Beiträge von casa

    … wenn du ein wichtiges Treffen, das du selbst dringlich einberufen hast, einfach vergißt.

    Dich stattdessen endlich mit einer Tasse Tee aufs Sofa setzt und auch nicht aufstehst, als das Telefon klingelt.

    Und nichts kapierst, als das Kind dir den Hörer bringt und du eine deiner Verabredungspartnerinnen sagen hörst: "Wo bleibsch denn? Mir sind scho beim dritte Stückle Kuche!?"

    Und du sagst erstmal nichts, weil dir einfach nichts einfällt und du dich insgeheim nur fragst: wieso ruft die mich an und was redet sie da von Kuchen?

    Und als das Schweigen zu lange dauert, sagst du voll belämmert: "Was für Kuchen?"

    Und wirst gefragt: "Was hasch du denn im Tee?"

    Und antwortest ernsthaft: "Ingwer."


    #stirn

    Ich denke auch, daß es für die Kinder kein "Problem" sein wird.


    Aber für Dich ist es eins.

    Du schreibst einerseits, es sei "unwichtig", Du würdest ein "Drama" draus machen, an einer Stelle auch "blöd". Damit entwertest Du Deine Empfindungen.

    Denn andererseits ist es für Dich jetzt schon wichtig, zumindest so wichtig, daß es Dich ordentlich umtreibt.

    Ich denke, das gilt es erstmal so anzunehmen: es ist wichtig für mich.


    Und im zweiten Schritt lohnt es sich vielleicht hinzuschauen, warum es für Dich wichtig ist.

    Was ist das Gefühl dahinter?

    Hast Du Geschwister und wenn ja, wie sind Eure Beziehungen untereinander und zu Euren Eltern? Wie empfindest Du generell Gerechtigkeit, Vorteile und Benachteiligung?


    (Und vielleicht auch: was ist das in Dir, was Dich so kleinredet, wenn Du was fühlst? Wer sagt, "es gibt Wichtigeres" als das, was Du jetzt grade fühlst und was Dich beschäftigt? Wer sagt, Du machst ein Drama aus Unwichtigem? Woher kommt diese Stimme in Dir?)


    Könnte sein, wenn Du in diese Fragen für Dich innere Klarheit reinbringst, ist es äußerlich dann tatsächlich nicht mehr wichtig, für beide Kinder genau das gleiche zu geben und zu tun.

    E. legt mit den Buchstabenmagneten am Kühlschrank die Buchstabenfolge "GBDHK" und sagt zu J.: "Lies das mal laut, als wäre es ein Wort."

    J.: "GöBöDöHöKö"

    E.: "Aha. Und was bedeutet es?"

    J.: "Keine Ahnung. Wahrscheinlich Guten Morgen auf arabisch oder so."


    E. legt weiter: "AFINS"

    J: "Afins. Das sind kleine Äffchen."


    E. legt "YRWUM"

    J.: "Yrwum ist der Name von einem irren Wurm."


    (Ich hätte stundenlang zuhören können, aber leider kam E. dann auf die Idee, die Kühlschranktür zu öffnen und sich ein Wienerle zu stibitzen, und damit war das Spiel aus.)

    Mich nervt es grundsätzlich auch, wenn ich arbeite und die Kinder auf dem Sofa sitzen

    Bei uns sitzt dauernd irgendwer auf dem Sofa oder in der Sonne, während irgendwer anders irgendwas macht.


    Ich fände es schrecklich, wenn ich ein schlechtes Gewissen haben sollte, weil ich am Küchentisch Zeitung lese, während mein Mann kocht. Im Gegenteil, wir genießen das, im selben Raum unterschiedlichen Tätigkeiten nachzugehen. Oder halt auch mal nichts zu tun. Allein das in-einem-Raum sein schafft Nähe. Das hat was Friedliches.


    Ich kann doch dann nicht erwarten, daß der/die andere aufspringt und jetzt genau das tut, was ich tue? Oder was anderes tut, was ich erwarte?


    (Ausgenommen, es steht was Besonderes an und alle müssen zusammenhelfen, damit es noch - rechtzeitig - zu schaffen ist, aber das ist ja echt nicht so oft der Fall.)

    Also so, wie Du lebenspraktisch definierst, bin ich auch nicht. Und mein Mann auch nicht. Hier denkt niemand beim Wechseln eines Raumes drüber nach, ob was mitzunehmen ist. Wir laufen dafür x-mal hin und her. Durchs Waschbecken wische ich einmal in der Woche, wenn ich das Bad putze. Betten macht hier jede*r so, wie es grad paßt - manchmal mache ich mein Bett auch gar nicht. Oder schüttle es abends aus und lüfte vor dem Schlafengehen. Ich wäre nie im Leben auf die Idee gekommen, die Zeit zu stoppen, die einzelne Hausarbeiten dauern, oder Listen zu machen. Und ich hätte gar nicht so viel Platz im Kopf, den ganzen Tag über so strukturiert zu planen, oder diese Handgriffe sind bei mir halt nicht so "drin", daß ich sie automatisch mache. Und darum verlange _ich_ das auch nicht von anderen, seien es Erwachsene oder Kinder.

