Beiträge von casa

    Diese Vorurteile!

    Allerdings. Ich hatte auch noch irgendwie im Kopf, daß AC/DC Antichrist/Deadchrist bedeutet, aber J. sagte, das stimme nicht, und bei Wikipedia steht tatsächlich, es heißt Gleichstrom/Wechselstrom. Wieder was gelernt.


    E. grölt das Lied jetzt auch und ist ganz begeistert von der Bühnendeko in einem Video, wo eine Lokomotive Feuer spukt und die Leute im Publikum rot blinkende Hörnchen hochhalten. :diablo:


    #kreischen

    J. macht mich seit Tagen verrückt, weil er das Lied "Ti-emm-ti" sucht. Mehr vom Text als "ti-emm-ti" weiß er nicht, und eine singbare Melodie hat das Lied seiner Aussage nach keine, nur Rhythmus.

    Er hat es aus dem Musikunterricht, 4. Klasse Waldorfschule.

    Ich hab bei den Morgenliedern, den Jahreskreisliedern, den Quintenliedern, beim Orffsches Klangerleben gesucht... - nichts.


    Vorhin komme ich heim, Kind strahlt mich an: der Casamann hat das Lied im Computer gefunden!


    Es war T.N.T. von AC/DC.

    Ich hab morgen ein Gespräch mit einer Frau, die semiprofessionell mit Kindern arbeitet und diese gerne mal mit erhobener Stimme und drastischer Wortwahl zur Schnecke macht. Sie begründet das mit dem "unmöglichen Verhalten" der Kinder und daß sie dann nicht anders kann.

    Ehrlich, da hab ich schon auch den (hohen? zu hohen?) Anspruch, daß sie sich ein bißchen am Riemen reißt.


    Ich möchte nicht, daß Kinder sich daran gewöhnen und es für "normal" halten, daß so mit ihnen umgegangen wird.

    Blasiert sind sie nicht. Ein bißchen etepetete schon. Wir haben verschiedene Grafikdesigner:innen aufgesucht und da haben sie sich dann im Anschluß schon auch über deren Büros unterhalten, wie aufgeräumt und stilvoll die einen waren, während bei einem anderen - Homeoffice - im Nebenzimmer aufgehängte Wäsche zu sehen war.


    Aber das ist nicht das Thema.

    Ich denke immer noch darüber nach, warum einige "im Dreieck springen" und "ausflippen" würden, wenn ihr Mann sie leise grummelnd Zicke nennt, aber sich so wenig in ein Kind reinfühlen können oder wollen, das traurig ist und weint, wenn seine Mutter es über einen Zeitraum von über einer Stunde abwechselnd ignoriert, abwimmelt, zwingt und unterdrückt genervt bis herablassend bevormundet.


    Klar kann das vorkommen und macht mich nicht zur schlechten Mutter. Aber auch ein "Zicke" macht einen Mann nicht zum Übeltäter. Und das Kind hat doch ein Recht darauf, dann traurig zu sein. Genau wie ich das Recht habe, sauer zu werden und aus dem Auto auszusteigen, wenn mein Mann sowas sagt. Das Kind kann halt nicht weg, es ist abhängig von mir. Und es ist meine Verantwortung, diese Abhängigkeit nicht auszunutzen.


    So, wie ich gestern mit E. umgegangen bin, würde ich nie mit einer Freundin umgehen, die sich exakt so verhalten würde, wie er es gestern getan hat (vor dem Weinen). Also zum Beispiel eine Freundin, die bei mir übernachtet. Schon wenn sie morgens müde und zerzaust in die Küche käme und für sie nichts zu trinken da wäre, würde ich mindestens Guten Morgen sagen und mein Bedauern ausdrücken, daß sie jetzt kaltes Wasser trinken muß. Und zwar egal wie es mir gerade geht. Das ist einfach Anstand, Höflichkeit, Freundlichkeit.

    Erst recht, wenn sie mir im Supermarkt einen Vorschlag macht. Selbst wenn ich den Vorschlag ablehne, ist es mir mindestens Blickkontakt und einen halbwegs freundlichen Satz wert.

