Beiträge von Aomame

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    Hallo,


    ich hab heute entdeckt, dass meine 22 Monate alte Tochter wohl Fußpilz hat -- gelbe, dicke Hautschuppen zwischen den Zehen. Ich bin da selber recht anfällig für, hatte jetzt aber schon lange keinen mehr. Es scheint sie nicht weiter zu stören, aber ich würde natürlich trotzdem gerne was dagegen machen. Meint ihr, ich sollte zum Arzt gehen und ihr was verschreiben lassen? Oder kriegen wir den so irgendwie wieder weg? Hat eine von euch vielleicht schon Erfahrungen mit Essig-Fußbädern gemacht?


    Dank euch,
    Aomame

    Hallo lara loud (edit: oh, ohne Unterstrich, sehe ich grade),


    was mir vorhin noch eingefallen ist -- wenn du deine Diss überzeugend als geisteswissenschaftliche Arbeit verkaufen kannst, ist vielleicht Boehringer-Ingelheim eine Option für dich? http://www.boehringer-geisteswissenschaften.de/stifter.htm


    Ich drück dir die Daumen -- kein Geld zu haben finde ich jedenfalls den miesesten Grund, dass einem eine wissenschaftliche Karriere versagt bleibt, das darf eigentlich echt nicht sein. Und wie gesagt, bei nachdrücklicher Selbstwerbung über Website, soziale Netzwerke und vor allem Aufsatzveröffentlichung und Vorträge muss auch eine Online-Veröffentlichung nicht nachteilig sein. Bzw -- ob eine Buchveröffentlichung wirklich für Sichtbarkeit sorgt, ist auch nicht gewährleistet, da muss man sich schon gut überlegen, was man da von sich investieren möchte.

    Wenn du eine richtig, richtig tolle Diss geschrieben hast, gibt dir vielleicht die VG Wort Geld (http://www.vgwort.de/index.php?id=190). Von denen kriegst du ja eh was, wie du sicher weißt, aber mit Sicherheit nicht die 4000 €, die es dich unter Umständen kostet. Wenn deine Diss richtig toll (edit: ich glaube eigentlich, toll reicht schon) war, kriegst du vielleicht auch deine Doktormutter dazu, dich für einen Preis vorzuschlagen (viele Unis haben so angegliederte Förderstiftungen, die Dissertationspreise verleihen).


    Wenn Barbara Budrich für dich in Frage kommt, könntest du an deren Dissertationswettbewerb teilnehmen: http://www.budrich-academic.de/de/studieren/promotion/


    Die FAZit-Stiftung gewährt Druckkostenzuschüsse, in welcher Höhe, hab ich auf die Schnelle nicht rausgefunden: http://www.fazit-stiftung.de/bewerbung.html


    Außerdem kann man die Druckkosten steuerlich absetzen, das macht auch noch ein bisschen was aus (ich hatte gar nicht damit gerechnet und hab mich dann ziemlich drüber gefreut...).


    Wenn mir noch was einfällt, meld ich mich nochmal, das sind jetzt erstmal so die Klassiker, auf die bist du wahrscheinlich eh auch schon gestoßen.

    Wenn sie sich auch Entwicklungszusammenarbeit vorstellen kann, ist das Weltwärts-Programm der Bundesregierung vielleicht was für sie: http://www.weltwaerts.de/index.html


    Die sind umsonst, achten aber dafür sehr darauf, dass die Bewerber sehr engagiert sind (unter anderem dadurch, dass im Vorfeld schon für die entsendende Organisation Freiwilligenarbeit geleistet werden muss). Das ist aber auch wichtig, weil so eine Art Auslandsaufenthalt einem nochmal mehr abverlangen kann als Au-Pair etc (großer Kulturschock, Auseinandersetzung mit weltweiter Besitzverteilung etc).

    Meine Tochter entwickelt scheinbar früh (und ohne Vorbild, räusper) eine Begeisterung fürs Modische und bemerkt jedes ihr unbekannte Kleidungsstück an mir, meistens mit einem "oh Mama, Pullover!" oder "Mama Schuhe!".


    Heute sah sie mich wegen des plötzlichen Frühlingseinbruchs in einer Sommerbluse. Ihr Kommentar, während sie an meinem Kragen zupfte: "heute Mama leider das an." :huh:

    Oh danke, Trüffel, das beruhigt mich! Macht ja auch mehr Sinn, dass das nach und nach denaturiert und nicht auf einen Schlag.


