Taschengeld - Gedanken von Nora Imlau

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  • Ich glaube ob zb so ein offenes Glas wie bei homunkulus funktioniert, ist einfach auch ganz viel typsache. Prinzipiell finde ich den Gedanken sehr schön: wir haben ein gewisses Budget als Familie zur Verfügung und jeder darf sich davon etwas nehmen. Maßvoll.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass das in manchen Familien super klappt; ich kann mir aber auch vorstellen, dass es mancherorts nicht funktioniert.


    Ist ja ein bisschen wie mit frei verfügbaren Süßigkeiten: bei uns hat das von Beginn an funktioniert, wir hatten eine -fast immer gut gefüllte- Snackschublade, da wurde sich nie im Übermaß dran bedient, sie war nie leergefuttert. Es ist aber halt ein bisschen Glückssache denke ich.

    Dafür hätte ein offenes Geldglas vermutlich zumindest im Grundschulalter nicht gut funktioniert, zu groß wäre die Verlockung gewesen, doch noch mehr zu nehmen. Das war hier auch die Zeit, wo die Kinder recht „materialistisch“ waren, es war irgendwie cool, Sachen selbst kaufen zu können. Inzwischen geht es.


    Dennoch finde ich es gut, dass sie einen Betrag erhalten, mit dem sie fest rechnen können und auch zeitlich frei verfügen können. Ich habe nicht das Gefühl, das Geld hier eine große Rolle spielt, sie wissen, Anfang des Monats kommt Betrag X aufs Konto und fertig.


    Natürlich ist da auch jeder geprägt von eigenen Erfahrungen und Erlebnissen, das ist ja bei vielen Dingen so, ohne das man daraus eine Allgemeingültigkeit ableiten könnte.

    Ich hatte zb eine beste Freundin, die bekam kein TG, konnte immer fragen und bekam dann auch reichlich. Wahrscheinlich mehr als ich so zur Verfügung hatte. Dennoch fand ich den Ablauf immer unangenehm:

    Sie fragte „ich geh mit ebura weg, kann ich etwas Geld bekommen?“

    Und immer kam die Rückfrage „was willst du denn kaufen“

    Das war alles an sich nicht schlimm, die Eltern sehr wohlwollend, aber man hatte halt immer zu antworten. Ich hingegen hatte Betrag x und musste dafür niemanden irgendwas erklären.

    Natürlich beeinflussen solche Erlebnisse bzw die Gefühle die man dabei hatte, dann die eigene Entscheidung.

    We must accept finite disappointment, but never lose infinite hope.

    Martin Luther King, Jr.

    ———-

    ebura mit S (*04), E (*05) und #paket (12/21)

  • Hallo,




    Trin: Ich hatte @yummymummy so verstanden, dass sie sich nicht auf Deine Kinder, sondern auf Dich bezog - wie Du beschreibst, eigene Wünsche nicht zu äußern und unverschämt zu finden, weil Du das schon mit der Arbeitszeit Deiner Eltern gegengerechnet hattest.


    Das voranstehende (Selbst)Zitat bezog sich eindeutig darauf. daß die Lust etwas zu tun, schwindet, wenn man dafür bezahlt wird. Daher gehe ich auch davon aus, daß auch der Teil gemeint ist, in dem ich beschrieb, wie ich versucht habe, meinen Kindern Geld für Arbeit anzubieten und sie das ablehnten.


    Ich sehe wie gesagt den Grund nicht in einer "künstlichen Verknappung" sondern einfach darin, daß meine Kinder waren, wie sie waren. (Bei der Berufswahl spielt z.B. neben den persönlichen Interessen usw. eine halbwegs angemessene Bezahlung durchaus eine Rolle)


    ch hatte yummymummy so verstanden, dass sie sich nicht auf Deine Kinder, sondern auf Dich bezog - wie Du beschreibst, eigene Wünsche nicht zu äußern und unverschämt zu finden, weil Du das schon mit der Arbeitszeit Deiner Eltern gegengerechnet hattest.

    weder noch;)ich bezog mich auf mich selbst "wir", also meinen mann und mich!

    wir könnten erheblich mehr geld locker machen, mögen es aber lieber in andere dinge stecken, wie haus, urlaub...

    nur so als bsp: eine schulkameradin der kleinen tochter hat zum geburtstag ein handy für über 1000 euro bekommen, finde ich für eine 11jährige einfach überzogen, ob ich jetzt das geld dazu hätte oder nicht!

    vielleicht hat es aber auch mit einem eher frugalen mindset zu tun, bzw z.z. eher nicht so konsumorientierten haltung...


