“Frauen sind mitgemeint” / Streit zwischen Justiz- und Innenministerium

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  • Ich sage zu meiner Tochter, mit voller Absicht "Na, willst du mal Pilot werden?!". Dann wird sie sich immer "mitgemeint" fühlen. Ich hatte mit dem gemeint fühlen jedenfalls nie ein Problem.

    Aber es gibt genügend Versuche, die eben zeigen, dass Kinder sich automatisch die männliche Variante vorstellen, wenn man die männliche Variante benutzt. Die zeichnen dann auch einen Mann.

    Nein, ich will mich nicht nur "mitgemeint" fühlen. Wir sind als Frauen auch keine Minderheit, sondern machen immerhin die Hälfte der Weltbevölkerung aus.


    Die ist die Welt in vielen Bereichen nur auf Männer ausgerichtet - weil Frauen immer nur "mitgemeint" sind. Das hat massive Konsequenzen. Sicherheitsstandards für Autos werden z.B. am durchschnittlichen Mann ausgerichtet, mit der Folge, dass Frauen im Schnitt bei Unfällen schwerere Verletzungen haben. Aus der Medizin gibt es viele weitere Beispiele, die zeigen, dass "mitgemeint" sein für Frauen u.U. lebensgefährlich ist. Und das ändern wir nicht, indem wir unseren Töchtern beibringen, sich brav "mitgemeint" zu fühlen, sondern nur, indem wir immer wieder ins Bewusstsein bringen, dass 50% der Menschheit Frauen sind und eben keine Männer.

  • "Meine Eltern sind beide Lehrer" drückt halt einfach nicht dasselbe aus wie "Meine Mutter ist Lehrerin und mein Vater ist Lehrer", dass eben beide diesen Beruf haben wird nicht betont, ist aber das was die erste Variante eben bezweckt!

    Den Unterschied zwischen Lehrer und Lehrerin kannst du, wenn es nicht gerade Staatsdienst ist, auf dem Gehaltszettel sehen.

    Ansonsten drücken beide Sätze dasselbe aus: Mama und Papa haben denselben Beruf.



    Das heißt: mehr männliche Lehrer an Grundschulen! (Ist was anderes als wenn ich schreibe "Mehr Lehrer an Grundschulen!", oder?!).

    Ja, und warum schreibst du "männlicher Lehrer"? nutze doch die männliche Form von Lehrer.

    Ups, ja, wenn "Lehrer" der Überbegriff ist, warum gibt es dann keine männliche Form für das Wort Lehrer?


    Ich sage zu meiner Tochter, mit voller Absicht "Na, willst du mal Pilot werden?!". Dann wird sie sich immer "mitgemeint" fühlen. Ich hatte mit dem gemeint fühlen jedenfalls nie ein Problem. Ich fühl mich NICHT mitgeteilt wenn jemand "Rechenkünstler" sagt - weil ich nicht gut in Mathe bin, nicht weil da zwei Buchstaben "fehlen".

    Tja, was soll ich sagen; Ich hatte eine Tante, die mir alle möglichen Tipps verraten hat, wie ich im Patriarchat als Frau gut durchkomme:

    Sich bei Männern interessant machen, mich schön machen, lächeln, aber das auch genau einsetzen, sich rar machen (um interessant zu sein, und eben geheiratet zu werden). All so was halt.


    Ich habe dann lieber studiert und mich beruflich etabliert.




    Jedenfalls zeigt sich meiner Meinung nach das Problem sehr deutlich darin, dass auch beispielsweise bei Englisch-Muttersprachler*innen (und sogar schon bei Kindern) "firefighter", "pilot" und "doctor" in der Vorstellung immer männlich sind, obwohl die Berufsbezeichnungen geschlechtsneutral sind.

    Wenn das alles so geschlechtsneutral ist, warum gibt es dann die Stewardess und den Steward?

    It all started with the big BANG!


    (Big Bang Theory)

  • Wenn das alles so geschlechtsneutral ist, warum gibt es dann die Stewardess und den Steward?

