Beiträge von janos

    patrick*star, eine Konsequenz des Sterbehilfeberbots ist übrigens, dass die von dir geforderte gute palliative Medizin sich in einem unangenehmen graubereich abspielt. Natürlich führt die Gabe hochdosierter Schmerzmittel dazu, dass der Tod früher eintreten kann. Und das gilt für zahlreiche andere Medikamente, die einen guten Zustand multimorbider Patienten erreichen sollen. Das kann man als passive Sterbehilfe betrachten. Die Grenzen sind da fließend und bei uneinigen Angehörigen kann es da recht schnell Probleme geben, solange die Abläufe nicht sehr konkret geregelt werden.

    Zu den Dementen: wer Tag für Tag und Stunde um Stunde seine kleinen Kinder un schränken eingesperrt sieht und ihnen nicht helfen kann, während sie verhungern. Weil er im Pflegeheim eingesperrt ist und auch die ständige Bitte, doch die Polizei zu rufen, damit man freikommt und seine Kinder befreien kann wird nur mit beruhigenden Worten abgetan. Der stirbt daran nicht.


    Auch nicht die 80jährige Frau, der wieder und wieder die Massenmorde zu erleben scheint, die sie als junge Frau mit ansehen musste.


    Die leben noch Jahre mit diesen Wahnvorstellungen. Die ihnen niemand nehmen kann, weil die Niere oder das Herz zu schlecht für eine ordentliche Medikation sind. Weil diese menschen nicht in der lage sind, mit jemandem zu interagieren.


    Ich finde es grausam zu sagen, dass diese Menschen nicht sterben dürfen. Weiß aber auch nicht, wie es gut zu regeln wäre.


    Alleine schon die Möglichkeit, gravierende und damit potentiell letale Nebenwirkungen in Kauf nehmen zu dürfen, um das Leid dieser Menschen zu lindern, wäre ein großer Fortschritt.

    "Ich rief neulich beim HA an, um zu wissen, welche Diagnose genau in der Akte meines Mannes notiert war, und wie ich am Besten diese Info erhalten könne."


    Das hatte sie im ersten diesbezüglichen Beitrag geschrieben. Das hatte ich dann so verstanden, dass sie wissen wollte, welche Diagnose genau in der Akte des Mannes notiert war.


    Aber wie oben geschrieben - nicht mal die Aussage, ob er dort Patient ist, ist eine Information, die weitergegeben werden darf.

    klar, verantwortlich ist der, der die Informationen rausgibt. Du hattest oben geschrieben, du wolltest wissen welche Diagnose drin steht. Das geht telefonisch nicht. Auch nicht, wenn der Mann selbst anruft.


    Dein Satz weiter unten schildert eben genau das Problem, wenn man die leute am Telefon darauf hinweist, dass sie selber herkommen müssen: es ist umständlich, man hat keine Lust, zweimal zu fahren oder keine Zeit. Man möchte doch nur eine einfache Auskunft, das müsste doch gehen, es kann doch nicht sein, dass man deswegen extra herfahren müsse? Und dann noch zu Zeiten, zu denen die Praxis offen hat?


    Die meisten Patienten haben keinerlei Verständnis dafür. Und werden sehr unfreundlich. Bedrohen und beschimpfen.


    Eigentlich dürfte die Praxis nicht mal bejahen, dass dein Mann dort Patient ist.

    Weil ich wissen wollte, welche Dokumente sie von mir wollen. War mein erstes Mal in Deutschland. Einfach hingehen und dann stimmt was nicht und wieder zurück, ist doch auch kein ansatz.


    und irgendwie verstehe ich den Sinn deiner Frage nicht. Mir scheint, dass zu implizieren, als wäre alleine schon das nachfragen am Telefon falsch.

    Ja, ist es. Telefonische Auskünfte sind nicht ok. Da könnte ja wirklich jeder anrufen. Leider bleibt dann oft nur der Weg, persönlich hinzufahren.

    Das ist natürlich so nicht ok.


    Aber telefonisch hätten sie dir eigentlich gar nichts sagen dürfen. Das weißt du bestimmt ja auch. Warum hast du dann angerufen?

