Gender-Kacke in Schule und Alltag

  • Runa zwischen Wut/Zorn/Erregung und Rumbrüllen ist unter Umständen ein Unterschied. Erstere halte ich für menschliche und legitime Gefühle. Kritisch sehe ich die verschiedene Einordnung solcher Gefühle durch die Umgebung, je nachdem ob ein Mann oder eine Frau sie äußert.

  • Erst mal, wie schon gesagt wurde, gibt es einen Unterschied zwischen laut werden und rumbrüllen. Als eine, die schnell laut ist, auch wenn es um Freude oder Trauer oder einfach um angeregte Disskussionen geht, fühle ich mich leicht auf den Schlips getreten. Und ich sehe ehrlich gesagt keinen Unterschied darin, ob man seine Wut laut äußerst oder "leise, klar und mordend". Ich habe aber schon öfters festgestellt, dass die "leise, klar und mordend" Wütenden sich den Lauten moralisch überlegen fühlen. Ehrlich gesagt sehe ich da keinerlei Grund für. Und wer mich, wenn ich sauer bin, auffordert, mich abzureagieren, hat sich bei mir disqualifiziert.


    Das hat jetzt zwar nichts mehr mit Genderkacke zu tun,ich wollte das aber nicht so stehen lassen.

  • Mädchen/Frauen werden eigentlich von Geburt an dazu erzogen, dass sie ihre Wut/Empörung/usw. doch bitte im Zaum halten oder wenigstens gesellschaftskonform äußern.


    ...


    Ich bin deswegen meistens sehr ausgleichend, verständnisvoll und vorsichtig unterwegs.

    Und wenn ich Grund habe, wütend zu sein, reflektiere ich lange, ob ich jetzt wirklich Grund habe, wütend zu sein und wie ich das jetzt angemessen äußere #rolleyes


    Beruflich habe ich jetzt aber [nach langer Zeit] erkannt, dass ich meine Wut, wenn sie berechtigt ist, besser auch mal äußere. Das kann ich dank meiner Erziehung in sehr höflicher und nicht beleidigender Weise tun - trotzdem kommt das, was ich in meiner Wut sage, an.


    Das hätte ich gern schon früher gewusst.

  • Allerdings bin ich der Meinung, dass alle Wütenden - egal welchen Geschlechts - sich so weit im Griff haben sollten, dass sie nicht ausfällig oder gar gefährlich werden. Und das habe ich, hoffentlich ungenderkackig, meinen Kindern zu anzuerziehen versucht.


    Eventuell war ich da sogar bei meinen Töchtern etwas nachsichtiger, denn: sieh oben.

  • Das ist mir auch schon aufgefallen - Frauen sind hysterisch, Männer wütend.

    Beschwert man sich und verlangt, dass das Wort nicht mehr verwendet wird, kommt ein "aber wenn Du es doch bist".


    Mal gucken, ob jetzt Tupperdosen geflogen kommen: Aber ich finde schon, dass Frauen (ja, klar, alle ...) mit Streit oft anders umgehen als Männer.

    Hat eine Frau mit einer Frau Streit, überträgt sich das oft auf die ganze Beziehung. Hat ein Mann mit einem Mann Streit, ist der oft dann geklärt und 10 Minuten später reden sie völlig normal über ein anderes Thema miteinander.


    Ich finde, man kann sich da von den Männern ein bisschen was abgucken. - Man darf laut und deutlich werden. Das ohne zu Kreischen, ohne zu Hibbeln. Und ganz ohne Einsicht beim anderen zu erwarten und nachher wieder lieb Kind miteinander sein zu wollen. Man muss nicht immer einen Konsens finden.

    Ich bin echt harmoniebedürftig und versuche ständig auszugleichen, um nur ja den lieben Frieden ...

    Aber ein paar Mal habe ich es geschafft, in entsprechenden Situationen einfach passend Paroli zu bieten. Bei Menschen, die mich nicht ernst genommen haben. Die mich von oben herab behandelt haben. Und dann hat es eine Situation gegeben, in der ich einfach mal laut und deutlich geblafft habe. Übersetzt ein "bis hierher und nicht weiter! Du hast keine Ahnung, was Du tust!" Und seitdem sind die (naja, handzahm wäre jetzt doch zuviel gesagt) gut zu haben. Nehmen mich ernst, hören zu, wenn ich was sage. Wobei mir wichtig ist, den anderen dabei nicht herabzuwürdigen - Anschreien, beleidigen, runtermachen geht gar nicht.

