Beiträge von Katielee

    Bis auf Mamas, die wegen Neugeborenem eh nicht arbeiten und daher auch das 2jährige noch mitbetreuen können....Bin ich allein auf weiter Flur. Wir leben dörflich und die Würmer kommen konsequent mit 10 Monaten in die von allen gelobte Krippe, da man sie zuhause nicht mehr auslasten/auspowern und mit genügend Sozialkontakten versorgen kann. Ausserdem möchte Frau auch ENDLICH wieder mal ohne Baby auf dem Arm Einkaufen. Und man muss ja auch noch Geld verdienen, 500€ Krippe und 2 SUV's sowie 2-3 mal Urlaub wollen schliesslich bezahlt werden :D

    Hahahaha.

    Keine Ahnung, warum die Diskussion zu diesem Thema immer so entgleist, wenn sich doch alle Mühe geben total objektiv und bei sich zu bleiben.

    Sorry mia2018 , ich wollte dir gerade wirklich eine ausführliche Antwort schreiben, aber diese gewollte Aufteilung in supertolle Rabenmamis und den egozentrischen Rest ist gerade zuviel für mein gestresstes Working-Mum-Nervenkostüm. Daher nur ganz kurz: Hier, Großstadt und gut situiertes Viertel, beginnt Betreuung in meinem Umfeld meist irgendwann im zweiten Lebensjahr und wird durch die Stadt (zum Glück) stark gefördert. Ich könnte mir sicherlich keine 500 Euro Betreuungskosten leisten. Ich weiß allerdings durch meinen Beruf, dass viele Kinder bis zur Schule auch oft gar nicht in den Kindergarten gehen oder von Nannys betreut werden. Was davon zutrifft ist stark vom Stadtteil abhängig.

    Klar kann Rauchen auch familiär vorgelebt werden (Ich glaube da persönlich an eine Kombination aus Vorleben & Anlagen für Sucht), aber trotzdem seid ihr als Eltern das wichtigste Vorbild und du machst ja sehr deutlich, dass du es nicht gut findest.

    Aber ehrlich, ich fände es auch legitim, wenn du der Oma sagst, dass sie bitte nicht in Sichtweite rauchen, sondern auf die Straße gehen soll. Das wird sie vielleicht doof finden, aber du hast da ja durchaus Argumente auf deiner Seite. Und was heißt schon überempfindlich - Menschen sind eben verschieden und es stört dich, dass sie auf eurem Balkon raucht. Das darfst du dann auch sagen.

    Ich würde auch eine möglichst kurze und einfache Erklärung suchen, die aber der Wahrheit entspricht: Schlechte Angewohnheit, die krank macht, aber Erwachsene machen eben auch oft dumme Sachen. Sowas in der Richtung.

    Ich kann verstehen, dass du es doof findest, dass deine Schwiegermama raucht, aber ich würde es ehrlich auch nicht überdramatisieren. Du rauchst nicht und du bist zusammen mit dem Papa das wichtigste Vorbild. Du ordnest es für dein Kind ein und dann wiederholst du diese Erklärung immer wieder.

    Wir hatten das Thema bislang mit Alkohol und Cola und hatten da mit simplen Erklärungen und steter Wiederholung gute Erfolge.

    Nachtkerze Danke! Ich finde es sehr spannend, was du von deinen Erfahrungen in Frankreich schreibst. Ich war in meiner eigenen Schulzeit in Frankreich im Internat und habe dort tatsächlich völlig andere Erfahrungen gemacht und die Trennung zwischen Mädchen und Jungs tatsächlich als noch strenger empfunden als in Deutschland. Wäre interessant zu wissen, ob sich die Gesellschaft in Frankreich in den letzten 20 Jahren stärker weiterentwickelt hat oder ob das doch eher vom Leitbild der einzelnen Schule abhängt. (Wobei mir in Frankreich damals sehr gefallen hat, dass der Sportunterricht in der Sek I nicht nach Jungen und Mädchen getrennt war wie an meiner deutschen Schule. Aber das ist ja auch in Deutschland zum Glück nicht überall der Fall.)

