Beiträge von tulan

    Warum ich das schwierig finde? Eben weil es in einem Tag schwierig ist, differenziert zu sein. Afrika-Projekttage, die ich erlebt habe, waren oft "Trommeln, Elefanten und Ubamba-Lieder" und das fand ich schwierig. So wie auch Ohnezahn es beschreibt. Und weil eben nicht nur meine Tochter mich mit großen Augen fragt "Wie, Afrika ist kein Land?" und es daher mal dran wäre, ein oder zwei Länder rauszupicken und damit gezielter was zu machen. Ich hätte auch Angst, dass solche Aufzählungen wie "Deutschland, Italien und Afrika" fortgeschrieben werden.


    Wir frühstücken uns um die Welt, oder wir kochen Gerichte der Welt, finde ich nochmal sehr anders, weil da gezielt ein Aspekt (Küche) herausgegriffen wird. Aber dann müsste man sich auch die Mühe machen, klarzumachen, dass in Ghana Fufu, in Eritrea Injerra und in Südafrika Biltong gegessen wird. Afrikas Küchen sind sehr verschieden und so wie in Europa auch haben schon Nachbarländer sehr verschiedene Gerichte.

    Bin ich die Einzige, die schon die Idee eines Afrika-Projekttages an sich rassismusverdächtig findet? Ich mein, ein Tag über einen ganzen Kontinent - was soll dabei rauskommen? Ich kann mir ebenso schwer einen Amerika- oder Europa-Projekttag vorstellen, wage aber zu behaupten, dass niemand auf diese Idee käme.

    Das ist definitiv eine Herangehensweise...allerdings habe ich da so meine Probleme, ich finde es bereits problematisch bet. Leuten in einer Talkshow ein Forum zu geben. Ich erinnere noch recht genau einen der ersten Talkshowauftritte von Höcke bei Jauch und mein Entsetzen das ihn niemand des Raumes verwies, nachdem er erst die Deutschlandflagge auspackte und sich dann absolut geschichtsrelativierend äusserte...ich war und bin der Meinung, dass es ein eklatanter Fehler war solchen Leuten ein öffentliches Forum zu bieten

    Das glaube ich durchaus auch. Ich würde als Talkshowmoderatorin da auch immer wieder moderierend eingreifen und denjenigen, wenn er sich nicht beherrschen kann, rauswerfen. Aber zur Begrüßung bekommt er trotzdem erstmal meine Hand.

    Du gibst jedem die Hand der dich danach fragt? Und findest das gesund?

    Ich nicht. Also weder würde ich einem Nazi die Hand geben noch finde ich es OK, das zu tun.

    Natürlich gebe ich jedem die Hand. Zumindest im beruflichen Kontext. Privat ist das noch einmal eine andere Sache, aber beruflich in einer Talkshow aufzutreten, ist einfach was anderes. Und da finde ich es nicht okay, jemandem eine angemessene Begrüßung zu verweigern - egal ob es ist, weil der/diejenige eine andere Meinung hat oder weil sie Muslima ist oder was auch immer. Ich respektiere erst einmal jede/n - was aber natürlich nicht heißt, dass ich alle Meinungen unwidersprochen stehenlasse.

    Annie, ich hab mir das Video auch mal angesehen. Ich finde es erstaunlich, wie der Typ redet, ohne auch nur eine Position der AfD, der er zustimmt, klar zu benennen. Und das Bild, dass, wenn alle nach links gehen, ja mal jemand nach rechts gehen müsste, finde ich einfach nur peinlich. Ich kann mich in den 30 Jahren BRD, die ich nun kenne, an keinen allgemeinen Linksruck erinnern.

    Das Einzige, worin ich ihm zustimme, ist, dass die Alternativen zur Alternative entweder unbekannt sind oder keine gute Politik machen. Und dass ich es keinen guten Stil finde, wenn man sich weigert, jemandem die Hand zu schütteln. Auch ich wär eher dafür, Leuten inhaltlich zu begegnen, statt mit Schlagwörtern. In seinem Beitrag wirkt das so, als würden nur andere Politiker*innen auf die AfD mit Schlagworten reagieren, das stimmt ja nicht. Zumindest kann ich den AfD-Politiker*innen keine Schlagwortarmut attestieren. Das ist also allgemein etwas, was ich mir anders wünschen würde in der Politik: Das da differenzierter gesprochen wird auch für das "gemeine Volk".

    Das Malbuch ist sowas von geschmacklos - einfach nur provokant.


    Zum Thema Holocaust: Ich weiß nicht. Da ich ja Leute kenne, die auch Führungen für Schulklassen machen, diskutiere ich da immer mal wieder drüber. Ob das Sinn macht, verpflichtend Jugendliche da hinzuschicken, die null Interesse haben und null Vorbildung. Ich weiß es nicht genau. Ich erinnere mich noch gut an meinen Besuch mit der Schulklasse, in denen einige meiner bekennend rechten Schulkameraden während des gezeigten Films demonstrativ ihre Schulbrote rausholten und aßen. Erreicht worden sind die sicher nicht - sie haben mich ausgelacht, weil ich so berührt war.

