Gender-Kacke in Schule und Alltag

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  • Ja, es ist eine wichtige Frage, welche Form der Lebensplanung denkbar erscheint. Mein Mann hat ewig mit sicher gerungen, ob er es wirklich wagen kann, in Teilzeit zu gehen. Und er hat es seinen Eltern lange verschwiegen. Das war einfach nichts, was Mann machte. Es stand schlicht nicht zu Debatte. Ohne lange Therapie und Rückhalt von männerbewegten Männern hätte er diesen Schritt nie gehen können. Denn - so ist er aufgewachsen - Arbeit ist das Wichtigste im Leben eines Mannes.


    Ich bin so aufgewachsen, dass Arbeit das Wichtigste ist. Und habe aber schon im Jugendalter gedacht, dass ich das nicht will, mit Vollzeit. Es fühlte sich so falsch an, was ich da bei meinen Eltern sah. Tatsächlich habe ich in meinem gesamten Leben nur 9 Monate mal Vollzeit gearbeitet. Und es total gehasst. Ich froh, als ich zwangsweise auf Teilzeit gesetzt wurde. Das Ergebnis ist, dass sowohl meine Eltern als auch meine Schwiegereltern (beide ostsozialisiert) mich für lebensunfähig halten. Ich bin quasi nur so ein halber Mensch, weil ich nicht Vollzeit arbeiten kann (ich halte das auch körperlich nicht durch). Das hat sich etwas gewandelt (also zumindest sagen sie es nicht mehr laut) seit wir beide in Teilzeit sind und wir offenbar überleben. Aber so richtig ist das ja nichts.

  • ich glaube, keine Lust auf care-arbeit zu haben, ist sicher einer der Knackpunkte bei Männern. Warum arbeiten frischgebackene Väter statistisch gesehen plötzlich so viel mehr? Weils zuhause eben nicht wonnig und gemütlich, sondern sau anstrengend ist, da ist das Büro die reinste Oase.

    Ging mir jedenfalls immer so als die Kinder klein waren.

    mit elfchen 04/09 und minielfchen 03/12


    quand ta thèse te pousse à bout et que tu veux tout arrêter kannste vergessen.


    #rose 49,7

  • Als Arbeitgeber finde ich es immer noch schwierig, junge Frauen einzustellen, weil die Ausfallzeiten einfach für einen kleinen Betrieb schwierig sind. Wir haben nur eine Mitarbeiterin mit einer speziellen Qualifikation. Dass sie irgendwann schwanger ausfallen wird ist völlig klar und wir beschäftigen mittlerweile eine weitere Mitarbeiterin, um diesen drohenden Ausfall zu kompensieren, die hat aber nicht die Qualifikation, die wir aber brauchen, weil der Markt dafür aktuell recht leer ist. Es wird also schon eine arg blöde Durststrecke, wenn sie wegfällt. Wir können dann das, was wir jetzt als Diagnostik anbieten zum Teil nicht mehr machen.


    Unser Glück ist, dass nur zwei unser sechs Mitarbeiterinnen einen Kinderwunsch haben und sich das halt irgendwie regeln lassen wird. Wären es mehr würde das echt schwierig werden.


    Als Frau finde ich diese Denke fürchterlich.

  • Als Arbeitgeber finde ich es immer noch schwierig, junge Frauen einzustellen, weil die Ausfallzeiten einfach für einen kleinen Betrieb schwierig sind. Wir haben nur eine Mitarbeiterin mit einer speziellen Qualifikation. Dass sie irgendwann schwanger ausfallen wird ist völlig klar und wir beschäftigen mittlerweile eine weitere Mitarbeiterin, um diesen drohenden Ausfall zu kompensieren, die hat aber nicht die Qualifikation, die wir aber brauchen, weil der Markt dafür aktuell recht leer ist. Es wird also schon eine arg blöde Durststrecke, wenn sie wegfällt. Wir können dann das, was wir jetzt als Diagnostik anbieten zum Teil nicht mehr machen.


    Unser Glück ist, dass nur zwei unser sechs Mitarbeiterinnen einen Kinderwunsch haben und sich das halt irgendwie regeln lassen wird. Wären es mehr würde das echt schwierig werden.


    Als Frau finde ich diese Denke fürchterlich.

    Ich kann das total nachvollziehen.

