PPD - zweites Kind

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  • Ihr Lieben,


    ich war mal wieder im Netz unterwegs, unter anderem (natürlich wegen persönlicher Motivation) auf einigen Blogs, die sich mit Hochsensibilität, Mutterschaft und Depression bzw. PPD beschäftigen.
    Was mir extrem auffiel, war, das nahezu alle Mütter die ich fand, mehrere Kinder hatten.


    Irgendwie krieg ich den Gedanken nicht aus dem Kopf. Warum will man es nach solch einer schlechten Erfahrung nochmal wissen und wundert sich dann, dass alles- Stess, Druck, Schlaflosigkeit - noch schlimmer (weil zwei oder mehr Kinder) wird?
    Warum kriegen diese Frauen dann weitere Kinder und regen sich dann über die (ich formuliers jetzt mal böse) absehbaren Folgen auf?


    Das ist keinesfalls als Angriff gemeint, sondern eine ernsthafte Frage. Die sich jemand stellt, der nach dem ersten Mal die Reißleine gezogen hat.


    Ich hoffe sehr, dass jemand meinen Gedanken teilen/weiterverfolgen kann und bereit ist, seine Sicht der Dinge hier zu teilen.

    Liebe Grüße


    Musicus mit gar nicht mehr so kleinem Mädchen (05)

  • um die Erkrankung oder auch um das Wissen über eigene -hm ich nenns jetzt mal Einschränkungen, beispielsweise bei einem Blog einer hochsensiblen Mutter.


    Über generelle Überlastung hab ich mir noch gar nicht so die Gedanken gemacht. Das könnte aber auch ein Ansatz sein. Danke, Hera!

    Liebe Grüße


    Musicus mit gar nicht mehr so kleinem Mädchen (05)

  • Aber man entwickelt ja nicht zwingend nach jedem Kind eine PPD, nur weil man das schonmal hatte.


    Ich hatte nach der Geburt meines Sohnes eine schlimme depressive Phase, die ungefähr 4 Monate angehalten hat, und die ich unter anderem mithilfe meines Freundes und meiner sehr tollen Hebamme gut in den Griff bekommen habe.


    Das war sicher nicht so schlimm wie bei manchen Leuten, die das sehr heftig haben oder hatten, mir war aber länger gar nicht bewusst, was genau nicht mit mir stimmt.
    Trotzdem war für mich immer klar, dass ich unbedingt ein zweites Kind möchte. Warum auch nicht?


    Nach der Geburt meiner Tochter ging es mir im Gegensatz zur ersten Geburt bis auf ein paar Tage Baby-Blues richtig gut.


    Findest du, man sollte nur Kinder bekommen, wenn alle Umstände perfekt sind (und wann sind sie das überhaupt)? Und warum sollten Menschen sich einschränken, obwohl die Folgen absehbar sind oder besser sein könnten?


    Ich kann deiner Überlegung nicht folgen. Dann könnte man ja auch fragen, warum Menschen Kinder bekommen, obwohl es ihnen finanziell schlecht geht. Oder obwohl sie körperlich versehrt sind.

    Leia mit Sohn (08/04) und Tochter (02/07)

    2 Mal editiert, zuletzt von Leia ()

  • Meine (!) Erfahrung ist, dass Frauen zu einem Großteil beim ersten Kind eine PPD bekommen, weil sie sich das niemals nicht soooo anstrengend vorgestellt haben bzw. überhaupt nicht mit dem MutterSein klar kamen.
    Alle von mir betreuten Frauen mit PPD waren Erstmamas und immer (!!!) mit wirklich richtig beschissenen Geburten: traumatische Zange, Notsectio, extreme Nachblutung mit Nahtoderlebnis...
    Einige davon haben mittlerweile die zweiten und dritten Kinder bekommen, haben das Wochenbett mit gutem sozialen Netz vorbereitet, hatten ärztlichen Background und oft dann Geburten im GH oder zuhause und diese als heilsam erlebt. PPD umschifft quasi.

  • @Millefolium : danke, damit kann ich wirklich was anfangen!!


    Leia: wenn Du mich so fragst, würde ich in einer finanziell angespannten Lage wohl wirklich nicht über ein weiteres Kind nachdenken. Wie das mit körperlichen Behinderungen ist, maße ich mir nicht an zu beurteilen, weil ich mich als körperlich Nichtbehinderte da sehr schlecht reindenken kann.