    Wie gesagt: Danke für deinen Nachtrag. Ich wollte einzelnen Erfahrungen nicht widersprechen und kenne auch eine Menge Kolleg:innen, deren Einstellungen sich nicht mit meinen decken ;)

    Ich muss jetzt mal ein paar Seiten zurück springen. Es trifft mich wirklich sehr, wenn hier geschrieben wird, dass die Lehrpersonen an der Grundschule Geschlechterklischees verstärken oder auch nur fortsetzen würden. Damit möchte ich gar nicht der Erfahrung von Einzelnen widersprechen, aber ich möchte mich gegen diese Verallgemeinerung trotzdem noch mal wehren.

    Ich arbeite in einem sozial sehr schwachen Stadtteil an einer Grundschule und manchmal denke ich mir wirklich, dass das so weit von der Lebenswelt der typischen Rabeneltern weg ist, dass sich einige hier gar nicht vorstellen können, mit was für Bildern und Vorstellungen die Kinder in die Schule kommen. Nur ein Beispiel: Meine Kids waren geschockt als sie erfahren haben, dass ich eine kleine Tochter habe und trotzdem arbeite. Mütter sind hier nämlich grundsätzlich zuhause. Nebenbei habe ich einen nennenswerten Anteil an Analphabet:innen unter den Schülereltern. Und ja, als Klassenlektüre werden oft bewusst Bücher gewählt, die für die Jungs ansprechender sind, weil die Mädchen im Durchschnitt lieber lesen und sich auch auf einen Jungen als Hauptfigur einlassen. Der Hauptfaktor bei der Auswahl ist allerdings sowieso, ob das Buch als Klassensatz vorhanden ist. Denn die Eltern können kein neues Buch anschaffen und was nicht schon da ist, kann auch nicht gelesen werden.

    Meine Mädels sind hier im Durchschnitt mit neun Jahren sorgfältiger gestylt als ich und die Vorstellungen, was Männer und Frauen ausmacht, sind kilometerweit von dieser Diskussion hier entfernt. Natürlich widerspreche ich immer wieder, aber ich rede da auch einfach gegen die Lebenswelt der Kinder an. Das sehe ich tatsächlich auch als Teil meines Jobs, aber es tut einfach weh, wenn man dann liest, dass "Lehrpersonen an der Grundschule" generell in Genderrollen festhängen. Da würde ich mir auch hier im Thread etwas mehr Differenzierung wünschen...


    Und noch ein Nachtrag zu meiner persönlichen Heldin Nöstlinger: Aus meiner Sicht betreibt sie kein Fatshaming, sondern ihre Protagonisten, die auch sonst öfter mal Sachen sagen, die nicht politisch korrekt oder auch echter Käse sind. Nöstlinger hat ganz bewusst keine pädagogische Kinder- und Jugendliteratur geschrieben, sondern versucht, gute Bücher für junge Menschen zu schreiben. In der Gretchen-Reihe spielt das Gewicht der Familie Sackmeier ja zum Beispiel eine durchaus wichtige Rolle, aber es ist (und war schon als Kind) aus meiner Sicht total klar, dass nicht die Autorin dumme Dinge über Übergewicht denkt, sondern einige der Protagonisten - und die haben nicht automatisch Recht. Ich finde, dass Nöstlinger ihre Leser:innen ermutigt, sich eigene Gedanken zu machen und nicht einfach zu akzeptieren, was die Mehrheit oder die Erwachsenen sagen. Das finde ich mindestens ebenso wichtig - wenn nicht wichtiger - als das Vermitteln von politisch korrekter Denkweise, die eben ganz oft nicht der Lebenswelt entspricht.

    Mir ist vor einiger Zeit etwas ganz Ähnliches passiert und ich habe den Test einer Schülerin verloren. Mir war das so unangenehm und tat mir auch sehr leid. Ich bin auf jeden Fall anders vorgegangen als die Kollegin und habe sie die Arbeit zusammen mit anderen regulären Nachschreiber:innen noch einmal schreiben lassen.