    Dann lass ich die Kleine mal schlafen, grundlos wecken ist ja auch echt fies...

    Zitat

    deine kleine Erbse ;) (noch ne Leguminose)

    Ja, ich mag halt Hülsenfrüchte ;)

    Hallo,


    das ist ein etwas alberner Beitrag, aber ich mach mir grade nen Kopf und vielleicht könnt ihr mir sagen, ob zu recht oder eher zu unrecht...


    Ich bin heute beim Kochen etwas in Zeitnot geraten, und deshalb gab es in der Kartoffelpfanne eher bissfest- als gargekochte grüne Bohnen. Meine Tochter hat auch ordentlich gegessen, obwohl sie Gemüse (in gekochter Form) meistens aussortiert.


    Nach dem Essen ist mir dann eingefallen, dass rohe Bohnen ja verdammt giftig sind, und hab mal so ein bisschen rumrecherchiert, ab wann eine Bohne nicht mehr roh ist. Das Internet (und vor allem die Seite der Gift-Dingsbums-Zentrale in Bonn, die ich für ziemlich kompetent halte), setzt die Grenze zwischen giftig und nichtgiftig bei mindestens zehn, besser 15 Minuten Kochzeit. Meine Bohnen waren tiefgekühlt, also vermutlich kurz blanchiert (so ne Minute vielleicht?). Dann habe ich sie in der Mikrowelle aufgetaut, da haben sie nicht gekocht, dann nochmal ca. 7 Minuten in der Mikrowelle gegart. Dann in die Pfanne gegeben und noch kurz mit den Kartoffeln mitgebraten, vielleicht so zweidrei Minuten. Mit viel gutem Willen kann man sich also zehn Minuten so herkonstruieren. Meint ihr das reicht?


    Vergiftungssymptome sollen Bauchweh/Übelkeit/Erbrechen/Durchfall und Fieber/Schüttelfrost sein, die zwei bis drei Stunden nach Verzehr auftreten sollen (das wäre ungefähr jetzt). Mir und dem Papa gehts gut, aber Kinder reagieren ja stärker. Die kleine Erbse schläft schon. Meint ihr, es macht Sinn, sie zu wecken? Kriege ich mit, wenn es ihr schlecht geht?


    Oder mache ich mir überhaupt völig zu Unrecht Gedanken? Man steigert sich ja auch gerne mal in sowas rein...


    Dank euch für Meinungen oder auch eigene Bohnenerfahrungen!

    Ah, entschuldige Katrin, dann habe ich dich falsch verstanden. Seriöses Selbstmarketing ist auf jeden Fall wichtig. Ich würde aber -- wenn es um eine Wissenschaftskarriere gehen soll und noch irgendwie eine Anbindung an eine Uni besteht -- versuchen, die Internetpräsenz (zumindest zusätzlich) dort anzusiedeln, da wird man schneller gefunden und hat in der Institution quasi schonmal einen akademischen Fürsprecher. Ich muss derzeit häufig Informationen über Wissenschaftler zusammensuchen, und wenn die nirgends in offiziellem Kontext auftauchen, ist das häufig schon ein schlechtes Zeichen.

    Ist dein Thema halbwegs anwendungsrelevant? ich hab ganz gute Erfahrungen damit gemacht, die Stiftungsdatenbank http://www.stiftungen.org/de/service/stiftungssuche.html nach obskuren kleinen Förderen zu durchforsten, die ein Eigeninteresse haben könnten, Geld dazuzugeben, wenn sie dadurch in der Veröffentlichung stehen können. In meinem Fall waren das keine Druckkosten, sondern Sachmittel, aber da hab ich jemanden gefunden. War aber langwierig und aufwendig.