    Liebe Grüße


    Musicus mit gar nicht mehr so kleinem Mädchen (05)

  • @Millefolium
    Hat meine Hebamme genauso berichtet. Die war ganz verwundert, dass ich beim Zweiten eine bekommen habe. ;)
    Lag aber sicher auch maßgeblich an den Umständen: Geplante HG endete ET+10 in sekundärer Sectio nach erfolgloser Einleitung, starkem Blutverlust und mit "Huch!"-Effekt, weil die Plazenta sich vorzeitig am Ablösen war. Obwohl die Sectio an sich nicht traumatisch war. Zudem waren meine Schilddrüsenwerte für den Hintern. Aber so richtig.

  • Hier auch eine PPD nach dem ersten Kind. Bedingt durch die Umstände, die @Millefoliumbeschrieben hat.
    Jetzt nach der zweiten Geburt vor einem halben Jahr geht es mit gut.
    ich hatte zwar eine Resectio, die für mich aber ein wunderschönes und heilsames Erlebnis war.

    Man kann nicht alles können, aber man kann alles versuchen...

  • Ich hatte beim 2. Kind eine PPD, aber das lag v.a. daran, dass ich so schnell kein weiteres Kind wollte (unter einem Jahr Abstand), mich nach Totgeburt und langer Kinderwunsch-Zeit um die Babyzeit mit dem 06er-Kind betrogen fühlte und 2 Babys einfach fast unerträglich fand.
    Ich war depressiv, zeitweise auch suizidal.


    Mein Mann wünschte sich die ganze Zeit ein weiteres Kind.
    Als ich wieder stabil war, trug er den Wunsch vor. Anfangs wollte ich nicht; aber ich muss sagen, dass das 2010 geborene Kind für mich heilsam war.


    Ich war nach dessen Geburt sicherlich 2 Jahre wie auf Drogen, immer nur zufrieden mit der Geburt, dem Kind, dem Leben, der Familie und mir. ;-)

  • Hmmm, ich denke, das wird wie bei allen anderen schlimmen Erfahrungen während der Schwangerschaft, Geburt und der Zeit danach sein. Entweder hat die Mutter das ganz gut überstanden und traut sich das nochmal zu, weil der Kinderwunsch so groß ist und sie weiß, dass das auch wieder vergeht, oder das war so traumatisch , dass Ihnen jeglicher Kinderwunsch vergangen ist. Ich denke das ist individuell total verschieden.
    Ich hatte eine wirklich ätzende dritte Schwangerschaft und die Geburt war auch extrem bescheiden. Ich will definitiv kein weiteres Kind mehr, weil ich zu alt bin, aber 10 Jahre jünger und ich würde jetzt , wo der Wurm 1,5 Jahre alt ist, es mir doch nochmal überlegen, zumindest nicht definitiv ausschließen #augen
    Mit ein bisschen Abstand dazu relativiert sich das ganze ja auch manchmal und man geht Vllt auch gestärkt daraus hervor, weil man es unbeschadet überstanden hat.


    Ich hab mal eine Doku über drei Mütter gesehen, die alle körperlich eingeschränkt waren. Eine Rollstuhlfahrerin mit Spastiken, eine Blinde und ich glaube noch eine kleinwüchsige Frau. Am meisten hat mich die blinde Frau beeindruckt , auch weil sie mehrere Kinder hatte, 2 oder 3. und immer wenns hier wieder mal nich so läuft, wie ich mir es vorgestellt hab, denk ich an sie, dass sie einfach das beste daraus macht, auch wenn es besser laufen könnte.


    "Irgendwie krieg ich den Gedanken nicht aus dem Kopf. Warum will man es nach solch einer schlechten Erfahrung nochmal wissen und wundert sich dann, dass alles- Stess, Druck, Schlaflosigkeit - noch schlimmer (weil zwei oder mehr Kinder) wird?
    Warum kriegen diese Frauen dann weitere Kinder und regen sich dann über die (ich formuliers jetzt mal böse) absehbaren Folgen auf?"


    Ich kann grad nich zitieren, aber ist das nicht bei jeder so, die mehrere Kinder hat? Dann dürfte ja keine mehr jammern , weil man hat sich das ja selbst so ausgesucht. Bei meiner Mutter brauch ich garnicht damit zu kommen, dass es mit drei Kindern anstrengend ist, das einkaufen, die Wäsche, Wohnung nicht zu finden, Urlaube, Essen , alles wird teurer, irgendwer hat immer was... dann kommt auch der Spruch: du hast es ja so gewollt... das find ich sehr schade, das man dann ja nicht mehr jammern darf.


