Beiträge von Trin

    Hallo,


    Die meisten Kinder in der Schule meiner Kinder zeigten tatsächlich irgendwann ein Interesse daran, in ihren Geschichten und Aushängen weniger Fehler zu machen. Ich denke, daß da das Vorbild der älteren Kinder z.B. eine Rolle spielte. Sie WOLLTEN ja "groß sein" und da gehörte eben auch dazu, daß die Aushänge, Geschichten usw., weniger/keine Fehler hatten. Und wenn man merkte, das Interesse ist da, konnte man die entsprechenden Methoden anbieten (Rechtschreibmaterial, Möglichkeiten zur Selbstkontrolle, Übungsblätter....).

    Und da bestimmte Dinge (Lernworte z.B.) zur Tagesroutine gehörten, wurden sie im Normalfall auch gemacht. Wenn nicht, wurde nach dem Grund geschaut.


    Aber angenommen, es gäbe tatsächlich Kinder, die in einem dafür vorgesehenen Zeitraum (muss der unbedingt bei 6 Jahren liegen?) noch kein eignen Interesse am lesen und (recht)schreiben lernen gezeigt haben... oder Multiplikation. Oder die europäischen Hauptstädte...


    Muss man tatsächlich aus Sorge davor von vorn herein alle Kinder in ein festgelegtes Lernschema stecken - oder würde es reichen, sich zu bemühen DIESE Kinder zu motivieren und zu begleiten? zu schauen, warum das Kind kein Interesse hat bzw,. zwar am Thema arbeitet, aber kaum Fortschritte macht?


    Ich meine, man kann mit ihnen reden und zeigen, warum bestimmte Lerninhalte wichtig sind. Oder ihnen erklären, daß bestimmte Dinge nun mal erwartet werden. Das finde ich nur mittelprächtig toll, aber so ist es nun mal in unserem Schulsystem, warum sollte man da nicht auch ehrlich zu den Kindern sein.... ?

    Meine eine Tochter hätte ohne diese Erwartung - verdeutlicht als Thema im Pensenheft mit dem Kinder und Lehrer gemeinsam arbeiteten - vermutlich tatsächlich keine Schreibschrift gelernt und hätte weiter Druckschrift geschrieben (wäre das ein Schaden gewesen?) .

    Weil sie wusste, es gehört halt in Klasse 2 dazu, hat sie es gemacht. Um danach keine mehr zu schreiben, sondern eine sehr eigenwillige nicht verbundene Handschrift zu entwickeln, optisch so ein Mittelding zwischen LotR Zwergen- und Elbenschrift...

    Hallo,


    Ich möchte dir deine Erfahrungen auch keineswegs absprechen. Wenn es bei euch so ist, dann ist es bei euch(!) so,


    Ich kann nur von de Schule meiner Kinder sprechen - das gibt es sehr viele Dinge, die ich so tatsächlich an keiner staatlichen Schule hier im Umfeld finden würde. Das geht bei der Jahrgangsmischung und echt gelebter Inklusion los und hört bei der kompletten Sichtweise aufs Lernen noch lange nicht auf. Die "Angebote" (für mich eher nettes Drumrum ums Wesentliche) spielen da die geringste Rolle. Und das ist nicht nur so, weil ich denke, es müsste sie so geben, weil ich für die Schule bezahle.


    (OK, eine einzige staatliche Modellschule mit ähnlichen Ansätzen gibt es tatsächlich - aber da einen Platz zu bekommen, wäre weitestgehend utopisch gewesen und außerdem liegt sie vom Weg her sehr viel ungünstiger. )

    Hallo,


    Kannst du hingehen und in der Klasse hospitieren in die dein Kind kommen würde? Inklusive der Fächer, die es anderswo nicht gibt (Eurythmie z.B.) Dann bekommst du vielleicht ein Gefühl dafür, ob es für ihn passt. Klassengröße, Unterrichtsform, Umgang miteinander...


    Und mit dem Lehrer/der Lehrerin ins Gespräch kommen. Garantien gibt es nie, aber man hat dann manchmal ja doch so ein könnte passen/passt vermutlich nicht Gefühl. Mich würde es z.B. auch nachdenklich machen, wenn "alles kein Problem" scheint und sich "ALLE Schüler nachdem Wechsel ausschließlich wohl fühlen und nie irgendwer Probleme hat. Denn dsa halte ich für unwahrscheinlich, darum wäre es mir wichtiger, zu wissen, wie eventuell auftretende Schwierigkeiten aufgefangen werden.


    Wenn die Schule das nicht möchte, wäre das für mich persönlich z.B. schon mal ein Problem und würde mich nachdenklich machen (die (Allerdings Montessori) Schule meiner Kinder hat sogar erwartet, daß man hospitieren kommt, damit man weiß "worauf man sich einlässt") .


    Daß sich Montessori und Asperger ausschließen, würde ich übringens so nicht sagen. Auch Kinder mit Besonderheiten im Autismis-Spektrum sind ja Individuen und ihre Bedürfnisse ganz verschieden. Ich kenne ein autistisches Kind, bei dem ich sagen würde: Hm, Montessori tatsächlich eher nicht, dieses Kind muss wissen, Lisa sitzt immer hier und Paul immer da und wenn Mathe ist, machen wir Mathe, denn Deutsch, dann ... ", aber ich kenne auch Kinder, denen gerade das individuelle Lernen, die Möglichkeit, sich zurückziehen zu können, für sich selbst zu arbeiten, die Ruhe in der Klasse usw. überhaupt erst die Türen geöffnet hat (Es ist ja nicht so, daß es bei Montessori keine Regeln und Strukturen gäbe ;))


    Aber wenn es keine solche Schule in der Nähe gibt, sind diese Überlegungen ja eh hinfällig.,

    Hallo,


    Und ja: ich sehe auch die Vorteile beim Vorziehen der Druckbuchstaben. Früher gab es für die Leseanfänger sogar extra gedruckte Bücher in Schreibschrift, das ist heute nicht mehr nötig.


    Die fand ich als Kind ganz furchtbar und so anstrengend zu lesen, daß ich sie schnell beiseite gelegt habe,. obwohl ich eine Leseratte war, die Bücher normalerweise regelrecht verschlungen hat. (Wir hatten von Tag 1 an Schreibschrift, diese Bücher waren dazu da, das Lesen der Schreibschrift zu trainieren). Dabei habe ich witzigerweise die ganz alte Druckschrift in Büchern aus der Kindheit meiner Oma schon in Klasse 1 flüssig gelesen, fast genau so schnell wie die in der Schule gelernte Druckschrift. Ich weiß bis heute nicht, wo da der Unterschied besteht.