    Oder wenn sie einen Wunsch äußert. Selbst wenn ich den Wunsch nicht erfüllen kann oder will, äußere ich das mit einer wohlwollenden Haltung und Stimme.

    Warum nicht, wenn es (m)ein Kind ist?

    Ja, spannend, wie unterschiedlich das ist.


    Wobei E. wirklich nicht wegen der Schokolade geheult hat, das stimmt einfach nicht. Und selbst wenn, ich meine, solche Situationen gibt es halt. Ich finde es im Nachhinein blöd, daß ich nochmal rein bin und das Dings gekauft habe. Das war überhaupt nicht das, was er gebraucht hat in dem Moment. Er hätte mich gebraucht, ihm zugewandt. Und Klarheit. Orientierung. Nicht dieses diffuse, hektische Rumgerenne.


    Und ich bin echt sowas von privilegiert: ich hab nur zwei Kinder, nicht vier oder fünf. Sie sind in einem Alter und auch von der Persönlichkeit her so, daß sie sehr gut kooperieren können und das bis zu einem gewissen Grad auch gerne tun. Mein Mann nennt mich vielleicht mal Zicke, macht aber zusammengenommen mehr im Haushalt und mit den Kindern als ich. Wir arbeiten beide nicht superviel, meine Arbeitszeiten sind flexibel, und wir wohnen so, daß die Kinder auch gut mal ohne uns daheim sein können. Das alles sind Voraussetzungen, die es uns leicht machen, entspannt und freundlich zu sein.

    Ich bin keine alleinerziehende, vollberufstätige Kleinkindmutter mit Baby im Tragetuch, die morgens tausend Sachen zu managen hat.

    Ich versuche auch immer, morgens den Tag schön zu haben, grad der Morgen, so wichtig für uns!

    Ja, das ist mir auch total wichtig. Vor allem für mich selber.

    Ach, dein Mann und sein Rumstehen...

    Das ist doch super.

    Stell Dir vor, er würde auch noch Haare raufend um Dich rumtanzen und Stress verbreiten. Bevor er auch noch Deine Pläne durchkreuzt, macht er lieber nix

    Ja, eigentlich super. :D


    Der Tag heute war echt zum Wegschmeißen.


    Die Vorstandssitzung war unglaublich zäh und öde. Mir ist auch noch aufgefallen, was mich so arg daran gestreßt hat - und DAS ist dann auch in meinen Augen wirklich ein zu hoher bzw. falscher Anspruch: daß ich es diesen reizenden, älteren Damen so gerne recht machen will, wie sie es in ihrer schwäbischen Tradition gewohnt sind.


    Bei der Art, wie wir hier hausen, ist das ein enormer Aufwand. Es reicht halt nicht, vor so einem Anlaß einmal kurz durchs Bad zu wischen, wenn auf der Ablage ein kunstvoller Turm aus ca. 50 leeren Klorollen aufgebaut ist, Schleichtiere im Waschbecken wohnen und kein kleines Gästehandtuch aufzutreiben ist, das 1. sauber, 2. halbwegs ansehnlich (also nicht zerfranst oder geflickt) ist und 3. noch ein Aufhängebändel hat. Und in der Küche mußte ich eine angefressene Birne aus der Obstschale nehmen, die Fensterbänke mitsamt Bastelkram entstauben, vier Gläser polieren (die haben sonst immer Wasserflecken), vier vorzeigbare Teetassen zusammensuchen (andere Leute haben sowas fix und fertig im Schrank stehen und müssen es nur rausholen...).

    Und dann habe ich ewig meine gute Teekanne gesucht und nicht gefunden. Später stellte sich heraus: sie war im Kuhstall bei den Nachbarn. Die Kinder hatten gestern festgestellt, daß die Tränke dort nicht funktionierte, und haben mit meiner besten und einzigen guten Teekanne der Kuh Wasser gegeben! (Ist ja nicht so, daß wir keine Gießkannen hätten...)

    Und, und, und...


    Ich fühl mich dann anfallsartig irgendwie falsch und verlottert und möchte es den Damen doch gerne schön machen. Und scheitere grandios, denn kaum habe ich das eine Fettnäpfchen entschärft, entdecke ich zwei weitere.


