Beiträge von casa

    Ich murmle beim Stricken so halblaut vor mich hin: "Mist, da ist mir doch jetzt irgendwie ne Masche runtergefallen..."

    E. schmeißt sich vor mir auf den Boden und rutscht unter meinem Stuhl herum: "Warte, Mama, ich such sie dir..."

    BetreuerInnen ist ja auch ein Überbegriff für alle in der Kita arbeitenden Personen (Ungelernte HelferInnen, KinderpflegerInnen, ErzieherInnen, KindheitspädagogInnen und was es sonst noch so gibt) das finde ich total in Ordnung und würde mich auch nicht beschweren

    Hm ja, könnte aber sein, daß sich dann auch die eine oder andere in ihrer Qualifikation nicht gesehen fühlt? Also wenn ich zur Leitung ebenso "Betreuerin" sage wie zur Praktikantin?

    Ich weiß tatsächlich gar nicht, welche Ausbildungen die jeweils haben. Dem Kind ist das eh egal.

    Was ist denn an Kindergärterin und Kindergärter schlimm?


    Ich mag die Bezeichnung sehr gern. Gärtner hegen und pflegen, ziehen groß, begleiten beim wachsen usw. Ich find das klingt liebevoll

    Nach Kindern die Kinder sein dürfen. Nach lachen und spielen und glücklicher Zeit. Nach Kindergarten!


    Erzieherin und Erzieher hingegen klingt streng. Nach verboten und strengen Regeln und gehorchen müssen und anpassen und viel Autorität. Nach still und funktionieren und perfekter Vorbereitung zu einstimmigen "Jawohl Frau Lehrerin!"

    Das wollte ich auch gerade fragen. Diese Assoziationen habe ich nämlich auch.


    Eine Kindergärtnerinnen darf nur im Kindergarten arbeiten, heute vielleicht vergleichbar mit der Kinderpfleger*in. Ich bin Erzieherin, kann mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Behinderten (jeden Alters) arbeiten. Die Kindergärtnerin ist nur ein kleiner Teilaspekt dessen, was ich gelernt habe und wer mich Kindergärtnerin nennt, erkennt alles andere was ich gelernt habe (übrigens schulisch, also auch noch selbst finanziert, nicht wie viele andere Ausbildungsberufe bezahlt) nicht an.

    Das wußte ich nicht. Danke für die Erklärung.


    Wir sagen hier "Betreuerinnen" zu den Frauen, die im Kindergarten arbeiten. Hat sich noch keine beschwert.

    E.: "Ist das Rote Kreuz eine Weltmeisterschaft?"


    (Wir haben es zu dritt nicht geschafft, herauszubekommen, was die Frage soll. Und E. wurde immer genervter.

    Bis J. endlich einfach gesagt hat: "Ja.")

    das Forum ist voller beschwichtigungen, dass eben nicht alles geht, wenn man (kleine ) kindrr hst. Aber Arbeit geht ohne Einschränkungen?

    Damit hast Du es auf den Punkt gebracht, was mir seit 10 Seiten auf dem Herzen liegt (und ich glaube, das ist auch ungefähr das, was Trin die ganze Zeit sagen will?).

    Ich sagte:"Ich glaube, das war in einem Schnecken forum."

    Kind, nachdenklich: "Ich frage mich, wie die Schnecken das machen. Die haben doch gar keinen Computer!"

    J. mit seinen 9 Jahren (!) hat neulich im Naturkundemuseum vor den ausgestopften Kolkraben ernsthaft behauptet, diese Tiere könnten lesen und schreiben.

    Der Rest der Familie hat das verneint.

    J. schränkt ein: Na gut, die hier jetzt vielleicht nicht mehr, aber die draußen, die noch rumfliegen, die schon.

    Ich: Nein, die auch nicht. Wie kommst du denn auf sowas? #confused

    J., empört: Na, DU sagst doch immer "ach das hab ich bei den Raben gelesen..." #rabe

    E., in feierlichem Tonfall: "Ich schlage dich zum Ritter, zum Oberritter und zum Babysitter!"


    E. nach dem Jugendorchester-Auftritt zu J.: "Du warst der beste Trompeter!"


    Und J. hat einem Freund erklärt, was Globuli sind: "Die Kügelchen sind aus Zucker mit winzigen Pflanzenteilen verrührt. Die helfen dem Körper, die Krankheit zu vergessen."

    der Vater redet auch völligen Quark... sorry... aber ist es mal nicht interessant, wenn Männer sich mit Frauenproblemen rumschlagen müssen? Wenn jemand anfängt Teilzeit zu arbieiten, muss eben auch die Arbeit angepasst werden.

