Beiträge von Miamaria

    Der schwarze Peter liegt ja wohl eher beim Vater, der eher befreien hätte können.


    Hier sind rechtzeitige begründete Freistellungen in der Regel kein Problem.


    Am Gymnasium meiner Jungs gibt es regelmäßige Nachschreibtermine am Samstag, wo aus allen Stufen gebündelt die verpassten Arbeiten nachgeschrieben werden. Das senkt sehr die Begehrlichkeit zu fehlen. ;-) Zumal mein Sohn feststellen durfte, dass es ungünstig ist, dort nur eine Aufsicht da zu haben und keine Lehrkraft, die sinnvoll Fragen beantworten kann. Zusätzlich empfand er die Nachschreibearbeiten als schwerer. Das das so ist, sehe ich auch an der Uni. Der Abstand zum Stoff ist größer und es musste sich noch einmal etwas ausgedacht werden, dass ist dann im Ergebnis eventuell tatsächlich anspruchsvoller.

    Berlin unterrichtet auch Grammatik.


    Aber eigentlich versteht sich das von selbst. Es gilt ja das Prinzip des Spiralcurriculums: was im Lehrplan steht, muss auch in den Jahren davor angebahnt werden. Noch nicht immer explizit, aber due Grundlagen müssen geschaffen werden. Manchmal auch schlicht in den anderen Fächern. In Geo muss ich z.B. wissen wann Dezimalzahlen genutzt werden können.


    Mein Sohn hatte vor kurzem die Photosynthese und Zellatmung in Bio mit Formeln - ohne die entsprechenden Grundlagen zur Schreibweise in Chemie gehabt zu haben. Das ist dann sehr ungünstig. Auch da fände ich Absprache/Einheitlichkeit sehr erleichternd.

    Ich erinnere mich, dass der Focus darauf lag, dass eben alle Mitglieder aller möglichen Gruppen verhaftet wurden (kurz gesagt alle Gegner - auch Gewerkschafter usw.).


    Heimatkunde hatte bei uns einen starken regionalen Bezug inkl. Klassenfahrt ins nächstgelegene Naturschutzgebiet. Die Antike hatten wir sehr ausgeprägt, wir hatten nämlich eine Geschichtslehrerin, die einige Jahre in Kairo war und da stundenlang erzählte, das war schon 5. Klasse, was ja aber hier immer noch als Grundschule durchgeht. #cool

    Das waren Beispiele aus der Jetztzeit. Meine Kontakte waren natürlich noch intensiver (Antifaschist war ein beliebtes Wort in Diktaten; KZ und Migration auch ein Familienthema).

    Wir haben in unserer Hauswand noch Einschusslöcher und Luftschutzbunkerpfeile. Vor den Synagogen steht Polizei. Bombenfunde.


    Das Thema kommt auf und muss natürlich auch altersgemäß besprochen werden.

    Im Bundesnaturschutzrecht wurde erfolgreich von einer überwiegend in den Bundesländern ausgestalteten Regelung auf eine unmittelbar geltende Gesetzgbung umgestellt:


    Es enthielt den Rahmen für die Landesnaturschutzgesetze und darüber hinaus einige unmittelbar wirkende Regelungen. Das wurde inzwischen geändert. Das Bundesgesetz enthält nunmehr vorwiegend unmittelbar wirkende Regeln, die in den (erneuerten) Landesgesetzen lediglich durch landesspezifische Regeln ergänzt werden. Dazu gehören auch solche, die der Ausführung der Regeln des Bundesgesetzes unter den Bedingungen des jeweiligen Landes dienen sollen.


    Das ist also schon möglich, wenn es als sinnvoll erachtet wird.


    Hermine : Hier in Berlin gibt es auch die Zweitkorrektur an einer anderen Schule (die in der Regel auch in einem anderen Bezirk liegt, soviel ich weiß).

    Ich kenne/kannte ja vor allem Frauen aus dem ehemaligen Jugoslawien vor der Wende. Die haben eigentlich beides vereint, was Nachtkerze und VivaLaVida beschreiben: ein Atomphysikstudium und einen Faible für Herausputzen. Für mich, in der österreichischen Provinz aufwachsend, schon andere Rollenbilder als gewohnt.