  • Ich weiß auch nicht, wie man das regeln könnte, denn auch wenn in irgendeiner Weise die Gesellschaft kosten für den Ausfall trägt bleibt immer noch die fehlende Arbeitskraft


    Die Mitarbeiterin weiß, dass wir uns natürlich mit ihr freuen würden, wenn sie schwanger wird

  • Ich glaube, ein wichtiger Grund, dass es mehr Männer gibt, die sich spontan und persönlich für den Beruf entscheiden, ist der, dass es sich nicht wie eine Entscheidung anfühlt, sondern einfach immer schon so mitgedacht war.

    hier habe ich das modell eher entschieden. mein mann wäre gern zu hause geblieben. der ist super häuslich, kocht gern usw. ich sehe es ja jetzt, wo er quasi fast nur noch von zu hause arbeitet, wie toll er sich und den kindern den tag strukturiert. punkt 6 ist das frühstück fertig, bis 7:50 grosse hunderunde, punkt 12 steht das mittagessen auf dem tisch, gleiches am abend. ich kann sowas gar nicht in dieser kontinuität.


    und gleichzeitig bin ich blöderweise für den kapitalistischen arbeitsmarkt, für den druck, die konkurrenz, die angst ... nicht resilient genug. ich mag das nicht mehr machen müssen (habe ja 86 mit der lehre begonnen). er kann das alles einfach besser aushalten.

    „Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.“


    Abraham Lincoln

  • Ich bin quasi nur so ein halber Mensch, weil ich nicht Vollzeit arbeiten kann

    ja, genau.

    Ich kenne immer mehr Menschen die nicht Vollzeit arbeiten können oder wollen.

    Ich zähle mich da selbst zu. Mein Maximum sind 30h. Aber das muss mensch sich auch erstmal leisten können....

    Sparst du Zeit, und wofür sparst du sie?
    Wenn es einen Film über dein Leben gäbe, würdest du ihn anschauen, würde er dich faszinieren?
    Sechs Euro für eine Stunde auf der Arbeit - was würdest du zahlen für eine Stunde an einem sonnigen Tag im Park?
    Drei Kaffee auf der Raste kosten soviel wie eine Stunde deines Lebens!
    (Früchte des Zorns - Brennen)

  • Besser als gar nichts, wie hier...


    Ich finde es einen bemerkenswerten Schritt in die richtige Richtung, auch als Zeichen an Betroffene.


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Mein Maximum sind 30h.

    Das ist auch meine Wohlfühlarbeitszeit.

    Wobei ich keinerlei Probleme habe, auch mal 50h in der Woche abzurocken (da sind seltenst mal zwei Minuten für einen Kaffee drin, sondern das ist durchgehend Speed).

    Das mit den 30h habe ich schon im praktischen Jahr nach der Schule gedacht... vorher hab ich ab 16 zusätzlich zur Schule verdammt viel arbeiten müssen für meinen Lebensunterhalt und auch meinen Haushalt schmeißen.

    Da war das Praktikum echt erholsam. Wirklich nur 30h und der Lebensunterhalt war gesichert... sehr, sehr cool.

  • Unser Glück ist, dass nur zwei unser sechs Mitarbeiterinnen einen Kinderwunsch haben und sich das halt irgendwie regeln lassen wird. Wären es mehr würde das echt schwierig werden.


    Als Frau finde ich diese Denke fürchterlich.

    Die Dinge sind ja real, deshalb denkst Du sie. Das Problem ist aber nicht die Beschreibung der Realität, sondern wenn dieses Denken einhergeht mit einer Abwertung von Frauen. Die kümmern sich halt später mal um Gedöns, deshalb sind sie und ihre Arbeit weniger wert und außerdem haben sie sowieso kleinere Gehirne und weniger Muskeln.


    Würde Reproduktionsarbeit anerkannt, wäre das irgendwie so, als wären die Mütter bei der Freiwilligen Feuerwehr oder so, würden also krass wertvolle und notwendige Arbeit neben der Erwerbsarbeit leisten, und müssten deshalb manchmal mitten in der Arbeitszeit zum Einsatz. Da würde niemand denken, dass die Erwerbsarbeit der Freiwilligen Feuerwehrleute deshalb weniger wert ist.


    Würde also jemand sagen: Menschen, die bei der Freiwilligen Feuerwehr sind, stelle ich gar nicht erst ein, und wenn, dann zahle ich ihnen weniger, würde das zu echter Empörung und echtem Unverständnis führen und nicht zu einer heimlichen oder gar offen zur Schau gestellten Zustimmung, so wie es bei Frauen ist.

    "Stay afraid, but do it anyway. What’s important is the action. You don’t have to wait to be confident. Just do it and eventually the confidence will follow." Carrie Fisher

    LG Matilda mit Tochter (08/2004) und Sohn (09/2015)

  • Als Arbeitgeber finde ich es immer noch schwierig, junge Frauen einzustellen, weil die Ausfallzeiten einfach für einen kleinen Betrieb schwierig sind. Wir haben nur eine Mitarbeiterin mit einer speziellen Qualifikation. Dass sie irgendwann schwanger ausfallen wird ist völlig klar und wir beschäftigen mittlerweile eine weitere Mitarbeiterin, um diesen drohenden Ausfall zu kompensieren, die hat aber nicht die Qualifikation, die wir aber brauchen, weil der Markt dafür aktuell recht leer ist. Es wird also schon eine arg blöde Durststrecke, wenn sie wegfällt. Wir können dann das, was wir jetzt als Diagnostik anbieten zum Teil nicht mehr machen.