    Zum schreiben lernen - auch da bin ich überzeugt davon, daß die meisten Kinder von einem individuellen Ansatz profitieren könnten. Wie gesagt, eine eine Tochter hat vom ersten Schultag angefangen, Schreibschrift zu schreiben, einer meiner Söhne in Klasse 3, die anderen dazwischen.


    Sohn 1 (Linkshänder mit graphomotorischen Problemen) konnte überhaupt erst schreiben lernen, als ihm statt der sonst üblicher Schulausgangsschrift die vereinfachte Ausgangsschrift angeboten wurde. Und ich bin überzeugt davon, daß die positiven Rückmelungen zum i n h a l t frei geschriebener Texte unabhängig vom Rechtschreibung und Schrift auf jeden Fall dazu beigetragen hat, die Motivation zum schreiben lernen zu erhalten bzw. wieder herzustellen und so dazu geführt hat, daß das Kind weiter auch freiwillig schrieb und so seine Hand trainierte.


    Aber auch da sind die Erfahrungen vermutlich unterschiedlich, daß "alle im gleichen Tempo das gleiche" dienlich ist, bezweifle ich auch hier und erlebe ja, wie viel die Eltern dann teilweise durch üben zu Hause ausgleichen müssen, damit das Kind Schritt halten kann.


    Was ich tatsächlich schwierig finde, ist Druckbuchstaben einzuführen um dann nach wenigen Wochen auf Schreibschrift zu wechseln. Da denke ich tatsächlich: Entweder gleich Schreibschrift einführen oder erst den gesamten Druckbuchstaben-Lehrgang durchnehmen und wenn sich die Schrift gefestigt hat, sinnvolle Verbindungen anbieten.


    Was mich stört ist ein Wettbewerb, den ich erlebe, leider meist von Eltern ausgelöst. Also das Kind der Nachbarin ist schon beim F, das haben wir noch lange nicht. Also die Tochter meines Kollegen schreibt schon Schreibschrift, das fangen wir mal zu Hause an, wer weiß, wann das bei meinem Kind dran kommt. Die Klasse 2 c hat schon XY dran, icht noch nciht... (vielleicht hat die Lehrkraft ja einen Grund für den Thementausch). Und so weiter. Erweiterbar auf Mathe (Rechenoperationen, Multiplikation...) , stattfindendes Englisch oder nicht usw.


    Natürlich sollten Eltern nachfragen, wenn ihnen etwas komisch vorkommt. Wenn viel Unterricht ausfällt, wenn durch Klassenkonstellationen/-größen das Unterrichten schwer ist.... Und im Idealfall mit den Lehrern gemeinsam überlegen, was man tun kann (sich für Vertretungskräfte einsetzen, oft wirkt es mehr, wenn diese Forderung von Eltern kommt) ...


    Aber dieses ständige Vergleichen und "Die anderen sind alle weiter (Sind sie das?) , bestimmt hat´s mein Kind auf dem Gymnasium/Im Studium ganz schwer, wenn es ... (3 Wochen später Li na ist am O fen liest/ die 3er Reihe kann, erst ab Klasse 3 Englisch hat....) ", das mit zumindest im hiesigen Umfeld gar nicht so selten begegnet, kann ich persönlich nur schwer nachvoillziehen.

    Hallo,


    Ein Problem beim Ruf einer Schule ist, daß man selten einen direkten Vergleich hat (so wie ich ihn z.B. durch Kinder früher an der einen, selber Arbeit an anderen) habe.


    Oft wird das, was man erlebt erst mal als Standard hingenommen und einem fallen nur gröbere Dinge auf. Ob es dem Kind woanders besser oder weniger gut gegangen wäre, kann man nicht einschätzen.


    Und jedes Kind ist anders, wie geschrieben, was für die einen den guten/nicht guten Ruf ausmacht, kann für ein anderes Kind oder andre Eltern das Gegenteil bedeuten. Für uns war z.B. Freiheit beim Lernen wichtig, für Eltern, die das eher kritisch sehen, ist das, was für uns "guter Ruf" ist, also eher "schlechter Ruf". Für uns war "Keine HA" super, für Eltern, die HA zum wiederholen und um den Überblick zu haben wichtig finden, wäre es eher ein negativer Aspekt. eine gute Hortbetreuung bis 17 Uhr wäre für uns immer wichtig gewesen - eine Ganztagsschule Bleibe-Pflicht bis zum Zeitpunkt X wäre ganz klar ein negativer Punkt auf der Liste, auch wenn andere Eltern das toll finden würden.


    Vieles ist eben einfach extrem individuell.


    Besser wäre es, konkrete Dinge abzufragen. Gibt es Mobbing? Wenn ja, wie reagiert die Schule? Welche Hilfen gibt es für Schüler, die flotter sind oder ihr Zeit brauchen? Wie lange brauchen die Kinder für die HA und können sie diese in der Regel alleine schaffen? So was eben.


    claraluna - ich finde diese Verabsolutierung schwierig. Es kann sein, daß DIESE Schule viel Wind um nichts macht. Daraus zu folgern, daß "Privatschulen" (so ganz allgemein) es generell so machen, finde ich zu weit gegriffen.

    Hallo,


    Ich denke, der Ruf einer Schule setzt sich aus vielem zusammen. Und an jeder Schule kann man es mit Menschen zu tun bekommen, die anders sind als der Ruf der Schule, egal ob Mitarbeiter oder Schüler.


    Ich kenne eine Schule, die hat den Ruf (aus persönlichen Erzählungen von Eltern, die ich kenne), sich wenig um die Kinder zu kümmern, sich beim Thema Mobbing, Lernschwäche... raus zu halten und zu meinen Kinder in de 5 Klasse sind alt genug, so was alleine zu regeln. Ich kenne aber eine Familie, die ihr Kind in einer Klasse hat, dessen Lehrer genau in diesen "neben-schulischen" Bereichen unheimlich engagiert ist. Hört man sie reden, bekommt man ein ganz anderen "Ruf" dieser Schule.

    Welcher ist nun "falsch" welcher "richtig"?


    Und nicht jeder Ruf passt zu jedem Was ist "gut" was ist "schlecht"?