    Geb ihm doch mal den guten Tipp, dass er darüber mit seinem Chef redet

    Das finde ich zynisch.


    Diesen "Quark" höre ich auch von anderen, Frauen wie Männern, und habe es einmal selbst so erlebt in einem Angestelltenverhältnis als wissenschaftliche Hilfskraft, daß ich (damals auf Wunsch der Projektleitung, da Drittmittel gestrichen wurden) eigentlich Stunden reduziert, aber tatsächlich dann ziemlich viel in (unbezahlten!) Überstunden nachgearbeitet habe. Einfach weil ich das Pensum sonst nicht geschafft hätte und es mir schon ein Herzensanliegen war, das Projekt zu einem guten Ende zu bringen. (So viel zum Thema: für die Arbeit brennen... je mehr ich für was gebrannt habe, desto näher kam ich auch immer dem Ausbrennen...) Auf Dauer hat mir das nämlich gar nicht gut getan. (Und damals hatte ich noch nicht mal Kinder.)


    Meine Macht als Arbeitnehmerin bestand in diesem Fall darin, zu kündigen.


    Edit: Um ehrlich zu sein: Meine Macht als Arbeitnehmerin bestand in diesem Fall, zusammenzubrechen und zu kündigen. Und das kurz bevor ich in der Psychiatrie gelandet bin, d.h. ich war danach sog. "freiwillig krankenversichert" (zu horrenden Beträgen übrigens) und hatte damit keinen Anspruch auf Krankengeld.

    Kleinere Betriebe übernehmen auch gern mal Azubis in befristete Verträge, damit sie eine Weile qualifizierte und günstige Arbeitskräfte haben und damit diese danach auf dem Arbeitsmarkt besser weiterkommen (weil sie dann Berufserfahrung vorweisen können). Dauerhaft unbefristet übernehmen können sie diese nicht, weil zu teuer, zumal wenn die "Gefahr" besteht, daß so ein junger Mensch dann irgendwann auch noch ausfällt wegen Mutterschutz, Elternzeit etc. - das ist für kleine Betriebe schwer zu stemmen.


    (Und das liegt nicht daran, daß die Arbeitgebenden böse Menschen wären! Das System ist so.)

    casa in welchen Bereichen ist das denn so? Ich kenne in meinem Umfeld eigentlich nur Arbeitgeber, die es nicht darauf anlegen, ihre Angestellten kaputt zu spielen #weissnicht. Dafür sind die viel zu wertvoll.

    Natürlich legen die es nicht darauf an.

    Aber sie wissen, daß das möglich ist. Sie kalkulieren das Risiko mit ein, daß Mitarbeitende schlapp machen. Und tatsächlich kranken immer mehr Menschen an Burnout. Und dann ist es für Arbeitgebende blöd, wenn sie die weiter mit durchziehen und mitfinanzieren müssen.


    Das mit den befristeten Verträgen erlebe ich im akademischen Mittelfeld, an Unis und in Forschungseinrichtungen, in sog. Start-ups (weil die Existenzgründenden kein Risiko eingehen wollen / können), saisonal bedingte Stellen zum Beispiel in der Gastronomie und im Hotelgewerbe (wenn zu einer Jahreszeit mehr los ist als zu einer anderen), bei Projektverträgen im künstlerischen oder auch IT-Bereich (da dann gerne auch noch auf Honorarbasis, um Sozialabgeben zu sparen!) und ganz stark im sozialpädagogischen Bereich.


    Edit: ach und bei Lehrer*innen! Hier in Baden-Württemberg kriegen diejenigen, die nicht verbeamtet sind, gerne Verträge für jeweils ein Schuljahr, das von September bis Juni geht. Das heißt, sie müssen in den Ferien nicht bezahlt werden. (Und dann wundern sich alle über den Mangel an Lehrenden...)


    Nochmal Edit: Mein Mann (Lehrer i.R.) sagt grade, es werden neuerdings auch ausdrücklich ungern Lehrende in Teilzeit eingestellt. Das erschwere es, einen vernünftigen Stundenplan zu erstellen.

    100% Leistung sind für mich immer auf die anteilige Arbeit zu sehen. Eine Ärztin in Teilzeit arbeitet vielleicht nur an einem Tag in der Woche, macht ihren Job in der Zeit aber gut. Unabhängig vom Kind. Das ist für mich dann doch kein Leistungsabfall.