  • Ohne die eine Art des wütend sein jetzt als schlechter zu bezeichnen, ich für mich persönlich habe gemerkt, dass bei mir eine kalte Wut (also eher leise) doch eher ernst genommen wird, wie eine warme Wut. Und ja ich hab auch eine eher ungünstige Wutstimme, die dich schnell überschlägt...

  • Ich erlebe es auch so, dass Wut von Frauen vom Umfeld ganz anders eingeordnet wird als Wut von Männern.

    Ich habe eine recht tiefe Stimme, selbst, wenn ich mal richtig ausflippe und sehr laut rumschreie, was sehr selten und nie im beruflichen Umfeld passiert, kreische ich nie.

    Die Frage, ob ich gerade meine Tage habe, kenne ich aber trotzdem sehr gut.

    Ich kann meist sehr klar und deutlich und auch nicht leise, aber ruhig und bestimmt meine Meinung sagen - trotzdem erlebe ich es im privaten Umfeld immer wieder, dass ich nur so halbernst genommen werde, kommt aber mein Mann dazu und vertritt die gleiche Meinung wie ich, ist die plötzlich gar nicht mehr so abwegig.

    Im beruflichen Umfeld stört es mich besonders, dass, wenn ich dann mal lauter werde, sichtlich wütend, es nicht die Männer sind, die das kommentieren, sondern meine Kolleginnen - die kommen dann mit Sprüchen bez. Tage, Hormone, Wechseljahre...

    Und das sind Frauen, die sich großteils selbst als Feministinnen bezeichnen, alle so zwischen 40 und 60, die einen Großteil der Emanzenbewegung wirklich auch aktiv mitgestaltet haben.

    Daher denke ich dass das

    Was glaubst du, warum Frauen "sozialkompetent" bis zur Selbstverleugnung sind? Weil sie sich extrem antrainieren, gar nicht erst in diese Situation zu kommen.

    leider eine traurige Wahrheit ist.

  • Ich finde allein schon die Assoziation die hier mit „weiblicher Wut“ einhergehen problematisch. Auch hier ist von „kreischen“ von „schrill“ die Rede. Auch hier wird vorausgesetzt das Männer sachlicher sind und Dinge NICHT übertragen und auf die persönliche Ebene ziehen.

    Das sehe ich tatsächlich anders. Wenn ich „in der Sache“ streite oder diskutiere ist Wut und Zorn nicht nötig. Wenn ich -genau wie geschrieben- einen Konsens nicht anstrebe sondern meinen Standpunkt vertrete, dann genau dann höre ich von männlichen Kollegen ich sei „überengagiert“, „emotional“ bis hin zu hysterisch. Viele Männer kommen überhaupt nicht klar damit wenn Frauen nicht einlenken uns sich der männlichen Meinung anschließen.

    Wenn ich sage ich werde laut, meine ich übrigens nicht, dass ich jemanden anbrülle oder gar niederbrülle, lediglich, dass ich mir deutlich Gehör verschaffe und die „hysterisch, die hat wohl ihre Tage-Argumente“ als das entlarve was sie sind, ein peinlicher, chauvinistischer Versuch sich einer sachlichen Argumentation zu entziehen aus Angst zu unterliegen.

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf

  • Bei Schlafmangel kenne ich das auch und halte das für sehr menschlich, das hat mich die Baby-/Kleinkindphase gelehrt, in der auch mein Mann entsprechend reagiert hat.


    Bei PMS und Hormonchaos kenne ich das nicht, außer als die Kinder noch wirklich ganz klein waren und ich voll stillte dann so schreckliche Sachen wie Beslan oder der Tsunami oder diese ganzen Misslandlungsfälle passiert sind. Da hing ich heulend vorm TV bzw. an der Zeitung.


    Was mich hier jetzt beschäftigt und vielleicht fliegen hier jetzt wirklich gleich die Tupperdosen:

    Einerseits wollen wir Frauen nicht für hysterisch und hormongesteuert gehalten werden, wir verwehren uns sogar gegen diese Genderkacke und andererseits ist hier im Forum auch oft zu lesen, dass wir zumindest sehr oft hormon- bzw.zyklusgesteuert sind.