    Manche finden es schlecht, wenn die Schule den Ruf hat, sehr viele Kinder mit anderer Muttersprache zu haben. Andere hören, daß sich diese Schule gerade darum besonders im Bereich Sprache, Tolerenz... engagiert und finden, daß davon auch das Kind mit deutsch als Muttersprache profitieren kann. Andre finden gut, daß das Kind vielleicht Freunde findet, mit denen es sich in der Pause in seiner Muttersprache entspannen kann.


    Die Schule an die meine Kinder regulär gegangen wären, hat einen extrem guten Ruf und das mMn durchaus auch zu Recht. Die Kinder sind super gut auf die weiterführende Schule vorbereitet, es herrscht Ruhe und Disziplin, ... Das klingt alles sehr gut. Aber gleichzeitig war uns klar, daß die Methoden, mit denen einige (nicht alle!!!) Lehrerinnen das erreichten, zu unserem Kind vermutlich nicht gepasst hätten, genau so wenig wie die großen Klassen. Der spezielle Ruf der konkreten Lehrerin rundete das ("passt mit großer Wahrscheinlichkeit für UNSER Kind nicht") Bild ab.


    Darum haben wir uns für eine Schule entschieden, bei deren Ruf es extrem darauf ankommt, wie man selber zur entsprechenden pädagogischen Richtung eingestellt ist, von "die spielen ja nur und lernen nichts" bis hin zu "beste Schule, die man weit und breit haben kann".

    Nachdem wir bei genauem Hinhören festgestellt haben, daß die negativen "Rufe" fast immer von Leuten kamen, die gar kein Kind dort haben und die positiven nicht ausschließlich, aber doch zum allergrößten Teil von Eltern, deren Kind dort ist/war, fiel es uns auch leichter, die Dinge einzuordnen.


    Daher würde ich sagen: Hinschauen, von WEM genau die entsprechende Einordnung kommt (Direkt von Eltern/Schülern oder von Dritten? Ist es ein "ich schlüpf problemlos durchs Schuljahr"Kind oder eins, das besondere Bedürfnisse hat?) und ob sie sich eher auf Einzelpersonen (einzelne Lehrer, einen einzelnen Schüler) bezieht oder ob bestimmte Dinge üblich sind (wenn mir der dritte erzählt, daß die Lehrer bei Mobbing nicht reagieren und sagen "Die sind 10, das müssen sie alleine regeln" ergibt das ein anderes Bild als wenn ich es einmal höre und sonst eher, daß sich durchaus engagiert wird) .


    Unabhängig vom Ruf kommt es immer auf die konkreten Personen an, die da in der Klasse sitzen und vorne stehen. Ein toller Freund kann vieles ändern, ein Dauerstänkerer auch. Ein Lehrer bei dem man es schwer hat, kann die ganze Schule vermiesen, ein superguter, zu dem das Kind eine emotionale Bindung hat, eine Durchschnittstimmung und das "Diese Schule ist OK"-Gefühl deutlich anheben...

    Hallo,


    Das schrieb ich ja weiter vorne auch. Mit dem Thema Schreiblernmethode lässt sich jetzt prima Stimmung und Politik machen, aber langfristig strukturelle Probleme anzugehen und zu gucken, warum das Bildungssystem in D so viele Kinder abhängt und keine Chancengleichheit bietet, darüber, warum in den letzten Jahrzehnten so massiv zu wenige Lehrkräfte ausgebildet wurden, warum Schulen nicht vernünftig ausgestattet werden und Eltern Toiletten und Klassenräume putzen müssen, obwohl sie Steuern für sowas zahlen, warum es Sanierungsstaus und zu wenige Schulneubauen gibt, aber in erster Linie, warum die personelle Ausstattung so miserabel ist, das wird jetzt prima überlagert von der Diskussion. Die Probleme liegen auch woanders, und wenn man da mal vernünftig investieren würde, dann könnte sich vielleicht auch so ein reiches Land wie Deutschland eine vernünftige Schulbildung für alle Kinder leisten!


    Jep.

    Wenn die Eltern sich stark machen für die Rückkehr zu einer bestimmten Methode, gewinnt man eine Menge Zeit, in der man nicht wirklich etwas tun muss, die Kräfte der Eltern aber gebunden sind. Entsprechende Argumente gab es hier im Strang ja auch.


    Ich bin überzeugt davon, daß die Rückkehr null Komma gar nichts bringt. Pflaster auf eine schwärende Wunde, die sie eventuell vorübergehend weniger sichtbar macht, aber an der Blutvergiftung nichts ändert.

    Selbst wenn die Rechtschreibung sogar ein paar Pünktchen besser werden sollte, fliegt einem das System in all seinen Anforderungen dafür dann an einem anderen Punkt um die Ohren. Dann wird dort wieder rein hübsches, aber billiges Pflaster aufgeklebt, entweder im traditionellen Design oder einem modernen... dann hat´s wieder ein paar Jahre Zeit, ehe allen auffällt, daß darunter nichts heilt usw.

    Hallo,



    Das ist das, was ich von Anfang an ausdrücken möchte.


    Ich habe mit gestern den Lehrer-Bericht angesehen, den hier jemand im Forum verlinkt hatte. Rein von außen betrachtet könnte man am Ende der Schulzeit dieser Kinder sagen: Die Schüler haben am Ende ein so niedriges Niveau erreicht, also sind die Methoden der Lehrer falsch (individuelle Förderung, Gruppenunterricht, Methodenwechsel...) und Inklusion schon mal völlig doof. Also bitte schnellstmöglich zurück zur Trennung von den Förderkindern und zum guten alten Frontalunterricht. Denn "damals"...


    Wer den Bericht aber wirklich mit offenen Augen gesehen hat, dem wird klar sein, daß DAS ganz sicher nicht das Problem und die "Rückkehr zum guten alten System" daher auch nicht die Lösung sein wird. Und so ist das in vielen Bereichen.

    Hallo,


    Ich persönlich finde es einen Rückschritt für die Kinder...

    Genauso sehe ich es auch: Es ist für mich ein riesiger Rückschritt, wenn Kinder seitenweise "Mimi malt Mama" schreiben, nur um keine Fehler zu machen. Vielmehr sollte noch einmal auf die Rechtschreibentwicklung und -förderung nach den ersten freien Schreibversuchen genau geschaut werden.



    Ich persönlich finde es ja einen riesen Rückschritt wenn Fünftklässler in der Spontanschrift nicht die simpelsten Wörter korrekt schreiben.


