Toxoplasmose in der Schwangerschaft - eine Aufklärung --> an die Mods vielleicht festpinnen?

  • Katzen, Toxoplasmose und Schwangerschaft: Kurz und bündig!
    19.09.2015
    Von Ralph Rückert, Tierarzt


    Es ist in der heutigen Zeit fast nicht zu glauben, aber es tauchen immer wieder Katzenbesitzer in meiner Praxis auf, die aufgrund des Ratschlags eines Gynäkologen ihre Katze(n) abgeben oder gar einschläfern lassen wollen, um ein Schwangerschaftsrisiko durch die Toxoplasmose zu vermeiden. Man könnte glatt in die Tischkante beißen ob der mangelnden Sachkenntnis und Ignoranz mancher Humankollegen, die hinter solch hanebüchenen Ratschlägen steckt.


    Aber auch aus der Verwandtschaft und Bekanntschaft bekommen schwangereFrauen oft Druck, die Katze(n) als Risikofaktor zu eliminieren. Dieser im Sinne einer kompakten Informationsvermittlung absichtlich kurz
    gehaltene Artikel soll da mal einige Tatsachen ins rechte Licht rücken.Ich stütze mich dabei hauptsächlich auf die Arbeit "Toxoplasmose unter dem besonderen Aspekt der Gefährdung schwangerer Frauen und der
    Bedeutung von Katzen im Haushalt - Wie kann man sich schützen?" von Kollege Nikola Pantchev, dem ob seiner profunden Sachkenntnis hochangesehenen Chefparasitologen von Idexx VetMedLabor.


    Der Parasit Toxoplasma gondii kann bei einer Ansteckung während der Schwangerschaft zu einer intrauterinen Infektion des Kindes führen, mit schwerwiegenden Folgen, die sich von minimalen Augen- oder Hirnschäden bis hin zu schwersten geistigen Behinderungen erstrecken können.
    Anstecken können sich aber nur Frauen, die nicht zuvor schon einmal von Toxoplasmen infiziert wurden und deshalb keine Antikörper haben. Frauen,die einen Antikörper-Titer aufweisen, werden den Parasiten bei einer erneuten Infektion während der Schwangerschaft nicht auf das Kind übertragen. Frauen mit Kinderwunsch sollten deshalb auf jeden Fall ihren Antikörper-Titer bestimmen lassen.



    Über den Daumen gepeilt hat die Hälfte aller Frauen einen Toxoplasmose-Titer und ist damit von vornherein aus dem Schneider. Wenn wir mal von 800 000 Schwangerschaften pro Jahr in Deutschland ausgehen
    (die Zahl ist zu hoch, es rechnet sich aber einfacher mit ihr), bleiben also 400 000 Schwangerschaften, für die eine Toxoplasmose-Infektion ein Risiko darstellen würde. Bei etwa einem Prozent, also in 4000 Fällen,
    kommt es im Verlauf der Schwangerschaft zur sogenannten Serokonversion, also einer aktuellen Ansteckung der Mutter mit Toxoplasmen. In der Hälfte dieser Fälle (2000) wird das Kind intrauterin infiziert. Davon
    sind aber wiederum die allermeisten Fälle zum Zeitpunkt der Geburt ohne offensichtliche Symptome, so dass es in Deutschland pro Jahr nur zu 20 bis 40 gemeldeten neonatalen Toxoplasmosen kommt.



    Das ist sehr wenig, das relative Risiko also extrem gering. Es werden mit Sicherheit bei weitem mehr ungeborene Kinder durch Alkohol-, Drogen- oder Nikotinmissbrauch geschädigt. Für die wenigen Betroffenen aber ist es eine schreckliche Katastrophe, weshalb sich die Frage stellt, wie man sich schützen kann. Ist da immer die Katze schuld? Mitnichten!




    Insgesamt wird die Katze als Infektionsquelle weit überschätzt, während andere Infektionsmöglichkeiten entweder unterschätzt werden oder gar nicht bekannt sind.
    Bis zu 92 Prozent aller auf der Weide gehaltenen Schafe und Ziegen sind mit Zysten des Erregers infiziert. Das gleiche gilt für 6 bis 12 Prozent der Schweine. Auch Geflügelfleisch kann infiziert sein. Rinder dagegen sind resistent. Für Schwangere ohne Antikörper-Titer sollte also der Verzehr von nicht vollständig durchgegartem Fleisch absolut tabu sein, mit der Ausnahme Rind. Denken Sie daran, wenn Sie im Restaurant ein schönes Lammfilet bestellen. Nach den Regeln der guten Küche ist das innen noch schön rosa, also keineswegs durchgegart.



