Beiträge von Frisch

    Frisch Sollen wir die letzten Beiträge vielleicht in den Ost-West-Thread verschieben lassen?

    Da passt es sicher besser rein, Jette . Guter Vorschlag.

    Ich glaube aber nicht, dass ich dort großartig mitdiskutieren werde, leider. Mir fehlt momentan einerseits die Zeit und andererseits das dicke Fell, was man beides für ein Internetforum braucht.


    Aber wenn Du eine Verschiebung veranlassen würdest, wäre das sicher gut für diesen Thread. Danke!


    Gruß,

    F

    Darf ich dazu mal was fragen, so ganz o.t? Und ganz naiv, ohne mich dumm zu stellen?

    Diese starke soziale Durchmischung, die Du nennst, VivaLaVida, die kann ja nach DDR-Ideal nur sehr eng begrenzt gewesen sein. Es wurde doch gesellschaftlich angestrebt, dass es nicht zu viele Extreme gab, was Armut oder Reichtum angeht, Besitz, Konsumverhalten, Familienkonstellationen u.ä.

    Ich habe in den 80ern bis Mitte der 90er in einem Neubaugebiet / Plattengebiet gelebt. Dort wohnten zu DDR-Zeiten der Herr Professor, die Bibliothekarin, die Lehrerin, die Putzfrau etc. alle in einem Haus , alle in der gleich geschnittenen Wohnung. Nach 1990 ging es recht schnell los, dass sich Familien, die es sich leisten konnten, etwas anderes gesucht haben, häufig Neubau in einem umliegenden Dorf. Diese Durchmischung gab es schon Mitte der 90er deutlich weniger als noch 1989

    Ah, dann hatte ich Durchmischung anders verstanden. Das ist eine Durchmischung im Kleinen, aber eben überhaupt nicht im Großen.

    Denn ein Professor und eine Putzhilfe haben vermutlich auch in der DDR unterschiedlich gut verdient, konnten sich aber offenbar - nach Deiner Beschreibung - die gleiche Sorte Wohnung leisten.

    Und es war offenbar - nach Deiner Beschreibung - gewollt, dass der Professor nicht nach mehr strebte und sich aussonderte.

    Wenn die von Dir beschriebenen Menschen alle in einer gleich geschnittenen Wohnung lebten, liegt die Annahme nahe, dass sie in ähnlichen Familiengrößen lebten.

    Ich gehe nicht davon aus, dass es in dieser Siedlung viele Menschen mit Migrationshintergrund gab.

    Letztlich hatte ich das gemeint damit, dass es keine Extreme geben sollte/gab.


    Ich bin übrigens im Westen ganz ähnlich aufgewachsen, allerdings in einer Vorstadt mit Einfamilienhäusern und hätte diese Welt als sehr homogen bezeichnet. In der Stadt, auf den Dörfern, im katholischen Süden, in den Touristengebieten war es jeweils ganz, ganz anders. Und daher habe ich meine Situation nie als verallgemeinerbar empfunden und habe für mich gern klären wollen, ob ich richtig liege mit meiner Idee, warum es möglicherweise leichter ist, allgemeine Aussagen über die Gesellschaft in der DDR zu treffen.


    Gruß,

    F


    Sorry fürs OT. Das gehört eigentlich gar nicht in diesen Strang ...

    Bei meinem Mann in der Klasse (Großstadt im Süden, Grundschule im Univiertel) hatte Ende der 70er schon die Hälfte der Gymnasialklasse getrennte Eltern. Ich fürchte, solche Stichproben sagen nur etwas über die eigene Blase aus :)

    da alle quartiere im wesentlichen stark sozial durchmischt waren (was politisches ziel war) war echte blasenbildung - verglichen mit dem, was man heute beobachten kann - deutlich unwahrscheinlicher. die kinder, die das in meinem umfeld betraf, kamen aus allen milieus.


    einzig der ort könnte eine rolle spielen. ich habe viel zeit auf dem ganz entlegenen land (sperrgebiet) verbracht und dort war in der tat die genannte quote etwas geringer.

    Darf ich dazu mal was fragen, so ganz o.t? Und ganz naiv, ohne mich dumm zu stellen?

    Diese starke soziale Durchmischung, die Du nennst, VivaLaVida, die kann ja nach DDR-Ideal nur sehr eng begrenzt gewesen sein. Es wurde doch gesellschaftlich angestrebt, dass es nicht zu viele Extreme gab, was Armut oder Reichtum angeht, Besitz, Konsumverhalten, Familienkonstellationen u.ä.