    Ansonsten würde ich für meinen Bereich (grob Sozialwissenschaft) eher sagen, es sollte schon ein echtes Buch sein. Wobei das Kriterium eher "renommierter/einschlägiger Verlag" ist als dass man was in der Hand hält, also Print on Demand oder Selbstverlag oder diese selbsternannten Qualifikationsarbeitsveröffentlicher, die einen dauernd zuspammen, wären eher quatsch. In meinem Bereich gibt es allerdings einen kleinen Verein, der einen anerkannten Online-Verlag unterhält, da werden Publikationen aus Mitgliedsbeiträgen bezahlt, und die Publikationen dort werden durchaus ernstgenommen. Einfach nur bei der Uni-Bibliothek oder auf der eigenen Website würde ich nicht tun. Und wenn doch, über academia.edu oder researchgate.net oder so massiv bewerben und die Dissergebnisse schnell und viel in peer-reviewed Zeitschriften veröffentlichen und auf Tagungen präsentieren, um Sichtbarkeit anderweitig herzustellen.

    ... du absolut süchtig nach den Erdbeer-Balistos bist, einfach weil die Verpackung eine so unglaublich hammer-wahnsinns-krasse Farbe hat.


    (das finde ich total schade, dass mir meine Begeisterung für Farbe nach der Schwangerschaft wieder abhanden gekommen ist. Ich fand so viele Sachen so schön)

    Bei mir war es ähnlich, aber ich habe im Nachhinein nicht so sehr darunter gelitten wie du (das mit dem irgendwie versagt haben und mir für den Dammriss die Schuld geben hatte ich aber auch).


    Ich hatte auch eine superschöne Geburt im Geburtshaus, die auch für eine Erstgeburt verhältnismäßig schnell verlaufen ist (im Geburtshaus selbst waren wir nur dreieinhalb Stunden plus Duschen und Frühstücken, dann haben sie uns wieder heimgeschickt). Meine Hebammen waren sehr kompetent und haben die für mich richtige Mschung von Machenlassen und Treten gefunden.


    Ich hab die ganze Eröffnungs- und Übergangsphase super veratmet und die Wehen weitgehend gut ausgehalten. Aber meine Fruchtblase ist nicht geplatzt und deshalb waren die Presswehen nicht nur sehr schmerzhaft, sondern auch lange sinnlos, und ich hab das mit dem Pressen einfach nicht kapiert. Man hat mir vorher gesagt, das geht von selbst und ich muss nur mitgehen, aber ich habe einfach nicht kapiert, wohin mitgehen. Das hat einfach nur wehgetan.


    Dann haben sie irgendwann die FB aufgestochen, und von da an hat das alles so höllisch wehgetan, dass ich gar nichts mehr tun konnte. Es hat nicht mehr lange gedauert, aber ich war völlig hilflos. Als der Kopf da war, wollte die Hebamme, dass ich zur Motivation fühle, aber ich war so mit meinem Körper und meinen Schmerzen beschäftigt, dass ich das als absolute Zumutung empfunden habe (also anders als bei dir -- ich hatte nicht Schwierigikeiten loszulassen, sondern in dem Moment hatte das alles nur noch mit mir und gar nichts mit dem Baby zu tun). Aber dann war das Baby plötzlich da (was mich erst sehr irritiert hat, weil ich selbst noch in einem ganz anderen Modus unterwegs war), und ich konnte mich dann auch schnell darauf einlassen und die Geburtserfahrung ad acta legen.


    Also vor den Presswehen beim (hoffentlich) nächsten Kind hab ich schon ein bisschen Angst. Aber ich gehe jetzt nicht mehr davon aus, dass dann "der schwere Teil geschafft" ist und "alles von allein" geht, sondern dass das die eigentliche Herausforderung ist. Ich hoffe, dann überfahren sie mich nicht so.

    ... wenn du deiner Schwester erklärst, wie sie zum Bioladen kommt, nämlich erstmal eeeewig die Straße runter und dann irgendwann links an der Kreuzung -- und deine Schwester zehn Minuten später mit den Einkäufen wieder vor dir steht und sagt: "das war doch gleich ums Eck?!"


    ... wenn du bei einem Geschäftsessen so gierig auf den Nachtisch deiner Chefin schaust, dass sie ihn dir anbietet -- und du ihn auch noch nimmst... :S

    Als wir damals nach einem Namen für die kleine Erbse gesucht haben, konnten wir uns nach langem Hin und Her auf eine Kombination von meinem Favorit als Erstnamen und seinem Favorit als Zweitnamen einigen. Und dann ist mir aufgefallen, dass der Zweitname eine Form (gebräuchliche Abkürzung) des Namens einer sehr guten Freundin meiner Mutter war, die kurz vorher gestorben war.