    Daher nun die ketzerische Frage:

    Ist in diesem einem speziellen Fall (Hormonchaos aufgrund des Zyklus') tatsächlich etwas dran und eben keine Genderkacke?


    Ich hatte schon öfter mal dran gedacht, diese Frage hier mal zur Diskussion zu stellen, samt Umfrage, aber ich hab mich das nie getraut... #angst

    Vielleicht passt es jetzt aber in diesem Kontext? #tuppern

    Auch hier wird vorausgesetzt das Männer sachlicher sind und Dinge NICHT übertragen und auf die persönliche Ebene ziehen.

    Ja, das hab ich hier auch so wahrgenommen.

    Dabei habe ich im beruflichen Kontext es schon hin und wieder mal erlebt, dass die männlichen "Argumente" einfach Unsinn waren und durchaus von emotionalen Faktoren getrieben. Aber da macht das Geschlecht einen riesigen Unterschied aus, von welchem Geschlecht die "Argumente" dann vorgetragen werden.


    Viele Männer kommen überhaupt nicht klar damit wenn Frauen nicht einlenken uns sich der männlichen Meinung anschließen.

    Stimmt.

    Ich habe gerade beruflich so einen Fall und stelle fest, dass ich total strategisch denken muss dabei:

    Was will ich am Ende genau als Ergebnis haben und wie setze ich das durch?

    Und vor allem WIE kommuniziere ich das, damit ein Alphamännchen mitmacht, ohne sich dominiert zu fühlen?


    Ich finde das gerade sehr, sehr schwer, da ich eigentlich eher klar sage, was ich will und keine "hidden agenda" habe. Hier muss ich umdenken, weil ich mit meiner Art wahrscheinlich so nicht zum Ziel käme. Verleugnen mag ich mich aber auch nicht.

    Ich finde das sehr, schwer gerade...


    LG,

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Annie ()

  • Ganz schlimm, ganz schlimm weil ich gerade merke, dass ich nicht eskaliere sondern mein Mann. Weil ich als "hysterisch" abgestempelt werde. BAH!


    Ja. Er meinte es sei ein Mädchen. Nur wegen der Haare.

    Ich hoffe auch auf "es ist eine Phase"

    Ich hab auch schon mal einen kurzhaarigen jungen für ein Mädchen gehalten. Ich finde das jetzt nicht so dramatisch#weissnicht

    Selbst meinem Kind 1 - lange Haare - passiert das. Es ist normal.

  • Ganz schlimm, ganz schlimm weil ich gerade merke, dass ich nicht eskaliere sondern mein Mann. Weil ich als "hysterisch" abgestempelt werde. BAH!

    Was ist gerade da ganz schlimm für Dich, Iverna ?

    Was genau ist hier Dein Kontext? Hab ich Dir auf die Füße getreten? Dann tut es mir leid.


    LG,

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

  • Was mich hier jetzt beschäftigt und vielleicht fliegen hier jetzt wirklich gleich die Tupperdosen:

    Einerseits wollen wir Frauen nicht für hysterisch und hormongesteuert gehalten werden, wir verwehren uns sogar gegen diese Genderkacke und andererseits ist hier im Forum auch oft zu lesen, dass wir zumindest sehr oft hormon- bzw.zyklusgesteuert sind.

    Ich sehe darin keinen Widerspruch, höchstens insofern, dass ich weder "hormongesteuert" noch "hysterisch" angemessene Wörter zur Beschreibung der Sachlage finde. Das geht doch auch neutraler. Dass Hormone Einfluss auf die Gefühlslage haben, heisst ja noch lange nicht, dass der sachliche Verstand flöten geht. Wenn ich unter Tränen sage, was richtig ist, wird es durch die Tränen ja nicht falsch.



    Daher nun die ketzerische Frage:

    Ist in diesem einem speziellen Fall (Hormonchaos aufgrund des Zyklus') tatsächlich etwas dran und eben keine Genderkacke?

    Vor langer Zeit im Studium habe ich gelesen, dass Männer genauso grossen hormonellen Schwankungen unterworfen sind, wie Frauen, mit dem Unterschied, dass die Schwankungen bei Männern eher an einem Tag auftreten, bei Frauen eher über Wochen.

    the nature of this flower is to bloom

    (alice walker)

  • Dass Hormone Einfluss auf die Gefühlslage haben, heisst ja noch lange nicht, dass der sachliche Verstand flöten geht. Wenn ich unter Tränen sage, was richtig ist, wird es durch die Tränen ja nicht falsch.