    Ideal fand ich auch das nicht, weil es mir sehr leid tat, dass die Schülerin die Anstrengungen nochmal hatte, aber da ihre Leistung beim zweiten Mal besser war als das, was ich schriftlich sonst von ihr kenne, war mein Gewissen damit trotzdem halbwegs beruhigt ;)


    Fehler passieren und ich zumindest bin trotz aller Bemühungen um einen spitzenmäßigen Unterricht fehlbar, oft müde und enorm verpeilt. Das darf aber meinen Schüler:innen nicht zum Nachteil werden und wenn das doch passiert, muss man eine Lösung finden, die das wieder ausgleicht.


    Ich würde das Gespräch mit der Lehrerin suchen und um eine alternative Lösung bitten. Ich habe ja relativ oft den Drang bei solchen Themen, meinen Berufsstand zu verteidigen, aber man muss leider auch sagen, dass die Kombination aus "es besser wissen", Beamtentum und Stress an einigen Kolleg:innen über die Jahre nicht spurlos vorbeigeht und darunter die Selbstreflektion ordentlich leiden kann...

    Ich finde es übrigens nahezu unmöglich für Deutschland gerade von "einem" Schulsystem zu sprechen. Ich bin ja gerade im Referendariat mit Kolleginnen, die in den unterschiedlichsten Bundesländern studiert haben und kenne aus meiner eigenen Schulzeit ein ganz anderes System als das, in dem ich jetzt selbst unterrichte.

    Die Unterschiede sind so gigantisch, dass das auch tatsächlich verschiedene Länder sein könnten. Das geht von der Gewichtung von neueren (naja...) Inhalten wie Deutsch als Zweitsprache (bei mir fester Bestandteil des Studiums, in Bayern bislang nicht mal im Fach Deutsch enthalten) bis eben hin zu Genderthemen.

    Trennung Jungs/Mädchen fände ich persönlich nicht gut. Mein Wunsch wären so kleine Klassen, dass man als LehrerIn eine realistische Chance hat, die Kinder auch als FachlehrerIn als Individuen kennenzulernen. Ich unterrichte 26 Kinder im Alter von 12/13 in einer Fremdsprache, davon ca etwa ein Viertel mit entweder Förderbedarf oder echten sozialen Auffälligkeiten. (Und auch die anderen brauchen und verdienen Aufmerksamkeit.) Ich sehe die Kinder regulär dreimal die Woche, stehe allein vor der Klasse und bin noch in der Ausbildung. Ich würde sagen, dass das Einzige ist, was man wirklich pauschal über das gesamtdeutsche Schulsystem sagen kann: Nämlich, dass der Personalmangel und seine Folgen effektiv verhindern, dass Inklusion und individuelle Förderung für alle Geschlechter - egal ob cis, trans oder etwas dazwischen - flächendeckend erfolgreich umgesetzt werden können.

    Kennt jemand "Der Schlund" von Pausewang?

    Ich meine, das hatten wir als Schullektüre und ich würde das zum Beispiel heute nicht mit meinen Klassen lesen. Außer um es auseinanderzunehmen ;) Dabei ist das Thema (Rechtsruck in D, Mauer um Deutschland gegen Einwanderung, neue Diktatur) absolut aktuell, aber ich finde es so eindimensional und schwarz-weiß geschrieben, dass ich befürchten würde, dass seine Botschaft/Warnung gar nicht ankommt.

    Ich fand es zum Beispiel schon als Teenager doof, dass die Familie der Protagonistin alles bietet, was im weiteren Handlungsverlauf zu "Problemen" führt (behinderte Schwester, adoptierter Bruder aus Äthiopien, jüngerer Bruder, der sich aus Naivität den Rechten anschließt, Tante mit HIV, linker Schriftsteller-Papa). Das macht das Buch unglaublich vorhersehbar und die definitive Einteilung von Menschen in super gut und abgrundtief böse oder zumindest dumm hilft da nicht.

    Ich musste letzte Woche zwei Kollegen bei einem Gespräch darüber zuhören, warum die Kinder heute angeblich immer schwieriger werden. (Wir arbeiten tatsächlich in einem Brennpunkt von der Art, über die gerne Dokus bei den Öffentlich-Rechtlichen laufen; ich kann verstehen, dass man da nach ein paar Jahren einen eher negativen Blick bekommt, auch wenn der weder hilfreich noch komplett zutreffend ist).