    Manchmal, wenn ich diese Aussagen über die DDR-Zeit lese, denke ich, dass es evtl. leichter sein muss, etwas Allgemeingültiges über die Menschen dort zu sagen, als über die gleiche Zeit im Westen. Allein die Größe der Fläche und die Anzahl der Bewohner unterscheidet sich sehr, oder nicht? Je kleiner und homogener die Gruppe, desto leichter müsste eine Verallgemeinerung sein. Und verglichen mit dem Westen war die DDR kleiner und homogener.


    Könnte daher auch eine gewisse Problematik in der Kommunikation herrühren?


    Denn ganz ehrlich, wenn ich hier lese, wie es in der ehemaligen BRD war, dann wundere ich mich oft. Und ganz selten sind die Annahmen darüber, wie es dort war, überhaupt positiv. Ich möchte gern ganz offen bleiben, und ich genieße es regelrecht, meine offensichtlichen Vorurteile gegenüber der DDR-Gesellschaft abbauen zu können, indem ich hier lese, aber ich bin gleichzeitig irritiert und manchmal geradezu verletzt, welche Oberflächlichkeit der Westsozialisierung offenbar immanent gewesen sein soll.


    Gruß,

    F

    Ah, okay, Aprilscherz. Und wann ist der Moment, wo man "April-April" sagt - nach den ersten drei ernsthaften Antworten oder erst am nächsten Tag? Solange aury das nicht schreibt, bleibe ich humorlos. Immerhin war ein Kreisch-und-Wegrenn-Smiley dabei, das interpretiere ich nicht als Mitlachen über einen gelungenen Aprilscherz.


    Ich gebe aber zu, ich verstehe das oft einfach nicht. Mich hat dieser Thread zwischendurch runtergezogen, weil mich dieser Kinder-Test so betroffen gemacht hat. Ich habe dann einfach nichts mehr geschrieben. Ich habe Mühe, die Motivation derjenigen zu begreifen, die sich damit begnügen, einfach nur ihrem Befremden mit einem einzigen Satz oder Smiley Ausdruck zu verleihen. Ich finde das unkonstruktiv, und würde es in einem Thread passieren, den ich eröffnet hätte, würde ich mich überaus unwohl fühlen.


    Gruß,

    F

    Ihr seid gemein. Ich meine das ernst.

    Hier geht es um ein Kind, eine Familie.


    Ich bin froh, dass eine Entscheidung gefallen ist, und ich glaube, sie ist letztlich genau richtig ausgefallen, vielleicht sogar besonders wegen des Umentscheidens.


    Ja, manche Menschen machen sich viel zu viele Gedanken und experimentieren mit ihren Kindern herum. Aber das tun sie nicht, weil sie dumm sind. Mit Kindern zu leben zerrt alle Baustellen ans Licht, die man als Elternteil hat, und da können scheinbar harmlose Situationen oder Entscheidungen Abgründe aufreißen. Wichtig ist zu erkennen, dass das Problem nicht das des Kindes ist.


    Gruß,

    F

    Ich bin dafür, sich auf wenige wirklich wichtige Impfungen zu konzentrieren und bei denen zu versuchen, wirklich eine möglichst grosse Akzeptanz und Abdeckung zu erreichen. Masern gehören da für mich wirklich dazu, Röteln schon nicht mehr (zumindest nicht im Kinderalter, da wäre es eher sinnvoll, junge Frauen zu impfen). Ich denke, dass durch die zunehmende Anzahl an Impfungen eher mehr Leute abgeschreckt werden und dann letztlich auch die sinnvollen Sachen nicht mehr impfen lassen.


    Impfpflicht finde ich vor allem angesichts der zunehmenden Anzahl an von der Stiko empfohlenen Impfungen problematisch. Ich fürchte, wenn man da erstmal für eine Impfung eine Pflicht einführt, ist ser Damm schnell gebrochen und man wird versuchen das auch auf andre Impfungen auszuweiten.

    Das finde ich sehr bedenkenswert.


    Ob dann Röteln oder nicht dazugehören, weiß ich noch nicht - @Eburas Bericht ist ja schon eindrücklich. Röteln wurden bei uns in der Schule im Teenager-Alter geimpft. Gibt es das nicht mehr?


