Beiträge von jerry

    Es beruht halt viel auf den wedischen Philosophie. Dieser Artikel fasst das für mich ganz gut zusammen, ebenso die Doku: https://www.sein.de/die-tekos-…hre-schule-in-einem-jahr/
    Ich habe mich nur etwas eingelesen und mit einigen darüber gesprochen, aber halt eher mit Menschen aus dem BVNL oder meinen anderen Interviewpartnern. Ausser Richard Kandlin ist ja niemand dazu näher greifbar. Ich finde es dahingehend vergleichbar mit zB Waldorf: die Pädagogik von der Philosophie dahinter zu trennen, ist nicht vollumfänglich möglich. Wertfrei - das passt für einen oder nicht. Freilerner brauchen das an sich nicht, weil sie ihre Art, sich zu bilden, nicht verlernt haben. Und die ist an sich fächerlos, per se interdisziplinär. Ich vermag nicht zu sagen, ob bei den Schülern dort eher Disziplin oder Gehorsam (Sternsche Definition) greift, vermutlich aber mindestens beides. Warum es trotzdem funktioniert (neben eben Disziplin oder / und Gehorsam), liegt denke ich einfach daran, dass a) Kinder Kinder unterrichten und b) diese zumindest einigermassen wohl ihre persönlichen Neigungen und Lernfenster (zumindest im Fächerkanon) nutzen können. Es ist mittlerweile ja relativ bekannt, dass der Abiturstoff (oder Vergleichbares anderswo)in kurzer Zeit angeeignet werden kann. Das haben ja mittlerweile genügend junge Menschen in wenigen Monaten bewiesen. Von daher finde ich die Daten der Schetinin-Schule nicht sonderlich erstaunlich. Wie die (vielleicht ideologiefreieren) Modelle wie Laising klappen, wird sich weisen, ist aber ja angelehnt.
    Wenn die Menschen endlich wirklich deschoolen und verstehen, das Bildung und Wissen überall sind und das es wirklich nur auf die Zusammenhänge ankommt, dann ist viel gewonnen - alles.



    Tapatalking

    Grundsätzlich ging es da ja bei meiner ganzen Konferenz drum. Prinzipiell habe ich die Schetininschule absichtlich rausgelassen, weil da nicht so ganz klar ist, was mit Druck passiert, und mir persönlich (!) ist es auch noch zuviel Methode.
    Bei Familie Reichert zB (auch ein Interviewpartner) bereitet sich inzwischen das dritte Kind binnen kurzer Zeit auf den externen Abschluss vor, die beiden Geschwister haben 2015 Realschulabschluss und Abi gemacht.



    Tapatalking

    Steuern (Lohnsteuer, Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag) und Sozialversicherung (Krankenversicherung idR, Rentenversicherung, Pflegeversicherung idR, Arbeitslosenversicherung)


    Sie ging dafür an Ihre Altersvorsorge ran, so wie wir und viele andere Familien auch.


    Es gibt tatsächlich nicht wenige Familien, für die sind diese 150 Eur sehr entscheidend. Ich könnte schreien, wenn das immer wieder als Lappalie bezeichnet wurden ( auch wenn ich es damals als DINK oder Doppelverdiener mit Kind auch ein bisschen so sah). Es hilft halt eben auch.

    Hallo, ich bin eingeschrieben in Psych. in Hagen, schreibe aber bisher keine Klausuren. Ich studiere derzeit noch Journalismus an einer Fernschule, schreibe ein bissel und bin ansonsten mit den Kids, kleiner Selbständigkeit und noch ein paar anderen Dingen gut ausgelastet. Ich wollte aber drin bleiben, zumal jetzt die Studienordnung geändert wird (oder Prüfungsordnung). Ich lese mich dann immer mal so durch die Module. Ich bin sehr traurig um die Klinische, sehe aber auch kein Präsenzstudium in den nächsten Jahren und mehr.

    Oh ja, wir waren einige Monate mit dem WoMo bei englischen Freilernern unterwegs. Devon ist toll, Cornwall; Southhampton/Brighton halt sehr touristisch, aber ich liebe es trotzdem, Cambridge, Canterbury...

    Veggie-Mama, ich weiss nur, dass in Frankreich wohl ein Zusammenschluss mehrerer Familien schnell als Schule gilt, was einige Auflagen wie Impfpflicht zur Folge hat.


    Ich habe in einer riesigen internationalen Unternehmensberatung gearbeitet. Da gab es zB einige Theologen ;)


    Und ja, wie gesagt, nur weil man nicht zur Schule geht, heisst das ja nicht, dass man keinen Abschluss macht oder nicht studiert.