    Für die einen ist das Glas halbleer,
    für die anderen ist es halbvoll,
    und ich freu mich schon, wenn überhaupt etwas drin ist !!
    :D

  • Ich kann grad nich zitieren, aber ist das nicht bei jeder so, die mehrere Kinder hat? Dann dürfte ja keine mehr jammern , weil man hat sich das ja selbst so ausgesucht. Bei meiner Mutter brauch ich garnicht damit zu kommen, dass es mit drei Kindern anstrengend ist, das einkaufen, die Wäsche, Wohnung nicht zu finden, Urlaube, Essen , alles wird teurer, irgendwer hat immer was... dann kommt auch der Spruch: du hast es ja so gewollt... das find ich sehr schade, das man dann ja nicht mehr jammern darf.

    #ja genau so!

    Einmal editiert, zuletzt von Lie ()

  • Narzisse, das liest sich wunderschön! Danke für Deinen Beitrag!!


    Bestimmt wächst mit der Anzahl der Kinder auch die Anzahl der Sorgen, Stress, Druck usw (sag ich jetzt mal so) und ich bin bestimmt die letzte, bei der man nicht jammern darf - ich habe zwei sehr gute Freundinnen mit drei Kindern. Mir ging es auch in erster Linie um die pathologische Seite, das heißt eine diagnostizierte Depression oder Hochsensibilität (insofern Hochsensibilität ärztlich diagnostiziert werden kann, das weiss ich nicht genau)

    Liebe Grüße


    Musicus mit gar nicht mehr so kleinem Mädchen (05)

  • Naja, mit einem gewissen differenzierten Bild vom Wesen von z.B. Depressionen gibt es aber schon genügend Erklärungsansätze.


    Menschen, die jetzt erwachsen sind und hochsensibel sind, haben oft in ihrer Sozialisierung nicht gelernt, damit umzugehen. Sie müssen sich das erarbeiten und lernen oft erst im Laufe des Lebens, sich besser und besser damit zurecht zu finden. So kann es sein, dass das erste Kind extreme Entwicklungsschübe anleiert. Und dass an der Lernkurve jedes Kind deutlich sichtbar ist. Das heißt aber nicht, dass diese MEnschen an sich mit dem Kinderhaben überfordert sind. Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sind für jede Frau potentiell herausfordernde Zeiten, die zu Wachstum anregen.


    Ebenso bei Depressionsneigung. Im Laufe des Lebens findet sich oft, bei entsprechendem Umgang und Therapieangebot, ein Umgang damit jenseits des "Mama ist mal wieder 3 Wochen in der Psychiatrie".


    Überhaupt finde ich dein Bild davon ziemlich undifferenziert. Du hast es zwar nett ausgedrückt weil du weißt, wie man sich benimmt, aber unterm Strich las es sich - für mich zumindest - doch wie ein "wieso kriegen SOLCHE Leute überhaupt noch Kinder, unverantwortungsvolles Pack?".


    Dazu kommt halt noch die Sonderform PPD, wie Millefolium schon schrieb: oft ganz schlicht und einfach ausgelöst in einem fragilen Moment einer Frau, die schlimme Erlebnisse machen musste und dabei oft gänzlich allein gelassen wird. Und mit allein gelassen meine ich nicht nur "es kocht ihr niemand was und sorgt dafür, dass sie mal schlafen kann" (was oft genug vorkommt), sondern auch eine angemessene emotionale Einbindung ins Bezugssystem. Daran finde ich nun wirklich garnichts verwunderlich.

  • Überhaupt finde ich dein Bild davon ziemlich undifferenziert. Du hast es zwar nett ausgedrückt weil du weißt, wie man sich benimmt, aber unterm Strich las es sich - für mich zumindest - doch wie ein "wieso kriegen SOLCHE Leute überhaupt noch Kinder, unverantwortungsvolles Pack?".


    So nahm ich es auch wahr, darum schrieb ich nichts dazu. Es ist nicht einladend, es klingt eher für mich: rechtfertige dich, warum du ein zweites Kind in die Welt gesetzt hast und wieder depressiv warst/ wurdest/ immer noch warst. Als Betroffene abschreckend und warum sollte ich mich an den empfundenen Pranger stellen?

