Beiträge von Zeitmeisterin*

    Ich würde mir einfach neue Gesichter wünschen und dass die alte Garde aus beiden Parteien abtritt.

    Nicht nur aus beiden. Es müsste etwas ganz neues kommen, aber scheinbar ist kein parteipolitisch Etablierter bereit, das mitzutragen.


    Heute morgen habe ich mich gefragt, ob die "GroKo" als Ursachensuche des SPD-Dilemmas nicht zu kurz greift (damit meine ich jetzt nicht, dass GroKo ganz toll und fortschrittlich ist..., aber: alle Analysen enden da, wenn es um das SPD-Dilemma geht. Die eigentliche Zäsur war aber vielleicht früher).

    Hat nicht das SPD-Drama in Wirklichkeit nicht eigentlich mit dem großen Sieg 1998 von Gerhard Schröder begonnen? Schröder hat als Kanzler die SPD so weit in die sog. "Mitte" geführt, dass ihn die CDU unter Merkel teilweise links überholen konnte. Ich meine die AGENDA 2010 und die arbeitgeberfreundliche Politik, der wir den gegenwärtigen Wohlstand "verdanken" (sogar die Auffassung von CDU und FDP Vertretern, die daran natürlich auch nicht mehr rütteln wollten). Diese "Erfolge" haben sich nämlich später CDU und FDP als "Wirtschaftswunder" auf die Fahnen geschrieben.

    Danach (2005) kam es zur ersten GroKo - wenn sich nun aber die SPD gegenüber der CDU nicht profilieren konnte, lag das nur zum Teil daran, dass sie in der GroKo waren - es lag mindestens genauso daran, dass sie, hätten sie sich von dem wirtschaftsfreundlicheren Programm der CDU distanzieren wollten, auch von der AGENDA 2010 hätten distanzieren müssen: Kurz - sie hätten sagen müssen, die AGENDA 2010 war falsch. Das waren nur wenige bereit zu tun. Seitdem ist die SPD zerrissen zwischen denen, die unter Hinnahme der durch die AGENDA 2010 erreichten Vorteile Partei der Mitte bleiben wollen und zwischen wenigeren, die zurück nach links möchten. Da hat sitzt inzwischen die Linke.

    Die ganze AGENDA 2010 Nachfolge-Generation müsste für sich definieren, was sie eigentlich möchte politisch. Da bleiben oder zurück? Ich fand zB die Idee von Oscar Lafontaine einer "neuen" Links-Partei, die linke Teile der SPD aufnimmt, ziemlich gut. Aber siehe da - auch in der Linkspartei will man von der eigenen positionellen Sicherheit nicht lassen.

    Kurz: Es gibt eben auch darum keine Alternative zur GroKo, weil sich das linke Lager einfach nicht zusammenschließen und die SPD nicht geschlossener zurück nach links rücken will. Das ist das eigentliche Dilemma der Demokratie: die Alternativlosigkeit der Mitte, die von der Kanzlerin nicht geschaffen, sondern nur ausgenutzt wurde.


    Die FDP hat sich auch nicht wirklich neu erfunden - das rächt sich jetzt. Will sie eine modernere CDU sein oder eine hippe Jugendpartei mit wirtschaftsfreundlicher Politik? Nur ist die FDP unbedeutender für das Gesicht der Demokratie als die größeren Parteien, da können die noch ein bißchen rumdümpeln. Die Grünen machen Politik, die die Armen der Gesellschaft zu stark vernachlässigt, bleiben damit Elitepartei der Besserverdienenden, die sich Skrupel noch leisten können (immerhin eine Partei des gesellschaftlichen Gewissens, über die die Vernachlässigten der Gesellschaft jedoch nur lachen).

    Und die AFD ist nichts Neues, sondern der Versuch, neue Probleme mit alten Ideologien zu bekämpfen.

    Och nö, die Sommerzeit soll bitte bleiben. Ich finde es schön, wenn es abends länger hell ist. Von mir aus kann als Kompromiss die Winterzeit abgeschafft werden und immer Sommerzeit sein.