    Wenn es ein Rückschritt für die Kinder ist.... Und wieso vergessen sie in der 5. Klasse plötzlich die gelernte Rechtschreibung wieder? Zu viel neuer Stoff? Zu große andere Erwartungen? Zu wenig Rechtschreibvermittlung in der Phase in der viele Kinder sehr aufnahmefähig dafür sind (eben Klasse 5 und 6)? Zu viel Konzentration auf dewn geforderten Inhalt nötig?

    Das wäre doch mal interessant. Aber wenn sie sie schon mal konnten, dann kann es nicht an der Vermittlungsmethode liegen, denn schließlich konnten sie es und machen nun einen RÜCKschritt.


    Im Deutschunterricht, wenn mein einer Methode wie der Fibelmethode der Inhalt weitestgehend vorgegeben ist, ist es natürlich einfacher, sich auf die Rechtschreibung zu konzentrieren. Über den Inhalt muss man dann nicht groß nachdenken, keine eigenen Formulierungen finden usw. Später, wenn es darum geht, fachliche Dinge in eigenen Worten wiederzugeben, sieht das anders aus. (Noch ein Grund, der für mich für intensive Rechtschreibvermittlung in Klasse 5 und 6 spricht - als regulären Schulstoff und nicht als engagements-abhängige Option der jeweiligen Lehrkraft. )


    Übrigens ist es tatsächlich auch bei den Fibel-Kindern die ich kenne so, daß die Rechtschreibung immer dann, wenn es nicht "Deutschuntericht" heißt, deutlich schlechter wird. (Ich schrieb ja schon, von den weiterführenden Schulen her, wo ich gerade mal eine einzige kenne, die es anders macht, kommen die gleichen Rechtschreib-Klagen)


    Woran das genau liegt, weiß ich nicht, aber im Grunde schreiben sie ihre Briefchen aber auch in Antworten in andren Fächern, wo also mehr der Inhalt wichtig scheint, usw. auch nicht besser als damals meine anfangs deutlich mehr "frei schreibenden" Kinder.


    Ich vermute (und das bestätigen auch Fachleute so), daß Kinder sich oft einfach noch nicht auf Inhalt, Form UND Rechtschreibung gleichzeitig konzentrieren können und darum immer einem die Priorität geben, siehe oben.

    Mein Sohn hatte z.B. am PC von Anfang an eine deutlich bessere Rechtschreibung, weil die graphomotorischen Anstrengungen die es ihm schwer machten, weitestgehend weg fielen. Und sowohl die motorische als auch die "geistige" Entwicklung, die zum (richtig) schreiben wichtig ist, ist eben noch nicht mit 10 Jahren abgeschlossen.


    Wenn ihnen dagegen nie Rechtschreibung vermittelt wurde - was vermutlich das ist, was du sagen willst - dann ist es kein Rückschritt, dann haben sie es nie vermittelt bekommen. Dann fehlt einfach eine wichtige Basis.


    Dann sind wir wieder beim Ausgangspunkt. Rechtschreibung MUSS vermittelt werden, das bezweifelt vermutlich hier keiner. Wenn sie das nicht wird, liegen die Ursachen woanders, aber ganz sicher nicht dran, daß Kinder im Anfangsunterricht A U C H frei schreiben durften.

    Zum Beispiel in Lehrern, die eine Methode völlig falöch verstanden haben und als etwas ansehen, was sie gar nicht leisten KANN.


    Dann kann man natürlich verschiedener Ansicht sein, was die Schlussfolgerung daraus ist - sinnvolle Qualifizierung der Lehrer, um Methoden zu verstehen - oder Anwendung einer anderen Methode (die genau so "falsch" angewendet werden kann, z.B. bei Versteifung auf den Rechtschreibaspekt andere Kompetenzen vernachlässigt, die in Klasse 5 aber plötzlich genau so gefordert werden - wie ich schon schrieb, dann wird es weiter Klagen und Probleme geben, nur an anderer Stelle.


    ICH finde es ziemlich unangenehm, Lehrern derart genrell zu unterstellen, sie wären nicht in der Lage (bei entsprechender Unterstützung und Qualifizierung) Methoden so anzuwenden, daß es für die Kinder passt und darum fordert, alle sollten daher eine "deppensichere" (wie es hier genannt wurde) Methode anwenden.


    (Und daß freies Schreiben tatsächlich doch in den Anfangsunterricht integriert wird, davon gehen lustigerweise ja auch etliche der "Fibelmethoden-Vertreter" hier dann doch wieder aus - also aus.)



    Aber ich wiederhole mich...

    Hallo,


    ich habe hier mal ein paar hinweise gefunden, was auf eine Rechenschwäche hinweisen könnte.



    • Hausaufgaben werden nur mühsam, sehr langsam oder widerwillig erledigt,
    • Geübtes ist am nächsten Tag wieder vergessen,
    • Zählendes Rechnen in Einerschritten mit Hilfsmitteln (Finger, Stifte usw.),
    • Verwechslung von Rechenarten,
    • Zahlendreher: Eine Zahl wie 27 wird gemäß ihrer Sprechweise niedergeschrieben, also 72,
    • Missachtung der Stellenwerte: Zahlen wie 123 und 321 werden als gleichwertig betrachtet, weil die gleichen Ziffern vorkommen,
    • Willkürliches Rechnen mit Zahlen und Größen ohne Berücksichtigung der gestellten Aufgaben,
    • Sach- oder Textaufgaben werden überhaupt nicht verstanden und können somit auch nicht gelöst werden,
    • Der Umgang mit der Null ist willkürlich: 2x0= 2 oder 2+0 = 0 .

    (....)

    Wie kann eine Rechenschwäche festgestellt werde?

    Wenn Eltern den Verdacht auf Rechenschwäche bei ihrem Kind haben, sollten sie sich an die Schulpsychologen oder an den Kinder- und Jugendpsychologischen Dienst des Gesundheitsamtes bzw. an niedergelassene Kinder- und Jugendpsychologen oder an ein Sozialpädiatrischen Zentrum - SPZ wenden. Dort kann ihr Verdacht kostenfrei abgeklärt werden. Zusätzliche Untersuchungen, ob bei Vorliegen einer Rechenschwäche auch die finanzielle Förderung durch die Jugendämter erfolgen kann, sind dann meistens nicht mehr notwendig. Aber auch Privatinstitute bieten diese speziellen Dienstleistungen meist allerdings kostenpflichtig an.



