Rassistische Kacke im Alltag und sonstwo

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  • Also hier die städtische Turnhalle zur Gemeinschaftsunterkunft erklärt wurde gab es eine Bürgerversammlung weil sie direkt an die Schule angrenzt und man Angst um die Schüler hatte auf ihrem Weg….

    Das war in meinem Heimatort auch so. Ich glaube aber, dass ist auch ein Gendereffekt: damals kamen viele junge Männer alleine. Jetzt sind es gefühlt immer Mütter mit Kindern. Das spielt da glaube ich stark mit rein.

    Ganz sicher. Ich war in den letzten Wochen in zwei Unterkünften (Berufsschule und Hotel), die Atmosphäre war mehr wie in einem Kindergarten, weil so viele Kinder, die einfach im Hier und Jetzt umeinander rumwuseln #herzen


    Was ich persönlich noch sehe (jenseits des von Kindheit an gesäten rassistischen Gedankenguts, mit dem ich sicher auch kämpfe) ist, dass ich mich 2015 nicht in der Lage sah, mich selbst mit den Traumatisierungen der Ankommenden zu konfrontieren. Da hatte ich jetzt zumindest bei den Flüchtlingen, die früh aus der Ukraine gekommen sind, den Eindruck, dass die Situation zwar schlimm, aber die Geflüchteten nicht so krass traumatisiert sind, allein schon deshalb, weil die Fluchtwege anders sind und auch anders unterstützt werden.

  • Warum es den Ukrainern auch leichter gemacht wird ist folgendes: Sie haben alle Pässe, Urkunden usw.

    Bei den Flüchtlingen die 2015 kamen hatte die Mehrheit keine Dokumente, keine Urkunden, nichts! Da kann man teilweise bis heute nicht feststellen wer die Menschen eigentlich wirklich sind.

    Die Standards der Herkunftsländer unterscheiden sich massiv, das dann ans Deutsche Recht „anzupassen“ ist sehr kompliziert. Was glaubt ihr wieviele Ämter sich damit beschäftigen müssen?

    Warum mir aber in neuester Welt Anarchie gar so gut gefällt? Ein jeder lebt nach seinem Sinn, das ist nun also auch mein Gewinn! Ich laß´ einem jeden sein Bestreben, um auch nach meinem Sinn zu leben.

    Johann Wolfgang v. Goethe



  • Dass die Umstände für die Ämter eine ganz andere Sache sind, kann ich gut verstehen.

    Das ändert aber leider nichts daran, dass auch ganz viel Rassismus im Spiel ist.

    Wenn die Unterkunft aufgrund der vielen jungen Männer plötzlich eine Zumutung für ukrainische Frauen und Kinder ist, dann frage ich mich, wie es sein kann, dass da weiterhin zwei Frauen aus Nigeria und eine Frau aus Syrien mit einem einzigen Kind (!) mit diesen 60 Männern leben können.

    Das ist für die doch auch eine Zumutung. (Da reicht schon EIN Arschloch im Laden.) Warum interessiert das seit Jahren niemanden? Weil die still sind und aus Angst vor Abschiebung schön den Mund halten?


    Oder wenn die bayrische Integrationsbeauftragte schreibt, die Sprachkurse müssten angepasst werden, weil man ukrainischen Flüchtlngen nicht erklären muss, wie eine Waschmaschine funktioniert oder dass man auf dem Fußboden kein Feuer machen darf.

  • Pässe, Urkunden usw.

    Da hast du bestimmt recht. Und die Beamten folgen auch nur Anweisungen von oben. Ich weiss ja ein wenig selbst wie unterschiedlich verschiedene Länder diverse Dokumente auslegen und selbst mit Geburtsurkunde koennen das noch sehr unterschiedliche Dokumente sein.

    "C'est ici que l'aventure se mêle au vent de la mer."

    Pierre Marc Orlan

  • Oder wenn die bayrische Integrationsbeauftragte schreibt, die Sprachkurse müssten angepasst werden, weil man ukrainischen Flüchtlngen nicht erklären muss, wie eine Waschmaschine funktioniert oder dass man auf dem Fußboden kein Feuer machen darf.


    Ich muss dir leider sagen, dass sie damit nicht Unrecht hat.

    Ich habe eine ganz liebe Freundin - ehemalige Rabin- die arbeitet in der Flüchtlingshilfe und versucht denn Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan zu ihrem Recht zu veröffentlichen. Sie selber hat ihre eigene Zweitwohnung damals auch als eine der ersten an Flüchtlinge vermietet. Und sie macht auch Hausbesuche bei den von ihr betreuten Menschen und ich weiss noch, wie fassungslos sie die Schäden dokumentiert hat. Feuer auf dem Laminat war da noch fast das harmloseste. Hühnerhaltung im "Wohnzimmer u.ä.


    Selbst wenn ich beim Vater meiner Kinder bin, kann ich oft nur den Kopf schütteln. Wobei der keine direkten Schäden anrichtet aber so ein paar Dinge wie abgeschraubte Armaturen bringt der auch. Alles reden hilft nicht.