    Da habe ich dann auch sehr lange gehadert, wenn auch eher aus dem Grund heraus, dass ich nicht so gerne wollte, dass diese Verbindung gezogen wird -- ich mochte die Freundin zwar ganz gerne, hatte aber keinen wirklichen Bezug zu ihr und finde das Argument des ewigen Keislaufs, das ja sowieso zwangsweise kommt (einer muss gehen, aber dafür entsteht auch neues Leben), etwas schwierig, weil es dem neuen Kind irgendwie schon eine gewisse Verantwortung auflastet (dazu kommt, dass während meiner Schwangerschaft auch noch andere Personen im Umkreis gestorben sind und mein Ungeborenes jedesmal zum Ausgleich für die Gerechtigkeit der Welt herhalten musste, das wurde mir ein bisschen viel).


    Wir haben uns dann trotzdem für den Zweitnamen entschieden. Meine Mutter hat natürlich den Zusammenhang sofort hergestellt, aber ich habe dann sehr deutlich gesagt, dass der für uns so nicht entscheidend war, sondern uns der Name gut gefallen hat; dass sie aber natürlich, wenn sie die Verbindung für sich ziehen möchte, das auch tun kann, und dass ich mich freue, wenn das für sie dann diese Bedeutung hat (sie hat dann etwas überraschend aus dem ersten Namen auch noch eine Variante des Namens ihrer Mutter herausgelesen; ich habe sie nicht davon abgehalten, aber trotzdem betont, dass das nicht unsere Absicht war).


    Vielleicht könnt ihr das ja ähnlich machen, zumal euch ja wirklich vor allem der Name gefällt und du die Übereinstimmung mit deiner Oma nur zusätzlich noch schön findest. Das kann man dann ja den verschiedenen Teilen der Familie vielleicht mit verschiedenem Schwerpunkt kommunizieren. Jedenfalls finde ich auch, dass das zuallererst eure Entscheidung ist und die Befindlichkeiten anderer nur dann in Betracht gezogen werden müssen, wenn sie wirklich auf schwerwiegenden Gründen beruhen. Und wenn das Kind erstmal da ist, dann wird es ja in Nullkommanix einfach zu dieser Person mit diesem Namen, und die Hintergründe der Namensgebung werden bald irrelevant.

    Ich kenn mich nicht wirklich aus, kann aber beisteuern, dass in meinem Umfeld in so einer Situation häufig der TV-L oder -ÖD als Orientierungsgrundlage genommen wurde. Wobei man sich dann daran orientieren sollte, welcher Abschluss in der Anzeige erwartet wird, nicht unbedingt daran, welchen man tatsächlich hat (außer du bist sicher, dass du extrem gut auf die Stelle passt und davon ausgehen kannst, dass sie deswegen gerne auch ein bisschen mehr ausgeben).


    Tarifrechner finden sich ja zuhauf im Internet. Ich würde dann als Berufsanfängerin mit Stufe 1 rechnen, da kämst du brutto trotzdem noch über die 35.000, die du jetzt anzielst, die müssten also okay sein, denke ich.

    Das gemeine ist ja auch, dass man paradoxe Anforderungen gestellt kriegt: sei zielstrebig und plane, das aber in einem Umfeld, das seinerseits nicht bereit ist, dir mehr als zwölf Monate Sicherheit zuzugestehen. Also kann man ja letztendlich nur bei Brecht rauskommen -- "drum mach dir einen Plan und sei ein großes Licht, und mach dir einen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht". Ich bin bislang ohne Plan auch wirklich gut gefahren (bin inzwischen in der dritten Fachdisziplin angekommen, weil das Thema, das mich interessiert, völlig zwischen allen Stühlen hängt), es ist immer was nachgekommen, und von hinten betrachtet kann man sogar so tun, als hätte das alles was miteinander zu tun gehabt (wie ja eigentlich bei den meisten -- einen Lebenslauf schreiben ist ja nichts anderes, als eine Reihe von Zufällen und voneinander unabhängigen Entscheidungen zu einer kohärenten Geschichte umzudichten).


