Man sieht hier, finde ich, ganz gut, wie unterschiedlich die Informationsblasen sind, in denen wir alle uns bewegen.
Die Annahme z.B., dass Männer nicht wählerisch sind, wenn es um ihr sexuelles Begehren geht, ist vollkommen richtig und lässt sich überall mit eigenen Augen sehen.
Zugleich gibt es eine große Bewegung auf social media - Stichwort Manosphere -, in der nur ganz bestimmte Frauenkörper als begehrenswert propagiert werden und zwar sehr aggressiv. Es kommen Männer zu Wort, die erzählen, dass sie keine Erregung spüren, wenn eine Frau nicht Pilates macht etc., die darstellen, wie sie ihre Frauen/Freundinnen dazu erpressen, ihre Körper nach ihren Wünschen zu perfektionieren.
Beides gibt es.
Wenn man nun mit Letzterem so gar keine Bekanntschaft gemacht hat, wundert man sich bestimmt über manche Kommentare hier. Aber wenn man einmal seine Aufmerksamkeit ausgerichtet hat, ist es auf einmal überall. Neulich z.B. erzählte ein bekannter Moderator im Interview, er habe ja "Glück gehabt" mit seiner Frau, die wegen ihrer guten Gene direkt nach der Geburt des gemeinsamen Kindes wieder toll aussah (und er meinte das total nett).
Ich selbst bin während meiner Schwangerschaft auf die Möglichkeit des Gentleman-Stitch hingewiesen worden (ohne dass ich damals diese Bezeichnung kannte).
Auf diese letzteren Erfahrungen und Forderungen bezieht sich hier im Strang das Wort "Fuckability", und es wird ausschließlich kritisch benutzt als Beschreibung einer unmenschlichen Forderung innerhalb eines durch und durch sexistischen Weltbildes (nämlich im Bezug auf Trad Wives, deren Leben mit Tradition genauso viel zu tun haben wie ein Frosch mit einer Waschmaschine - wie jede Frau, die auf einem Bauernhof gelebt hat, ganz egal zu welcher Zeit, wird bestätigen können).
Gruß,
F