    So sind Menschen halt verschieden.


    Witzigerweise aber würde ich diesen Satz:

    Ich wünsche mir ein selbständiges selbstbewusstes Kind was sich im Alltag zurechtfindet.

    sofort unterschreiben.

    Ich würde es nur nicht am Haushalt festmachen.


    Das hab ich aber übrigens auch früher in den WGs nicht gemacht. Da gabs auch nie Putzpläne oder Listen oder feste Zuständigkeiten, sondern jede*r hat das gemacht, was er/sie grade nötig fand und wozu er/sie Lust und Zeit hatte. Das hat gut geklappt: wir hatten immer irgendwas zu essen, es war halbwegs aufgeräumt und es gab keinen Streit darüber, wer jetzt mit was dran ist, und kein Aufrechnen, wer wann was getan oder nicht getan hat.

    Und in der Art führen wir hier auch unseren gemeinsamen Haushalt.

    Die Selbständigkeit besteht dann darin, selbst zu entscheiden, was einem wichtig ist und was man mit anderen oder für andere tun kann und möchte.

    J. (knapp 10) hat zur Aufgabe, sich möglichst selbständig um seine Angelegenheiten zu kümmern. Das ist enorm viel!

    Schulsachen (Ranzen, Hefte, Hausaufgaben, Fahrkarte), Badetasche (im Sommer ist das täglich, ansonsten wöchentlich), Klamotten in die Wäsche bzw. trocken vom Wäscheständer nehmen und einräumen, Trompete (pflegen, üben, Musikverein Termine regeln), Geschenke basteln oder kaufen und einpacken, Fahrrad (putzen, warten, abends unterstellen), Zimmer halbwegs sauber halten, duschen, Haare waschen, Abendroutine, wenn es an der Zeit ist. Außerdem kümmert er sich komplett um den Kater (füttern, Zecken raus, Katzenklo) sowie häufig während der Urlaubszeit auch um Haustiere aus der Nachbarschaft.

    Daß ich ihm die Verantwortung für all diese Belange überlassen kann, entlastet mich sehr.

    Mir würde es nichts nützen, wenn er das Geschirr spült, aber ich dauernd seine Badesachen und nassen Handtücher aufhängen oder ihn zum Trompete-Üben ermahnen müßte.


    Und er trägt von sich aus viel zur Gemeinschaft bei, finde ich. Er achtet sehr auf seinen jüngeren Bruder, nimmt ihn im Nachbarschaftsrudel unter seine Fittiche, unterstützt ihn bei Kleinigkeiten. Er schmückt oft und gerne den Eßtisch mit Blumen, Steinen oder was er so findet oder bastelt. Er werkelt gern mit mir oder seinem Vater in der Küche herum, deckt den Tisch, rührt im Topf und erzählt dabei. Er versorgt auch gern die anderen Kinder nachmittags mal mit Obst, Getränken, Süßis etc., richtet das schön auf einem Tablett und räumt es später auch wieder auf. Er kocht mir manchmal Tee. Er hilft bei Gemeinschaftsaktionen (Garten, Ernte, Bettenbeziehen, Fensterputzen, Großputz) wie alle anderen auch, so gut er kann.


    Wir handhaben das in der Familie aber insgesamt recht locker. Auch mein Mann und ich machen im Haushalt ohne Plan jeweils das, was grade ansteht, wer grade Lust und Zeit dazu hat. Wenn es schnell gehen muß, helfen halt alle zusammen. "Viele Hände schaffen mehr." Aber es gibt keine festen Zuständigkeiten, nur spontane Absprachen, Und wenn ein Familienmitglied etwas nicht gerne macht oder keine Zeit hat oder eine schlechte Phase durchmacht, dann packen dafür die anderen mehr an.


    Nur bei Einladungen und Übernachtungsgästen gilt: wer Besuch bekommt, plant und bereitet mit vor, aber lehnt sich zurück und genießt, wenn der Besuch da ist. Dann sind die anderen dran, und zwar alle. Auch hier: jede*r so, wie er/sie kann und mag.

    Mir war das mit dem Wolfsgruß tatsächlich bis heute nicht bekannt. Trin , ich hatte Deinen Beitrag auch erst als Affront verstanden und mich dumm und ungebildet gefühlt, weil ich das nicht wußte. Deine jetzige ausführliche Erklärung hilft mir, das besser einzuordnen. Danke dafür.