    Du triffst den Punkt, ich stimmte Deinem ersten Satz vollig zu.


    Spannend ist dann die weiterführende Frage: Woher kommt es, dass etwas unter Tränen Gesagtes als weniger richtig und auch als hysterisch wahrgenommen wird, sowohl von Männern als auch von Frauen?


    LG,

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

  • Zitat

    andererseits ist hier im Forum auch oft zu lesen, dass wir zumindest sehr oft hormon- bzw.zyklusgesteuert sind.

    wirst du von mir niemals hören.


    ich persönlich stelle auch keine verhaltensänderungen, die sich auf hormone beziehen, bei mir fest.

  • Ich vermute, dass das genau der gleiche Mechanismus ist, der dazu führt, dass ein Mädchen in Jungsklamotten aufgewertet, ein Junge in Mädchenklamotten dagegen abgewertet wird. Die soziale Zuschreibung Tränen-weiblich-muss man nicht ernst nehmen gegenüber Brüllen-männlich-ist ernst zu nehmen.

    the nature of this flower is to bloom

    (alice walker)

  • ich muss nur kurz dalassen, dass ihr mich missverstanden habt.

    So habe ich es nicht gemeint.

    Aber mir fehlt gerade die Ruhe umzuformulieren.


    Annie einen Einfluss finde ich nicht zu leugnen, wenn auch unterschiedlich stark je nach Frau.

    Männer sind allerdings auch hormongesteuert. Allerdings wird da dann nicht kritisiert, sondern eher anerkennend der kurzzeitige testosteronüberschuss angemerkt. Wenn überhaupt die Hormone erwähnt werden.

    Und mein Kopf funktioniert auch, wenn meine Hormone gerade viel sind.

  • Zitat

    andererseits ist hier im Forum auch oft zu lesen, dass wir zumindest sehr oft hormon- bzw.zyklusgesteuert sind.

    wirst du von mir niemals hören.


    Emotionen werden ja bei allen Menschen von Hormonen gesteuert, so fonktioniert eben die Biochemie des Körpers. Da ist es ja ziemlich absurd, zu sagen, bei mir ist das nicht so.

    also ich nehme niemanden ernst, der rumbrüllt.

    Ich nehme auch niemanden nicht ernst, der weint. Aber unsere beiden individuellen Reaktionen ändern wenig an der allgemeinen gesellschaftlichen Tendenz.

    the nature of this flower is to bloom

    (alice walker)

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  • wirst du von mir niemals hören.


    ich persönlich stelle auch keine verhaltensänderungen, die sich auf hormone beziehen, bei mir fest.

    Das hätte mich auch überrascht ;-)

    Aber das ist eben nur eine Stimme unter vielen.


    Ich vermute, dass das genau der gleiche Mechanismus ist, der dazu führt, dass ein Mädchen in Jungsklamotten aufgewertet, ein Junge in Mädchenklamotten dagegen abgewertet wird. Die soziale Zuschreibung Tränen-weiblich-muss man nicht ernst nehmen gegenüber Brüllen-männlich-ist ernst zu nehmen.

    #idee1

    Guter Punkt! Diese Verbindung hatte ich noch gar nicht hergestellt, aber damit hast Du ganz sicher Recht.

    ich muss nur kurz dalassen, dass ihr mich missverstanden habt.

    So habe ich es nicht gemeint.

    Aber mir fehlt gerade die Ruhe umzuformulieren.

    Das tut mir leid, ich fand Deine Ausführungen bisher sehr schlüssig und kann ihnen nur zustimmen. Das hätte ich vorher schon mal schreiben sollen, sorry.


    Ich würde mich freuen, wenn Du das aufklären kannst, sobald Du die Ruhe dazu hast.


    LGm

    Anne

    "Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben" ~ Johann Wolfgang von Goethe

  • Wenn ich unter Tränen sage, was richtig ist, wird es durch die Tränen ja nicht falsch.

    Wenn mir jemand was unter Tränen sagt, bin ich nochmal viel aufmerksamer als sonst. Für mich bekommt das Gesagte durch die begleitenden Tränen noch mehr Gewicht. Und zwar egal ob es ein Mann, eine Frau oder ein Kind ist, das da vor mir steht und weint und was sagt.