Frage zu Steuern Ehegattensplitting!

  • Ich bin gestern in eine Diskussion geraten mit einer Freundin, als ich gegen das Ehegattensplitting gewettert habe, weil es die Alleinverdienerehe fördert, Frauen davon abhält wieder in den Beruf zurückzukehren usw.

    Nun habe ich behauptet, dass ein Ehe-Paar, das eine Gesamtsumme x, sagen wir 100.000 Euro verdient, wo einer viel, sagen wir 80.000 verdient, und einer nur 20.000, unterm Strich mehr Netto hat, also weniger versteuert (durch die dann günstige Steuerklasse 3/5), als ein Paar, bei dembei gleichem Gesamtbrutto (100.000) jeder gleichviel verdient (jeweil 50.000).

    Ersteres Paar kann durch die Steuerklassen 3/5 doch mehr Steuern sparen, als das zweite Paar.

    Meine Freundin meint das stimmt so nicht. Ich kenn mich nicht so gut aus, denn ich selbst bin garnicht verheiratet:Daber so hatte ich das mit dem Ehegattensplitting verstanden.

    Wer kennt sich aus und kann mir sagen was stimmt?

  • Die Aufteilung nach 3/5 bzw. 4/4 gilt nur für das laufende Steuerjahr. Am Ende des Steuerjahrs wird Bilanz gezogen und das Paar mit 4/4 bekommt (vermutlich - hängt von anderen Einkünften ab) eine Rückzahlung.

    Das Paar mit 3/5 spart also "nur" in dem Monat, übers Jahr gleicht es sich aus.

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

    ---

    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Na ja, zum einen ist es maximal deprimierend, den Lohn mit Steuerklasse 5 zu sehen, v.a. weil man ja meist eher weniger verdient (sonst ergibt es ja keinen Sinn) - dann kommt schnell der Gedanke "für die paar Kröten muss ich nicht arbeiten"....

    Und es hängt auch noch mehr dran, aber das ist für mich zu komplex/betrifft uns nicht: Ausrechnen des Arbeitslosengeldes/Kindergeldes, etc. Wobei es da - je nach Fragestellung - sehr sinnvoll sein kann, 4/4 zu wählen.

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

    ---

    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • An der Steuerklasse bzw. dem Nettoverdienst hängen definitiv auch noch Krankengeld (z.B. in der GKV bei krankem Kind) und Elterngeld. Bei uns hat es sich gelohnt, dass ich vorher in die Steuerklasse mit der niedrigeren Steuer gegangen bin obwohl mein Mann mehr verdient hat.


    Ich würde auch behaupten dass ein Ehepaar nach der Steuererklärung mit Rückzahlung immer gleich viel Steuern bezahlt bei gleichem Familien-Gesamtbrutto.

  • Bei gleichem zu versteuernden Einkommen ist die Höhe der Steuer nach der Steuererklärung identisch.


    https://www.steuerklassen.com/steuerklassenrechner/


    Wenn man in ähnlicher Höhe verdient, ist 4/4 realistischer. Bei ungleichem Verdienst passt 3/5 von der Höhe besser.


    Der Nettoverdienst hat Auswirkungen auf die Höhe des Elterngeldes und des Arbeitslosengeldes.


    Kritik:


    https://www.welt.de/politik/de…-steuerlich-bestraft.html

  • Soweit ich weiß ,spart man durch das Ehegattensplitting, weil sich die Einkommenssteuer verändert .

    So ganz vereinfacht ( fiktive Werte) jemand mit 20 000 Euro zahlt 10% Steuer , mit 50 000€ 30 % und mit 80.000 € 40%.

    Paar A und B haben jeweils ein Gesamteinkommen von 100 000€ .

    Bei Paar A verdient einer 80 000 € , einer 20 000€ . Sie zahlen also insgesamt 34 000€ Steuern

    ( 2000€ +32000€) .

    Bei Paar B verdient jeder 50 000€ . Sie zahlen 30 000€ (2x 15 000) €.


    Beim Ehegattensplitting wird das Gesamteinkommen der Partner durch 2 geteilt und der entsprechende Einkommenssteuersatz genommen . Daher lohnt es sich gerade bei großen Einkommensunterschieden .


    Ich hoffe, das stimmt jetzt so im groben, es ist schon echt lange her, dass ich mich damit beschäftigt habe.

  • Katermäuschen - du meinst, dass die Progression bei 3/5 zum Tragen kommt? Aber genau das wird doch im Jahresausgleich wieder berücksichtigt, oder?


    Wenn man den von silecea verlinkten Rechner nutzt, erscheint folgende Info:


    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

    ---

    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Dein Eindruck stimmt m. E. - hat aber nichts mit den Steuerklassen zu tun, sondern mit Grund- und Splittingtabelle.


    Für ein unverhereiratetes Paar mit 2 x TEuro 50 Jahresbrutto ändert sich durch Heiraten: genau gar nichts.


    In der Konstellation aber, in der das unverhereiratete Paar einmal TEuro 100 und einmal 0 verdient, lohnt sich Heiraten total - wenn ich es jetzt richtig im Kopf habe, war der Unterschied ca. TEuro 10 pro Jahr.