    So heißt es ja oft, wenn die Frage diskutiert wird. Aber auch ohne "Sommerzeit" (als Eingriff durch Uhrenumstellung) ist es im Sommer doch deutlich länger hell als im Winter - das verdanken wir doch nicht der Zeitumstellung, sondern dem Sommer #sonne? Okay. Es wäre dann nicht hell bis halb elf (zum Mittsommer hin), sondern "nur" bis halb zehn abends. Aber reicht das nicht#gruebel - Andererseits: Dann wäre es auch wieder um vier Uhr morgens hell, ne? Mich stört das nicht, aber bei manchen steht dann bestimmt auch der Nachwuchs auf der Matte und vermeldet, dass jetzt Tag sei ;)

    Im Übrigen mache ich mir, seit ich älter werde, mehr Gedanken darüber als früher - das heißt, ich spüre das jetzt stärker. Zumindest bin ich im November drei Wochen lang morgens immer pünktlich ;)

    Ach, so ein Mist - jetzt ist es auch noch zu spät zum Edit #tutmirleid: Wir kamen drauf wegen eines Beitrags der Tagesschau-Webside. Jetzt sehe ich gerade, ab 21:45 Uhr berichtet Monitor darüber. Vielleicht wird es da ja erklärt.
    Allerdings geht Sohnemann erstmal ins Bett, ist auch höchste Zeit. Er war ziemlich aufgeregt und ich konnte es nicht gut genug erklären und da dachte ich daran, dass hier ja so brisante Themen oft auch mal aus anderen Perspektiven erläutert werden. Ich habe tatsächlich schon ewig das Gefühl , da auf dem Schlauch zu stehen.

    Liebes Rabenvolk,


    ihr wisst doch alles. Könnt ihr mir auf die Sprünge helfen? Aus gegebenen Anlass (neue Erkenntnisse) treibt mich mal wieder Tihange um. Meinen Sohn auch. Er hat Angst. Wir sind jetzt nicht gerade wahnsinnig dicht dran, aber auch nicht wirklich weit weg. Außerdem geht es ja nicht um uns, da sind wären ja viele betroffen.

    Von den ganzen menschlichen Ängsten abgesehen, kapiere ich die ganze Sache auch politisch nicht. Natürlich ist das belgische Atomkraftwerk Sache der Belgier. Aber warum mischt sich die EU nicht ein? Ich meine, es gibt x Richtlinien, Feinstaubrichtwerte, etc. Wenn Deutschland etwas davon nicht einhält, gibt es Klagen und saftige Strafen aus Brüssel. Also - Wie kann es überhaupt innerhalb in der EU so weit kommen, dass niemand das kontrolliert und ggfs etwas dagegen unternimmt, warum gibt es da keine Klagen oder Auflagen oder Geldstrafen?

    Ich bin Juristin, aber das ist nicht meine Sparte. Aber das müsste doch eigentlich viele wundern, oder nicht #confused

    Wo stehe ich auf dem Schlauch? Ich kapiere es einfach nicht. Gemeinschaftsrechtlich nicht und nicht politisch. Oder habe ich einfach zu viel Schiss äh, Angst? Kapiere ich irgendetwas naturwissenschaftlich nicht? Alles nur mediale Panikmache?


    Falls das der falsche Bereich ist, bitte verschieben. Falls es schon einen Strang dazu gibt, habe ich ihn noch nicht gefunden, ich bin auch nur noch selten hier, bin aber doch ganz dankbar, dass ich wenigstens virtuell hier eine kompetente Runde für alles eigentlich habe und trau mich jetzt einfach mal und lass die Frage da.

    Es ist so schade. Ich hatte mir gewünscht, sie raufen sich zusammen.

    Wie naiv das wohl war. Pft.


    Denn eigentlich gefiel mir der Gedanke. Jede Partei hat etwas Gutes und zusammen hätten sie die Interessen dieses Landes sehr gut vertreten können.

    Hier muss ich einfach noch mal unterschreiben - ein Gefühl, dass durchaus Jamaika für einen spannenden, sicher nicht leichten, aber konstruktiven Neuanfang stehen könnte. Weil alle dort vertretenen Parteien grundsätzlich Potential zum Konstruktiven haben, nicht nur herumpöbeln wollen wie Rechtsaußen (naja...die CSU vielleicht ein bißchen...). Schade, dass ich da wohl die Welt auch ein bißchen Konfettimäßig zu bunt gesehen habe...ich denke schon, da wurde ein Chance vertan, wirklich mal etwas Neues zu versuchen.

