich gestern im Versuch, nicht zu lang zu schreiben, ganz vergessen habe, ist, dass ich Tikaani absolut recht geben wollte in ihrer Beobachtung, dass in Schulen oft ruhige Kinder - und das sind, mMn sozialisierungsbedingt, häufiger Mädchen als Jungen - benutzt werden, um andere Kinder zu regulieren. Und dass ich das schon seit meiner eigenen Kindheit (ich war so ein ruhiges Kind, das benutzt wurde) der Meinung bin, dass dies ein Unding und absolut unfair ist.

    Ich denke nur, dass man das auch anders vermeiden kann. Indem man es sich Lehrkraft bzw. mit Kindern arbeitende Person... bewusst macht, ist ein erster Schritt getan. Aber das reicht noch nicht. Ich denke nur, dass die Lösungen andere sein können und müssen, als eine künstlich herbeigeführte Trennung nach dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht.

    Wir sind inzwischen gerade auf dem Gebiet so viel weiter. es ist anerkannt, dass es eben nicht nur das biologische Geschlecht gibt, dass viele scheinbare Unterschiede durch Erziehung und gesellschaftliche Erwartung entstehen, dass die Unterschiede innerhalb der männlich bzw. weiblich gelesenen Personen größer sind als die durchschnittlich zwischen den Geschlechtern existierenden, dass es auch schon im Kindes und Jugendalter junge Menschen gibt, die nicht ins Nur-2-Geschlechter-System passen usw.

    Da würde ich persönlich eine vorgegebene Trennung nach dem, was in der Geburtsurkunde aufgeschriebenen Geschlecht als einen Salto rückwärts um über hundert Jahre empfinden.

  • Physik ist eben nicht nur Rechnen, physik hat auch ganz viel mit Verstehen zu tun.


    Und ja in jüngeren Jahren wird phaenomenologisch gearbeitet. Ich wage zu bezweifeln, dass alle in der DDR grundsätzlich ein besseres Verständnis in den Naturwissenscahften hatten. Nur weil ich Formeln aufsagen kann, heisst das, ich habe verstanden, was da passiert.


    Ich habe früher im Erdkundeunterricht Karten auswendiggelernt. Braucht heute kein mensch mehr. Beeindruckt aber viele erstmal, wenn man damit ankommt. Aber ein wirkliches geologisches oder weltpolitisches Verständnis wurde dadurch nicht gefördert. Klar, braucht man ein gewisses Fachwissen (und das ist auch nachwievor Teil der Bundesweiten Fachanforderungen), aber es ist eben anders, als wird das auch unserer Kindheit kannten. Das heisst aber nicht, dass es schlechter ist.

    "C'est ici que l'aventure se mêle au vent de la mer."

    Pierre Marc Orlan

    If something won't matter in 5 years, don't waste more than 5 minutes worrying about it now.

  • Ich habe früher im Erdkundeunterricht Karten auswendiggelernt. Braucht heute kein mensch mehr. Beeindruckt aber viele erstmal, wenn man damit ankommt. Aber ein wirkliches geologisches oder weltpolitisches Verständnis wurde dadurch nicht gefördert. Klar, braucht man ein gewisses Fachwissen (und das ist auch nachwievor Teil der Bundesweiten Fachanforderungen), aber es ist eben anders, als wird das auch unserer Kindheit kannten. Das heisst aber nicht, dass es schlechter ist.

    Man braucht ein Basiswissen, um ein Grundverständnis zu entwickeln, Zusammenhänge herstellen und Dinge einordnen zu können. Das sehe ich als Grundproblem in vielen Fächern, dass dieses Basiswissen nicht gelehrt wird.

    Du kannst kein weltpolitisches Verständnis entwickeln, wenn Du die zugehórigen Länder geographisch nicht mal ungefähr einordnen kannst. Aus der genaueren Kenntnis der Lage / Grenzverläufe usw. erschließen sich manche Probleme schon von alleine. Geopolitik ist weit mehr als Geographie, aber man kann die Grundlagen nicht durch gefühlte Meinungen ersetzen.

  • Genau deswegen ist sehr wohl auch Fachwissen teil der Fachanforderungen.

    Du kannst kein weltpolitisches Verständnis entwickeln, wenn Du die zugehórigen Länder geographisch nicht mal ungefähr einordnen kannst. Aus der genaueren Kenntnis der Lage / Grenzverläufe usw. erschließen sich manche Probleme schon von alleine. Geopolitik ist weit mehr als Geographie, aber man kann die Grundlagen nicht durch gefühlte Meinungen ersetzen.

    Meiner Erfahrung nach macht der heutige Erdkungeunterricht genau das...

    "C'est ici que l'aventure se mêle au vent de la mer."

    Pierre Marc Orlan

    If something won't matter in 5 years, don't waste more than 5 minutes worrying about it now.

