Arbeitszeiten - ein Streitgespräch

  • Mondkalb wäre es in deinem Bereich vielleicht dann nicht besser, nach erfüllte Aufgaben statt nach Stunden bezahlt zu werden? So was könnte ich mich tatsächlich auch vorstellen - das wäre für mich eine gute Alternative in einigen Bereichen, wie z.B. wissenschaft. Wobei es auch Risiken mit sich bringt. Viele Tenure Tracks sind ja eigentlich so angestellt, und ich kenne persönlich keine, die nicht vom Dauerstress fast umkippen - aber das hat vielleicht auch noch andere Grunde #rolleyes.


    Mein Mann hat offiziel auch keine Arbeitsstunden, sondern muss seine Aufgaben erledigen, wo/wann/wie dann auch. Er arbeitet viel mehr als 40 Stunden. Im Idealfall wäre es schön, wenn man nach Aufgabenerfüllung bezahlt wird und sehr viel Freiheit hat, aber bringt das meistens nicht noch mehr Druck? (Bei mir persönlich denke ich, dass ich eine Art Schutz brauche, der sagt: du darfst max. so viele Stunden arbeiten)...

    Bin nicht deutschsprachig, Fehler sind also möglich #pfeif und sprachliche Tipps sind immer willkommen!

  • Appelstien, ja, ich kenne das eigentlich auch nur so (wahrscheinlich macht mich deshalb dieser starre Job gerade so irre ;) ). Oben hatte ich das mal angerissen, dass da eben leider noch viel unbezahltes dazukommt... Da ändert aber auch die Stechuhr nichts dran, weil z.b. peer Reviews offiziell nicht zur bezahlten Arbeit gehören.

    Weihnachtskind 2013

    Sternenkind 11/2017

    Sternenkind 08/2019

  • Mist, viel getippt, dann war die edit Zeit rum...

    Kurzfassung: im ausgangspost ging es ja darum, wie frau das mit der Zeiterfassung sieht. Ich spreche mich ja nicht generell dagegen aus, sondern habe ko_nijntje beigepflichtet aus aktueller, leidiger Erfahrung

    Weihnachtskind 2013

    Sternenkind 11/2017

    Sternenkind 08/2019

  • Ich verstehe es so, dass diejenigen, die Zeiterfassung doof finden, das deshalb tun, weil sie starre Stundenvorgaben haben und/oder die Arbeitszeit nur unter bestimmten Umständen (z.B. Anwesenheit im Büro) erfasst wird.


    Richtig?

    "Every day, in every vay, ve get better and better."

  • Meinst du mich?

    Um doof geht es mir nicht, sondern für meine Arbeit/mein Arbeitsstil unpassend.

    Außerdem finde ich, manche Arbeit lässt sich eben nicht mit Zeit messen, denken z.b.

    Weihnachtskind 2013

    Sternenkind 11/2017

    Sternenkind 08/2019

  • Ich denke, es kommt darauf an, dass das Zeiterfassungssystem eben nicht nur aus Ein- und Ausstempeln besteht, sondern Flexibilität zulässt.


    An meinem alten Arbeitsplatz musste ich mit einer Excel-Tabelle meine Stunden erfassen und da konnte dann selbstverständlich auch sowas wie 15 min. dienstliche Telefonate von zuhause aus draufstehen oder 30 min. Planung.

  • Außerdem finde ich, manche Arbeit lässt sich eben nicht mit Zeit messen, denken z.b.

    Ich kenne es bisher nur so, dass ich im Arbeitsvertrag auch eine Stundenzahlvorgabe hatte, zb, 43,5 Wochenstunden. Und dann auch für im Monatsgehalt auch für diese Arbeitszeit bezahlt wurde. Als ich 80 % gearbeitet habe, dann waren das 80% der regulären 43,5 Wochenstunden und eben auch 80% des Monatsgehaltes.