    Liebe Grüsse


    Talpa

    Das kann ich bestätigen. Meine Oma kam aus der nähe von Belgrad und fiel durch ihr Styling sowas von auf in der DDR! Richtig möndän war sie. Wobei sie nicht Atomphysik studiert hat. ;-)

    zu 90 % !!! 8o

    Ich komme gar nicht über die 90 % des Ehegattensplitting = 20 Milliarden Euro jährlich hinweg. Das ist auf so vielen Wegen dermaßen ungerecht:


    - bevorzugt ungleiche Rollenverteilungen in Partnerschaften

    - Diskriminierung von Alleinerziehenden/Partnerschaften ohne Trauschein (bis vor kurzem auch homosexuelle Familien, die gar keine Chance auf die Ehe hatten)

    - wohlhabend bevorteilt gegenüber weniger begüterten Haushalten

    - ost vs. west


    Diese systematische Benachteiligung währt schon Jahrzehnte und führt damit zu einer staatlich allimentierten Manifestierung/Zunahme der monotären Unterschiede: Vermögensaufbau und damit auch Immobilienerwerb werden damit einseitig begünstig, was entsprechende Folgen für das Alter der Menschen hat. Bis hin zu von der WHO statistisch festgestellten Korrelation zwischen Lebenserwartung und Einkommen...

    Du meinst Urteilsverzerrungen? Ich kenne diese:


    1. Fundamentaler Atrributionsfehler

    • generelle Neigung von Beobachtern, bei Erklärung von Verhalten Einfluss von Personenmerkmalen eher zu vernachlässigen
      • internale Faktoren werden überbewertet
        • z.B. Noten sind allein durch Anstrengung und Fähigkeit zu erreichen
      • externale Faktoren werden vernachlässigt
        • z.B. Müdigkeit, familiärer Kontext werden ect. werden bei der Notenvergabe nicht berücksichtigt


    2. Perspektiveneffekt

    • Perspektive beieinflusst Kausalattribution
    • Handelnder erklärt Verhalten eher als situativ bedingt
    • Außerdenstehender erklärt Verhalten des Handelnden eher anhand personaler Merkmale
    • Beobachter bevorzugt internale Faktoren
      • z.B. Lehrkraft sieht Grund für schlechte Noten in mangelnder Anstrengung
    • Akteur bevorzugt externale Faktoren
      • z.B. Schüler sieht Grund für schlechte Leistung im hohen Schwiergigkeitsgrad der Aufgabe (in der Person der Lehrkraft)


    3. "Falscher Konsens" Effekt

    • Eigenes Verhalten, eigene Normen und Werte, Einschätzungen und Überzeugungen werden für verbreiteter gehalten als sie es in der Realität sind.


    4. "Selbstwert schützende Attribution"

    • eigene Mißerfolge werden bevorzugt external attribuiert (entschuldbar)
      • z.B. "Aufgabe war zu schwer" (und nicht: ich habe zu wenig gelernt)
    • eigene Erfolge werden bevorzugt internal attribuiert (Selbstwert)
      • z.B. "Ich habe ja auch gut gelernt!" (und nicht: Aufgabe war zu leicht)


    Dein Beispiel passt nicht dazu, aber es ist ja eigentlich meist so, dass die eigenen Wahrnehmungen stärker wahrgenommen werden. Zum Beispiel, bei der Frage, wer wieviel im Haushalt gemacht hat.

    Das hätte ich so deutlich nicht erwartet bzw. hatte ich mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht.


    Noch was zu den Erwartungshaltungen 15 jähriger: die Familienplanung (wann erstes Kind) dürfte im Westen auch stärker je nach sozialem Umfeld variiert haben. Die Unterschiede waren im Osten weniger stark ausgeprägt und vor allem nicht so sehr in unterschiedlichen Räumen segregiert. In der Summe spielt sicher ziemlich viel zusammen.


    Noch ein Zitat aus dem Artikel:


    Auch heute noch leben in den neuen Bundesländern viel mehr Kinder bei Alleinerziehenden. Die Rahmenbedingungen sind dort für sie immer noch einfacher, aber vor allem ist dort ein Kind ohne Trauschein keinerlei soziales Stigma.


