Beiträge von Cesalu

    Wenn ein Kind ganz real sich oder andere gefährdet, muss das natürlich verhindert werden. Im Notfall auch mal(!) mit einem Ausschluss, IN der konkreten Situation (und nciht, weil vorher im Zimmer oder auf dem Schulhof was war).

    Ich finde, das darf schon mal auch sein, weil es vorher nicht geklappt hat, sich an Regeln zu halten. Wenn ein Kind z.B. wiederholt nicht auf ein "Stopp"-Zeichen reagiert, kann es schon sein, dass ich mir nicht zutraue, das Kind mit zum Sport zu nehmen. In der Halle bin ich alleine, kann schwer Hilfe holen und müsste dann im Notfall die anderen Kinder alleine lassen. Natürlich kann das auch unvorhergesehen geschehen, aber wenn es sehr wahrscheinlich ist, sehe ich einfach auch eine Verantwortung den anderen Kindern gegenüber.

    Wenn du sagen würdest: Ihr seid zu laut in Mathe, daher machen wir jetzt Sport.

    Dann passt auch: Ihr seid zu laut (auf dem Weg zum) Sport, daher machen wir jetzt Mathe.

    Gerade eben so passiert: Die Zweitklässer waren in der 4. Stunde total zappelig, ich habe mein geplantes Thema abgebrochen und wir haben auf dem Hof Bewegungsspiele gespielt. Aber zu laut im Flur, um zur Halle zu gehen, ist für mich einfach Erziehung zur Rücksicht. Wenn eine andere Klasse z.B. gerade eine Klassenarbeit schreibt, kann man eben keine lauten Kinder im Flur gebrauchen und muss drin bleiben. Diesen kleinen Moment müssen sich Schulkinder meiner Meinung nach schon einmal zusammenreißen können. Und die Erfahrung zeigt: Meist haben die Klassen es spätestens nach dem 2. Mal kapiert und dann ist es gut.


    Warum sollte man es dabei nicht nutzen, dass die meisten Kinder gerne Sport machen? Klar reagieren sie da eher, wenn ich sage: Wenn Ihr nicht leise seid, können wir nicht zum Sport gehen.

    Ich sehe es anders.

    Ja - rechtlich ist es nicht richtig.


    Aber: ich finde es trotzdem manchmal eine gute Möglichkeit. (auch wenn ich jetzt hier gesteinigt werde)


    z.B. folgende Situation: Ich möchte mit meiner ersten Klasse zum Sportunterricht gehen, erkläre, dass sie im Flur leise sein sollen, um die anderen nicht zu stören. Kinder schreien im Flur. Ich gehe mit der Klasse noch einmal in den Klassenraum, wir besprechen, warum das stören könnte und dass wir ganz leise sein müssen, um die Kinder in anderen Klassen nicht zu stören. Draußen: Wieder Geschrei. Ich beschloss an diesem Tag die Sportstunde ausfallen zu lassen. Das war für mich eine logische Folge.


    In solchen Situationen kann ich mir sicher sein, dass ich negative Rückmeldungen von den Eltern bekomme. Wenn ich allerdings an einem anderen Tag sage: "Ihr habt so schön gerechnet, wir spielen nun noch ein tolles Laufspiel auf dem Schulhof", hat sich noch nie jemand beschwert, dass die Mathestunde gekürzt wurde. Ich mache in der Grundschule ja auch ansonsten keinen Unterricht nach Plan, also 45 Min D, dann 45 Min Mathe etc. Wenn ich für Mathe länger brauche, wird eben mal kürzer Deutsch gemacht und umgekehrt. Beim Sport fällt das durch die Halle eben nur mehr auf - und vielleicht auch weil die Kinder ihren Sportunterricht so lieben.

    Rafiki, wir haben hier meist knapp 20 Kinder in einer Klasse. Sicher kann man nie auf alle ganz individuell eingehen. Das schaffe ich schon zu Hause mit 3 Kindern häufig nicht.