    Und eine kleine Anmerkung zu Gretas Rede hätte ich noch. Die schwedische Sprache hat sehr harte Konsonanten und eine Sprachmelodie mit z.T. mehreren Betonungen im einzelnen Wort. Für uns Deutsche hat ein schwedischer Akzent oft eine aggressive Komponente (z.B. durch das gezischte S, die vielen Betonungen, die wie Emphasen wirken u.ä.). Vielleicht ist das nicht allen bewusst. Mir fiel es bei der Rede sehr auf.

    Danke für diesen hilfreichen Hinweis. Das war mir nicht bewußt.

    J.: Boah, die sägen schon wieder an den Bäumen rum.

    E.: Naja wenn ein Baum im Weg steht?

    J.: Kein Baum steht im Weg. Dann geht man halt außen um den Baum rum. Jeder einzelne Baum ist wichtig, zum Atmen.

    E.: Wieso zum Atmen?

    J.: Die Bäume machen frische Luft.

    E.: Ach DESHALB wedeln die im Wind immer so mit den Blättern? Damit die Luft verwirbelt frischer wird?

    Ich habe mir die Rede übrigens jetzt mal angesehen und kann überhaupt nicht finden, dass sie verrückt, seltsam oder was auch immer aussieht Aufgewühlt, ja. War ich beim Zuhören dann auch.

    In manchen Veröffentlichungen wird übrigens der erste Satz weggeschnitten. Sie beginnt ganz ruhig zu sprechen, wird aber bei den Worten "We´ll be watching you" von Gelächter unterbrochen und ERST DA wird sie emotional, schluckt Tränen runter usw.

    https://www.zdf.de/nachrichten…tik-versagen-vor-100.html

    Sie fängt NICHT mit Tränen und "This is wrong" an, sondern REAGIERT damit auf das Spottgelächter, das ihr entgegenschlägt.

    Die Diskussion ist meilenweit weiter, aber ich möchte Deine Frage nicht unbeantwortet lassen, Leslie.

    Das von Dir genannte Szenario kenne ich nicht. Aber ich weiß, daß auch diejenigen, die den Klimawandel leugnen, sowie die Rechten Kinder und Enkelkinder haben und trotzdem vor lauter Ego und Geldgier und Machtgier an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen. Auch Trump hat Kinder. Das hält ihn nicht ab, das Kind Greta zu verspotten.

    Verrohung ist das, was sich in den negativen, verächtlichen Reaktionen auf Greta zeigt. Das Fehlen jeglichen (Mit)Gefühls und jeglicher (Selbst)Reflektion.


    Sie sagt in dieser Rede u.a., daß man wohl noch immer nicht verstanden hat, was los ist. Denn hätte man es verstanden und würde dennoch nicht mehr tun, dann wären diese Menschen (die Macht haben, etwas zu tun, und nichts oder zu wenig tun) böse. Und das will sie nicht glauben.

    Meiner Meinung nach ist das der einzige Denkfehler, den sie macht.

    Sie hat (noch) keinen Einblick in die abgrundtiefe Bösartigkeit der Menschen, die Geld über alles stellen. Die für Geld über Leichen gehen. Denen es egal ist, solange es ihnen gut geht.

    Für alles andere ist Greta alt genug, aber in diesem einen Punkt wirkt sie auf mich kindlich naiv.

    Mir gehts bei Demos immer ganz schlimm. Kennt ihr das? Ich habe dann die mega Untergangsstimmung und mir kommen die Tränen . Hoffentlich habe ich es morgen im Griff.

    Kennt ihr das?

    Sorry, das ist total OT.

    Schön, dass ihr alle hingeht

    #liebdrück Ach Du...

    So wie Du es beschreibst (Untergangsstimmung, kenne ich es nicht, aber ich bin auf Demos auch immer ganz, ganz arg berührt und muß auch oft weinen. Mich berührt es so sehr, wenn so viele Menschen für etwas, das mir wichtig ist, eintreten. Ich fühle mich sonst oft irgendwie allein oder denke, naja es sind nur die paar Leute, die ich so kenne... - aber wenn es dann plötzlich so viele sind und wenn die womöglich noch singen oder im Sprechchor etwas rufen oder so, dann haut es mich voll um.


    Ana , Dir alles Gute morgen - und vielleicht kannst Du ja auch mitten in der Untergangsstimmung sehen, daß diese Jugend echt ein Hoffnungsschimmer ist. Das ist großartig, was die auf die Beine stellen - solange es so etwas noch gibt, ist noch nicht alles verloren! #love