Ich denke schon, dass ich das richtig höre. Ich beschwere mich auch am laufenden Band über meine Familie aber ich mag sie dann doch nicht abgeben
Ich habe drei ehrenamtliche Jobs, die ich alle drei richtig gerne mache. Da freue ich mich jedes Mal, wenn ich dorthin gehen darf. Ich habe einen Nebenjob, den ich zu 90% richtig gerne mache und mich freue, wenn ich hingehe.
Was machen denn dann all die Menschen, die in ihrem Job perfekt so tun, als wären sie gerne da und es eigentlich hassen, WIRKLICH gern? Werden ja nun nicht alle noch 3 ehrenamtliche Jobs haben (zumindest spricht da die Statistik dagegen) - und warum hält man das dann aus? Wie ist das bei euch? Ist das die Care-Arbeit? Oder gibts da auch viele, die das eigentlich gar nicht mögen?
Für mich ist Arbeit immer auch soziales Miteinander, ein Kreis von Menschen, zu denen ich gehöre. Nicht privat und nicht auf ewig, aber so, dass viele menschliche Beziehungen entstehen. Meine seit Jahrzehnten besten Freundinnen kenne ich aus meiner ersten Berufsphase, ich treffe wirklich viele Menschen, die ich mag und mit denen ich mich austausche im Job.
Ich finde nicht-arbeiten-müssen auch ganz cool, aber ich bin ziemlich sicher, dass ich - falls ein paar Millionen vom Himmel fallen - genau deswegen noch lieber arbeiten würde. Weil ich es gar nicht mehr müsste.
Bei uns gibt es viele Kollegen die sagen - nur das Team hält sie im Job. Es gibt da sicherlich auch noch andere Faktoren, aber ein gutes Arbeitsklima macht da viel aus (das kann ich aus der Vergangenheit auch so bestätigen). Bei mir war es dann aber in der Vergangenheit so, dass dies auch nur für einen begrenzten Zeitraum funktionierte und irgendwann das Bedürfnis etwas anderes zu machen überwog.
Mein Mann ist eher unglücklich mit seinem Job. Das hat bei ihm aber schon in der Ausbildung angefangen (incl. Betriebswechsel mitten in der Ausbildung). Bei ihm macht allerdings auch ein Wechsel keinen Sinn (hatte er probiert, da hat er andere Probleme die zum Teil auch in seiner Person liegen - damals konnte er zum Glück wieder zurück).
Am aktuellen Job missfällt ihm sowohl die Tätigkeit als auch das Umfeld (Kollegen und Vorgesetzte). Die aktuelle Stelle ist aber relativ sicher, verhältnismäßig gut bezahlt, man räumt ihm aufgrund unserer Situation zu Hause Vergünstigungen ein (im Sinne von: weniger Wochenendarbeit, weniger Mehrarbeit und die Arbeitszeiten so gelegt, dass er am Nachmittag zuverlässig zu Hause sein kann) und zuletzt kann er die Arbeit ausführen ohne dass sie Unsicherheit oder Angst bei ihm Triggern.
Er hatte einen Versuch mit einer Stelle die höherwertige Tätigkeiten hatte und ein deutlich besseres Team (die allerdings immernoch weit unterhalb dessen angesiedelt war was seiner formalen Qualifikation entspricht). Er reichte bei ihm aber nicht dafür "on-the-job" qualifiziert zu werden und er hätte sich zumindest phasenweise auch noch zu Hause Themen anschauen und ggf. mit Fachliteratur bisschen lernen müssen. Das war etwas, was wir zu Hause nicht in dem Umfang möglich machen konnten (eine Kombination aus: hier ist es im Alltag sehr laut und er hat einen sehr starken Biorhytmus und schläft abends früh ein).
Der Versuch mit seiner höherwertigen Stelle lief zwei Jahre und am Ende waren er und der Einsatzbereich sind einig, dass es nicht funktioniert. Für uns in der Familie funktioniert die Lösung mit dem Job den er nicht mag an sich gut.
Ich schätze das ist eine ähnliche Situation in der auch viele Frauen sind, die mit Familie auf Stellen mit niedrigeren Voraussetzungen zur Formalqualifikation wechseln.