    Ich verstehe die Frage nicht.


    Ich habe ja nicht behauptet, dass alle Berufsbezeichnungen im Englischen geschlechtsneutral seien. Aber die von mir aufgezählten sind es, und trotzdem stellen sich Muttersprachler*innen dabei Männer vor.


    Darüber hinaus sind Steward und Stewardess die deutschen Bezeichnungen für das, was auf Englisch (geschlechtsneutral) als "flight attendant" bezeichnet wird.

    Liebe Grüße

    Sabine mit T. 10/02 und Q. 11/05

  • Ich sage zu meiner Tochter, mit voller Absicht "Na, willst du mal Pilot werden?!". Dann wird sie sich immer "mitgemeint" fühlen. Ich hatte mit dem gemeint fühlen jedenfalls nie ein Problem.

    Aber es gibt genügend Versuche, die eben zeigen, dass Kinder sich automatisch die männliche Variante vorstellen, wenn man die männliche Variante benutzt. Die zeichnen dann auch einen Mann.

    Nein, ich will mich nicht nur "mitgemeint" fühlen. Wir sind als Frauen auch keine Minderheit, sondern machen immerhin die Hälfte der Weltbevölkerung aus.


    Die ist die Welt in vielen Bereichen nur auf Männer ausgerichtet - weil Frauen immer nur "mitgemeint" sind. Das hat massive Konsequenzen. Sicherheitsstandards für Autos werden z.B. am durchschnittlichen Mann ausgerichtet, mit der Folge, dass Frauen im Schnitt bei Unfällen schwerere Verletzungen haben. Aus der Medizin gibt es viele weitere Beispiele, die zeigen, dass "mitgemeint" sein für Frauen u.U. lebensgefährlich ist. Und das ändern wir nicht, indem wir unseren Töchtern beibringen, sich brav "mitgemeint" zu fühlen, sondern nur, indem wir immer wieder ins Bewusstsein bringen, dass 50% der Menschheit Frauen sind und eben keine Männer.

    Unterschrieben Astarte . Gut auf den Punkt gebracht.

    "Wir wollen lieber fliegen als kriechen" - Louise Otto-Peters (1819-1895) Frauenrechtlerin


    „Es gibt so viele gute Sachen auf der Welt. Es ist wirklich wichtig, dass jemand sie findet!“ Pippi Langstrumpf


    Men det finns sätt att leva och inte bara överleva - Lena Hallengren 2020

  • Den Unterschied zwischen Lehrer und Lehrerin kannst du, wenn es nicht gerade Staatsdienst ist, auf dem Gehaltszettel sehen.

    Entschuldige, dass ich das hier so völlig am Thema vorbei rauspicke, aber das sprang mir ins Auge. Echt, werden m und w Lehrkräfte im ÖD verschieden bezahlt? #eek Ich kenn nur die Besoldungstabellen verbeamteter Lehrkräfte, und da gehts nicht nach Geschlecht.

    Dieser Beitrag kann eine eigene Meinung enthalten. Im Idealfall ist es die des Verfassers. :evil:

  • Echt, werden m und w Lehrkräfte im ÖD verschieden bezahlt?

    Ich bin zwar nicht Shevek, aber sie schrieb doch extra "wenn es nicht gerade Staatsdienst ist".

    Liebe Grüße

    Sabine mit T. 10/02 und Q. 11/05

  • Echt, werden m und w Lehrkräfte im ÖD verschieden bezahlt?

    Ich bin zwar nicht Shevek, aber sie schrieb doch extra "wenn es nicht gerade Staatsdienst ist".

    Ich unterscheide zwischen verbeamtet = Staatsdienst und ÖD = nicht Staatsdienst. Verbeamtet weiß ich, dass m und w dasselbe bekommen und da nur nach Schulform unterschieden wird. Ich hatte Shevek so verstanden, dass Lehrkräfte im ÖD eben geschlechterabhängig bezahlt werden und kann das gar nicht glauben, deswegen hab ich nachgefragt.