    Gruß,

    F

    Nö, sind Schulstoff und durchaus geschätzt. Halt wie alle Intellektuellen und auch Kritischen nicht in allen Kreisen gleich begeistert. (Edit: Frisch und Dürrenmatt)


    Liebe Grüsse


    Talpa

    Ach wie schön! Nach einem durch und durch unhumanistischen Morgen ("Sternenschweif"-Hörspiel in Dauerschleife), bekomme ich am Computer die Benachrichtigung, dass ich zitiert wurde - und dann gleich in einem Atemzug mit Dürrenmatt.


    Ansonsten habe ich noch den einen Satz beizutragen, den ich aus dem Französisch-Unterricht behalten habe:

    "Être vigneronne, ç'est son rêve." (Winzerin zu werden, ist ihr Traum.) Wenn das mal nicht nützlich ist.


    Gruß,

    F

    Wir hatten in Latein so ein blaues Buch Bin ich jetzt humanistischer?

    Auf jeden Fall, o lilia, äh lilu (lilu ist der Vokativ, nehme ich an?) - die blaue Bluse der Roma-ntik...

    Oha, und ich ungebildete Person dachte immer, es handele sich um eine blaue BLUME #stirn. Dabei habe ich doch selber eine blaue Bluse an. Jetzt begreife ich, warum ich heute so romantisch/humanistisch drauf bin ...


    Gruß,

    F

    Ich kann den Spaß total verstehen und finde es dennoch fürchterlich. Für mich stellt sich die Verbindung von Spaß zu einer Art - wer schrieb das oben? - "negativem Adrenalin" her, die ich für allgemein ungut halte bzw. einfach selber nicht aushalte.


    Meinem Sohn habe ich es inzwischen erlaubt. Mir war dabei wichtig, dass die Gruppe, mit der unterwegs war, eher harmonisch ist. Er ist sehr empfindlich, was Frontenbildung angeht, und ich sehe bei diesem Spiel durchaus großes Potential für Zwist.

    Mein Sohn fand's okay und hat alles mit Humor genommen, aber er hat Sachen erzählt, die mich wirklich, wirklich gestört haben. Z.B. spielten dort Gruppen gegeneinander. Mein Sohn erzählte, die andere Gruppe habe aus erwachsenen Männern bestanden, einer sei ihm durch besonderen Einsatz aufgefallen. Das gefällt mir nicht - erwachsene Männer spielen gegen Elfjährige auf diese Art? Zwei Kindergruppen gegeneinander - gerne. Und was bringt erwachsene Männer dazu, nachmittags zum Lasertag zu gehen und auf Elfjährige zu zielen?

    Ja, ich weiß, ich bin fürchterlich empfindlich. Das liegt an meinen eigenen Gefühlen, die sich nicht rational einfangen lassen.


    Den Besuch eines Geburtstags verbieten, würde mir allerdings schwerfallen. Mein Weg wäre, im Vorfeld ein ordentliches Gespräch mit dem eigenen Kind zu führen. Über Grenzen, Gefühle, Spiele, Realitäten und auch und vor allem über Gruppendynamik.


    Gruß,

    F

    Hab gesagt, es ist keine Lebensentscheidung, sie kann sowohl Latein als auch Französisch nebenbei immer noch lernen oder später. Ja aber dann würde sie die schönen Lerntechniken verpassen, die HerrXXX doch gesagt hat und die ihr auch in anderen Fächern helfen würden und die Grammatik würde sie schon gerne noch besser verstehen und dann könnte sie auch noch schönere Aufsätze schreiben.

    Hervorhebung von mir.


    In Deiner Erzählung fehlt der entscheidende Satz, nämlich: "Ich würde ja Französisch wählen, aber dann ..."

    Ohne den ergibt ihre Antwort nämlich keinen Sinn.


    Und noch einmal: Vieles, was Du für Latein annimmst, gilt für Französisch, eben WEIL es eine romanische Sprache ist.

    Das mit den Aufsätzen ist totaler Unsinn - die ersten Jahre übersetzt man im Lateinunterricht Sätze wie "Markus rennt, Cornelia rennt auch, Markus gewinnt, Cornelia ist traurig." Es dauert Jahre (!), bis die Schönheit von Latein sich erschließt und damit auch theoretisch Einfluss nehmen könnte auf irgendein anderes Fach.

    Bitte verabschiedet Euch beide von dieser Idee!

    Latein hat schöne Seiten, Französisch hat schöne Seiten, aber die angeblichen Vorteile haben mehr mit dem Kind und der Lehrkraft zu tun als mit irgendeiner Sprache (siehe Niederländisch). Jede Beschäftigung mit Fremdsprachen kann schönere Aufsätze im Deutschen hervorbringen - und tut es auch.