    Ich wollte es aber auch gerade fragen. Schulabschlüsse kann ja jeder machen bei Wunsch oder Bedarf. Das hat mit der Art zu lernen ja nix zu tun. Höchstens insofern, als es auch schon Leute aufgehalten hat, weil man hier in D das externe Abi erst mit 18 oder 19 machen darf.
    Die Deutsche Bahn zB stellt Azubis inzwischen ganz oder teilweise nach Tests ein. Die Telekom hat ein Programm für verquere Lebensläufe. Hier sind viele überfordert mit den hunderten Bewerbungen junger Leute, die "alles richtig gemacht" haben - schnell studiert, gute Noten, man kann einen kaum vom anderen unterscheiden. Ich habe im Job ja selbst Personalverantwortung und schaue auf verschiedene Dinge. In der Ausbildungsfirma meines Mannes (internationaler Grosskonzern) wählten die Azubis im HR die Azubibewerber aus bzw trafen die Erstauswahl, um 1000 Bewerber auf ca 100 zu minimieren (für 10 Stellen) - in den "goldenen 90ern". Derzeit legen sich die Banken quer, weil der Nachwuchs fehlt...

    Es will nicht in meinen Kopf, warum man meint, "die Welt" werde erfahren, wenn man Kinder, junge Menschen dazu zwingt, sich mit 20-30 anderen, Gleichaltrigen, die größtenteils noch aus einem Ort oder einer Region kommen, täglich in einen Raum oder ein Gebäude zu begeben. Das Recht auf Bildung ist etwas Wunderbares und Wichtiges - Schulzwang (und ja, das Wort steht so in jedem Schulgesetz) ist m.E. das Gegenteil davon.
    Und so erlebe ich es auch bei allen Freilernern, die ich kenne.

    Ich war 2012 (? glaube ich) mal auf einem Vortrag von Juul zur Pubertät, da sagte er sowas wie, es wäre ihm unverständlich, warum die Deutschen nicht gegen diese Schulpflicht auf die Straße gingen (wörtlich bekomme ich es nicht mehr zusammen).


    Hm, der Zwang ist ja nicht nur "eventuell empfunden" ein Zwang, sondern er steht ja als solcher in den Gesetzen.
    Und wenn man sich dann überlegt, unter welchen Umständen/Hintergrund dieser Zwang entstanden ist, finde ich das schon gruselig.
    Für mein Empfinden kann ein Zwang in diesem Zusammenhang eigentlich niemals gut sein. Ich überlege hin- und her, mir fällt nichts Vernünftiges ein, wo ich Zwang befürwortenswert fände (außer jetzt vielleicht mein Zweijähriges dran zu hindern, über die Straße zu rennen). In den allermeisten Fällen führen Zwang oder Verbot doch nicht dazu, dass Dinge nicht gemacht werden, sondern höchstens zum 11. Gebot "Du darfst Dich nicht erwischen lassen.". Und so ja auch bei der Schulpflicht: statt das Familien ggf. unter wie auch immer gestalteter staatlicher Aufsicht, sozialer Kontrolle, whatever, ihre Bildung selbst gestalten können, bleiben jenen, die (aus welchen Gründen erstmal auch immer) nicht die Schule besuchen wollen oder können hier durch die Illegalisierung nur Verstecken oder Auswandern oder ggf. auch Flucht ins Ausland, Herumreisen, Abmelden oder der Weg durch die Gerichte oder durch psychologische und psychiatrische Gutachten.


    Das "Recht auf Bildung" (grundsätzlich ja begrüßenswert) wird zu einem "Recht auf schulische Bildung".
    Natürlich, ja, es hat irgendwo mit Maslow's Bedürfnispyramide zu tun, ob ich mir überhaupt erlauben kann, über "so etwas" nachzudenken. Auch hat es natürlich mit meinen persönlichen Wertvorstellungen zu tun, was ich da wo ansiedele. Viele Entscheidungen, wenn nicht alle, kann ich ja doch treffen, gerade in D - darüber, wie ich gerne leben möchte. Und da ließe sich Unschooling oder Homeschooling oft organisieren - wenn ich es denn will. Diese Form der Freiheit nicht zu nutzen, ist ja auch jedermanns gutes Recht - sie zu haben, fände ich trotzdem essentiell. Das ist finde ich schon irgendwie vergleichbar mit dem Recht auf Meinungsfreiheit; "ich muß deine Meinung nicht teilen, aber ich will alles dafür tun, dass du sie sagen darfst". Klar, ich kann auswandern - aber irgendwie hätte ich schon ganz gerne in meinem Heimatland die Möglichkeit der Wahlfreiheit. Viele Dinge sind ja auch wirklich gut oder auch für mich vielleicht "besser" oder geeigneter als in anderen Ländern - aber manche Sachen sind halt auch doof, und das darf man doch sagen, und vielleicht auch ändern?