    Ich kenne eine Zahnärztin, die einer Praxis vorsteht und mehrere Angestellte beschäftigt. Sie hat nach der Geburt ihres dritten Kindes drei Monate lang "nur" zwei halbe Tage in der Praxis gearbeitet und das sicher gut gemacht. Dennoch ist das doch ein Leistungsabfall verglichen mit dem, was ihr vorher möglich war.

    Nach den drei Monaten ist sie wieder voll eingestiegen, um die Praxis am Laufen zu halten.

    Dafür hat ihr Mann seine Stelle auf Teilzeit reduziert - und er sagt, für ihn heißt Teilzeit leider, fast genau so viel Arbeit zu leisten, nur in der Hälfte der Zeit und für die halbe Bezahlung. Auch er bringt in seiner Arbeitszeit bestimmt 100% Einsatz, aber er sieht aus wie ein Gespenst und hat Augenringe wie ein Waschbär.

    Sorry, aber das ist doch Leistungsabfall?

    zumindest in meinem Beruf, wo man sich nicht einfach den nächsten holen kann, wenn einer kaputt gespielt ist. Es kommt also auch meinem AG zugute, wenn ich darauf achte, was ich leisten kann - und was auch nicht.

    Das ist, denke ich, die Ausnahme. In vielen Berufen sind wir als Arbeitnehmende austauschbar und bekommen eben die o.g. befristeten Verträge, damit "kaputtgespielte" unkompliziert ersetzt werden können.

    Ein Vertrag ist ein Vertrag - und da hat weder Rücksicht, Nachsicht noch sonst was zu suchen.

    Die Arbeitsverträge selbst sind zuallermeist nicht familienfreundlich.

    Das erste Kind ist für viele Frauen die gläserne Decke auf der Karriereleiter.

    Männer haben es noch schwerer, Arbeitsverträge zu bekommen, die familienkompatibel sind.

    Unbefristete Verträge werden immer seltener, befristete sind die Regel - aus genau dem Grund, daß jeder minimale Leistungsabfall dazu führen kann, daß der befristete Vertrag nicht verlängert wird und die Arbeitgebenden fein raus sind und die Stelle neu mit einer Person besetzen können, die voll leistungsfähig ist.

    Das macht Druck.

    Darunter leiden viele.

    Das sind unmenschliche Arbeitsbedingungen.

    Wo kommen denn die vielen müden, doppelt- und dreifachbelasteten, kranken Menschen her.


    Sicher gibt es auch welche, die wuppen das locker. Aber warum sollen die den Maßstab setzen für das, was leistbar sein soll und muß in einer Gesellschaft, die aus noch vielen anderen Menschen besteht, die vielleicht nicht so belastbar sind?


    Wenns hart auf hart kommt, stehe ich als Mutter zwischen den Interessen meiner Arbeitgeber*in und den Bedürfnissen meines Kindes. An genau dieser Stelle reiben sich viele auf. Warum soll es zwingend das Kind sein, das sich unterordnen und auf die Anforderungen des Arbeitsalltags Rücksicht nehmen muß?

    Den Begriff "Stilldemenz" finde ich auch unglücklich.


    Okay, eine Geburt und auch das Stillen sind körperliche Belastungen, die der Vater oder die nicht-leibliche Mutter so nicht zu tragen hat, und das schlaucht schon ziemlich.


    Aber wie Du, hanna sehe ich weniger die biologischen Aspekte, sondern mehr die soziale Elternschaft im Fokus.


    Allerdings liegt es meiner Ansicht nicht (oder nicht nur) im Ermessen einzelner Personen, inwieweit sie Job und Elternschaft gut vereinbaren können, sondern es ist auch ganz stark ein gesellschaftliches Problem. Fast alles hier wird daran gemessen, wie effektiv es ist und wieviel Profit es abwirft. Dem müssen sich viele andere Lebensbereiche unterordnen, der Kapitalismus funktioniert nur so.


    Und ich bleibe dabei: wer sich als Mutter oder Vater auf die spontanen Anforderungen des Familienalltags einlassen und im Bereich Familie 100% geben will, muß im Job zwangsläufig Abstriche machen (und vermutlich haben es da die Väter sogar schwerer, sich zu rechtfertigen).


    Individuelles Andersmachen-Wollen scheitert leider oft an den äußeren Strukturen oder an den verinnerlichten Normen. Es wird noch einige Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und über Generationen hinweg Auflösung von traditionellen Rollenbildern brauchen, bis das leichter wird.

    aber es hat doch keiner behauptet, dass es erstrebenswert ist, seine Kinder zu vergessen?

    Nein, das nicht, aber es gilt gesellschaftlich schon als erwünscht und erstrebenswert, daß jede*r im Job 100% leistet und zeitlich flexibel ist usw., und wenn wir das als oberste Priorität setzen, steht die Familie leider manchmal dahinter zurück.


