trotzig, bockig und aggressiv...

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Danke und guten Austausch im Rabendorf!

Rabeneltern.org-Team
  • Hallo,



    ich habe eine 7 jährige Tochter und einen fast 4 Jährigen Sohn.
    Vielleicht habt Ihr gute Tipps wie wir mit unseren alltäglichen Situationen
    besser umgehen können. Ich denke unser Sohn ist in der Trotzphase und sehr
    temperamentvoll…Er war schon als Baby anstrengend, mussten ihn viel tragen,
    schlief nachts unruhig, hat viel geschrien, nahm keinen Schnuller usw.



    Wir haben jeden Tag 3-mal die gleichen Auseinandersetzungen. Morgens geht es schon
    los…Auslöser sind unterschiedliche Dinge, aber mit dem Nein beginnt es oder
    wenn ich ihn anziehen möchte. Dann bockt er rum, weigert sich beschimpft mich „Arschloch“
    und haut mich. Mittags das selbe nach dem Abholen vom Kindergarten …und abends
    beim Bett fertig machen, weigert er sich…wir sind am Ende mit unserem Latein :stupid: …Wir
    probieren alles, was uns einfällt…ruhig bleiben, bestimmt sagen, ihn an die
    Hand nehmen, spielerisch… #hammer manchmal sind wir es müde uns was einfallen zu lassen,
    oder haben die Nerven nicht oder stehen unter Zeitdruck…wenn wir selbst
    aggressiv #kreischen werden eskaliert die Situation…Manchmal funktioniert es wenn ich sage na gut dann
    machen wir es wie du willst, dann ist doch bereit das zu machen was wir wollen…



    Gestern war ich mit ihm in der Stadt, er wollte per du nicht
    zum Friseur (3 Versuche), ich habe ihn dann nicht gezwungen, weil ich darin
    keinen Sinn sah. Er rannte einfach vom Friseur laden weg, und wenn ich
    hintergehe läuft er noch weiter weg. Dann stellte er sich zwischen den
    Mülleimern und war nicht bereit einen Schritt weiter zu gehen. Nach 10 Min.
    hatte ich keine Lust mehr zu warten, und zog ihn am Arm durch die Stadt, ich
    tat ihm dabei weh, weil mein Griff zu fest war (er ließ sich auch noch auf die
    Knie sinken) ich habe ihm es bestimmt erklärt ich möchte jetzt weiter und wenn
    er sich wehrt müsste ich ihn immer fester halten…Ich komme mir vor wie eine
    echt böse Mama #stirn , und frage #confused mich ob es nicht einen Weg gebe, wobei ich ihm nicht
    weh tue…



    Wenn er in dem Verhalten drin steckt, geht gar nichts mehr,
    da hilft kein diskutieren, , wenn die Situation eskaliert ist, geht er in
    seinen Zimmer, macht die Tür zu, weint (trösten lässt er sich dann nicht, er
    sagt dann lass mich in Ruhe, hau ab…) und kommt wieder raus, wenn er sich
    beruhigt hat und entschuldigt sich und mich dann auch #knuddel (wenn ich grob war oder
    geschrien habe)



    Er haut auch sehr viel seine Schwester…Ich habe oft den
    Eindruck, das er extrem eifersüchtig auf sie ist…was ich auch verstehe…aber es
    ist nicht in Ordnung…



    Ich frage mich was hinter seinen Verhalten steckt,
    Trotzphase, Eifersucht, Müdigkeit und nach Aufmerksamkeit suchend,
    wahrscheinlich von jeden etwas…



    Ich bin gespannt auf Eure Antworten, Erfahrungen und Tipps… #hilfe


    #sorry so lang geworden...

  • Liebe TS, ich habe gerade wenig Zeit zum Antworten, aber einen Tipp möchte ich Dir unbedingt dalassen:
    Die Klöters-Briefe, die auch hier im Forum besprochen wurden (über die SUCHE findest Du entsprechendes),
    fand ich sehr erhellend in vielen Lebenslagen.
    Alles Gute, Ilse

  • mein erster gedanke beim lesen war, dann lass ihn. er will sich nicht an oder ausziehen, na und, lass ihn. geht er halt im schlafanzug raus oder mit den kleidern ins bett.
    er will sich die haare nicht schneiden lassen. egal lass ihn. sind ja auch seine haare ;)


    ich würde versuchen im moment so wenig wie möglich über ihn zu bestimmen und ihn entscheiden zu lassen wo es geht.


    ausserdem würde ich viele schöne sachen machen. muss nichts grosses sein. kuscheln, vorlesen, spielen, lachen, zusammen kochen oder unsinn machen.


    kloeters briefe kann ich auch sehr empfehelen.


    ich habe im moment auch nicht viel zeit, muss gleich in den kg wollte dich aber auch nicht wegklicken.