  • Leia: wenn Du mich so fragst, würde ich in einer finanziell angespannten Lage wohl wirklich nicht über ein weiteres Kind nachdenken. .


    Ich sehe das anders. Ich finde, jede/r hat das Recht, sein Leben so zu gestalten, wie er oder sie sich das wünscht, auch bei Armut, psychischer oder körperlicher Erkrankung, ungünstigen Umständen, whatever.
    Und Kinder bekommen gehört eben auch dazu.


    Vielleicht meinst du es nicht so, aber wenn man deine Überlegungen weiterführt, dann sollten eine ganze Menge Leute lieber keine Kinder bekommen, sondern nur die, die das Glück haben, unter besonders stabilen Bedingungen zu leben. Das finde ich einen komischen Gedanken.

    Leia mit Sohn (08/04) und Tochter (02/07)

  • Komisches Posting!


    Ich habe drei Kinder, zweimal Hausgeburt und selbstbestimmt, einmal KH, doof aber interventionslos. Eine PPD hatte ich bei allen dreien. Und? Soll ich dir jetzt erklären, warum ich drei Kinder wollte? Kann man Kinderwunsch überhaupt erklären?


    Und natürlich hat es mir jedes Mal vor der Neugeborenenzeit, Schlafmangel Usw gegruselt. Wenn mir jemand ein einjähriges Kind geschenkt hätte, hätte ich das gern genommen und Schwangerschaft, Geburt und Babyzeit übersprungen. Aber irgendwie kam keiner vorbei, der das für mich übernommen hätte... #gruebel #cool

  • Hier auch eine PPD nach dem ersten Kind. Bedingt durch die Umstände, die @Millefoliumbeschrieben hat.
    Jetzt nach der zweiten Geburt vor einem halben Jahr geht es mit gut.
    ich hatte zwar eine Resectio, die für mich aber ein wunderschönes und heilsames Erlebnis war.

    Hier ebenfalls. Einschließlich heilsamer Resectio.


    Der Thread wirkt auf mich wie dieses Reden im Reallife, wenn man sich mal auskotzen will: "Bist ja selbst schuld, du wolltest ja Kinder, jetzt darfst du auch nicht ein Fitzelchen Negatives sagen."


    Tja, und zum Glück gibt es in der Gegenwart keine Wächter hier in Deutschland, die einem vorschreiben, wann man denn fähig genug ist, ein oder mehrere Kinder kriegen zu dürfen (siehe z. B. in China oder in der Vergangenheit in Nazi-Deutschland, T4).

  • Der Thread wirkt auf mich wie dieses Reden im Reallife, wenn man sich mal auskotzen will: "Bist ja selbst schuld, du wolltest ja Kinder, jetzt darfst du auch nicht ein Fitzelchen Negatives sagen."

    Jup. Sowas in der Art hab ich Weihnachten von meinem Vater gehört, als ich meinte, wir würden uns nach etwas Ruhe und Paarzeit sehnen (speziell jetzt nach dem Unfall). Er meinte daraufhin, dass man das ja aber vorher wüsste... #hammer

    Wer nicht zuweilen zu viel und zu weich empfindet, der empfindet gewiss immer zu wenig.
    Jean Paul

  • Mich trifft das Ausgangsposting schon ziemlich. Da kann man ja auch sagen, warum lebt man überhaupt weiter, wenn man eine Depression hat, die kommt ja auch in Schüben immer wieder.


    Ich hatte beim 2. Kind eine wunderbare Hausgeburt und dann eine PPD und ja, ich habe noch ein 3. Kind bekommen und auch das war anstrengend. Und ja, das möchte ich auch aussprechen dürfen, ohne zu hören, dass ich ja selber Schuld bin und alles vorher wußte.

    Beate mit Frau Maus (05/04) , Fritzi (10/07) und Zwerg (05/14)

  • ... zumal : Ein Kind kriegt man im Regelfall als Familie. Einen Papa gibt's auch dazu.
    Und wer sagt denn, dass der nicht in gewissen Phasen gewisse Belastungen abfangen kann?
    Oder eben ein anderes soziales Netz?
    Sich wg einer Krankheit so sehr im Leben einzuschränken halte ich eher für ungesund und unförderlich.
    Wenn noch Kinderwunsch da ist, lassen sich meist Lösungen für Handicaps finden, denke ich.
    Klug ist es dann, sich vorher ein backup zu schaffen. Nicht, ängstlich zu verzichten und das eigene Bedürfnis nach weiteren Kindern zu übergehen.