Beiträge von nevermore

    Ich sehe es genau wie Du und möchte Dich einfach mal bestärken. Gerade in diesen Zeiten der Sorge braucht man Ausgleich (z.B. Sport) und Schlaf um nicht verrückt zu werden.

    Danke! Ja, und ich vermute, das ist auch der Grund, warum der Ton momentan (nicht nur in diesem thread) schneller kippt als sonst. Hoffen wir, dass für viele von uns gute Lösungen gefunden werden, um auch in den nächsten Wochen ab und zu auftanken zu können.

    Kuekenmama Danke, ja das hoffe ich...

    Sakura das klingt wirklich sehr anstrengend!

    Anspruchshaltung heraus. Sport? Ruhige Familienzeit? Entschleunigung? 8h Schlaf? Hallo? Wo lebst du?

    Hallo! Ich lebe in einer Welt, in der neoliberale Positionen zwar zunehmend konsensfähig werden, in der es jedoch zum Glück auch Gegenstimmen dazu gibt. Ich lebe in einer Welt, in der all das von Dir Genannte möglich ist - auch zu Corona-Sperre-Zeiten. Nicht für jeden, z.B. vermutlich leider momentan nicht für Ärzt:innen und Pfleger:innen, aber für Leute mit meinem, nicht direkt "systemrelevanten" Job. Ich lebe in einer Welt, in der Menschen, die das von Dir für so illusorisch Gehaltene dauerhaft nicht haben, langfristig nicht produktiv sein können - auch unter neoliberalen Gesichtspunkten ist es also eigentlich nicht sehr klug, es für entbehrlich zu halten. Ich lebe, und das mit Absicht, in einem Sozialstaat, und nicht in Donald Trumps USA, wo ich Ansichten wie Deine erwarten würde - bei den Raben dagegen eher nicht.

    Alle, die Ihr mich so scharf verurteilt: Ihr wisst doch gar nicht genug über mich, um zu beurteilen, ob es für mich eventuell äußerst sinnvoll sein könnte, auf meine Ressourcen zu achten. Ich wundere mich schon, wie hier - bei den Raben! - der Ton ganz schnell in ein klatschbasenhaftes Schlechtreden und überhebliches Verurteilen kippt, das wundert mich auch in anderen threads, ich habe es vor der Corona-Krise so nicht bemerkt.

    Alle, die Bestärkendes geschrieben haben: Vielen Dank! Wir haben jetzt einen Arbeitsplan für die nächste Woche gemacht, der praktikabel aussieht.

    ich habe heute am Samstag einige Stunden gearbeitet

    Das hatte ich auch vor. Aber dann schien die Sonne, und die Kinder waren total unausgeglichen, und dann sind wir einfach mit meinem Mann mitgefahren, als er an einen sehr schönen Ort joggen gefahren ist, und haben dort Seifenblasen in den Wind gepustet und es war wunderschön. Und ich habe meine Arbeit, die ich doch eigentlich sehr liebe, überhaupt nicht vermisst.

    Also ich glaube, mein Hauptproblem ist gar nicht das Arbeitsrecht, sondern mein moralisches Gefühl: Es ist Coronakrise, der Staat schließt die Kindergärten, die Last darf doch verdammt noch mal nicht bei den Familien hängenbleiben? Es sollte doch klar sein, dass ich jetzt halbtags Kindergärtnerin für meine Kinder bin (und ich bin es sehr gerne), und trotzdem Anspruch auf einen Feierabend und auf 8 Stunden Schlaf habe?

    Susan Sto Helit , ja, das macht er auch. Ich habe deutlich mehr Arbeitszeit als er. Aber puh, Haushalt kochen waschen etc... irgendwie haben wir es in der letzten Woche trotzdem nicht hingekriegt, dass ich mehr als ca. 20 Stunden gearbeitet hab. Kein Kindergarten heißt halt auch 3 Mahlzeiten mehr zubereiten (2. Frühstück, Mittagessen, Nachmittagssnack) und ich weiß nicht ob wir uns besonders doof anstellen, aber auch ganz ohne Arbeit (zB am Wochenende) sind wir mit Kindern und Haushalt gut beschäftigt. Wir brauchen allerdings beide 8 Stunden Schlaf, und wir brauchen auch beide Zeit für uns selbst bzw. Sport.