    (von hier)


    Aber diese Dinge sind wie Chamäleons - es kann auch ganz anders aussehen, gerade bei ansonsten schlauen Kindern, die viel kompensieren und ganz andre Fehler machen. Oder Kinder können aus ganz anderen Gründen die gleichen Fehler machen....


    Alles Gute.

    Hallo,


    Rafiki,

    Natürlich gibt es verschiedene Lernstufen. Mir musst du das nicht erklären.


    Man kann sich natürlich darüber freuen, wenn sich Kinder etwas plötzlich nicht mehr zutrauen bzw. glaube, daß sie etwas nicht können, wenn sie "gelernt" haben, daß man nur kann, was man auf eine bestimmte Weise gelernt hat. Sich also eine stufe, die sie bereits erreicht hatten, selber nicht mehr zutraun.


    Das wird man vor allem dann, wenn man glaubt es gibt nur einen Pfad zum Wissen - in dem Falle den, daß eine sichere Rechtschreibung nur weitestgehend ohne freies Schreiben erworben werden kann.


    Man kann es aber auch schade finden, vor allem dann, wenn man erlebt hat, daß freies Schreiben und die Vermittlung/ der Erwerb von Rechtschreibkompetenz sehr wohl ganz wunderbar parallel existieren können.


    Wie gesagt, da werden wir nicht zusammen kommen.


    Und ob es DEN einen Weg zum Wissen gibt, der für alle Kindern gleichermaßen passt oder ob ein individualisierteres Angebot an Möglichkeiten zum Wissenserwerb im eigenen Tempo (= schneller für die die das können und wollen und mehr Übungszeit für die, die da brauchen), da scheinen wir eben auch verschiedener Meinung zu sein.


    Zitat

    Trin, dein letzter Absatz ist überspitzt und das beherrschst du sehr gut :). Grundsätzlich ist Feedback wichtig, aber natürlich bedenkt man alle Faktoren, wie ich weiter oben schrieb, und entscheidet dann über Feedback. Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, meine Kinder nur ganz, ganz selten zu korrigieren und wenn, dann nur mit viel Spaß und Humor in Situationen, wo sie offen waren.

    In meiner Rolle als "Lehrerin" korrigiere ich auch nicht immer sondern achte auf die Gesamtsituation. In deinen Beiträgen klingt es oft so, als würde Korrektur immer zu Negativem führen, das stimmt doch gar nicht. Tatsächlich sollte eine Korrektur zu Lernzuwachs führen und in einer positiven Lernumgebung mit einer tragfähigen Beziehung LehrerIn-SchülerIn sehe ich da keinen Nachteil.




    Davon, daß Korrektur immer zu Negativem führt, habe ich an keiner Stelle geschrieben. Ich kann gerne noch mal all die Stellen zitieren, in denen ich betont habe, daß ein systematisches Erlernen der Rechtschreibung wichtig ist. Und das geht nun mal nicht ohne Kontrolle/Selsbstkontrolle und entsprechender Korrektur.


    Zeigst du mir bitte die Stelle, an der ich mich dagegen ausgesprochen haben? Eventell habe ich mich ja tatsächlich irgendwo missverständlich ausgedrückt.


    ICH denke nur nicht, daß man deswegen alle Angebote an freien Schreibanlässe verteufeln und aus dem Unterricht werfen soll. Und in diesem Abschnitt tust du interessanterweise selber es offenbar auch nicht.


    Also - was willst du von mir?

    Hallo,


    Der Artikel mag "neu" sein, der Inhalt ist nur eine Aufwärmung von X anderen.


    Der Artikel besagt doch nichts anderes als alle bisherigen und das, worüber sich hier vermutlich tatsächlich trotz aller unterschiedlichen Sichtweisen einig sind - um Rechtschreibung zu lernen, muss Rechtschreibung vermittelt werden.


    Ich zitiere mich mal von Seite 13:


    "Rechtschreibung muss vermittelt werden, die wächst nicht von alleine heran. Das ist logisch.

    Wenn sie nicht vermittelt wird, ist das aber nicht Schuld einer Technik, die zum LESEN lernen entwickelt wurde (lesen durch schreiben), denn wie schon jemand schrieb, trotz Verknüpfungen sind das verschiedene Sachen."


    Im Grunde könnten wie jetzt wieder anfangen, uns im gleichen Kreis zu drehen.


    Einig darüber, ob freies schreiben ganz, ganz böse und am besten ganz zu verhindern ist oder nicht, werden wir uns hier vermutlich trotzdem nicht. Darüber ob nun die klassische Fibelmethode tatsächlich für alle Kinder das Wahre ist, ebenfalls nicht.


    Ein wenig schmunzeln muss ich, weil zumindest für einige eine eine systematische Rechtschreibvermittlung in sinnvoller Kombination mit freiem Schreiben tatsächlich möglich und sinnvoll scheint - aber freies Schreiben in sinnvoller Kombination mit systematischer Rechtschreibvermittlung - also nein, das KANN ja gar nicht gehen.

    ;)






    REchtschreibung

    Hallo,

    Wo kann man denn auf Dyskalie testen lassen?


    Wo das in deinem Umfeld möglich ist, kannst du vermutlich über die Schule oder ev. den Kinderarzt herausbekommen. Vielleicht gibt es in deiner Stadt oder deinem Bundesland auch einen entsprechenden Verein, der weiter helfen kann. Oder du versuchst es über die Suchmaschine (Dyskalkulie, Diagnostik, deine Stadt)


    Hilfreich ist es oft auch, wenn man ein Schreiben der Schule hat (natürlich nur, wenn diese der Sache gegenüber aufgeschlossen ist), wo drin steht, was der Schule auffällt und wo es besonders klemmt.


    Ablehnung einer Diagnostik erfolgt manchmal aus angst. Angst vor einem Stempel fürs Kind, der ihm irgendwann schadet (obwohl die Dauerbelastung vermutlich mehr schadet), Angst, daß herauskommt, daß sie etwas nicht so einfach mit etwas mehr Engagement auf allen Seiten "wegüben" lässt und dann "vorbei" ist, sondern etwas "dauerhaftes" ist (obwohl das ja ohne Diagnostik nicht anders wäre). Aber auch Angst davor, "irgendwie mit Schuld" zu sein, weil man XY irgendwie auch mit vererbt hat. Das sind im Grunde irrationale Gründe, aber die innere Ablehnung fühlt sich trotzdem sehr real an.


