Beiträge von AnneL

    welchen "dritten weg" der langsamen Annäherung hätte es denn gegeben? Hätte es bei dem Sturm auf die Westprodukte, der damals zu beobachten war denn real die Möglichkeit gegeben, die DDR weiter als Volkswirtschaft existieren zu lassen? Mit der bestehenden Restriktion des Konsums, der Reisen?

    Realistischerweise keinen, denke ich. Die DDR-Bürger wollten West-Produkte kaufen und sie sind zu 100.000en in den Westen übergesiedelt. Binnen weniger Monate. Der eigentlich Grund für die Währungsunion aus westlicher Sicht war es, den ungebremmsten Zuzug der Menschen aus der DDR zu stoppen.

    Wenn man die DDR hätte erhalten wollen, hätte man die Mauer wieder zu machen müssen. Und das war politisch undenkbar.

    Bei der freien Volkskammerwahl im März 1990 stimmten gerade mal 16% für die PDS, die dafür eintrat "die gesellschaftliche Werte und Leistungen der DDR zu erhalten ". Und 40% für die CDU, die für die schnelle Einheit stand, die sofortige Einführung der D-Mark, für Privateigentum und uneingeschränkte Gewerbefreiheit, etx. Jetzt kann man natürlich sagen, die wussten alle nicht, was sie taten und waren manipuliert.

    Aber ich glaube das nicht. Es gab eine große Angst, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen. Dass man jetzt schnell reagieren müsse, weil so eine Gelegenheit vielleicht nicht wiederkommt.


    Man kaufte also oft Ostmark im Osten ein und hatte geplant, mit den Ersparnissen im Osten einzukaufen. Leider war der Osten dann auf einmal weg und das Geld nur noch die Hälfte.

    Einige haben das wohl durchaus durchgerechnet.

    Aus einem Spiegel-Artikel von April 1990:

    Merin, ich weiß nicht genau, was ich darauf antworten soll. Deine Argumentation ist grundvernünftig.

    Aber: Wenn eine Mehrheit der DDR-Bürger, die DDR und ihre Wirtschaft hätte behalten wollen, dann wäre es weder zur Währungsunion noch zur Wiedervereinigung gekommen. Doch so war es nun mal nicht.

    Mit einer 1:4 Umstellung hätte das auch nicht funktioniert.

    Mag schon sein.

    Aber offenbar war sich der west- und der ostdeutsche Wirtschaftssachverstand einig, dass mit der Währungsunion gravierende Probleme auf die DDR-Wirtschaft zukommen würden.

    Aus dem Link von weiter oben oben Deutschlandradio:


    Zitat

    für den Vize-Chef der Staatsbank der DDR, Edgar Most, der später in
    die Deutsche Bank wechselte, glich der Umtauschkurs von 1 : 1
    ökonomischem Selbstmord. [...] Obwohl die Staatsbank der DDR sehr eigene
    Vorstellungen hatte, wann die

    Währungsunion Wirklichkeit werden sollte – sehr viel später nämlich, und

    mit abfedernden Übergangsregelungen -, hatten die Banker Most zufolge

    keinen Einfluss mehr.



    Und im Westen wurde das von den Sachverständigen genauso gesehen:

    Zum Tauschkurs:


    Zu den Folgen:

    Zitat

    Konfrontiert mit einer realen Aufwertung von 300 bis 400 Prozent, gingen die Ostbetriebe unter. Sie waren weniger produktiv als ihre West-Konkurrenz, ihre Produkte waren oftmals teurer, von schlechterer Qualität, ihr Image lausig. Ihre Absatzmärkte in Osteuropa brachen weg. Dazu kam: Mit der Währungsumstellung verwandelten sich die Schulden der Betriebe von einfachen Rechnungseinheiten in echte marktwirtschaftliche D-Mark-Kredite, die zu marktüblichen Konditionen verzinst und bedient werden mussten. Und schließlich stiegen die Löhne in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung stark an. Denn die Politik zielte auf rasche Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West. Die Gewerkschaften wiederum wollten das Entstehen einer Niedriglohnzone im eigenen Land verhindern.