    Dennoch oder gerade deshalb finde ich es in der Schule wichtig, Methoden und Materialien zu finden, die die individuelle Entwicklung der Kinder berücksichtigen. Z.B. kann die Buchstabentabelle von Kindern auch im zweiten Schuljahr noch als Hilfsmittel benutzt werden, andere schreiben schon zu Beginn des ersten Schuljahres frei. Arbeitspläne sollten wirklich unterschiedliche Aufgaben enthalten. Wochenpläne, bei der nur die Reihenfolge der Aufgaben gewählt werden kann, halte ich z.B. für nutzlos.

    Wie genau die Arbeit umzusetzen ist, finde ich hängt immer auch von der Klasse ab. In manchen Klassen lässt sich toll ein Helfersystem aufbauen, nach dem sich die Kinder gegenseitig unterstützen. So bleibt als Lehrerin viel mehr Zeit, sich auch wirklich in Ruhe zu einzelnen Kinder zu setzen, individuelle Hilfen zu geben, den eigenen Lernweg zu besprechen... Toll sind natürlich auch Teamteachingstunden oder der Einsatz von Praktikanten / Praktikatinnen, FSJlern usw., die allerdings zu selten stattfinden.

    Ich fände die Frage interessant, warum Lehrer vor ein paar Jahren auf die neue, ja doch grundlegend andere Methode umgestiegen sind.

    Ich persönlich vermute, daß sie gemerkt haben, daß die klassische Fibelmethode eben bei der großen Spanne an Lernvoraussetzungen und Lernstand mit der die Kinder in die Schule kommen, doch nicht die "eine für alle"-Methode ist (gerade beim Lesen lernen ist bei der Fibelmethode mMn sehr viel Elternhilfe nötig, es muss möglichst täglich zu Hause gelesen werden) und sich erhofften, daß sie mit der neuen Methode bzw. einer Kombination aus mehreren Methoden individueller und damit passender und effektiver arbeiten können.

    Ich kann natürlich nicht für "die Lehrer" antworten, aber für mich selbst und einige Kolleginnen an meiner Schule. Ich habe mich vor über 20 Jahren im Studium sehr intensiv mit den Vor- und Nachteilen verschiedener Leselernmethoden beschäftigt.


    Im Referendariat hat die Klasse, in der ich überwiegend eingesetzt war, nach dem klassischen Fibelkonzept gelernt. Meine erste eigene Klasse übernahm ich zum zweiten Halbjahr erstes Schuljahr, auch "Fibelmethode". Für mich war da ziemlich klar: So möchte ich, wenn ich selbst entscheiden darf, auf keinen Fall unterrichten. Ich fand es fürchterlich. Jede Woche wird durchschnittlich ein Buchstabe eingeführt. Für manche Kinder war das sehr langweilig und ich fand auch sehr wenig sinnvoll, da sie eigentlich keinen Lernzuwachs hatten, da sie das, was gerade unterrichtet wurde, schon konnten. Andere hatten den Anschluss verloren und eigentlich keine Möglichkeit mehr aufzuholen, da Strategien fehlten, z.B. Buchstaben, die unklar waren, selbst noch einmal irgendwo nachzusehen und ständig neue Inhalte dazu kamen. Es gab eine Stunde in der Woche Förderunterricht und es wurde schnell über ein Wiederholen der Klasse nachgedacht. Da der Fibelunterricht sehr lehrerzentriert ist, müssen auch eher alle Kinder zeitgleich das Gleiche machen. Eventuell kann in Stillarbeitsphasen mal mit unterschiedlichem Material gearbeitet werden, aber da ist eher wenig Differenzierung möglich, die der Unterschiedlichkeit der Kinder wirklich entspricht. Auch das Bild vom Lehrer als Unterrichtendem gefällt mir nicht so gut, ich sehe mich lieber als Lernbegleiterin, die die Kinder auf ihren individuellen Wegen unterstützt.