    Aber in den Momenten, in denen das letzte aufhört und das nächste sich noch nicht abzeichnet, werde ich immer ziemlich unruhig. Und ich glaube schon, je mehr ich schon investiert habe (Diss, Umzug) und je mehr ich investieren muss (Kompromisse mit der Familie), um so mehr steigt die Unruhe.


    Davon ab, ich glaube die heutige Generation Profs hatte es schon objektiv leichter. Mich ärgert eher immer, dass sie das nicht anerkennen. Man schaue sich doch nur die Exzellenzinitiative an mit dem ganzen Nachwuchs, den sie produziert. Und dann wird in der Postdoc-Phase aussortiert, weil es da plötzlich keine Stellen mehr gibt. Damit sichert man sich die Lehre, weil zwei Jahre Lehrkraft für besondere Aufgaben macht noch jeder mit in der Hoffnung, dass dann was besseres kommt. Und dann entlässt man die Leute in die Wirtschaft, wo sie häufig dann schon überspezialisiert und mit Dr.-Titel zu teuer sind. Früher konnte man schon eher damit rechnen, dass man, wenn man liebt was man tut, auch in der Wissenschaft unterkommt, auch mit guter Aussicht auf C4.


    (Edit: ich hab grade mal nachgezählt: ich habe in meinen acht Jahren Uni bislang neun Arbeitsverträge abgeschlossen, also im Schnitt nicht mal Jahresverträge. Klar waren das häufig eher Formalia, aber ich kenne auch genug Geschichten, wo eine Anstellung im letzten Moment geplatzt ist, einmal sogar nach Umzug durch die Republik. Das ist einfach keine entspannte Grundhaltung, die man da einnehmen kann, jedenfalls geht sie mir zunehmend verloren.)

    Äh ja, entschuldigt die Polemik. Die Erbse steht derzeit um halb sechs auf (Mamaaaa! fertig schlafen!!!), da bin ich spätabends zu einer ausgewogenen Weltsicht nicht mehr in der Lage...


    Ich neide halt den Lehrern, die ich kenne, die Planungssicherheit -- zu wissen, ich kann jederzeit in Elternzeit gehen und danach ist mein Job noch da und ich bin auch nach mehrjähriger Pause immernoch weitgehend ausreichend qualifiziert, um ihn auch zu machen; zu wissen, ich kann auch umziehen und finde wieder was (naja, außer die Zugrichtung geht von NRW nach Bayern). Natürlich ist der Job knochenhart, und mit Sicherheit nimmt man als Lehrer abends genausoviel mit heim wie in der Wissenschaft, nur vielleicht andere Sachen. Und letztendlich wollte ich ja auch nicht Lehrerin werden, Planungssicherheit ist demnach offensichtlich nicht alles. (Ich hab mich mal in einer schrägen "euer Gras ist viel grüner"-Diskussion mit einem Lehrer wiedergefunden, dem ich die volle Stelle und das Haus neidete, während er mir vorwarf, undankbar zu sein, weil ich die Chance mich selbst zu verwirklichen nicht genug wertschätze.)


    Das mit der Planung stößt glaube ich an mein Kernproblem: ich mag das auch nicht tun, ich mag *jetzt* das machen, was mir Spaß macht. Aber mir ist verschiedentlich gesagt worden, dass man mit dieser Einstellung, also ohne Strategie, ratzfatz rausfliegt aus dem System.

    Dank euch nochmal für die differenzierten Antworten und entschuldigt, dass ich mich erst jetzt wieder melde.


    Ich hab vor einiger Zeit eine 'Fortbildung' an der Uni zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gemacht -- letztlich eines dieser Selbsterfahrungs-/Peer-Austausch-Seminare, bei denen einem klargemacht werden soll, dass man die Antwort längst kennt, weil sie in einem selbst verborgen liegt. Dort war ich übrigens die einzige, die erst das Kind gemacht und sich dann die Frage gestellt hat, wie das denn jetzt eigentlich gehen soll :) Die anderen kamen alle mit der Frage, ob sie sich trauen sollen, überhaupt ein Kind zu bekommen, was einiges über den Saftladen Wissenschaft aussagt, finde ich.