    Vielleicht kann sich dein Mann eher drauf einlassen, wenn man es andersrum andenkt und es vorrangig macht, macht "nur um sicher zu sein, daß es das eben NICHT ist und es dann ausschließen zu können". Und je nach dem, was heraus kommt, kann man dann immer noch schauen, wie es weiter geht.


    Stulle , ich lese etwas andres... an einem Tag lange geübt, am anderen ist wieder alles weg. Kopfrechen ist eine Katastrophe, Erklärungen werden nicht verstanden oder wenn, dann gleich wieder vergessen ...


    Man könnte versuchen, was passiert, wenn man das gemeinsame üben ziemlich komplett zurücknimmt. Also nur noch hilft, wenn das Kind darum bittet und sich selbst dann mit Erklärungen zurückhält und nur noch moralischen Beistand leistet zu "selber tun".

    Eigentlich sollten Kinder ohne Lernschwäche den Stoff im Großen und Ganzen im Unterricht ohne dauerhafte Eltern-Nachhilfe verstehen (Einzelfälle wie gemeinsames üben vor einer Arbeit mal ausgenommen) . Also tatschlich mal für ein paar Wochen das Kind "machen lassen ", um ein reales Bild der Leitung des KINDES (und nicht der Förderfähigkeit der Eltern) zu bekommen. Das bedeutet aber auch, einen vorübergehenden Leistungsabfall hinzunehmen und nicht zu meckern.


    Dann sehe ich eigentlich 2 Entwicklungsmöglichkeiten: Entweder es zeigt sich, daß das Kind das Mitdenken bisher nur verweigert hat, weil es sich drauf verlassen hat, daß die Eltern da schon mit ihm machen und es ihm noch 7x erklären. Dann sollten sich die Leistungen irgendwann wieder stabilisieren, wenn es merkt, daß es selber denken muss - und kann.

    Oder es zeigt sich, daß das Kind ohne die täglichen elterlichen Kraftakte tatsächlich nicht zurecht kommt - dann wäre aus meiner Sicht wirklich angebracht, dahinter zu schauen.

    Hallo,


    Panik Fehler zu machen kenne ich hier von keinem Kind..Trotz Mischmethode Fibel und freies schreiben...


    Ob es Panik/Angst ist, kann ich nicht einschätzen. Das Gefühl Buchstaben oder Worte, später auch kleine Texte zu einem Bild z.B. schreiben nicht zu können, weil sie eben im Unterricht noch nicht dran waren (Egal ob vorher gekonnt oder nicht) wird aber schon ganz klar in Worte gefasst. Das kenne ich von meinen Kindern so nicht.


    Aber du schreibst ja selbst, bei euch gab es offenbar ja doch auch freies Schreiben und die entsprechende Ermutigung dazu.


    Das nicht (mehr) tun, weil noch nicht offiziell im Unterricht gelernt, kann man natürlich prima finden, dann kommt wenigstens keins dieser Kinder auf die Idee, sich am blödsinnigen "freien Schreiben" zu versuchen. Ich persönlich finde es einen Rückschritt für die Kinder...

    Hallo,


    Den Einsatz der Anlauttabelle kenne ich - egal bei welcher Methode - nur für einen kurzen Zeitraum, in dem die Buchstaben als solche erlernt werden. Einfach zum nachgucken, wie der Buchstabe/Laut, den man schreiben will, aussieht, falls man es vergessen hat. Können die Kinder dann die (meisten) Buchstaben, wäre es ihnen viel zu lästig, etwas nachzusehen, was sie auch so wissen. In der Phase finde ich persönlich es tatsächlich keine Katastrophe, wenn da mal "Änte" statt Ente steht. #weissnicht


    Spannend fand ich, daß in meiner aktuellen Gruppe fast alle Kinder, als sie in die Schule kamen, einen großen Teil der Buchstaben lesend erkennen und teilweise auch selbst schon verschriftlichen konnten. Zumindest ihren Namen konnten eigentlich alle schreiben. Nach kurzer Zeit (Fibelmethode), hatte ich das Phänomen, daß einige Kinder ein echtes Problem hatten, wenn ich sie nachmittags bat, auf einen ausgeteilten Zettel oder ein Bild ihren Namen zu schreiben. "Das geht nicht, das kann ich doch noch nicht, wir hatten doch noch gar nicht alle Buchstaben davon".

    #blink


    Ein aktuelles Beispiel von heute: Ein Kind (Kl. 2 ) saß über 2 Stunden daran, für einen kranken Freund ein eigenes Buch zu verfassen. Mit Rätseln, Witzen, Knobelaufgaben.... Am Ende konnte man alles lesen, aber es war fast kein Wort komplett richtig geschrieben. Das Kind war sooo stolz und glücklich. Tja und ich habe mich einfach mit ihm gefreut und gesagt, daß ich es toll finde, wie viel Mühe er sich für seinen Freund macht.


    Was hätte denn nun mein "richtiges" Vorgehen sein sollen?

    Gleich zu Anfang, verhindern, daß das Kind frei schreibt und es ganz unterbinden oder wenigstens darauf bestehen sollen, daß er mich bei jedem Wort nach der Richtigkeit fragt? Am Ende das Heft nehmen und mit dem Kind alles korrigieren, damit sich keine Fehler einschleichen, die ein Erlernen der Rechtschreibung dann unmöglich machen?

    Hallo,


    meine Meinung:



    Nachhilfe finde ich dann sinnvoll, wenn die Lücken z.B. durch Fehlzeiten entstanden sind oder wenn das Kind nur hier und da einen zusätzliche Übungsmöglichkeit braucht, es dann aber sofort klick macht.


    Wenn die Lücken gravierend sind und wenn sie durch euer offenbar doch recht intensives üben und erklären eben nicht wirklich kleiner werden, und vor allem, wenn sie vorrangig in einem Lernbereich auftreten, würde ich bevor irgend etwas andres gestartet wird, ebenfalls dazu raten, sehr genau abklären, ob eine Teilleistungsstörung vorliegt (Oder ein Wahrnehmungs- und Konzentrationsproblem.) Und zwar nicht nur in einem Schnellschuss, sondern in einer richtig dafür vorgesehenen Diagnostik. Leider können gerade insgesamt recht pfiffige Kinder sehr viel kompensieren, so daß es "von außen " oft - auch auf die Lehrer! - so wirkt, als könnten sie eigentlich irgendwie schon, wollten nur nicht richtig, würden einfach nicht mitdenken wollen, wollten sich nur vorsagen lassen... usw.