    Möglicherweise klingt das jetzt naiv, aber ich kenn tatsächlich keine andere Form, wie man Lehrkräfte an staatlichen Schulen beschäftigt.

    Dieser Beitrag kann eine eigene Meinung enthalten. Im Idealfall ist es die des Verfassers. :evil:

  • Ich dachte, es sind Privatschulen gemeint.


    Ist vielleicht ein Werbeargument "Bei uns an der privaten Grundschule hat Ihr Kind auch männliche Lehrer". Und deshalb werden Männer bevorzugt, und zu höheren Gehältern, eingestellt.

  • Ich sage zu meiner Tochter, mit voller Absicht "Na, willst du mal Pilot werden?!". Dann wird sie sich immer "mitgemeint" fühlen. Ich hatte mit dem gemeint fühlen jedenfalls nie ein Problem. Ich fühl mich NICHT mitgeteilt wenn jemand "Rechenkünstler" sagt - weil ich nicht gut in Mathe bin, nicht weil da zwei Buchstaben "fehlen".

    Tja, was soll ich sagen; Ich hatte eine Tante, die mir alle möglichen Tipps verraten hat, wie ich im Patriarchat als Frau gut durchkomme:

    Sich bei Männern interessant machen, mich schön machen, lächeln, aber das auch genau einsetzen, sich rar machen (um interessant zu sein, und eben geheiratet zu werden). All so was halt.


    Ich habe dann lieber studiert und mich beruflich etabliert.

    Aus sowas gewinne ich den Eindruck, dass du mich aus Gründen der Dramaturgie falsch verstehen willst, daher gehe ich darauf und auf den Rest einfach nicht ein.

  • Ich glaube das Beispiel soll verdeutlichen, daß es eben keine Erziehungs- oder Gewöhnungsfrage ist, ob das gelingt oder nicht. Weil die Forschung gezeigt hat, daß der Effekt nicht ist, daß sich Mädchen und Frauen darin wiederfinden. Hat eben nicht funktioniert. Auch wenn man selbst anderer Ansicht ist scheint das Gegenteil nachgewiesen worden zu sein. #weissnicht

  • Cogi Nett gemeint, dass du das weiter ausführst, dennoch lässt mich vor allem der letzte Satz von Shevek meinen, es ging hier womöglich mehr um die Punchline.


    Zur Sache: Der Nachweis ist da schwierig zu erbringen, finde ich. Und wenn die Studie die Wahrheit sagt, was bedeutet das dann für meine Wahrnehmung, die ja gegenteilig ist? Dass ich unter Wahnvorstellungen und einem völlig verzerrten Selbstbild leide (ja, weil ich ja so tief in Patriarchat getränkt wurde, dass ich an einer Art Stockholmsyndrom leide - irgendwie finde ich das verwundert, dass ich mein Leben lang nie zum Opfer gemacht wurde - bis der Feminismus mir begegnet ist).


    Astarte

    Ich verstehe dieses "mitgemeint" nicht. Wenn ich eine Gruppe Menschen bezeichne, anhand eines Merkmals, das sie alle teilen, nämlich dem Beruf, dann sind ja alle diese Individuen nur "mitgemeint", in ihren jeweiligen Eigenschaften. Linkshänder, Schwarzhaarige, Menschen mit Handycap, mit Migrationshintergrund - warum soll ich für das Geschlecht eine Ausnahme machen, wenn es keine Rolle spielt (spielen sollte - die Forderung nach geschlechtergerechter Sprache macht es ja überhaupt erst zum Thema). Wenn "fünf Wissenschaftler" etwas entdeckt haben und in meinem Kopf nur alte, weiße Männer auftauchen (ich würde ja noch "cis" schreiben, aber das ist ein Merkmal das man ja garnicht von außen sehen kann und das NOCH weniger mit ihrer Arbeit zu tun hat), dann finde auch ich das sehr problematisch, nicht dass wir uns da falsch verstehen. Aber die Welt wird nicht besser und bunter wenn ich die weibliche Form immer mitnenne oder sogar zum neuen Standard mache. Das ist - finde ich - sogar kontraproduktiv, und zwar für alle. Für die Menschen die nach den o. g. weiteren Merkmalen diskriminiert werden, für die männliche Hälfte der Bevölkerung - und für die Frauen und Mädchen! Das ist meine feste Überzeugung, dass uns das als Gesellschaft schadet, wenn wir jetzt Generationen von Mädchen großziehen, die wieder als bestimmendes Element ihres Geschlechts das Benachteiligt-Sein vermittelt bekommen!


