Schule geht nicht ohne Eltern?

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  • Schule so gestalten, dass die Unterstützung der Eltern nicht NÖTIG ist - ja, gerne, sofort. Da bin cih sofort dabei

    Das ist doch gemeint. #weissnicht

    so zu gestalten dass die Anteilnahme der Eltern nicht mehr MÖGLICH oder gar nennen wir es mal "moralisch unerwünscht" ist - Nein.

    Das ist definitiv nicht gemeint. Und das habe ich in mehreren Beispielen deutlich gemacht. Außerdem sind per Schulgesetz nicht ohne Grund Eltern und Schule zur Zusammenarbeit verpflichtet. Das schließt aber nicht ein, dass Eltern massiv in Hausaufgaben eingreifen. Das schließt wohl ein, dass sie Anteil nehmen, Gesprächspartner sind und der Schule rückmelden, wenn das Kind ohne Hilfe mit den HA nicht zurecht kommt. Es schließt NICHT ein, dass sie absichtlich vorbereitend Unterrichtsstoff erarbeiten, damit das Kind einen besseren Eindruck machen kann. Das schließt aber nicht aus, dass Eltern Bücher oder andere Medien besorgen oder in Museen fahren oder Instrumentalunterricht arrangieren und bezahlen, weil das Kind bestimmte Interessen hat.

    Verpflichtender Ganztag hätte da massiv in unsere zeit und unsere Möglichkeiten eingegriffen. Ich bin sicher, daß meine Kinder dann keine Chance gehabt hätten IHR Instrument zu lernen (Klavier und Harfe werden eher selbte in GTS angeboten und nach der GTS in die Musikschule zu fahren, wäre Zeitverschwendung gewesen) . Das würde sicher Chancengleicheit schaffen zu anderen, die auch kein Instrument lernen können.

    Wie gesagt, ich habe nie davon gesprochen, dass man Instrumentalunterricht, Museumsbesuche oder etwas in der Art sein lassen soll. Das ist doch absurd und ich frage mich wirklich, warum das unterstellt wird.
    Flächendeckender Ganztag verpflichtend ist, so wie die Lage im Moment ist, sicher nicht das gelbe vom Ei. Es wäre aber, genauso wie flächendeckend gute Hortbetreuung, ein Baustein, um die Schere zwischen übermotivierten leistungsgeilen Eltern und Familien, die eine gute nachmittägliche Betreuung mit guter/interessierter HA-Begleitung nicht leisten können, wieder kleiner zu machen. Ich kann diesen Gedankengang verstehen und er funktioniert ja in anderen Ländern auch. Deshalb propagiere ich ihn aber nicht.

    Aber Gleicheit um jeden Preis? Auch den des Verhinderns von Chancen? Ist es richtig, wenn das dadurch geschieht, daß jemand der könnte etwas NICHT tun/lernen/erleben kann?

    Siehe oben. Es geht weiterhin immer noch NICHT um das Verhindern von Chancen im Sinne von ganz normalen nachmittäglichen Aktivitäten wie Bibliotheksnutzung oder Museumsbesuche oder Gespräche mit den Kindern über bestimmte Themen. Es geht ganz konkret um das elterliche Anfertigen von HA bzw. das Abnehmen von Recherchearbeit und das Erstellen von Beiträgen mit/für das Kind unter großer Einflussnahme. Grob gesagt. Und um die Erwartung einiger Schulen, dass Überwachung, Korrektur, Einführung in Recherche sowie Gliederung und Aufbau von Referaten und anderen Beiträgen und sogar Vorbereitung von Unterrichtsstoff selbstverständlich zuhause stattfinden soll.

  • Hallo,


    Danke für deine Antwort. Ich denke, wie gesagt, an vielen Punkten sehen wir es ähnlich.