    Auf jeden Fall war der eine Kollege der Ansicht, das Hauptproblem wären die vielen arbeitenden Mütter, die sich nicht mehr ausreichend um ihre Kinder kümmern. Er ist ja damals noch zum Mittagessen heim zu Mami gegangen und das war doch viel besser.

    Letztlich hat er auch den Kapitalismus dafür verantwortlich gemacht - aber seine "Lösung" wäre halt trotzdem, dass der Mann die Familie allein ernährt und die Frau sich um die Kinder kümmert. Der Typ ist jünger als ich... Ach je, ach je.

    (Und nein, ich hab es nicht diskutiert. War an dem Gespräch nicht beteiligt und opfere meine kostbare Pause nicht für sowas. Wer sowas in Gegenwart von mehreren arbeitenden Müttern von sich gibt, lässt sich sicher nicht in zwei Minuten überzeugen.)

    Nein, das muss man sicherlich nicht. Aber es muss ja zum Glück auch niemand lesen. (Außer es ist Schullektüre... Ähm, ja.) Ich finde es aber tatsächlich nicht falsch, auch in Jugendbüchern existenzielle Katastrophen zu schildern. Weil sie ja nun mal Realität sind. Ob man das dann lesen möchte und wie so ein Buch bei einzelnen Lesenden wirkt, das ist vermutlich zu individuell um da zu verallgemeinern.

    Ich bin wirklich der Meinung, dass Jugendbücher alles behandeln dürfen. Und ich finde es auch nicht grundsätzlich schlecht, wenn ein Buch verstört, traurig macht oder irritiert. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass das eine (!) der Aufgaben von Literatur ist.

    Nachtrag: Ich hab zwischen zehn und 15 mehrere Bücher von Pausewang gelesen und bin tatsächlich froh, dass es dir in meinem Elternhaus gab, auch wenn sie mir Angst gemacht haben und ich sie schrecklich fand.

    Aber sie hat mich auch zum Nachdenken gebracht. Ihre Bücher sind plakativ und mir aus heutiger Sicht auch wirklich zu schwarz gemalt - nicht, weil sie nicht recht hätte, sondern weil man das dann nicht mehr lesen will und sie ihr Ziel dann nicht mehr erreicht. Aber ihre Bücher können gerade Jugendliche auch zu kritischem Denken anregen, denn wenn eines in all ihren Büchern klar wird, ist es das Erwachsene nicht immer am Besten wissen, was das Richtige ist. Da merkt man stark Pausewangs eigene biografischen Prägung und diese Botschaft finde ich so wichtig, dass ich zumindest "Die Verräterin" bis heute im Regal habe.

    claraluna Ich stimme dir vollkommen zu. Ich wollte nur nicht ausschließen, dass meine aktuelle Erfahrung der Unvereinbarkeit vielleicht nicht für alle gilt und jemand, der zum Beispiel viel Unterstützung durch eine große Familie oder einfach sehr viel Geld besitzt, das anders erlebt ;)


    ainu Ich persönlich zumindest habe nicht das Gefühl, mich Erwartungen bewusst zu beugen. Ich stelle eher rückblickend fest, dass ich das getan habe und wie schwierig es ist, das zu ändern.

    Ich finde es beeindruckend und faszinierend, wenn man sich gegen äußere Einflüsse so bewusst abgrenzen kann. Ich sehe mich selbst jetzt auch nicht als Blatt im Wind, aber definitiv als empfänglich für die Erwartungen und offen für die Meinung anderer Menschen und kann das auch nicht einfach abschalten - schon gar nicht, wenn ich sie als nachvollziehbar empfinde.


    Mal am Beispiel Stillen, um es konkret zu machen: Ich hab das Forum hier in der Nacht vor der Geburt meiner Tochter entdeckt und hatte vorher noch nie von Langzeitstillen gehört. Eine Freundin von mir hat ihre Tochter ein gutes Jahr gestillt und das fand ich schon unvorstellbar. Und dann kam meine Tochter, die ein absoluter Stilljunkie und ein easy-going-Traumbaby war. Ich hab mich hier immer weiter eingelesen und hatte hier auch einfach viel mehr Gespräche über das Thema als im offline Leben. Ich habe hier viele gute Argumente für das Stillen nach Bedarf gefunden und das auch problemlos nach außen verteidigt und vertreten. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass mich 2,5 Jahre Stillen plus Job plus Haushalt plus Partnerschaft auch und besonders körperlich komplett ausgesaugt haben und ich es nicht geschafft habe, da rechtzeitig eine Grenze zu ziehen. (Ich hab nie einen eigenen Thread zum Thema Abstillen gestartet, weil ich mich durch so viele alten Diskussionen gelesen habe, dass ich das Gefühl hatte, alle Argumente schon zu kennen.)

