Beiträge von Hermine

    Weißt du um was für eine Form es sich handelt?

    - Lineare

    - Dialektisch

    -Textgebundene

    Ich vermute beinah letztere, wenn er sich auf einen Text beziehen muss.

    Was ist denn das Thema des Textes?


    Zum Üben super ist das Format "Jugend debattiert". Da gibt es einiges an Übungsblättern - und vielleicht hilft ihm die Vorstellung, das Ganze (also entweder die Meinung des Textes oder die Gegenmeinung) in einer Debatte zu vertreten? Wie er da vorgehen würde, um so überzeugend wie möglich zu sein?

    Die Ricola-Werbung fand/finde ich ganz lustig - weil sie eben so mit den Klischees spielt. Und das ist der entscheidende Unterschied zu Umcka... Werbung, mMn: Die einen meinen es ernst und die anderen nicht. Und das was tulan schrieb: Rassistisch wird es (für mein Empfinden) dort, wo eine Hierarchie deutlich wird - weswegen es im Fall von Asien für meine Begriffe weniger stark ausgeprägt ist: da gab und gibt es eine durchaus wertschätzende Wahrnehmung in Europa (nicht nur, aber auch). Im Falle von Afrika ist es schon ziemlich durchgängig negativ.

    Hering - mein Eindruck ist, dass es die tendenziell überforderten SuS sind, die "keinen Spaß" haben, sich also wenig auf Sachen einlassen. Denn um sich auf etwas einzulassen, muss man das Risiko eingehen, dass man scheitert, obwohl man sich angestrengt hat. Und das ist schwieriger zu verkraften als ein "eingeplantes" Scheitern. Mit überfordert meine ich übrigens nicht zwangsläufig in Rattenkinds Kunstunterricht, sondern von der Schule/dem Leben allgemein.


    Und - es macht wirklich einen gigantischen Unterschied, ob ich alleine einem halbwegs interessierten Kind etwas zeige (zu dem ich eine Beziehung habe) oder einer Klasse von 25 und mehr. Angefangen damit, dass du deine Tochter an einem Moment erwischen wirst, der günstig ist - sie hat gerade gefragt (intrinsische Motivation), sie hat gerade Zeit, sie wird nicht Hunger haben, etc. Ich hingegen unterrichte es im Zweifelsfall um 7:45, wenn die eine Hälfte (und ich) noch lieber im Bett wären, die anderen bis x Uhr gezockt haben und und und. Was alles völlig okay ist und ich mach meinen Job echt gerne - aber es ist halt etwas anderes als ein 1:1 Verhältnis.


    Ansonsten habe ich - angestoßen von dem Thread - mal meinen Mann gefragt, was er sich von Schulabgängern (oder in seinem Fall Uniabsolventen) wünschen würde: Dass sie sich über die Fragestellung klar werden, bevor sie irgendwas auf Excel ausrechnen. Also Kompetenzen. Da müssen wir definitiv hin - SuS, die Fragestellungen begreifen und analysieren können.

    D. h. wenn du deinen Lateinklassen den Auftrag gibst, mit ihren Geräten zu recherchieren, wie der PPP übersetzt wird, dann machen sich alle bereitwillig daran, suchen bereits besprochene Webseiten auf bzw. machen neue ausfindig, tragen die Ergebnisse zusammen und teilen es in einem gemeinsamen Dokument/präsentieren es anschließend vor der Klasse? Oder wie sieht das konkret aus?


    Ich hoffe, das kommt nicht doof - aber ich würde total gerne mehr in meinen Unterricht einbauen. Gerne auch mit BYOD. Aber mehr als mal ein kurzer Rechercheauftrag in der Oberstufe ist das meist nicht. Oder die Smartphones zum Musikhören, während sie einen Text (handschriftlich!) schreiben :D

    Dindymene : meinst du das hier?


    Zitat

    Mit zunehmender Digitalisierung entwickelt sich auch die Rolle der Lehrkräfte weiter. Die lernbegleitenden Funktionen der Lehrkräfte gewinnen an Gewicht. Gerade die zunehmende Heterogenität von Lerngruppen, auch im Hinblick auf die inklusive Bildung, macht es erforderlich, individualisierte Lernarrangements zu entwickeln und verfügbar zu machen. Digitale Lernumgebungen können hier die notwendigen Freiräume schaffen; allerdings bedarf es einer Neuausrichtung der bisherigen Unterrichtskonzepte, um die Potenziale digitaler Lernumgebungen wirksam werden zu lassen

    Liest sich total nett. Und wie setze ich das in einem klassischen Klassenzimmer oder meinetwegen Computerzimmer mit 28 SuS um? Entwickle ich 28 Lernarrangements für jeden Einzelnen? Bereite ich vier Arbeitsaufträge vor und sage "schätzt euch mal selber ein und nehmt den entsprechenden Arbeitsauftrag?" Wie geschieht die "Neuausrichtung der bisherigen Unterrichtskonzepte"?


    Ich weiß, dass es schon recht viel Unterrichtsentwürfe gibt, aber für mich bleibt zu oft die Quintessenz von Unterrichtsstunden im Computerzimmer, dass es viel "vertane" Zeit war. Und alles unglaublich lange braucht. UND (für mich ziemlich zentral) - ich hab das Gefühl, dass gerade jene SuS wenig von diesen Stunden mitnehmen, die eher leistungsschwach sind. Die Leistungsstarken sind oft neugierig, die beschäftigen sich mit dem Thema und "es kommt was bei rum". Aber die anderen brauchen mehr Kontrolle und Anleitung - die ich mit 28 SuS im Klassenzimmer so nicht leisten kann.