    Mandragora
    mit Sonnenschein 07, Kuschelbär 10, Zwerglein 14, kleine Bohne 20

  • Ich glaube, das liegt am Alter :D Ich habe auch so einen Vierjährigen...


    Bei uns hilft wirklich, ihm immer wenn es geht, seinen Willen zu lassen. Ich habe ihm z.B. gestern zum ersten Mal seit ungefähr einem halben Jahr die Haare schneiden dürfen.


    Ansonsten: wenn er keine Jacke will, nehme ich die in meiner Tasche mit - er wird schon merken, wenn ihm kalt ist. Bei den Schuhen habe ich ihn auch mal barfuß mitgenommen (im November :D ) - die Diskussion hatte ich danach nie wieder.


    Was ich nicht mag, ist, mich beschimpfen zu lassen. Da sage ich dann recht deutlich, dass wir hier so nicht sprechen. Meine Konsequenz ist dann, dass ich für ihn nichts mehr mache. Wer meint, ich sei eine blöde, gemeine Kack-Mama, der hat dann halt auch eine Mama, die ihm nicht bei dem hilft, was grad ansteht #weissnicht


    Ich wünsche dir starke Nerven (und weiß, dass das manchmal soooo schwer ist)

    You never forget a person who came to you with a torch in the dark.

  • Hallo,


    ich glaube auch, dass dein Kind mitten in der "Trotzphase" ist, allerdings finde ich, man gewinnt neue Einsichten, evtl. sogar neue Handlungsmöglichkeiten, wenn man das Verhalten eher unter dem Aspekt "Autonomiephase" betrachtet. Dein Kind wird größer und kann immer mehr, aber manchmal kann er noch nicht alles was er will (alleine machen). Aber diese Phasen sind trotzdem wichtig, um selbstständiger zu werden.


    Wie war denn deine Tochter in dem Alter? Ich habe ja das "Glück" das bei mir gleich das erste Kind schon sehr früh sehr selbstbestimmt war, genau wusste was es wollte, vieles allein machen wollte und das auch vehement und lautstark eingefordert hat. Meine große Tochter (wird bald 8 Jahre alt) hat bspw. noch nie einen Friseursalon von innen gesehen, weil ich genau weiß, dass das nichts bringen würde, außer Tränen und Geschrei. Mit viel Überreden dürfen wir bei ihr vielleicht einmal im Jahr ein wenig die Spitzen schneiden. Ich war sehr überrascht, dass beim zweiten Kind alles viel einfacher war, mein Sohn ist sehr sanftmütig und "trotzt" eher still vor sich hin. Aber ich bin genau so überrascht, was ich alles für ihn noch machen "muss", was seine Schwester im selben Alter schon längst allein gemacht hat.


    Deshalb: Bei den Situationen in denen dein Sohn "trotzt", gibt es da Möglichkeiten, ihn manche Dinge allein machen zu lassen? Z.B. beim Anziehen (Kleidung aussuchen lassen, Schlüpfer und Hose selbst anziehen lassen, evtl. mit ihm üben, wie das geht usw.). Kann er sonst bei euch im Haushalt Aufgaben übernehmen (nicht für immer, aber vielleicht aktuell), die ihm helfen, sich "groß" und verantworlich zu fühlen, vielleicht den Tisch decken oder gemeinsam mit euch kochen, oder, oder.


    Und ganz generell, vielleicht könntet ihr versuchen, herauszufinden, warum er in manchen Situationen ausflippt. Logischerweise nicht dann, wenn es zu spät ist, sondern vielleicht dann, wenn du merkst, dass die Stimmung kippt. Einfach mal rückfragen: Würdest du jetzt lieber allein die Hose anziehen/nicht zu Friseur gehen/Nudeln (statt Kartoffeln) essen usw. Damit dein Sohn merkt, dass er gesehen wird, vielleicht gelingt es so, den Trotz-Kreislauf zu unterbrechen und ihr könnt über (negative) Gefühle sprechen und findet vielleicht gemeinsam heraus, wie die Situationen besser zu lösen sind. Ich denke, auch kleine Kinder können da schon Möglichkeiten finden. Und natürlich der Klassiker: versuchen, die Situationen zu vermeiden, die zu solchen Ausbrüchen führen, nur noch das einfordern, was wirklich, wirklich unumgänglich ist, alles andere mit Gelassenheit sein lassen (im Bewusstsein, dass die Phase auch wieder vorbei geht).


