Beiträge von Magorma

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    Ich verschenke gerade bei Kleinanzeigen ein Gestell mit Betthimmel für ein Babybett. Habe ich selbst auch geschenkt bekommen. Es ist eine hellblaue Schleife dran. Heute kam eine Anfrage, ob man die hellblaue Schleife auch abnehmen könne, denn man erwarte ein Mädchen 8o

    Das ist jetzt keine Genderkacke im eigentlichen Sinne, aber ich habe wirklich nicht gedacht, dass es das in der Realität gibt. Aber wohl doch.

    Habe freundlich geantwortet, dass man das könne, es einem Babymädchen aber ganz egal ist, welche Farbe die Schleife hat, zumal ich den Himmel auch für ein Mädchen genutzt habe (dem deshalb jetzt kein Penis gewachsen ist (das habe ich natürlich nicht geschrieben #freu)).

    Ich höre die hier schon, das sind besonders die aus dem Osten - die es anders kennen - und die gut Qualifizierten - wie meine Freundin, die Ärztin ist (und sich, nachdem der Protest fruchtlos blieb und der ja auch Energie kostet) und sich dann eben eine eigene Lösung gesucht hat. Muss man sich leisten können. Wir hatten auch ein Jahr ein Au Pair (in Summe bei drei Kitakindern durchaus günstiger als GT-Kita).


    Ich habe viele dieser kämpfe geführt, für uns und auch für andere. Das zehrt. Und so viele können diesen Kampf nicht kämpfen. Weil sie keine Ressourcen haben oder ihre Rechte nicht kennen oder sich ihrem Schicksal ergeben oder arrangieren oder Dinge auch einfach nicht hinterfragen.

    Habe gerade nochmal im Umfeld geschaut. Es ist völlig normal, dass die meisten Einrichtungen sog. VÖ als Standard anbieten - heißt "verlängerte Öffnungszeiten" und bedeutet 6h am Stück - halt von 7 bis 13 Uhr.

    Es gibt sogar noch Kindergärten mit "Regelbetreuung" - die geht bis 12(.30) Uhr und macht dann ein bis zwei Stunden Pause und dann am Nachmittag nochmal zwei Stunden. Ohne Mittagessen natürlich.

    Und freitags ist auch gern mal 13 oder 14 Uhr bei GT Schluss.

    Unsere Kita hat 100 Plätze, davon 90 bis 13 Uhr und 10 bis 16 Uhr. Bis 15 Uhr ist ab 2 Jahren möglich, bis 16 Uhr erst ab 3 Jahren.

    (Meine 1jährige ist deshalb bei der Tagesmutter, die immerhin bis 14 Uhr geöffnet.)

    Unsere Schule bietet seit etwa sechs oder sieben Jahren Betreuung bis 14 Uhr, vorher nur bis 13 Uhr, seit anderthalb Jahren auch bis 16.30 Uhr, wobei man uns das schließen wollte, weil es eine freiwillige Leistung ist und man sparen müsse.


    Das ist hier (60km außerhalb von Stuttgart, ländlich) völlig normal so!!! Die meisten Grundschulen machen die Schotten um 13 Uhr dicht!

    Nicht „die armen Frauen möchten alle arbeiten und können nicht“

    In besagtem Artikel stand das nicht, im Gegenteil. Das Thema war die Frage, wie man in unserem Bundesland den Arbeitskräftebedarf decken könnte. Und es ging ganz ausdrücklich um die, die wollen und damit Teil der Lösung wären.


    Ich habe in der Oberstufe eine Facharbeit zu den Auswirkungen der Wiedervereinigung auf meine Heimatstadt (damals noch Großstadt, in TH) geschrieben. Da hatten wir noch Arbeitslosenquoten von über 20% (!). Hatte in dem Zuge ein Gespräch mit einer "westdeutschen" MA vom Arbeitsamt, die total frustriert war und nicht umhin kam zu betonen, dass die hohe Quote auch dadurch zustande komme, weil so viele Frauen so viel arbeiten wollen, was "im Westen" einfach überhaupt nicht so sei und ihren Job dort viel einfacher machen würde (und die offizielle Quote auch senkt). Ich habe in dem Zusammenhang das erste Mal davon gehört, dass es auch die Option gibt nicht oder weniger als Vollzeit zu arbeiten... 8o


    Das fände ich ehrlicher.