  • Hermine ,das meine ich nicht . Bei unverheirateten zahlt jeder den Steuersatz nach seinem Gehalt , unabhängig davon wieviel der Partner verdient . Bei Ehepaaren ändert sich dies .


    Paar A zahlt unverheiratet 34 000€ , verheiratet dann nur noch 30 000, da sie rein rechnerisch jeder 50 000€ verdienen .

    Ich weiß, was ich meine.

    Dieser Beitrag wurde bereits 3 Mal editiert, zuletzt von Katermäuschen ()

  • Ah! es geht dir nicht um die Abwägung zwischen 3/5 vs 4/4 bei Verheirateten, sondern um die Frage, wann sich das Heiraten (steuertechnisch) lohnt. So?

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

    ---

    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • :D.

    Hermine und drei Jungs (04, 07 und 09)

    ---

    demokratische Ordnung braucht außerordentliche Geduld im Zuhören und außerordentliche Anstrengung, sich gegenseitig zu verstehen

    Willy Brandt, 1969

  • Heiraten lohnt sich steuerlich umso mehr, je größer die Einkommensunterschiede der Partner*innen sind. Versorgerehe ist steuerlich das Optimum #rolleyes


    Wenn man fast gleich viel verdient muss man zumindest wegen der Steuer wirklich nicht heiraten...

  • Es kommt aber nicht nur auf die Steuerklassen an. Sondern auch auf Sonderausgaben/Werbekosten. Wir haben jedes Jahr den Vergleich zusammen/einzeln veranlagt im Steuerprogramm. Wir verdienen ca. 40/60 bei Steuerklasse 4/4. Mein Mann würde jedes Jahr nachzahlen. Ich würde Geld zurückbekommen. Aber weniger als wenn wir zusammen veranlagen. Das macht mehrere hundert Euro aus. (Letztes Jahr waren es glaube ich ca. 300 Euro zwischen einzel/zusammen veranlagt)


    Das kommt durch die Steuerprogression. Die Abgaben steigen nicht linear mit dem Einkommen. Man hat eben nicht die gleiche Abgabenlast bei je 50k/50k wie wenn mann (20k/80k)/2 hat.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Exon ()

  • Heiraten lohnt sich steuerlich umso mehr, je größer die Einkommensunterschiede der Partner*innen sind. Versorgerehe ist steuerlich das Optimum #rolleyes


    Wenn man fast gleich viel verdient muss man zumindest wegen der Steuer wirklich nicht heiraten...

    Das stimmt nicht - es lohnt sich am meisten, wenn beide zusammen gut verdienen, aber nicht zu gut.

    Wie oben schon erklärt: die Einkommen werden addiert und dann für die Ermittlung des gemeinsamen Steuersatzes halbiert. Dieser Steuersatz wird dann aufs Gesamteinkommen angewendet.

    Ist das Einkommen so hoch, dass auch der Steuersatz fürs halbierte Einkommen sehr hoch ist, lohnt sich das Splitting nicht mehr.

  • Heiraten lohnt sich steuerlich umso mehr, je größer die Einkommensunterschiede der Partner*innen sind. Versorgerehe ist steuerlich das Optimum #rolleyes


    Wenn man fast gleich viel verdient muss man zumindest wegen der Steuer wirklich nicht heiraten...

    Das stimmt nicht - es lohnt sich am meisten, wenn beide zusammen gut verdienen, aber nicht zu gut.

    Wie oben schon erklärt: die Einkommen werden addiert und dann für die Ermittlung des gemeinsamen Steuersatzes halbiert. Dieser Steuersatz wird dann aufs Gesamteinkommen angewendet.

    Ist das Einkommen so hoch, dass auch der Steuersatz fürs halbierte Einkommen sehr hoch ist, lohnt sich das Splitting nicht mehr.

    Interessant, das ist mir neu. Welcher Einkommensbereich ist denn "Gut, aber nicht zu gut"?


    (Mein Ex-Mann wollte auf jeden Fall noch im alten Jahr heiraten, das hat uns knapp 10.000 Euro Steuernachzahlung beschert, ich war damals Studentin mit Baby... Wahnsinn)

  • (Mein Ex-Mann wollte auf jeden Fall noch im alten Jahr heiraten, das hat uns knapp 10.000 Euro Steuernachzahlung beschert, ich war damals Studentin mit Baby... Wahnsinn)

    Wenn die Verteilung 100 zu 0 ist, kommt die Ersparnis vor allem daher, dass ohne Heirat der Grundfreibetrag für den, der nichts verdient nicht geltend gemacht werden kann.

  • sandra Ich versuche, ein Beispiel zu zaubern, aber ich schaffe das erst heute Abend. Und wahrscheinlich habe ich auch noch einen Denkfehler drin, sprich wir haben beide recht.

    Damit lohnt sich‘s dann am meisten, wenn die Einkommen sehr unterschiedlich sind und beide insgesamt nicht zu viel verdienen :)