Beiträge von guerkchen

    Lustigerweise hab ich da neulich was zu bei Till Raether auf Twitter gelesen. Dessen Sohn hat das auch bekommen. In dem Twitterthread ist auch die Erklärung zu finden (man muss beim Meldeamt aktiv der Verwendung im Sinne des Soldatengesetzes widersprechen. Unglaublich!)


    Ist ja eigentlich unerheblich, ob genau diese Familie nun sarm ist oder nicht. Es gibt genügend solcher Familie hier


    Was ich tue: Sachen spenden an Läden, die die sehr sehr günstig weitergeben. Sachen zum Verschenken rausstellen. Und: Parteien wählen, die sich gegen Armut einsetzen.

    Klar, die Aussage "niemand ist doof, egal wo er/sie herkommt!" halte ich auch für wichtig. Aber ich würde eben auch erklären, dass Menschen auch "anders" (da gehts ja schon los) aussehen können und das nicht "weil sie von woanders herkommen". Mein nächster Impuls wäre nur keineswegs, solche Medien mit meinem Kind zu konsumieren, die den Fokus auf "So leben Kinder anderswo in der Welt" legen. Weil das in der Regel eben dazu führt, dass Kinder dann denken. Ach ja, das Kind ist schwarz, wohnt jetzt hier in Hagen, aber eigentlich wohnen Menschen wie dieses Kind in einer Dürreregion, laufen 20 Kilometer am Tag für nen Eimer Wasser und können deshalb nicht zur Schule gehen."

    Geht das nicht am Thema etwas vorbei?


    Ja, es gibt Ecken ind er Welt mit sehr ungewöhnlichen Schulwegen, aber das verstärkt doch eher den Gedanken "X und Y kommen aus

    'irgendwo weit weg' und sind total anders"

    Aber X und Y wohnen ja bei euch in der Gegend, haben eine andere Hautfarbe und gehören hier her...

    Ich habe erst einmal bei einem Kardiologen erlebt, dass die größere Manschette genommen wurde.

    Bei anderen Praxen und auch in einer Klinik hab ich teilweise schon selbst was gesagt. Aber die besitzen in der Regel nicht mal eine... Ja, dann kann ich die Werte auch würfeln.

    Ja, ich meine Dich.... Wenn Du implizierst, dass er das Geld sammelt, obwohl er vielleicht nicht wirklich beabsichtigt, das Geld an Kinderheimen zu spenden, liest sich für mich, als würdest Du Unterschlagung unterstellen. Sich hinzustellen und zu spenden aufzurufen und sie nicht dem ausgerufenen Zweck zuzuführen ist echt kein Kavaliersdelikt.

    Was wolltest Du denn mit deinem Post ausdrücken? Vielleicht tue ich dir ja Unrecht.

    Ja, da tust du mir definitiv Unrecht.

    Ich hab doch nirgends geschrieben, dass er das Geld unterschlagen will?!


    Ich meinte: Kinderheim "zieht" einfach mehr. Da gehen bei vielen Menschen die Mitleidslämpchen an, man kann dann sagen "Boah, der tut was Gutes für diese armen Kinder, die keine Eltern mehr haben." (Die Realität in Kinderheimen ist eine andere bzw. ist der Ausdruck ja schon etwas überholt. Wer im pädagogischen/sozialen Bereich arbeitet, weiß das. Der Durchschnittsmensch aber vermutlich nicht). Mit Kinderheim wird eher Mangel verbunden.

    Wohingegen, wie du sagst, Grundschulbetreuung etwas sperriger, evtl. unklarer und definitiv mit weniger Mitleid verbunden ist.


    Meine Aussage lautet also: Der Bausteinmensch will was für einen guten Zweck sammeln (und nebenbei will der sicher noch anderes, aber das ist gar nicht mein Punkt). Das glaube ich ihm auch, dass er dann tatsächlich spendet. Aber: Er hat sehr geschickt Kinderheime gewählt, weil das mehr Menschen ansprechenund die Reichweite seiner Kampagne (oder wie man es nennen mag) erhöhen wird.

    Und: Es ist für mich deutlich, dass da nichts an gedanklicher Vorbereitung, Recherche, erster Kontaktaufnahme usw. vorher gelaufen ist, dann wär ihm nämlich klargeworden, dass andere soziale Einrichtungen besser passen würden.

    Für mich ein Fall von "gut gemeint statt gut gemacht"

    Zur Spendenaktion....

    Sollte er nicht genug Einrichtungen der stationären Kinder und Jugendhilfe finden, die mit Klemmbausteinen ausgestattet werden wollen, finden sich bestimmt andere Empfänger... Mit Klemmbausteinen spielen vor allem Grundschulkinder....


    Mal eben jemanden beabsichtigung von Unterschlagung und Verleumdung zu unterstellen, finde ich echt krass.

    Also, da mir nicht klar ist, ob du mit dem letzten Satz mich meinst, ignorier ich den mal. Falls ja, sag doch Bescheid, dann antworte ich gern darauf


    zum Rest: Klar, gibt sicher andere Einrichtungen, die das gern nehmen. Ich finde halt es hat schon was merkwürdiges, bei nem Projekt dieser Größe (und dass da nicht nur 200 Euro bei rumkommen, wird ihm klar gewesen sein) nicht vorab schon mal Kontakt aufzunehmen.

