Beiträge von RAN

    Ich arbeite ja als gesetzliche Betreuerin und mich und meine KollegInnen verwirrt dieses Urteil ganz enorm. Wie Fiawin schon schrieb, sind betreute Menschen nicht entmündigt. Wir sind verpflichtet nach dem Willen des Betreuten zu handeln. Wahlen gehen uns nichts an. Die sind auch mit keinem Aufgabenkreis abgedeckt. Wenn Wahlbenachrichtigungen bei uns im Büro landen, werden sie sofort weitergeleitet.

    Weiß jemand, was diesem Urteil zu Grunde liegt? Warum geklagt wurde? Auch vor diesem Urteil war meiner Meinung nach völlig klar, dass BetreuerInnen nicht darüber entscheiden können, was betreute Menschen "dürfen" oder nicht. Das ist überhaupt nicht unser Auftrag und auch vom Betreuungsrecht nicht abgedeckt.

    Es ist tatsächlich Niederländisch. Als zweite Fremdsprache in der 6. Klasse ( jetzt ist sie in der 7.) Die Standardreaktion war und ist fast immer : " Was will sie denn damit?" Tja, Niederländisch lernen :D Ihr Grund war nicht die Sprache oder eine Affinität zu den Niederlanden, sondern dass klar war, dass es ein sehr kleiner Kurs wird. Sie sind zu zehnt, was echt toll ist. Ob sie das jemals wieder braucht, wer weiß das schon. Aber jetzt macht es ihr Spaß, auch wenn unsere Angebote am Wochenende mal nach Groningen zu fahren immer abgelehnt werden. Soweit, dass sie das auch anwenden will, geht die Begeisterung dann doch nicht. Und das ist völlig okay. Es ist nur ein Schulfach unter vielen. Sie interessiert sich sehr für Geschichte und philosophische Fragestellungen und dieses Interesse kann sie in anderen Schulfächern gut ausleben. Bei Fremdwörtern googelt sie, was sie bedeuten und benutzt sie auch.

    Um mal darzustellen, dass jede Sprache humanistische Werte vermitteln möchte und Sprachknobeleien und Sprachexperimente auch in jeder Sprache vorgesehen sind und dass das, was Aury so anspricht und was sie ihrer Tochter als Latein Vorteil verkauft, auch überall vorkommt, habe ich mal aus dem Kerncurriculum einer Fremdsprache meiner einen Tochter zitiert. Dort wird außerdem noch mehrmals darauf hingewiesen, dass der Erwerb dieser Fremdsprache den späteren Erwerb anderer Fremdsprachen sehr fördert und der Entwicklung der Persönlichkeit dient. Außerdem wird noch die Vermittlung interkultureller Kompetenzen dargestellt und deren Bedeutung. Wer möchte, darf gerne raten, um welche Sprache es sich handelt :D


    Zitat aus dem Kerncurriculum (Name der Sprache durch X ersetzt):

    Nicht zu unterschätzen ist auch der kulturgeschichtliche Bildungswert des X als Unterrichtsfach: X war lange Zeit nicht nur führende

    See- und Handelsmacht Europas, sondern auch Raum höchster künstlerischer

    Entfaltung, technischer Entwicklung und Mittelpunkt politisch-freiheitlichen Denkens wie intellektueller Diskussion gewesen. Viele bis heute gerade auch in

    Deutschland wirksame Entwicklungen in der Wissenschaft, in den Kirchen, im

    Schul- und Universitätsbereich sowie in der Rechtsprechung, im Sozialwesen und

    im Städtebau wären ohne den oft auch in X Sprache veröffentlichten Beitrag X Gelehrter, Künstler, Literaten und Wissenschaftler

    nicht denkbar. So erschließen sich über X auch gemeinsame

    Wurzeln und Wegbereiter der europäischen Kultur.


    Innerhalb dieses Prozesses kann Sprache auch als System wahrgenommen werden. Die Schülerinnen und Schüler erschließen sich dieses System vergleichend,

    strukturierend und experimentierend für ihr individuelles Sprachlernen. Sie erwerben Kenntnisse über das System der X Sprache (Aussprache,

    Wortschatz, Rechtschreibung und Grammatik), indem sie mit und in der Fremdsprache auch experimentieren und forschen dürfen. Entdeckendes Lernen ermöglicht Schülerinnen und Schülern einen sehr persönlichen Zugang zur Fremdsprache X. Sie bauen ihr individuelles Sprachwissen auf, indem sie z. B.

    die Möglichkeit erhalten, in ihrer Sprache Regeln zu formulieren, Hypothesen zu

    bilden oder individuelle Eselsbrücken zu finden. Wenn sie begleitend ihren eigenen

    Spracherwerbsprozess und den ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler reflektieren,

    entwickelt sich dabei sukzessive die Fähigkeit, Kenntnisse, Einsichten und Strategien, die sie sich beim Erwerb des X zu Eigen gemacht haben,

    auch für den Erwerb anderer Fremdsprachen zu nutzen. Auf diese Weise wird sowohl die Sprachbewusstheit als auch die Sprachlernbewusstheit der Schülerinnen

    und Schüler gefördert.