    Ich weiß nicht, ob das Problem da wirklich irgendwelche obskuren "anderen Leute" sind, da hast du recht. Für mich persönlich geht es da zumindest mehr um die Frage, wie ich meine eigenen Ansprüche an mich als Mutter, Lehrerin und Mensch vereinen kann ohne in eine Erschöpfungsdepression zu schlittern. Vielleicht hast du einfach generell ein gutes Bauchgefühl, dem du gern vertraust oder bist so fest in deinen Überzeugungen, dass dir solche Überlegungen eher fremd sind?

    Kiwi Danke!!! Ehrlich, das tut gerade sehr gut zu lesen, weil jetzt gerade (und speziell heute) ist es echt schwer mir vorzustellen, dass das jemals wieder besser wird und vor allen Dingen wieder mehr Spaß für mich dabei rausspringt.


    Wobei diese Sache mit der Haushaltsaktivität aus meiner momentanen Sicht tatsächlich nur teilweise Genderkacke ist. Meinem Mann und mir war der Haushalt in den ersten zehn Jahren unserer Beziehung beiden ziemlich egal. Ich war immer sehr unordentlich, er hat sehr selten geputzt - das hat sich ganz gut ergänzt :D

    Dann hab ich aus Ökogründen und Hunger das Kochen für mich entdeckt (veganes Fastfood ist schwierig und geht ins Geld) und wollte mit Kind plötzlich auch einen anderen Haushaltsstandard als vorher. Das ist natürlich legitim, aber halt nichts, was wir gemeinsam entschieden hätten. Meinem Mann wäre es 1000prozentig lieber, ich würde weniger Haushalt machen und mehr Zeit mit ihm verbringen - aber dann bleibt es eben liegen und das finde ich auch nicht gut. Und es nervt mich tatsächlich selbst unglaublich, dass dieses dämliche Thema Haushalt so viel Platz in meinem Kopf einnimmt, aber wie ändert man das? (Vor allem, wenn es nicht um Sauberkeit auf hohem Niveau, sondern mehr so um "es kann jemand spontan reinkommen" geht)

    Ich glaube, Entspannung für mich könnte da nur eine bezahlte Reinigungskraft bringen (Wobei ich schon über eine Spülmaschine froh wäre, wenn eine in unsere Wohnung passen würde...), was hoffentlich irgendwann möglich wird. Wobei das aus meiner Sicht schon echter Luxus ist und ich mich frage, was Leute tun, die sich das nicht leisten können.


    Mein persönliches Fazit ist aktuell tatsächlich, dass es den perfekten und richtigen Weg nicht gibt. Ich hoffe sehr, dass sich das in den nächsten Jahren und für die nächste Generation ändert, aber obwohl ich grundsätzlich ein optimistischer Mensch bin, sehe ich in dieser Hinsicht tatsächlich tiefschwarz.


    Ich weiß übrigens nicht, ob ich als Mann so ein Traumtyp wäre. Falls es nicht schon an anderer Stelle erwähnt wurde, würde ich hier gern nochmal Naomi Aldermans "The Power" empfehlen, das meinen Blick auf den Unterschied zwischen Männern und Frauen tatsächlich drastisch verändert hat.

    Ich weiß nicht, ob ich mir freiwillig das Leben anstrengender und unbequemer machen würde als ich müsste. Ich hoffe natürlich, dass es so wäre und wähle ja auch jetzt nicht immer den einfachsten Weg. Allerdings kann ich mir eben auch nur begrenzt vorstellen, wie es wäre, wenn ich als Mann sozialisiert wäre. Ich vermute, dass meine Bereitschaft, mich in alle Richtungen zu verbiegen, damit bloß alle zufrieden sind, dann vielleicht etwas geringer ausgeprägt wäre. Ist aber nur eine Theorie. Vielleicht hab ich auch doch nur den falschen Partner und eigentlich wäre Doppelverdienertum mit Haushalt und Kind unter anderen Umständen doch ganz gut zu vereinen.