    Ich verstehe leider immer noch nicht, was das mit meinen Kindern und den liegengebliebenen Laubhaufen im Garten zu tun hat...


    Aber ich lese ja, daß es bei anderen offenbar genau so lief.

  • @yummymummy und Trin oh, danke für die Aufklärung.


    Ebura: Zu viel nehmen ist eine Seite, zu wenig geht auch, sich nie sicher sein, wie viel angemessen ist, und dann lieber verzichten.

    Und ja, allein die Frage nach Geld kann schon rechtfertigungsdruck erzeugen.


    Wie machen denn die mit den größeren Beträgen vor bestimmten anlässen das - wie legt ihr die Summe fest? Da ist doch dann auch Willkür und machtgefälle drin?

  • Wie machen denn die mit den größeren Beträgen vor bestimmten anlässen das - wie legt ihr die Summe fest? Da ist doch dann auch Willkür und machtgefälle drin?

    Bei Geburtstagen sind es die Grosseltern, die etwas Geld geben. Sie haben auch Geld vom Flohmarktverkauf. Und bei Klassenfahrten gibt es ja Vorgaben.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

    Being is always becoming.

  • das wird gemeinsam beratschlagt. tochter sagt, wie viel sie fürs wochenende braucht (da geht sehr viel für zugfahrkarten drauf) und wir geben ihr diese summe.

    „Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.“


    Abraham Lincoln

  • Hallo,


    Einen Ort mit gesammeltem Kleingeld für plötzlich auftretende "Ich brauche Hartgeld"-Situationen (jemand muss im Bus eine Karte lösen, hat aber gerade nicht genug Bargeld, ein Kind musste plötzlich in der Schule etwas bezahlen, ich wollte irgendwo parken, wo man den Automaten bar bezahlen muss...) gibt es bei uns auch. Ich habe nicht das Gefühl, daß da übermäßiger "Schwund" herrscht oder daß sich einer "einfach so" dran bedient. Allerdings kontrollieren wir das auch nicht, irgendwie muss schon Vertrauen da sein.


    Eine andere Situation ist z.B. : Unser Sohn wollte sich unbedingt in einem Fitnesstudio anmelden. Wir fanden die Idee prinzipiell gut und unterstützenswert (anderen Sport finanzieren wir ja auch, soweit es möglich ist), waren aber aus mehreren Gründen (u.a. Erreichbarkeit) nicht sicher, ob er auch nach der ersten hochmotivierten Phase einigermaßen regelmäßig geht oder ob wir das Geld in den Sand setzen, weil der Vertrag über 2 Jahre geht und nur schwer vorher kündbar ist. Es sollte für ihn aber genau DIESES Studio sein (nicht teurer als andere, aber bei einem guten Kumpel in der Nähe, der allerdings selber da schon eigentlich nicht mehr wirklich hinging).


    Unsere Abmachung war daher: Die Kosten gehen erst mal von seinem Konto, aber jedes Mal, wenn er geht, bekommt er von uns einen Zuschuss von soundsoviel, so daß er bei regelmäßigem Besuch auf Null eigene Kosten kommt. (Krankheit, Urlaub usw. werden auch geklärt). Fand er selber eine gute Idee, weil es ihm in dem Falle tatsächlich auch helfen würde, sich zu motivieren.

    Auch da kontrollieren wir nicht, sondern glauben, wenn er sagt, daß er dort war.


    Insgesamt war es bei uns denke ich eine Mischung - Taschengeld gab es für die Kinder, allerdings nicht so viel, besondere Aktionen (spontaner Kinogang mit Freunden) wurden dafür auch mal genau so spontan bezuschusst. Da kein Kind das übermäßig ausnutzte und auch bis heute keins über unsere Regelungen klagt, war das so OK für alle, denke ich.

    Wie man "später mal" mit eigenen Kindern drüber denkt, was man als Kind so erlebt hat, ist ja sowieso eine andere Sache.

  • habe gestern extra noch mal nachgefragt. sie möchte das modell beibehalten.

    dann scheint es doch gut zu passen. Ist doch wie bei vielen Dingen: im Gespräch bleiben und so den für die Familie passenden Weg finden.

    Mal mehr, mal weniger holprig.