    Freie Schulen gut und schön - aber diejenigen, die wirklich so frei sind, dass es quasi unschooling im Schulhaus ist, sind dennoch in D an ein bis zwei Händen abzählbar. Zudem binden sie einen immer noch an das Gebäude , die Zeit (Schulanwesenheitspflicht sei Dank) und ja auch an die Leute. Abgesehen von den Kosten ist es zum Teil ein örtliches Thema - vielleicht möchte ich ja in meinem Dorf aufgrund meines sozialen Umfeldes wohnen bleiben, aber die nächste freie Schule ist unerreichbar weit weg ? Außerdem sind die meisten dieser Schulen überlaufen, da es mehr Interessenten als Plätze oder Neugründungen gibt, und wenn man nicht gleich von Anfang an einen Platz bekommt, ist es oft zu spät: Quereinsteiger von Regelschulen werden mittlerweile ja oft nur noch in seltenen Ausnahmefällen aufgenommen, zumal für den Umstiegsprozess meist nicht genug Kapazität zur Begleitung da ist. Und dann - Pech gehabt.


    Ich habe schon den Eindruck, dass es immer mehr Menschen sind, die die Schulpflicht so nicht mehr haben wollen. Und natürlich gibt es auch mehr erwachsene Unschooler als André Stern - auch wenn vielleicht nicht jeder eine Rampensau ist. Naja, und hier in D über etwas Verbotenes zu sprechen, ist natürlich auch schwierig für diejenigen, die es tun.


    Ich kenne mittlerweile sehr viele Freilerner aus einigen Ländern, und sie sind genauso eine heterogene Gruppe wie alle anderen Menschen auch.


    Ja, manchen tut die Schule/Schulpflicht gut - manchen tut auch Krippe gut - und anderen schadet es zumindest nicht, wenn die Einrichtung von ordentlicher Qualität ist. Auch ohne Kindergartenpflicht werden z.B. manche Kinder mehr oder weniger "zwangsweise" dem KiGa zugeführt, mit dem Taxi gebracht, weil die Eltern es gar nicht auf die Reihe bekommen, für die Kinder zu sorgen. Aber letztlich gibt es ja auch dazu die Sozialbehörden.


    Und niemand (naja, wenigstens fast niemand ;-)) will ja die Schulen abschaffen. Aber die wieviel auch immer, die ohne besser dran wären oder diese Dienstleistung nicht in Anspruch nehmen wollen, ja mei, warum sollen die es nicht machen? Das tut doch den Schulbesuchern nicht weh? Eher noch im Gegenteil, weil nicht überlaufene Plätze noch von Leuten blockiert werden, die da gar nicht hinwollen. Evtl. spart man auch die eine oder andere psychologische Diagnostikschleife junger Schulverweigerer.


    Es gibt einen wie ich finde schönen neuen Film zum Thema, der momentan vielerorts in Deutschland läuft oder anläuft, "Being and Becoming" (http://www.etreetdevenir.com/EED.de.html#Accueil, unter "Vorführungen" sieht man, wann er wo läuft). Hier ist eine Filmkritik dazu http://www.weltexpress.info/cm…auf-ideen-zum-besser.html und hier ein Interview mit der Regisseurin http://www.freilern-blog.de/?p=49, da kommen auch einige der hier im Thread auftauchenden Themen zur Sprache.


    Ich finde übrigens sehr wohl auch, dass Bedürfnisorientierung nicht beim Kleinkind endet (auch wenn mir dieser Eindruck oft begegnet :-(). Die sollte durchaus auch beim Schulkind und weeeit darüber hinaus eine Rolle spielen, meine ich.

    Es ist doch nach wie vor so, dass nirgends Bildungsstand bzw Armut so erblich sind wie in D, soweit ich weiß.
    Verwahrlosung kann man ja auch durch Kontrollen Einhalt gebieten, dazu bedarf es m.E. keiner flächendeckenden Schulanwesenheitspflicht. Oft sind "diese Familien" ja ohnehin in Begleitung durch die Sozialbehörden.