    Ich war völlig unbeleckt von sowas, mir wurde immer ALLES zugetraut, auch von den alten weißen Männern um mich herum, und dann kam ich auf eine Mädchenschule und hörte davon wie gut das sei, dass ich jetzt nicht mehr unterdrückt würde und mich endlich frei entfalten könne. Das hat mich nachhaltig verwundert und erstmal sogar verstört, weil ich sehr lange gebraucht hab um zu kapieren, dass das einige so empfinden, dass das aber auf mich und mein Umfeld so nicht zutrifft, dass also meine Wahrnehmung der Welt NICHT komplett bescheuert ist und ich dämlich!!


    Viele andere mag das erleichtert haben, "dem Feminismus" (bewusst in Anführungszeichen) begegnet zu sein, für much war es das erste Mal wo ich zum Opfer wurde. Vielleicht schreib ich irgendwann mal die Langversion dieses Aspekts meines Lebens hier auf, damit man mich vielleicht mal irgendwie verstehen kann und mich nicht als agent provocateur wahrnimmt oder als blöde oder ignorant, sondern das mal nachvollzieht und sich dann mal mit den Ideen und Blickwinkeln die ich da habe auseinandersetzt, ohne mir ständig diese schablonenhaften Bullshit-Bingo Argumente entgegenzuhalten.



    Boah. Dumm, so auszurasten und das dann auch noch abzusenden - ich will wirklich niemanden damit angreifen, aber irgendwie "triggert" mich dieses Forum halt immer und immer wieder genau in diesem Punkt, und das ist für mich keine "abstrakte" Diskussion (das ist es für die meisten nicht, da bin ich sicher), sondern das piekst mich einfach immer wieder an den Stellen an denen ich besonders empfindlich bin und deswegen kann ich es nicht lassen.


    Ich denke, ich sollte mir mal ein paar Tage Pause gönnen. Nehmt meinen Post zur Kenntnis, oder überlest ihn, und macht bitte einfach weiter mit dem Thema. Ich bin hier kein produktiver Gesprächsteilnehmer.

  • Enf-ja, Du schreibst in Deinem Post abermals wie Du das siehst und empfindest. Das kann man auch so stehen lassen. Vielleicht spielt da auch Enttäuschung rein, daß etwas nicht so ist wie es sich lange darstellte oder eben nicht für die Mehrheit der Anderen funktionierte.


    Aber es ist untersucht worden, von Wissenschaftlerinnen und vielleicht auch ihren männlichen Mitstreitern (zuletzt las ich darüber was von einer Sprachwissenschaftlerin), daß es eben für die Mehrheit nicht so ist. Für unsere weibliche Mehrheit nicht und auch nicht für die Minderheiten, die Du genannt hast. Das kann man doch nicht von der Hand weisen, auch wenn man es gerne anders hätte oder sich wünscht?


    Und da es sich um ein selbstbefütterndes System handelt, es also wiederum Rückwirkungen auf eine gerechte Verteilung von Ressourcen (ich meine Gehälter, Arbeitsplätze) hat, ist das echt dramatisch.

  • enfj-a, ich hatte gedacht, nach diesem Thread wären wir im gegenseitigen Verständnis irgendwie schon weiter gekommen. Aber ich habe jetzt nicht mehr alles nachgelesen, vielleicht warst du auch irgendwann aus der Diskussion ausgestiegen.


    Deshalb will ich nur noch mal kurz sagen, dass es mir lange Jahre ähnlich ging wie dir, dass ich mich, obwohl ich in einem Feld mit einem Frauenanteil von vielleicht 10% arbeite, fast nie aufgrund meines Geschlechts benachteiligt gefühlt habe, und auch kein Problem mit dem generischen Maskulinum hatte.


    Für mich war der Augenöffner dieses Rätsel.


    Bei dem ich selbst erst nach längerem Nachdenken auf die Lösung gekommen bin. Obwohl ich immer der Meinung war, dass der Begriff Arzt/doctor selbstverständlich beide Geschlechter umfasst. Tut er in meiner Vorstellung aber nicht. Wenn mir irgendwer erzählt, er muss zum Arzt, sehe ich automatisch einen Mann. Obwohl die erste Ärztin, mit der ich ab Geburt und bis etwa 16 Jahre fast ausschließlich in Gesundheitsfragen zu tun hatte, eine Frau war. Obwohl ich natürlich auch jetzt einige Ärztinnen kenne. Laut der Studie sind teilweise selbst Kinder von Ärztinnen nicht auf die Lösung gekommen, und insgesamt, wenn ich mich recht entsinne, nur 15% der Teilnehmer*innen.


    Wie man an der Studie zu dem Rätsel (und mit Sicherheit an vielen anderen) sieht, ist das Problem nicht die Sprache, sondern die Lebensrealität in unserer Gesellschaft. Und selbstverständlich finde ich das eigentlich Essenzielle, diese so zu ändern, dass Frauen und Männer bzw. Mädchen und Jungen in allen Belangen tatsächlich als gleichwertig und gleichberechtigt wahrgenommen werden, ihnen gleiche Möglichkeiten eröffnet werden und das, was man ihnen an Fertigkeiten zutraut, nicht mehr vom Geschlecht abhängt.


    Dafür ist das generische Maskulinum aber meines Erachtens hinderlich. Denn damit werden diejenigen Frauen, die bereits jetzt aufgelaufen sind, die Männerdominanz zu durchbrechen (die meistens genau dann vorliegt, wenn das generische Maskulinum verwendet wird - bei Krankenschwestern und Sekretärinnen sind ja eher die Männer mitgemeint...), systematisch unter den Teppich gekehrt.


    Und deshalb bin ich inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass es wichtig ist, so oft wie möglich das automatisch aufploppende Bild des Mannes (insbesondere bei renommierten/wichtigen/gutbezahlten Tätigkeiten) durch ein w/m/x-Bild zu ersetzten, beispielsweise durch *innen oder ähnliche Formulierungen, oder zumindest durch Vermeiden des generischen Maskulinum nicht weiter zu fördern.


    Ich halte es beispielsweise nicht für einen Zufall, sondern vielmehr für eine Veranschaulichung des Problems, dass die bestbezahlten Berufe in Deutschland (hier eine beispielhafte Liste von 25) allesamt solche sind, für die typischerweise das generische Maskulinum verwendet wird.

    Liebe Grüße

    Sabine mit T. 10/02 und Q. 11/05

  • Zum letzten Absatz: Du meinst, dass wegen der Verwendung des generischen Maskulinums in diesen Berufen mehr Männer als Frauen arbeiten, verstehe ich das richtig?


    Cogi Danke für deine verständnisvollen Worte, mein spontaner Gedanke war grad so "Ein Geisterfahrer - oder viele?!". Viele solcher Studien zeigen Korrelationen auf, aber Kausalität seh ich da manchmal einfach nicht.

  • Ich sage zu meiner Tochter, mit voller Absicht "Na, willst du mal Pilot werden?!". Dann wird sie sich immer "mitgemeint" fühlen.

    Das heißt, du trainierst deine Tochter gezielt darauf, sich auch von grammatisch männlichen Bezeichnungen angesprochen zu fühlen.


    Das bestätigt doch eigentlich, dass es nicht von selbst so ist, sondern dass es eines zusätzlichen Aufwandes bedarf.



    Zu deinem Schul-Thema:


    Ich habe auch selten gesagt bekommen, ich könnte etwas nicht machen oder werden, weil ich eine Frau bin. Ich denke, das ist in den letzten Jahrzehnten in Deutschland schon deutlich seltener geworden. Inzwischen geht es mehr um die vielen kleinen Mechanismen, die dazu führen, dass - gerade in Deutschland in manchen bereichen deutlich mehr als in anderen westlichen Kulturen - Biografien dann doch in gegenderten Bahnen verlaufen. Unter anderem ist es meiner Erinnerung nach statistisch wahrscheinlicher, dass Schülerinnen aus reinen Mädchenschulen sich für STEM/MINT-Fächer interessieren. Von daher ist es echt unglücklich und doof, wenn du dich durch deinen Schulwechsel als Opfer stigmatisiert gefühlt hast, aber der Grund dafür dürfte darin liegen, dass es im statistischen Mittel eben schon so ist, dass sich Mädchen in ko-edukativen System anders entfalten als in reinen Mädchenschulen. Das heißt im Übrigen, dass die Unterschiede gering sein können und dass es auch Leute geben kann, bei denen es anders ist!


    Ich hatte letzte Woche auf der Arbeit ein Implicit Bias Training - der Dozent hat uns vorgeführt, dass selbst eine Differenz von einem Prozentpunkt pro Jahr bei der Wahrscheinlichkeit, die nächste Karrierestufe zu erreichen, sich nach acht Jahren (was ein typischer Zeitraum für eine juristische Karriere in unserem Bereich ist) zu einem Unterschied von ca. einem Drittel aufsummiert. Das fand ich schon echt beeindruckend.


    Bei dem Gesetzestext, um den es eingangs ging, ist mir mal wieder aufgefallen, wie anstrengend ich das ständige generische Maskulinum finde und wie es mich richtig glücklich macht, auch mal weibliche Formen zu lesen. Das erste Mal aufgefallen ist mir so etwas, als ich in einem englischen Common Law-Lehrbuch auf einmal von "she" und "her" las - der Professor verwendete abwechselnd männliche und weibliche Bezeichnungen. Das war so toll!


    Dass der Gesetzestext jetzt geändert werden muss, hat in meinen Augen auch in erster Linie frauenfeindliche Gründe.

    Dafür spricht doch schon, aus welchem Ministerium das kommt - das BMI hat keine einzige verbeamtete oder parlamentarische Staatssekretärin und nur eine Handvoll Abteilungsleiterinnen. Das ist ein großer Haufen (mittel-)alter weißer Männer unter Führung von jemandem, der sich für die Herdprämie eingesetzt hat. Andere Ministerien zeigen, dass es auch anders geht, also liegt es nicht an einem Mangel an qualifizierten Frauen. Und wer sich da als Frau hochgekämpft hat, ist im Zweifel auch nicht superliberal und feministisch.

    Dann sind die Argumente echt fadenscheinig - wenn es wirklich um die Sache ginge, hätte man das auch anders lösen können, z.B. indem man noch ein paar Definitionen einfügt. Es ist wirklich blanker Unsinn, zu behaupten, Männer könnten sich nicht angesprochen fühlen. Das Gesetz ist sowieso nicht für Laien geeignet, genauso wenig wie die Insolvenzordnung, an der es sich weitgehend orientiert. Und von den Profis, die ich bisher über das Gesetz habe sprechen hören (alles Männer - die Frauenquote in dem Sektor liegt so bei 10%) hat keiner Zweifel daran geäußert, ob er gemeint sein könnte, die sehen alle nur die Möglichkeit, Geschäft zu machen...

    Auch das Handbuch der Rechtsförmlichkeit weist übrigens auf die sprachliche Förderung der Gleichberechtigung hin und dass es wünschenswert sei, Frauen sichtbar zu machen.

  • Ich sage zu meiner Tochter, mit voller Absicht "Na, willst du mal Pilot werden?!". Dann wird sie sich immer "mitgemeint" fühlen.

    Das heißt, du trainierst deine Tochter gezielt darauf, sich auch von grammatisch männlichen Bezeichnungen angesprochen zu fühlen.

    Nein. Vom Oberbegriff.


    Ich breche an dieser Stelle ab. Ich bin als tragischer Einzelfall in einer Welt aufgewachsen in der Frauen nicht diskriminiert sind (sondern sogar eher Männer, aber das lassen wir mal gleich ganz bleiben) und wir werden alle nur in einer geschlechtergerechten Welt ankommen wenn wir meine Geschichre so umdeuten, dass am Ende doch wieder nur ich verwirrt bin.


    Wenn ich nicht eurer Meinung bin, dann scheint das einzig und allein heißen zu können, dass ich nur noch nicht lange oder gut genug drüber nachgedacht habe, denn sonst WÄRE ich ja eurer Meinung.


    Für Frauen vorteilhafte Dinge können nur von Frauen gemacht werden und WERDEN dann auch gemacht, denn die zu geringe Quote Frauen in Parlamenten ist der einzige Grund dafür, dass all das noch nicht passiert ist... das.. äh, ja DAS was sich alle Frauen wünschen, denn das ist ka auch bei allen Frauen dasselbe! Deswegen braucht man nur dieselben Genitalien wie ich um mich im Parlament zu vertreten. Parteibuch egal.


    Und so weiter und so weiter. Ich weiß ja Bescheid. Ich höre es ja ständig. Ich wills halt nur nicht einsehen.

    Tut mir leid aber für mich fühlt sich das manchmal ähnlich an wie wenn ich mit meinem Coronaleugner-Bekannten diskutiere.


    Ich brauch frische Luft.

  • Historisch gab es ja nie ein generisches Maskulinum #gruebel. Das wird mMn viel zu selten in die Diskussion gebracht.

    Ärzte, bzw. Berufe mit Anerkennung (z.B. Zünfte, studierte Berufe) waren schlicht AUSSCHLIEßLICH männlich! Denn die represäntative Welt war viele Jahre ausschließlich männlich. Frauen wurden Armutsberufe, den Manne zuarbeiten und caritative Berufe "erlaubt". Alles andere schickte sich nicht. Und es war auch das Bild, dass die Frau mangelhaft sei. Zu viel Denken würde ihren Kopf zum zerplatzen bringen und zu viel körperliche Betätigung (aka Sport) sie ebenfalls zerstören. Dieses Bild wurde von Männern nach außen getragen. Und Männer schrieben die Geschichte. Und verhinderten bis vor geschichtlich nicht allzulanger Zeit, dass Frauen in diese Bereiche "vordrangen". Als Frauen sich dann Berufstätigkeit (und damit die Chance auf finanzielle Unabhängigkeit) erkämpft war es einfacher die männliche Form für alle gelten zu lassen, anstatt die vorhandene, weibliche zu nutzen. So entstand das "generische Maskulinum". Frauen wurden ab dann bei den alten Berufsbezeichnungen, die ja tatsächlich nur für Männer galten, einfach mitgemeint und es wurde gehofft, dass sie endlich Ruhe geben - dürfen sie doch immerhin mitspielen. #weissnicht

    Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht!


    Aber es hilft ungemein, wenn man ihm im Rahmen seiner Möglichkeiten Wasser gibt, ab und an etwas Dünger und gute Erde zur Verfügung stellt und ihm Schatten spendet wo die Sonne zu stark scheint


  • enfj-a keine spricht Dir Deine persönliche Erfahrung ab! Schätze Dich glücklich, dass Du so groß werden durftest.


    Nun sind hier auch verdammt viele Frauen um die 50 und älter unterwegs, die mit 20 und 30 Jahren genauso im Brustton ihrer Überzeugung das selbe sagten wie Du jetzt.

    Inzwischen haben sie einen anderen Blick auf die Welt, gewonnen durch wissenschaftliche Untersuchung und das eigene Erleben bzw. das ihrer Peers.

    Es wäre cool, diese Sicht der Dinge einfach auch anzuerkennen. Überzeugen wirst Du keine von ihnen, denn Deine Ansicht hatten viele schon.

    Damals.