    Das Patentrezept der Seminarleiterin war es, in uns die Erkenntnis zu wecken, dass wir Kompromisse nicht notwendigerweise in der Lebens-, sondern auch in der Karriereplanung schließen können -- uns als hehres Ziel also nicht die W3-Professur setzen müssen, sondern auch mit einer wissenschaftlichen MA-Stelle glücklich sein können, und dabei Ressourcen für anderes freisetzen können. (Dieselbe Frau hat aber wortlos die Augenbrauen hochgezogen, als ich unter dem Stichwort 'Planung' an der Pinnwand eine Moderationskarte mit den Worten 'zweites Kind' anbrachte.)


    Der Armen wurde im Verlauf fast der Kopf abgerissen, weil sie sich der allgemeinen Ansicht gegenüber fand, dass ein solcher Mittelweg im deutschen Hochschulsystem einfach nicht angelegt ist: es ist halt eine Frage von ganz oder gar nicht, plan auf die Professur hin oder gib es gleich auf. Klar gibt es ein paar akademische Ratsstellen, und vermehrt werden auch Lecturerstellen gebildet, aber sich in seiner Karriereplanung darauf verlassen, dass man sowas (unbefristet) kriegt, ist so ähnlich wie Lotto spielen.


    Insofern ist es ja nicht nur die Frage, mute ich meiner Familie unmögliche Arbeitszeiten, maximale Flexibilität und mehrfache Ortswechsel zu, sondern auch, führt es letztlich zu was?


    Aus allen euren Beiträgen hab ich rausgelesen, dass es einer ziemlichen Kompromissbereitschaft bedarf, und das nicht nur bei sich selbst (Selbstansprüche, Freizeit, Osterkränze, Ordnung), sondern auch bei der Familie (keine Karriere des Partners, Kinder, die örtliche Wechsel mitmachen). Wo man die Kompromisse letztlich schließen muss oder auch kann, ist vermutlich sehr individuell von der eigenen Person und Situation abhängig. Und vielleicht ändert sich das auch und man kann das vorher gar nicht so entscheiden. Es ist mehr ein schwammiger Möglichkeitsraum: wenn ich mich für den Versuch einer Karriere entscheide, dann entscheide ich mich (und meine Familie) für eine anstrengende, ungewisse Zukunft, wobei der Weg das Ziel sein muss, wenn man nicht den Atem verlieren will. Wenn man all die Umwege, die man in diesem System so geht, nur als solche wahrnimmt, muss man zwangsläufig frustriert werden. Vielleicht sollte man die Umwege gehen, solange es überhaupt weitergeht, die Landschaft in ihrer Vielfältigkeit genießen und abwarten, wo man rauskommt. Und darauf vertrauen, dass man sich immer noch irgendwie querfeldein auf die nächste Landtraße oder zumindest einen Trampelpfad woandershin schlagen kann.


    Ich glaube, das meinte ich auch mit dem Partner, der einen mit einem sicheren Beruf entlasten können sollte. Mir schwebt der Idealfall eines Gymnasiallehrers vor: jemand, der überall unterkommt und gleichbleibend gut verdient, ohne selber große Aussichten auf Karriere zu habe. Solche Stellen gibt es nun wirklich nicht so häufig, insofern hast du sicher recht, Shakes. Aber dass die Unterstützung des Partners ganz wesentlich ist, ist bei euch allen deutlich geworden. Ich habe die Unterstützung, aber gleichzeitig ein schlechtes Gewissen, weil mein Freund auch sehr gerne tut, was er tut. Und auch er ist noch weit davon entfernt, ein auf Jahre gesichertes Auskommen zu haben, muss also gerade auch selbst zumindest in Ansätzen in Richtung Karriere denken.

    Hm, ich habe jetzt dummerweise bei jedem einzelnen Beitrag beim Lesen gedacht: genau! Ich kann genausogut von Seiten der Familie argumentieren wie von Seiten des Jobs, und beides gleichermaßen völlig ernst meinen -- nur nicht gleichzeitig. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin zwei Personen: wenn ich mit meiner Tochter zuhause bin, ist mir völlig wurscht, was auf meinem Schreibtisch wartet. Wenn ich im Büro bin, dann ärgere ich mich, dass ich jetzt aufhören und in die Kita muss. Und zwischendrin, in der Bahn hin und zurück, schaffe ich es, gegenüber beiden Seiten ein schlechtes Gewissen zu haben.