    Als ich einige Jahre später mit einer Kollegin zusammen selbst eine erste Klasse übernahm, war für mich klar, das ich eher mit eine intensiven Arbeit an der Anlauttabelle beginnen möchte und die Kinder dort abholen möchte, wo sie stehen. Meine Kollegin hatte den gleichen Wunsch, in ihrer Ausbildung aber weniger über "Lesen durch Schreiben" gehört und war deshalb unsicher. Sie besuchte in den Sommerferien eine Woche lang ein Seminar bei Herrn Reichen und kam begeistert wieder. Rechtschreibung wurde bei uns - so wie es Herr Reichen wohl auch in seinem Seminar erklärt hatte - wie selbstverständlich mit einbezogen, sobald die Kinder das System des Schreibens verstanden hatten. Z.B. indem wir jeden Tag gemeinsam ein "Wort des Tages" an der Tafel schrieben und dabei auf die richtige Rechtschreibung und erste Regeln geachtet wurde. Die Kinder bekamen je nach Entwicklungsstand unterschiedliche Tipps, manche Regeln wurden auch in der gesamten Klasse besprochen. Die Kinder schrieben teilweise von Anfang an ganze Geschichten - natürlich nicht rechtschriftlich richtig. Andere waren am Anfang schon gefordert die richtigen Anlaute zu hören. Hier konnte wirklich individuell gelernt werden. Ab der zweiten Klasse unterschied sich der Unterricht grundsätzlich nicht mehr vom Unterricht in der Parallelklasse, wobei die Grundhaltung eher auf das einzelne Kind zu schauen als auf das Unterrichten von Inhalten natürlich auch in allen Fächern den Unterricht immer prägt.


    Nach Jahren mit beiden Methoden an unserer Schule sehen wir wirklich keinen Unterschied in der Rechtschreibung am Ende der 4. Klasse. Mir gefällt aber immer noch dieses Bild vom Kind viel besser. Es wäre für mich wirklich schrecklich, wenn mir von Politikern das Unterrichten nach diesem Prinzip verboten würde.

    Die Regel: "Was man anfassen kann, schreiben wir groß." ist doch nicht falsch, sondern nur unvollständig und kann dann später ergänzt werden. Die Regeln mit den Artikeln finde ich für Kinder manchmal auch schwierig. Es gibt ja auch "das Laufen" etc. Für Kinder finde ich es deshalb manchmal schwer, dass es bei "Wir laufen..." nicht groß geschrieben wird. Manche Kinder bringen ein gutes Sprachgefühl mit, andere brauchen wirklich viel Übung, bis sie die Wortarten bestimmen können.

    Aber dann nicht alle Fehler.

    Den Sinn habe ich noch weniger verstanden.

    Da waren im Text 30 Fehler und 10 waren angestrichen und korrigiert.

    Die anderen 20 nicht.

    Das machen wir hier auch viel. Eben, das was die Kinder entwicklungsmäßig schon können. Dazu erhielten sie Hilfen und mussten verbessern. Die anderen Wörter blieben einfach stehen. Sonst würde man mit einem Kind im ersten Schuljahr stundenlang an drei Sätzen etwas verbessern und die Schreibmotivation wäre beim nächsten Mal sicher gering. Wir melden dann aber das auch so den Kindern: "So kann man es jetzt lesen." "So kannst du es im ersten Schuljahr schreiben". Bei stärkeren Kindern im zweiten, bei schwächeren im dritten Schuljahr lässt sich dann auch alles verbessern. Besonders, nachdem auch das Wörterbuch eingeführt ist.

    Und ich habe auch geschrieben, wie ich es mir vorstellen kann und das ist dann wohl so wie hier einige die Methode richtig umgesetzt sehen würden. Gibt es denn dazu keine Richtlinien für die Lehrer, die eine neue Methode einführen sollen?