    Ich denke, dein Satz oben passt, wenn der Arbeitgeber das auch so sieht und dann die Bezahlung auf anderen Massstäben basiert.

    Eben auf geleisteten Projekten oder so.


    Aber sonst macht es wenig Sinn. Also wenn man für eine gewisse Stundenanzahl angestellt wird und auf dieser auch der Lohn basiert.

    Daroan mit Zottel 01, Zick 03, Zwerg 05 und Sternenkind (98-99)

  • Ich verstehe es so, dass diejenigen, die Zeiterfassung doof finden, das deshalb tun, weil sie starre Stundenvorgaben haben und/oder die Arbeitszeit nur unter bestimmten Umständen (z.B. Anwesenheit im Büro) erfasst wird.


    Richtig?

    nicht ganz.


    sondern zeiterfassung passt mit meiner art zu arbeiten schlecht zusammen. on-job und off-the-job fliessen einfach zu sehr ineinander. ich mag mich nullkommanull mit der frage auseinandersetzen, ob das nette gespräch von heute morgen nun networking (= arbeit) war oder nicht und ob ich das nun aufschreiben sollte oder nicht. und manchmal merke ich erst zwei jahre im nachhinein, dass etwas jobrelevant war, weil ich es erst dann für die arbeit "verwerte". was aber dennoch nicht heisst, dass ich rund um die uhr arbeiten würde.


    plus die datenschutzbedenken.


    plus meine abneigung gegen administrative zwänge. jede sekunde, die ich mit einem zeiterfassungstool verbringe, ist für mich verschenkte lebenszeit ;).


    und nochmal explizit: ich finde zeiterfassung FÜR MICH IM MOMENTANEN JOB doof, nicht grundsätzlich.


    allerdings habe ich seit jahren nur solche jobs, ich kann mir nur schwer vorstellen, dass arbeit etwas klar abgrenzbares sein soll. auch wenn ich euren berichten natürlich glauben schenke, deshalb fand ich die erfahrung von JamieSue84 interessant.

    ko_nijntje mit muck (2004), mogli (2006), miep (2007) und mimir (2011)

  • Ich finde es spannend, ko_nijntje, dass es Arbeit gibt, die sich zeitlich nicht messen lässt. Magst du kurz erklären, wie deine Arbeit geregelt ist? Das interessiert mich wirklich sehr.

    In meinem Umfeld gibt es sowas tatsächlich gar nicht, dabei ist das recht bunt gemischt mit allen möglichen Berufen. Nur Leute, die eine akademische Laufbahn eingeschlagen haben, haben wir nicht im Familien- und Bekanntenkreis. Selbst diejenigen, die promoviert haben, sind anschließend in die Wirtschaft gegangen. Und arbeiten nach Stunden.

  • Ich schaffe es jetzt leider nicht alles zu lesen. Aber das unterschreibe ich:

    Ich hätte sehr gerne als Lehrerin eine Arbeitszeiterfassung…

    Vor allen Dingen, weil bei uns ja beides der Fall ist: Die Unterrichtsstunden sind ganz genau festgelegt und werden dokumentiert (Klassenbuch). Alles andere, wird nicht erfasst. Ich nehme dann gerne in den Ferien Überstundenfrei, da ich aber auch da oft arbeite, sehe ich nicht, dass ich mehr Urlaub habe als andere Arbeitnehmer. Aber es klingt immer so toll: Ihr habt 6 Wochen Ferien...

