Ich lasse Meinungen gerne stehen, würde aber gerne nachvollziehen, woher sie kommen. Hier verstehe ich tatsächlich rein aus Marketingsicht nicht, welchen Vorteil Milram von einem geplanten Shitstorm gehabt hätte. Vielleicht könnt ihr das nochmal erklären?
Werbung will durchaus polarisieren und dadurch der Marke Bekanntheit verschaffen. Klar. Ein Shitstorm ist aber was anderes.
Ein Shitstorm kann eine Marke nachhaltig schädigen. Es kann Jahre dauern und viel Geld kosten, wieder Vertrauen in die Marke aufzubauen.
Um den Shitstorm umzuwandel in etwas positives für ein Unternehmen braucht es
1. eine Starke Basis an mobilisierbare Markenfans wie es z.B. Coca Cola hat oder auch Benetton in den 90er (wobei die Schockwerbung nicht nur gut war für den Markenkern). True Fruits hat da durchaus draufgezahlt. So eine Fanbasis sehe ich bei Milram nicht. Hier hat die Zivilgesellschaft geholfen.
2. relativ homogene Werte in allen Zielgruppen des Unternehmens + eine gute Kenntnis dieser Werte. Das ist knifflig herauszufinden. Die Werte der Markenfans dürfen nicht versehentlich getroffen werden. Die könnten sich dann auch gegen die Marke wenden. Für Bud Light in USA ging es z.B. komplett nach hinten los, woke zu werben. Der Shitstorm muss so geplant sein, dass Markenfans unterstützen. Ich hätte jetzt vermutet, dass die Zielgruppe für Milchprodukte eher divers aufgestellt ist in ihren Werten und somit ein geplanter Shitstorm mit Hilfe von Diversität die Markenfans quasi kannibalisiert
3. Jede Menge Ressourcen im Unternehmen/Agentur, um einen Shitstorm zu lenken, damit er sich für die Marke als positiv herauskriatallisiert. Das ist scheißteuer und aufwendig. Ich zweifle, dass dafür die Ressourcen zur Verfügung stehen bei Milram.
Einen Shitstorm konkret zu planen und billigend in Kauf zu nehmen ergibt einfach keinen Sinn ohne große Ressourcen und ohne große Gewinnaussichten. Einfach eine Wette darauf abzuschließen im Marketing, dass die Zivilgesellschaft das schon richten wird ist hochriskant.
Wenn das geplant war und nicht schlicht Glück, möchte ich wirklich das Marketing Budget für die Kampagne sehen.
Für andere Marken mit wirklich markentreuen Fans kann es ggf Sinn ergeben. Die Markentreue existierender Fans kann durch einen überstandenen Shitstorm wachsen (sieht man gut bei Influencern) und weitere Fans könnten gewonnen werden. Aber das sehe ich bei Milram einfach nicht.