    Zitat

    Tja, Bildungsgerechtigkeit ist bei den Deutschen eben nicht wirklich gewollt. Das könnte nämlich eigentlich heißen, dass es für alle eine Ganztagsschule geben muss, mit gleichen Anforderungen, Maßstäben, Bedingungen. Das wird man hier nie hinkriegen. Das wollen weder Eltern noch Schüler noch Lehrer. Und es gibt auch ganz gute Argumente dagegen. Aber wenn man das Elternhaus nicht stärker ausklammert aus dem Schulbetrieb (und dafür Bedingungen schafft, die für Lehrer und Schüler qualitativ ausreichend sind für gute Wissensvermittlung und gute Lernatmosphäre), dann wird sich das Ganze eher noch zuspitzen...


    Das hatte ich trotz Erklärung schon so verstanden, daß es für dich eben die Lösung wäre, wenn es eben a) Ganztagsschulen für ALLE geben soll und b) die Eltern aus dem Schulbetrieb generell stärker ausgeklammert werden sollten. Daß du also schon GTS "propagierst", zumal du danach mehrfach erklärt hast, daß es aus deiner Sicht nur eine Frage der Organisation wäre, damit GTS es für alle Kinder "passt".
    Auch wenn Ganztagschule es natürlich nicht als Ziel hat - die Realität wäre aber, daß es einem teild er Kinder sicher bessere Chancen bieter - einen Teil der Kinder und Familien aber eben einschränken würde. Hier gehen Ganztags-Grundschulen in der Regel bis 15.30 Uhr oder 16.00 Uhr, eine sogar bis 17.00 Uhr. Das heißt so lange MÜSSEN die Kinder bleiben. Nicht alle, aber viele Grundschulkinder sind irgendwann nach 8 - 7 Stunden Schule trotz Pausen einfach KO, dann könnte man weiter unternehmungen, Musikschule usw. knicken (Wir haben die Erfahrung gemacht, als der Termin mal ähnlich spät lag - vertane Zeit), sie müssen irgendwann ins Bett, egal, wie Mama oder Papa Dienst hat und ob sie/er am Nachmittag Zeit gehabt hätte usw. .
    Das nächste Problem - wer wirklich Betreuung BRAUCHT, weil alleinstehend ist und arbeitet oder wo beide arbeiten - der hat ein Problem, wenn Schule 15.30 Uhr zu Ende ist. Ich arbeite bis 16 Uhr, mein Mann hat oft Spätdienst. Wir beide können auch nicht mal eben weg, weil die Schule zu macht. An diesen Tagen BRAUCHTEN wir eine längere Betreuung. An anderen aber eben auch nicht, da waren wir froh, den Nachmittag mit den Kindern verbringen zu können.
    Das scheint vielen Eltern so zu gehen, denn ca. die Hälfte aus meiner Hortgruppe (die weitestgehend identisch mit der Klasse ist) immer wieder mal bis 16 oder 17 Uhr Uhr da. Nicht täglich - da sehe ich schon einen riesen unterschied ob es "Pflicht" oder "kann" ist. Die Eltern haben zum Glück auch mal kurze oder freie Tage, die Omas kommen mal usw. Ganztag würde für uns (und sie) bedeuten: An den "langen" Tagen hätten die Eltern ohne Hort statt GTS ein Abhol- und Betreuungproblem gehabt und an den kurzen Tagen hätten sie zwar ausgiebig Zeit für die Kinder - aber die dürfen aus der Pflicht-GTS ja nun mal nicht weg. Klar auch eine Form von Chancengleichheit, aber eine positive?


    Verstehst du warum ich eine GT-Pflicht so kritisch sehe? Als ein Angebot in einer vielfältigen Schullandschaft, ja. Als Pflicht für alle - nein.



    Magst du mir dann noch mal erklären, wie das gemeint war? Vielleicht habe ich dich ja wirklich falsch verstanden.


    Zitat

    Zitat Trin: Aber wenn ich es kann und möchte, wenn es mir Spaß macht, mit meinem Kind gemeinsam die Dinge zu entdecken, es in seinen Interessen zu begleiten - warum sollte ich nicht dürfen? Schließlich ist Schule ein großer Lebensbereich meines Kindes, der KANN doch in einer Familie gar nicht komplett ausgeschlossen werden.