  • JamieSue84 Ich finde mich in ko_nijntje s Beschreibung grundsätzlich wieder, deswegen schreibe ich auch mal was. Ich arbeite in der Wissenschaft, im geistes-/sozialwissenschaftlichen Bereich, in einem Forschungsprojekt. Ein Teil meiner Arbeit ist klassische Büroarbeit. Ich koordiniere mein Team von Hilfskräften, bereite Schulungen vor, stehe für Fragen usw. zur Verfügung, kümmere mich um Finanzen,... Dann schreibe ich. Entweder arbeite ich an der Veröffentlichung von Ergebnissen aus dem Projekt oder an meiner Diss. Und das sind beides kreative Prozesse, die man schlecht erfassen kann. Da habe ich manchmal auf dem Weg nach Hause einen Geistesblitz (viel zu selten#rolleyes#freu), dann lese ich sonntags auf dem Sofa einen Zeitungsartikel, der ein Thema anreißt, was ich passend finde zu dem, was ich grad schreibe, dann recherchiere ich das. Dann brauchen wir Teilnehmende für unsere Studie und zu diesem Zweck eröffne ich einen Thread im Rabenforum und verbringe plötzlich STUNDEN quasi dienstlich bei den Raben#cool#ja Fahre auf Konferenzen, wo es dann neben den Vorträgen auch um Networking geht (was ich eigentlich hasse!), aber ist es noch Networking oder schon Freizeit, wenn ich abends dann mit Kolleg*innen ein Bier trinken gehe und wir über das nächste Projekt sprechen?

    Ich glaube, wie ich oben schon schrieb, diese Art von Arbeit funktioiert nur, wenn man auf allen Ebenen dafür brennt, und es beispielsweise inhaltlich ein Thema ist, was einem am Herzen liegt. Und wenn man in einem Team ist, bei dem Vertrauensarbeitszeit wirklich ernst genommen wird und mein Chef sich sicher sein kann, dass ich mich melde, wenn ich Langeweile hab (haha#freu) oder wenn bei mir die Hütte brennt und ich Entlastung brauche...

    And we're still here
    All together and all alone
    Consumed with fear
    That one day we'll discover
    How empty we've become

  • wäre es in deinem Bereich vielleicht dann nicht besser, nach erfüllte Aufgaben statt nach Stunden bezahlt zu werden?

    Das finde ich in manchen Bereichen enorm gefährlich. Gerade in Forschung und Entwicklung. Weil viele Arbeiten nach dem try&error - Prinzip gemacht werden, vorher ist nicht abzusehen ob bzw. was besser klappt. Ich hatte mal einen Arbeitsschritt im Labor von 3-4 Wochen, aufeinanderbauende Versuchsschritte, den ich 10x wiederholen musste bis er klappte. Dauerte fast 1 Jahr. Arbeiten an 7 Tagen / Woche weil es nicht anders planbar ist. Bei meiner Kollegin klappte es direkt im ersten Anlauf. Das war schlichtweg Glückssache. Deswegen triggert mich dieses "am Ergebnis messen" enorm an. Da es in der Bewilligung von neuen Projektgeldern eh schon nach dem Prinzip geht, wer die besten Ergebnisse bringt.

  • Mir geht es ähnlich. Aber wie Sunniva.

    Zu meiner Arbeit gehört natürlich das Vorbereiten des Unterrichts zu hause, alles drumherum mit Schüler*innen-Organisation, Elterngespräche, Organisation von Konzerten usw.

    Aber doch, wenn ich plötzlich irgendwo ein Musikstück höre und denke, das könnte etwas sein, was ich im Unterricht gebrauchen kann, dann notiere ich mit das inzwischen. Manchmal vergesse ich das auch. Ich lese auch öfter mal Blogs von Musiker*innen oder Instrumentallehrer*innen, das schreiben ich mir, wenn ich dran denke, auch als Arbeitszeit auf. Wenn ich mit Kolleg*innen einen Kaffee trinken gehe und wir einen Teil der Zeit über Unterrichten reden, ebenso. Ich habe viele Ideen, wenn ich irgendwo unterwegs bin. Wenn ich diese Ideen dann beruflich nutzen kann, notiere ich mir die Zeiten.

    Aber es kommt auch noch oft genug vor, dass ich es nicht vermerke.