    Naja, jedenfalls habe ich später am Nachmittag ein nettes Treffen mit einer anderen Initiative gehabt: fünf tolle, spannende Frauen. Wir haben gut gearbeitet und viel gelacht. Und die Kinder hatten es ohne mich daheim super, haben gebastelt und draußen gespielt.


    Vorhin hatten mein Mann und ich dann noch ein Gespräch. Das mit der "Zicke" fand ich voll daneben. Und er findet es halt unnötig und nervig, wenn ich so rumflippe wie heute Morgen.


    So what, morgen ist ein neuer Tag.

    Jeden Morgen mit den Kindern über ihre Träume reden?

    Nein, so nicht. Aber ich gucke schon, daß es morgens auch (nicht nur, aber auch) Raum gibt für die Belange der Kinder. Es ist doch auch ihr Zuhause.


    Und auch wenn Ihr meint, es sind zu hohe Ansprüche, aber es schockt mich immer noch, daß ich mir Gedanken drum mache, ob die Vorstandsdamen pikiert sind, wenn ich keinen selbstgebackenen Kuchen anbiete, aber mein eigenes Kind übergehe ich mehrmals, ignoriere es, und wenn es dann weint, brülle ich es auf offener Straße vor allen Leuten an und schmeiße Duplos durch die Gegend.

    Ja, ist kein Weltuntergang, aber so will ich nicht sein.

    Und klar bitte ich danach um Verzeihung.

    Und überlege mir, wo ich ansetzen kann, damit das nicht so schnell wieder vorkommt.

    Ich finde das keine hohen Ansprüche. Für mich hat das was mit Selbstfürsorge und mit Anstand zu tun.

    Natürlich habe ich E. nicht in den Kindi gebracht. Wir sind heimgegangen, E. hat sich ins Kinderzimmer verkrümelt, ich bin schnell zur Arbeit (viel zu spät, aber ich hab dann in einer Stunde weggeschafft, was ich sonst in zweien mache, und den Rest für morgen liegenlassen - das geht auch nur, weil meine Chefin so toll ist!). Als ich heim kam, hatte E. das Klo geputzt (und dabei das Badezimmer geflutet, aber er hat sein Bestes getan)

    Den Teil habe ich nicht verstanden, war E. dann alleine zuhause als du arbeiten warst?

    Nur kurz, muß gleich los zum nächsten Termin heute (es ist echt ein total voller, blöder Tag heute!):

    ja, E. ist oft daheim, wenn ich arbeite. Es sind nicht mal 200 Meter Fußweg zu meiner Arbeitsstelle, er kann dort anrufen und unser Mitbewohner ist oben im Haus in Hörweite und ansprechbar für ihn. Also kein Problem, ich hätte ihn auch gleich morgens daheim lassen können, als er sagte, daß er nicht in den Kindi will. Machen wir öfter so. Keine Ahnung, warum ich heute so darauf gepolt war, ihn da unbedingt gegen seinen Wunsch hinzubringen. #hammer

    Ich hätte schon ganz zu Anfang, beim Frühstück, E. mal feste in den Arm nehmen sollen.

    Und J. auch.

    Ich habe heute beide gar nicht gefragt, was sie geträumt haben und was in der Schule und im Kindergarten ansteht. Das ist sonst während des Frühstücks nämlich auch Thema. Nicht nur die Erwachsenenpläne.

    Und J. hat, glaub ich, gar kein Vesper mit. Ich habs jedenfalls nicht geschmiert, mein Mann auch nicht.


    Versteht mich nicht falsch, natürlich kann ein Kind auch selbst sein Vepser richten (machen sie auch oft genug) oder einen Vormittag ohne überleben. Und E. geht eigentlich gerne in den Kindergarten, er braucht morgens einfach Ruhe und Zeit zum Wachwerden - und das hatte er heute nicht, und darum war er auch so verletzlich und wackelig. Sein fröhliches Gesinge und Gehüpfe ist bei ihm immer so ein Ausgleich - er versucht dann, die Stimmung aufzuhellen. Was ganz klar nicht sein Job ist!

    Das hätte ich früher wahrnehmen und ihm abnehmen müssen.