    Und, ehrlich gesagt: Wir haben es SO genossen, als Familie so viel Zeit zusammen zu haben. Und nicht so viel Stress wie im Alltag. Alles in mir sträubt sich dagegen, wieder in den Modus zurückzugehen, in dem wir uns die Klinke in die Hand geben und kaum Zeit zu viert haben. Irgendwie erwarte ich als Entschädigung für die Corona-Maßnahmen eine Entschleunigung und mehr Familienzeit, so wie es in den Medien ja immer in Aussicht gestellt wird. Es geht gar nicht darum, dass wir Netflix schauen wollen (obwohl ganz ehrlich, ich hätte auch dagegen nichts einzuwenden :)), sondern um weniger Stress, mehr Ruhe, mehr gemeinsame Zeit.

    Jette , nee, Postdoc, das ist schlimmer. Nadelöhr-Zeit. Natürlich gibts keine rigiden Vorgaben, was zu schaffen ist, aber (in meinen Augen) exorbitante Wünsche, die von familien- oder freizeitlosen Kolleg:innen tatsächlich auch erfüllt werden.

    Und ich bin, wie man meiner Jammerei vielleicht anhört, gerade etwas ausgepowert nach ein paar harten deadline-Sprints und eben den letzten Jahren mit zwei kleinen Kindern.

    igel, ich hoffe (und baue) auf eine Verlängerung meines Vertrags. Das wäre dann wieder befristet, aber noch einige Jahre. Und Chef meines Chefs sieht das wie Chef. Wer sich Kinder zulegt, muss halt schauen wie er sie betreut, sonst Pech gehabt. Normalerweise macht so etwas die Ehefrau. (Und mein Mann macht VIEL mehr als alle Väter, die ich kenne, aber eben nicht so viel wie eine klassische Ehefrau)

    Jette , Betriebsrat oder so kann ich nicht, wegen befristeten Vertrags. Ich muss es in Einvernehmen und wohlwollend lösen. Ich frage mich nur, ob es wirklich sein kann, dass die komplette Last der Kindergartenschließung bei den Eltern abgeladen werden kann. Das ist doch durch die Hintertür wieder ein Bekenntnis zur Alleinverdienerehe mit kinderbetreuender Hausfrau, oder?

    Drahtesel , genaue Stundenzahlen interessieren bei mir niemanden, nur das Output muss stimmen. Da wird immer sehr viel erwartet und die meisten Kolleg_innen arbeiten 50-60 Wochenstunden. Wenn ich deutlich weniger arbeite, schaffe ich auch deutlich weniger, und das fällt dann irgendwann auf.

    Sakura , das ginge bei uns auch. Aber wow, das hältst Du durch? Das bedeutet ja für Dich keinerlei Freizeit, keinerlei Zeit für Sport, gerade mal 8 Stunden Nachtruhe (und Du wirst vermutlich nicht übergangslos vom Schreibtisch einschlafen können), und keine einzige Mahlzeit als ganze Familie. Ist das nicht wahnsinnig anstrengend für Dich? Kannst Du Dich denn dann auch konzentrieren, mit so wenig Schlaf/Zeit für Dich/Zeit für Sport?

    Ja, das ginge bei uns auch, aber dazu bin ich irgendwie nicht bereit - damit würden wir als Familie die komplette "Corona-Last" auf uns nehmen, auf Kosten unserer Familienlebens und letztlich meiner Gesundheit (Sport, Schlaf). Es geht zwar nur um ein paar Wochen, aber ich sträube mich trotzdem dagegen. Der Arbeitgeber sollte doch auch seinen Teil der "Corona-Last" tragen. Du hast aber natürlich recht, theoretisch ist es möglich, und wir werden wohl eine abgeschwächte Version davon ausprobieren.