  • Drahtesel das klingt nach einem speziellen Fall, ich vermute Mal Diss? Sonst würde das doch an die abgeben werden, bei der's funktioniert (hatten im Team diese Situation auch schon). Ich kenne es darüberhinaus nur so, dass falls die Präparation im dritten Versuch auch noch scheitert, wird nach Ursachenforschung, die Methode gewechselt, 1 Jahr lang macht das keine:r.


    Oder verstehe ich dich da falsch und rs geht darum, dass die These nicht bestätigt wurde? Auch negative Ergebnisse sind Ergebnisse, allerdings in den meisten Fällen schwerer zu publizieren.

    Weihnachtskind 2013

    Sternenkind 11/2017

    Sternenkind 08/2019

  • Drahtesel das klingt nach einem speziellen Fall, ich vermute Mal Diss? Sonst würde das doch an die abgeben werden, bei der's funktioniert (hatten im Team diese Situation auch schon). Ich kenne es darüberhinaus nur so, dass falls die Präparation im dritten Versuch auch noch scheitert, wird nach Ursachenforschung, die Methode gewechselt, 1 Jahr lang macht das keine:r.


    Oder verstehe ich dich da falsch und rs geht darum, dass die These nicht bestätigt wurde? Auch negative Ergebnisse sind Ergebnisse, allerdings in den meisten Fällen schwerer zu publizieren.

    Genau, Diss. Und besagter Arbeitsschritt war damals bekannterweise ein Nadelöhr. Ohne gelungenen Schritt gar keine Ergebnisse, auch keine Thesenwiderlegung.

    Aber aus meiner Erfahrung kommt es gerade bei Laborarbeiten ständig zu solchen Fällen. Arbeiten mit Zellkulturen z.B., also lebenden Systemen - die wachsen halt manchmal nicht richtig an, oder werden kontaminiert.

  • Ich denke, dass es für die meisten Arbeitsnehmer doch echt von Vorteil wäre, Stunden zu erfassen - auf eine möglichst flexible Art und Weise, nicht ortsgebunden wenn der Arbeit auch so gestaltet werden kann. Aber 80-90% der Arbeitnehmer hat wahrscheinlich doch ein Vertrag was sagt: soviel Stunden arbeiten an diesem oder jenem Ort.

    Uni-Arbeit und Forschung ist dann wahrscheinlich was anderes - wobei ich dabei bleibe, dass ich glaube, dass viele sich da auch ausbeuten (lassen) und dass die Arbeitskultur da häufig ziemlich ungesund sein kann (ich kann natürlich nur von meiner Erfahrung berichten an 2 Unis).

    Ich hoffe jedenfalls, dass wir auch bald mit dieser App der Schweizer KollegInnen arbeiten werden, und dann werden wir wohl merken, wie es sich auf unserem Arbeitsalltag auswirkt :). Vielleicht schreibe ich hier dann was ganz anderes :P.

    Bin nicht deutschsprachig, Fehler sind also möglich #pfeif und sprachliche Tipps sind immer willkommen!

  • Da das Arbeitsrecht eine halbstündige Pause vorschreibt bei 6h Arbeit, wird diese bei der elektronischen ZE automatisch abgezogen, ob sie jetzt stattfand oder nicht. Eigentlich soll das Arbeitsrecht dich ja schützen, sprich, du kannst die Pause einfordern. Andererseits fühle ich mich bevormundet, weil ich nicht selbst bestimmen kann, ob (und wann) ich die Pause will/nehme/ brauche.

    Die Pause muss erst NACH den 6 Stunden genommen werden. Unsere Zeiterfassung hat nach 30min Pufferzone drin, also wenn man 6 Stunden arbeitet und gehen will und es kommt dann doch noch ein Anruf oder eine Kollegin will noch was. Du kannst bei 8h Arbeit die Pause aber auch nach 3, 4 oder 5 Stunden nehmen. Wichtig ist nur, dass Du nicht mehr als 6 Stunden am Stück arbeitest und innerhalb von 8h Arbeitszeit irgendwo dawischen eine Pause von mind. 30min machst.