    (Und ja, ich glaube auch, "Kinderheim" zieht einfach soo viel mehr als "Grundschulbetreuung")

    Hat denn bei dieser Aktion überhaupt mal jemand vorher mit Kinderheimen gesprochen?


    Kinderheim klingt halt immer gleich so gut. Aber ich wette, die meisten hätten mit dem Geld lieber was anderes angefangen -vor allem da in Heimen ja tendenziell eher ältere Kinder und Jugendliche sind, von denen die breite Masse vielleicht nicht mehr so an Lego Klemmbausteinen interessiert ist

    Jente: Ich habe auch schon mal gemeldet (ohne Hörensagen) und man kann anonym bleiben. Ich hatte drum gebeten, gegenüber der Familie anonym zu bleiben, dem Jugendamt habe ich aber meine Kontaktdaten gegeben. Haben sich aber nie wieder gemeldet.

    Es ist ja einfach so, dass sie bei Hinweisen die Familie aufsuchen und besprechen, ob es Unterstützungsbedarf gibt. Und dann ist so eine Familie auch einfach erstmal mehr auf dem Schirm, sollte sich der Verdacht bestätigen oder weitere Meldungen dazukommen.

    Da hoffe ich jetzt mal sehr dass das nicht so ist.

    Würde im umkehrschlUss heißen, irgendwelche Nachbarn oder wer auch immer rufen beim Jugendamt an und JugendamT kommt vorbei?...

    Wir leben immer noch in einem Rechtsstaat und nicht im Denunziantenstaat

    Klar, Rechtsstaat. Kinder haben auch Rechte...


    Das Jugendamt muss Hinweisen natürlich nachgehen... Wie sonst sollten denn Fälle ans Licht kommen, wenn die Kinder nichts in der Kita oder Schule erzählen?

    Das Jugendamt kommt vorbei und spricht mit den Eltern. Dann haben sie einen Eindruck, wie es ist. Und oft bringt einfach nur der Besuch auch was ins Rollen. Die Eltern merken, dass sie Hilfe brauchen oder Elternteil 1 realisiert, dass es kein guter Ort fürs Kind ist, wo sie gerade sind...

    Und wenn bei der Familie, bei der ich gemeldet habe, nichts gewesen wäre, dann wäre ja auch sonst nichts weiter passiert.


    (und ich geh mal stark davon aus, dass jemand, der "denunzieren" will, dem JA nicht unbedingt die Kontaktdaten gibt)

    Jente: Ich habe auch schon mal gemeldet (ohne Hörensagen) und man kann anonym bleiben. Ich hatte drum gebeten, gegenüber der Familie anonym zu bleiben, dem Jugendamt habe ich aber meine Kontaktdaten gegeben. Haben sich aber nie wieder gemeldet.

    Es ist ja einfach so, dass sie bei Hinweisen die Familie aufsuchen und besprechen, ob es Unterstützungsbedarf gibt. Und dann ist so eine Familie auch einfach erstmal mehr auf dem Schirm, sollte sich der Verdacht bestätigen oder weitere Meldungen dazukommen.

    Wenn jemand diese Bilder im Unterricht zeigen würde (selbst wenn sie besprochen werden), wär das für mich ein deutlicher Hinweis, dass schwarze und jüdische Schülerinnen und Schüler wohl nicht mitgedacht werden. Also abgesehen davon, dass solche Rassismen besprochen werden können, ohne sie durch Bilder zu reproduzieren, entsteht für mich da der Eindruck, dass eben nur an weiße, nicht-jüdische Schüler*innen gedacht wurde. Und nicht daran, dass Menschen in der Klasse sitzen, die mit diesen Rassismen schon im Alltag oft genug konfrontiert werden. Die brauchen nämlich in der Regel nicht, dass andere nochmal gezeigt bekommen "Ah, so hat man sich früher Schwarze vorgestellt"...

    Bei jeder blöden Situation das dann aber auf Rassismus zu beziehen - finde ich auf 2 Ebenen problematisch

    1.) hilft Dir das selbst nicht - Du fühlst dich ständig ungerecht behandelt

    2.) bist Du ungerecht der Person gegenüber, die das vielleicht gar nicht so meint


    zu dem 2. Punkt wollte ich gern was schreiben: Man kann durchaus rassistisch reden und handeln, ohne das explizit so gemeint zu haben. Darum geht es ja bei den ganzen Diskussionen zu Alltagsrassismus/strukturellem Rasismus. Er ist bei uns tief verankert.

    Ich lese und informiere mich seit Jahren zu diesen Dingen und arbeite an mir. Und würde trotzdem niemals behaupten, dass ich nie rassistisch agiere.

    Und deshalb ist es auch wichtig, Menschen auf rassistisches Verhalten anzusprechen: Es bietet ihnen die Chance, etwas zu verändern. Es gibt aber leider diesen Reflex, sich beim Wort Rassismus schnell wegzuducken und das immer auf die Hardcorefälle zu schieben. Nach dem Motto: Ich kann nicht rassistisch sein, die Rassisten sind solche wie die Nazis in Dorstfeld.

    Aber was bleibt, wenn man die Menschen nicht auf rassistisches Verhalten anspricht? Sie sehen es bei sich nicht, sie sprechen Betroffenen ihre Erfahrungen ab und der Alltagsrassismus nimmt ungehindert seinen Lauf.