    Jetzt im April kommen ja wieder die Jahrestage der Befreiung und so langsam wird es eng mit Zeitzeugen. Wenn meine Tochter noch Überlebende kennenlernen soll, dann muss sie das jetzt tun. Sie ist 12 und ich habe damit begonnen, sie darauf vorzubereiten, mitzukommen. Mir ist wichtig, dass sie auch nein sagen kann, dann fahre ich ohne sie zur Gedenkveranstaltung, aber ich will sie schon deutlich einladen. Aber ich allein kann das ja auch gut vor- und nachbereiten und die Überlebenden erzählen wohl auch keine Details. Mit einer ganzen Klasse ist das schon deutlich schwerer denke ich. Aber das Thema auszusparen, ist auch keine Lösung.

    Naja, das Schwierige ist, dass das Thema ja auch belastend ist. Potentiell traumatisierend. Und je nach Feinfühligkeit des Kindes ist es schon schwer, dass per Gießkanne an eine ganze Klasse auszuschütten, in der ein Kind ist.

    Bei uns ist das Thema privat immer mal wieder da, schon allein dadurch, dass eine meiner besten Freundinnen in einer einschlägigen Gedenkstätte arbeitet.

    Also meine Eltern weigern sich auch, Schaum- oder Schokokuss zu sagen. Die nennen auch Schwarze noch N***. Mit Überforderung hat das sicher nichts zu tun, eher damit dass sie auf dem Privileg beharren, die Dinge so zu benennen wie sie wollen. Und in meinem Arbeitsumfeld kommen wir ja nicht so oft auf solche Themen - trotzdem fällt mir auf, wie viele trotzig an den überkommenen Sprachregelungen festhalten.

    Ach. Ich bin mir sogar recht sicher, dass er gesagt hat "das Wort ist rassistisch".

    Und sicher hätte es mit etwas Zeit zum Überlegen ein paar neutralere Möglichkeiten gegeben, seine Irritation über das Wort zu zeigen - logisch. Daher ist die Anmerkung des Chefs aus dessen Sicht auch nicht ganz falsch.

    Aber man bereitet sich selten auf sowas vor, es erwischt einen nun mal kalt. Und ich finde es gut, dass er etwas gesagt hat, statt beschämt zu schweigen uns sich nachher zu ärgern, nichts gesagt zu haben.


    Er schließt übrigens aus, dass es der Kundin nur so rausgerutscht ist. Er hat extra nachgefragt "Schokoküsse?" - "Nee, ich mein schon *****-Küsse!", in einem sehr lauten Tonfall. Er fand sie provokant

    Ich stimme dir da voll und ganz zu, aber ich verstehe eben auch den Chef. Wenn man hier alle Leute rausschmeißen wollte, die noch ***küsse sagen, dann wär der Laden leider ziemlich leer. Ich fänd es wohl eine gute Idee zu sagen, dass es sowas hier nicht gibt, aber Schaumküsse seien da drüben. Oder sowas. Und freu mich trotzdem, dass er überhaupt was gesagt hat.

    Ich glaube Tulan meint, es ist für die Bezeichnung "Bauer", oder "Bäuerin", egal, ob jetzt die Frau oder der Mann den Betrieb führt. Sprich, wenn die Frau die Chefin ist, ist halt die Bäuerin die Chefin.

    Genau das. Es ging ja hier rein um den Begriff. Für mich sagt der Begriff nichts darüber aus, ob die Arbeit in dem Betrieb, in dem der Bauer und die Bäuerin arbeiten, hierarchisch aufgeteilt ist, und wenn ja, wer Chefin ist. Und mit Anpacken meinte ich, dass der Begriff für mich auch nichts über die Art der Arbeitsteilung aussagt, so lange es landwirtschaftliche Arbeit ist. Ob die Bäuerin dann die Melkmaschinen bedient, den Trecker fährt oder die Planung, Abrechnungen und Bestellungen macht, ist für mich im Begriff nicht enthalten. Für mich ist aber auch Köchin und Koch derselbe Beruf. Mir war nicht bewusst, dass es da Unterschiede gab.

    Ich kann es in so fern nachvollziehen, als dass es einen echt zerfleischt (, bzw. zerfleischen kann), wenn man die (häufig extremen, Existenz- und Persönlichkeitszerstörenden) Folgen der Taten eventuell gar tagtäglich erlebt und dabei permanent die feinen Herren in ihren Anzügen in gehobenen Positionen vor Augen geführt bekommt, die ihr Leben leben und überhaupt keinen Schaden zu nehmen scheinen.

    Ja, da stimme ich auch zu. Berufsbedingt erlebe ich sehr viel davon und weiß auch viel darüber, was auch Kindern systematisch angetan wird. Nur wüsste ich nicht, wie es die Situation der von diesen Gewalttaten Betroffenen besser, wenn jemand wie Assange gefoltert wird.