    Ich fühle mich deshalb nicht als schlechte Mutter oder so, aber ich merke an solchen Tagen deutlich, daß es mit meiner Geduld und meiner rabigen Haltung nicht weit her ist, wenn ich selber im Streß bin. Ich muß schon aktiv was dafür tun, daß es mir gut geht, daß ich ausgeglichen bin. Sonst kippt die Familienstimmung innerhalb von einer halben Stunde.


    Von meinem Mann wünsche ich mir eigentlich, daß er das dann auffängt. Kann er halt auch nicht immer. Heute jedenfalls nicht. Er kam dann auch zu spät zu seiner Arbeit, was widerum sein Kind (er arbeitet als Schulbegleiter) total verunsichert hat (das Kind ist autistisch, da ist eine Verspätung eine kleine Katastrophe). Das hat gleich einen Rattenschwanz an Folgen.


    Ist blöd, kommt vor, that´s life.

    Julchen86 ja, so war es.

    Im Grunde war es mein Streß, und dann lief es zwischen meinem Mann und mir schräg.

    Und E. hat es abgekriegt.

    Den hab ich nämlich mehrmals völlig übersehen oder versucht auszutricksen.

    Und dann hab ich wie ein trotziges Kind Duplos auf die Straße geschmissen.

    E. selbst hat echt nichts gemacht außer seinen Wunsch (daheimbleiben zu dürfen) geäußert und mir Vorschläge zu machen (Duplos für die Vorstandsdamen).

    Geweint hat er, weil ich so schroff zu ihm war und weil alles durcheinanderging.


    Ich hab das hier übrigens nicht zur Selbstzerfleischung aufgeschrieben, sondern zur Selbstberuhigung.

    Bin nämlich immer noch sauer auf meinen Mann.

    Wenn ich sowas dann aufschreibe, sehe ich, wie banal es ist, und komme aus dem Streßgefühl heraus.

    Nochmal zu Bibi und Tina: ich kenne das nicht, meine Kinder auch nicht, aber ich bin sicher: das nützt doch nichts, auch wenn Jungs zwei Heldinnen kennen. Davon wird es doch nicht feministisch, wenn sich die Mädels pantomimisch vor der Handfläche die Lippen nachziehen und ein Junge singt "Naaaa, bißchen Schminki-Schminki mache?" und alle im Publikum lachen?


    "Schminki-Schminki mache", ehrlich. Ich kann mir keinen Kontext denken, in dem das feministisch gedeutet werden kann.

    Liebe Raben,

    ich bin grad so alle, daß ich nicht mal mehr den Jammer-Thread finde. #heul


    Vor Kurzem haben mir hier einige von Euch geschrieben, ich hätte so eine warmherzige Ausstrahlung, und in einem Beitrag fiel das Wort "Güte". Und heute Morgen stand ich im Supermarkt an der Kasse, dachte daran und konnte nur grimmig fies darüber lachen. Aber von vorne:


    Heute früh um 6.30 Uhr ist mir eingefallen, daß heute Mittag ja ein Vereinsvorstandstreffen ist, und zwar bei mir. Das Wohnzimmer ssah aus wie immer, d.h. da kann das Treffen nicht stattfinden. Also habe ich noch vor dem Frühstück schnell den Küchenboden gewischt.

    Dann kam das Gastkind, das immer montags bei uns frühstückt und dann mit J. zum Bus geht.

    J. stand auf, hatte aber grottenschlechte Laune.

    E. stand auf und jammerte, weil kein Saft mehr da war. Milch war auch alle.


    Casamann verkündete, er müsse heute ausnahmsweise schon um 8.30 Uhr zur Arbeit.

    Hin und her, wer wie lange arbeiten muß, wer wann einkauft, wer kocht (ich: "Niemand kocht! Ich mache jetzt hier sauber, backe mittags den Kuchen, die kommen um 14 Uhr, und vorher betritt niemand außer mir diese Küche!"), dann der Plan: Casamann und ich bringen E. mit dem Auto in den Kindi, kaufen schnell ein, dann fährt mein Mann zur Arbeit und ich laufe zu meiner Arbeit.


    Perfekter Plan, aber E.: "Aber ich geh heut nicht in den Kindi. Ich hab keine Lust."