    Es gibt sicher Mütter, die gerne mehr arbeiten würden und für die es schwer ist, aber ich denke, es gibt genauso viele, die ihre Teilzeit genießen. (Väter auch, aber vermutlich deutlich weniger)

    Ich wundere mich, dass es einigen noch immer nicht klar ist...


    Und es geht auch ganz realistisch für viele nicht um "wollen" und "genießen". Wer für sich ehrlich rechnet und nicht mit seinem Partner ein Agreement jenseits des gesetzlich Vorgeschriebenen hat - und das sind die wenigsten -, der muss zu der Erkenntnis kommen, dass dieser "Genuss" sehr sehr teuer bezahlt ist.

    Ich verstehe sehr gut, was du meinst - in Vollzeit oder vollzeitnah arbeiten und alles rund um die Kinder und den Haushalt an der Backe haben ist oft kein "Genuss".

    Aber es ist auch kein Genuss mit den Konsequenzen zu leben.

    So ehrlich muss man sein.

    Nein, nicht 130.000 wollen Vollzeit arbeiten, sondern es wären 130.000 Vollzeitäquivalente, wenn jede Frau, die mehr arbeiten wollen würde, es tun könnte.

    Also in Summe. Die eine 10 Stunden mehr, die andere 5 usw.

    Zum Wunsch von Personen nach der Höhe der Erwerbstätigkeit gibt es wie für alles andere schon immer repräsentative Befragungen. Nennt sich "Unter- und Überbeschäftigung".

    Zu sagen, wer mehr arbeiten möchte, kriegt das mit guter Planung schon hin, ist ja schon witzig. Wenn es nur Betreuung bis 13 Uhr gibt und sechs Wochen Schließzeiten im Jahr und in der Schule keinen Hort, was soll man da planen?


    Auch sehe ich nicht, wo hier die Interessen der Wirtschaft besonders im Vordergrund stehen? Wir haben ein ganz massives Problem, weil die geburtenstärksten Jahrgänge jetzt in Rente gehen. Wir haben ein Qualifizierungsproblem.

    In unserem Landkreis wurden dieses Jahr 40% der Ausbildungsplätze nicht besetzt!


    Diese Frauen WOLLEN mehr arbeiten und können nicht, weil die Betreuung fehlt (und es in BaWü der "normale" Gedankengang ist, dass das dann eben das Problem der Frau ist --> darauf würde ich ja lieber mal meine Kritik ausrichten)! Handwerker sind extrem nachgefragt und WOLLEN sich zu 80% diese Betriebsschließung nicht leisten, es ist aber schwierig, weil ein Teil der Belegschaft genau diesen Urlaub in genau diesen zwei oder drei Wochen braucht. Usw.


    Klar, wenn wir prinzipiell die Idee Arbeit gegen Bezahlung kritisieren wollen, dann können wir sagen, es seien nur die Interessen der Wirtschaft. Wie gesagt, bei Systemkritik bin ich durchaus dabei.

    Diese Woche gab es bei uns in der lokalzeitung zwei wie ich finde ganz gut dazu passende Berichte.

    Der eine bezog sich auf unseren Landkreis, in dem laut Handwerkerinnung nur noch 20% der Betriebe die traditionellen zwei- und dreiwöchigen Betriebsferien machen, weil das nicht mehr zeitgemäß sei, es aber aufgrund des unflexiblen Urlaubsbedarfs vieler Mitarbeiter ein Problem sei den Sommer personell geschickt planen zu können (Henne-Ei-Problem, oder?!).