    Gruß,

    F

    So hatte das Frisch definitiv nicht vorgeschlagen.

    Puh, danke. Ich hatte schon Sorge, dass ich ab jetzt im Forum diejenige bin, die immer den Müttern vorschlägt, ihre Kinder zu manipulieren ...


    Ich würde mich aber auch freuen, wenn wir hier jetzt weiterhin konstruktiv bleiben. Es wäre schön, wenn Aury aus der Situation etwas mitnehmen kann, statt sich am Ende hier zurückzuziehen, oder?


    Gruß,

    F

    Oha, ich möchte gerne klarstellen, dass mein Vorschlag SO nicht gedacht war. Ich fühle mich jetzt ziemlich mies.


    Ich hatte es mir sehr achtsam und gemeinsam vorgestellt, ein Erforschen der Gefühle. Hier hilft es manchmal zu sagen: Dann entscheide ich eben, wenn es so schwer ist, und dann findet man dadurch eine neue Gesprächsebene.


    Ich habe nach wie vor Verständnis für Deinen inneren Konflikt, Aury . Aber für Deine Tochter war das alles viel, viel schwerer, fürchte ich. Gut, dass Ihr nun zu einer Entscheidung gekommen seid. Mehr möchte ich nicht sagen.


    Gruß,

    F

    Neinnein, es ist nicht nur das Leben des Kindes betroffen bei der Sprachwahl ...#cool


    Mein Sohn hat sich ja für Französisch entschieden, das ich selber nur schlecht spreche. Die ganze Familie lauert nur darauf, dass er endlich genug Französisch kann, um für uns in Frankreich das Essen zu bestellen. Mein Mann sagt jedes Jahr bei der Urlaubsplanung: "In ein paar Jahren können wir endlich nach Frankreich." :D


    Darf ich mal anmerken, dass ich manche von Euch ganz schön hart finde hier? Aury schreibt ihre Gedanken und Gefühle auf, sie ringt damit. Das mag der einen oder anderen lächerlich vorkommen, aber wenn sie wirklich ihr Kind entscheiden lassen möchte, dann muss sie ihre Überlegungen doch irgendwo lassen können. Nur weil sie auf Seite 3 noch nicht überzeugt war, obwohl manche fanden, es sei alles gesagt... Manchmal bringen solche Entscheidungs-Situationen etwas zutage, das bewältigt werden muss. Das wirkt dann wie ein nichtiger Anlass, ist aber eine Riesenchance. Lasst doch Aury einfach Zeit, alles wirken zu lassen und diese Chance für sich und ihre Tochter zu nutzen.

    Denn das, was der Verstand begreift (durch gute Argumente z.B.), muss noch lange keinen Rückhalt im Gefühl haben. Und das Gefühl ist stärker. Es braucht Zeit, ein Gefühl neu zu prüfen und ggf. zu ändern.


    Gruß,

    F

    Hast Du denn mal versucht, ganz offen und ehrlich mit Deiner Tochter zu sprechen? Oder würde sie das noch tiefer in Konflikte führen?


    Als bei uns die Entscheidung anstand, habe ich sehr gehadert. Wie ich weiter oben schon schrieb, habe ich selbst Latein geradezu glorifiziert, und ich musste erstmal verstehen, warum. Ich habe dann mit meinem Sohn sehr offen geredet und ihm erzählt, wie es sich für mich darstellt. Damit er die Botschaften, die ich unbewusst an ihn aussende, einordnen kann.

    Ich habe z.B. so Sätze gesagt wie: Natürlich ist Französisch AUCH sehr schön. Da hört man ja sofort, dass es zweitklassig ist, oder?


    Eine andere Möglichkeit ist die, dass Du einfach entscheidest, und ihr dann gemeinsam aufmerksam wahrnehmt, wie Deine Tochter sich damit fühlt. Du sagst z.B: Latein. Wenn sie dann eine Enttäuschung fühlt, eine Angst oder ein "Menno"-Gefühl, dann schwenkt um. Wenn sie Erleichterung oder gar Vorfreude fühlt, dann ist es richtig, dann bleibt dabei.