    Das Ergebnis: Die Wirtschaftsleistung der DDR brach in wenigen
    Monaten um ein Drittel ein, die Industrieproduktion halbierte sich
    binnen weniger Wochen, „ein historisch wohl einmaliger Vorgang“, so
    Brenke. Die Arbeitslosigkeit im Osten schoss in die Höhe – bis Ende 1990
    verlor fast ein Drittel aller Erwerbstätigen seinen Job.

    Aus der Frankfurter Rundschau:

    http://www.fr.de/wirtschaft/wa…ie-vor-25-jahren-a-464741

    So ging uns das auch. Ich hab meine Kontoauszüge aus dieser Zeit ebenfalls noch aufgehoben.

    Es tat schon weh zu sehen, wie der hart erarbeitete und ebenso hart ersparte Geldbetrag auf einen Schlag halbiert worden war.

    ... "halbiert" ? Der Zahl nach ja, aber doch nicht dem Wert nach. #confused

    Wenn du vor dem 1.7.1990 in - sagen wir mal - West-Berlin einkaufen wolltest, musstest du deine Ostmark zum Kurs von 3:1 oder 4:1 gegen DM umtauschen. Mehr hast du dafür nicht bekommen, das war der Kurs.

    Bei der Währungsumstellung wurden - wie du weiter oben schreibst - pro Person zwischen 2.000 und 6.000 Ostmark zum Kurs von 1:1 und der Rest zum Kurs von 2:1 in DM umgestauscht. Das war deutlich mehr als das Ostmark-Vermögen auf dem Markt wert gewesen wäre. Wer für die oben auf dem Kontoauszug zitierten 60.000 Ostmark durch die Umstellung 30.000 DM bekam, dem (oder der) hat der westdeutsche Staat immerhin 10.000 bis 15.000 DM geschenkt.

    Mir leuchtet aber die knappe Erklärung "die Produktivität der DDR-Betriebe war so schlecht, sie waren nicht konkurrenzfähig" nicht ein.

    Durch die Währungsreform wurden Löhne, Mieten etc. 1 : 1 von Ostmark auf DM umgestellt. Wenn man davon ausgeht, dass das reale Verhältnis der beiden Währungen eher bei 4 : 1 stand (Schwarzmarktkurs), wurde die Ostmark durch die Währungsreform um 400% aufgewertet. Aber selbst wenn es "nur" 200% oder 100% gewesen wären, so etwas übersteht keine Volkswirtschaft. Stell dir mal vor, der Euro würde gegenüber dem Dollar in diesem Maße aufgewertet, dann wäre kein einziges deutsches Exportprodukt in den USA mehr konkurrenzfähig.

    Im Grunde war die Währungsreform mit der 1:1-Umstellung eine durch und durch populistische Entscheidung. Und maßgeblich dafür verantwortlich, dass Ost-Unternehmen nicht mehr konkurrenzfähig waren.

    Zu deiner eigentlichen Frage, wie das im Detail abgelaufen ist, kann ich aber nichts betragen.

    Die KiÄ meinte auch es sei wegen des Hep B-Schutzes wichtig,

    Ich denke, die Hep B ist unvollständig. Sie müsste zwar nur dreimal gegeben werden, aber zwischen der 2. und der 3. müsste ein Abstand von ein paar Monaten sein, und das ist bei Euch nicht der Fall.


    Bei Verwendung von 6-fach Kombinationsimpfstoffen [...] werden zur Grundimmunisierung 4 Impf­stoff­dosen im Alter von 2, 3, 4 und 11 bis 14 Monaten empfohlen. Bei Verwendung eines Hepatitis-B-Einzelimpfstoffs kann die Dosis im Alter von 3 Monaten entfallen, d.h. es reichen 3 Impfstoffdosen aus.


    Wenn Ihr jetzt eine 4. Infanrix Hexa geben lasst, seid Ihr wieder im deutschen Schema drin. Wenn Ihr nach dem britischen Schema weiterimpfen wollt, müsstet Ihr doch auch in 16 Monaten auffrischen. So unterschiedlich ist das ja nicht.

    Ich erinnere mich an eine Geschichte, die ich als Kind gelesen habe, ich weiß nur nicht mehr wo, in einem Buch oder einer Kinderzeitschrift. Von einem Jungen, der sich einen Staubsauger gewünscht und auch bekommen hat. Und was er damit gemacht hat. Und das ist lange, lange her ...