    Der andere bezog sich auf ganz BaWü. Darin ging es um die Frage, wie die vielen durch den Renteneintritt der "Boomer" hervorgerufenen vakanten Stellen besetzt werden könnten. Neben Migration und Qualifizierung seien besonders Frauen wichtig bei dieser Frage. Allein die Menge an 130.000 Vollzeitäquivalenten wären "erschließbar" (Wort ist von mir, mir fällt nichts anderes ein) durch Frauen, die unfreiwillig (!!) in Teilzeit arbeiten, die sie gern aufstocken würden, dies aber aufgrund fehlender Betreuungsmöglichkeiten nicht können.


    Wenn es jetzt noch in politisches Handeln umgesetzt werden würde...

    Ich würde ja sagen, dass Samstag und Sonntag die Züge immer voll sind. Denn es gibt ja auch so „Wochenend-Tickets“, mit denen mehrere Personen zusammen relativ günstig fahren können.

    Hier braucht man zum Beispiel an einem Samstag bei schönem Wetter nicht in den Zug an den Bodensee einsteigen, wenn man mit vollkörperkontakt nicht klarkommt. Aber das passiert schon immer, ganz unabhängig vom 9€-Ticket. Und es zeigt mir, dass das generell ein Ausbau der Kapazitäten notwendig ist.

    Mein Sohn ist am Freitag mit ICE und IRE eine Strecke von 200km gefahren und heute zurück. Es hat nichts, aber auch absolut nichts nach Plan geklappt. Zugausfälle, Verspätungen usw. Aber er ist angekommen. Das hatte nichts mit dem 9€-Ticket zu tun.

    Vorhin kam in den Nachrichten, dass wegen des Niedrigwassers des Rheins nun auf Güterzüge ausgewichen wird und diese Vorrang bekommen. Das heißt es wird in den nächsten Wochen noch schlimmer.

    Liegt aber auch nicht am 9€-Ticket.


    Ich warte gerade am Bahnhof auf Kaufinteressenten für mein Auto.

    Und dann hat sich dieses Thema hoffentlich erledigt.

    Nur den Benzinpreis zu erhöhen wird nichts bringen. Ich meine der wird ganz automatisch steigen und vielleicht kommen dann auch mehr Menschen auf die Idee weniger unnötige Fahrten zu machen. Damit würde der Druck auf ÖPNV und Radinfrastruktur steigen, wodurch es politisch nicht mehr zu rechtfertigen wäre dort nicht zu investieren. Außerdem müssen Autos deutlich weniger Platz bekommen. Es gibt Parkhäuser in großem Stil, die besonders innerstädtisch kaum genutzt werden (vor allem nachts). Der vorhandene öffentliche Platz muss allen Teilnehmern zur Verfügung stehen und damit wird es zu Einschränkungen für kfz kommen. Das ist unattraktiv und teurer.


    Ich würde mir auch für 29€ monatlich ein Ticket kaufen, auch ein ich es manchmal nicht „voll“ ausnutzen würde. Aber dann ja vielleicht doch, weil ich es habe.


    Die Bilder aus Frankreich und vom Rhein machen mich gerade wahnsinnig und dann das Kontrastprogramm im Death Valley. Ich brauche Strategien damit umzugehen und weiß noch nicht wie.

    Ich möchte zu diesem Thema unbedingt nochmal Katja Diehl ins Feld führen. Sie hat mir quasi die Augen für die Notwendigkeit einer „Autokorrektur“ (so heißt auch ihr Buch) geöffnet. Detlef kommt sie beruflich aus der Automobilbranche und hat dann irgendwann „die Seiten gewechselt“, ohne komplett gegen Autos zu sein.

    Ich denke viel wird nur übers Geld gehen. Die Grünen haben vor vielen Jahren einen Benzinpreis von 5 Mark gefordert und mittlerweile sehe ich das auch so. Die meisten Menschen suchen nach Gründen, warum ein Verzicht aufs Auto nicht geht.