    Der Alltag dort sieht für soviele ganz schön anders aus.

  • Das sind aber Einzelfälle und betrifft nicht grundsätzlich Flüchtlige aus Syrien oder afrikanische Ländern, sondern ein paar sehr wenige, die vollkommen dörflich gelebt haben.

    Den Bayern, die hier herzogen, musste man dann auch erst mal klarmachen, dass man keinen Hahn im Wohngebiet halten darf. (Tun sie aber trotzdem.)

  • Das war in meinem Heimatort auch so. Ich glaube aber, dass ist auch ein Gendereffekt: damals kamen viele junge Männer alleine. Jetzt sind es gefühlt immer Mütter mit Kindern. Das spielt da glaube ich stark mit rein.

    ihr könnt mich jetzt tuppern, aber für mich ist es ein massiv großer Unterschied ob ich an einer Horde von jungen Männern vorbeilaufe oder eben Müttern mit Kindern.

    Und für meine Kinder sehe ich das genauso.

    dass da weiterhin zwei Frauen aus Nigeria und eine Frau aus Syrien mit einem einzigen Kind (!) mit diesen 60 Männern leben können.

    und das geht natürlich gar nicht und ist eine Riesensauerein. Regt mich in der gesamten Flüchtlingsthematik auf - dass Frauen und Kinder nicht die gleichen Chancen habne und nicht gut geschützt werden.

    Grüße von Claraluna


    Shoot for the moon. Even if you miss you will land among the stars.

  • Ich denke auch, dass die jeweilige Kultur (ggf die unterstelle) eine große Rolle bei der Reaktion des Umfeldes macht.

    Die Gefahr, dass sich Parallelgesellschaften bilden, ist umso größer, umso, ich weiss nicht, ob es "fremder" wirklich trifft, die Kultur ist.


    Die große Community der christlich geprägten Einwanderungsgruppen aus der Wirtschaftswunderzeit hat sich, als man sie endlich ließ, gut integriert. Das ist bei den orientalischen Communities aus der Zeit letztendlich weniger gut gelungen ( ja, man kann es nicht unabhängig von den Bergen an Steinen machen, die ihnen in den Weg gelegt wurden, aber unterm Strich bleibt es schwieriger)

    Da ist die Befürchtung von Problemen zwangsweise größer als bei eher vergleichbaren Hintergründen. Ich glaube, dieses Empfinden kann man gar nicht ändern, das ist universell.

    Ändern muss man aber die Ungleichbehandlung, die es ohne Frage gibt! Krass, was ihr teilweise von zweierlei Maßen schreibt!

    Vor dem Gesetz MUSS es gerecht sein.

  • Das war in meinem Heimatort auch so. Ich glaube aber, dass ist auch ein Gendereffekt: damals kamen viele junge Männer alleine. Jetzt sind es gefühlt immer Mütter mit Kindern. Das spielt da glaube ich stark mit rein.

    ihr könnt mich jetzt tuppern, aber für mich ist es ein massiv großer Unterschied ob ich an einer Horde von jungen Männern vorbeilaufe oder eben Müttern mit Kindern.

    Und für meine Kinder sehe ich das genauso.

    Um so wichtiger wäre es, da sofort und schnell für Integration zu sorgen - und sie nicht gelangweilt und perspektivlos irgendwo zusammen zu pferchen.


    Ich ärgere mich mit vielen von Euch mit. Bzw freue ich mich natürlich für die Menschen, die von den Erleichterungen profitieren.

    Und ganz, ganz leise hoffe ich, dass sich gewisse Hilfen etablieren und dann auch für andere Geflüchtete normal werden.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Vielleicht können wir uns darauf einigen dass es viele hier genannte Faktoren gibt die in die unterschiedliche Aufnahmewilligkeit münden, und dass einer davon Rassismus ist, und andere noch hinzukommen?

  • Ich behaupte mal, dass da vor der Religion noch die Hautfarbe kommt.


    Ausserdem steckt da auch das Bild dahinter, dass die Menschen in Afghanistan, Syrien, Somalia etc unzivilisierte Barbaren seien. Das wird auch durch die Medien verstärkt. Das sind rassistische Bilder und Fehlinformationen durch Magazine, Nachrichtenbilder, Kindergartenprojekte etc.

    Zitat

    Das ist alles zutiefst menschlich und nicht grundsätzlich zu verurteilen,

    Doch ich verurteile dies. Das sind rassistische Strukturen, die tief verankert sind. Ich verstehe wo die herkommen, aber ich kann niemanden verstehen, der sich da nicht bemüht umzudenken.

    Hier unterschreibe ich.

  • Integration ist keine Einbahnstraße. Besonders nicht-weiße und/oder muslimische Zuwanderer werden systematisch ausgegrenzt, erhalten jahrelang keine Arbeitserlaubnis, wird der Familiennachzug verhindert, um sich dann hinterher zu beschweren, sie hätten sich nicht integriert #flop

    Da muss hier noch ganz viel aufgeholt werden!