    Und was ich unbedingt an dieser Stelle noch schreiben möchte: Ich habe absolute Hochachtung vor allen Alleinerziehenden. Ich persönlich kann mittlerweile gut verstehen, warum hier vom "Schutz der Paarbeziehung" die Rede ist, auch wenn ich gleichzeitig nachvollziehen kann, wenn man den Ausdruck nicht mag. Aber so anstrengend ich das jetzt alles finde, wäre es doch allein noch viel viel viel schwieriger. Das trifft vielleicht nicht zu, wenn der Mann sich als gewalttätig in physischer oder psychischer Hinsicht entpuppt hat, aber solange man von absolut durchschnittlichen Paarquerelen redet, verstehe ich mittlerweile vollkommen, warum man sich lieber nicht trennt, bis die Kinder zumindest im Schulalter sind. (Romantik kann ich einfach...)

    Ich denke in letzter Zeit viel darüber nach wieviel leichter ich es vor dem Kind fand, gleichberechtigt zu leben. Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass mich die Geburt unserer Tochter und das Elternsein viel stärker verändert hat als meinen Mann. Er hat sich auch verändert, das schon. Aber ich bin quasi ein anderer Mensch geworden, was ich so nicht erwartet habe und er mir auch bestätigt.

    Wir arbeiten übrigens beide 100 Prozent und haben keine Familie vor Ort oder auch nur in der Nähe. Für mich kommt es eigentlich auch nach meinem Referendariat nicht infrage, Arbeitszeit zu reduzieren, weil ich erstens meinen Beruf liebe und zweitens den Argumenten der letzten Seiten weitgehend zustimme, die eine Versorgerehe problematisch finden. Ich muss aber sagen, dass ich auch die gegenwärtige Situation problematisch finde, wobei ich lange überzeugt war, das läge vor allem an dem unfair verteilten und hier im Thread ja auch schon oft diskutierten mental work load etc.

    Momentan glaube ich das aber gar nicht mehr wirklich. Es ist nur einfach zu viel.

    Ich hab jetzt gute 2,5 Jahre gestillt und natürlich haben wir ein Familienbett, wenn man das so nennen möchte. Wir schlafen nämlich mittlerweile abwechselnd mit unserer Tochter darin, weil jeder von uns so zumindest jede zweite Nacht durchschlafen kann.

    Ja, ich mache mehr im Haushalt als mein Mann und habe noch weniger Freizeit. Liegt aber daran, dass ich am Nachmittag dank meines Berufs unsere Maus aus der Kita holen kann und dafür abends meine Vorbereitung machen muss. Ich hab zwei Jahre lang quasi durchgehend an ihm rumgemault, weil mich die unfaire Verteilung plus das Lob, das er gleichzeitig für sein tollen Papa-Taten von außen bekommt (bei mir ist das ja als Mutter normal) völlig irre gemacht hat. Mittlerweile glaube ich, dass er auch einfach über einen deutlich besseren Selbstschutz verfügt als ich und seine Grenzen besser waren kann. Auch irgendwie klischeehaft, oder?

    Und das hat sicher und auf jeden Fall mit unserer eigenen Erziehung und Prägung zu tun, aber vor dem Kind hat das einfach keine Rolle in unserer Beziehung gespielt.

    Ich weiß nicht, wie man das besser machen kann. Wird das automatisch besser, wenn das Kind größer wird? Vermutlich. (Aber eigentlich hätte ich ja doch auch gern ein zweites Kind und das würde mich vermutlich endgültig über den Abgrund schubsen.) Aber das Jetzt ist trotzdem schlimm und ich weiß nicht, wie ich das lösen soll.