    Ich finde das auch vor dem Hintergrund des Strukturwandels sehr spannend. Bei einer Lesung fragte ein „gehobener“ Mitarbeiter- er war Ingenieur-, wie man die Menschen, die von der Automobilindustrie leben, mitnehmen wolle. Diese Frage war so absurd und so treffend fand ich dann auch die Antwort: Wenn wir die Mobilitätswende nicht gestalten, dann gestaltet der Strukturwandel uns.“

    Bei der Jugendherberge kannst du auch ein Angebot auswählen, da bekommt man ein Familienzimmer mit Halbpension (geht zumindest in der App). Ob voll ist oder nicht immer telefonisch oder per Mail erfragen, das Buchungssystem hat mir schon oft ausgebucht angezeigt und es gab sehr wohl noch freie Zimmer.

    ÖPNV muss aber in einem gewissen Maße auch günstiger werden, denn es erfordert mehr als eine Alternative zum Auto. Ich zum Beispiel fahre viel Fahrrad - das ist ja auch nicht komplett umsonst, sondern kostet auf den Monat umgelegt etwas -, wir fahren Bus und Zug, wir müssen ab und zu ein Auto mieten, wenn es gar nicht anders geht - und das ist für sechs Personen sehr teuer. Wenn also am Ende des Jahres das Auto die günstigere Variante ist - die bequemste ist es eh aktuell noch -, mit dem ich die erforderliche Mobilität habe, dann nehme ich eben das Auto. Mit normalen ÖPNV-Preisen zahlt man besonders als Familie oft mehr als mit einem Auto, das für die erforderlichen Fahrten genutzt wird und sonst nur rumsteht. Also muss auch das Autofahren teurer und unbequemer werden. Das muss Teil einer Mobilitätswende sein.


    Unabhängig davon finde ich, dass Mobilität sehr niederschwellig zugänglich und damit auch sehr günstig sein muss. Wir hatten es zum Beispiel noch nie so leicht wie in den letzten zwei Monaten vor den Sommerferien Ausflüge mit den Schülern zu machen, die bei uns aufgrund der Lage oft über Verbundsnetze hinausgehen. Mobilität ist Teilhabe!

    Cesalu Das gehört gar nicht so richtig zum Thema, wobei doch, irgendwie ja schon. Denn wie du schreibst wird ja dann immer automatisch angenommen, dass der (bzw die ;)), die weniger arbeitet, mehr in Haushalt und Kinderversorgung macht. Das führt ja oft dazu, dass nach der Elternzeit der Mutter zu ihren Aufgaben (Großteil der Verantwortung für Haushalt und Kind(er)) noch zusätzlich die Berufstätigkeit dazukommt, während sich für den Mann wenig oder gar nichts ändert (und deshalb Schließzeiten in Kitas und Horten freilich vordergründig ein Problem für Frauen sind). Ich höre auch manchmal so einen Satz wie "meine Frau kann arbeiten, so viel sie will, sie muss es halt mit ihren sonstigen Aufgaben vereinbaren". Und wenn es jetzt eine flexible und gute und ausreichende Betreuung gäbe, wäre das auch vielleicht gar kein so großes Problem. Aber so läuft es halt nicht und deshalb arbeiten viele Mütter in Summe viel mehr und verdienen dennoch viel weniger Geld dafür.

    Bei mir kommt dazu, dass ich bereits einmal durch diese Dreifachbelastung für drei Kinder im Burnout war. Ich bin gewarnt.

    Ich verbitte mir auch komplett, dass jemand - egal wer - über meine freie Zeit verfügt oder das verurteilt. Ich rechtfertige mich dafür nicht. Es ist meine Zeit. Für die bezahle ich, indem ich weniger Geld verdiene, weniger Vermögen aufbauen kann, später weniger Rente kriege usw. Aber es ist meine bewusste Entscheidung. Manchmal schlafe ich da, lese ein Buch, backe einen Kuchen, treffe Freunde, sitze auf dem Sofa und schaue eine Serie, gehe zum Arzt, zum Friseur, übe ein Ehrenamt aus, was auch immer. Ich lasse mich in der Zeit nicht für etwas einspannen, was mit "du arbeitest doch da nicht, dann kannst du doch xy machen" beginnt. Die Aufgaben rund um Kind und Haushalt werden möglichst paritätisch geteilt, egal wer wieviel arbeitet und zum Haushaltseinkommen beiträgt. Will mein Mann unbedingt Vollzeit arbeiten, muss er sehen, wie er das organisiert bekommt.