    Ich denke, das ist in den Bundesländern unterschiedlich.

    Allerdings gibt es ja die von der Kultusministerkonferenz festgelegten Bildungsstandarts, die deutschlandweit Ende der vierten Klasse erreicht sein müssen. Und da kommt man eigentlich nicht um einen Rechtschreibunterricht in irgendeiner Form herum, um diese zu erreichen.


    Hier war es auch nicht so, dass man eine andere Methode (plötzlich) unterrichten sollte oder musste. Sondern es ist eher so, dass die Lehrkräfte, die nach Lesen durch Schreiben unterrichten da oft ziemlich dafür kämpfen müssen und sich vielleicht deshalb auch viele Gedanken dazu machen. Schon vor 20 Jahren gab es Klassen, die schwerpunktmäßig nach Lesen durch Schreiben unterrichtet haben. Die Masse lernt aber nach wie vor vorwiegend nach Fibelkonzept, mehr oder weniger unter Einbeziehung der Anlauttabelle und des freien Schreibens in Ansätzen. Z.Z. kommt hier auch immer mehr die Silbenmethode dazu bzw. ergänzend.

    Wie gesagt, bei unserer Grundschule hieß das: keine Rechtschreib-Korrekturen inkl. Klasse 4, bei besorgter Nachfrage hieß es immer, der Rechtschreiberwerb sei Ende der 6. Klasse abgeschlossen (praktisch, dass dann keiner dieser Lehrer mehr zuständig ist, nech ) und das ganz von selbst.

    ich kann mir gar keinen Lehrplan vorstellen, der das erlaubt... 4. Klasse hat doch nichts mehr mit der Lese- und Schreiblernmethode zu tun. Also meiner Einschätzung nach, muss man das nicht verbieten, ich kann mir nicht vorstellen, dass das irgendwo jemals erlaubt war...

    Wenn also die Vermittlung von Rechtschreibstrategien in diesem Konzept gar nicht vorgesehen ist, dann ist es doch auch nach deiner Argumentation nicht geeignet.

    Wenn es so durchgeführt wird. Das habe ich aber in der Praxis noch nie gesehen oder gehört. Wir unterrichten in vielen Klassen danach, aber es wird immer von Anfang an korrigiert, allerdings nicht alles, sondern schrittweise, das, was das Kind verstehen kann. Auch bei uns sind die Bücher gleich - sogar in der ersten Klasse. Aber manche Lehrerinnen führen eben eine Lehrgang, Buchstabe für Buchstabe durch. Andere lassen die Kinder u.a. mit Hilfe der Anlauttabelle schwerpunktmäßig das Lesen und Schreiben selbst entdecken und unterstützen dabei.

    Ich finde es sehr traurig, wenn mir und meinen Kolleginnen dieses System verboten werden soll, nur weil es vielleicht an manchen Schulen falsch durchgeführt wurde? Es gibt bestimmt auch viele Schulen, an denen Fibelunterricht "schlecht" durchgeführt wird...

    Auch hier möchte ich mich gerne anschließen.

    Huhu,


    ich habe zufällig heute das Schreibübungsheft meines Sohnes (zweites Jahr einer zweijährigen Eingangsstufe) durchgesehen. Mischmethode, Buchstabe für Buchstabe mit Übungen und immer wieder dazwischen Anregungen zum Drauflosschreiben mit Anlauttabelle. Was mir ins Auge stach ist der deutliche Mehrwert bei den letzteren Aufgaben: Es war geradezu rührend, wie ich zuschauen konnte, wie mein Sohn sich Rechtschreibstrategien zurechtgelegt hat, und diese dann veifiziert und beibehalten oder wieder über Bord geworfen hat. Da wurde offensichtlich eine Theorie zu "Sch" entwickelt, die man seitenlang verfolgen kann wie eine Abenteuergeschichte, dann gab es Experimente zum Schwa-Laut und zur "-er"-Endung. In immer neuen Variationen. Von der Lehrerin immer wieder Ressourcenstärkendes Feedback, unabhängig von der Schreibweise. DAS sind für mich die Soft-Skills des 21. Jahrhunderts. Das eigene Lernen immer wieder an der geforderten Norm auszurichten, Theorien zu überprüfen, Vergleiche anzustellen, eigene Ziele vor Augen zu haben, sich inspirieren zu lassen, selbstständig zu arbeiten, kreative Lösungen zu finden. Ich sehe diese Kompetenzen bei der Fibelmethode so gar nicht nicht. Ich sehe nur die Kompetenz "normgerechtes Schreiben". Das können zur Not auch Computerprogramme übernehmen. Die anderen genannten Kompetenzen nicht.