    Liebe Raben,

    kennt sich jemand von Euch mit Arbeitsrecht aus? Meine Situation: Befristeter Vertrag in der Wissenschaft. Zwei kleine Kinder, Großeltern oder andere Betreuungspersonenen nicht am Ort verfügbar, die Kinder sind normalerweise ganztags im Kindergarten. Ich arbeite Vollzeit, mein Mann 80%. Als die Kindergärten geschlossen wurden, haben wir ausgemacht, dass wir uns die Betreuung teilen. Ich kann allerhöchstens auf 25 Arbeitsstunden kommen (statt 40), weil die Kinder noch so klein sind, dass sie sich nicht längere Zeit allein beschäftigen können. Ich habe mit meinem Chef deshalb über eine kurzfristige Reduktion meiner Stunden für diese 5 Wochen gesprochen (Elternzeit oder Urlaub). Er lehnte ab, da er so schnell keine Vertretung bekäme. Ich muss weiterhin die volle Arbeitsleistung bringen. Es ist meine Sache, wie ich die Kinderbetreuung organisiere, sein Tip war, eine Studentin oder Schülerin als Kindermädchen einzustellen. Dies möchten mein Mann und ich in der aktuellen Situation eigentlich nicht, weil wir die Anweisung der Politik so verstehen, dass wir unter uns bleiben sollen (wir lassen nicht einmal die Freunde der Kinder zu uns, sehen niemanden). Eine unter 65jährige, unbeschäftigte Tante, gute Bekannte oder Nachbarin, wie sie als Betreuung ideal wäre, kann ich leider nicht einfach aus dem Hut zaubern.

    Ich weiß, dass das Arbeitsrecht sagt, Kinderbetreuung sei Sache des Arbeitnehmers. Aber gilt dies auch in solch einem außergewöhnlichen Fall? Ich muss doch, wenn ich Betreuung organisiere, gegen die offizielle Anweisung der Politik zu sozialer Distanzierung verstoßen, oder? Was wiegt denn da schwerer?

    (Das Leistungsverweigerungsrecht kenne ich, es gilt jedoch höchstens für 5 Tage und bei meinem befristeten Vertrag könnte ich mir sowieso nicht erlauben, davon Gebrauch zu machen).

    Ich schlafe eine Nacht alleine, um mal wieder durchzuschlafen, der Papa schläft beim Töchterchen. Um halb 5 Uhr morgens steht sie vor meinem Bett: "Mama, mir ist wangweilig!" ("langweilig").

    Ich bin nicht sicher, ob das rechtlich haltbar ist. Wir haben, ebenfalls in NRW, einen heftigen Drohbrief bekommen, weil wir es versäumt haben, unsere Tochter zu einer U-Untersuchung zu bringen (wir waren gerade aus dem Ausland hergezogen und anders als vermutlich von den NRW-Behörden gedacht, kommen auch deutsche Babies nicht mit gelbem Untersuchungsheft aus dem Bauch). Wir haben uns beschwert und erfahren, dass diese Briefe nur Druck erzeugen sollen und letzten Endes keine Rechtsgrundlage haben, da in das Recht der Eltern auf Erziehung nicht eingegriffen werden darf.

    Ich weiß aber nicht, ob es sich auf Euren Fall übertragen lässt.

    Ich glaube, es geht der TS doch auch weniger darum, die Jacke bezahlt zu bekommen, als vielmehr darum, dass das geschehene Unrecht besprochen wird, oder?

    Also natürlich wäre es besser, sie bekäme die Jacke ersetzt, aber wenn die Familie das nicht leisten kann, dann wäre doch auch eine Entschuldigung des Mädchens und irgendeine Art der Wiedergutmachung, und sei es ein selbstgebackener Kuchen oder so, ausreichend.

    Puh, das tut mir leid, das klingt ja wirklich schlimm! Ich finde, es muss auch darum gehen, Deinem Sohn zu zeigen, dass es doch irgendwie Gerechtigkeit gibt in einer Gemeinschaft. Bis jetzt ist er ja der Depp: er macht einen harmlosen und doch auch ganz lustigen Scherz, dafür wird er derart angepöbelt, gegen seinen Willen fotografiert, verunglimpft, tätlich angegangen und seine Jacke wird zerrissen. Dass Ihr die neue bezahlen müsst, wenn Ihr ihm eine kauft, weiß er auch. Ich denke, entweder müsstet Ihr als Familie irgendeinen Weg finden, diese Aggression von seiten des Mädchens (und der Familie, denn sie sind nicht gekommen) zu erklären (falls es dafür eine Erklärung gibt, also z.B. extrem schlimme Lebensumstände oder so) oder ich wäre dafür, dass Ihr zumindest mit einer Anzeige droht. Weniger wegen dem Geld und mehr wegen dem Gerechtigkeitsgefühl. Das Mädchen sollte sich schon entschuldigen und irgendeine Art der Wiedergutmachung anbieten, sonst muss sich Dein Sohn doch total bescheuert fühlen.

    Schwierige Situation, alles Gute dafür.

    Ideal wäre es, wenn Deine Doula auch das Krankenhaus dort etwas kennt und vielleicht Kontakte hat! Bei einer Geburt ist es am besten, wenn zwischen allen Beteiligten Vertrauen herrscht.

    Was Du von Deiner letzten Geburt erzählst, klingt ja schrecklich... In einem Geburtsplanungsgespräch in der neuen Klinik kannst Du so etwas erzählen und fragen, wie sie dort mit solch einer Situation umgehen würden.

    Ich verstehe Dich genau. Auch, dass Du den hohen Level möchtest, ist völlig verständlich nach Deiner Geschichte. Ich hatte es so verstanden, dass die Beleghebammen-Teams auch in der Klinik mit dem hohen Versorgungslevel dabei sind? Wenn das nicht so ist, könntest Du jedenfalls ein ausführliches Geburtsplanungsgespräch mit einer der Hebammen führen, die dort arbeiten. Oder mehrere, falls möglich. Dann würdest Du einige der Hebammen schon kennen.

    Und ja, dann würde ich wohl auch eine Doula engagieren.

    außer so eine "Mischform" - eine Art Hebammengemeinschaft, die dann aber trotzdem nicht garantieren kann, genau bei meiner Geburt anwesend zu sein.

    Ich verstehe, dass Du das nicht ganz befriedigend findest, aber ich würde darüber noch einmal nachdenken. Du könntest wahrscheinlich alle Hebammen in dem Team kennenlernen, eine davor wäre doch mit ziemlicher Sicherheit dann dabei? Und sie wäre 1:1 nur für Dich zuständig? Und Du könntest mit Deiner hauptsächlich betreuenden Hebamme überlegen, welche Dinge Dir während der Geburt besonders wichtig sind, und dies dem Team kommunizieren?

    Im Unterschied zu einer Doula kann eine Hebamme mit den Ärzten als Fachperson und, je nach Arbeitskultur in der Klinik, auch auf Augenhöhe kommunizieren. Für mich war es wichtig, jemanden dabeizuhaben, der meine Werte und Bedürfnisse kannte und mir gleichzeitig fachlichen Rat geben konnte (und sich in der Klinik auskannte).

    Das schließt eine Doula ja nicht aus, die könntest Du zusätzlich engagieren, wenn Eure Mittel reichen.

    (1:1-Betreuung durch Hebamme ist einer der wichtigsten, ich glaube sogar der wichtigste Sicherheitsfaktor bei Geburten - Quelle weiß ich nicht mehr genau, möglicherweise war es die WHO)

    Dann ist eine Doula bestimmt gut als Ersatz. Ja, das würde ich machen, wenn eine Hebamme nicht möglich ist. Und selbst etwas einlesen mit Ina May Gaskin - die finde ich nach wie vor befreiend und hilfreich. Alles Gute!!!