    Sollte es aber, wenn Frau sich denn gar nicht so recht mit dem Gedanken anfreunden kann oder will nicht lieber versuchen so gut wie möglich zu verhindern dass der gleiche Fall noch mal eintritt? Wäre das nicht der Idealfall und sogar noch viel, viel heilsamer und stärkender als ein zweites Horrorszenario in einer besseren Verpackung?

    Aber klar doch! :)
    Und du begibst dich doch auch schon auf den Weg dahin. Denn wenn ich dich richtig gelesen habe, minderst du durch deine Gewichtsreduktion bereits das Diabetes-Risiko.


    Mein Weg war bei der zweiten Schwangerschaft, dass ich eine Beleghebamme gesucht und gefunden habe, die meinen Wunsch nach einer Sponantgeburt unterstützt hat. Ebenso der Arzt. Ich konnte dabei auf die Erfahrungswerte zweier Freundinnen bauen. Allein wäre es mir nicht gelungen zu durchschauen, was leere Versprechungen vor der Geburt sind und was die tatsächliche Haltung ist.
    Außerdem habe ich ganz viel vom Austausch mit ähnlich tickenden Frauen im Netz profitiert.


    Ich denke, es muss trotzdem alles drei zusammenkommen: Eine Aufarbeitung des Geburtstraumas, eine Strategie gegen den Kaiserschnitt, und eine Idee davon, wie die Umstände sein müssen, damit man ihn trotzdem annehmen kann, wenn es doch wieder dazukommt.


    AnneL, kannst du mich nachher mal PN-en?

    Mache ich.

    Ich habe in deine anderen Threads reingeschaut, aber ich gebe zu, einen richtigen Überblick habe ich nicht. Es war auf die Schnelle zu viel.


    Ich möchte dir aber trotzdem kurz etwas da lassen.


    Mich hat dein Gefühl berührt, zwischen dem Kind im Bauch und dem Kind auf der Welt keine Verbindung herstellen zu können. Das ging mir nämlich genau so. Ich kann das 100% nachempfinden.


    Meine erste, eine Bilderbuch-Schwangerschaft hat in einer, für mich sehr traumatischen Kaiserschnitt-Geburt geendet. Knapp an der Hysterektomie vorbeigeschrammtt. Fremdbestimmt. Und in vielerlei Hinsicht habe ich mich sehr, na ja, verschaukelt gefühlt. Das Thema 2. Kind war für mich, für meinen Lebensgefährten, überhaupt für alle damit erledigt.


    Nachdem ich auch nach 2 Jahren nach der Geburt offensichtlich mit den traumatischen Umständen kein bisschen im Reinen war, hat mir meine Frauenärztin empfohlen, das professionell anzugehen. Ich habe - auf ihren Hinweis - eine EMDR-Intervention gemacht. Bei einer dafür ausgebildeten Frauenärztin. In dieser Kombination war das natürlich ein Glücksfall. Wenn du möchtest, gebe ich dir gerne per PN den Namen. Ist - wenn ich dich regional richtig einschätze - wahrscheinlich zu weit für dich, aber auch wieder nicht so weit, dass sich nicht eine Empfehlung daraus ableiten ließe.


    Deine Geschichte ist zehnmal scheußlicher als meine. Aber man muss das irgendwie hinter sich bekommen, sonst kommt man nicht weiter, egal wie frau sich bezüglich weiterer Schwangerschaften entscheidet.


    Ich wünsche Euch alles Gute.

    Denn ich wusste zB nichts davon, dass Ausweise teilweise bewusst zurückgelassen werden und war sehr verwundert, als ich davon hörte, man habe im Fußraum des Lasters die Papiere des mutmaßlichen Attentäters gefunden. So ergibt das zumindest ansatzweise Sinn, ohne dass ich mir eine krude Verschwörungstheorie zusammenbasteln muss.

    Genau, das finde ich auch wichtig. Bei den französischen Anschlägen wurde aus dem Auffinden der Papiere ja die wüstesten Verschwörungstheorien gestrickt, übrigens auch hier im Forum, was mich damals ziemlich verstört hat.
    Und ich finde es hilfreich, sich darüber zu informieren, wie diese Mörder-Maschinerie des IS und anderer islamistischer Extremisten funktioniert. Welche perfiden Belohnungs- und Bedrohungsmethoden eingesetzt werden.Ja, es ist verstörend zu lesen, dass Familien ihre Jugendlichen "schicken", dass Mädchen von Boko Haram mit dem Tod ihrer eigenden Familien bedroht werden, wenn sie sich nicht zum Mordwerkzeug machen lassen. Aber es ist doch wichtig zu wissen, was da geschieht.
    (Und auch wenn es verstört: Schon für über 10 Jahren wurde an einem israelischen Grenzübergang ein Jugendlicher mit einer geistigen Behinderung festgenommen, der sich mit einem Sprengstoffgürtel in die Luft sprengen sollte.)


    Nee, diese Einstellung teile ich absolut nicht. Ich habe das schon mehrfach geschrieben: Wir sind Menschen und damit reflektionsfähig, wir können uns jeden Tag neu entscheiden, Dinge zu tun oder zu lassen. Die wenigsten dieser Täter (9/11 oder die Anschläge hier und in Europa) werden gezwungen. Dann müssten ja alle Menschen, die in Armut leben, zu Mördern werden. Das ist nicht so, im Gegenteil.

    Sehe ich auch so. Es ist ein wenig naiv, den Grund für den islamistischen Terror in der Armut und Ausbeutung durch "uns" zu suchen. Dieser Terror ist machtpolitisch motiviert und wird zu einem guten Teil finanziert von einem der reichsten Länder (Saudi). Man könnte mit diesem Geld viel Gutes für den armen Teil der arabischen Welt und für Afrika leisten.
    Und gleichzeitig leben die allerallermeisten Menschen der Welt friedlich miteinander.
    Das ist irgendwie so selbstverständlich, dass es nie erwähnt wird. Aber man sollte es wahrscheinlich jeden Tag einmal in die Zeitung schreiben. Die meisten Armen dieser Welt suchen jeden Tag nach Mitteln und Wegen sich durch den Tag, den Monat und das Jahr zu bringen. Sorgen sich um ihre Kinder und möchten ihnen ein besseres Leben ermöglichen.

    Ich führe diese Diskussionen ja auch.
    Und ich denke, es ist völlig normal, dass Leute einen wie den jetzt zur Fahndung ausgeschriebenen Anis Amri nicht in Deutschland haben wollen. Drogendelikte in Tunesien, dann vier Jahr im Gefängnis in Italien wegen Brandstiftung, dann Asylantrag in Deutschland, abgelehnt, kann nicht abgeschoben werden, weil Tunesien ihn auch nicht zurückhaben will.
    Niemand will solche Leute in Deutschland haben. Ich auch nicht. Aber ich will, dass Flüchtlinge einen Platz in diesem Land haben. So wie es das Grundgesetz vorsieht. Schließlich waren auch Deutsche Flüchtlinge und darauf angewiesen woanders ein Bleiberecht zu bekommen.
    Vielleicht kann man auf dem Weg eine Basis für die Diskussion mit den "eigentlich" sympathischen Kollen und Nachbarinnen finden.

    Da versteh ich diesen Ausländerhass dann noch viel weniger.

    Wahrscheinlich geht es auch nicht um Ausländerhass, sondern um Hass gegen Ausländer, die ihren Terror hier nach Deutschland bringen. Rechte Terroranschläge wie der auf dem Oktoberfest (der übrigens nie aufgeklärt wurde), die linken Terroranschläge der RAF, das war ein "eigenes", deutsches Problem. Jetzt sind wir aktuell mit einer Lage konfrontiert, dass der Terror importiert ist.

    Ich weiß auch nicht so recht, was ich von den Sicherheitsmaßnahmen halten soll. Bei uns haben sie heute Nachmittag am Zugang zum Weihnachtsmarkt Betonpoller aufgestellt, obwohl man da eigentlich gar nicht richtig hinfahren kann.

    Ja, die Tagesschau hat es auch gemeldet. Die in der Presse verbreitete Nachricht, dass der Verdächtige vom Tatort aus lückenlos bis zur Siegessäule verfolgt wurde, hat nicht gestimmt. Man hat ihn aufgrund einer Personenbeschreibung gestellt und verhaftet. Und keine Spuren an ihm feststellen können, die auf seine Anwesenheit im LKW und den Mord an dem LKW-Fahrer hinweisen.


    Gruselig, dass jetzt klar ist, dass der Täter frei herumläuft. Oder möglicherweise längst nicht mehr in Berlin ist.