    (Wir haben es gerade bei der jüngsten mit dem weggeh Thema, da passt die bisherige Regelung nicht mehr so gut und wir müssen neu schauen)

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    ebura mit S (*04), E (*05) und #paket (12/21)

  • Wie machen denn die mit den größeren Beträgen vor bestimmten anlässen das - wie legt ihr die Summe fest? Da ist doch dann auch Willkür und machtgefälle drin?

    also wir geben ja Taschengeld, dennoch gibt es auch mal größere Beträge zu besonderen Anlässen (Geburtstag, Weihnachtsmarkt, Urlaub).

    Bei Geburtstagen haben wir so ein ungefähres Budget pro Kind, was zu unserem verfügbaren Geld passt. Manchmal wird das durch konkrete wünsche ausgeschöpft, manchmal gibt es nur kleine wünsche, dann gibt es mal einen Gutschein oder ein bisschen Geld dazu, bis wir insgesamt wieder so ungefähr bei unserem Budget sind.


    Beim Rest ist es meist ein runder Betrag, den ich gut verkraften kann und von dem ich das Gefühl habe, man kann in der Situation was anfangen (zb auf dem Weihnachtsmarkt Crêpe und Punsch und eine Kleinigkeit holen), aber prinzipiell natürlich willkürlich. Aber da es ein extra ist, finde ich das in dem Fall nicht schlimm.

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    ebura mit S (*04), E (*05) und #paket (12/21)

  • Bei Jahrmarkt/Weihnachtsmarkt mache ich meist einen Vorschlag, frage aber immer dazu, ob das passt. Wir gehen aber eher selten da hin, weil es uns zu teuer ist. Ich mache den Vorschlag, weil ich das Haushaltsbuch führe und wir haben einen monatlichen Pott fuer Geld mit "Fun-Stuff" und dann überlegen wir halt, wie der eingesetzt wird, oder ob der schon alle ist.

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  • Bei den Extra-Beträgen ist für uns eher das Problem, dass wir manchmal schlecht einschätzen können, was die anderen Kinder so bekommen. Also: Kind A muss den Ausflug aufs Volksfest vom Taschengeld bezahlen, Kind B hat immer viel Geld zuhause, Kind C bekommt eine genaue Vorgabe - wenn unser Kind dann D ist, versuchen wir, einen Betrag zu finden, mit dem es dann weder zu wenig noch zu viel dabei hat (bzw. wenn wir wissen, dass es bei einem Kind immer sehr knapp ist, sollte unser Kind genug dabei haben, um das Kind einladen zu können). Das sind eher soziale Gesichtspunkte an unserem Ende als finanzielle. Uns ist aber wichtig, dass unsere Kinder auch da ein Bewusstsein bekommen, dass eben andere finanziell anders ausgestattet sind und sie nach Möglichkeit schauen sollen, dass es für alle ein schöner Nachmittag wird.

  • bedenkenswert ist auch, dass laut studie mädchen tendenziell weniger taschengeld erhalten als jungs (angeblich, kann ich bei uns nicht verifizieren) und dass deswegen in dem artikel (find ihn grad leider nicht...) gesagt wurde, gebt mit verhandlungen mit euren töchtern eher nach, so dass sie sich später trauen, auch im beruf mehr zu verlangen! eigentlich einleuchtend...

  • das ist übrigens auch ein gedanke von mir. wir erziehen eher so, dass unsere töchter anspruchsvoll (im positiven sinne) an beziehungen, lebensumstände, kommunikation etc. werden.

    ob das klappt, werden wir später sehen.


    das bedeutet nicht, dass wir sie mit gütern oä. zuschütten. im vergleich mit den anderen jugendlichen hier, die zu 80% ab 16 relativ viel lehrgeld bekommen und danach super löhne haben sie sehr wenig.

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    Abraham Lincoln

  • Ich möchte einfach auch nochmals aufgreifen, dass es eben auch mit dem Budget der Familien übereinstimmen muss.


    Wenn meine Tochter Ende Monat zu mir käme und meinte, dass sie (um ein oben genannten Beispiel aufzugreifen) Geld für Wochenende und Zugfahrt braucht, dann könnte es passieren, dass ich es ihr nicht geben kann, weil einfach kein Geld mehr da ist, bzw. der Rest noch für Lebensmittel benötigt wird.


    Bei einem engen Budget kann man unmöglich mit "spontanen" Wochenenden, Kinoabendenen etc. umgehen.


    Deshalb ist es für uns einfacher, wenn Anfangs Monat fixe Beträge eingeteilt werden.

    Summe XY für Essen auswärts, Summe XZ Taschengeld einfach so und Summe XX, noch für Schulmaterialien etc.