    Viel Glück und gute Nerven wünsche ich euch!

  • Ich erkenne meine 4-jährige Tochter wieder...
    Ich abonniere mal. Mi koelsis antwort kann ich schon was anfangen :) (ich schau mal drauf, ob ich unser Töchterchen mit mehr Selbstständigkeit locken kann).
    Die Kloeters-Briefe helfen hier nur sehr bedingt weiter. Vielleicht weil ich wenig Kraft und Nerv hab mich auf die bewusste Umsetzung zu konzentrieren.
    Und nochwas: Die Kinder machen lassen, was sie wollen ist ja an sich eine nette Idee, aber was, wenn das Kind tagtäglich nicht ins Bett will (obwohl müde). Am nächsten Morgen muss sie doch zu einer besitmmten Zeit aufstehen und unausgeschlafen geht das Theater schon Morgens los... Da beisst sich doch die Katze in den Schwanz.


    wenn die Situation eskaliert ist, geht er in
    seinen Zimmer, macht die Tür zu, weint (trösten lässt er sich dann nicht, er
    sagt dann lass mich in Ruhe, hau ab…) und kommt wieder raus, wenn er sich
    beruhigt hat


    ist hier genauso. find ich immer traurig, aber ich bin dazu übergegangen ihr zu sagen, dass jetzt ruhig traurig/trotzig sein kann und dass sie zu uns kommen kann, wenn sie was möchte, aber auch, dass ich die tür zu mache, damit sie in ruhe gelassen wird. das alles geht aber nur, wenn es die situation erlaubt.


    sie hat manchmal so eine wahnsinns wut in sich... warum nur?

    Yeza


    My life falling apart

    Over and Done!

  • Hallo Yeza,


    es geht nicht darum, die Kinder machen zu lassen, was sie wollen, sondern darum, sie das, was sie im Rahmen ihrer (neuen) Möglichkeiten können, auch allein machen zu lassen. Bei meiner grossen Tochter waren die "Trotzphasen" immer ein Zeichen dafür, dass sie einen Entwicklungssprung durchmacht. Wenn die Phase vorbei war, konnte sie auch immer irgendetwas Neues/besser als davor. Sie schneidet sich z.B. seit sie 4 Jahre alt ist allein die Fingernägel, vorher war das ein Drama sondergleichen. Das geht, weil sie uns das sagen konnte und weil wir eine Nagelschere mit abgerundeten Spitzen haben. Solche Sachen meine ich, allein anziehen oder zumindest selbst bestimmen können, welche Sachen getragen werden (auch wenn ich als Mutter über die Farbkombi die Hände über dem Kopf zusammen schlage) gehört auch dazu usw.


    Wenn es abends immer wieder eskaliert, würde ich überlegen, ob das Kind evtl. weniger Schlaf braucht (oder vielleicht sogar wieder mehr) und eine zeitliche Verschiebung des Schlafengehens etwas bringen könnte. Falls das nicht der Fall ist, würde ich überlegen, ob das Abendritual noch für alle passt oder ob die Kinder/das Kind sich etwas anderes wünschen. Da kann man ja vorher nachfragen und überlegen, was machbar ist. Mein Sohn wollte z.B. eine Zeitlang lieber länger spielen und dafür keine Geschichte vorgelesen haben. Ein anderes Kind will vielleicht lieber nach dem Vorlesen Zähne putzen statt umgekehrt oder noch gaaanz lange mit Mama/Papa kuscheln, wo vorher ein Gute-Nacht-Kuss reichte usw.


    Und weil du das mit der Wut schreibst: Ich empfand die Trotzphasen meiner großen Tochter als sehr, sehr anstrengend, aber andererseits wusste ich immer, wie es ihr geht und konnte darauf Rücksicht nehmen. Mein Sohn ist viel verschlossener und ich muss viel, viel genauer hinschauen, um zu erkennen, wie es ihm geht (und um ihn nicht zu übersehen). Und meine Tochter lässt ihre Emotionen immer raus, während mein Sohn alles in sich hineinfrisst und dann immer mal phasenweise explodiert, häufig aus heiterem Himmel (ich war als Kind auch so und meine Mutter wusste sicher oft nicht, wie es mir geht).