    Bei der Verarbeitung und Zubereitung von rohem Fleisch sollten Schwangere besondere Vorsicht und Hygiene walten lassen. Immer die Hände mit warmem Wasser und Seife gründlich waschen und auch auf die sorgfältige Reinigung der Kücheninstrumente und Arbeitsflächen achten! An dieser Stelle können wir jetzt gut zum Hund überleiten, denn das gilt auch und besonders für die vielen Hundebesitzerinnen, die ihre Hunde roh füttern und viel Zeit mit der Zerkleinerung der Hundenahrung verbringen. Vergessen Sie auch die häufige und penible Reinigung des Hundenapfes nicht.



    Der Hund an sich ist eine der am meisten unterschätzten bzw. gleich ganz unbekannten Toxoplasmose-Infektionsquellen. Es gibt sogar eine Studie,die nahelegt, dass Hunde ein höheres Infektionsrisiko darstellen als Katzen. Viele Hunde fressen Katzenkot. Enthält dieser sporulierte (also infektionsfähige) Toxoplasma-Oozysten, scheidet er diese zum größtenTeil mit dem Kot wieder aus. Ebenso kann das Wälzen in Katzenkot zur Einschleppung von Oozysten im Fell führen.



    Des weiteren wurden Toxoplasmosen beim Menschen nach dem Genuss von unpasteurisierter, frischer Ziegenmilch nachgewiesen. Gefährdete Schwangere sollten unpasteurisierte Milch pauschal meiden.



    Eine großes Risiko kann mit Oozysten kontaminierte Erde bei der Gartenarbeit darstellen. Schwangere Frauen sollten dabei Handschuhe tragen und danach die Hände sorgfältig waschen. Ebenso ist eine
    Ansteckung durch das Einatmen von aufgewirbeltem Staub möglich. Ein solcher Fall ist schon einmal für einen Pferdestall nachgewiesen worden, was für schwangere Reiterinnen von Interesse sein mag.



    Ein ganz wichtiger Infektionsweg scheint der Verzehr von unzureichend gewaschenem Obst und Gemüse zu sein, denn auch bei rein vegetarisch lebenden Menschen konnten bei 47 Prozent Antikörper gegen Toxoplasmose nachgewiesen werden.



    Zuletzt kommen wir zur Katze, die - wie wir gesehen haben - fälschlicherweise für die hauptsächliche Infektionsquelle gehalten wird. Scheidet eine Katze keine Oozysten aus, kann man sich auch nicht an ihr
    anstecken. Oozysten kommen nur im Kot vor, nicht aber in anderen Se-und Exkreten wie Speichel oder Harn. Im Fell haftende infektionsfähige Oozysten wurden ebenfalls noch nie nachgewiesen, so dass man vor dem Streicheln einer Katze keine Angst haben muss.
    Die Pflege und Sauberhaltung der Katzentoilette(n) sollte eine gefährdete schwangere Frau anderen Personen überlassen. Besonders wichtig dabei ist die Tatsache, dass frisch ausgeschiedene Oozysten erst
    nach etwa 24 Stunden bei Raumtemperatur sporulieren und damit infektionsfähig werden. Mit einer mindestens (!) einmal täglich erfolgenden gründlichen Reinigung der Katzentoilette(n) kann ein Kontakt
    mit infektiösem Material also effektiv verhindert werden.



    Wenn alle diese Informationen nicht ausreichen, um Sie zu beruhigen, und Sie für Ihre Seelenruhe jedes auch noch so kleine Restrisiko ausschließen möchten, so können wir Ihnen eine effektive diagnostische
    Vorgehensweise empfehlen, mit der sehr sicher herausgefunden werden kann, ob eine Katze überhaupt ein Infektionsrisiko darstellt. Dabei werden sowohl eine Kot- als auch eine Blutprobe untersucht. Zu
    erläutern, wie das genau gemacht und ausgewertet wird, würde in diesem Artikel zu weit führen. Sprechen Sie uns einfach bei Bedarf an.



    So, ich hoffe, dass Sie jetzt die besprochenen Risiken realistisch einstufen können und dementsprechend gegen unhaltbare Ratschläge besser gewappnet sind.


    Bleiben Sie uns gewogen, bis bald, Ihr


    Kleitierpraxis Ralph Rückert



    Quelle: http://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=19311

    Basia mit Schlumpf (08.2007) & kleiner Maus (08.2009) & Kröti (12.2016)

  • Ah, danke für den Artikel. Ich red mir da auch immer den Mund fusselig. Und ich musste meine eigene Gyn diesbezüglich aufklären. Schon ein bisschen erschreckend...

  • Ah, danke. Meine Schwägerin hatte mir das in meiner Schwangerschaft erzählt weil ich Schafe habe, ich konnte dazu aber gar nichts finden. Da habe ich ja eine Bestätigung und kann Besucher die es betreffen könnte warnen.

  • na super. Ich bin schwanger, habe einen Hund der roh gefüttert wird und reite :(
    Danke für den Artikel!

    "Hauptansteckungsquelle sind einer Studie zufolge Schneidebrettchen" - sagte mein Arzt schom vor 12 Jahren.
    Konsequente Trennung von Rohfleisch- und Rohkost(= Gemüse, Salat, Brot etc...)brettchen sollte eh Standard sein.


    Daher: mit etwas Menschenverstand und normaler Hygiene muss frau keine Angst haben!


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • lilu, da steht, dass EIN Fall von einer Ansteckung im Stall nachgewiesen wurde. Das muss nicht heissen, dass jede reitende Schwangere sich ansteckt. Ich würde das Reiten deswegen nicht aufgeben. Auch die Rohfütterung würde ich weiterhin machen, nur ggf. mit Handschuhe und bei jeglichem rohen Fleisch penibel auf Hygiene rum rums Schneidewerkzeug achten.

    Basia mit Schlumpf (08.2007) & kleiner Maus (08.2009) & Kröti (12.2016)

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  • lilu : vielleicht hast du es ja auch schon durchgemacht und alles ist gar nicht so schlimm. ich bin in meiner Schwangerschaft übrigens positiv getestet worden, das war dann ein Riesenbohei, letztendlich waren es aber nur persistente IgM-AK. Das konnte man durch eine Extrauntersuchung feststellen und alles war gut :)

    LG Heike


    Der richtige Mensch ist nicht der, mit dem immer alles toll ist, sondern der, ohne den alles blöd ist.

  • ich bin eher dafür, dass man deutlich vor der schwangerschaft ausgiebig alle risiken eingeht
    und dann in der schwangerschaft keinen stress mehr hat ;)


    vielen dank für den artikel

  • Eigentlich werden in den Artikeln über die Gefahr der Ansteckung mit Toxoplasmose genau diese Gefahrenquellen genannt. Auch außerhalb einer Schwangerschaft ist Toxoplasmose gefährlich, es kann zur Erblindung oder zu Lähmungen führen.

  • Ach keine sorge ich habe eigentlich keine zeit um mir sorgen zu machen ;)
    Das füttern hat eh mein mann übernommen und menschen und tierfutter wird schon immer sehr getrennt.
    Und mein Pferd steht auf der weide da gibt's keinen Staub ;)
    Ich bin toxoplasmose negativ getestet worden. Was mich ehrlich gesagt ziemlich wundert aber gut.
    Hatte das nur immer so auf Katzen geschoben und bin etwas erschrocken als Pferde und Hunde genannt wurden

    Seit du da bist sind alle Lichter an
    Marc Forster

  • Nur soviel zum Ansteckungsrisiko: ich bin ja Tierärztin und habe auch schon Zeit meines Lebens immer Freigängerkatzen und esse sehr gerne Sachen wie rohe Hackbrötchen, Steak medium etc. Ich hab lange Zeiten auch auf Stationen gearbeitet, wo ich z.B. Katzentoiletten von zig fremden Katzen saubermachen mußte.
    Ich hab mich extra VOR der Schwangerschaft testen lassen: erstaunlicherweise negativ.
    In der Schwangerschaft mußte ich arbeiten, da ich selbständig bin (angestellt hätte ich sofort ein Beschäftigungsverbot bekommen). Klar hab ich besonders aufgepaßt, öfter Handschuhe angezogen, Katzenkot von der Helferin weg machen lassen etc. Es ist nichts passiert.


    Bevor ihr Euch aufregt: erst mal testen lassen. Wenn ihr Toxoplasmose schon mal hattet, könnt ihr Euch eh nicht merh anstecken. Und ansonsten eben besondere Sorgfalt walten lassen.

  • ich wollte mit dem Beitrag auch keine Panik vor Hunden und Pferden schüren, hoffe das ist nicht so angekommen. Und es ist auch absolut nicht nötig Ängste und Panik zu bekommen, nur eben ein Bewußtsein. Das zeigt Melone`s Beitrag sehr gut auf.


    Der Tierarzt räumt sehr schön mit Vorurteilen auf (z.B. ich darf jetzt keine Katze mehr anfassen oder muss meine gar weggeben) und lenkt die Aufmerksamkeit auf bislang (oft) ungesehene Gefahrenquellen (z.B.Gartenerde). Eine richtig gute Aufklärung finde ich.