    Ich hab ehrlich nie gedacht, dass ich jemals verstehen könnte, wie man sich für ein Leben als Hausfrau entscheiden kann und es ist auch nicht der Weg, den ich für mich möchte. Aber ich hab auch nie gedacht, dass die Kombination aus Arbeit, Kind und Haushalt so anstrengend sein würde, dass ich mich eigentlich überhaupt nicht mehr wie die Frau fühle, die ich mal war, sondern nur noch als Kombination aus Rollen, Erwartungen und ToDos. Und das ist irgendwie auch ganz schlimme Genderkacke... ;)

    Trin Beim Binnen-I, also PraktikantIn, wäre der Mehraufwand in Zeichen doch nur das "der/die" oder verstehe ich das falsch? Ich finde das Binnen-I sehr praktikabel, aber wenn die Zeichenknappheit das Problem ist, könnte man für den ganzen Text vielleicht eingangs Abkürzungen definieren?

    So mache ich das gerne, wenn ich zu wenig Zeichen für inklusive Sprache habe und das ist zumindest im schulischen Bereich mit SuS (Schülerinnen und Schüler) oder LuL (Lehrerinnen und Lehrer) ja auch recht gängig.

    Für einen Online-Fragebogen hab ich auch schon mal aus ähnlichen Gründen einen Disclaimer verfasst und erklärt, dass die Lesbarkeit leider derzeit keine andere Formulierung hergibt, aber (jetzt flapsig ausgedrückt, im Text natürlich nicht) alle Geschlechter von cis bis trans gemeint sind.

    Ideal ist vermutlich nichts davon, aber vielleicht ist ja trotzdem eine Idee dabei ;)


    (Nachtrag: Die Diskussion ist jetzt schon weiter und meine Vorschläge waren im Prinzip alle schon da. Leider wurde mein Beitrag gestern Abend nicht übertragen und ich mag ihn jetzt trotzdem nicht einfach löschen, zumal eine zufriedenstellende Lösung ja anscheinend noch nicht dabei war. Deshalb möchte ich mich auch nochmal der Meinung anschließen, dass eine perfekte Lösung wohl gerade schwer möglich ist, aber manchmal ja vielleicht auch eine akzeptable Variante einen Fortschritt darstellen kann. Und damit spiegelt die Sprache ja im Wesentlichen den generellen Stand der Gleichberechtigung wieder ;))

    Nebelung Sorry, das war wirklich (!) nicht auf einen speziellen Beitrag und nicht auf eine spezielle Person bezogen. Zumal ich selbst auch schon sowas gesagt habe...

    Ich glaube nur mittlerweile, dass dieses Kritisieren untereinander letztlich nichts besser macht. War aber blöd, dass ich Bashing geschrieben habe - das Wort wird ja aktuell auch inflationär benutzt :)

    Ich finde das Frauenbashing generell und auch hier im Thread tatsächlich schlimm. Zumindest wenn man ernsthaft davon überzeugt ist, dass das System falsch - nämlich sexistisch, patriarchalisch, ungerecht - ist.

    Ich glaube, es ist normal, dass die Opfer solcher Strukturen (also im diesem Fall die Frauen) versuchen, einen für sich möglichst erträglichen Weg zu finden. Und das überwiegend unbewusst, denn nicht jeder Frau ist die Ungerechtigkeit des Systems überhaupt bewusst und nicht jede Frau kann das für sich selbst reflektieren. Natürlich ist es tragisch, dass Frauen das System letztlich stützen, aber wirklich nur menschlich. Ich glaube immer mehr, dass letztlich nur Solidarität von Frauen untereinander wirklich etwas verändern wird. Und das hoffentlich gemeinsam mit Vertretern der nachwachsenden Männergeneration.

    Vergleichsweise harmlos, aber trotzdem nervig: Gestern war Kindersporttag in unserer Stadt. Mein Mann war mit unserer Kleinen im Sportverein, wo die Kinder einen "Mittelalter-Parcours" mit Abzeichen absolvieren konnten. Am Ende gab es Stempel: Natürlich für die Mädchen eine Prinzessin, für die Jungs einen Ritter.

    Mein Mann ist für sowas sonst sensibel wie ein Stein, aber selbst er fand es auffällig, dass eine Wahl nicht vorgesehen war - er war nämlich überzeugt, dass unsere Zweijährige lieber den Ritter gehabt hätte, aber er konnte gar nicht mehr fragen, da war die Prinzessin schon drauf.

    (Ich hätte definitiv auch was gesagt, war aber ja nun nicht dabei.)