    Ich finde das Konzept der GKV mit zahlreichen miteinander in Konkurrenz stehenden Anbietern ebenfalls nicht gut. Durch die uneinheitliche Handhabe, die verschiedenen Gepflogenheiten und Dingen wie Rabattverträgen wird viel Unruhe erzeugt, die allenfalls den Versicherungen Geld und Kunden sichern.


    Ich bezweifele übrigens, dass pkv-pt prinzipiell besser behandelt werden, ich glaube nicht, dass die Behandler da große Unterschiede machen. Vielleicht bei der Terminvergabe bei manchen KollegInnen. Bei uns wird das bei der Anmeldung aber zb gar nicht erfragt.


    Richtig blöd finde ich die Zweiteilung des Systems, die noch mehr Unsicherheit erzeugt. Ich fände eine Versicherung für alle gut, inkl der Beamten. Allerdings entwickelt sich in den Ländern, in denen es so etwas gibt, der Trend sehr dahin, das die Versicherung wirklich nur die absoluten Basics versichert. Und Sachen wie Zahnbehandlungen oder andere Therapien explizit privat versichert werden müssen. Da bildet sich dann wieder ganz schnell eine geteilte Medizin heraus für die, die es sich leisten können und die, die es nicht können.


    Egal wo und wie: Medizin ist fürchterlich teuer und jeder Anbieter, jedes Gesundheitssystem versucht den Preis klein zu halten. Am besten funktioniert das darüber, Kosten einfach nicht zu übernehmen ("muss man privat zusätzlich versichern") oder künstlich zu reduzieren, indem Leistungen einfach sehr knapp oder gar nicht vorgehalten werden (zb MRT in Schweden, da wartet man dann gerne ein halbes Jahr drauf. Oder Dialysen in England, die ab einem bestimmten Alter einfach nicht mehr indiziert werden)

    Wie gesagt, ich warte seit Oktober darauf, dass mir die Kasse sagt, dass es ok ist, ein nicht zugelassenes Medikament zu verwenden. Bislang keine Antwort und niemand erreichbar, aber der pt bekommt es trotzdem von mir.

    und wer hat das Medikament bislang gezahlt? Oder wartet die Apotheke auf ihr Geld?


    Bei dem Rezept meines Sohnes musste ich damals übrigens unterschreiben, dass ich im Zweifelsfall selbst zahle.

    Das Medikament musste ich neu ansetzen, weil er neu erkrankt ist. Und behandelt werden kann er nur mit einem rezeptpflichtigen Medikament.


    Den Pt zur Unterschrift zu nötigen, ein wichtiges Medikament selbst zu zahlen - das finde ich ethisch absolut verwerflich. Ohne das Medikament kann der Patient kaum laufen, weil er schwere koordinationsstörungen und doppelbilder hat. Mit dem Medikament ist er voll berufstätig und hat keine Einschränkungen.


    Wenn der pt ein Medikament benötigt, dann hat die Kasse das zu zahlen. Natürlich kann ich mich auf irgendwelchen Wegen davor drücken, das Risiko zu tragen. ZB indem ich den pt an eine hochshulambulanz verweise, die ihn versorgt. Die wird dann auch in regress genommen, aber das ist dann meistens die Institution, die das trägt und nicht ein einzelner.


    Aber es ging ja hier darum, wie verlässlich die GKV funktioniert. Und das tut sie eben beileibe nicht so gut, wie es offenbar viele meinen.

    Vielleicht denke ich jetzt als Laie ein bisschen zu einfach, aber ich hatte als GKV Patientin bei meinem Sohn auch schon ein Rezept, bei dem sinngemäß draufstand: unter der Vorraussetzung, dass die Kasse zahlt. Warum wird das beschriebene Problem "Patient will ein Mefikament, Arzt ist sich unsicher ob Kasse zahlt" dann nicht einfach so gelöst?

    Weil die Kassen sich sonst vor den Wünschen nach zeitnaher Klärung solcher Fälle nicht mehr retten könnten. Der Arzt, der das Rezept ausgestellt hat, wird im Zweifelsfall dennoch belangt werden. Oder die apotheke. Die prüffrist beträgt zwei Jahre. Und die wird oft auch gebraucht. Es gibt jetzt eine neue Vorgabe, dass die Prüfung binnen einem Jahr erfolgen muss. Mal sehen, ob das klappt


    Es gibt zb sehr viele Medikamente, die für die Indikation, bei der sie verwendet werden zwar gut erprobt sind, aber nicht zugelassen. Wenn man sich bei jeder dieser Verordnungen als Apotheke, Arzt oder Patient das Placet der Kasse holen müsste wäre das eine massive Mehrarbeit für die Kassen. So ist die medizinische Versorgung gewährleistet, aber es trägt eben der Arzt das Risiko.


    Wie gesagt, ich warte seit Oktober darauf, dass mir die Kasse sagt, dass es ok ist, ein nicht zugelassenes Medikament zu verwenden. Bislang keine Antwort und niemand erreichbar, aber der pt bekommt es trotzdem von mir.

    Susan Sto Helit, du schriebst oben, dass du dann eben die restlichen Organe beim Ultraschall selbst zahlst weil die kannste nur drei übernehmen. Was soll dieser Blödsinn denn zb? Was soll die Ärztin denn machen, wenn du nicht zahlen möchtest, aber sie beim drübersxhauen sieht, dass das 4. Organ ein Problem hat. Ignorieren? Es dir nur verraten wenn du zahlst? Die igelleistungen finde ich in vielerlei Konstellation sehr bösartig. Zumal kosten ja prinzipiell von er Kasse getragen werden, aber man als Arzt Gefahr läuft, Abzüge zu bekommen, weil eben in diesem Quartal zu viele pt untersucht worden sind. Soll ich jetzt einem pt, bei dem ich einen Ultraschall für sinnvoll halte diesen vorenthalten, nur weil er die kosten , für die eigentlich die Kasse aufkommen müsste nicht tragen will oder kann?

    allein dass du weißt, dass es verordnungsfähig ist heißt nicht, das der Arzt das weiß. Ich schicke auch pt zur Kasse mit der frage. Manche kassen geben da durchaus auch kompetente schriftliche Antworten. Die meisten aber genau jene, die du nennst. Ich verordne heil- und Hilfsmittel nicht mehr, es sei denn ich bin mir sehr sicher, dass das geht.


    Ansonsten laufe ich wie gesagt Gefahr , es selbst zahlen zu müssen. Und das will ich nicht. Warum diese Regeln so schwammig sein müssen weiß ich auch nicht. Ich weiß aber, dass das den Umgang mit pkv-pt sehr angenehm findet.

    Ne, die Entscheidung liegt nicht beim Arzt. Sondern bei der Kasse, die die Kosten tragen muss. Ich als Arzt kann so einiges indiziert finden - wenn die Kasse das nicht bezahlt, dann verordne ich das nicht.

    Vor allem bekommen die Patienten ja von den Kassen falsche Aussagen. Oder Halbwahrheiten.

    Am Telefon oder persönlich, nie schriftlich.

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    Ja, das verschärft es noch weiter. Ich sage dem pt, dass die Kasse nicht zahlt. Der pt sagt, ihm sei versichert worden, dass die Kasse die kosten übernimmt.


    Da sehe ich die pkv als Vorteil - die pt sind meist gut informiert und wissen genau, was geht und was nicht.


    Und sie wissen auch besser über die kosten Bescheid - wie oft bekomme ich zu hören, dass das verordnete Medikament zwar aus der Apotheke abgeholt, aber nach lesen des Beipackzettels nicht eingenommen worden ist. Das machen pkv-pt selten. Sie wissen, dass die Pillen 250€ gekostet haben. Auch wenn die Kasse die Kosten übernimmt.

    Die Arbeitsweise hat sich geändert. Früher wurde die Untersuchung von zwei Personen durchgeführt. Eine am Bildschirm, eine am Patienten. Das ist jetzt anders, ich mache das alleine

    das Angebot, Verordnungen selbst zu zahlen lehnen die pt dankend ab. Mit dem Hinweis, dass sie ein Anrecht darauf hätten und bisher ging das auch immer und wie ich mir das denn vorstelle.


    Die Kasse fragen kann man nicht. Die zieht sich darauf zurück, dass sie das zu gegebener Zeit prüfen wird. Telefonisch gibt es gar keine Antwort. Schriftlich irgendwann. Ich warte seit Oktober auf die kostenzusage für ein Medikament, das nicht für das zugelassen ist, was ich damit machen will. Ich habe es natürlich schon verordnet, ich kam ja schlecht den pt ohne Pillen rumlaufen lassen. Wenn die Kasse sich irgendwann äußert kann es dann sein, dass sie es nicht zahlen und ich bleibe auf den kosten sitzen.


    Aktuell haben die Kassen zwei Jahre Zeit. Dh sie können Verordnungen rückwirkend zwei Jahre Geld zurückfordern. Zwei Jahre, in denen man munter weiterverordnet und die Summe sich mit jeder Verordnung erhöht.


    Eine Kollegin hat so ein paar tausend Euro Regress gesammelt, weil sie etwas verordnet hat, was mal zugelassen war aber irgendwann aus den kassenverordnungen rausgenommen wurde.


    Und die von dir zitierten geldzuweisungen spiegeln einfach nicht den realen Bedarf wider. Es gibt pro Fachrichtung eine bestimmte Summe Geld im Quartal. Wenn mehr Leistung erbracht wird, dh wenn - wie es gerade geschieht - durch den Gesetzgeber beschlossen wird, dass Ärzte länger offen haben müssen oder es jederzeit möglich sein muss, als pt ohne Termin zwischengeschoben zu werden, dann wird diese Summe nicht erhöht. Dh Ärzte müssen zwar mehr arbeiten, bekommen aber nicht mehr Geld dafür.


    Ich bin kein Freund der pkv, aber mich nervt dieser Spagat zwischen Selbstständigkeit mit den entsprechenden Risiken und der Abhängigkeit von der kv mit der Vorgabe, wieviel ich wann arbeiten muss / die Zusage, mir 100€ für meine Leistung zu zahlen, aber am Schluss nur 80€ zu überweisen tierisch.

    Bei Physiotherapie ( Ergo, KG usw) kann ich unbegrenzt Privatrezepte ausstellen, evt erstattet die PKV sie den Patienten aber nicht.

    hanna Darf man GKV Patienten unbegrenzt Privatrezepte (also verordnungspflichtiges Rezept, aber Selbstzahler) ausstellen?

    Man darf kassenseitig schon, haftet aber natürlich inhaltlich trotzdem für die Richtigkeit/ Notwendigkeit der Verordnung.
    Von daher jein.

    Das gilt aber doch für privat versicherte Patienten genauso. Mit dem Unterschied, dass wenn ich gesetzlich versichert bin, meine Ärztin einen Anreiz hat, sich vorher zu überlegen, ob die Leistung erstattet wird. Bin ich privat versichert, hat sie den nicht, weil es dann mein Problem ist und nicht ihres, weil ich diejenige bin, die auf den Kosten sitzen bleibt.

    naja, das stimmt insofern nicht, als es gerade um Therapien geht, auf deren Verordnung Patienten drängen wie physio oder ergo. Und die sehen das Argument "zahlt die Kasse nicht" dann einfach nicht ein und beginnen, sich das aggressiv einzufordern.


    Darüber hinaus sind die Verordnungsrichtlinien derart kompliziert und wechselhaft, dass es schnell passiert dass man verordnet , ohne dass das von den GKV getragen wird. Aktuell wird das gerade verhandelt für eine Erneuerung zum Ende des Jahres die Richtlinien sind aber schon von der Seite der kv entfernt, ich kann also gar nicht nachschauen, was ich darf und was nicht.


    Diese regresse sind sehr unangenehm


    Und; die GKV zahlen zumindest in meinem Fachgebiet nicht die kosten für eine leitliniengerechte Therapie. Das ist echt böse. Wenn man genau weiß, dass ein pt von einem bestimmten Medikament profitieren würde kann ich das Risiko in kauf nehmen es selber zahlen zu müssen oder ich verordne es einfach nicht. Schlecht für den pt. Bzw für mich. Kann ich mit dann aussuchen