    Trotzdem gibt es natürlich viele Gespräche über das Geld.

    Zb. hat sie ihr Jugendkonto bei einer Bank, mit deren Karte man die meisten Museen kostenlos besuchen kann. Von ihrem Stipendiengeld haben wir ihr ein ZugfahrtAbo für die ganze Schweiz gekauft, weil die Bahntickets ihr Taschengeld regelmössig aufgefressen haben. Sie kann Geld fürs Essen einsparen / anderweitig verbrauchen, wenn sie Essen von Zuhause mitnimmt.

    Usw.


    Eben, das hat jetzt nichts pädagogischen oder so im Sinn. Es ist einfach zwangsläufig eine Planungssicherheit bei engen Budget mit 2 Teenagern, die kein eigenes Einkommen haben.

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Huhu,


    ich glaube, es hängt auch viel davon ab, wie altersdurchmischt die Kinderschar ist. Ein komplett offenes Glas fände ich für den Papümel noch zu schwierig zu beherrschen, während ich es von unserer Pubertistin durchaus erwarten würde.



    Aber gibt es denn Erwachsene, die eine intrinsische Motivation für Haushaltsdinge haben?

    Ohja, und ich finde es auch sinnvoll, danach das Haushaltszeug an die Familienmitglieder zu verteilen. Ich finde es total toll, aufzuräumen oder Oberflächen zu wischen. Beides hasst mein Mann. Der faltet gerne Wäsche auf DinA4 oder wäscht ab. Der Papümel sortiert gerne alles (Schule, Spiele etc), das Marielottchen mag gerne Garten.



    Ich hab´s trotzdem mal ausprobiert, weil ich irgendwo gelesen habe, daß Kinder so etwas toll fänden und stolz auf ihr "selbst verdientes" Geld wären. Tja, die meinen haben damals beschlossen, daß Freizeit wichtiger ist... (was insofern blöd war, weil sie die Arbeit vermutlich einfach aus Nettigkeit oder gar Spaß an der Sache erledigt hätten, hätte ich sie "einfach so" drum gebeten. Aber so gab es eine Wahl - und die haben sie getroffen. Nur nicht zu meinen Gunsten.

    Kommt immer so ein wenig auf die Wünsche an. Für ein wenig mehr Schnucke würde sich hier auch keiner bücken, wenn es schnell etwas Großes sein soll, wird auch schon mal richtig rangeklotzt. Blöd nur: Da wir auch fix dabei sind, den Kindern Extras ohne Mehrarbeit zu zahlen, bedeutet das, dass sie eigentlich nur dann wirklich etwas "dazuverdienen" müssen, wenn wir finanziell gerade knapp sind und keine Wünsche erfüllen können. Dann ist es für uns aber auch extrem doof, arbeitenden Kinder ihren "Lohn" zu geben. Da beißt sich das System in den Schwanz :-)


    lg roma

    Toleranz ist der Verdacht, dass der Andere Recht hat - Kurt Tucholsky

  • Daroan. Ich denke es ist bei uns ähnlich, nur dass wir da eben eine summer für die Familie haben. Das liegt bestimmt auch an unseren Umständen, dass wir schon oft umgezogen sind und enger miteinander umgehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es irgendwann fairer sein wird, wenn jeder selbst über eine fixe Summe verfügt.

    Nothing is permanent.

    Everything is subject to change.

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  • Zitat

    Von ihrem Stipendiengeld haben wir ihr ein ZugfahrtAbo für die ganze Schweiz gekauft, weil die Bahntickets ihr Taschengeld regelmössig aufgefressen haben.

    das hätte unsere tochter auch gern, ist uns aber bei weitem zu teuer. das haben wir angesichts unserer ausgabensteuktur (den grössten teil frisst das elende schulgeld) nicht übrig.


    sie bekommt jetzt immerhin das halbtax, das 100 chf statt mehrere tausend kostet.

    „Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.“


    Abraham Lincoln

  • sie bekommt jetzt immerhin das halbtax, das 100 chf statt mehrere tausend kostet.

    Das ist ziemlich toll in Kombi mit dem Gleis 7. Damit können sie zumindest ab 19:00 alles benutzen. Meine Grosse war so auch mal in Lausanne, Abends runter, eine Nacht JuHe und dann am nächsten Abend wieder hoch.


    Aber das GA Junior ist schon eine ziemliche Luxus-Variante. Ohne das Stipendiengeld wäre es nicht gegangen und jetzt ist sie darauf stolz wie nur was (und flitzt dauernd in der Gegend herum)

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)