  • Das war in meinem Heimatort auch so. Ich glaube aber, dass ist auch ein Gendereffekt: damals kamen viele junge Männer alleine. Jetzt sind es gefühlt immer Mütter mit Kindern. Das spielt da glaube ich stark mit rein.

    ihr könnt mich jetzt tuppern, aber für mich ist es ein massiv großer Unterschied ob ich an einer Horde von jungen Männern vorbeilaufe oder eben Müttern mit Kindern.

    Und für meine Kinder sehe ich das genauso.

    Um so wichtiger wäre es, da sofort und schnell für Integration zu sorgen - und sie nicht gelangweilt und perspektivlos irgendwo zusammen zu pferchen.

    Und umso wichtiger wäre es auch, auf die eigene Sprache und den eigenen Umgang zu achten.

    Sprache schafft Wirklichkeit.

    Junge Männer sind nicht automatisch eine Horde (welche negativ konnotiert ist), sondern erstmal einfach junge Männer bzw. junge Menschen.

  • Die Kinder der Familien, die ich betreut habe, saßen teilweise ein Jahr in einer Sammelunterkunft ohne Schule und Kindergarten.

    Wahrscheinlich hat man gehofft, dass man sie schnell wieder abschieben kann.

    Sie waren in den Unterkünften auch sexuellen Übergriffen ausgesetzt. Allerdings nicht durch junge Männer, sondern durch andere Familienväter.


    Ich freue mich sehr für die ukrainischen Geflüchteten und gleichzeitig macht es mich sehr betroffen, wenn ich jetzt diese krassen Unterschiede wahrnehme.

  • Ich will mich da gar nicht ausnehmen, ich bringe Frauen / Müttern auch erst mal auf Gefühlsebene eine stärkere Sympathie entgegen als (Gruppen von) Männern.


    Nur kann dieses Gefühl ja keine Grundlage für den Umgang, schon gar nicht den juristischen Umgang sein - da sind Menschen gleich zu behandeln.

    Die beste Vergeltung ist, nicht zu werden wie dein Feind (Marcus Aurelius)

  • Nur kann dieses Gefühl ja keine Grundlage für den Umgang, schon gar nicht den juristischen Umgang sein - da sind Menschen gleich zu behandeln.

    Genau.


    Und, für mich extrem wichtig: arbeiten zu dürfen, sich bilden zu dürfen, sich zu beschäftigen, "nützlich zu sein" ist ein Menschenrecht, ein Grundbedürfnis.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Naja, juristisch gesehen sind die Voraussetzungen aber schlicht andere. Ukrainer haben eine Arbeitserlaubnis. Die ich gerne auch Syrern zugestanden hätte.

  • das zeigt eins: die juristischen voraussetzungen sind diskriminierend und scheiße. klar ist es für die ämter schwierig aber die regeln haben wir gemacht und können sie auch ändern. ja ja, das ist nicht leicht deswegen fängt man damit gar nicht erst an.


    wenn es die aussage ist aber die haben keine papiere daher werden sie nachteiliger behandelt, dann holla die waldfee.


    als die junge männerab 2015 her kamen, zum größten teil zu bleiben, denn das war abzusehen, hätten wir den ganzen papierkram ignorieren und sie möglichst schnell integrieren sollen anstatt sie in menschenunwürdigen unterkünften zusammenzupferchen, ohne möglichkeit sich zu bewegen, zu entwickeln, abzulenken. sowohl sie hätten von arbeitsmöglichkeiten profitiert (beschäftigt gewesen, selbstwirksamkeit erlebt, geld verdient, abgelenkt gewesen, deutsch gelernt) als auch wir als gesellschaft.

    #sonneige Grüße von Fibula mit drei Juli-Männern #kerze #kerze #kerze #kerze
    Vorurteile sind menschenfreundlich. Sie passen sich dem Niveau ihrer Benutzer bedingungslos an.
    Ernst Ferstl

  • Man darf nicht ganz vergessen, dass eine andere Regierung verantwortlich ist.

    Ich verstehe aber leider nicht ganz, warum man nicht parallel zu den neuen Regelungen für die Ukrainer die alten Regeln für die Syrer, Afghanen, Iraker usw verbessern kann.

    Der Familiennachzug zB, auf den die anerkannten Flüchtlinge ein Recht haben, funktioniert nur in Ausnahmefällen.

  • Nein. Ukrainer dürfen 90 TAge zu Besuch kommen, dabei dürfen sie eigentlich weder arbeiten noch zur Schule gehen. Alles weitere wird erst möglich, weil sie dazu weitere Erlaubnisse beantragen, wie auch alle anderen Flüchtlinge. Nur werden zur Zeit Aufenthalts und Arbeitserlaubnisse priorisieren r an Ukrainer vergeben, und auch schneller und unbürokratischer als 2015.


    Mal abgesehen vom Problem der nicht existierenden Urkunden, das mag viele treffen, aber bestimmt nicht alle.

    "C'est ici que l'aventure se mêle au vent de la mer."

    Pierre Marc Orlan