Ein Stück weit möchte ich das auch gar nicht abstellen. Weil ich denke, dass gerade das verinnerlichte Pascha-Verhalten zu einem Teil daher kommt, dass über Jahrzehnte oder länger die Grenzen zwischen beabsichtigtem gutgemeintem Verwöhnen und resigniertem "dann mach' ich's halt selber" verschwommen sind und zumindest bei manchen jungen Männern mit dazu geführt haben, dass sie das Gefühl haben, ein Anrecht darauf zu haben, nur das zu machen, worauf sie Bock haben, und um das Lästige können sich andere kümmern.
Ja, das ist ehrlich gesagt mein Grundgefühl bzw. der Verdacht den ich habe. Ich glaube, es ist echt sauschwer, das aufzulösen, sich selbst aus diesem Gefühl, das eigen Kind unterstützen und die Beziehung nicht belasten zu wollen, rauszuziehen. Einen Schritt weiter zu kommen zu: Wir leben gemeinsam und tragen die Verantwortung gemeinsam innerhalb des gemeinsamen Zuhauses, wenn es gerade ein Kind macht eher so nichts und Mutter/Eltern machen eher so alles.
Aber ich kann mal von mir sprechen: Ich glaube, ich hab schon auch einfach Glück aber ich glaube auch, die Tatsache, dass ich überhaupt nicht dran glaube, das Hotel Mama irgendeinen positiven Beitrag zu Entwicklung eine Menschen beiträgt und schon bei der Vorstellung, mein Kind könnte hier ohne weiter Pläne rumdümpeln und mir meinen Alltag schwer machen (statt mit der gewonnen Zeit einen positiven Beitrag zum zusammenleben zu leisten) hat schon dabei geholfen, das besagtes Kind das nicht als Option für sich angenommen hat. Ich habe da einfach (ums mal mit Juul zu sagen) sehr starke eigene Grenzen. Es ist für mich nicht fehlende Wertschätzung den Müll nicht rauszubringen, wenn es nötig ist (und drum gebeten wird), es ist einfach nicht in Ordnung. Ich wüsste nicht, wem es nutzt, wenn dieses Empfinden nur bei mir bleibt, während ein Mitbewohner hier annimmt, dass der Wunsch nach runtergebrachtem Müll sich irgendwie in Luft auflöst.
Meiner Erfahrung nach haben alle unsere Kinder sehr gut zwischen Forderungen die weggehen und solchen, die nicht weggehen unterschieden und erster Linie letzter bedient.
Ich hab trotzdem, nein eigentlich deswegen, keine Tipps und weiß nicht, was man tun kann, wenn das in so einem frustrierenden Stadium feststeckt. Ich würde nur sehr dafür plädieren, nicht anzunehmen, dass man das Kind mit solcherlei Gefühlen aus dem Nest schmeißt oder die Bindung und Gesprächsbasis gefährdet. Ich würde mich fragen, was brauch ich für mich, um das gut aushalten zu können und würde die Forderung stellen und durchsetzen. Prillan du hast ja beschrieben, wie viel Support du in den letzten Jahren geleistet hast, um das Kind einigermaßen "im System" zu halten. Ich glaube, es ist total normal, dass das sich nicht einfach auflöst. Aber sich bewusst zu machen, dass da Glaubenssätze entstanden sind, die es aufzulösen gilt, ist ja möglicherweise ein Anfang? Es ist weder naturgegeben noch Zufall, das so viele Eltern glaube, wir müssten alles mögliche beitragen oder erdulden, damit wir die Beziehung nicht gefährden oder damit unsere Kinder in der Lage sind, sich im Leben zurechtzufinden. In Wahrheit ist das nicht die Wahrheit sondern etwas, woran wir glaube, weil wir uns daran gewöhnt haben. Sie wären (und sind es tatsächlich) EIGENTLICH mit allem ausgestattet, was sie bräuchten, um auch ohne elterlichen Support zu überleben. Sie mussten und müssen es nur nicht. Wenn sie müssten, könnten sie's. Wenn sie sich in anderen Umständen befänden, würden sie sich anders bewegen im Sinne von, die Verantwortung für sich, ihre Situation, ihr Zukunft übernehmen.
Ich finde, wir dürfen uns schon trauen unsere boomerigen Ansichten der Welt weiter zu vertreten - sie werden nicht unwahr nur weil sie uncool sind. Und gleichzeitig würde ich Abstand nehmen von allen Versuchen, jemand anderem aufs Pferd zu helfen. Aber ich würde auch die Hotel Mama-Cozyness beenden und da sehr ungemütlich werden. Sonst läuft das Support-System ja einfach weiter und die Pläne klappen viel zu gut, um einzusehen, das so ein Lebensansatz auf Sand gebaut ist (bisschen jobben und eine nettes Leben ohne die Mühen des Haushalts oder die Kosten des vollen Kühlschranks). Und ich weiß, alles leichter gesagt als getan. Manchmal ist es glaube ich schon ein Schritt auszusprechen, welche Zumutungen eigentlich nicht hinnehmbar sind.