Ich versuche mich so zu verhalten, dass ich Männer und Frauen sowohl grundsätzlich gleich behandele, als auch mich bemühe, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Eigenschaften zu würdigen, sei es im Umgang miteinander, sei es rhetorisch. Dabei ist es mir wichtig, dass mein Ansatz und meine Einstellung freundlich sind, denn ich bin für mich persönlich davon überzeugt, dass das Frieden bringt und dazu beiträgt, dass sich möglichst viele Menschen wohlfühlen können. Und ich bemühe mich, mir meiner eigenenen Voreinstellungen und Vorurteile bewusst zu sein, selbst wenn ich sie nicht ändern kann, und mich kognitiv darüber hinwegzusetzen. Und auch mal Fünfe gerade sein zu lassen und mich zu bemühen, von anderen nur das zu verlangen oder zu erwarten, was sie auch können.
Öh, ich weiß nicht, ob klar wird, wie ich das meine...
Aber ich stelle mich schon auch bestimmten Dingen entgegen, z. B. wenn kleine Jungs so tun, als wären Mädchen minderwertig oder zweitrangig, oder auch wenn Menschen anderen Alters das mit Menschen jeglichen Alters tun. Und ich habe meine Tochter stark gemacht und sie auf Strukturen hingewiesen und ihr auch immer gesagt, dass ihr Geschlecht nicht einschränkt, wenn es um bestimmte Dinge geht, auch wenn es so vermittelt wird, oder habe sie auch auf die Zwiespältigkeit des Girlsday hingewiesen, der nach unseren Erfahrungen teilweise untermauert, was Frauen- und Männerberufe "sind".
Da kann ich praktischerweise unterschreiben, genau so versuche ich das auch zu handhaben - ich versuche, jedem erstmal die gleiche Freundlichkeit engegenzubringen, so lang er mir keinen Grund liefert, das nicht zu tun.
Wenn mir jemand entgegenkommt und ich kann an der Stelle grad ohne Probleme ausweichen, dann tu ich das. Wenn es für mich nicht geht, dann tu ich es nicht - unabhängig vom Geschlecht des Entgegenkommenden. Wenn es eine Person ist, die sich schwerer tut, sei es durch Alter oder Kinderwagen oder was auch immer, dann versuch ich natürlich auch, aus dem Weg zu gehen.
Ich war vorgestern an einem Bahnhof und an zwei Flughäfen, ich wurde zweimal angrempelt und einmal hat sich mir jemand wirklich absichtlich in den Weg gestellt - es waren drei Mal Frauen, was jetzt natürlich auch einfach ein Zufall ist, es hätten auch drei Männer sein können. Und im Flugzeug haben mich zwei Männer gefragt, ob sie mir den Koffer aus dem Gepäckfach heben sollen - klar kann ich das selber, aber ich hab "gerne" gesagt und mich bedankt.
Und trotzdem hinterfrage ich Klischees und Strukturen, bin froh, dass sich viele Dinge in den letzten Jahrzehnten geändert haben und sehe weiterhin viel Bedarf an weiteren Änderungen und spreche das auch an.
In unserem italienischen Restaurant erklär ich auch immer nach dem Essen, dass ich durchaus auch gern einen Grappa aufs Haus hätte wie die Männer und nicht den Limoncello, den traditionell die Frauen angeboten bekommen
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