    Als "Argumentationshilfe" empfehle ich das Buch "Wir sind doch alle längst gleichberechtigt " von Alexandra Zykunov. Ich meine es ist gleich Kapitel 1, in dem es um dieses Thema geht.

    Dieses Buch verschenke ich mittlerweile zu jedem Anlass, es ist ein absoluter Augenöffner und eine super Argumentationshilfe.

    Ich bin auch bei Systemkritik gern dabei, glaube nur dass dieser Kampf noch aufreibender wird als der, im bestehenden kapitalistischen und patriarchalischen System meinen Teil des Kuchens einzufordern #ja


    claraluna Ich verstehe nicht richtig, was du sagen willst. Also mein Mann möchte nicht in Teilzeit gehen und ich bin freiwillig in Teilzeit. Ich bin aber nicht in Teilzeit, um ihm den Rücken freizuhalten oder das Haus zu putzen oder die Kinder zu betüddeln, sondern um Zeit für anderes zu haben anstelle von Arbeit, zum Beispiel für Ehrenamt, (Arzt)Termine, Kaffee mit einer Freundin, eine Fahrradtour mit einem Kind, das gerade das Bedürfnis danach hat usw.

    Drei meiner vier Kinder sind nicht mehr rund um die Uhr betreuungsbedürftig. Die kann ich auch alle alleine daheim lassen oder mit einzelnen unterwegs sein. Das Kleinkind aber nicht und ich möchte, dass der Vater sich um unser gemeinsames Kind kümmert. Wir haben die Nachmittage so aufgeteilt, dass ich für zwei zuständig bin und er für zwei und der fünfte wird abwechselnd gemacht. Da er Vollzeit arbeitet (freiwillig!), kann er nicht zwei Nachmittage übernehmen. Einen macht er komplett, einen teilt er mit seiner Mutter. Sie gehen ins kinderturnen, einkaufen, besuchen die Uroma, er führt mal ein Telefonat usw. An meinen Nachmittagen verbringe ich aber auch nicht 100% Zeit exklusiv mit dem Kleinkind. Es kommt halt dahin mit, wo ich hin muss, zu Terminen mit den Geschwistern, zu meinen Freundinnen, in Ämter, Turnhallen usw. Natürlich muss ich nicht immer wohin, aber ich sitze ja nicht jeden Nachmittag daheim und beschäftige mich stundenlang exklusiv mit dem einen Kind!? Und der Vater halt auch nicht.

    Dass er seine Arbeitszeit nicht reduzieren möchte, finde ich nicht gut, aber ich kann es ja auch nicht erzwingen. Er wird schon noch merken, dass das auf die Dauer extrem herausfordernd ist.


    Meine Traumvorstellung wäre zusammen 150% zu arbeiten und das möglichst paritätisch. Das finde ich gerecht, auch finanziell. Und Vollzeit werde ich wie gesagt nie wieder arbeiten, wenn ich es nicht muss, auch nicht, wenn die Kinder mal aus dem Haus sind. Weil ich schon auch Zeit für anderes als Arbeit haben möchte.


    Also so wie ich es verstehe, sind wir gar nicht so weit auseinander?! Ich fordere nirgends, dass alle 100% arbeiten sollen und die Kinder ganztägig und immer betreut gehören. Ich finde nur man muss sich jegliche Entscheidung diesbezüglich ehrlich durchrechnen (womit wir wieder bei unserer kapitalistischen Gesellschaft wären) und eine gut ausgebaute Betreuung muss vorhanden sein, um eine Wahlfreiheit herzustellen. Denn wir könnten auch mit einer 13-Uhr-Betreuung nicht beide jeweils 75% arbeiten. Das würde in manchen Berufen vielleicht gehen (Gegenschichten), aber in den meisten wohl eher nicht. Also auch für Parität braucht es bessere Infrastruktur in dem Bereich. So wie es aktuell ist wird nur das Vollzeit-Zuverdienermodell unterstützt und zumindest meine Bedürfnisse (und Erfahrungen mit einer Scheidung) erfüllt das nicht.

    Aber "das war schon immer so...". Ähnlich wie die Schulbindung: die ewiggestrigen Entscheidungsträger haben da das Ruder fest in der Hand.

    In der Öffentlichkeit wird laut über Arbeitskräftemangel diskutiert, aber wir leisten uns, dass gut ausgebildete Mütter und Väter nicht oder deutlich reduziert arbeiten, weil es oft grnug keine vernünftigen Betreuungsangebote gibt bzw. Kinderbetreuung als Privathobby der Eltern gesehen wird. Eine Kollegin von mir hat gerade die Elternzeit verlängert ...


    Und warum soll das bitte im Westen Deutschlands nicht gehen, was im Osten funktioniert?

    Genau das! Wir sind ein Kollegium, das aus 80% Teilzeitkräften besteht und jeglicher Lehrermangel wäre bei uns sofort behoben, wenn die vielen Mütter - und nur die arbeiten in Teilzeit, das ist nun einmal die Realität - Stunden aufstocken würden. Die Bedingung wäre halt eine zuverlässige und in manchen Dingen auch flexiblere Betreuung und die gibt es nicht und ist politisch nicht gewollt.

    Ich habe nach der letzten Mail von Kretschmann und Schopper beiden eine Mail zu genau diesem Thema geschrieben. Eine Antwort steht noch aus.

    Genauso in der Grundschule meiner Kinder. Die arbeiten da alle in Teilzeit mit 50 bis 70% und der einzige Mann im Kollegium - er hat zwei kleine Kinder - arbeitet als einziger Vollzeit. Die Frauen sagen, sie können nicht erhöhen, sie müssen sich ja um die Kinder kümmern, weil diese ab 13 Uhr unbetreut sind und den Haushalt müssten sie ja auch noch machen...

    Viele Stellen in Kitas werden nur in Teilzeit ausgeschrieben. Man könnte ja auch den Erzieherinnen anbieten, dass sie ihre eigenen Kinder in der Einrichtung betreuen lassen können (so hat es meine Mutter mit uns gemacht).

    Pflegekräfte und Polizistinnen, die sich zerreißen müssen usw.


    claraluna Genau das sage ich ja. Es ist politisch nicht gewollt, dass es bezahlt wird. Geld ist genug da und am Ende des Tages zahlt sich Investition in Bildung - und für mich ist auch Kleinkindbetreuung schon Bildung - definitiv volkswirtschaftlich aus. Geld ist da, es wird aber falsch verteilt und ausgegeben.

    Es entscheiden halt nach wie vor Menschen darüber, wofür das Geld ausgegeben wird, die von den Konsequenzen des status quo nicht betroffen sind.

    Seitdem ich von meinem Mann die hälftige Betreuung des Kleinkindes nach dem Ende der institutionellen Betreuung (endet 14 Uhr) einfordere, egal ob ich da gerade selbst arbeite oder nicht - er könnte ja auch ob Teilzeit gehen, will er aber nicht, also muss er sich jetzt echt zur Decke strecken -, forciert er in seiner Partei plötzlich auch das Thema in der Kommunalpolitik. Ich finde das voll gut, doch leider ist er der einzige "Betroffene" und so wird sich da auch nicht so schnell etwas ändern.

    Du bist da im doch sehr reichen Baden-Württemberg (Vororte ich dich da jetzt richtig) irgendwie an einem seltsamen Ort unterwegs…..

    Ich finde das durchaus spannend…….

    In meinem Umfeld kommen mittlerweile alle wieder nach einem Jahr zurück

    Viele nach einem Jahr, ja. Aber die allermeisten geringfügig oder in Teilzeit nicht weit über 50% oder darunter und mit der klaren Vorstellung diese Teilzeit zu arbeiten, um alles rund um Kind und Haushalt zu schaffen (während der Mann in Vollzeit arbeitet und damit recht wenig zu tun hat). Demzufolge sind es auch die Mütter, die zuerst ein Problem mit zu geringer oder fehlender Betreuung haben, wenn sie es innerfamiliär nicht anders aushandeln - und das tun tatsächlich zumindest in meinem Umfeld die allerwenigsten.

    Das ist doch auch völlig in Ordnung! Nur ist es halt so, dass die aktuellen Strukturen eben ausschließlich auf dieses Modell ausgerichtet sind. Kein anderes Modell lässt sich so, wie es aktuell läuft, ohne weiteres leben. Weder dass, in dem beide Vollzeit berufstätig sein wollen oder müssen (!!), noch wo es um Alleinerziehende geht, noch um Kindeswohl, um Chancengerechtigkeit, um etwas anderes als Halbtagsjobs, die nur vormittags erledigt werden können und 13 Wochen Ferien im Jahr abdecken oder Großeltern als Betreuer mitdenken, nicht die, wo es kurzfristige Unterstützung braucht, weil zum Beispiel krankheitsbedingt ein Elternteil ausfällt, wo Kinder selbst krank sind, behindert sind, besondere Zuwendung brauchen usw. usf.


    In meinem Eingangspost habe ich ja nur gefragt, ob es für diese Schließzeiten in den Kitas hier eine andere Erklärung gibt als "Das war schon immer so" und die habe ich bekommen und dennoch finde ich das vor dem Hintergrund, dass so viel Geld da ist, falsch, dass es so gehandhabt wird, weil es für viele ein Problem ist. Das meine ich mit "politischer Entscheidung". Denn wahlfreiheit gibt es aktuell für viele ja nicht, ob sie es so wollen oder nicht.


    (Und ich habe dieses Gespräch heute mit zwei Bekannten geführt, beides in Teilzeit berufstätige Frauen, die abk**** über diese Praxis, weil es sie in die Bredouille bringt, wenn die Männer in den zwei Wochen keinen Urlaub nehmen können, weil - Achtung - das ja die Mütter der Firma in der Zeit tun müssen, weil ja überall gleichzeitig die Einrichtungen geschlossen haben.)

    Ok dann lassen wir diese Diskussion

    Ich kenne nur mit ihrer Lösung zufriedene Frauen die auch ihre gewonnenen Freiräume schön für sich nutzen

    Da wollen die wenigsten Vollzeit arbeiten

    Aber ja ich glaube das führt hier zu nichts

    Ein paar kenne ich auch, die damit rundweg zufrieden sind (ich bin es weitgehend auch mit Teilzeit und dem ein oder anderen "Hobby", aber ich kann es mir, so blöd das klingt, leisten, weil ich mir dafür einen Ausgleich zahlen lasse) und ein paar bis zu dem Moment, in dem sie verlassen werden oder sich trennen wollen und mit Entsetzen feststellen, dass sie sich das nicht leisten können oder es sehr sehr krasse Konsequenzen für sie hat oder die im Alter merken, dass sie kaum Rente bekommen und abhängig von ihrem Mann sind. Und ich kenne ganz ganz viele, die sich diesem Schicksal ergeben haben und meinen, mit dem Freiraum einer geringfügigen Beschäftigung oder einer Teilzeit Ressourcen zu haben für Hausarbeit und Sorgearbeit, die sich aber angesichts der schlecht ausgebauten "außerfamiliären" Betreuung auch dafür extrem strecken müssen und wenig oder überhaupt keine Unterstützung von ihrem Partner bekommen, weil das halt einfach die Angelegenheit der Frau ist. Und ich kenne Alleinerziehende - und die Mehrheit sind Frauen -, die sich zerreißen und am Ende ihrer Kräfte sind oder sich für Armut entscheiden MÜSSEN, weil kein politischer Wille da ist etwas an den Strukturen zu ändern.


    Und deshalb ist in meinem Verständnis das Thema Betreuung ein Thema, dessen unterfinanzierung und Unflexibilität hauptsächlich zu Lasten von Frauen geht, besonders im Kindergartenalter.

    claraluna Eigentlich mag ich diese Diskussion nicht aufmachen. Es ist aber eindeutig statistisch erfasst, dass deutlich mehr Frauen länger in Elternzeit sind, öfter und länger in Minijobs oder in Teilzeit arbeiten, deutlich mehr Zeit mit unbezahlter Care- und Hausarbeit verbringen, im Laufe ihres Erwerbslebens deutlich weniger verdienen, weniger Vermögen haben, häufiger im Alter arm sind usw. Kleine Schritte hin zu einer Änderung sind toll, aber sie sind nicht die Normalität und schon gar nicht haben wir da irgendeine Form von Gleichberechtigung bei diesem Thema erreicht.

    Ich bin in meinem Umfeld die radikale Feministin, die Emanzipierte, deren Männer (mitgemeint ist mein Ex-Mann, den ich bei diesem Thema nie aus der Verantwortung gelassen habe) ganz schön was aushalten müssen mit meinen Forderungen nach paritätischer Aufteilung der Aufgaben bzw finanziellem Ausgleich derjenigen Person, die beruflich zurücksteckt und mehr Care-Arbeit übernimmt. Das ist hier definitiv nicht normal und die Statistiken geben mir absolut recht und nur weil ich eine Kollegin habe, die mit vier Kindern in Vollzeit arbeitet und ihr Mann in Teilzeit und mal eine nach weniger als einem Jahr Elternzeit zurückkommt oder ein Mann mal mehr als zwei mal einen Monat Elternzeit nimmt oder auch mal Kindkranktage, sind es in (West)Deutschland mehrheitlich die Frauen, die in jedem Sinne für die Kinder "bezahlen" und die Männer, die politische Entscheidungen treffen.

    Einzelfälle sind toll, aber eben nicht die Norm.

    @magirma wer da in verantwortlicher Position sitzt entscheidet nach den Kosten

    Und aus diesem Grund machen schliesszeiten und kürzere Öffnungszeiten auch sinn

    Ja das ist ja aber nicht gottgegeben. Sondern eine politische Entscheidung, die Gründe und Ursprünge hat.

    Zum Beispiel die, dass wir in einer patriarchalischen Welt leben, in der Kinder hauptsächlich ein Anhängsel (und damit Problem) der Frau ist. Und zumindest hier (BaWü) nach wie vor eine Konstellation die Norm sein soll, die das berücksichtigt. Es mag auch noch mehrheitsgesellschaftlich so sein, aber auch hier wird das Leben diverser.

    Denn im Osten, wo Frauen viel öfter und selbstverständlicher mehr oder Vollzeit arbeiten und Großeltern kein selbstverständlicher Teil der Kinderbetreuung sind, scheint es diese Schließzeiten nicht so verbreitet zu geben.*


    Und wenn es einen politischen Willen gäbe, Geld und Ressourcen in den Bereich Kinder und Jugend und Bildung und Teilhabe und Chancegerechtigkeit zu stecken, würde das auch gemacht werden. Aber es gibt diesen Willen nicht.


    Allein wenn ich mir anschaue, warum es hier kommunalpolitisch nicht umgesetzt wird, dass das Anwohnerparken teurer wird - da kommen Argumente wie unsozial und Benachteiligung und Unzumutbarkeit und Einschränkung von Freiheit usw. Und wenn es dann um die Erhöhung der Finanzierung von Schulsozialarbeit in der gleichen Sitzung geht, dann kommen dann Gegenargumente wie Belastung der Allgemeinheit und das Geld fehlt ja dann an anderer Stelle und wir tun ja schon mehr als wir müssten.

    Politische Entscheidungen. Die kann man ändern, wenn man will.


    *Habe einige Einrichtungen in meiner Herkunftsstadt inklusive der Dorf-Kita, in die mein bruder ging, angeschaut - keine mehrwöchigen Schließzeiten und über Weihnachten auch nur bis 2.1.