  • Meine Tochter ist ähnlich alt, wie dein Sohn, vor wenigen Tagen 4 Jahre alt geworden. Und ich finde auch, du könntest ihm in einem akzeptablen Rahmen mehr Freiräume lassen. Wieso ziehst du ihn morgens an? Das kann er doch schon ganz alleine. Meistens suche ich hier nichtmal mehr Sachen raus. Die Kombinationen sind dann zwar abenteuerlich und manchmal dauert das auch etwas, aber sie kann sich ja anziehen, wie sie mag und lernt mit der Zeit von allein, was passt und was nicht.


    Bei den Haaren darf sie natürlich auch mitbestimmen, meistens bespreche ich sowas aber auch vorher mit ihr und ich schleppe sie nicht einfach mit hin.


    Kinder mit 4 Jahren sind schon ziemlich groß und möchten gern so behandelt werden. Sie haben ihre Meinung, ihre Vorstellung und sie können auch tatsächlich schon ziemlich viel alleine. Je mehr du deinen Sohn darin beschränkst, desto mehr wird er "trotzen". Vielleicht vorher immer fragen: Muss das jetzt wirklich so laufen, wie ich will? Oder kann ich auch einfach nachgeben und ihn selber machen und entscheiden lassen? Und was kommt im schlimmsten Fall dabei raus?
    Zieht er sich nicht an, geht er eben im Schlafanzug. Lässt er sich nicht die Haare schneiden, hängen sie irgendwann in den Augen. Will er sein Butterbrot nicht essen, bleibt er eben hungrig. Viele Erfahrungen müssen Kinder ohnehin irgendwann machen und genau das wollen sie auch, deswegen reagieren sie auch so.


    Lass ihn einfach mal machen und schau ihm dabei zu und freu dich, was er schon kann :)

  • es geht nicht darum, die Kinder machen zu lassen, was sie wollen, sondern darum, sie das, was sie im Rahmen ihrer (neuen) Möglichkeiten können, auch allein machen zu lassen.


    ja, ich hab dich schon verstanden. es geht eher um so aussagen wie:

    Lässt er sich nicht die Haare schneiden, hängen sie irgendwann in den Augen. Will er sein Butterbrot nicht essen, bleibt er eben hungrig.


    er will sich nicht an oder ausziehen, na und, lass ihn. geht er halt im schlafanzug raus oder mit den kleidern ins bett.


    Spinnt man das weiter hat man: Will sie nicht ins Bett, so bleibt sie eben bis in die Puppen auf. Will sie ständig Süßes, so soll sie ständig Süßes zum Mittag/Abendessen etc. essen.


    Da seh ich es etwas differenzierter. Es gibt Wünsche/Vorstellungen die ich entspannt annehmen kann (auch wenn es nicht nach meinem Wunsch geht), aber es gibt Dinge, die möchte ich aus bestimmten Gründen gern durchsetzen.


    Mein Sohn wollte z.B. eine Zeitlang lieber länger spielen und dafür keine Geschichte vorgelesen haben. Ein anderes Kind will vielleicht lieber nach dem Vorlesen Zähne putzen statt umgekehrt oder noch gaaanz lange mit Mama/Papa kuscheln, wo vorher ein Gute-Nacht-Kuss reichte usw.


    wir sind gerade stark am überlegen, was eine sinnvolle Veränderung abends sein könnte. Wenn es nach ihr gehen würde, käme nach dem Abendessen der Sandmann, dann die Geschichten und dann alles nur nicht ins Bett. Zähneputzen und Bettfertig machen passen ihr überhaupt nicht in den Kram (egal wann). Also haben wir jetzt eingeführt, dass sie als allererstes bettfertig gemacht wird (wir sollten sie mehr ermutigen das selbst zu tun) und dann der für sie angenehme Teil folgt (denn umso später umso weniger hat sie Lust zu ersterem). Bleibt die Unlust sich irgendwann auch wirklich ins Bett zu legen...


    andererseits wusste ich immer, wie es ihr geht und konnte darauf Rücksicht nehmen.


    eine schöner Gedanke. den merkt ich mir, wenn ich mal wieder vor einem wütenden, tobendem Kind stehe #ja

    Yeza


    My life falling apart

    Over and Done!

  • Ich erkenne meinen 3.5 jährigen Sohn auch sehr gut. Bei gewissen Sachen lasse ich ihn auch die Folgen spüren (ohne jacke habe ich kalt), bei gewissen Dingen muss er durch (habe ihn auch schon am Arm durch die Stadt geschleift. Klar, ist nicht so toll, aber es kann nicht immer nach seinem Kopf laufen) und last but notleast lasse ich mich nicht mehr auf jeden Machtkampf ein. Ich habe z.B. keine Lust, morgens schon einen riesen Krach zu haben wegen dem Anziehen. Dann hilf ich ihm halt oder lass ihn rumlaufen wie ein Papagei. Weiter merke ich, dass ich wesentlich gelassener bin, wenn ich mich nicht reinziehen lasse jnd quasi als Beobachter neben an stehe. Das gelingt mir aber leider nicht immer.

  • Das es "normal" ist, hast du ja schon gehört. Beruhigt ja immer ungemein. :)


    Vielleicht einige Ideen, wie du ad hoc mit Situationen umgehst. Bei dem am Arm packen und durch die Stadt zerren, habe ich mich wieder erkannt. Die Situation hatten wir auch. Ich hatte Angst, dass er aus Wut auf die Straße rennt und ich habe noch ein kleineres Kind, auf dass ich schauen muss. Nachdem Tag habe ich erstmal überlegt, wie ich nun bei so etwas handeln möchte. Kleines Kind muss auf den Arm/bei mir bleiben, großes bockiges Kind wird versucht mit ausgebreitetem(n) Arm(en) aufgehalten. Ich hocke mich dann immer runter zu ihm. Und dann warten, warten, reden reden. Notfalls eben 20min. Ich zerre ihn jedenfalls nie wieder irgendwo hin, dass war mir schon beim ersten Mal zu wider. Aber damals hatte ich einfach keinen Kopf für "wie sonst".


    Yeza warum kannst du mit dem Wunsch des Kindes, dass es nichts essen möchte, nichts anfangen? Ich finde diesen Wunsch durchaus legitim und wenn es so ist, ist es so. Ich habe auch oft keinen Hunger/Appetit auf dies oder das.
    Genauso mit der Kleidung. Wenn er sich nicht anziehen/ausziehen mag, dann eben nicht. Wir haben nur ein Kinderzimmer, der Kleine muss dann ins Bett und dann muss der Große eben im Flur sitzen bleiben. Fertig. Ich biete sofort und jederzeit meine liebevollen MAmaarme an zum trösten und wir lösen die Situation. Meistens hakt es ja irgendwo anders, gar nicht direkt am an oder ausziehen, oder er braucht Nähe und verlangt daher Hilfe.


    Schlussendlich frage ich mich immer, warum mein Bedürfnis über seinem steht? Steht es seltene, weil es oftmals gar nicht mich betrifft. ;)

  • Ich glaube, Koelsi meint das Gleiche wie du, Yeza. Denn die Frage, ob die Entscheidung darüber, wann man Schlafen geht zu den "neuen Möglichkeiten" des Kindes gehört, muss ja jeder für sich selbst beantworten.


    Ich habe in solchen Konfliktsituationen manchmal das Gefühl gehabt, dass er sich irgendwie "zu Unrecht" oder ohne Grund gegen meine Vorgaben und Ansagen wehrt und mich daher selbst angegriffen gefühlt bzw. an seiner Vernunft gezweifelt. #schäm


    Mir hilft es immer ungemein, wenn ich mir vorstelle, wie ich mit einem Erwachsenen umgehen würde.


    Damit meine ich NICHT, dass man die Kinder wie Erwachsene behandeln soll. Aber wenn man sich die Situation unter diesen Bedingungen vorstellt, wird einem oft klar, wie bevormundend und manchmal auch einfach respektlos die alltäglichen Umgangsweisen mit Kindern sind.


    Ich würde jedenfalls e4inem Erwachsenen nicht unterstellen, dass er einfach "bockig" ist, wenn er sich nicht kommentarlos von mir zum Friseur schicken liessen.



    Bei uns hilft Augenhöhe Wunder. Nicht demonstrativ warten, sondern sich zum Kind hocken. Zugewandt bleiben. Die Gefühle ernst nehmen. Meinerm Sohn half und hilft es, wenn ich die Gefühle benenne ("Du willst gar nicht zum Friseur und jetzt willst du am liebsten nicht weiter gehen! Du bist ganz schön würend, glaube ich.").
    Und, absoluter Zaubertrick bei uns: Das Problem gemeinsam lösen. ("Du, wenn du nicht weiter gehen magst, wie kommen wir denn dann nach Hause?" / "Du hast ganz schön lange Haare gekriegt und sie stören dich schon beim gucken. Was sollen wir denn da mal machen?") Mein Sohn ist dann immer gerne dabei und seine Vorschlägen klingen manchmal richtig verrückt, sind aber oft einfach total gut umsetzbar oder echt ne gute Lösung des Problems. Und er macht dann gerne mit, weil es ja seine Idee war.