    Dabei ist das ganz oft einfach ein Selbstschutz gegen ständige Überforderung. Das wiederum nehmen die Kinder selber gar nciht so deutlich wahr, sie selbst fühlen nur "keine Lust" (was ja irgendwie auch verständlich ist) oder irgendwann - und dann wird es richtig schwierig: "Sich anstrengen und lernen hat eh keinen Sinn, dafür bin ich einfach zu blöd." In Wirklichkeit KÖNNEN sie es aber nciht besser.


    "Nachhilfe" nützt mMn dann überhaupt nichts, sie verhindert dann nur, daß das Kind so schnell wie möglich RICHTIGE (=therapeutische) Hilfe bekommt, weil sie die Lücken vorübergehend zupflastert.

    Aber das ist wie bei einem Haus, wenn das Fundament gar nicht da ist, kann ich vielleicht die erste und zweite Etage irgendwie mit ganz vielen Stützen und permanenten Reparaturarbeiten zusätzlichen dazu bringen, irgendwie stand zu halten - aber irgendwann fliegt einem das Ding um.


    Wenn bei der Diagnostik tatsächlich dann doch klar heraus kommt, daß da Kind eigentlich keinerlei Probleme in dem Bereich hat und das "nicht können andere" Ursachen haben muss, kann man sich immer noch überlegen, was man macht. Andersrum ist das schwieriger, ohne Diagnostik bekommt man kaum gezielte und fachlich tatsächlich spezialisierte Hilfe.

    Hallo,


    Rafiki


    Bevor ich mir die Mühe mache, Kontakte zu einer Schule herzustellen, an der ich nicht mehr arbeite um dir dort deine Fragen bezüglich Unterrichtsgestaltung bei Teilleistungsstörungenbeantworten zu lassen, würde ich gerne wissen...


    Geht es dir tatsächlich darum, von mir zu erfahren, wie die methodisch-didaktische Gestaltung einer sinnvollen Therapie bei einer Teilleistungsschwäche im (Lese-)/Rechtschreibbereich an dieser Schule ist? Dann wäre es eventuell besser, ich versuche, dir direkt Kontakte dahin zu vermitteln. Oder du schaust dich in deiner Gegend um, solche Klassen sollte es ja überall geben.


    Oder möchtest du beweisen, daß ein Ansatz der zur Therapie (nichts anderes ist der verstärkte Rechtschreib- Unterricht dort ja) genutzt wird, als allgemeingültig als Unterrichtsform verwendet werden müsste?


    Das sehe ich anders, eine Legasthenie oder auch eine LRS werden nicht durch "falsche" Unterrichtsmethoden erworben und können auch nicht mal eben in einer 28-Kinder-Klasse durch eine andere Methode therapiert werden, genau so wenig kann man die Lernzeit für alle um ein Jahr strecken (obwohl ich das nicht mal unsinnig fände, wenn die Zeit mit im wahrsten sinne des Wortes sinn-vollem ganzheitlichem Lernen gefüllt würde) .


    Aber in anderen Bereichen käme auch keiner auf die Idee, daß alle Kinder therapeutisch gestaltete Unterrichtsformen z.B. zur graphomotorischen Entwicklung oder für Dyskalkulie durchlaufen müssten. Beispiel Dyskalkulie: Für Kinder mit dieser Teilleistungsschwäche sind unterschiedliche Aufgabenformen ein Graus, natürlich werden sie in der Therapie vermieden, bis das Grundkonzept "rechnen" sitzt und erst dann nach und nach auf andere Formen übertragen.

    Trotzdem ist es für nicht-betroffene Kinder nicht falsch, sich an verschiedene Herausforderungen zu wagen, im Gegenteil, es gibt eine Menge Kinder, denen gerade die unterschiedlichen Formen und Herausforderungen helfen, motivert zu bleiben und auf diese Weise die Grundlagen zu stärken. Und erst kürzlich hatte ich ein Kind, daß nach einer sehr ungewöhnlichen Aufgabenstellung sagte: Ach JETZT habe ich es verstanden!".


    Beim Schreiben erlebe ich das nun mal ebenfalls. Für nicht wenige Kinder, die keine LRS/Legasthenie haben, ist die Erfahrung: "Ich KANN mich schriftlich ausdrücken, ich kann Gedanken und Worte auf Papier festhalten, es interessiert jemanden, was ich zu sagen schreiben habe und ich werde verstanden! eine sehr große Motivation, weiter zu schreiben und mehr zu lernen. Mit diesem "mehr" wird auch die graphomotorische Seite zu stärken (was dann bei verbesserter Automatisierung auch beim schreiben selber wieder Kapazitäten für Rechtschreibung frei macht) und mit der Herstellung eines positiven inneren Bezugs zum Gelernten (hier kommen wir in den Bereich der aktuellen Hirnforschung zum Thema "Wie lernt ein Mensch am besten") überhaupt ein größeres Interesse am Thema " (richtig) schreiben lernen" zu haben.


    Oder möchtest du beweisen, daß ich ein bisschen blöd bin und keine Ahnung davon habe, was ich hier erzähle (was im Moment mein Gefühl ist)?. Ich denke, die Mühe kannst du dir sparen. Die, die so denken möchten, tun das auch ohne deinen "Beweis", das war ja mehrfach zu lesen. Und mich selber wirst du nicht davon überzeugen können, ich diskutiere nicht von einem theoretischen Ross herunter sondern aus der Praxis heraus.


    Ich denke, darüber, daß Rechtschreibung sinnvoll und strukturiert vermittelt werden muss, sind wir uns einig.

    Ob parallel dazu geschaffene Gelegenheiten zum freien Schreiben im Anfangsunterricht (sprich die ersten 1--2 Jahre) dem entgegen stehen und es verhindern oder im Gegenteil bei guter Gestaltung sogar motivierend und förderlich sind, offenbar nicht.


    Wie ich weiter vorne in einem Vergleich schrieb, wenn ich möchte, daß die Kinder Rhythmus- UND Melodiegefühl beim Chorsingen haben, kann ich nicht erwarten, daß die Erfolge nach einem Trommelkurs die gleichen sind, wie die nach einer Stimmschulung. Schon gar nicht, wenn ich zur "Kontrolle" ausschließlich die gesanglichen Fähigkeiten einbeziehe.