    In dem genannten Beispiel, zu spät aus dem Büro zu hetzen und das Kind zu spät (oder nur noch mit dem Taxi eilend) abholen zu müssen, wäre ja auch denkbar, am Arbeitsplatz zu sagen: Tut mir leid, ich muß pünktlich weg, die Kita schließt gleich.


    Und da fehlt es meiner Meinung und Erfahrung nach an etlichen Arbeitsplätzen am Verständnis und an der Rücksichtnahme. Es wird erwartet, daß Familien ihren Alltag so organisieren, daß die Arbeit auf keinen Fall drunter leidet. Anstatt daß von Arbeitgeber*innen erwartet wird, die Arbeitsabläufe und -Zeiten so zu organisieren, daß die Familien der Arbeitnehmer*innen nicht darunter leiden.

    So nach dem Motto: "Wenn du die Prioritäten nur richtig setzt (nämlich bei der Arbeit) geht es auch, dort die erwarteten 100% zu leisten."

    Ja. Aber der Preis ist oft sehr hoch. Mir persönlich wäre er zu hoch. Und ich bin halt auch nicht so leistungsfähig und belastbar wie der Durchschnitt.

    Man könnte es ja auch so sehen, dass Elternschaft ein gesamtgesellschaftlich erwünschtes Modell ist und daher besonderen Schutz in der Arbeitswelt verdient?


    Und da gehört es schon dazu, auch zuzugeben: „ja, ich habe bestimmte Einbußen im Vergleich zu kinderlosen Berufstätigen!“

    Ja. So sehe ich das auch. Ich finde es haaresträubend, welche Flexibilität da oft gefordert wird und wie wenig familienfreundlich Arbeitszeiten und Meetings festgelegt werden.


    Ich finde es wichtig, daß Eltern das deutlich machen und auch einfordern, daß auf ihre Familiensituation Rücksicht genommen wird.


    In unserer Gruppe der Kandidierenden für die Kommunalwahlen haben drei Personen vor wenigen Wochen ein Baby bekommen, zwei Väter und eine Mutter. Alle drei haben darum gebeten, die Sitzungen zeitlich so zu legen, daß es für sie familienkompatibel ist. Und es ist allen in der Gruppe klar, daß so jemand dann nicht mit Baby im Tragetuch oder Kinderwagen 4 Stunden lang im Nieselregen am Infostand ausharren muß.


    In einer anderen ehrenamtlichen Gruppe ist eine Frau dabei, die wegen ihrer behinderten Tochter abends nicht wegkann. Nie. Die Tochter ist 15 und tickt komplett aus, wenn es dunkel wird und die Mutter nicht da ist, andere Bezugspersonen akzeptiert sie nicht. Die Mutter arbeitet tags als Lehrerin und richtet ihren Alltag so ein, daß sie abends immer daheim ist. Für uns als Gruppe ist es okay, unsere Treffen dann am späten Nachmittag oder frühen Abend abzuhalten, so daß sie dabei sein kann. In der Schule hat sie immer wieder Probleme, wenn Konferenzen auf die Abende gelegt werden und von ihr verlangt wird, daß sie daran teilnimmt.


    Ich denke, Rücksichtnahme auf Eltern und Familien sollte auch im Berufsleben angestrebt werden. Stattdessen wird von Eltern gefordert, daß sie sich zu 100% der beruflichen Struktur und den Erwartungen der Arbeitswelt anpassen, und die Kinder müssen dann funktionieren.

    Aber ich kann doch auch trotz Stillens und mehreren Kindern für meinen Beruf „brennen“ und die Prioritäten so setzen, dass ich weiterhin 100% im Job gebe, ggf zusätzlich noch Karriere mache.

    Ebenso kann es ohne Kinder sein, dass mich der Beruf auf Dauer langweilt, überfordert,... und ich immer unkonzentrierter werde, die Leistung abfällt.

    Seht ihr da wirklich den Zusammenhang mit euren Kindern?

    Ich sehe diesen Zusammenhang _für mich_ so, ja.

    Das ist sicher für jede* anders.


    Und: ich habe für meine Arbeit mit dem Schreiben wirklich gebrannt, wie Du es nennst. Die Zeit mit den Kindern hat, um im Bild zu bleiben, dieses "Feuer und Flamme" zwar gelöscht, aber: die Glut ist noch da! Ich schreibe jetzt wieder nebenher, für die Schublade, aber immerhin. Und wer weiß, ob ich nicht in fünf oder zehn Jahren nochmal damit durchstarte?