    Deine Antwort darauf:

    Zitat

    Es verbietet Dir ja keiner. Aber man sollte sich schon bewusst sein, dass, je mehr man eingreift (z.B. gibt es bei uns in fast jeder Schule ziemlich gute Bibliotheken und es gibt Computer mit kinderkompatiblen Suchmaschinen. Die Bedienung derselben könnten die Lehrkräfte IN der Schule mit allen einüben), desto größer die Ungerechtigkeit wird.

    Ich denke, daß gerade diese Aussage mich ziemlich angepiekt hat.

    Für mich liest sich das nämlich wie: "Verbieten kann es dir natürlich keiner . Aber ein schlechtes Gewissen solltest du schon haben, weil du deinem Kind damit unfair bessere Chancen verschaffst als andere haben!"
    (Es ging ja um das Begleiten von Interessen, Anteil am Lebensbereich Schule nehmen usw. nicht um Arbeiten FÜR das Kind, um Betrug oder "zu guten Noten pushen")


    Mal ein konkretes Beispiel: Mein Herr Wichtel hat graphomotorische Probleme- Er KÖNNTE natürlich in der Schule daran arbeiten - das würde ihm aber Zeit für spannende Sachen nehmen, die er dort mit seinen Freunden macht oder für die er nur dort die Möglichkeiten hat.


    Also wollte(!) er zu Hause daran arbeiten und wir haben täglich 10 min an einem Programm gearbeitet, dass ihm half, seine Schrift wenigstens leserlich zu bekommen.


    Natürlich greife ich damit in die Chancen meines Kindes ein und mir ist auch bewusst, dass das nicht alle tun würden. Aber welches Kind hätte etwas davon gehabt, wenn er nach wie vor unleserlich schreiben würde? Vielleicht würde ein andres Kind bei einem Plakat besser dastehen, weil man die Schrift dieses Kindes gut lesen kann (weil im schreiben leicht fällt) und die meines Kindes nicht.


    Wäre es dann aus deiner Sicht besser gewesen, nicht einzugreifen, also nichts zu machen oder es allein in der Schule zu lassen (Was meinem Kind Zeit und damit die Chance auf spannende Entdeckungen und weiterbringende Lernerfahrungen dort genommen und einen Pädagogen hätte)? Oder hätte ich es tun dürfen, aber mit schlechtem Gewissen?


    Wie gesagt: Daß alle Kinder gute Chancen haben sollen und dass Eltern nicht FÜR die Kinder arbeiten sollen usw. , da sind wir uns einig. Bei Lösungsansätzen die dahin führen könnten, nicht so ganz.

  • Trin, ich werde langsam müde...
    Ich habe keine Lust, alle Zitate nochmal zu suchen. Zu meinem ersten: Da schrieb ich "könnte" und "eigentlich". Und dachte, mich damit so distanziert zu haben, dass man mich nicht als Propagandist der verpflichtenden GTS sieht. Dann hab ich irgendwann mehrmals gesagt, dass ich auch die Kritikpunkte sehe und verstehe und meine eigenen Kinder nicht an der GTS angemeldet habe.


    Ich schrieb auch mehrfach, dass es mir nicht um spezielle Probleme geht (also graphomotorische oder ADHS oder oder oder). Es geht mir um den Wahnsinn, der im Ausgangspost beschrieben wurde
    .
    Und mit dem letzten Zitat wollte ich einfach nur sagen, dass man sich bewusst sein sollte, wie die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen sind. Das heißt doch nicht, dass man nicht zu persönlichen Entscheidungen stehen kann? Man könnte ja z.B. auch überlegen, ob man nicht einem anderen (offensichtlich benachteiligten) Kind in der Klasse ähnliche Hilfestellung anbietet (gemeinsame HA-Aufsicht, gemeinsame Quellensuche bei Referaten, gemeinsames Vorbereiten einer Arbeit). Das fände ich persönlich eine tolle Sache für Leute, die gerne zuhause fördern.


    Andererseits ist es so: Je mehr zuhause schulische Aufgaben abgenommen werden, desto weniger kann es Rückmeldung an die Schulen geben, dass hier etwas nicht stimmt, dass zuviel verlangt wird, zu schlecht eingeführt, zu wenig geübt, zu wenig Ruhe zum Arbeiten oder sonst was ist. Man spielt also dem "System" in die Hände, das am Anfang von einigen beschrieben wurde.
    Und ich schrieb in diesem Zusammenhang auch, dass ich im Einzelfall verstehen kann, dass man sich alleine nicht dagegen stellen möchte. Allerdings sollte man da die Elternvertretungen mal an den Job erinnern, den sie haben: Nämlich die Interessen der Eltern zu vertreten. Oft ist es da hilfreich, sich an die Kreis- oder Landeselternbeiräte zu wenden, um Hilfe zu bekommen, wenn die Situation an der einzelnen Schule verfahren ist.


    Aber Du führst immer wieder entweder die Schiene der Interessensförderung (allgemein) oder der Förderung spezieller Schwächen gegen die Ausgangs"these", nämlich, dass es teilweise üblich ist, dass Eltern sich übergriffig an Hausaufgaben etc. beteiligen, Mappen und Referate anfertigen bzw. sehr stark und bis ins Detail eingreifen. Und sogar kommenden Unterricht "vorbereiten". Du ignorierst das hartnäckig und beziehst alles auf Dich und Deine Situation. Das ist zumindest mein Eindruck.


    Ich kritisiere nicht Dein persönliches Engagement für Deine Kinder.


    Und jetzt bring ich mal mein Haus in Ordnung.

  • Hallo,



    Aber Du führst immer wieder entweder die Schiene der Interessensförderung (allgemein) oder der Förderung spezieller Schwächen gegen die Ausgangs"these", nämlich, dass es teilweise üblich ist, dass Eltern sich übergriffig an Hausaufgaben etc. beteiligen, Mappen und Referate anfertigen bzw. sehr stark und bis ins Detail eingreifen. Und sogar kommenden Unterricht "vorbereiten". Du ignorierst das hartnäckig und beziehst alles auf Dich und Deine Situation. Das ist zumindest mein Eindruck.



    Ich denke, ich verstehe schon, was du meinst, es geht um Eltern, die ihre Kinder regelrecht pushen, die meinen für alles selbst verantwortlich zu sein usw. Was die Eltern angeht, die Dinge für ihre Kinder tun, damit sie bessere Leistungen vortäuschen und dadurch bessere Noten bekommen - möglichst noch bessere als andere Kinder - da sind wir uns einig.



    Nicht falsch verstehen, ich bin NICHT dafür, dass die Eltern die Themenkisten FÜR die Kinder gestalten oder ihnen die Vorträge schreiben, die sie nur noch halten müssen oder ähnliches. Ich schrieb ja, dass so etwas (abgesehen von der Materialsammlung) möglichst komplett IN der Schule erfolgen soll.




    Schule so gestalten, dass die Unterstützung der Eltern nicht NÖTIG ist - ja, gerne, sofort. Da bin ich sofort dabei.


    Wie gesagt, dieses "Ich schreib dir deinen Bericht, damit die Note ein Grad besser wird als die des Nachbarkindes" finde ich aus ganz verschiedenen Gründen blöd.




    Es ging (mir) ja um das Begleiten von Interessen, Anteil am Lebensbereich Schule nehmen usw. nicht um Arbeiten FÜR das Kind, um Betrug oder "zu guten Noten pushen".



    Mein Gefühl ist, dass viel zu wenig getan wird, um Chancen (für alle Kinder!) zu ERHÖHEN. Aber sie statt dessen für einige Kinder zu verkleinern, kann nicht der Weg sein und wird auch nicht funktionieren, erst recht nicht, so lange unsere Kinder in ein System gepresst werden werden, dass sie schon mit 10 "sortiert" und damit in diesem Frühen Alter für viele "Chancengrößen" festlegt. So lange das so ist, wird es immer Eltern geben, die ihrem Kind diese (vermeintlichen oder echten) höheren Chancen ermöglichen wollen. (Unabhängig davon, ob ich das sinnvoll oder die Mittel dafür gut finde oder nicht) .





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    Das oben sind übrigens alles wörtliche Zitate aus meinen Postings hier im Strang, ;) ich finde nicht, dass ich da irgendwas ignoriere #weissnicht

    Ich bleib dabei: (ebenfalls Zitat):


    Daß alle Kinder gute Chancen haben sollen und dass Eltern nicht FÜR die Kinder arbeiten sollen usw. , da sind wir uns einig. Bei Lösungsansätzen die dahin führen könnten, nicht so ganz.


    Ich denke, wir lassens gut sein, oder?
    Menschen machen leben in verschiedenen Umfeldern, verschiedene Erfahrungen und haben - selbst wenn sie gleiche oder ähnliche Ziele haben - darum eben manchmal auch verschiedene Vorstellungen davon, was Lösungen dafür sein können, das ist einfach so. :)

  • Trin ich bin da ganz bei dir, dass wollte ich nochmal dalassen... Und vor allem deine Forderung, dass es einen guten und freiwilligen Hort geben sollte, möchte ich unterstreichen. Und ich meine auch sehr deutlich, dass Ganztagsschule Chancen nehmen kann, vor allem bei außerschulischen Begabungen. Wie soll denn dann noch irgendeine Form von Leistungstraining z.B. in Sport oder Musik möglich sein? Die für alle offene Fußballgruppe einer GTS kann bestimmt kein Kadertraining leisten. Oder Leistungsschwimmen. Gerade Vereine werden hierbei kaputtgemacht, besonders mit dem fadenscheinigen Argument, die Trainer sollten doch in die Schulen kommen.

  • Trin ich bin da ganz bei dir, dass wollte ich nochmal dalassen... Und vor allem deine Forderung, dass es einen guten und freiwilligen Hort geben sollte, möchte ich unterstreichen. Und ich meine auch sehr deutlich, dass Ganztagsschule Chancen nehmen kann, vor allem bei außerschulischen Begabungen. Wie soll denn dann noch irgendeine Form von Leistungstraining z.B. in Sport oder Musik möglich sein? Die für alle offene Fußballgruppe einer GTS kann bestimmt kein Kadertraining leisten. Oder Leistungsschwimmen. Gerade Vereine werden hierbei kaputtgemacht, besonders mit dem fadenscheinigen Argument, die Trainer sollten doch in die Schulen kommen.

    Und wenn ein Kind Lust auf so etwas hat, fände ich es gut, wenn es von der Nachmittagsbetreuung aus die Möglichkeit bekommt, auch dann solchen Interessen nachzugehen, wenn seinen Eltern das nicht möglich ist oder sie kein Interesse daran haben.


    Hier werden Kinder z.B. (kostenlos) aus dem Hort zu bestimmten Sportgruppen abgeholt und bei Bedarf wieder in den Hort gebracht. Leider nur bei einigen wenigen Vorzeigeprojekten - so etwas flächendeckend fände ich toll. Es würde Chancen wirklich erhöhen und nicht nur angleichen und würde das Spektrum der Möglichkeiten für die einzelnen Kinder sehr deutlich vergrößern.,
    (Würde aber mit einer Ganztagspflicht wieder kollidieren. )

  • Ich möchte aber auch nur am Rande noch anmerken, dass es in anderen Ländern auch möglich ist, trotz verpflichtender Ganztagsschule noch Hobbys und Interessen nachzugehen. Das schließt sich nicht aus. Muss aber eben gut organisiert sein.

  • Hallo,


    und was ist mit Familien, die zwar möchten, aber nicht gut im organisieren sind mit straffen Zeitplänen überfordert sind oder die Interessen von mehr als einem Kind in dieser Organisation dann wischen 17 und vielleicht maximal 18.30 Uhr unterbringen müssten?


    Dass etwas "geht", heißt daß es GEHT. Aber noch nicht, dass es unbedingt auch für alle GUT - und schon gar nicht, dass es die einzig richtige Lösung für alle Kinder ist.


    Ich hab ja auch nichts dagegen, dass es Ganztagsschulen GIBT, ich habe nur etwas dagegen, dass sie verpflichtend für ALLE Kinder sein sollen.


    Dass sie automatisch höhere Chancen schaffen, daran glaube ich auch nicht. Warum, habe ich denke ich schon ausreichend geschrieben.
    Ich habe erst letztens einen Bericht über Kinder in (? leider vergessen, jedenfalls in Asien, bei Bedarf schau ich nach) gesehen, für die es normal ist, neben NACH Schule noch zum Training, zur Musikschule und zusätzlich zu X Förderkursen zu rennen, zum Teil bis in die Nacht.


    Trotz Ganztagsschulen gegen die unsere noch an Halbtag grenzen, weil ihre Eltern denken, dass sie nur so eine Chance im Leben haben.
    Solch wird es immer geben... da ändert allein die Dauer des Schulaufenthaltes doch nichts. Und was ist mit denen, die sich das nicht leisten wollen oder können oder deren Kinder das nicht verkraften? Da ist sie wieder die Ungleichheit, nur an anderer Stelle.


    Schule müsste ANDERS sein, das ist klar. Mit ihrer täglichen Dauer hat das aber recht wenig zu tun.
    Das geht sicher ganztags. Halbtags mit guter, aber freiwilliger Nachmittagsbetreuung aber nun mal auch (wie gesagt, selber bei 4 Kindern so erlebt) .


    Aber wie gesagt, ich denke, da werden wir uns nicht einig.

  • Ich glaube eben nicht, dass insgesamt die englischen Kinder unglücklicher oder suboptimaler aufgezogen werden, weil sie alle verpflichtend bis 15.30 oder 16 Uhr in der Schule sind. Ich möchte diese Form nicht einfach "abgetan" wissen, nur weil es für uns persönlich unpassend scheint und wir es uns nicht gut vorstellen können oder weil es halt in Deutschland immer schon anders war... Aber es scheint nicht möglich zu sein, diese Diskussion auf eine andere Ebene zu heben. Es bleibt immer im Persönlichen stecken.


    Man kann die Untersuchungen und Studien natürlich zu recht auch angreifen. Sie aber komplett ignorieren finde ich nicht ok.


    Ich glaub aber, ich bin jetzt raus. Es sei denn, es ergeben sich noch irgendwelche neuen Aspekte in Bezug auf Chancengleichheit.

  • Das Problem mit den außerschulischen Beschäftigungen sehe ich auch. Es ist z.B. sehr schwer einen Platz an der Musikschule zu bekommen. Und wenn die nur Zeiten von 16:30 - 19:00 Uhr an Kinder vergeben könnten, dann wäre es noch viel schwieriger einen Platz zu bekommen. Genauso ist es mit den Sportvereinen und den Hallenzeiten. Es können nicht alle nur abends belegt werden.


    Ein GTA in der Schule kann sicher in den ersten Schuljahren zum reinschnuppern gut sein, aber Vereinstraining gibt ganz andere Möglichkeiten (zudem ich es aus persönlicher Erfahrung ungemein bereichernd fand, auch außerhalb der Schule einen zusätzlichen Freundeskreis aufbauen zu können).


    Was ich aber als sehr kritisch empfinde, ist, dass ein offener Hort oft auch gerade nicht von Kindern genutzt wird, die sehr davon profitieren würden.
    Schwierig und ein zweischneidiges Schwert.

  • Hallo,


    Was ich aber als sehr kritisch empfinde, ist, dass ein offener Hort oft auch gerade nicht von Kindern genutzt wird, die sehr davon profitieren würden.
    Schwierig und ein zweischneidiges Schwert.



    Das ist sicher regional verschieden. Hier ist üblicherweise Schulklasse = Hortgruppe,


    In "meiner" Klasse ist ein einziges Kind kein Hortkind und das auch nur, weil es eine emotionale Besonderheit hat (Für dieses Kind wäre GTS vermutlich eine Katastrophe). In den andene Klassen ist das Verhältnis ähnlich, die Kinder, die keine Hortkinder sind, sind aus Familien, die sich sehr bewusst um ihre Kinder kümmern (im "Begleitung-Sinne" nicht im "Trimm-Sinne") .


    Meine Erfahrung ist, dass z.B. gerade in den sogenannten "Brennpunkten" besonders viele Kinder besonders lange im Hort sind. Die Eltern sind froh, wenn sie dort gut aufgehoben sind.


    An den Ganztagsschulen (BIP und wie sie alle heißen) jenseits von Montessori (das ist diesen Eltern zu frei ;) ) tummeln sich hier eher Kinder von Eltern, die ihre Kinder ganz besonders gut "gefördert" (Im sinne von "Einen Vorsprung vor anderen haben") wissen wollen und daher Schulen suchen, die das bieten und dafür dann tatsächlich hinterher noch diesen oder jenen Kurs (Kumon scheint sehr beliebt) dranhängen statt Schule Schule sein zu lassen.

  • Wenn ich meinem Kind Informationen oder Themen, für die es sich interessiert, vorenthalten würde, würde ich es unter seinen Möglichkeiten halten.


    Wenn ich für mein Kind die Aufgaben, Projekte usw ausarbeiten würde, ihm Referate vorkauen usw - würde ich es auch unter seinen Möglichkeiten halten.


    Ist doch beides Blödsinn.

  • Linnea:
    Interessanter Ansatz! Meine Eltern sind aus der Arbeiterklasse. ICH hatte genau eine Lehrerin die meinte, was du willst das schaffst du auch!
    Die restlichen Lehrer sagten mir oft: Du bist auf der Realschule! Warum willst du Abitur machen. Mache eine Ausbildung... Werde etwas Solides...


    Ich gebe zu, ich bin durch das Abi auch ohne Göthe gekommen. Shakespeare kenne ich eher aus Verfilmungen. Okay, ich habe auch nicht Deutsch oder Philosophie studiert:)


    Ich finde die Diskusion auch sehr schwierig, es geht in meinen Gedanken auch nicht um die Allgemeinheit, es macht mich nur sehr traurig zu sehen, das es Kinder gibt die wirklich gutes leisten und auch großes Interesse an Dingen haben und von zuhause so gar nicht Input erhalten. Wirklich intelligente Kinder kommen auf die Haupt oder wenn sie Glück haben auf die Realschule. Kinder die ihr Potential vielleicht nie ausschöpfen.


    Andere Kinder sind nur durchschnittliche Schüler, werden aber konsequent so gefördert und gepuscht, dass sie aufs Gynasium kommen und dann immer nur lernen. Es geht mir nicht um alle Kinder! Es geht mir um wenige Einzelne...


    Ich bin sicherlich nicht so naiv zu denken, dass es eine Lösung für das Problem gibt:) Ich frage mich nur, wie man die Gesellschaft sensibilieren könnte...


    Zum Thema GTS: Das gibt es hier bei uns gar nicht, hier haben wir die OGS, eine Betreuung wie der Hort. Mit Erzieherinnen als Betreuer. Ich glaube auch nicht das GTS die Lösung bringt, da es einfach auch Elternteile gibt die gerne zu Hause bei den Kindern sind und diese nun mal auch betreuen möchten. Aber ich kenne nun auch keine GTS und kann diese Form weder anpreisen noch reduzieren.


    Den Ansatz, dass es mehr sport und Musik oder andere Hobbies geben sollte unterstütze ich absolut. Das würde zu mindestens einigen Schüler die Option geben in ein Hobby reinzuschnuppern wozu sie vielleicht sonst nie kämen!


    Lg chelida

  • #angst Das merkt man. Der Mann schreibt sich "Goethe".

    Das könnte auch an einer Autokorrektur von Handy/Tablet oder Computer kommen. Und ich find den Hinweis auch so unnötig. #tutmirleid

  • Als Anrgeung zum Nachdenken und zur Diskussion


    http://www.zeit.de/zeit-magazi…d-martenstein-intelligenz

    Ich lese diese Kolumne eigentlich total gern, aber in diesem Zusammenhang finde ich diese Ausgabe jetzt nicht sehr passend.
    Wenn Herr Martenstein nicht an eine Schule gekommen wäre (Gymnasium), an der er so einen Lehrer (und den entsprechenden Lehrplan) hätte haben können, dann wäre so einiges anders gelaufen in seinem Leben. Eventuell sogar deutlich anders.


    Im Durchschnitt ist die Intelligenz von Lehrern übrigens sehr durchschnittlich. :D :D :D

  • Nur ein kleiner Einwurf: Ich bin zwei Jahre auf eine amerikanische Schule gegangen - dort gab es ein extrem breites Angebot an "extracurricular activities" - angefangen beim obligatorischen Football, aber selbstverständlich auch Tennis und immerhin Golf, einem sehr guten Chor, einem super Orchester, einer Musicalgruppe, Science AG, Debattierclub, etc. Und einzelne Schüler haben Sport auf Leistungsniveau betrieben. Scheint also schon zu gehen.


    Ich persönlich fand die GTS nicht soo toll, mir fehlte das Umfeld "außerhalb" der Schule. Aber da spielte vieles mit rein, was so in Deutschland oft anders ist: so gut wie kein ÖPNV, keine Treffpunkte außerhalb der Schule, kaum Kinder in unserem Viertel - so was halt.

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

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    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Hallo,

    Und einzelne Schüler haben Sport auf Leistungsniveau betrieben. Scheint also schon zu gehen.

    Ja, innerhalb einer vorgebenen Auswahl.


    Ein Mädchen/junge Frau aus meinem Bekanntenkreis war erst kürzlich in Amerika. So wie sie erzählte, war es so, dass sich sowohl organisatorisch als auch was Gesprächsinhalte usw. angeht irgendwie alles sowohl innerhalb der Familie und auch außerhalb vorrangig um "Schule" gedreht hat. Was steht an, wofür muss wer noch lernen, wer braucht wo Nachhilfe... "Hast du gesehen, heute morgen vor dem Unterricht...? Welches Fach wählst du dazu, welches ab... Welches Thema hast du für das Refertat in...


    Alles nichts Schlimmes, aber eben sehr einseitig um "Schule" kreisend, weil es eben einfach kaum andere Themen gab. Für ein Jahr sicher OK. Aber ich denke, irgendwann nervte das. Oder man gewöhnt sich dran, wenn man es nicht anders kennt, klar. Einseitig finde ich es auf jeden Fall.



    Und wenn man mit den Leuten da nicht so gut auskommt (was bei ihr zum Glück kein Problem war) gab es für diese Schüler/Schülerinnen kaum die Möglichkeit, in "Schul-unabhängigen" Gruppen andere, vielleicht positivere Erfahrungen zu machen. Egal was sie machten, es war doch immer "Schule" und man begegnete immer wieder den gleichen Leuten.


    Zu Hause musste NACH der Ganztagsschule trotzdem gearbeitet werden, nicht zu knapp, das war auch bei den jüngeren Kindern der bekannten Familien so. "Sommer Schule" (Unterricht in den Sommerferien, um Lücken aufzuarbeiten oder sich einen Vorsprung zu holen, je nach dem) ist für die, sie sich das leisten können(!), auch nicht unüblich.


    Es gab zwar bei ihr an der Schule mehrere Sportarten, davon 2 oder 3 auch auf recht hohem Niveau. Aber es war keine dabei, die ihr gefallen oder körperlich gelegen hätte - aber nach der Schule war zeitlich kaum noch was möglich. Also hat sie halbherzig mal dies und mal das gemacht, nur weil sie eben etwas machen musste.


    Es spräche ja auch nichts dagegen, verschiedene Sachen in Kunst, Musik, Sport... oder einfach Zeit zum "da sein" (Quasselclub o.ä.) anzubieten und denen, die kommen wollen, damit viele tolle Möglichkeiten zu bieten. Ohne die, die etwas anderes machen wollen oder einfach mehr Zeit für sich brauchen, verpflichtend bis zum Zeitpunkt X dazubehalten.


    Und soviel ich weiß, sind auch weder das amerikanische noch das englische Schulsystem leuchtende Vorbilder, was echte "Chancengleichheit" angeht... ;)