    Edit: Das hier zum Beispiel:

    Zitat

    Insgesamt bietet sich die Chance, den Schülerinnen und Schülern mehr Verantwortung für die Gestaltung des eigenen Lernens zu übertragen und damit ihre Selbstständigkeit zu fördern.

    Wie fair ist das für Acht- oder Neuntklässler? Die gerade ganz andere Themen am Start haben? Lässt man damit nicht die weniger Strukturierten ins offene Messer laufen? Bzw. müssen sie nicht auf die Gestaltung des Lernen lernen, bevor sie das selbstständig übernehmen?

    Ich höre und lese einiges zur Digitalisierung. Weil es mich interessiert. Und weil es mich interessiert, wie ich es im Unterricht anwenden kann. Aber ganz, ganz oft erzählen da Menschen, die mit Erwachsenen (Studenten, etc.) arbeiten - und die oft (so zumindest mein Eindruck) nicht wissen, wie es ist, nicht nur die Leistungsstarken zu unterrichten.


    Beispiel: Freund, der Professor an einer FH für Mediengestaltung ist und zwei Töchter hat, die mit 1,x ihr Abitur an einem bayerischen Gym. gemacht haben - der erzählt mir ständig, wir sollten an der Schule keine Inhalte mehr unterrichten, nur Kompetenzen. Das funktioniert für seine Kinder sicher super - die haben a) von zu Hause aus relativ viel Bildung b) das nötige abstrakte Denkvermögen, selbst recherchierte Inhalte zu strukturieren. Aber das ist halt nicht Regel. Die Regel ist, dass man erstmal Schubladen und Inhalte braucht, um weitere Inhalte zu ordnen zu können/die Schubladen dann auch wieder in Frage zu stellen.


    Anderes Beispiel: Christoph Igel erzählt begeistert, man könne in einer Gemeinschaftskundeklasse ja die SuS erstmal selber über die westliche Demokratien (Funktionsweise, Aufbau) recherchieren lassen und dann als Lehrer direkt in die Diskussion einsteigen (direkte/indirekte Demokratie, Bedeutung Exekutive/Legislative, Gewaltenteilung/-verschränkung...). Finde ich super. Würde ich liebend gerne machen. Aber - um diese Aspekte in der Internetrecherche herauszuarbeiten, muss ich erstmal wissen, dass es diese Aspekte gibt. Und ich muss als SuS so drauf sein, dass ich Zeit zur Internetrecherche auch tatsächlich dafür nutze. Und mir nicht in der Zeit die 50 spektakulärsten Fails bei Fortnite anschaue.


    In anderen Worte - inhaltlich gibt es tolle Sachen in Richtung Digitalisierung. Was mir fehlt sind oft didaktische Konzepte, es mit "echten" SuS umzusetzen. UND mehr Unterstützung seitens der Kultusministerien. Also klare Ansagen, was ich wie darf. Zur Zeit ist es so, dass uns v.a. gesagt wird, was wir nicht dürfen (WA, gemeinsame Internetseiten mit den Schülern).


    - Ende der Tirade - es ist bloss echt frustrierend, wenn man von der eine Seite gesagt bekommt, wie unfähig und technologiefeindlich man doch sei und auf der anderen Seite man keinerlei Unterstützung erhält, sondern sich mal eben alles selbst erarbeiten darf.

    Dabei ist es viel zeitsparender, die Infos an einer Stelle für alle zur Verfügung zu stellen, direkt die Anmeldung zum helfen beim schulfest über ein planungstool mit abdecken... anstatt ein Dokument zu erstellen, es auszudrucken und zu verteilen, wieder einzusammeln und die helferzeiten irgendwo einzutragen.

    Sorry, aber - vergiss es. Gar nicht mal, weil es keiner kann. Sondern wegen...tadada ... Datenschutz. Das wird an den Schulen (nicht ganz zu Unrecht) wirklich groß geschrieben - aber das setzt genau diesen Kommunikationsformen sehr enge Grenzen.


    Allerdings dürfen die Elternvertreter sämtliche Doodle und sonstigen Listen verwenden :D


    Ansonsten stößt die Digitalisierung an den Schulen aus meiner Sicht an zwei Grenzen: Einmal die entsprechende Ausstattung. Und damit meine ich nicht zuerst die Geräte, sondern das entsprechende Netzwerk. Wenn ich jedesmal min 10 min. brauche, bis die SuS die Computer angemacht und hochgefahren haben, dann ist das einfach ein erheblicher Teil von 45 min. In der Zeit haben sie ihre Hefte dreimal rausgeholt.


    Und das andere ist, dass einfach bestimmte Skills unabhängig von digitalen Geräten Vorhandensein müssen, bevor ich anfange etwas am Computer zu machen. Eben meine Gedanken strukturieren können - bevor ich wie wild im Internet recherchiere. Es gibt wirklich tolle Seiten und Materialien. Aber wenn die SuS vorher nicht die Methoden beherrschen, dann bekommen sie es auch mit digitalen Medien nicht besser hin. Und ich habe den Eindruck (aber da kann ich mich täuschen), dass sie die Methoden erstmal besser analog lernen.