    Und da möchte ich widersprechen. Es ist Aufgabe des Bundespräsidenten, im Interesse des gesamten Volkes zu sprechen, überparteilich. Und da macht er nur seinen Job. Und zwar bis jetzt ordentlich. Denn die, die noch mal verhandeln sollen, wurden ja auch vom Wähler dazu beauftragt.

    Wenn er jetzt parteipolitisch denken würde, würde er seine Genossen in Ruhe lassen und sich heimlich die Hände reiben (Juhu, die Merkel hat bald ausgemerkelt...) und die parteipolitischen Vorteile einer Neuwahl sehen (oh, die SPD hat einen Punkt dazugewonnen, toll ;) )

    Dass er das gerade nicht tut, zeigt, dass er das Amt ausfüllt. DieJungs und Mädels in Berlin müssen sich auch ihrer Verantwortung bewusst sein. Eingeschnappt sein und mit den anderen nicht mehr spielen wollen ist keine Option, eigentlich. Zumindest nicht ohne Weiteres. Ich fände es beängstigend, wenn da niemand eine Nacht drüber schlafen und noch mal in sich gehen wollte, das tut man im Alltag ja schon bei viel weniger weitreichenden Entscheidungen. Auch, wenn es am Ergebnis nichts ändern würde.

    Ich stelle jetzt mal eine ganz radikale These auf: Wer die AfD gewählt hat, hat die ganze Bandbreite unserer Demokratie ausgenutzt. Insofern stellt die Wahl einer Partei im demokratischen Parteienspektrum kein Angriff auf unsere Demokratie dar.

    Sorry, zum demokratischen Parteienspektrum gehören die ideologisch nur, wenn Herr Gauland rückwirkend austritt und seine Äußerungen allein und nachweislich auf übermäßigen Alkoholgenuss zurückzuführen sind oder sonst nicht der bewussten Willensbildung unterliegen. Es ist in unserer Demokratie nicht vorgesehen, Andersdenkende oder aus anderen Kulturen stammende "in Anatolien zu entsorgen".

    Ich habe einfach keinen Bock darauf, dass das ständig verharmlost wird.

    Es schiebt auch niemand von den anderen Parteien die AfD in die rechte Ecke aus Kalkül. Das erledigt Herr Gauland höchstpersönlich: Da will er auch hin. Da kommt er auch her, im Übrigen.

    Und es tut mir für Deutschland kein bißchen leid, dass die CDU unter Merkel nicht mehr so rechts war wie unter Dregger, Koch und anderen. Ich will da auch keine rechte Flanke geschlossen sehen. Die demokratische Mitte und die Linke dürfen jetzt nicht durchdrehen oder sich gar anbiedern.

    Da kann die AfD aber nix dran drehen. Das ist doch ideal: nicht soviel, dass sie wirklich schaden können, aber sie müssen sich beweisen. Und da das ein inhomogener Rumpelhaufen ist, wird Politik endlich mal wieder interessant. Und vermutlich lustig.

    Und bald haben die sich erledigt. Denkt doch mal an die Republikaner. Oder an die NPD.


    Ich hab keine Angst vor denen. Und den anderen Parteien wird endlich mal wieder klar, dass sie sich wieder richtig Mühe geben müssen und nicht alles aussetzen.

    Ich habe Angst vor denen - aber noch mehr Angst habe ich davor, dass es so viele Menschen in sozialen Netzwerken und so viele Wähler gibt, die es ermöglichen, dass einer wie Gauland verschlagen darf, eine Migrantin in "Anatolien zu entsorgen", "auf Flüchtlinge schießen", dass er sich feiern darf mit "wir holen uns unser Volk, unser Land zurück" - das klingt völkisch und das soll es auch. Kurz, ich habe Angst vor den Vielen, die so gewählt haben, heimlich befürwortet, gefunden haben, man solle sich nicht so aufregen...und damit möglich gemacht haben, dass diese Denke wieder gesellschaftsfähig, wenn auch (noch) nicht mehrheitsfähig ist. Diese Menschen, die das durch ihr Wahlverhalten mittragen, machen mir mehr Angst als der gesamte AfD-Vorstand. Sorry.

    die Höhe ihres Abschneidens haben ihre Gegner sich selbst zuzuschreiben.