    Du hast irgendwo weiter oben geschrieben, dass Deine Tochter sagte, dass ihr Herz Französisch möchte, aber sie das nicht nehmen kann, weil Du dann nicht froh bist. Das sagt doch alles.

    Sie weiß, was sie nehmen möchte, aber Du lässt sie nicht. Statt ihr weiterhin irgendwelche Stellungnahmen zu Latein aufzudrängen, würde ich jetzt alle meine Energien darein setzen, dass sie nimmt, was sie möchte. Dass sie für sich wählt und nicht, um mir zu gefallen. Mir würde es mit dieser Aussage richtig schlecht gehen und ich würde alles tun, um das wieder gerade zu biegen. Deine Tochter hat kein Entscheidungsproblem, sondern steckt in einem Loyalitätskonflikt.

    Mal abgesehen davon, woher willst Du wissen, was Deiner Tochter mit 16 missfällt oder nicht? Insgesamt, es tut mir leid, aber Du kommst für mich schon etwas kontrollierend und bestimmend rüber, irgendwie ein bisschen am Leben an sich und den Interessen Deiner Tochter vorbei und andererseits völlig uninformiert, obwohl es Dir so wichtig zu sein scheint. Sorry#angst, aber ich finde das beim Lesen teilweise sehr befremdlich.

    Bis zur 11. Klasse ging es fast ausschließlich um den Alltag von Jugendlichen bei meiner Tochter. Natürlich war da auch mal Politik dabei, das Leben wird ja nicht unwesentlich von politischen Entscheidungen beeinflusst. Diskriminierung von Minderheiten, Arbeitslosigkeit etc.. Das kommt dann halt in den Texten vor. In der Regel begleiten Lehrbüchern in modernen Fremdsprachen ganz bestimmte Jugendliche beim Älterwerden mit allen Themen, die dazu gehören.

    https://drive.wps.com/d/AGDe9F2q240eiICA1e2GDw


    Hier findest Du dann auch Deklinationen etc.

    http://www.schule-bw.de/faeche…ache/deklinationstabellen


    Ich finde Latein selber auch gut, aber man muss immer und regelmäßig lernen. Wenn man einmal den Anschluss verloren hat, wird es sehr schwer, da sich innerhalb eines Verbes z.B. alles sehr ähnlich ist, teilweise sogar gleich, obwohl andere Person oder Zeit. Der Grund, warum ich in diesem Thread dagegen argumentiere, hat nichts mit Latein zu tun, sondern damit, dass Du erzählst, dass Deine Tochter vieles von dem hasst, was die Grundlage von Latein ist (z.B. alles Alte, Geschichte etc.) und dass sie Latein attraktiv findet, weil sie denkt, dass sie dadurch lernt sich besser zu konzentrieren und weniger Flüchtigkeitsfehler macht. Das wird wenn, dann nicht durch Latein passieren. Und wenn es nicht passiert, ist Latein fatal.

    Letztendlich ist es nur ein weiteres Schulfach. Drei oder vier Stunden die Woche plus etliche zu Hause, je nachdem, wie leicht ihr Vokabellernen und Konjugationen lernen fällt. Sie ist auf einem Gymnasium, da wird in allen Fächern auf gute Ausdrucksweise geachtet und Fremdwörter kommen überall vor und werden erklärt. Man wird kein besserer oder gebildeterer Mensch nur weil man Latein hatte. Es ist auch kein Philosophie oder Rhetorik Unterricht.

    Wenn Du möchtest, dass sie Latein macht, dann macht das, aber ich würde ihr da nichts Falsches versprechen. Es ist viel Lernarbeit, das würde ich jetzt nicht als Knobelspiele verkaufen. Nicht umsonst sind die Latein Leitfäden etc. sehr darauf bedacht einzelne "Spaßaspekte" oder angebliche Bildungsvorteile hervor zu heben, da der Arbeitsaufwand und das Scheiterungspotential viele abschreckt. Wenn es einem nicht liegt zu Recht. In modernen Fremdsprachen können einen dann da Fernsehen, YouTube, Zeitschriften, Urlaube etc.. retten, das Nachholen von einer einigermaßen überschaubaren Menge von Vokabeln um zumindest auf einer 4 zu bleiben oder da wieder hinzukommen. In Latein nur stundenlanges Nachholen der Vokabeln und Formen neben den neu dazu kommenden Inhalten.