    Ich hab das ignoriert (großer Fehler, sowas rächt sich!), weil das Telefon klingelte. Eine Mutter, deren Kind schon zum Bus los war, ob ich ihrem Kind bitte sagen kann, daß es nach der Schule nicht heim, sondern nach M. fahren muß. Ich also angezogen, mit J. und dem Gastkind zum Bus, habe die Botschaft ausgerichtet, hetzte zurück und ging selbstverständlich davon aus, daß Mann und Kind fertig angezogen auf mich warten (und idealerweise auch die Küche gemacht haben...)


    Nix. Casamann rasierte sich, E. hüpfte auf dem Sofa herum und sang "Die Räuber von Toulouse".

    Küche sah immer noch aus wie Sau, und jemand (vermutlich E.) hatte neben das Klo gepieselt. Es roch bis in den Flur.


    Ich habe tief geatmet und die beiden ein bißchen gescheucht (noch immer fast "gütig" im Ton, wenn man so will).

    E. erklärte noch einmal, daß er daheim bleiben und malen wolle. Nickend habe ich ihm seine Jacke hingehalten: "Dann geh jetzt mit zum Einkaufen und danach besprechen wir das" (denkend: wenn er erstmal aus dem Haus ist, kommt er in die Spur... - zweiter großer Fehler!)


    Im Supermarkt bekam E. schlagartig allerbeste Laune und zwitscherte in den Gängen herum. Ich beschloß, für die Vorstandssitzung keinen Kuchen mehr zu backen (zu viel Streß) und stattdessen Kekse zu kaufen, rannte also in den Süßigkeitenbereich, E. wie ein Flummi hinterher, reichte mir strahlend eine Großpackung Duplo: "Die! Die nehmen wir für deinen Besuch, Mama! Die sind superlecker!" :D

    Ich schüttelte nur kurz den Kopf, murmelte "Ne, lieber Kekse" und eilte mit den Keksen zur Kasse.


    Mein Mann stand rum. Immer wenn ich hektisch werde, fängt er an rumzustehen. Das ist so ein Muster zwischen uns, ein ganz blödes, aber nicht wirklich schlimmes. Ist halt unpraktisch für mich, aber naja. Einer muß ja die Ruhe bewahren, gell. Ich "weiß", daß ich dann einfach runterfahren muß, dann taut er wieder auf. Aber irgendwie, ich weiß auch nicht. Ich hab halt schnell, schnell noch ein paar Sachen eingesammelt und bin dann zur Kasse.


    Als ich bezahlte, merkte ich, daß E. fehlte. Er war bei den Süßigkeiten zusammengebrochen. Mann stand immer noch rum, also bat ich ihn, die Einkäufe einzupacken, und gab ihm dafür meine Handtasche mit dem Geldbeutel. Zwei Euro nahm ich vorher raus, ging zurück zu E., beruhigte ihn und ging mit ihm zum Süßi-Regal vor der Kasse: er dürfe sich ein Duplo hier nehmen, und ein zweites für J. mitnehmen.

    E. nickte, aber traurig.


    Dann kam der Moment, wo ich an das Forum und an meine "Güte" dachte. Ich stand also mit E. ein zweites Mal in der Schlange vor der Kasse und spürte, wie meine Güte schwand. Mehr als ein bitteres Grinsen brachte ich nicht zustande. "Wenn die wüßten", dachte ich (also ihr, die Raben), "wenn die wüßten, wie ich wirklich bin..."

    Ich war nämlich mittlerweile richtig sauer, und leider vor allem sauer auf E., der mit zwei Duplos in der Hand nicht glücklich war, weil er die Großpackung haben wollte.


    Vor dem Supermarkt stand mein Mann, gemütlich im Gespräch mit irgendwem, und neben ihm auf dem Boden meine Handtasche, die er mit den Einkäufen gefüllt hatte. Also den Einkauf in die Handtasche reingestopft. Ich grollend mit der Handtasche zum Auto und habe umgepackt, E. saß - inzwischend heulend wie ein Wolf, so sirenenartig, wie nur ein vollkommen mißachtetes und im Herzen verkanntes Kind heulen kann - im Auto drin, und Casamann motzte "Was hatter denn?"