  • Im Vergleich zu meiner Kindheit: Bio ab Klasse 5, Physik ab Klasse 6 und Chemie ab Klasse 7. Alles ab da durchgängig bis mind. zur 10. Klasse und von Anfang an auf die Vermittlung von Wissen und nicht nur auf spielerisches "Kennlernen von Phänomenen" ausgelegt.

    Dagegen wird in den Fremdsprachen ein sagenhaftes Tempo vorgelegt, dass mich schon vom Zuschauen kirre macht.... 2. Fremdsprache ab 6. Klasse halte ich ehrlich gesagt auch nicht für sinnvoll und geht zulasten von Basics und Naturwissenschaften.

    Und bzgl. sich ausdrücken können: auch da halte ich den heutigen Ansatz des D-Unterrichts, dass die allermeisten Schulaufgaben (Klassenarbeiten) schon ab Grundschule nur noch Aufsätze schreiben sind, für ziemlich dämlich. Es fehlen massiv die Basics. Rechtschreibung und Grammatik ist ein Graus und kommt viel zu wenig vor. Aber auch die Auseinandersetzung mit Literatur und fremden Texten empfinde ich als zu gering. Wir haben auch Aufsätze schreiben gelernt - aber der Fokus darauf begann viel viel später.

    Das kann ich gut nachvollziehen. Ich war 6 Jahre im DDR-Schulsystem und habe auch noch ein bisschen Westberliner 6. (Grundschul-)Klasse, später 2 Gym NRW sowie zwischendurch ein naturwiss. Gym in Bayern erlebt. Später die Hamburger Grundschulzeit meiner Tochter. Dabei bot das NaWi-Gym in Bayern tatsächlich noch durchgehende, strukturierten Unterricht nicht nur in Mathe und Bio, sondern auch Physik und Chemie. Mit vielen interessanten Experimenten.

    Der Rest war ein Graus, oft nur halbjährlicher Epochenunterricht - da nimmt man nichts mit.

    Ich bin froh, Mathe in meiner DDR-Zeit gehabt zu haben. Das war immer ziemlich gut erklärt. Bei meiner Tochter hab ich mich immer gefragt "um Himmels Willen, wir soll ein Kind, das es nicht ohnehin schon kann, diese Erklärungen verstehen"? Grammatik in Deutsch: ebenfalls totale Fehlanzeige. Hat sie dann erst mit Latein gelernt. Aufsätze wurde hier in HH übrigens gar nicht mehr geschrieben. Ich kann mich bei meiner Tochter an nichts dergleichen erinnern. Später vllt. Texte in Geschichte oder so. Das Kennenlernen und die Analyse verschiedenster Textarten war auch sehr rudimentär.

    Naja, das führt vom Thema weg. Meine anekdotische Erfahrung nach vielen Umzügen und diversen Schulen sagt, dass es weniger aufs Geschlecht denn auf Umfeld und, ja, Milieu ankomm. Ob man in einer Kohorte gelebter Genderklischees landet (da können reine Mädchengruppen schon auch ätzend sein, ehrlich gesagt) oder das Ganze sich individueller gruppiert.

    In meinen DDR-Jahren wurden wir übrigens kreuzweise gesetzt. Junge/Mädchen nebeneinander, und dahinter Mädchen/Junge. Man dachte, dann quatschen wir nicht so viel. Mit dem Erfolg, dass die Geschlechter von Anfang an sehr durchlässig selbstverständlich miteinander quatschten. Auch in den langen Pausen wurde nicht immer, aber häufig zusammen gespielt. Ach ja, das war schön. Ist übrigens die einzige Klasse, wo ich noch heute zu Klassentreffen fahre alle paar Jahre. Dabei hab ich da nicht mal den Abschluss gemacht.

  • Im Übrigen ging es im Ausgangspost um die Feststellung einer Person, die dann fragte,cwie wir das sehen. Da ging es genau um eine persönliche Meinung und die Frage nach persönlichen Meinungen dazu.

    Danke, ja. Also ich habe nichts dagegen, wenn hier jemand Studien verlinken möchte, das kann ja auch interessant sein. Gefragt habe ich aber schon eher nach persönlichen Erfahrungen, "Anekdoten", oder einfach nur Gedanken dazu.

    Es bildet nicht ab, das innerhalb dieser Gruppen ein weites Spektrum an Persönlichkeiten existiert. Es trennt Schüler:innen, die vielleicht lieber zusammen arbeiten würden, weil sie sich gut verstehen und einander beim Lernen gut tun. Es setzt andere zusammen, die vielleicht gerade eine Pause voneinander wünschen würden. Es zwingt junge Menschen, die vielleicht gerade auf der Suche nach der eigenen Identität sind, in eine Gruppe, zu der sie sich nicht oder nicht ausschließlich zugehörig fühlen – oder zwingt sie zu einem Outing, zu dem sie vielleicht eigentlich noch gar nicht bereit sind. Es spielt auch Strömungen in die Hände, die die Unterschiede zwischen den Geschlechtern festhämmern wollen.