    Nein. Das sehe ich anders. Jeder hat sehen können, wie die Maske der AfD inzwischen gefallen ist. Wer sie noch aus Protest gegen andere Parteien wählt, der kann sich nicht damit rausreden.


    http://www.zeit.de/politik/deu…uz-rassismus-fluechtlinge

    Danke für den Link. Ich halte den Artikel für enorm wichtig - und bezweifle doch, dass ihn diejenigen lesen, für die er wichtig wäre, um sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden, also die typischen Protestwähler:

    Die Rhetorik der AfD ist inzwischen die der späten 1920er Jahre, in denen immer offener zu Gewalt und Lächerlichmachen der "etablierten" Parteien gegriffen wurde - und zwar weniger, um Macht direkt dadurch zu erlangen, sondern indirekt, indem man zeigte: "Seht her, wir können beleidigen, lächerlich machen, Trupps losschicken, die unter den Sozialisten Angst und Schrecken verbreiten - und keiner hält uns auf. Denn wir sind im Recht und so wie wir denken heimlich alle. Und deswegen tut auch keiner etwas gegen uns. Und deswegen werden wir bei "unehrenhaftem" [diktion 1930] Verhalten auch keine Wählerstimmen einbüßen."

    Ich finde es immerhin erstaunlich, dass man heutzutage zugeben kann, Trupps zu Wahlkampfveranstaltungen anderer Parteien zu karren, damit man den Gegner auspfeiffen kann. Das man das öffentlich sagen und dann noch Zustimmung ernten kann, finde ich bedenklich. Daher kommen diese Aussagen in Wahrheit ganz gezielt "Wir schießen an der Grenze" oder "Wir bürgern aus" - Weniger, um eine politische Position zu beziehen, sondern auch, um die eigene Macht dadurch zu suggerieren und demonstrieren, dass man es sich erlauben kann, politisch nicht mehr korrekt sein zu müssen. Und so ist es. Statt Ablehnung: Zuspruch. Wenn auch hinter vorgehaltener Hand. Welche Gesinnung dahintersteckt, kann sich ja jeder selbst eine Meinung bilden.

    Die Rhetorik wiederholt sich nicht zufällig, da haben sich Leute vorher angeguckt, wie es geht. Es ist immer leichter, zu zerstören als aufzubauen.

    Wahlsonntag - leider kann ich mich privat kaum darüber austauschen. Deswegen tue ich es hier, obwohl ich eigentlich kaum noch poste.

    Aber nachdem der Wahl-O-mat genau das Rabensonntagsfragenergebnis für mich persönlich ausgeworfen hat, denke ich, ich kann hier doch gar nicht so jenseits von allem liegen...;)


    Also, zur Flüchtlingsfrage: Persönlich sehe ich zwar die entstandenen Schwierigkeiten (obschon ich selbst keine negativen Erfahrungen gemacht habe, mache das Problem auch weniger an "Flüchtlingen" fest als an Männern und Alkoholkonsum, was sich so ziemlich mit allen negativen Erfahrungen deckt, die ich dann in diesem Leben tatsächlich jemals gemacht habe, lange bevor es überhaupt den "Flüchtlingsstrom" gab, ich denke an die 90er Jahre, als ich jung war) . Aber ich hätte keine Alternativen gewusst, die ich mit meinem Gewissen konform hätte befürworten können: Die Menschen waren in einem elenden Zustand, ich denke allein an die Diabetiker ohne Medikamente, auch Kinder, die in Österreich dann erst einmal versorgt wurden - Mit welchem Argument hätten wir uns dieser Not verweigern können? Innerhalb Europas sind wir in Mitteleuropa in einer privilegierten Lage. Wenn nicht die Wohlstandsgesellschaften geholfen hätten, wer hätte dann helfen sollen? Die Lage war doch eher so, dass Süd- und Osteuropa vorher im Stich gelassen wurden - und gerade die Italiener sehr viel vom Flüchtlingsstrom mit deutlich knapperen Mitteln geschultert haben.


    Das Argument, warum man früher nichts gemacht hat, um das in geordnete Bahnen zu lenken ( Furrina ): Richtig, das ist ein Problem. Aber in geordnete Bahnen hätte in einer europäischen Solidargemeinschaft längst lauten müssen: Mittel-, Nord und Nordosteuropa nehmen die in Italien ankommenden Flüchtlinge nach einem Umverteilungsschlüssel auf. Ja, das wäre gut gewesen - und fair gegenüber Italien zum Beispiel.

    Aber ob das die Gruppen beruhigt hätte, die jetzt mit der AfD sympathisieren? Das wage ich absolut zu bezweifeln. Ich glaube einfach nicht, dass die Personen, die ich privat vor Augen habe oder die AfD-Offiziellen geordnet nach Deutschland kommende Einwanderer/Flüchtlinge willkommen geheißen hätten. Das ist eine reine Schutzbehauptung, der Tenor ist ein anderer.


    Annie kann ich daher nur zu 100 % unterschreiben.


    PS.: Am Besten wäre es, den Flüchtlingsstrom ursachenorientiert zu bekämpfen, natürlich. Da reicht aber ein Land allein nicht für aus; da muss sich die ganze Welt ändern (und das herrschende Gesellschaftssystem). Ich glaube aber nicht, dass dies der Wunsch der AfD ist - die ist schon sehr auf das Wohlergehen in ihrem eigenen Vorgarten bedacht.

    Natürlich - Mitläufer sind nicht besser als Täter, daher gibt es ja Rechtspflichten, die das unterstreichen.

    Wer von Vielen, die nicht helfen, dann "besser" oder "schlechter" ist, ist daneben auch eine moralische Frage. Ich löse mich mal vom Ausgangsposting und formuliere mal abstrakt, wie man auf die Idee kommen kann, sich zurückhaltender zu äußern über den einen oder anderen von vielen verschiedenen Nichthelfern, ohne dass man damit automatisch den Täter in Schutz nimmt. Oder ohne dass ich eine zweite Identität von m.müller bin. Der Täter hat ohnehin falsch gehandelt.

    Von den verschiedenen in Frage kommenden Helfern kann ich mir (vielleicht habe ich zuviel Phantasie) beispielsweise eine 18jährige Discounterkassiererin vorstellen, die drölfzig Ausbildungsplätze nicht bekommen und jetzt endlich einen gefunden hat und jetzt denkt "Oh Gott, bloß jetzt nichts falsch machen/nicht auffallen". Und den patenten Mittfünfziger, dem relativ egal sein könnte, was die Umstehenden oder der Supermarktinhaber denken und der seinen Mund auch nicht aufkriegt. Warum eigentlich nicht? Denkt der vielleicht im Stillen das, was - jetzt im obigen Fall - der Vater ausspricht? Dass dann die Kassiererin trotzdem stärker in der Pflicht ist, hat in erster Linie damit zu tun, dass sie den besten Handlungsspielraum hat. Sie könnte ja die Filialleitung hinzurufen, etc.

    Dass dagegen von den anderen in der Schlange niemand sonst den Mund aufmacht, ist für mich dagegen (möglicherweise) Symptom des gesamt gesellschaftlichen Denkens, "ein Klaps schadet nicht", deswegen stößt mir das noch mehr auf, weil die Betroffenen (Kunden) in dem Moment nichts zu verlieren hatten - aber (zurück zum Ausgangsfall) mit ein bißchen Solidaritätsbekundung nicht nur Rheinländerin unterstützen, sondern auch die Kassiererin moralisch dahingehend hätten hypen können, sich normkonform (im Rechtssinne) zu verhalten.

    Möchte nur kurz klarstellen, dass ich tatsächlich im Ausgangspost den Teil mit der 2. Kassiererin völlig überlesen habe. Ich habe den "Dialogteil" ziemlich genau gelesen und den Rest dann etwas schneller. Daher habe ich mich immer gewundert, warum *alle* später davon ausgehen, dass die Kassiererin mit der Polizei gedroht hätte, wo doch nur stand (im Dialogfeld, das war dann die "1." Kassiererin), sie werde die Polizei nicht rufen (weil sie glaube, die habe Besseres zu tun). Auf diese sich weigernde Kassiererin bezog sich mein Posting, den konkreten Totalausfall der 2. und vor allem deren konkrete Drohung habe ich komplett übersehen!


    Ich wollte eigentlich nur auf das Hausrecht hinweisen, die Frage nach der Filialleitung stellen und kurz um etwas Verständnis für diese (wie ich nun weiß, erste) Kassiererin bitten, die sich weigerte, die Polizei zu rufen, weil ich in den Discountern immer von außen so eine Hackordnung befürchte, prekäre Arbeitsverhältnisse und Mobbing/Kontrolle am schwächsten Glied.


    Hätte ich gesehen, dass die zweite Kassiererin tatsächlich rheinländerin selbst mit der Polizei gedroht hat, wäre natürlich der letzte Aspekt vollkommen entfallen und ich hätte auch die Empörung der anderen Schreiberinnen über die Angestellen besser verstanden.


    Das tut mir leid und es ist natürlich immer dämlich, überhaupt zu antworten, wenn man nicht gründlich gelesen hat#schäm. Mea culpa #flehanund bitte um Verzeihung.

    Ich finde es gut, dass Du eingeschritten bist. Rechtlich hat sich der Mann dem Kind und Dir gegenüber falsch verhalten.

    Schade, dass Du Dein Handy nicht dabei hattest.

    Etwas hart finde ich das allgemeine Urteil über die Kassiererinnen (vielleicht hab ich auch zu schnell gelesen), die natürlich nicht vorbildlich reagiert haben, aber die ja in irgendeine blöde "Zwischenrolle" geraten - das gehört ja jetzt allenfalls als "Bürgerpflicht" zu ihrer Aufgabe, ist aber vom Arbeitsauftrag nicht umfasst wie bei pädagogischen Berufen. Ich könnte mir vorstellen, dass sie ganz am Ende der Trittleiter stehen in dem Laden und wahrscheinlich immer Ärger bekommen - haben so vielleicht Ärger mit Kunden, wenn sie Deiner Bitte nicht nachkommen und die Polizei rufen, im anderen FAll vielleicht Ärger mit der Filialleitung, was der Aufriss soll (oder so).


    Kein Verständnis dagegen, wenn die Filialleitung den Vorgang beobachtet und nicht ihr Hausrecht gegenüber dem pöbelnden und Gewalt anwendenden Vater ausgeübt hätte.

    Puh - eine Präsentation zu einem Thema, mit dem man ganze Bibliotheken (naja, wenigstens ein paar Regale ;)) füllen könnte?

    Schwierig. Ich brainstorme mal los (und irgendwer bremst mich oder du, liebe TS, hakst nach, wenn etwas unklar ist):


    Zunächst: Zum BGB von 1900 gibt es eine wichtige Materialsammlung, die heißt Mugdan, dort braucht ihr die Übersichten über die Paragraphen und die Motive. Da findet man auch was zur Gesetzesbegründung. Der ist aus meiner Sicht online verfügbar (pdf mit Stichwortsuche), sonst würde ich das gar nicht einwerfen. Damit findet ihr aber nur das bürgerliche Recht/Privatrecht - also das Rechtsgebiet, in dem auch heute das Familienrecht enthalten ist. Der Rest (also Fragen des öffentlichen Lebens) kommt aus Verordnungen und Vorläufern der Weimarer Reichsverfassung (Weimar war zum Teil schon sehr modern); das Strafrecht ist auch interessant.


    Familienrecht

    - Ehewirkung: Entscheidungsrecht des Ehemannes in allen Angelegenheiten, die das eheliche Leben betreffen (§ 1354 aF BGB)
    Dabei muss man berücksichtigen: Rechtsfindung ist Auslegung. Was sind solche Angelegenheiten? Im Zweifelsfall alle. Denn wer legt aus? Ausschließlich Männer, denn nur sie konnten Richter werden (s.u.) Daher musste der Schutz vor Missbrauch in Absatz 2 auch leerlaufen.

    - Eheliches Güterrecht --> Gesetzlicher Güterstand: Verwaltungsgemeinschaft mit Nutznießung und Pferdefuß -->Denn: Genau. Entscheidungsrecht des Ehemannes, oder um es mit den Worten von Marie Raschke zu sagen: "Ohne seine Einwilligung kann die Frau von ihrem eingebrachten Gut nicht einmal ein paar Handschuhe kaufen" (Achtung, Gedächtniszitat).

    - Elterliche Gewalt? Trotz der "modernen" Überschrift ("elterlich") Fehlanzeige: Es gab die Elterliche Gewalt (entspricht der heutigen elterlichen Sorge) des Vaters §§ 1627-1683 (auf Deutsch: nicht unbedingt auch der Mutter, denn § 1684 war subsidiär). Nur wenn der Vater starb oder seine elterliche Gewalt ruhte, konnte die Mutter ausnahmsweise die elterliche Gewalt ausüben - allerdings unter Beschränkungen jeglicher Art, zB der Beiordnung eines Beistands. Sie hatte zwar die Personensorge, war aber (natürlich) auch hier durch das Entscheidungsrecht des Ehemannes dessen Votum unterworfen.

    - Uneheliche Mütter: Das ging gar nicht. Keine elterliche Gewalt der Mutter, keine Verwandtschaft zum Vater, die biologisch bestehende wurde durch rechtliche Fiktion eliminiert ("gelten als nicht verwandt", § 1589 II aF BGB)

    Unterhalt des Kindes--> In einer Welt ohne Vaterschaftstests galt: "Die Einrede des Mehrverkehrs". Kamen neben dem vermeintlichen Erzeuger auch andere in Frage, brauchte keiner zahlen (§ 1717 aF BGB). Wem nichts auffällt, liest mal § 830 BGB als Kontrast. Da haften nämlich alle. Perfide: Die Praktikerkommentare der damaligen Zeit: Der Nachweis, dass es einen anderen Verkehr gegeben habe, brauche nicht förmlich geführt zu werden. Es genüge, wenn die Frau einen entsprechenden Ruf habe.

    - Scheidung? Da galt für beide das Schuldprinzip. Hieß: Wer für "schuldig" befunden wurde, musste die Scheidungsfolgen tragen. ZB verlor er den Unterhaltsanspruch - und die Kinder. Ein Scheidungsgrund, bei dem die Schuld vermutet wurde, was das bösliche Verlassen, das heißt, Flucht war unmöglich. Frauen konnten folglich nur auf eine Scheidung des Mannes hoffen bzw. mussten seine "Schuld" beweisen (wie immer alles vor ausschließlich männlichen Richtern)


    Öffentliches Recht:

    Kein Wahlrecht, keine Berufung in Ämter wie das Schöffenamt, auch im Beamtenrecht gab es Einschränkungen, da habe ich jetzt nichts zitierfähiges, keine Zulassung als Richterin oder Rechtsanwälten, auch die entsprechenden Studiengänge erst spät zugänglich...


    Strafrecht:

    Keine Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe (natürlich, wie auch. Es gab die eheliche Pflicht und das Entscheidungsrecht des Ehemannes --> also, ein Selbsthilferecht des Ehemannes)

    Keine Fristen-, sondern eine Indikationslösung bei der Abtreibung (dazu kann man stehen, wie man will). Die Regelung war der westdeutschen strukturell jedenfalls sehr ähnlich.


    Ich sende mal ab, der Text wird zu lang..



    -

    ich finde, solche und ähnliche seiten/blogs/publikationen schaffen ein gesellschaftliches klima, dessen entwicklung ungut ist.


    auch die ironisierung der kommunikation stört mich ganz generell.

    Das kann ich vom Empfinden her übrigens gut teilen, es gab auch Phasen, wo mich das grundsätzlich sehr gestört hat (was mein Umfeld wiederum sehr lustig fand), ich hätte es jetzt vielleicht weniger an diesem Beispiel festgemacht bzw. geht es mir im Moment nicht so nahe, aber in anderen Situationen/Zeiten bin ich davon schon sehr genervt gewesen.

    Hab noch mal drüber nachgedacht und glaube, ich kann's für mich jetzt zusammenfassen, warum mir das nicht so nahe gegangen ist wie andere abfällige Äußerungen, die ich in RL erlebe:

    Es hängt für mich am Mediun und an der Stilrichtung: Es ist anonymisiert und verfremdet - und aus meiner Sicht Satire. Ich bin eben einfach nicht davon ausgegangen, dass er Eltern 1:1 abbildet - und bin auch davon ausgegangen, dass das gar nicht sein Ziel war. Also, dass vielleicht einzelne Äußerungen so in der Praxis gefallen sind, aber dass er das Kunstfiguren in den Mund legt (in einem Beispiel legt er das ja auch offen, wo er beschreibt, dass es zwei verschiedene Gespräche waren, die er in einer fiktiven Mutter zusammengepackt hat). Manches ist unnötig, manches grober Humor - für mich trotzdem nicht der Aufreger wie die vielen kleinen Alltagserlebnisse, wo das persönlich gegen bestimmte Menschen geht - und der Äußerer sich davon gar nicht distanziert, was er ja - zumindest angeblich - tut; er unterscheidet ja zwischen Blog und Praxis.

    Ich selbst habe ja das Beispiel mit dem Kollegengespräch gebracht - und wie weit das geht, hängt klar an der Größe der Stadt. Auf einem Kaff kann man die Namen weglassen - und trotzdem weiß jeder, wer gemeint ist. Und: Man muss den Kollegen schon sehr vertrauen.

    Trotzdem wundert mich, dass der "echte" Austausch dann wieder so gelassen gesehen wird. Das entspricht wiederum nicht meinem Empfinden - oder höchstens in einer Großstadt. In einer Kleinstadt wie hier würde ich mir nicht wünschen, dass sich unser KiA mit meinem Gyn lustig über mich austauscht - "dass ist die, die ihr Kind verhätschelt - klar, die konnte ja auch keine Kinder kriegen, jetzt muss sie alles nachholen" oder so und im schlimmsten Fall so eine diffuse Voreingenommenheit herrscht.

    Also, was ich dem Blogger zugutegehalten habe, hing unbewusst damit zusammen, dass ich ihm den reinen "Tatsachbericht" nicht abgenommen, sondern es von Anfang an für Satire gehalten habe.

    Wirklich dämlich war, dass ich oben Gratwanderung wie Gradwanderung geschrieben habe - weil's mir grad so einfiel. Über so etwas sollte man sich mich viel mehr aufregen, was ist das ein Vorbild für die Kinder? ;)

    http://www.faz.net/aktuell/pol…nistan-fest-15042271.html


    De Maiziere hat das gestern gesagt, es war meines Wissens seine erste Pressemitteilung nach dem Anschlag in Kabul. Hätte er nicht zumindest so kurz nach dem Anschlag sagen MÜSSEN, dass man jetzt mal nachdenkt?

    Ja. Hätte man - mit ein bißchen Fingerspitzengefühl. Dann hätten zwar wieder die AfD-Kommentatoren in den Netzwerken die Krise gekriegt, weil das Abendland den Islamisten preisgegeben wird, aber das müsste eine starke Demokratie einfach mal aushalten können.

    Ach Mist, als ich oben endlich fertig mit Tippen eines Edits war, war es zu spät zum Editieren...


    Das wollte ich eigentlich noch fragen:

    Edit fragt gerade Nessaja , ob es eventuell die Äußerung von gestern war, als DeMaizere noch so schnell wie möglich weitermachen wollte. Ich glaube, jetzt ist offiziell Stop bis Juli. Aber genau solche Äußerungen mit plakativem Abschiebewillen meinte ich mit meiner "Verneigung der Demokratie vor dem rechten Rand".


    Stimme voll zu: Die Schüler/Auszubildenden/sich sonstwie integrierenden doch bitte nicht zu greifen, vor allem aus solchen Herkungsstaaten(!) Wieder: Wie absurd.

    nicht ausgesetzt, sondern verschoben. er ist zwar aufm freien fuß aber ob er bleiben darf, ist unklar.

    Ja, so ist "aussetzen" verwaltungspraktisch und juristisch zu verstehen. Trotzdem verbinde ich damit die Hoffnung, dass Afghanistan gestrichten wird als sicheres Herkunftsland bei diesem Anlass, das war ohnehin absurd.

    Wenn DeMaizere wirklich gesagt hat ( Nessaja ), dass die Abschiebungen so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden sollen, wäre das schrecklich #crying. Ich hoffe für die Betroffenen, das stimmt nicht. Aber es würde mich nicht wundern (siehe meine erste pessimistische Einschätzung oben).

    Zur Politik der verstärkten/schnelleren Abschiebung:

    (Auch) eine Verneigung der Demokratie vor dem rechten Rand. Beschämend.


    Lösungsansätze habe ich keine zu bieten, aber die erkennbare Motivlage, keine (weiteren) Wählerstimmen nach rechts außen zu verlieren, ärgert mich, selbst wenn es destruktiver, sinn- und zweckloser Ärger ist...