    Liebe Grüße

    Ich bin gerade am nachlesen. Das finde ich so toll was Du geschrieben hast! Kann ich voll unterschreiben.

    janos, ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass Kinder in der Schule, weniger tun dürfen, als sie könnten. Beim Schreiben der Buchstaben gebe ich Dir recht, insbesondere, wenn dann in die Linien geschrieben werden muss, brauchen da (fast) alle Kinder Training. Das machen bei uns alle Klassen, auch die, die nach vorwiegend nach "Lesen durch Schreiben" unterrichtet werden. Das erklären wir dann aber auch so: die Hand muss das üben. Aber beim Fibellehrgang sollen ja alle Kinder das gleiche machen. Es wird viel frontal gearbeitet, da lesen dann eben alle Kinder nur Mama malt Oma... Mein neues Schulkind hat mich jetzt auch schon gefragt, warum sie eigentlich immer nur Wörter mit den Buchstaben lesen, die sie schon können. Das findet sie langweilig. Als Hausaufgabe hat die ganze Klasse aber Leseaufgaben in dieser Form, oft völlig sinnlose Silben- bzw. Lautverbindungen. Natürlich kann sie zu Hause trotzdem andere Dinge lesen oder schreiben, aber um die Aufgaben in der Schule kommt sie ja trotzdem nicht herum.

    Bei meinen Großen war das übrigens nicht anders und in Schulen habe ich das schon oft genug gesehen.

    Die Kinder, die sich lesen selber beibringen würdendas wahrscheinlich mit jeder Methode schnell lernen, weil es sie interessiert. Und sie werden auch schnell schreiben können, weil sie es gerne machen. Die wollen das können. Bei denen ist es ziemlich egal, wie man es ihnen beibringt. Meistens werden sie es ohnehin schon können, bevor sie zur Schule gehen...

    Nein, ich erlebe es so, dass diese Kinder oft frustriert sind, wenn es mit der Fibelmethode, Buchstabe für Buchstabe langsam voran geht. Wen Kinder es vorher schon gelernt haben, ist es eben ein großer Schritt zurück, wenn sie nur mit einzelnen Buchstaben lesen und schreiben dürfen.


    Es heißt ja auch nicht, dass man die Kinder individuell nicht ermutigt und versucht zu motivieren, lesen und schreiben zu lernen, wenn es nicht von alleine kommt. Ich denke, zumindest staatliche Schulen können es nicht zulassen, dass ein Kind die ersten Monate nicht anfängt sich mit Buchstaben zu beschäftigen. Aber das heißt doch nicht, dass das die ganze Klasse im Gleichschritt tun muss.

    aber ich habe mittlerweile in meinen Praktika erlebt, dass die LehrerInnen tatsächlich dankbar für jede Unterstützung sind, weil sie direkt besseren Unterricht möglich macht.