    Basia mit Schlumpf (08.2007) & kleiner Maus (08.2009) & Kröti (12.2016)

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  • hm, also ich kenne das nicht so, dass man sich als (gesunder) Erwachsener mit Toxoplasmose anstecken kann und dann erblindet? So viel ich weiss ist es bei Immunsuppremierten eventuell anders (aber bei denen sind ja ganz, ganz viele Erkrankungen viel gefährlicher, nicht nur Toxoplasmose), aber auch da hab ich nix anderes gefunden als dass die eventuell Gesichtsfeldsausfälle bekommen, von Erblindung konnte ich nix finden. Für die allermeisten Erwachsenen (und auch Kinder) läuft die Erkrankung wie eine Erkältung ab.

    LG Heike


    Der richtige Mensch ist nicht der, mit dem immer alles toll ist, sondern der, ohne den alles blöd ist.

  • Noch ein kleiner Nachtrag: in meiner Schwangerschaft (Toxo-negativ aber hohes Infektionsrisiko) war mit meinem Gyn besprochen: beim Auftreten von grippeartigen Symptomen würde sofort Toxoplasmose getestet werden. Im Akutfall ist Toxo wohl auch in der Schwangerschaft ganz gut behandelbar und damit kann das Risiko für fetale Schäden dann auch deutlich gemindert werden.


    Noch eine Anekdote: An den parasitologischen Institut "meiner" Uni kamen ein paar Mitarbeiter mal auf die Idee, dass sie unbedingt mal wissen wollten, wie Toxoplasmose sich so "anfühlt". Sie haben Hackpeter mit ordentlich Toxoplasmen-Oozysten (Eiern) gewürzt und eine Hackepeter-Brötchen-Party veranstaltet. Sie dachte, ein bisschen grippaler Infekt wäre die Folge. Allerdings hatte es sie alle so dermaßen umgehauen, dass das ganze Institut nicht mehr funktionsfähig war. Sie haben es aber alle unbeschadet überlebt und blind ist auch keiner geworden ;-).
    Es gab dann einen offizellen Erlass, dass Selbstversuche streng untersagt sind...

  • Zum Erblinden: zumindest beim Tier gibt es eine Uveitis durch Toxoplasmose. Nicht sehr oft, aber wenn dann schon schlimm. Zumindest unbehandelt kann das zum Erblinden führen. Vielleicht gibt's sowas auch beim Menschen. Ist aber ganz bestimmt eine eher ganz seltene Komplikation.

  • Ich habe das mit der Erblindung aus einer Vorlesung für Augenheilkunde. Der Professor schien mir schon seriös zu sein. Vielleicht gibt es verschiedene Formen? Es ist aber auch nicht mein Fachgebiet, sodass ich mich aus einer medizinischen Diskussion raus halte. Die Lähmungserscheinungen traten bei einer Schwägerin auf, sie musste zu mehreren Ärzten, bevor jemand auf die Idee kam, sie auf Toxoplasmose zu behandeln.
    Sicher hat nicht jede Erkrankung immer die schlimmsten Folgen, aber mich kann man mit rohem Hackfleisch jagen.... :D


    Hier der erste Suchmaschinentreffer:
    http://www.daserste.de/informa…asiten-infektion-100.html

  • Ich war auch Toxo-negativ und konnte mir das nicht erklären... hab am Anfang der Schwangerschaft viel teilrohes Fleisch gegessen weil Eisenmangel - die Info, dass das gefährlich sein könnte hatte ich nicht und als ich's erfahren hab hatte ich ziemlich Schiss. Meine Frauenärztin hat nochmals testen lassen um mich zu beruhigen - alles gut. Und dann hab ich ein 6 Wochen altes Katerchen gefunden, der kurz vorm Dehydrieren war...
    Hab das arme Kerlchen nach 2 Tagen aufpäppeln untersuchen lassen (wir brauchten 3 von seinen Minivenen um genug Blut beisammen zu haben und siehe da, er hatte die Infektion schon erledigt!
    Sicherheitshalber musste ich trotzdem nie das Kisterl machen, das war mir jetzt nicht soo unangenehm ;)

  • naja, der Junge ist ja aber im Mutterleib schon infiziert worden, das zählt ja doch nicht als Infektion im Erwachsenen oder Kindesalter #confused

    LG Heike


    Der richtige Mensch ist nicht der, mit dem immer alles toll ist, sondern der, ohne den alles blöd ist.