    Ich glaube, die Kunst ist, sich entweder wie jabberwocky und sitopanaki für eine Priorität zu entscheiden (bei den meisten wird das die Familie sein, schon allein deswegen, weil man die viel schlechter anpassen kann als den Job -- ich habe im Bekanntenkreis aber auch eine Frau, die Mann & zwei Kinder für die Karriere als Professorin sitzenlassen hat), oder wie die Anonyma pragmatisch in den Selbstansprüchen zu werden, aber dafür auch konsequent ein Ziel zu formulieren und darauf hinzuarbeiten, statt immer wieder alles in Frage zu stellen. Auf jeden Fall sollte die Entscheidung in Ruhe und am besten gemeinsam getroffen und nicht übers Knie gebrochen werden, wie Mädchen79 sagt. Und vielleicht ist es auch einfach so: es braucht zusätzlich zu allem anderen auch ein bisschen Glück, und wenn das kommt ist gut, und wenn nicht, dann muss man halt was anderes tun.


    Natürlich ist es dann einfacher, es mit der Karriere zu versuchen, wenn in der Beziehung der andere zur Not als Brotverdiener fungieren kann und man selber dadurch auch die Freiheit zum Scheitern hat. Das ist bei uns nur bedingt der Fall, mein Freund hat auch einen befristeten Vertrag, und eine Familie davon zu ernähren würde zudem knapp. Andererseits würde ich sicherlich auch anderweitig irgendwo unterkommen, ich bin halbwegs breit qualifiziert, der Broterwerb könnte also vermutlich gesichert werden (ob auf sichererer Basis als jetzt, ist schwer zu sagen, die Option Schule steht mir jedenfalls leider nicht offen). Ich habe nur Sorge, dass ich mir auch da Chancen verbaue, je länger ich mich noch im Versuch einer wissenschaftlichen Karriere festbeiße.


    Ich finde es jedenfalls beruhigend, dass ich mit den Fragen nicht alleine bin. Und auch, dass es Frauen gibt, die es zwar auch nicht grade einfach fanden, es aber trotzdem geschafft haben, beruflich wo anzukommen, wo es ihnen gefällt. Ich muss ehrlich sagen, dass mich auch ein gewisser politischer Trotz befällt, wenn ich über diese Sachen nachdenke. Ich sehe einfach nicht recht ein, dass das nicht machbar sein soll. Ob das gut ist (weil es mir Energie gibt) oder schlecht (weil es meine Prioritäten auf merkwürdige Weise verschiebt und mich unter Gelingensdruck setzt), kann ich gar nicht sagen.


    Katinki: kann gut sein, dass wir uns kennen :) auf Anhieb wüsste ich es jetzt aber nicht sicher...


    Dank euch nochmal für eure offenen Berichte und ausführlichen Reflektionen!

    Liebe alle,


    dank euch für eure Antworten! -- in der ganzen Bandbreite, in der sich meine Emotionen derzeit bewegen :)


    Per PM hab ich noch eine weitere Antwort bekommen von einem Forumsmitglied, das lieber anonym bleiben will, allerdings mit der Erlaubnis den Beitrag in den Thread zu kopieren. Das tue ich also mal (die Formatierung haut mir leider komische Zeilenumbrüche rein, ich weiß nicht, wie ich das verhindern kann):


    Hallo liebe Raben,


    ich bin neu hier, finde aber beim Einlesen den Umgangston so nett und kompetent, dass ich euch gerne mal mein Herz ausschütten möchte. Falls ich dabei irgendwelche Gepflogenheiten misachte, entschuldigt bitte und sagt mir am besten gleich, was nicht passt, ich bin absolut lernwillig :)