    Schuld ist dann aber nicht der Trommelkurs sondern die Tatsache, daß parallel keine Stimmschulung erfolgte.

    Die Schlussfolgerung, daß der Trommelkurs darum grundsätzlich falsch ist und man niemals beides parallel vermitteln kann, ist aber dann mMn nun mal der falsche. Zumal wenn es nicht wenige gibt, bei denen es offenbar tatsächlich möglich war.


    Das kann man selbstverständlich verschieden sehen.

    Hallo,

    Wie sehen denn diese individuellen Übungen konkret aus?


    Ich kann dir gerne von meiner Arbeit an der Schule für LRS-Kindern berichten. Ich weiß nur nicht, ob es sinnvoll ist oder überhaupt tatsächlich interessiert. Die Klassen waren sehr klein (ca. 12 Kinder) und wurden speziell für die Rechtschreibübungen noch mal in 1-3 Untergruppen geteilt.

    Einzelnen Übungen kann ich sicher für dich herausfinden, wenn es dich wirklich interessiert, das kann aber etwas dauern, ich arbeite nicht mehr dort. Eine große Rolle spielte das Lautieren, unterstützt von Fingergesten, bei nicht wenigen Kindern mussten aber zuerst mal die Buchstaben neu oder überhaupt erst "aufgebaut" werden, ehe überhaupt an Schreiben oder gar Rechtschreibung zu denken war. Das geht nur, wenn auf den individuellen Stand eingegangen wird, sosnt würden schon wieder einige abgehängt udn die anderen gelangweilt.

    Beim Lesen wurden viele Silbenübungen gemacht (Wobei Lesen und schreiben ja verschiedene Kompetenzen sind). Die Lernschritte (die mir logischerweise vor allem in Form von Hausaufgabebegleitung/Förderung) begegnet sind, waren differenziert, kein "Eins für alle".


    Im übrigen hatten auch diese Kinder oft (nicht immer, manche hatten schon zu viele negative Erfahrungen gesammelt) ein Interesse daran, einfach zu schreiben, Wir haben z.B. stundenlang Galgenraten oder andere Wortspiele gespielt. Wenn man seine Kreativität herausfordern will, rate ich zum Galgenraten-Spiel mit LRS-Kindern. ;)

    Natürlich waren viele Worte falsch, manchmal brauchte man arg viel Phantasie und Humor bei allen Beteiligten. Das hat aber dem Spaß an der Sache keinen Abbruch getan. Und wenn das Wort dann endlich heraus war, haben wir gejubelt und nicht den Rotstift gezückt.

    Und wie stolz waren sie, wenn wir einen selbst geschriebenen Zettel verstehen konnten oder sie gar die erste kleine Geschichte verfasst hatten ... hätte man da tatsächlich anfangen sollen, zu berichtigen?


    Die Lehrer haben sich auch nicht beschwert oder gar Sorgen gemacht, weil wir nicht korrigiert haben (genau so wenig wie Notizzettel, die uns die Kinder schrieben usw.), weil sie früh waren, über jeden Anlass, an dem die Kinder freiwillig und mit Freude schrieben. Alles andere kommt dann schon, dafür gibt es nun mal die Rechtschreibvermittlung.

    Hallo,


    Das sehe ich anders, aber gut.


    Zu deiner Frage nach dem Kindern mit Legasthenie - den wenigsten davon wird geholfen sein, flächendeckend die Fibelmethode wieder einzuführen. Denn GERADE für diese Kinder ist individuelle Unterstützung, Zeit zur Wiederholung, auf sie zugeschnittene Lernschritte usw. d,h. enorm wichtig (Was sich nun mal nur durch einen Methodenmix erreichen lässt).

    Wäre es anders, würden nicht jedes Jahr die Klassen an der entsprechenden Schule zu klein sein (also zu klein im Sinne von "Wir können nicht alle aufnehmen", nicht zu klein im Sinne von "zu wenige Kinder, die es brauchen". Und das wie gesagt, obwohl hier weit und breit die Fibelmethode die Basis ist und das auch noch nie anders war.

    Hallo,

    Trin, deinen Satz bzgl. der Fibelmethode und den Verboten ignoriere ich, weil er so gar nichts damit zu tun hatte, was ich schrieb.


    Tja, und ich finde, er hat sehr viel damit zu tun.


    Man kann selbstverständlich NEBEN dem freien Schreiben systematisch Rechtschreibung vermittelt. Das eine schließt das andere nun mal nicht aus. Für mich ist die "Erkenntnis" daß Rechtschreibung systematisch gelehrt werden muss, nun mal keine, sondern eine Selbstverständlichkeit, hat aber mit der Frage, ob die Kinder AUCH frei schreiben dürfen und ob man das fördern und akzeptieren kann, nichts zu tun.


    Verhindern, daß Kinder neben einer systematischen Rechtschreibvermittlung AUCH frei schreiben (wenn auch nicht in der Schule), kann man nun mal sowieso kaum, man kann sich nur entscheiden, ob man es ignoriert (und hofft, daß das Kind das so wenig wie möglich tut), sofort von Anfang an alles verbessert (damit es weiß, daß Rechtschreibung wichtig ist) - oder sich den geschriebenen Inhalten zuwendet und sich freut, daß man den Einkaufszettel, die Geschichte oder den Brief (wenn auch manchmal mit etwas Phantasie) tatsächlich lesen kann und sich darüber freut, daß das Kind einen großen Schritt zum Thema "Schrift als Kommunukationsmittel" gemacht hat.


    Zum zweiten: Natürlich kann man jedes Wort, daß einem begegnet und was man noch nie in einem Fibelkurs durch zeilenweises üben gelernt hat, nachschlagen und dann entsprechend üben. Effektiv finde ich das nicht und ich denke, die wenigsten Menschen tun das.


    Wenn man ein gutes Sprachgefühl hat, kann man vom Sprachklang her zumindest vermuten, wie es geschrieben wird und wird damit in vielen Fällen richtig liegen. Und dieses Gefühl zu entwickeln und zu trainieren halte ICH nun mal ebenfalls für eine wichtige Komponente beim Rechtschreiberwerb. Wozu auch funktionierende Selbstkontroll- und Überprüfungs-Strategien gehören, die bei der Fibelmethode,, wie ich sie erleben deutlich weniger vorkommen als bei der Methodenmischung die meine Kinder erlebt haben und bei der Selbst-Kontrolle ein ganz wichtiger Punkt war.