Ich zweifle gerade noch mehr an an den ganzen Parallelwelten, die es so zu geben scheint. 
Vor ein paar Tagen, an diesem sonnigen Feiertagswochenende, habe ich einen ziemlich sicher betrunkenen Mann mittags draußen an einer Haltestelle kotzen sehen. So weit, so eklig, so üblich, leider.
Das erste was er anschließend machte, noch abgestützt sich an einem Mülleimer festhaltend: er holte sein Handy raus. Es wirkte, als würde er ein Selfie machen, aber ich dachte mir, dass das ausgeschlossen ist, nee, sicher nicht.
Heute habe ich mit einem Freund über Scham und öffentliches Verhalten geredet. Ich meinte, ich wisse nicht, ob ich morgen zu einem sehr wichtigen Termin könne, weil evtl. bei Kindern mit MD angesteckt. Und er, nur halb im Scherz, direkt meinte, ich solle doch einfach eine Tüte einpacken für den Notfall. So kamen wir darauf, naja.
Dabei fiel mir die Geschichte von vor ein paar Tagen wieder ein, und ich hab ihm erzählt, dass ich so irritiert war weil es aussah, als ob er sich und sein Erbrochenes fotografiert.
Und mein Freund fand das gar nicht seltsam, also im Sinne von ungewöhnlich. Er meinte das sei in vielen Männergruppen eine Art übliches Verhalten. Also Selfies davon in Gruppen zu teilen. Davon zu erzählen wieviel man gesoffen und gek*** hat. Einige seien da stolz drauf, manche fänden ds witzig, schämen eher gar nicht. Er habe das schon öfter mitbekommen in verschiedenen Zusammenhängen.
Ich finde das mal wieder richtig verstörend. Was für eine (Selbst)Wahrnehmung.
(Und nein, er hängt gar nicht in solchen Männergruppen oder Saufgruppen ab. Das bekommt er so am Rande mit, alte Kumpels von früher und so. Und hätte ich ds so nicht erzählt, wie sehr mich das irritiert hat: ich hätte nie davon erfahren.)