    Unser Glück ist, dass nur zwei unser sechs Mitarbeiterinnen einen Kinderwunsch haben und sich das halt irgendwie regeln lassen wird. Wären es mehr würde das echt schwierig werden.


    Als Frau finde ich diese Denke fürchterlich.

    Aber da sind wir doch schon wieder bei der Frage, wie die Situation denn wäre, wenn junge Väter nicht nur maximal 2 Monate Elternzeit nehmen würden, sondern sich diese Zeit hälftig mit den Frauen aufteilen und anschließend in Teilzeit gehen. Sobald das normal wird, gibt es eben auch keinen Grund mehr, bei der Einstellung von jungen Frauen mehr Bedenken zu haben als bei jungen Männern?


    Es wäre auch strategisch total klug, den Frauen MEHR Lohn anzubieten, damit sie Anreize haben, bald wieder zurück in den Beruf zu kommen und bei der innerfamiliären Entscheidung mehr Gewicht haben. (ja ich weiss, das können kleine Betriebe sicher auch nicht gut leisten, aber es geht mir drum zu sagen, dass die aktuelle Situation kein Naturgesetz ist, und die Logik, über die ja oft Konsens herrscht, eben auch nicht zwingend logisch ist).


    lg martita

  • Würde Reproduktionsarbeit anerkannt, wäre das irgendwie so, als wären die Mütter bei der Freiwilligen Feuerwehr oder so, würden also krass wertvolle und notwendige Arbeit neben der Erwerbsarbeit leisten, und müssten deshalb manchmal mitten in der Arbeitszeit zum Einsatz. Da würde niemand denken, dass die Erwerbsarbeit der Freiwilligen Feuerwehrleute deshalb weniger wert ist.

    #super toll geschrieben. Ja!

    Verlasse die Welt ein bisschen besser, als du sie vorgefunden hast (B.P)

  • Ein Kollege formulierte das mal so: Als Frau kann man ja immer noch heiraten und Kinder kriegen.

    Ja, das ist genau das, was ich ausdrücken wollte. Das wird mit einer wahren inneren Überzeugung vorgetragen und ist die Kehrseite der Medaille, die ich im Kopf hatte.


    Zur "Lust"-Frage und weil da oft der Einwand kommt "also ich als Frau habe auch keine Lust". Stimmt! Wie ich schon sagte: Am Ende ist es eine individuelle Einstellungs- und Prioritätenfrage. Es gibt Frauen, die haben absolut keine Lust auf Care-Arbeit und es gibt Männer, die würden sofort ihren Job hinschmeißen und sich liebend gern um ihre Kinder kümmern, wenn sie eine Frau hätten, die sie versorgt. Alles individuell und alles möglich. Nur ist die individuelle Lust immer der gesellschaftlichen, familiären und milieugebundenen Bedingungen unterworfen, selbst wenn es sich wie eine völlig eigene Überzeugung anfühlt. In der Fraktion "keine Lust" finden sich immer noch mehr Männer. Da ich nicht an die biologische Vorsehung glaube, bin ich davon überzeugt, dass es der gesellschaftliche Konsenz ist. Und davon, dass Frauen, wenn sie keine Lust haben, eher aus Pflichtgefühl die Care-Arbeit übernehmen, weil das ihrer Vorstellung entspricht, bzw. weil die Männer diese Verantwortung abgeben, weil ... naja, wie oben schon ausgeführt, sie diese Verantwortung nicht als ihre empfinden.

  • In Neuseeland gibt es jetzt bezahlten “Mutterschutz” auch nach einer Fehlgeburt https://www.nytimes.com/2021/0…scarriage-paid-leave.html

    Das ist spannend!


    Aber drei Tage??

    Ich finde es eine Anerekennung dessen, was passierte.

    Problem ist doch eher, dass viele Frauen ihre (frühen) Fehlgeburten gar nicht beim AG kundtun um nicht in der "die wird doch eh bald wieder schwanger"-Schiene zu landen und sie sich damit die nächste Beförderung/Gehaltserhöhung/Vertragsentfristung abschmieren kann.

  • Oder weil sie nicht mit hinz und kunz darüber sprechen wollen, dass sie eine Fehlgeburt hatten.


    Aber es ist zumindest echt schön, dass eine Fehlgeburt überhaupt berücksichtigt wird

  • Passendes meme ist passend: