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Ich hatte das schon letzte Woche irgendwo aufgeschnappt und fühlte mich komplett vorbereitet und höchst kompetent, als am Dienstag um 10.30 Uhr im Dorf eine Sirene ging, die ich dann einfach ignoriert habe. Nett zu lesen, dass das erst heute ist.
Ich bewege mich draußen auch viel entspannter und gelöster. Im Haus ist es immer noch gut warm, aber auch das kühlt langsam runter. Regen ist nur ab und zu ein bisschen Getröpfel, laut Prognose wird es erst nächste Woche richtig ergiebig regnen. Dann werde ich es gleichzeitig toll und doof finden, das weiß ich schon jetzt.
Ich merke schon, dass sich im Laufe des Sommers meine Erträglichkeitsskala ein bisschen verschiebt. Wenn man mal 38 Grad hatte, kommen einem 32 Grad vergleichsweise kühl vor. Bislang kannte ich es nur vom Winter, wo ich mich im Spätherbst immer gefragt habe, wie man Minusgrade überleben kann, wenn man schon bei plus fünf friert wie ein Schneider... im Februar fühlt es sich dann schon ganz anders an und plus fünf heißt, man braucht keine Jacke.
Dies ist der erste Sommer, wo ich eine ähnliche Gewöhnung an mir beobachtet habe. Es geht mir körperlich nicht unbedingt besser mit hohen Temperaturen, ich leide immer noch, aber es gab jetzt im Juli/August doch Momente, wo ich es trotz allem nicht NUR schlimm fand.
Was im ganz kleinen Maßstab echt nicht zu unterschätzen ist, ist das Gefühl von Selbstwirksamkeit. Minimal, aber immerhin! Wenn ich zehn Gießkannen zu einem individuellen Baum schleppe, fühle ich mich etwas besser, weil mein Handeln einen konkreten Sinn und Nutzen hat. Also schleppe ich weiterhin meine Kannen, gieße strategisch und werde im Herbst auch neue Bäume pflanzen, um langfristig zu kompensieren, dass etliche es nicht überleben werden. Vor fünf, sechs Jahren gab es hier eine Baumpflanzaktion, von 15 jungen Obstbäumen stehen noch 14 und von denen wiederum schwächeln gerade drei, vier. Der Rest kommt bislang gut klar - und die, die schwächeln, werden eben gegossen und gepäppelt. Diese kleine Ecke der Welt hat von dem Einsatz schon sehr profitiert.
Es wäre schön, wenn es ein klares Richtig und Falsch gäbe. Aber die Wirklichkeit ist komplex, schon immer gewesen und nun mit noch viel mehr Variablen versehen.
Birken sind keine Bäume, die besonders alt werden, da sind langfristig andere Baumarten sinnvoller. Aber natürlich ist die große Birke vor dem eigenen Wohnzimmerfenster unersetzlich! Zumindest hier, wo ich lebe, herrscht absehbar kein Trinkwassermangel. Hier nähme ich niemandem was weg, wenn ich einen Baum gezielt und viel wässern würde mit dem Plan, dass dieser dadurch überlebt bis zum nächsten Regen und hoffentlich feuchteren Zeiten. Anderswo kann das eine schlechte Strategie sein...
Diese Gießsäcke sollen auch gar nicht so oft aufgefüllt werden. Grundsätzlich ist "selten kräftig gießen" nützlicher als "häufig wenig". Ein Gießsack, der dauerhaft vor sich hin tröpfelt, gibt einem jungen Baum (für ausgewachsene Bäume ist er viel zu klein dimensioniert) wenig Anreize, tiefe Wurzeln bilden. Mit tiefem Wurzelwerk wäre der Baum aber resistenter gegen Trockenheit. Andererseits - wenn man ein paar Gießkannen Wasser auf trockenen Boden kippt, läuft das meiste eh nur ab und sickert nicht in die Tiefe. Da kann ein Gießsack wiederum nützlicher sein als das Gartenbauamt, das einfach einmal die Woche fünf Minuten einen Schlauch draufhält. Kompliziert, das. Wir müssen viel dazulernen, in so vielen Bereichen.
Vieles ist definitiv tot und manches noch so ein bisschen am Leben, aber bräuchte viel Pflege und Aufmerksamkeit, damit es wieder was wird. Und wenn nicht mal sporadisches Gießen während einer ausgewiesenen Hitzewelle klappt, dann klappt gezielte Pflege und Aufmerksamkeit für geschwächte Pflanzen erst recht nicht. Die paar noch nicht ganz verstorbenen Himbeeren habe ich jetzt evakuiert, die bekommen eine neue Chance bei mir.
Ich bin heute auch traurig, weil im Garten so vieles einfach wegstirbt. Ich gieße. Grundwasser gibt's noch genug. Da, wo ich gieße, ist es schön und lebendig. Aber da, wo ich mich nicht kümmere (anderes Eck, was eigentlich auch nicht meine Verantwortung ist und ich war ein paar Tage weg), lebt nichts mehr. Himbeeren, Stauden, sogar wilde Sträucher, alles verdorrt und tot. Sieht aus wie ein totgespritzer Acker. Kleine Erste-Welt-Probleme, ich weiß. Aber der Anblick tat mir weh.
Ich wurde mit 49 über die Mammografie "aufgeklärt", also wir haben besprochen, ob es für mich sinnvoll ist und was es zu bedenken gibt. Das fand ich für meine Entscheidungsfindung später ganz beruhigend. (Fazit bei mir: gerne mal machen, dann hat man einen Status, und dann kann geschaut werden, wie die Beschaffenheit des Drüsengewebes so ist und ob zukünftig ein Brustultraschall ähnlich aussagekräftig, sinnvoller oder weniger sinnvoll wäre.)
Wir heizen mit einer Wärmepumpe, können mit dieser aber nicht kühlen. Wie soll ich im allgemeinen Sprachgebrauch formulieren, dass ich mir eine Klimaanlage wünsche?
Wien und Paris haben schon viel umgebaut, aufgebrochen, begrünt - sind aber oft noch extremeren Temperaturen ausgesetzt als die meisten Städte in D bisher. Vielleicht ist da was dran mit “wir müssen erst noch mehr leiden”.
Ich war letztens in Paris an einem auch schon sehr heißen Wochenende im Mai, und ich war sehr beeindruckt, wie viel sich da zum Guten verändert hat! Viel Grün (und irgendwie auch "anderes Grün" als bei uns), viele Trinkwasserbrunnen, viel Radverkehr, wenig Autoverkehr und vor allem: wenige parkende Autos! Stattdessen Außenbestuhlung der Gastro dort, wo bei uns einfach nur Blechkisten stehen. Wegen schlechter Luftqualität gab es ein Tagesticket für den ÖPNV für fünf Euro.
Gestern: Das Kind hat mit dem Wasserschlauch im Garten rumgespritzt und ich wollte ihm zeigen, wo es sinnvollerweise gießen kann. Ich höre mir selbst dabei zu, wie ich sage "...und da hinten bei den Himbeeren kannst du auch noch ein bisschen löschen."
Der Morgen war ekelhaft schwül, Regen und Dachfenster machen Lüften einfach unmöglich. Inzwischen wird es stetig angenehmer, der Ventilator läuft und es kühlt langsam etwas herunter.
Vielleicht ab und zu eine Elektrolytlösung reinkippen? Ich finde die echt ekelhaft, aber sage mir, es ist Medizin. Muss nicht schmecken, muss wirken.
Mein Hirn funktioniert auch nicht mehr gut. Ich nehm's mit Humor und vermeide es, Dinge mit potenziell großen Folgen anzugehen. Dass ich das kann, ist aber auch schon ein Zeichen von völliger Resignation und dem Modus "nur noch überleben".
Ich war vor ein paar Wochen mal im Bad einer Freundin, wo nach einem Wasserschaden der Heißlufttrockner lief. Fand's brutal und habe zugesehen, schnell wieder da raus zu kommen.
Naja. Heute ist es in meinem Bad gefühlt genauso heiß.
Die ganze Logistik ist so anstrengend! Wann lüften, wann Rollo runter? Wann wo wie den Ventilator platzieren? Wie vorventilieren, damit ich anschließend eine Stunde Telko überlebe (der Ventilator ist recht laut, für mich selbst habe ich mich inzwischen daran gewöhnt, aber Business geht nebenher nicht)? Was essen, was trinken? Huch, schon wieder sind die Eiswürfel leer... Mein Tag-Nacht-Rhythmus ist komplett zerschossen, es ist morgens hell, dann lange dunkel (weil alle Rollos unten), dann wieder hell (weil Sonne weg und man wieder lüften kann) und dann in der Nacht ein paar Stunden dunkel. Ich überlebe halt so vor mich hin, ohne viel Struktur. Will mir gar nicht ausmalen, was das mit der Produktivität von Deutschland macht... also nicht ich im Speziellen aber es wird einem großen Teil der arbeitenden Bevölkerung ja ähnlich gehen.
Hier wird jeweils die Seite mit Sonneneinstrahlung komplett verdunkelt und Fenster zu; in den Mittagsstunden beide Seiten. Dann fühle ich mich wie ein Höhlenmensch. Aber anders ist es in einer Dachwohnung nicht auszuhalten. Dazu läuft der Ventilator und das bringt - warum auch immer - wirklich was. Leider nervt mich das Geräusch und man nenne mich bekloppt, aber ich habe einen extrem zugluftempfindlichen Arm und muss mir am Schreibtisch entweder ein Tüchlein darüberlegen, Stulpe tragen oder momentan habe ich mir eine Zugluft-Barrikade aus einem Buch gebaut. Sonst kriege ich wirklich echt schnell Maus-Arm. Mir egal, was Kachelmann dazu sagt.
Luftfeuchtigkeit... ich habe gestern Wäsche gewaschen, aufgehängt und eine Stunde später war alles trocken. Das war nice. Sonst quäle ich mich eher und finde es uncool, dass die 10-Tage-Vorschau konstant auf 36 Grad steht bis auf einen Tag mit geradezu frostigen 35.
Klassisch deutsch ist für mich süß. Maximal ein gekochtes Ei. Und im Hotel vielleicht auch Wurst und Käse aufs Brötchen, aber nur als zusätzliches Angebot, nicht als Standard.
Shakshuka oder Misosuppe zum Frühstück fühlt sich irgendwie total falsch an. Komischerweise finde ich ein Full English Breakfast aber wiederum geil.
Auch nach meinem Eindruck bestreitet doch niemand, dass es Strukturen gibt, durch die Frauen - trotz rechtlicher Gleichberechtigung - in vielen Belangen benachteiligt werden.
Mir sind extrem viele dieser Strukturen tatsächlich nicht bewusst (gewesen), deswegen bin ich froh über jeden Hinweis und jede Erklärung und jede Meta-Betrachtung. Das ist ja das Fatale: Man denkt so schnell auf den altbekannten Gleisen! Manches muss ich auch mehrmals von verschiedenen Seiten hören und lesen, bevor ich es verinnerliche. Und dann noch zweimal, um es anschließend holprig selbst jemandem erklären zu können...