    Das sind zum Beispiel so Gedanken, die ich spannend finde und nachvollziehen kann.

    Beim Nachdenken darüber fällt mir auf, daß ich das durchaus einsehe und trotzdem Mädchen- und Frauengruppen so angenehm finde, daß ich mir und anderen wünsche, zumindest die Möglichkeit dazu zu haben.

    Die Mädchen waren alle sehr interessiert an Liebesbeziehungen. Und aus Mangel an einem gemischten Pool verliebten sie sich dann ineinander. Also - alles gut, sollen sie nur - nur dass die Zahl der gleichgeschlechtlichen Beziehungen in meinen Augen schon deswegen besonders hoch war.

    Das finde ich eine gewagte These. Man könnte umgekehrt behaupten, die Zahl der hetero Beziehungen in gemischten Schulen sei aufgrund der Heteronormativität so hoch.

    Die neu gebildete reine Jungenklasse meines Sohnes in Klasse 8 im Gymnasium ist grandios gescheitert.

    Woran? Magst Du mehr dazu erzählen? Mich interessiert auch, warum dieser Versuch gestartet wurde.

    ***

    Die Mädchenschule, an der ich früher war, ist übrigens eine katholische Schule. Das war schon auch zu spüren und das war auch einer der Gründe, warum ich mich ab der Mittelschule dann so stark rebelliert habe. Damals (Anfang der 90er) war meine Liebesbeziehung zu einer Mitschülerin nicht gern an der Schule gesehen.

    Inzwischen hat sich an dieser Schule vieles verändert und es gibt eine queere AG, wo u.a. überlegt wird, wie trans Personen an der Mädchenschule einen Platz finden können usw.

    fair@school 2024: „Die Bunten Uschis” (St. Ursula Gymnasium, Freiburg)
    Trans* sein auf einer katholischen Mädchenschule? Dass das geht, zeigen „Die Bunten Uschis” des St. Ursula Gymnasiums in Freiburg. Schüler*innen der neunten ...
    www.youtube.com

    Ich finde diesen kurzen Film sehr eindrücklich, wie es da offenbar gelingt, an einer Mädchenschule so beweglich und offen zu bleiben, daß es eben nicht um strikte Trennung, sondern um Schutzräume geht, die dann auch trans Personen einschließen.

  • Mein Kind empfand LK Physik dieses Jahr als "sehr merkwürdig"- er hat mehr geschrieben als im Aufsatz Deutsch. Zu rechnen etc. war fast nichts. Auch der Lehrer war nachhaltig irritiert. Am Ende ist es überall dasselbe - wer viele Worte macht, ist oft im Vorteil. Inhalt wird unwichtiger. Nervt im täglichen Leben unendlich und die Kinder können in den Klassen sehr genau einordnen, wer Dampfplauderer ist und wer Wissen dahinter hat.

    Wow.

    Aber warum war auch der Lehrer irritiert? Der hat doch den Unterricht und die Leistungskontrollen gemacht? Oder meinst Du die Abi-Prüfung in Physik?

    In meinen Diplomprüfungen in Physik musste ich auch kaum rechnen, wenn überhaupt, und in der Promotionsprüfung gar nicht.

    Will sagen: Physik ist erheblich mehr als rechnen.

  • Genau deswegen ist sehr wohl auch Fachwissen teil der Fachanforderungen.

    Du kannst kein weltpolitisches Verständnis entwickeln, wenn Du die zugehórigen Länder geographisch nicht mal ungefähr einordnen kannst. Aus der genaueren Kenntnis der Lage / Grenzverläufe usw. erschließen sich manche Probleme schon von alleine. Geopolitik ist weit mehr als Geographie, aber man kann die Grundlagen nicht durch gefühlte Meinungen ersetzen.

    Meiner Erfahrung nach macht der heutige Erdkungeunterricht genau das...

    Meine Erfahrung ist eine andere. Ich hatte in der Schule von Klasse 5 bis 10 durchgängig Geographie. Bei meinen Kindern scheinen 1- 2 Jahre Geographie (teilweise fachfremd unterrichtet) für das Abi zu reichen. Und das, was inhaltlich dran kam, war doch weit von "geographischen Grundlagen" entfernt. Unsere Generation lacht noch über Amis, die Afrika nicht auf einer Weltkarte fiinden. Bei den Grundlagen, wird das auch hier häufiger vorkommen. Man kann vieles auch noch später lernen. Ich habe aber den Eindruck, dass man auf das Wissen aufbaut das man schon hat, das erweitert, einem manches später klar wird. Aber oft braucht es eine Grundlage als Basis.