    Ja, zu mir darfst Du auch sofort kommen #freu

    Das erlebe ich an unserer Schule aber auch so. Die Kolleginnen, die eher konservativ / frontal unterrichten können es oft nicht nutzen, wenn man Förderzeit in ihrer Klasse hat. Sie schicken manchmal einzelne Kinder raus, um etwas zu üben, manchmal bekomme ich aber auch gesagt, dass es nicht passt, weil noch etwas Wichtiges für alle gemacht wird. Die Kolleginnen, die eher offen arbeiten, freuen sich immer über Hilfe. Es bringt einfach so viel, wenn eine zweite erwachsene Person im Raum ist und mithilft.

    Beide haben (bzw. tun es gerade) dabei ohne Anleitung von irgendwo angefangen, die Laute zu hören und danach zu schreiben, also genau das, was nach meinem Verständnis mit der Anlauttablle geübt wird.

    Wenn meine Tochter etwas nicht selber hören kann, fragt sie nach - sie spürt also auch, wo sie Hilfe braucht.


    Da wir sie nicht unterrichten und ich bei beiden Kindern das gleiche Vorgehen beobachten kann, gehe ich jetzt erstmal davon aus, dass das die Art ist, wie Kinder sich Schreiben aneignen, wenn das Lernfenster aufgeht und man sie machen lässt.

    Das habe ich bei meinen Kindern auch genau so erlebt und denke auch, es ist der natürlichste Weg, sie lesen und schreiben zu lassen und deshalb für mich ein wichtiges Argument für diese Methode.

    Und wie erklären sich die Befürworter diesen eklatanten Unterschied? Ich meine die Lesen durch Schreiben Kinder machen auch nach Jahren noch mehr als doppelt so viel Fehler und haben obendrein noch ein schlechteres Leseverständnis. Ich verstehe echt nicht, wie das noch verteidigen kann. Es will doch niemand freies Schreiben gänzlich verbieten, aber irgendwie muss man das doch anders angehen bei derartigen Problemen.

    Die Studie ist ja noch nicht in ihren Details ausgewertet. Es ist außerdem für mich immer noch die Frage, was mit den anderen (Deutsch-) Bereichen ist.

    Es sagt doch niemand, dass die Befürworter der Methode sich keine Gedanken darüber machen. Wir haben an unserer Schule sogar "Rechtschreibung" als Schwerpunktthema und trotzdem (oder deshalb?) wird in vielen Klassen eher schwerpunktmäßig nach Lesen durch Schreiben unterrichtet. Wie ich schon geschrieben habe, können wir für unsere Schule keinen Unterschied am Ende der 4. Klasse sehen.

    Du kannst Eltern nicht verbieten zu korrigieren. Und ab dem 2. Kind machen das viele Eltern auch nicht mehr mit. Denn letztlich fällt es immer auf die Eltern zurück, wenn irgendwas in der Schule nicht klappt - egal, was es ist.

    Klar, kann man das nicht verbieten. Wir haben aber wirklich die Erfahrung gemacht, dass die Kinder, die viel zu Hause verbessert wurden, dann in der Schule Probleme mit dem Schreiben hatten. Sie haben sich nicht mehr getraut, haben nur einfache Wörter verwendet, ständig gefragt, statt auszuprobieren... Im nächsten Jahrgang haben wir die Sachen zum freien Schreiben in der Schule gelassen und andere Dinge als H.A. gegeben. (z.B. Silbenbögen, Anlaute zuordnen, später Abschreiben...) Das hat wesentlich besser funktioniert und wir hatten tolle Geschichtenhefte - nicht unbedingt fehlerfrei, aber zunehmend am Ende des ersten Schuljahres schon ziemlich rechtschreibsicher.

    Ich persönlich finde es ja einen riesen Rückschritt wenn Fünftklässler in der Spontanschrift nicht die simpelsten Wörter korrekt schreiben.

    Das ist hier aber auch oft so, obwohl die meisten Kinder nach der klassischen Fibelmethode unterrichtet werden. Es muss also noch andere Ursachen geben. An unserer Schule, an der beide Methoden unterrichtet werden, besteht am Ende der 4. Klasse kein Unterschied in der Rechtschreibleistung der Klassen.