    Interessant finde ich, dass es viel Argumente für Latein gibt, die hier entkräftet werden, aber es gibt wenige FÜR Französisch. Ich glaube, das fehlt Dir. Ich will hier nicht zu lang schreiben, das nervt mich ja immer selbst, aber es gibt zahlreiche Argumente für Französisch, und zu weiten Teilen sind sie deckungsgleich mit denen für Latein (romanische Sprache z.B., Fremdwörter, komplizierte Grammatik, wichtige historische Grundlagen für das Verständnis von Europa, Aufklärung, EU, Knobeleien beim Herleiten der Wörter und Schreibweisen u.ä.).

    Würde es Dir helfen, wenn wir hier die Vorteile von Französisch noch ein bisschen mehr betonten? Der Unterricht ähnelt hier tatsächlich dem Englischunterricht, aber das hat v.a. mit der Lehrkraft zu tun. Der Lateinunterricht in den ersten Jahren funktioniert ganz genauso: Vokabeln lernen, kleine, künstliche Texte übersetzen, die mit dem Alltag zu tun haben, nebenbei thematisieren von Kultur.


    Gruß,

    F

    Ich finde, Du klingst schon viel klarer, Aury. Am Ende geht es in diesem Strang nämlich darum, dass Du Dich so sortiert bekommst, dass Du Deine Tochter gut unterstützen kannst.


    Übrigens glaube ich nicht, dass Kinder in dem Alter nicht abschätzen können, was sie wollen. Sie können zwar nicht die Tragweite ihrer Entscheidung in dieser Gesellschaft sehen, aber die Faktoren, die ihnen beim Lernen helfen, die kennen sie inzwischen sehr gut.

    Sie wissen z.B., ob die Lehrkraft oder die Peer-Group besonders wichtig für sie sind. Oder ob es irgendeine - egal wie unsinnig erscheinende - Verbindung zum Stoff gibt (Römer sind toll, ich mag Brigitte Bardot, meine Lieblingscousine hat Französisch und findet es gut).


    Das schlechteste Argument für die Wahl eines Fachs in der Schule wie auch im Studium oder der Ausbildung ist immer: meine Eltern wollten es so. Das führt beinahe unweigerlich zu Frust, weil die Abnabelung ja auch eine der Hauptaufgaben ist in dieser Zeit.


    Wenn dieser Strang Dir also hilft, Dich noch weiter aus der Entscheidung rauszuziehen, dann ist es gut. Denn das, was die Leute hier schreiben, sind gute und belastbare Erfahrungen. Es ist wirklich egal! Wo Interesse ist, wird Bildung sich einen Weg suchen. Und das Interesse kommt oft aus einer anderen Ecke als die Eltern vermuten.


    Gruß,

    F

    Das diese Entscheidung so schwer sein kann, hat meiner Meinung nach wirklich mit dem "Zauber" zu tun, der mit Latein verbunden wird. Ich frage mich, ob das ein typisch westdeutsches Problem ist ...


    Wenn man - unbewusst oder bewusst - glaubt, dass Latein die Eintrittskarte in die höhere Bildung ist, das Kind in anderen Fächern entlastet und dafür sorgt, dass Lernen an sich kein Problem mehr darstellt, und dass sich durch Latein automatisch ein größeres Verständnis für die Zusammenhänge der Welt einstellt, ist es sauschwer, dem Kind die Entscheidung zu überlassen.

    Wenn man dann auch noch denkt, Französisch sei austauschbar und könnte genauso gut auch Spanisch oder Dänisch sein, dann IST es schwer, dem Kind die Entscheidung zu überlassen. Und dann braucht es manchmal 21 Seiten dafür.


    Aber dieser Latein-Zauber ist eine Lüge, die aus vergangener Zeit stammt. Mein Vater ist Lateinlehrer geworden, weil man ihm sagte, nur mit einer alten Sprache als Lehrfach könne er jemals Rektor am Gymnasium werden. Diese Zeit gab es tatsächlich! So stark war Latein/Altgriechisch mit der Idee von Bildung und Überlegenheit verbunden.


    Nicht falsch verstehen: Ich liebe Latein mit jeder Faser meines Körpers. Aber das hat nichts mit der Schule zu tun. Es ist einfach ein Interesse und eine Neigung, genau wie die für Ponys oder Musik. Es ist also umgekehrt: Nicht Latein macht, dass man Grammatik gut kann, sondern man interessiert sich für Grammatik, deshalb mag man Latein (und was man mag, kann man meistens gut).

    Mein Sohn liebt übrigens Englisch und Französisch. Er ist fasziniert von der Möglichkeit, sich in einer anderen Sprache auszudrücken. Und er liebt es, andere Kulturen kennenzulernen.


    Gruß,

    F