    Insgesamt klappt es bei uns besser, wenn ich es nicht als Ablehnung nehme, dass mein Kind nicht macht was ich richtig finde, sondern als Zeichen eines gemeinsam zu lösenden Problems.


    mit J. (3/2008) und G. (1/2011)



    2.321 Beiträge!

  • Hallo Ihr Lieben,


    vielen Dank für Eure Antworten...

    Wir lassen ihn so viel wie möglich entscheiden und alleine machen. Leider möchte er sich selbst nicht umziehen...Ist sehr selten der Falll...Wir machen auch viele schöne Sachen, wie kuscheln, tobben, vorlesen oder spielen (wobei hier die Gefahr besteht, dass er wütend wird, wenn er verliert ....).
    Die Kloeters Briefe habe ich vor Jahren gelesen, aber nicht wirklich verstanden, konnte nichts damit anfangen...

    Was ich nicht mag, ist, mich beschimpfen zu lassen. Da sage ich dann recht deutlich, dass wir hier so nicht sprechen. Meine Konsequenz ist dann, dass ich für ihn nichts mehr mache. Wer meint, ich sei eine blöde, gemeine Kack-Mama, der hat dann halt auch eine Mama, die ihm nicht bei dem hilft, was grad ansteht #weissnicht

    Ich mag es auch nicht beschimpf zu werden oder mich hauen zu lassen, da werden wir manchmal selbst total aggressiv, je nach eigener Stimmung...wenn ich es schaffe ruhig zu bleiben, dann sage ich z.b. zu ihm, wenn du mit mir so umgehst bekommst du aber nichts von mir...Funktioniert nur wenn er nicht in seinem Extremen Verhalten drin steckt...

    Wie war denn deine Tochter in dem Alter? Ich habe ja das "Glück" das bei mir gleich das erste Kind schon sehr früh sehr selbstbestimmt war, genau wusste was es wollte, vieles allein machen wollte und das auch vehement und lautstark eingefordert hat. Meine große Tochter (wird bald 8 Jahre alt) hat bspw. noch nie einen Friseursalon von innen gesehen, weil ich genau weiß, dass das nichts bringen würde, außer Tränen und Geschrei. Mit viel Überreden dürfen wir bei ihr vielleicht einmal im Jahr ein wenig die Spitzen schneiden. Ich war sehr überrascht, dass beim zweiten Kind alles viel einfacher war, mein Sohn ist sehr sanftmütig und "trotzt" eher still vor sich hin. Aber ich bin genau so überrascht, was ich alles für ihn noch machen "muss", was seine Schwester im selben Alter schon längst allein gemacht hat.


    Meine Tochter war ganz anders...und ehrlich gesagt, kann ich mich an ihre Trotzanfälle nicht erinnern...weil sie ist nicht so aggressiv wie er...mit ihr kann man sehr gut reden...klar sie quengelt mal, weint oder ist gar auch wütend, aber auf eine ganz andere Ebene wie ihr kleiner Bruder...und als sie so alt war, musste sie durch ihn sehr viel zurückstecken (was heute manchmal noch so ist) weil er so geschrien hatte...sie ist viel selbstständiger wie der Kleine...musste sie ja wegen dem kleinen Bruder früher lernen...

    Und ganz generell, vielleicht könntet ihr versuchen, herauszufinden, warum er in manchen Situationen ausflippt. Logischerweise nicht dann, wenn es zu spät ist, sondern vielleicht dann, wenn du merkst, dass die Stimmung kippt. Einfach mal rückfragen: Würdest du jetzt lieber allein die Hose anziehen/nicht zu Friseur gehen/Nudeln (statt Kartoffeln) essen usw. Damit dein Sohn merkt, dass er gesehen wird, vielleicht gelingt es so, den Trotz-Kreislauf zu unterbrechen und ihr könnt über (negative) Gefühle sprechen und findet vielleicht gemeinsam heraus, wie die Situationen besser zu lösen sind. Ich denke, auch kleine Kinder können da schon Möglichkeiten finden. Und natürlich der Klassiker: versuchen, die Situationen zu vermeiden, die zu solchen Ausbrüchen führen, nur noch das einfordern, was wirklich, wirklich unumgänglich ist, alles andere mit Gelassenheit sein lassen (im Bewusstsein, dass die Phase auch wieder vorbei geht).

    ja darin liegt wahrscheinlich die Kunst....Ich habe manchmal den Eindruck die Stimmung kippt, aus Überforderung, Müdigkeit oder Mangel an Nähe/Aufmerksamkeit...


    Wir waren gestern auf Kinderfasching...als wir heim sind, ist er total ausgeflippt...er ist gegenüber seiner Schwester total aggressiv gewesen...(Eifersucht spielte auch eine Rolle, da sie bei dem Umzug mit laufen durfte), ich denke es war gestern ihm einfach zu viel trubel...aber da hilft gar nichts mehr richtig bei ihm...er haut, beschimpft, schmeisst Dinge durch die Gegend usw. Wir konnten selbst nicht ruhig bleiben, meinem Mann ist sogar die Hand ausgerutscht...

    Und nochwas: Die Kinder machen lassen, was sie wollen ist ja an sich eine nette Idee, aber was, wenn das Kind tagtäglich nicht ins Bett will (obwohl müde). Am nächsten Morgen muss sie doch zu einer besitmmten Zeit aufstehen und unausgeschlafen geht das Theater schon Morgens los... Da beisst sich doch die Katze in den Schwanz.

    Das denke ich irgendwie auch...am Nächsten Morgen geht es wieder los...Bei uns ist es die Tochter die selten ins Bett will...bei ihr habe ich das Gefühl sie muss mich kontrollieren...wir haben ein Familienbett, und sie mag es am liebsten, wenn ich auch gleich mit ins Bett gehe...

    Meine Tochter ist ähnlich alt, wie dein Sohn, vor wenigen Tagen 4 Jahre alt geworden. Und ich finde auch, du könntest ihm in einem akzeptablen Rahmen mehr Freiräume lassen. Wieso ziehst du ihn morgens an? Das kann er doch schon ganz alleine. Meistens suche ich hier nichtmal mehr Sachen raus. Die Kombinationen sind dann zwar abenteuerlich und manchmal dauert das auch etwas, aber sie kann sich ja anziehen, wie sie mag und lernt mit der Zeit von allein, was passt und was nicht.

    Ich lasse ihm im akzeptablen Rahmen mehr Freiraum, ehrlich, wir geben so viel wir können...Ich ziehe ihn morgens an, weil
    er es selbst auch nicht tun will...er will nicht in Kindi...ich muss ihn
    immer mit irgendetwas locken, was im Kindi toll ist...

    Bei den Haaren darf sie natürlich auch mitbestimmen, meistens bespreche ich sowas aber auch vorher mit ihr und ich schleppe sie nicht einfach mit hin.

    Ich hatte vor dem Friseur Termin es mit ihm abgesprochen gehabt...er freute sich sogar auf seinen Mike, allerdings war an dem Tag die Kollegin sein Problem, warum auch immer, er meinte ich gehe nur zu Mike wenn seine Freundin weg ist, hatten wir probiert, allerdings tauchte sie dann auf, und er rannte aus dem Laden...

    Das es "normal" ist, hast du ja schon gehört. Beruhigt ja immer ungemein. :)

    "Normal"? Meine Schwiegerfamilie finde das nicht normal, so warem alle ihre Kinder nicht...sie fragen sich warum er so ist...Ich bekomme dann den Eindruck, die suchen den Fehler bei mir...das macht mich wütend...Eine von ihnen meinte mal, ich müsse mit ihm zu Arzt, ihm Tabletten verschreiben lassen...so viel zu normal....

    Vielleicht einige Ideen, wie du ad hoc mit Situationen umgehst. Bei dem am Arm packen und durch die Stadt zerren, habe ich mich wieder erkannt. Die Situation hatten wir auch. Ich hatte Angst, dass er aus Wut auf die Straße rennt und ich habe noch ein kleineres Kind, auf dass ich schauen muss. Nachdem Tag habe ich erstmal überlegt, wie ich nun bei so etwas handeln möchte. Kleines Kind muss auf den Arm/bei mir bleiben, großes bockiges Kind wird versucht mit ausgebreitetem(n) Arm(en) aufgehalten. Ich hocke mich dann immer runter zu ihm. Und dann warten, warten, reden reden. Notfalls eben 20min. Ich zerre ihn jedenfalls nie wieder irgendwo hin, dass war mir schon beim ersten Mal zu wider. Aber damals hatte ich einfach keinen Kopf für "wie sonst".

    Ich konnte an diesem Tag nicht 20 Min warten...meine Große kam von der Schule und wartete auf uns...manchmal ist man einfach in Zeitdruck...man hat einen Termin oder muss arbeiten usw...

    Yeza warum kannst du mit dem Wunsch des Kindes, dass es nichts essen möchte, nichts anfangen? Ich finde diesen Wunsch durchaus legitim und wenn es so ist, ist es so. Ich habe auch oft keinen Hunger/Appetit auf dies oder das.
    Genauso mit der Kleidung. Wenn er sich nicht anziehen/ausziehen mag, dann eben nicht. Wir haben nur ein Kinderzimmer, der Kleine muss dann ins Bett und dann muss der Große eben im Flur sitzen bleiben. Fertig. Ich biete sofort und jederzeit meine liebevollen MAmaarme an zum trösten und wir lösen die Situation. Meistens hakt es ja irgendwo anders, gar nicht direkt am an oder ausziehen, oder er braucht Nähe und verlangt daher Hilfe.

    Wenn mein Sohn so aggressiv ist oder weint, lässt er sich leider nicht trösten...keine Chance...Bei der Großen funktioniert das...


    Bei der ganzen Sache, darf man seine eigenen Grenzen nicht vergessen, die akzeptiert werden müssen und gesetzt werden müssen...das muss man auch im Alltag integrieren...Und so wie die Kinder eine Toleranzgrenze haben...wenn man z.b. zu viel zeug für sich macht und nicht mit ihnen was macht oder sie integriert, drehen sie auch ab...Ich sage immer, sie müssen Mama-tanken....


    Alles in einem, finde ich es schwierig unter einem Hut zu bringen....

  • "Normal"? Meine Schwiegerfamilie finde das nicht normal, so warem alle ihre Kinder nicht...


    das setzt dich natürlich unter druck. vielleicht hilft es dir, wenn du dir die umstände/erziehungsmethoden anschaust, die damals geherrscht haben? ich denke immer, dass es da vieles gab, was aus den meisten kindern die lieben kleinen vorzeigekinderchen gemacht hat. das ist dieser generation nicht vorzuwerfen, weil es normal war. und ganz abgesehen davon behält man sowieso positive dinge viel besser in der erinnerung.


    dann sage ich z.b. zu ihm, wenn du mit mir so umgehst bekommst du aber nichts von mir...


    so als strafe gemeint? vielleicht kannst du umschwenken (wenn du gerade den nerv hast) auf die aussage, dass du es nicht magst, wenn er so mit dir umgeht. also ohne eine konsequenz anzudrohen. so versuche ich es meist. für mich fühlt sich dieses "jetzt erfülle ich dir deinen wunsch nicht, weil du vorhin böse warst" irgendwie falsch an...


    er will nicht in Kindi...ich muss ihn
    immer mit irgendetwas locken, was im Kindi toll ist...


    aus dem alter ist meine tochter raus. ich versuche ihr gewisse dinge nicht mehr schmackhaft zu machen, wenn sie sowieso undiskutierbar sind. zähneputzen ist doof? stimmt - muss trotzdem sein (hier hat man noch das bonusargument, dass ein zahnarztbesuch noch viel doofer ist).


    Yeza warum kannst du mit dem Wunsch des Kindes, dass es nichts essen möchte, nichts anfangen?


    Wo hab ich das denn gesagt ???


    ansonsten: die letzten tage waren hier wieder entspannter. abends geht sie sogar mit taschenlampe und buch allein ins bett (nicht besonders gern, aber immerhin) - oh wunder. (das angebot hat sie schon länger, wollte es aber nie wahrnehmen).

    Yeza


    My life falling apart

    Over and Done!

  • Nur zum Thema "nicht normal" - meine Schwiegerfamilie war auch recht entsetzt, was "ECHTE Frustrationsanfälle" sind. Und haben immer zu schlichten, abzulenken versucht... Was mein Sohn (wie ich) gehasst hat...
    Aber wie in Ehen muss man auch in der erweiterten Familie mit unterschiedlichen Streit- und Temperamentskulturen umgehen lernen.


    Und unterdessen dürfen meine Kinder unbehelligt toben ;)


    Also mein Tipp: sich nicht zu Herzen zu nehmen, wie andere das Tobeverhalten beurteilen - es ist meist wirklich Unkenntnis, nicht Bösartigkeit.


    Liebe Grüsse


    Talpa