    Also -- ich bin promovierte Sozialwissenschaftlerin an der Uni, mache also brotlose Kunst, das aber total gerne. Seit gut anderthalb Jahren habe ich eine tolle Tochter. Als wir übers Kinderkriegen geredet haben, war für mich klar, dass ich auf jeden Fall wieder arbeiten will, das war auch in der Beziehung völlig klar. Der Papa hat erst zwei Wochen nach der Geburt seine erste Stelle angefangen, weshalb auch logisch war, dass er maximal die beiden Vätermonate Elternzeit nehmen konnte. Ich habe nach sieben Monaten wieder auf zehn Stunden angefangen zu arbeiten; als die kleine Erbse ein Jahr alt war, ist sie in die Kita gekommen und ich habe auf eine halbe Stelle aufgestockt. Weil man an der Uni ja fast auschließlich projektbezogen und befristet arbeitet, hatte ich eigentlich gar kein Anrecht darauf, die Elternzeit nachzuarbeiten, aber nette Chefs, die das irgendwie doch ermöglicht haben. Die nachgearbeitete Elternzeit und damit mein Vertrag laufen zum Herbst hin aus. Danach gibt es erstmal keinen Anschluss, mein Prof ist emeritiert und es wird jemand neues mit neuem Mitarbeiterstab auf die Professur kommen. In der nachgearbeiteten Zeit war ich eigentlich nur mit Stückwerk befasst, habe also so gut wie gar nichts für meine eigene Weiterqualifikation gemacht und damit auch nichts, aus dem irgendwo eine Weiterbeschäftigung entstehen könnte.


    Mir hat die Prekarität der Wissenschaft eigentlich nie was ausgemacht. Halb- bis Dreijahresverträge, -- naja, es ist ja immer was nachgekommen. Auf ner halben Stelle gezahlt werden und für eine ganze arbeiten, -- naja, dafür ist man flexibel, selbständig und macht Sachen, die einen wirklich interessieren. Man muss irgendwann weg (mindestens mal in eine andere Stadt, wenn nicht am besten ins Ausland), wenn man in der Wissenschaft vorankommen will, -- naja, ist doch spannend und man sieht was von der Welt. Man muss sechs Jahre nach der Diss untergebracht sein, sonst kriegt man keine Haushaltstelle mehr, -- naja, dann muss man halt gut sein.


    Seit ich eine Familie habe, nervt mich die Prekarität wahnsinnig. Ich will mal planen können. Ich will wissen, dass ich für die nächsten Jahre untergebracht bin. Ich will mein Kind und meinen Freund nicht durch die Republik schleifen, ohne zu wissen, für wie lange. Ich will keine blöden Vertretungsprofessuren in Hinterpusemuckel übernehmen und meine Tochter nur drei Tage die Wochen sehen. Und ich kann nicht mehr so arbeiten, wie ich es vorher getan habe: solange, bis es halt fertig und gut war. Jetzt lasse ich punkt viertel vor vier den Stift fallen, egal, was ich grade tue, um die Erbse von der Kita holen zu können.


    Aber: ich liebe meinen Beruf, ich mache super gerne Lehre, ich forsche total gerne, und ich bin in beidem gut.


    Unsere Kita ist toll, total flexibel und extra auf berufstätige Eltern ausgerichtet. Ich leiste mir eine Putzhilfe. Unsere Tochter ist ein wahnsinnig liebes, wirklich pflegeleichtes Kind. Eigentlich habe ich wirklich gute Grundvoraussetzungen. Aber ich bin andauernd überfordert, schaffe nichts im Verhältnis zu dem, was ich schaffen möchte, und setze mich konstant unter Druck. Und parallel reden wir über ein zweites Kind...


    Gibt es hier Leute, die auch gerne, aber in einem (auf lange Zeit) total unsicheren Arbeitsfeld arbeiten? Wie geht ihr damit um? Ist es vermessen einfach zu glauben, dass man die gleichen Maßstäbe an sich ansetzen kann wie vorher? Muss man einfach Kompromise schließen? und wo? Ist es sinnvoller, sich was zu suchen, was zwar langweiliger ist, aber dafür mehr Sicherheit bietet? und findet ihr es nicht auch zum Schreien, dass man sich vornehmen kann, was man will, plötzlich hat man wieder die verfluchten althergebrachten Geschlechterstrukturen reproduziert??? Trotz Reflexion und gemeinsamen Entscheidungen? einfach, weil jede einzelne Entscheidung genau so grade Sinn gemacht hat?


    Ihr seht, ich bin grade etwas frustriert und ziemlich verloren. Ich weiß, dass ihr keine Patentantworten habt, aber vielleicht gibt es den einen oder die andere, die für sich in einer ähnlichen Situation eine gute Lösung gefunden haben? Es würde mich schon freuen zu lesen, dass ich mich mit diesen Fragen nicht allein rumkämpfe...


    Dank euch schonmal fürs Zuhören! :)


    Aomame