    Ich ins Auto, Tür zugeknallt. Casamann losgefahren. Blick auf die Uhr: 8.22 Uhr, sein Arbeitsbeginn in 8 Minuten, und ich dachte, er müsse ja noch die Einkäufe nachhause bringen, damit ich nach meiner Arbeit den Kuchen backen kann (hatte vergessen, daß ich ja keinen Kuchen mehr backen wollte und auch gar keine Zutaten dafür eingekauft hatte...)


    Casamann motzte vor sich hin ("Zicke", wen auch immer er damit meinte...). E. jaulte in höchsten Tönen.

    Ich: "Halt an, E. und ich gehen zu Fuß."


    Ich im Sturmschritt zurück, E. nebenhergehoppelt.

    Ich habe die beiden Duplos auf die Straße geschmissen, bin nochmal in den Supermarkt rein und habe die Großpackung gekauft.

    Vor dem Supermarkt saß E. auf dem Boden, ein Häuflein Elend.

    Und ehrlich, am Liebsten hätte ich ihm diese beschissene Großpackung Duplo vor die Füße geworfen und ihn angebrüllt. Ich war kurz davor, echt.


    Aber dann setzte Gottseidank mein Raben-Bewußtsein wieder ein oder es ertönte eine innere Kloeter-Klingel oder irgendsowas, jedenfalls setzte ich mich neben E. auf den Boden, nahm ihn in den Arm und sagte: "Ach Scheiße."


    Und E.: "Ja. Ist schon okay, Mama."


    Das macht mich immer fertig, Leute, wenn die Kinder dann so schnell verzeihen und so völlig bereit sind, wieder Frieden zu schließen. #crying


    Naja, wir haben dann zusammen ein Duplo gegessen - eins der beiden, die ich auf die Straße geworfen hatte. E. hatte sie, während ich im Laden war, wieder aufgehoben. Und ich mußte die ganze Zeit dran denken, was wäre, wenn er da auf der Straße überfahren worden wäre. Wegen zwei Duplos.

    Solche Gedanken sind Quatsch, ich weiß, aber manchmal denkt es so in mir.

    Und ich hab an Runa gedacht, wie sie mit dem Muk bei Mecces Pommes und Eis ißt….

    Und was ich für einen bescheuerten Rappel veranstalte an einem Montagmorgen, anstatt dankbar zu sein für dieses wundervolle Kind und das andere wundervolle Kind und den wundervollen Casamann.


    Natürlich habe ich E. nicht in den Kindi gebracht. Wir sind heimgegangen, E. hat sich ins Kinderzimmer verkrümelt, ich bin schnell zur Arbeit (viel zu spät, aber ich hab dann in einer Stunde weggeschafft, was ich sonst in zweien mache, und den Rest für morgen liegenlassen - das geht auch nur, weil meine Chefin so toll ist!). Als ich heim kam, hatte E. das Klo geputzt (und dabei das Badezimmer geflutet, aber er hat sein Bestes getan) #wisch

    Und jetzt - die Großpackung Duplos liegt im Küchenschrank, E. malt im Kinderzimmer und ich schreibe hier bei den Raben. Das tut gut.


    Jetzt geht's mir besser. Jetzt räum ich die Küche auf und bereite die Vorstandssitzung vor.

    Heute beim Kinder- und Jugendkonzert der Stadtkapelle:

    • Alle Mädchen der Musik-Kids (3 bis 6 Jahre) waren als Hexen, alle Jungs als Feuerwehrmänner gekleidet.
    • "Wir danken allen Helfern an der Kuchentheke..." (ausnahmslos Frauen)
    • Und dann gab es einen "Rap-Battle" mit dem Titel "Jungs gegen Mädchen, Mädchen gegen Jungs" - inhaltlich ein Klischee nach dem andern - und ganz viele Kinder im Publikum haben das mitgegrölt, den ganzen Text auswendig! Und die Mütter alle so begeistert und verständnislos, daß ich das nicht toll fand: "Wieso denn? Die Mädels kontern doch, die lassen sich nichts sagen, die sind halt emanzipiert, ohne verbissen zu sein..."