    Ich lese gerade noch den Böll-Artikel, möchte aber schon mal etwas daraus zitieren:


    Dennoch liegt rein finanziell immer noch der Fokus der (materiellen) Familienpolitik auf Ehegattensplitting und kostenfreie Ehegattenmitversicherung, für die allein 2010 fast doppelt so viel Steuergeld investiert wurde, wie in die öffentliche Kinderbetreuung floss. Bei einer Ost-West-Betrachtung materieller Familienpolitik fällt auch auf, dass die größte Einzelmaßnahme, nämlich das Ehegattensplitting, zu 90 Prozent an Paare in Westdeutschland fließt. Das entspricht einem Finanzvolumen von 20 Milliarden Euro, das sind mehr als der jährliche Solidarzuschlag für den Aufbau Ost, der nur etwa 14 Milliarden Euro umfasst. Da dies der größte Batzen innerhalb der Familienförderung durch die Bundesregierung ist, stellt sich neben vielen anderen (gleichstellungspolitischen) Argumenten gegen das Ehegattensplitting auch zusätzlich die Frage, ob die dramatische regionale Ungleichverteilung zuungunsten ausgerechnet der Bundesländer, deren Bewohner*innen ohnehin die niedrigsten Einkommenshöhen haben, gesellschaftspolitisch gewünscht sein kann.


    zu 90 % !!! 8o



    Zahlte ein Vater im Osten keinen Kindesunterhalt, so sprang der Staat bis zum 18. Lebensjahr ersatzweise durch Unterhaltsvorauszahlungen ein, ohne Begrenzung der Zahlungsdauer bis zur Volljährigkeit und orientierte sich an dem tatsächlichen Unterhaltstitel. Die Umstellung auf westdeutsches Unterhaltsrecht (Unterhaltsvorauszahlung nur bis zum 12. Lebensjahr und nur maximal für sechs Jahre und nur über den – für die neuen Bundesländer grundsätzlich niedrigeren - Regelsatz, nicht dem tatsächlichen Titel entsprechend) brachte daher für viele ostdeutsche Alleinerziehende eine massive Verschlechterung ihrer materiellen Situation.

    Verheirateter Mütter... sehr viele waren aber eben nicht verheiratet. In dem Böll-Bericht steht was von knapp 23 Jahre und damit sind sehr viele sehr jung beim ersten Kind (ob eine Frau 19 oder 21 ist, wird nicht so klar ersichtlich sein im Stadtbild).

    Ok, ich spezifiziere: in meinem Lebensumfeld (und dem meines Partners - er ist mit seinen Geschwistern bei seiner alleinerziehenden Mutter aufgewachsen).


    Das Stadtbild war aber eben schon davon geprägt, dass es sehr viele junge Mütter gab. Das wirkt sich auch auch weiter aus, die Kinder sind schon groß, wenn die Frau noch sehr lange vom Rentenalter entfernt ist.


    Übrigens habe ich mein erstes Kin mit 23 bekommen und stach immer aus Müttergruppen hervor. Das liegt allerdings natürlich auch an meinem Wohnumfeld.

    Das entspricht nicht meinen Erfahrungen, aber bei deiner Erzählung sollte auch bedacht werden, dass 15 Jährige in der DDR mehrheitlich kurz vor den Eintritt in das Berufsleben standen. So ähnlich wie jetzt der Unterschied zwischen Deutschland und der Schweiz ist, was die durchschnittliche Schuldauer angeht. Selbst sehr gut Schulnoten hießen nicht unbedingt Abitur und Studium als Lebensplan. Dementsprechend weiter sahen sich die Jugendlichen natürlich in ihrer Entwicklung. Hinzu kommt das wesentlich jüngere Alter bei der Familiengründung. Wenn du in deiner Umgebung mit 18/19 jährigen kinderwagendschiebend als Normalbild geprägt bist, gehst du eben nicht davon aus irgendwaaaaaan einmal einen Partner zu suchen. Hinzu kommt, dass Scheidungen natürlich normal und üblich (und auch die Kinder nicht stigmatisierte) waren, aber auf der anderen Seite das Familie und Privatleben einen sehr hohen Stand hatte. Ich bin in einer, wie ich heute finde, äußerst spießigen Umgebung groß geworden. Die Paare fanden sich früh und blieben dann auch zusammen.